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Im Bett mit dem Boss

PROLOG

„Also, wie heißt sie, Luke?“, fragte Karim, als er und Luke zusammen den Squash-Court verließen.

„Wer?“

„Die Frau, die dich ablenkt.“ Karim musterte seinen besten Freund mit einem abschätzenden Blick. „Warum sonst sollte ich dich so haushoch schlagen?“

Obwohl er übler Laune war, musste Luke grinsen, erkannte er doch die Frage wieder, die er selbst Karim vor gar nicht allzu langer Zeit gestellt hatte. Der Unterschied allerdings lag darin, dass, als er gefragt hatte, Karim tatsächlich von einer Frau abgelenkt worden war – der Frau, die er inzwischen geheiratet hatte. Bei Luke war das etwas anderes, er hatte nicht vor, irgendjemanden so nahe an sich heranzulassen. „Nicht privat“, antwortete er knapp. „Geschäftlich.“

„Hört sich an, als könntest du etwas Aufmunterung gebrauchen – à la Lily. Komm mit zu uns zum Abendessen.“

„Was denn, jetzt? Es ist kaum fair, Lily so plötzlich einen unerwarteten Gast aufzuhalsen.“

„Du bist kein Gast.“ Bevor Luke weiter protestieren konnte, hatte Karim schon die eingespeicherte Telefonnummer gedrückt. Zwei Minuten später unterbrach er die Verbindung wieder. „Alles geregelt.“

Luke akzeptierte die Einladung. Heute Abend würde er sowieso keinen Ersatz mehr für Diana finden. Die Zeitarbeitsagentur schickte morgen früh jemanden, und hoffentlich blieb dieser Jemand dann lange genug, bis er jemanden gefunden hatte, der seine persönliche Assistentin während des Mutterschaftsurlaubs vertreten konnte.

Er würde sich wohl gedulden müssen.

Geduld, pah! Ein Wort, das es in seinem Wortschatz nicht gab. Wenn Luke etwas wollte, dann setzte er auch sofort alle Hebel in Bewegung, um es zu bekommen. Auf andere warten zu müssen war der beste Weg, ihn in den Wahnsinn zu treiben.

Die Fahrt zu Karims Stadthaus verlief in einträchtigem Schweigen. Karim schloss die Haustür auf und ging direkt in die Küche, um seine Frau lange und ausgiebig zur Begrüßung zu küssen.

„Herrgott, lass doch endlich die Frau los. Ihr seid seit drei Monaten verheiratet. Müsstest ihr nicht langsam über diese Phase hinaus sein?“

Lily drehte sich lachend zur Tür, wo Luke stand. „Du bist ja wirklich ziemlich durcheinander, Luke. Da …“ Sie zeigte auf die Platte mit Kanapees, die auf dem Granittisch in der Mitte der Küche stand. „Die werden helfen, den schlimmsten Hunger bis zum Abendessen zu überbrücken.“

Luke wurde jäh klar, dass er seinen Lunch glatt vergessen hatte. Er war zu beschäftigt gewesen, um an Essen zu denken. Jetzt meldete der Hunger sich prompt und heftig. Er brauchte keine zweite Aufforderung, setzte sich auf den Barhocker und bediente sich.

Lilys Essen war wie immer ein unglaublicher Genuss. „Die sind gut. Danke, Lily“, sagte er kauend.

Mit einem leichten Nicken nahm sie das Kompliment entgegen. „Sagst du uns jetzt, was dich so aufregt?“

Luke seufzte. „Ich wünschte, ich würde verstehen, warum Frauen überhaupt Babys bekommen wollen. Diana übergibt sich mit schöner Regelmäßigkeit, praktisch seit der Schwangerschaftstest positiv ausgefallen ist, und …“, er brach abrupt ab, sah die Blicke, die Lily und Karim austauschten. Das konnte nur eines bedeuten. „Entschuldigung, wo bleiben meine Manieren? Das gilt natürlich nicht für euch beide. Ich freue mich für euch, ehrlich.“

„Das solltest du auch besser“, kam es von Karim. „Schließlich wirst du Patenonkel.“

Es war mehr als wahrscheinlich, dass er bereits Onkel war. Aber den Gedanken blockte Luke sofort ab.

Er hatte eine Entscheidung getroffen, auch wenn sie hart gewesen war. Aber es war die einzige gewesen, die er hatte treffen können. Wäre er geblieben, wäre er so geendet wie alle Männer in seiner Familie.

Hinter Gittern.

„Ich fühle mich geehrt. Wann ist es so weit?“

„In sieben Monaten.“ Lily lachte. Auf dem Weg zum Kühlschrank zauste sie ihm das Haar. „Du gibst dir wirklich Mühe, immer das Richtige zu sagen, was?“

Sie behandelte ihn wie einen großen Bruder, etwas, das ein seltsames Gefühl in Luke auslöste. Als gäbe es einen leeren Platz in seinem Innern, ein Platz, an dem der verborgene Wunsch lebte, Teil einer Familie zu sein.

Doch das war lächerlich. Das alles hatte er hinter sich, und er kam bestens allein zurecht. „Ich bin nur nett zu dir, weil ich etwas zu essen haben will.“

Sie lachte über seine Frotzelei. „Tu nicht so. Ich weiß genau, dass du im Grunde deines Wesens ein Schmusekätzchen bist.“

Karim lachte auch und zog seine Frau auf seinen Schoß, um schützend die Hände auf ihren Bauch zu legen.

Luke beschloss, auf den leichten Ton einzusteigen. „Für dich könnte ich eines werden.“ Er grinste. „Unglücklicherweise hast du aber einen Ehemann, der etwas dagegen haben wird. Also gebe ich mich damit zufrieden, von dir gefüttert zu werden.“

„Das wirst du“, versicherte sie ihm. „Also, was ist los? Leidet deine Sekretärin unter morgendlicher Übelkeit?“

„Und unter Mittagsübelkeit und Nachmittagsübelkeit. Mein Büro ist ein einziges Chaos. Sie hat nicht einmal eine anständige Übernahme mit den Zeitkräften organisieren können – wenn die überhaupt auftauchen – und …“, entnervt brach er ab und schüttelte den Kopf. „Ich hab sie nach Hause geschickt, für den Rest der Schwangerschaft. Oder bis sie sich besser fühlt und das Tempo mithalten kann. Natürlich bei vollem Gehalt. Aber ich brauche dringend jemanden, der das Chaos wieder in Ordnung bringt, bevor mir noch mehr günstige Gelegenheiten durch die Finger schlüpfen.“

„Also jemanden, der organisieren kann.“ Lily runzelte nachdenklich die Stirn. „Mir fällt da jemand ein … Louisa, bei der ich meine Zutaten kaufe, hat eine Schwester. Sie arbeitet freiberuflich als Organisatorin.“

„Wofür?“

„Du kennst doch diese Fernseh-Shows mit den Leuten, die zu dir nach Hause kommen, die Dinge für dich in Ordnung bringen und dir zeigen, wie du auch selbst alles in Ordnung halten kannst? Nun, das ist es, was Sara macht. Nur eben für Büros und Geschäfte. Sie ist ein Organisationstalent, extrem effizient und wirklich gut.“

„Hast du ihre Telefonnummer?“

„Nein, aber die ihrer Schwester.“ Lily verschwand für einen Moment und kam mit einer Visitenkarte zurück, die sie Luke reichte. „Hier.“

„Fleet Organics“, las er laut.

„Sie haben sich auf biologischen Anbau spezialisiert“, erklärte Lily. „Wenn du anrufst, frag nach Louisa, sag ihr, dass du die Nummer von mir hast und dass du mit Sara sprechen möchtest.“

„Danke.“ Luke steckte die Karte in seine Brieftasche. „Wenn diese Organisatorin wirklich so gut ist, wie du sagst …“

„Kann sein, dass sie ausgebucht ist“, warnte Lily.

„Hm, warst du das nicht auch, als Karim dich anheuern wollte? Und doch hat er dich mit seinem Charme überredet, bei ihm das Catering zu übernehmen“, erinnerte Luke sie mit einem breiten Grinsen. „Ich ruf sie an und sehe, was sie für mich tun kann. Danke für den Tipp.“

1. KAPITEL

Sara überprüfte noch einmal die Adresse. Ja, sie stimmte. Ein ehemaliges Warenhaus, umgebaut zu einem modernen Geschäfts- und Wohnblock, rote Ziegel und viel Glas. Im Parterre kleine Geschäfte, Cafés und Bistros und in den oberen zwei Etagen vermutlich Büros. Der Architekt hatte sich das eingestürzte Dach zunutze gemacht und dort am Ende des Gebäudes einen Turm errichtet, eine Seite ganz aus Glas. Das würde wohl der bewohnte Teil sein. Die Räume mit der Glaswand mussten eine fantastische Aussicht auf die Themse haben.

Eine solche Wohnung musste ein Vermögen kosten. Aber sie war auch zufrieden mit dem Zimmer, das sie in der Wohnung ihres ältesten Bruders bewohnte. Nur weil sie keine eigene Wohnung hatte, hieß das noch lange nicht, dass sie nicht glücklich war. Sie hatte eine wunderbare Familie, großartige Freunde und einen Job, der ihr Spaß machte. Was brauchte sie mehr?

Sie nahm die Treppe in den ersten Stock, wo eine junge Frau am Empfang saß. „Sara Fleet“, stellte sie sich vor. „Ich habe einen Termin mit Luke Holloway.“ „Den Gang entlang, letzte Tür rechts“, erklärte die Empfangsdame mit einem freundlichen Lächeln.

Luke Holloway. Am Telefon hatte er sich angehört wie ein Mann, der wusste, was er wollte, und keine Zeit verschwendete. Umso erstaunlicher, dass er einen Organisator für sein Büro brauchte. Normalerweise hatte sie mit Leuten zu tun, die wichtige Termine auf Zettel schrieben, die sie dann prompt verloren, oder Unterlagen in eine Schublade stopften und von einem Ablagesystem noch nie etwas gehört hatten. So hatte Luke nicht geklungen, als er sie gebeten hatte, sich in seinem Büro mit ihm zu treffen. Was für ein Mann mochte er also sein?

Nun, das würde sie ja jetzt herausfinden.

Die letzte Tür rechts auf dem Gang war geschlossen. Sara klopfte an und wartete.

„Herein“, erklang es knapp und leicht gereizt.

Sie hatte sich jemanden im dunklen Nadelstreifenanzug vorgestellt. Stattdessen sah der Mann, der da am Schreibtisch saß, die Füße hochgelegt, ein Telefon am Ohr, eher aus wie ein Rockstar. Schwarzer Kaschmirpullover, schwarze Hose, das schwarze Haar gepflegt wirr – die Art Haarschnitt, die einen unwillkürlich denken ließ, dass der Träger soeben erst aus dem Bett aufgestanden war – und die blausten Augen und der sinnlichste Mund, die Sara je gesehen hatte. Ihr Herz setzte für einen Schlag aus.

Doch Sara wusste, dass man Geschäft und Privates nie vermischen durfte. Und dieser Mann war ihr Kunde. Nun, ihr potenzieller Kunde, und sie hatten vereinbart, sich zu einer ersten Besprechung zu treffen. In der Vergangenheit hatte Sara die Erfahrung gemacht, dass sich jemand am Telefon durchaus vernünftig anhören konnte, es dann aber ein Albtraum war, mit ihm zu arbeiten. Deshalb war ein persönliches Treffen immer besser. Vor allem, da sie stolz war auf ihre Fähigkeit, Menschen schnell und richtig einschätzen zu können. Was das Geschäftliche anging, hatte sie nicht ein einziges Mal falsch gelegen.

Im Privaten allerdings … Aber jetzt war sicherlich nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzugrübeln.

Luke legte die Hand über die Muschel. „Sind Sie Sara?“, fragte er leise.

Sie nickte.

„Gut. Ich bin Luke. Geben Sie mir noch zwei Minuten, ja? Setzen Sie sich doch. Oder sehen Sie sich um, ganz wie Sie möchten.“

Er hielt sich an die zwei Minuten. Sara blieb nicht mehr Zeit, als festzustellen, dass es zwei Schreibtische im Raum gab, mit dem neuesten Computerequipment und ansonsten absolut leeren Oberflächen, und eine Schrankwand für die Akten. Der Blick aus dem hohen Fenster auf die Themse war atemberaubend. Sara sah Schiffe über den Fluss gleiten, und das Wasser glitzerte in der Sonne.

„So, jetzt gehöre ich ganz Ihnen.“

Die Bilder, die das in ihrem Kopf hervorrief … Höchst unprofessionelle Bilder. Bilder, wie er nackt auf einem frischen glatten Leinenlaken lag, das kurz davorstand, ganz schrecklich verknittert zu werden.

Sie schob diese Gedanken beiseite und flehte inständig, ihr Gesicht möge nicht so rot und überhitzt aussehen, wie es sich anfühlte. Was, zum Teufel, war los mit ihr? Niemals, aber wirklich absolut niemals erging sie sich in Fantasien über ihre Kunden. Auch nicht über die gut aussehenden.

Nur … Luke Holloway sah nicht nur einfach gut aus, er war der umwerfendste Mann, dem sie je begegnet war.

„Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?“

„Danke, gern.“ Viel eher hätte sie jedoch eine kalte Dusche gebrauchen können.

„Das Bad ist dort durch die Tür.“

Oh Gott! Sie hatte das mit der kalten Dusche doch nicht etwa laut ausgesprochen!! Dann setzte ihr gesunder Menschenverstand wieder ein. Ganz offensichtlich hatte Luke damit nur gemeint, falls sie die Toilette nutzen wollte. „Danke, aber das ist im Moment nicht nötig.“

Er ging durch eine andere Tür in eine kleine Küche, kam zurück mit zwei Tassen Kaffee, Milch und Zucker und einer Keksdose.

Er hob den Deckel ab. „Bitte, bedienen Sie sich.“

Das waren sündhaft teure Schokoladenkekse. Es musste auf ihrem Gesicht gestanden habe, wie beeindruckt sie war, denn er lachte leise.

„Mein einziges Laster. Nun, fast.“

Sie sah das Funkeln in seinen Augen und konnte sich denken, welches Laster er noch hatte. Es hing wohl mit den Bildern zusammen, die sich ihr vorhin aufgedrängt hatten. Angestrengt unterdrückte sie diese Gedanken, hier ging’s ums Geschäft. Er suchte eine Person, die für ihn aufräumte, keine, die mit ihm ins Bett ging.

Außerdem war sie für eine Affäre nicht zu haben. Sie mochte ihr Leben genau so, wie es war. Glücklich. Erfüllt. Und vor allem unkompliziert.

„Sie meinen also, ich kann Ihnen helfen“, setzte sie an. „Wieso?“

„Sie sind mir empfohlen worden. Lily hat mich aber auch vorgewarnt, dass Sie viel beschäftigt sind.“

„Das bin ich auch.“ Sie zuckte mit einer Schulter. „Den Sommer wollte ich mir freinehmen. Ein bisschen reisen, Griechenland oder Italien …“

„Gutes Essen, tolles Wetter und fantastische Sandstrände.“

„Ruinen“, stellte sie richtig. Den ganzen Tag an einem Strand zu sitzen und nichts zu tun war für sie der Inbegriff der Langeweile. Sie liebte Exkursionen. „Einer der Vorteile, wenn man selbstständig ist. Man kann sich Urlaub nehmen, wann man will.“

„Die meisten Selbstständigen muss man zwingen, dass sie überhaupt einmal Urlaub machen.“

Redete er da von sich selbst? Sara sah ihn offen an. „Es ist wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen, den Duft der Rosen zu schnuppern, sozusagen. Wenn man den Akku nicht immer wieder auflädt, ist er bald ausgebrannt. Und dann sind Sie keinem mehr etwas nütze. Gutes Zeitmanagement ist unerlässlich.“

Er sah nicht überzeugt aus, aber zumindest widersprach er nicht. Schon mal ein Pluspunkt. Nach Hugh hatte Sara genug von Männern, die Workaholics waren. Ach was, Hugh. Sara hatte genug von Männern, Punkt. Ihre Beziehungen beschränkten sich auf lockere Flirts. Unverbindlich eben.

„Mein Büro ist normalerweise nicht so desorganisiert“, entschuldigte er.

„Desorganisiert?“ Es war makellos ordentlich in dem großen Raum, es sei denn, ihr war etwas Wesentliches entgangen.

„Wie ich schon am Telefon sagte, meine Assistentin macht eine beschwerliche Schwangerschaft durch und fehlt deshalb oft. Ich habe zwar Zeitkräfte angeheuert, aber die haben sich nicht die Mühe gemacht, Ordnung zu halten.“ Er schlug die Augen zur Decke auf. „Die, die heute kommen sollte, ist nicht einmal aufgetaucht. Mein Anruf, als Sie hereinkamen, war meine Nachfrage bei der Agentur, was überhaupt passiert ist.“

Sara konnte dem Impuls, ihn ein wenig aufzuziehen, nicht widerstehen. „Steht Ihr Name etwa auf der Schwarzen Liste der Zeitarbeitskräfte – als Sklaventreiber?“

„Ich bin kein Sklaventreiber, aber ich erwarte anständige Arbeit für eine anständige Entlohnung. Wenn man nicht einmal professionell das Telefon beantworten und eine Nachricht aufnehmen kann, sollte man nicht als Sekretärin arbeiten.“ Er fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. „Eine von ihnen war wirklich gut, aber als ich sie länger engagieren wollte, sagte man mir bei der Agentur, dass sie schon von einer anderen Firma vorgebucht worden sei.“ Er stützte die Ellbogen auf den Schreibtisch. „Und so stecke ich jetzt in der Klemme. Ich brauche jemanden, der mein Büro wieder in die Ordnung bringt, an die ich gewöhnt bin, und es führt, bis Di sich entscheidet, ob sie nach der Geburt ihres Babys wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren will.“

„Ersteres kann ich machen“, stimmte Sara zu. „Aber ich übernehme nur kurzfristige Aufträge. Ein Ersatz während des Mutterschaftsurlaubs … das ist mir zu lange.“

„Ist klar.“

„Über wie viel Ablage reden wir hier? Wenn ich nicht urplötzlich blind geworden bin, sehe ich hier nämlich nichts, was abgeheftet werden müsste.“

Luke ging zum anderen Schreibtisch hinüber und zog einen großen Karton darunter hervor, aus dem Blätter in alle Richtungen schauten. „Über so viel. Ich weiß, ich weiß – hefte täglich ab, und es dauert fünf Minuten. Tust du es nicht, wird es zur Strafarbeit. Di fühlte sich zu schlecht, um es zu machen, aber da sie weiß, wie sehr ich Unordnung hasse, hat sie es in den Karton gelegt, um es später zu erledigen, wenn es ihr wieder besser geht.“

„Nur ging es ihr nie besser, und die Zeitarbeitskräfte haben den Karton ignoriert.“

„Richtig.“

„Erhalte ich freie Hand, um Ihr Ablagesystem zu reorganisieren?“

„Wenn es Zeit sparen hilft, ja. Wenn Sie damit Ihr Honorar in die Höhe jagen wollen, nein.“

Seine Offenheit gefiel ihr. So wusste sie auf jeden Fall von Anfang an, woran sie bei ihm war. Kein Reden um den heißen Brei, kein Verstecken hinter höflichen Floskeln und dem perfekten Benehmen der britischen Oberklasse, so wie bei Hugh. „Was genau machen Sie eigentlich?“

„Wollen Sie etwa behaupten, Sie hätten nicht im Internet nach mir gesucht?“

Natürlich hatte sie. „Man erfährt nicht allzu viel. Sie sind achtundzwanzig und ein Selfmade-Millionär.“ Und seine Freundinnen waren alle der Model-Typ. Endlose Beine, exotisches Aussehen und fantastische lange Haare. Er ging oft aus, war auf den Gästelisten der angesagtesten Partys zu finden und wechselte seine Begleiterinnen ständig. „Doch Zeitungsartikel und Online-Klatsch entsprechen nicht immer der Wahrheit.“

„Mir hat das Netz auch nicht viel über Sie verraten. Außer dass Sie keine eigene Website haben.“

Also hatte er auch nach ihr gesucht? Trotz Empfehlung? Nun, Luke Holloway war ein Mann, der auf Details achtete. „Ich brauche keine Website. Zufriedene Kunden sind die beste Werbung.“

„Da kann ich nur zustimmen. Eine Werbung, die der Wahrheit entspricht und nicht gekauft werden kann.“

Wieso redeten sie hier eigentlich über ihr Geschäft? Sie wollte doch etwas über seines herausfinden. „Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet.“

„Ich kaufe Firmen auf und verkaufe sie wieder.“

Sara blinzelte. „Sie schlachten Betriebe aus?“ Für so jemanden wollte sie nicht arbeiten. Auch wenn er den sinnlichsten Mund überhaupt hatte. Sie hatte Prinzipien. Prinzipien, bei denen sie nach Hugh keine Kompromisse mehr machen würde.

„Nein. Ich langweile mich schnell, und ich mag Herausforderungen. Also kaufe ich marode Betriebe auf und baue sie auf. Wenn sie wieder florieren, handle ich meist einen Deal mit dem Management aus, den Betrieb zurückzukaufen.“

Also ernteten die Leute, die zusammen mit ihm für die Sache gearbeitet hatten, die Früchte. Ein Mann mit Gewissen.

Ganz anders als Hugh, der Betrüger.

„Ich bin gut darin, Problemlösungen zu finden. Normalerweise.“ Er rollte mit den Augen. „Das hier ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.“

„Was für Firmen sind das?“

„Sport und Freizeit. Fitnessclubs, Erholungszentren … Ich denke daran, das Ganze noch auszuweiten.“

„Und das machen Sie allein?“

„Zusammen mit einer guten Assistentin. Und natürlich den Managern des jeweiligen Betriebs, wenn sie clever genug sind, zu mir zu kommen, bevor es wirklich keine Rettung mehr gibt.“ Luke gefielen die Fragen, die Sara Fleet stellte. Sie kam direkt auf den Punkt.

Doch, mit ihr würde er arbeiten können. „Und warum haben Sie sich für Ihren Beruf entschieden?“

„Eigentlich aus den gleichen Gründen wie Sie. Ich löse gerne Probleme und langweile mich schnell.“

Das wurde ja immer besser. Er würde definitiv mit ihr arbeiten können!

„Und es gefällt mir, Ordnung ins Chaos zu bringen.“

„Sind Sie noch bei Verstand?“ Er schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Entschuldigung“, meinte er zerknirscht, „das sollte keine Beleidigung sein. Aber ich hasse Ablage, daher bin ich extrem dankbar, jemanden zu finden, der so etwas gern macht. Ich versteh nur nicht, wie man so etwas gern tun kann.“

„Ich bin wohl so etwas wie ein Ordnungsfreak.“ Sie sah sich in dem minimalistisch eingerichteten Büro um. „Sie aber scheinbar auch.“

„Ich weiß, dass ich meine Nase in Dinge stecke, die mich nichts angehen, aber … Ihre Schwester sagte mir, dass Sie einen Hochschulabschluss haben. Wieso arbeiten Sie dann als Büro-Organisatorin?“

„Sie meinen, als glorifizierte Bürogehilfin?“

Er blinzelte. War er so durchschaubar? Oder hatte sie die Frage einfach nur schon hundertmal gehört? „So grob wollte ich eigentlich nicht sein, aber wenn Sie schon fragen … ja.“

„Ich sichere Informationen. Vermutlich hätte ich mich auch gut als Bibliothekarin oder Archivverwalterin gemacht, aber ich mag die Herausforderung, mich jedes Mal auf ein neues Arbeitgebiet einzustellen. Meine Familie nervt mich ständig mit dem akademischen Titel, aber ich hatte einfach genug vom Elfenbeinturm, ich wollte nicht noch länger darin sitzen, um meinen Doktor zu machen. Also habe ich eine Zeit lang als Zeitkraft gearbeitet, bis Lou darauf kam, dass ich meine Dienste auch freiberuflich anbieten könnte anstatt über eine Agentur.“

Die Bemerkung über ihre Familie ignorierte er. Ihm sollte es gleich sein, ob sie ihre Wurzeln bis zur zehnten Generationen zurückverfolgen konnte oder ob sie bestens mit ihren Cousinen vierten Grades zurechtkam. Ihm war nur wichtig, dass sie den Job erledigen konnte. Und bisher schien sie ihm recht gut dazu in der Lage zu sein. „Hört sich vernünftig an.“ Er hielt kurz inne. „Was tun Sie noch gerne? Ich meine, außer Sortieren?“

„Zum Beispiel?“

Mit dem Ersten, das ihm in den Sinn kam, schockierte er sich selbst. Er hatte die Frau doch gerade erst getroffen, Herrgott! Zudem war Sara das genaue Gegenteil des Typs, auf den er normalerweise reagierte – abgesehen von ihren langen Beinen. Ihr blondes Haar war zu einem perfekten Knoten geschlungen, während seine Freundinnen immer dunkles Haar hatten und eine Frisur, als wären sie soeben erst aus den Bett gestiegen. Auch waren ihre Augen blau und klar statt des üblichen warmen, glutvollen Brauns. Sie war für ein Geschäftstreffen gekleidet – schwarzes Kostüm mit cremefarbener Bluse, die eng am Hals liegende Perlenkette verlieh ihrem Erscheinungsbild einen Hauch von Klasse.

Dann waren da allerdings die Schuhe.

Absätze, für die man einen Waffenschein brauchte. Glänzend. Und pink.

Luke holte tief Luft, um seine Erregung im Zaum zu halten. Denn das war völlig unangebracht. Selbst wenn Sara Fleet einen wunderbaren Mund und Beine hatte, von denen er gern mehr gesehen hätte. Hier ging es ums Geschäft. Nein, er würde nicht seinem Impuls folgen und sie zum Dinner einladen, geschweige denn, sie in seine Arme reißen, ihr den Knoten lösen und sie küssen. Wenn man Geschäft und Vergnügen vermischte, war die Katastrophe vorprogrammiert.

Außer bei Karim und Lily. Aber Ausnahmen bestätigten ja bekanntlicherweise die Regel.

Konzentrier dich! „Ich weiß nicht, wie lange Sie brauchen werden, um den Karton da zu sortieren, und ich weiß auch nicht, wie lange es dauert, bis ich eine Vertretung für Di gefunden habe. Und wie Sie selbst gesagt haben, Sie langweilen sich schnell, aber …“ Zwar wusste er, dass er sich hier vielleicht zu weit vorwagte, doch auf sein Bauchgefühl konnte er sich normalerweise verlassen. „Ich habe da etwas Neues vor, und ich könnte eine weibliche Meinung gebrauchen. Eine ehrliche weibliche Meinung.“

„Worum geht es?“

„Um ein neues Projekt.“

„Jetzt bin ich genauso schlau wie vorher.“

Er liebte ihren ironischen Tonfall. Sie würde ihm offen sagen, was sie dachte, anstatt das, was er hören wollte. Er schätzte Ehrlichkeit und Offenheit. „Ich denke daran, ein Hotel zu kaufen. Mir stehen drei oder vier Optionen offen, und ich will sie mir alle ansehen. Was bedeutet, dass ein paar Geschäftsreisen anstehen. Wäre das ein Problem?“

„Nein. Justin macht das nichts aus.“

Justin? Wohl ihr Partner. Sehr schön. Damit war sie also endgültig tabu für ihn. Luke ging grundsätzlich nur mit ungebundenen Frauen aus, und dann auch nur mit solchen, die nicht gleich die Hochzeitsglocken läuten hörten. Da Sara in einer festen Beziehung steckte, konnte er die Anziehungskraft vergessen und schlicht und einfach mit ihr zusammenarbeiten. Er nahm einen Schluck Kaffee, dann zeigte er ihr das Ablagesystem, die Büroausstattung, erklärte ihr die Büroroutine und beantwortete ihre Fragen – intelligente Fragen, nicht nur Verlegenheitsfloskeln.

Es wurde Zeit, eine Entscheidung zu fällen. „So weit also die Gegebenheiten.“ Er hielt inne. „Erklären Sie sich bereit, mein Büro in Ordnung zu bringen und als meine Assistentin zu arbeiten, bis ich eine Schwangerschaftsvertretung gefunden habe?“

„Ja.“ Dann nannte sie ihm ihren Stundensatz.

„Das ist weniger, als die Agentur verlangt.“

„Weil die Agentur“, konterte sie trocken, „ihren Arbeitskräften nur ungefähr die Hälfe von dem zahlt, was sie dem Kunden in Rechnung stellt.

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