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Ich werde töten

Über den Autor

Martin Conrath hat bereits einige Kriminalromane veröffentlicht, von denen einer als Tatort verfilmt wurde. Außerdem ist er ein Teil des Autorenduos Sabine Martin, das erfolgreich Historische Romane schreibt. Nach Der Schmerzsammler und Teufelsblume ist Ich werde töten der dritte Thriller um die charakterstarke Ermittlerin Fran Miller. Martin Conrath lebt und schreibt in Düsseldorf.

Martin Conrath

Ich werde töten

Thriller

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BASTEI ENTERTAINMENT

»Es gibt keine Handlung,
für die niemand verantwortlich wäre.«

Otto von Bismarck

Prolog – Samstag, 18. Juli

Das Riesenrad drehte sich träge in der Julihitze, die Speichen und Gondeln warfen Schatten auf die Gokartbahn, die in rund zwanzig Metern Entfernung aufgebaut war. Dutzende Kinder johlten dort vor Vergnügen, wenn sie sich mit Höchstgeschwindigkeit in die Kurven legten und fast aus der Bahn flogen.

Es mochten an die dreihunderttausend Menschen auf dem Gelände unterwegs sein, die Menge floss wie zähe Lava an den Fressbuden und Schießständen vorbei, unaufhaltsam und heiß darauf, den Alltag zu vergessen.

Ein Löschwagen der Feuerwehr näherte sich mit überhöhter Geschwindigkeit von der rechten Rheinseite her der Stelle, an der das Riesenrad über die Kniebrücke ragte. Seine Nabe schloss mit der Oberkante der Straße ab.

Als der Löschwagen auf Höhe des Riesenrades angekommen war, riss der Fahrer das Lenkrad herum, seine Beifahrer zuckten nicht mal mit der Wimper angesichts des sicheren Todes. Mühelos durchbrach das tonnenschwere Fahrzeug die Betonsperre; mit kaum dreißig Zentimetern Höhe hatte sie der Masse des Fahrzeugs nichts entgegenzusetzen. Das Geländer knickte um wie ein Bund Strohhalme.

Von jetzt an verlief alles in Zeitlupe. Der Löschwagen überwand die Distanz zwischen der Brücke und dem Riesenrad mühelos. Er schoss auf die Nabe zu, kaum ein Gesicht zeigte Entsetzen, niemand erkannte die Gefahr, niemand begriff, dass der Tod auf ihrer Türschwelle stand. Die Felgen des Riesenrades brachen, die Halterungen der Gondeln barsten, sie schlugen wie Geschosse im Bierzelt ein, hinterließen zerschmetterte Körper und schreiende Menschen.

Die Schnauze des Löschwagens senkte sich, doch noch bevor er auf dem Boden aufschlug, hüllte ein Feuerball alles ein. Es dauerte drei oder vier Wimpernschläge, dann war die Sicht wieder frei.

Brennende schreiende und zuckende Körper stürzten zu Boden, aber das Schlimmste war: Die Träger auf der rechten Seite des Riesenrades waren gebrochen. Der Gigant neigte sich zur Seite, und wenn er fiel, würde er die Gokartbahn und alle Kinder dort, die noch lebten, unter sich begraben. Niemand würde den nächsten Sonnenaufgang erleben.

Zwei Wochen vorher – Samstag, 4. Juli

»Sie können sich gerne bei Chefredakteur Helversum beschweren, Herr Mittermaier. Er steht neben mir. Einen Moment, ich gebe Sie weiter«, sagte Rudger Krüger und reichte seinem Chef mit einem Grinsen das Telefon.

Helversum redete sofort auf Mittermaier ein, Rudger hörte gar nicht hin, denn er wusste, was der verbohrte Nazi zu hören bekommen würde: dass er gerne ein Dutzend Anwälte einschalten dürfe, dass die »Düsseldorfer Neue Post« nicht eine Zeile zurücknehme von dem, was er, Rudger, geschrieben hatte, und dass er, Helversum, dasselbe noch hundert Mal abdrucken werde, weil es schlicht die Wahrheit war, beweisbar und vor jedem deutschen Gericht wasserdicht.

Rudgers Chef nahm sich nur deshalb so viel Zeit für diesen unverbesserlichen Altnazi, weil er wollte, dass die ganze braune Blase wusste, dass er hinter seinen Redakteuren stand, insbesondere hinter Rudger Krüger, und dass er prozessieren würde, bis die Hölle einfror, und dass er sich von niemandem einschüchtern ließ, nicht von Nazis und auch nicht von Rockern, die vor dem Verlagsgebäude aufgelaufen waren und versucht hatten, Redakteure am Betreten ihres Arbeitsplatzes zu behindern.

Seit Helversum Chefredakteur der »Düsseldorfer Neuen Post« war, hatte sich einiges geändert. Natürlich war die konservative Linie des Blattes beibehalten worden, alles andere hätte zu große Einbrüche bei der Werbung und bei der Leserschaft nach sich gezogen, und damit bei den Einnahmen. Aber Helversum war ein aufrechter Demokrat, ja so etwas wie ein Gerechter unter den Chefredakteuren. Wahrheit ging bei ihm noch immer vor Umsatz, und aus dem Grund hatten sich Helversum und Geschäftsführer Friedhelm Winter fast einen Monat täglich bis aufs Blut gestritten, oft vor versammelter Mannschaft.

Das Ergebnis war eine Strategie der Zweigleisigkeit: Winter hatte im Konzern durchgesetzt, dass die »DNP« den überregionalen Teil der anderen Konzernblätter hauptverantwortlich gestaltete, dafür ließ Helversum den Ressortleitern des Regionalteiles der »DNP« weitgehend freie Hand im Sinne einer größtmöglichen Kundenbindung. Und das hieß: Baby des Monats, mit Bild natürlich; eine halbe Seite mehr für Leserbriefe, eine halbe Seite mehr für Regionalsport und einige andere unerfreuliche Zugeständnisse an die Marketingabteilung. In einem war Helversum hart geblieben. Nur die Wahrheit kam ins Blatt. Keine Gerüchte, keine Großüberschriften mit Fragezeichen im Stil von: »Hat Hugo M. seine Frau jahrelang vergewaltigt?«.

»So etwas«, hatte Helversum Winter am Anfang einer der ersten Redaktionskonferenzen an den Kopf geworfen, »ist Vorverurteilung, und Vorverurteilung ist Boulevard, und Boulevard ist kein Journalismus, und für Boulevard gebe ich mich nicht her.«

Mit hochrotem Kopf war Winter abgerauscht, und Helversum hatte die Redaktion angeknurrt: »Wer jetzt applaudiert, fliegt.«

Rudger hatte nicht einen Gesichtsmuskel verzogen, keiner hatte sich bewegt, bis Helversum tief durchgeatmet, mit der flachen Hand auf den Tisch geschlagen und damit die Konferenz eröffnet hatte.

Das war fast ein halbes Jahr her, und Rudger erinnerte sich nicht nur wegen der Auseinandersetzung zwischen den beiden Alphatieren an die Konferenz. In dieser Konferenz hatte Rudger das Thema Mittermaier vorgeschlagen. Mittermaier war ein bedeutender Düsseldorfer Unternehmer, er war Geschäftsführer und Inhaber eines mittelständischen Maschinenenbauunternehmens mit fast tausend Angestellten sowie Kontakten in die ganze Welt, und er war braun wie Hundescheiße. Helversum hatte sich diesen Ausdruck sofort verbeten, aber gelacht hatte er trotzdem. Das Problem war, dass Mittermaier seine rechte Gesinnung nicht an die große Glocke hängte, aber es war ein offenes Geheimnis, dass er rechte Gruppen, auch gewaltbereite, mit Geld und Dienstleistungen unterstützte.

Seit Jahren wollte Rudger die Geschichte machen, schließlich war er als Sonderreporter eingestellt worden, mit einem üppigen Gehalt und besonderem Etat. Aber der Vorgänger von Helversum war auf dem rechten Auge blind gewesen, hatte ihn stets nur auf die Landesregierung angesetzt. Keine Frage, da gab es immer was zu holen, und es war Rudger gelungen, den einen oder anderen aus der zweiten Reihe ins Stolpern zu bringen. Aber Mittermaier stand auf seiner Abschussliste ganz oben. Und jetzt war er nur noch einen Schritt davon entfernt, ihn zu erlegen. Heute Morgen war der Artikel in der Printausgabe erschienen, sie hatten darauf verzichtet, ihn auf den Internetseiten der »DNP« schon am Abend zu bringen. Der Schlag sollte ohne Vorwarnung kommen, und das war gelungen, die »DNP« hatte voll getroffen. Wenn das Timing stimmte, musste in wenigen Minuten die Polizei die Geschäftsräume von Mittermaier durchsuchen, und natürlich seine Villa in Kaiserswerth, die grob geschätzt vier Millionen Euro gekostet hatte.

Christian Helversum hielt das Telefon vom Ohr weg und feixte. Aus dem Hörer drangen wilde Verwünschungen, jede einzelne ausreichend, um eine Beleidigungsklage anzustrengen, aber das würde nur unnötige Ressourcen binden. Ottfried Mittermaier war so was von erledigt, da brauchte es keine Bagatellklagen mehr.

Rudger war es gelungen, einen Informanten anzuwerben, der ihn über eine Reihe delikater Aktivitäten Mittermaiers aufgeklärt hatte. Drei Ordner voll kopierter Belege über die Zuwendungen an rechte Gruppen, über achtzig ausgedruckte E-Mails, die eindeutig bewiesen, dass Mittermaier ein strammer Nazi war, und die Adresse eines Lagers, das nicht auf Mittermaiers Namen eingetragen war, ihm aber als Versteck für jede Menge rechtes Material diente – und vor allem für Waffen. Endlich konnte Rudger beweisen, dass Mittermaier ein Unterstützer der rechtsradikalen Szene war und mitverantwortlich für mehrere Gewaltverbrechen. Rudger hatte Oberstaatsanwältin Kolakow gestern alle Unterlagen auf den Schreibtisch gelegt. Kolakow hatte sie quergelesen und sich bei Rudger bedankt.

Einer weniger, der dieses Land und seine Gesetze mit Füßen trat. Keine Frage, es blieb noch viel zu tun, Rudger war kein naiver Weltverbesserungsjournalist. Rudger war Jäger, und seine Beute waren die Mittermaiers dieses Landes oder Politiker, die sich am Geld anderer bereicherten, oder Rocker, die mit Drogen und Prostitution ihr Geld verdienten, und denen ein Menschenleben nichts wert war. Sein Job war krisensicher, denn Korruption, Verbrechen und Verblendung würden erst mit dem letzten Menschen auf diesem Planeten aussterben. Und die Menschheit war eine zähe Spezies.

»Sie mich auch«, hörte Rudger Christian Helversum sagen, dann reichte er Rudger den Hörer und schlug ihm auf die Schulter. »Gute Arbeit, Krüger! Nehmen Sie sich einen Tag frei. Dann müssen Sie wieder ran. Ich habe was für Sie: Finden Sie raus, was aus der Bearbeitung der Mord-Altfälle durch das Landeskriminalamt geworden ist. Ich habe den Verdacht, die haben einiges rausgefunden und gleich wieder unter den Tisch fallen lassen. Ich befürchte, das wird im Fall Mittermaier ähnlich sein. Nehmen Sie die Leiterin der Abteilung operative Fallanalyse aufs Korn. Sie heißt Franziska Miller. Sie zeichnet verantwortlich für die Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen.« Wie aus dem Nichts knallte Christian Helversum eine ziemlich dicke Akte auf Rudgers Schreibtisch. »Das ist das Dossier über sie. Liest sich wie ein Krimi. Sie werden Ihre Freude daran haben.« Er zeigte auf das Dossier. »Ihre Post liegt auch da drin.«

Helversum schlug Rudger ein zweites Mal auf die Schulter, was einer Adelung gleichkam, und trollte sich.

Rudger atmete tief ein und aus. Er hatte während der Recherchen so gut wie keinen Tag freigemacht und von morgens bis abends geackert. Helversum wusste das genau. Eigentlich hatte Rudger eine Woche nach Südfrankreich fahren wollen. Tauchen in der Nähe von Nizza. Abhängen.

Das war der einzige Haken an Helversum: Er war ein Workaholic. Dem Mann war nicht klar, dass man von Zeit zu Zeit ausspannen musste. Das zweite Mal geschieden, vier Kinder von drei Frauen. Nur wenn man Helversum die Pistole auf die Brust setzte, konnte man den verdienten und vor allem vom Gesetz vorgeschriebenen Urlaub nehmen. Vielleicht war es an der Zeit, in Streik zu treten? Den Resturlaub zu nehmen? Fast sechs Wochen hatte Rudger noch auf seinem Konto.

Rudgers Blick fiel auf die Akte. »Ungeklärte Morde mit möglicher Tatbeteiligung aus der rechten Szene«, stand in Rot darauf. Quer über dem Deckel prangte der Stempel »Vertraulich«. Nicht schlecht. Helversum hatte gute Kontakte. Das war anscheinend eine kopierte Originalakte. Da kam man nicht so leicht ran. Rudger streckte die Hand aus, um den Deckel der Akte anzuheben. Er hielt mitten in der Bewegung inne. Wenn er hineinschaute, war es vorbei mit Urlaub, das wusste er genau. Das war auch Helversum klar, und deswegen hatte er ihm die Akte vor die Nase gehängt wie einem Fisch den Regenwurm. Rudger war ebenso ein Workaholic wie sein Chef.

Rudgers Hand schwebte über der Akte, dann stieß sie zu wie ein Falke, hob den Deckel und schlug ihn nach links um. Obenauf lag die Tagespost. Nicht viel heute, er riss die Umschläge auf, das meiste konnte warten. Der letzte Brief bestand aus einem beigefarbenen Umschlag. Mit einer alten Typenschreibmaschine war sein Name draufgetippt. Wahrscheinlich der hundertste ehemalige Soldat, der Rudger seine Geschichte als die unglaublichste verkaufen wollte, die es je gegeben habe. Oder eine Verschwörungstheorie, die erklärte, warum Angela Merkel Bundeskanzlerin geworden war, und warum in Wahrheit immer noch Helmut Kohl das Land regiere. Er öffnete den Brief. Ein Blatt dickes Büttenpapier steckte darin. Anscheinend mit derselben Maschine war ein Satz draufgetippt: »Ich werde töten, wenn ihr nicht die Wahrheit sagt.«

Rudger seufzte. Keine Weltkriegsgeschichte, sondern Drohung Nummer zweihundertachtzig. Für dieses Jahr. Jeden Tag flatterte mindestens einem Kollegen solch ein Brief auf den Schreibtisch, der so oder so ähnlich lautete: »Wer lügt, muss sterben«, »Pressemeute in den Fleischwolf« und so weiter und so fort. Er kopierte den Brief, zog das Formular für diesen Fall aus dem Schreibtisch, trug das Datum, seinen Namen und sein Ressort ein, steckte alles in einen großen Umschlag und adressierte ihn an das Innenministerium, Abteilung Staatsschutz. Sollten die sich damit herumschlagen, wie immer. Und wie immer würde der Brief erfasst, nummeriert, katalogisiert und mit dem Vermerk »Ermittlungen ergebnislos« abgelegt. Wegen so etwas machten die kein Fass auf.

Rudger warf noch einen Blick auf den Umschlag, dann legte er ihn in den Posteingang. Erstaunlich, wie viele Spinner es auf der Welt gab, da musste man nicht unnötig die Kräfte der Polizei binden. Die waren sowieso hoffnungslos überfordert. Damit war die Post erledigt.

Rudger rieb sich die Hände. Jetzt kam er zum Wesentlichen. Zuoberst lag ein kopiertes Blatt, anscheinend die berufliche Laufbahn von Franziska Miller. Rudger murmelte vor sich hin: »Achtunddreißig Jahre alt, Psychologiestudium, Dissertation, Polizeidienst, im Rekordtempo zur Kriminalhauptkommissarin aufgestiegen, dann Landeskriminalamt, Abteilung operative Fallanalyse. Beteiligt an zwei spektakulären Fällen mit Serientätern. Auf der Jagd nach einem Serienkiller bei einer Explosion fast ums Leben gekommen, seit einem Jahr Leiterin der Abteilung OFA.« Steil, steiler, am steilsten, diese Karriere. Er überflog die Leistungsdaten. Sie war immer die Beste gewesen, das erklärte einiges. Und sie war nicht weit vom Stamm gefallen: »Tochter von James Miller, Dienststellenleiter bei der Schutzpolizei. Vater-Tochter-Konflikt.«

Rudger legte das Blatt beiseite, ein Foto kam zum Vorschein. Das musste Franziska Miller sein, die laut Dossier mit »Fran« angeredet werden wollte, amerikanisch ausgesprochen: »Frän«. Er drehte das Foto um. Richtig, auf der Rückseite standen der Name und das Aufnahmedatum des Bildes, der 06.07.2015, also topaktuell. Schulterlange braune Haare, ovales Gesicht, runde Nase, große Augen, voller Mund, blitzweiße gleichmäßige Zähne. Eine attraktive Frau, aber nicht Rudgers Typ. Zu brav, ja fast schon spießig. Er legte das Foto beiseite und pfiff leise durch die Zähne. Ein grafologisches Gutachten. Verdammt, er hatte Helversum mehr als unterschätzt. Das waren beste nachrichtendienstliche Informationen. Damit konnte man arbeiten. Er blätterte weiter, griff zu einem anderen Foto und pfiff erneut durch die Zähne. Diese Frau war genau sein Typ: blonde Locken, blaue Augen, Engelsgesicht. Er kannte diese Frau. Sie hieß Anna Miller und war Sängerin an der Oper, er hatte sie schon oft bewundert. Dass sie Fran Millers Schwester war, das hätte er nicht für möglich gehalten. Die Lösung des Rätsels fand er weiter hinten in der Akte. Fran war ganz die Mutter, Anna ganz der Vater, zumindest was das Äußere betraf.

Neben den Beschreibungen der Mitarbeiter in Frans Team fand Rudger noch eine interessante Person: Sascha Herz, Kriminalhauptkommissar, KK 11, Mord und Totschlag. Einer der sechs Mordkommissionsleiter und Duzfreund von Oberstaatsanwalt Hasso Kittner. Das wurde ja immer interessanter. Herz sagte man nach, er sei in undurchsichtige Geschäfte verwickelt, und Hasso Kittner schien sie zu decken. Herz’ Kontakte in die Unterwelt waren beachtlich und gingen über das normale Maß, das für die erfolgreiche Polizeiarbeit nötig war, weit hinaus. Und selbst Helversum hatte die dunklen Ecken im Lebenslauf von Herz nicht ausleuchten können. Das stank alles gewaltig nach einer Seilschaft, die beim Dienststellenleiter begann und bis in die hohen Positionen der Staatsanwaltschaft reichte. Nicht die erste Seilschaft in Nordrhein-Westfalen, die so funktionierte.

Das Dossier enthielt Bewegungsprotokolle von Fran Miller und Sascha Herz, natürlich Adressen, Telefonnummern, Hobbys und Gewohnheiten. Auf der letzten Seite hatte Helversum seinen Auftrag formuliert: »Bohren Sie, bis Sie auf eine Goldader stoßen. Dann besprechen wir das weitere Vorgehen. Seien Sie vorsichtig und halten Sie mich auf dem Laufenden. Die Sache ist nicht ungefährlich.«

Helversum wusste natürlich, dass alles tausendprozentig stimmen musste, wenn er sich mit der Polizei anlegte, und er wusste, dass Rudger das genauso sah, schließlich war er Profi und kein dahergelaufener Provinzschreiberling, dessen Horizont bei Stadtfesten endete und dessen Arbeit darin bestand, PR-Artikel ins Blatt zu hieven. Aber Helversum wusste nicht alles, wusste nicht, dass Rudger und der Polizeiapparat, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade Freunde waren. Oder kannte Helversum seine Geschichte doch und hatte ihn deswegen auf Fran Miller angesetzt? Wie einen bissigen Pitbull, den man an einer langen Leine hielt und im richtigen Moment losließ, um das Opfer zu packen und nicht mehr loszulassen? Ihm das Genick durchzubeißen? Spielte das eine Rolle? Spielte es eine Rolle, dass er der Polizei mehr misstraute als dem Papst, dem Finanzamt und der »Tagesschau« zusammen? Nein, entschied Rudger. Eine Rolle spielte nur, dass er Franziska Miller, Sascha Herz und Hasso Kittner mit wasserdichten Beweisen zur Strecke bringen würde.

Montag, 6. Juli, 6.30 Uhr

Sascha Herz hatte schlecht geschlafen. Wirre Träume hatten ihn die ganze Nacht auf Trab gehalten. Zwar war er nicht aufgewacht, aber es fühlte sich an, als wäre er die meiste Zeit einen steilen Abhang hinaufgeklettert. Seine Beine schmerzten, hinter seiner Stirn pochte ein schwacher Schmerz. Wenn er nicht aufpasste, würde sich das leise Pochen bald in einen lärmenden Presslufthammer verwandeln, der nur mit drei oder vier starken Kopfschmerztabletten ausgeschaltet werden konnte. Vor neun Monaten war der Presslufthammer das erste Mal in sein Leben getreten, ohne Vorankündigung und mit einer Heftigkeit, die ihn für einen Moment in die Knie gezwungen hatte. Genauso schnell war er wieder verschwunden. Sascha hatte sich nichts dabei gedacht, es auf Verspannungen im Nacken geschoben, schließlich saß er viel zu lange am Schreibtisch und machte viel zu wenig Sport. Wenigstens mit dem Rauchen hatte er keine Probleme. Das hatte er schon vor mehr als zwanzig Jahren aufgegeben. Eine gute Entscheidung, auch wenn der Preis dafür seine damalige Freundin gewesen war. Sie hatte nach einigen Wochen keinen Bock mehr gehabt, seine üble Laune zu ertragen. Kein Problem, es war eh nichts fürs Leben gewesen.

Sascha schwang die Beine über die Kante seines Futon-Betts, streckte sich und schaute sich um. Die rechte Seite der Matratze lag voll mit Akten. Der Fußboden ebenfalls, bis auf zwei schmale Pfade, die den Weg zum Bad und zur Küche markierten. Immerhin hatte er es geschafft, sich auszuziehen, die Zähne zu putzen und das Licht zu löschen.

Sein Blick fiel auf ein Bild. Polizeirat Werner Ziehfreund lächelte ihn an. Sascha nahm das Bild in die Hand und unterdrückte den Impuls, es zu zerfetzen. Nur Geduld, sagte er sich. Der Tag wird kommen, an dem er Ziehfreund zu den Akten legen konnte, und dann würde er es sich gönnen, eine Kopie dieses Fotos genüsslich in kleine Stücke zu reißen.

Sascha ließ das Foto fallen, balancierte zwischen Tabellen, Zeugenaussagen, Aktenvermerken, Wegeplänen, Zeitstrahlen und Anträgen auf Telefonüberwachung ins Bad, duschte und rasierte sich, ging im Kopf noch mal den vergangenen Sonntag durch. Er hatte es geschafft, acht Leichenermittlungen an andere zu delegieren. Sieben Fälle hatten sich als Suizid oder Unfall herausgestellt. Der achte war eine klassische Eifersuchtstragödie, ein Intimizid, wie es korrekt hieß. Sascha hasste diesen Begriff, denn er klang wie Intimität, und die hatte für ihn nichts mit Mord und Totschlag zu tun. Ein sechsundfünfzigjähriger Mann hatte seine fünfzehn Jahre jüngere Ex-Freundin mit einem Pflasterstein erschlagen. Er hatte sie auf offener Straße angesprochen, sie aufgefordert, zu ihm zurückzukehren, aber sie hatte ihn laut mehrerer Zeugenaussagen nur ausgelacht. Der enttäuschte Mann hatte blitzschnell den Stein aus der Tasche gezogen und einmal zuschlagen können, bevor ihm zwei beherzte Männer in den Arm gefallen waren und ihn festhalten konnten. Die Frau war tot zusammengebrochen. Klare Sache. Erstaunlich war das Eingreifen der zwei Männer gewesen. Sie hatten sich vorher nicht gekannt und hatten, ohne sich zu verständigen, beide dasselbe riskiert – vergebens. Nicht ganz vergebens. Die Medien würden den Fall aufgreifen und die Männer zu Helden des Alltags machen, und vielleicht würde dann in einer ähnlichen Situation jemand eingreifen und ein Menschenleben retten können. Ein schöner Gedanke.

Für heute hatte sich Sascha freigenommen, er musste die Unterlagen sichten, die er in den letzten Wochen zusammengetragen hatte. Irgendwo in dem Aktenberg musste ein Fädchen versteckt sein, an dem Sascha ziehen und mit dem er die richtigen Leute aufscheuchen, im besten Falle festnageln konnte.

Er kämmte sich seine Haare, die ihm bis auf die Schultern fielen. Es war an der Zeit, zum Friseur zu gehen. So etwas sollte man nicht auf die lange Bank schieben. Wenn es ging, würde er für morgen einen Termin bei seinem Leib-und-Magen-Friseur machen. Sein Handy lag neben dem Futon auf einer Weinkiste, die Sascha als Nachttisch diente. Bevor er zugreifen konnte, begann ein echter Presslufthammer zu dröhnen. Ein Stich fuhr Sascha durch den Kopf. Verdammt, er musste unbedingt seinen Klingelton ändern. An Tagen wie diesem war das gellende Geräusch purer Masochismus.

Ein Blick auf das Display zeigte, dass es sechs Uhr dreißig war und es kein angenehmer Anruf sein würde: »Oberstaatsanwalt Hasso Kittner« prangte da in fetten Buchstaben, dazu das Bild des Staatsanwaltes: Bürstenhaarschnitt, kantiges Kinn, stechende Augen, leicht abstehende Ohren, schmale verkniffene Lippen, eckige schwarzgerandete Brille.

Sascha ging ran. »Ich habe frei«, schnarrte er.

»Jetzt nicht mehr«, blaffte Hasso. »Du musst ran. Delikater Fall. Professor Johannes Prokter. Vorzeigesoziologe und Oberpsychologe der Heinrich-Heine-Uni. Hat jede Menge spektakuläre Experimente und Untersuchungen durchgeführt, und seine Veröffentlichungen gehen in die Hunderte. Er war sogar mal für den Nobelpreis im Gespräch. Wurde aber nix draus.«

»Shit!«, rief Sascha. Obwohl er Hasso schon lange kannte, konnte er auch ihm nicht sagen, warum er heute Urlaub genommen hatte. Es gab nur einen Menschen, dem er sich anvertraut hatte und der sein Vertrauen bisher nicht missbraucht hatte. »Ich wollte mal was für meine Gesundheit tun.«

»Das kannst du, indem du dich beeilst und dir schon mal heiße Gedanken darüber machst, wen du in der Soko haben willst. Wir fahren sofort großes Aufgebot. Acht Mann hoch plus Forensik plus OFA. Du hast ja sicher nichts dagegen, mit Fran Miller zu arbeiten.«

»Im Gegenteil. Weiß sie schon Bescheid?«

»Die Anforderung ist raus. Sie muss gleich da sein.«

»Wo?«

»Universitätsstraße, am Gebäude der Univerwaltung, da stehen ein paar Bäume auf einer sandigen Freifläche. Es ist weiträumig abgesperrt. Alles Weitere vor Ort.«

Sascha seufzte. »Und wenn ich mich weigere? Gewerkschaft und so, Urlaubsanspruch …«

Hasso lachte laut ins Telefon. »Alles klar. Bis gleich, du Scherzbold.« Er unterbrach die Verbindung.

*

Sie hatten Glück. Die Nacht war trocken gewesen, und die Wettervorhersage versprach auch für die nächsten Tage sonniges, warmes Wetter.

Sascha war schon lange nicht mehr auf dem Gelände der Heinrich-Heine-Uni unterwegs gewesen. Vor einer gefühlten Ewigkeit hatte er hier mit einem Philosophiestudium angefangen, es aber bald gesteckt, weil er mit den endlosen abstrakten Gedankenspielen nicht zurechtgekommen war. Ein Jahr hatte er sich mit Jobs in Kneipen über Wasser gehalten, dann war er bei der Polizei eingestiegen – eigentlich eine Schnapsidee –, geboren aus einer alkoholgeschwängerten Diskussion darüber, wie man die Welt verändern könne, wie man sie verändern müsse. Sascha hatte entschieden, dass er das am besten als Polizist konnte, hatte die Ausbildung mit durchschnittlichen Noten beendet und war vom Streifendienst schnell desillusioniert worden. Als Polizist auf der Straße oder am Schreibtisch änderte er überhaupt nichts. Was ihn im Beruf gehalten hatte, war etwas anderes gewesen: Er trug dazu bei, dass seine Stadt ein für die meisten Menschen lebenswerter Ort blieb. Allein die Tatsache, dass es ihn und seine Kollegen gab, verhinderte, dass Anarchie ausbrechen konnte.

Wie alles hatte auch der Polizeiberuf seine Schattenseiten, die in den Medien meistens überzogen dargestellt wurden. Gut, es gab eine etwas höhere Scheidungsrate, der Schichtdienst war kein Zuckerschlecken und machte einige krank. Aber das war bei Ärzten, Krankenschwestern und vielen anderen Berufen, in denen rund um die Uhr gearbeitet werden musste, nicht anders. Polizist war kein Job für Schwache, das stand außer Frage.

Sascha zückte seinen Ausweis, passierte die Absperrung und hörte schon von Weitem Hassos Stimme, der einen Kollegen von der Streife bat, dafür zu sorgen, dass die Gaffer sich verzogen. Der Beamte ging mit angriffslustiger Miene los.

Der gesamte Freiraum zwischen den Gebäuden war abgesperrt, mindestens zweihundert mal zweihundert Meter, das waren vierzigtausend Quadratmeter. Die Spusi war dabei, jeden Grashalm unter die Lupe zu nehmen, sie waren unschwer an ihren weißen Anzügen zu erkennen. Mehrere Hochpfade waren angelegt worden, sichere Wege, um den Tatort nicht zu zerstören. An den Sichtblenden, die mit einem Pavillonzelt überdacht worden waren, erkannte Sascha den Fundort der Leiche. Die mehrstöckigen Häuser hätten es erlaubt, von oben den Tatort einzusehen – und vor allem zu fotografieren. Hoffentlich war das noch nicht passiert.

Hasso kam auf ihn zu. »Ein Student hat ihn gefunden. Jorge Luis heißt er, er studiert Jura.«

»Ein Spanier, der in Düsseldorf Jura studiert?«

»Auslandsstipendium. Europarecht. Spricht besser Deutsch als die meisten Kölner.«

Sascha musste wider Willen lachen. »Dazu gehört nicht viel.«

Hasso zeigte mit dem Zeigefinger auf Sascha. »Sag ich doch.«

»Wo ist Fran?«

Hasso drehte sich um und winkte Sascha, der ihm hinter die Absperrung folgte. Sie betraten den ersten Pfad. Doch Fran war nicht da, stattdessen Bruno Rheinstahl, der forensische Experte aus ihrem Team.

»Wo ist Fran«, wiederholte Sascha betont langsam, es sollte nicht wie eine Frage klingen.

Rheinstahl kam auf ihn zu. Er war ein langjähriger Freund von Fran, hatte ihren Vater kennengelernt, da war sie noch gar nicht geboren gewesen. Sascha war erstmals im letzten Jahr bei einer schwierigen Ermittlung auf ihn getroffen. Rheinstahl hatte immer treu zu Fran gestanden, aber er war nun mal nicht Fran. Er war behäbig, ein Experte mit Tunnelblick, der nicht das Ganze im Blick hatte, dem die Inspiration fehlte.

»Sie hat mich geschickt. Sondieren.«

»Sondieren, so, so.« Sascha wandte sich Hasso zu. »Was haben wir?« Dieser verdammte kleine Satz, diese hinterhältigen drei Wörter, mit denen immer alles begann.

Hasso zeigte nur auf Bruno. Sascha seufzte und drehte sich wieder um.

Bruno kratzte sich an der Nase. »Wenn der Herr Kommissar so gütig wäre, einen Blick auf das Opfer zu werfen …« Er bückte sich und hob die Folie an.

Sascha zog scharf die Luft ein.

»Ein Latthammer. Ein Schlag, ein Volltreffer«, sagte Rheinstahl vollkommen ungerührt. »Der Latthammer steckt richtig fest drin. Den kriegt man so leicht nicht wieder raus. Da war Kraft dahinter.«

Sascha betrachtete den Toten. »Er sitzt da, als hätte er gebetet.«

»Der Schlag muss von hinten gekommen sein, er muss bereits gekniet haben. Er hat Verletzungen an der linken Wange, die nicht von dem Schlag mit dem Hammer herrühren. Kratzspuren. Prämortal. Das Blut ist ihm in den Kragen gelaufen.«

Prokter trug ein weißes Hemd, eine Jeans und Wildlederslipper. Er sah aus wie ein Skipper, der unterwegs war zu seiner Yacht, irgendwo im Süden. Anscheinend war er nicht allein gewesen. Jemand hatte ihm deutlich die Meinung gesagt. Aber hatte diese Person Prokter auch erschlagen? Prokters Haut war gebräunt, sein Haar schimmerte rötlich, es war voll und über den Ohren sauber ausgeschnitten. Das Gesicht konnte Sascha nicht erkennen. Der Kopf war so weit nach vorne auf die Brust gesackt, dass es verdeckt war.

»Gibt es verwertbare Sohlenspuren?«, fragte Sascha.

Rheinstahl schüttelte den Kopf. »Bis jetzt noch nicht.«

»Irgendeine Idee?«

»Zu früh.«

»Zu früh?«

»Wir müssen die Obduktion abwarten.«

»Was ist mit dem Ort? Dem Modus Operandi? Dem Werkzeug?«

»Es ist zu früh.«

»Und wann ist es zu spät?«

»Ich gehöre nicht zur Fraktion der Kaffeesatzleser, tut mir leid.«

»Fran …«, begann Sascha, aber Rheinstahl fiel ihm ins Wort.

»Fran ist erstens nicht hier, und zweitens bin ich die Verbindung zur OFA, ob Ihnen das passt oder nicht. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an meine Chefin. Sie kennen sie ja ziemlich gut.«

Sascha biss sich auf die Zunge. Es brachte nichts, sich mit Rheinstahl anzulegen. Er würde ihn einfach ignorieren, also gesellte er sich zu Hasso. »Sieht nach einem Streit aus, was meinst du?«

»Was ist mit Rheinstahl? Was sagt er?«

»Der schweigt sich aus.«

»Er ist ein brillanter Gerichtsmediziner.«

»Genau das ist das Problem. Warum ist Fran nicht hier?«

»Was weiß ich? Habt ihr Stress?«

»Nein«, sagte Sascha lauter als nötig. »Wir haben uns eine Zeit lang nicht gesehen. Ich war öfters in Hamburg.«

»Aha!«, sagte Hasso.

»Was soll das denn heißen?«

»Nichts. Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen?«

Sascha überlegte. Es waren ziemlich genau sechs Wochen. Um Pfingsten herum. Sie waren im Kino gewesen und hatten danach noch ein paar Cocktails geschlürft und über alles Mögliche geredet. Sie hatte sich höflich nach Sibilla erkundigt, und er hatte ihr freimütig erzählt, dass er ein schlechtes Gewissen habe, weil er sie vernachlässige, und dass er in nächster Zeit öfters nach Hamburg fahren wolle. Das fand Fran gut. Er fand nicht gut, dass sie das gut fand. »Hasso, du siehst Gespenster. Sie will nichts von mir. Du musst langsam begreifen, dass Fran und ich Kollegen sind, vielleicht Freunde, keine Ahnung. Aber nicht mehr.«

»Wenn ich das begreifen muss …« Er ließ den Satz in der Luft hängen und zog seine Augenbrauen nach oben. So sah er aus wie ein schnöseliger überheblicher Lehrer. Der er ja auch oft war.

Sascha wurde es zu dumm. »Lass uns über den Professor reden.«

»Wie du willst. Er ist in Hannover geboren, am 03.09.1969, er ist also dreiundvierzig geworden. Seine Eltern sind tot, er hat keine Geschwister, nur eine Tante, die lebt aber in England.« Hasso stutzte. »Dir ist schon klar, dass ich gerade deinen Job mache?«

»Das ist das Mindeste, das ich erwarte. Zumindest am Anfang. Später ist es besser, wenn du dich raushältst.«

Hasso prustete wie ein Walross. »Das hättest du gerne.« Er reichte Sascha ein Blatt Papier. »Die Grunddaten. Jetzt bist du dran.« Er zeigte auf Rheinstahl, der etwas abseits auf dem Boden kniete und in die Betrachtung von irgendetwas versunken war. »Lass deinen Frust nicht an ihm aus.«

Sascha hob die Hände. »Schon gut, ich hab genug Kreide in Reserve, die ich fressen kann.«

Hasso schaute ihn nachdenklich an. »Ich sollte dich vielleicht doch besser in Urlaub schicken. Du bist dünnhäutig. Der Fall muss aber mit Feingefühl angegangen werden. Normalerweise ist das kein Problem für dich. Was ist los?«

»Ich hab nur schlecht geschlafen, das ist los.«

Hassos Lippen wurden zu einem dünnen Strich.

»Ehrlich«, sagte Sascha mit Nachdruck. »Großes Indianerehrenwort.«

»Na gut. Du hast grundsätzlich freie Hand, ich will nur auf dem Laufenden gehalten werden. Mir fliegt meine Abteilung langsam um die Ohren. Fünf Krankmeldungen! Mein Schreibtisch sieht aus wie ein überfüllter Altpapiercontainer. Und der Justizminister will Ernst machen mit Strukturreformen. Herrgott noch mal! Das bringt alles nichts. Wir brauchen einfach nur mehr Geld.« Er rollte mit den Augen. »Ich weiß, ich spule immer dieselbe Litanei ab.« Er drückte Saschas Schulter. »Ich verlasse mich auf dich.« Er zeigte auf Prokter. »Wie gesagt: Äußerst delikat! Angekommen?«

Hasso eilte von dannen, ohne auf eine Antwort zu warten.

»Herr Kommissar, kommen Sie mal?«, rief Rheinstahl.

Sascha ging neben Rheinstahl in die Knie, etwa neun Meter entfernt von Prokters Leiche, dicht bei einem niedrigen Busch. »Was?«

»Die Spusi hat das hier gefunden.« Er zeigte auf eine Stelle, die mit einer Nummer markiert und mit kleinen Fähnchen abgesteckt war.

»Ich sehe gar nichts.«

»Hier hat jemand versucht, Spuren zu verwischen.«

Sascha beugte sich noch tiefer, aber er konnte nichts erkennen. »Ich bin leider kein Fährtenleser. Was, bitte, kann man da sehen?«

Rheinstahl lächelte. »Es ist die Struktur.« Er deutete mit dem Zeigefinger auf die Sichtblenden, hinter denen die Leiche von Prokter auf den Abtransport in die Gerichtsmedizin wartete. »Zuerst ist es uns nicht aufgefallen, weil der ganze Bereich mit Sohlenspuren zugepflastert ist und keine die andere deutlich überlagert. Wir haben ein ungleichmäßiges Muster an Teilabdrücken, Vertiefungen, Rillen und Erhebungen. Aber hier erkennt man im Boden das Muster einer Wischbewegung, etwa sechsunddreißig Zentimeter im Durchmesser.«

Jetzt begriff Sascha, was Rheinstahl meinte. »Hier hat jemand gewartet, ist losgegangen und hat dabei ein paar Mal mit dem Fuß über den Abdruck gewischt. Hilft uns das?«

»Ob uns das hilft? Die Kolleginnen und Kollegen von der Spusi haben jetzt zwei wunderschöne Sohlenabdrücke.« Er zeigte auf das Gelände. »So ziemlich die Einzigen, die komplett sind. Wir werden alles sichern müssen.« Er kratzte sich am Kopf. »Über den Daumen gepeilt sechshundert Teilspuren. Das kann dauern.«

Sascha musste sich eingestehen, dass er nicht verstand, wie das funktionierte. »Wie …«

»Ganz einfach. Der Boden hier ist, grob gesagt, in zwei Schichten aufgebaut. Die obere ist sandig, das haben Sie ja bereits gesehen. Deswegen haben wir um die Leiche herum keine klaren Spuren. Aber darunter ist eine recht elastische Schicht …«

»Und wenn man nur oberflächlich, mit zu wenig Kraft wischt …«

»… dann bleibt die untere Spur erhalten. Weil sie zwar mit Sand gefüllt ist, aber das Relief ist noch da. Schuhgröße 38. Damenschuh. Aussagekräftiges Sohlenprofil. Wenn das nichts ist? Wozu Thesen bemühen, wenn man Fakten hat? Auch eine Frau kann mit einem Latthammer ohne Probleme einen Schädel spalten.«

»Okay. Danke.« Sascha warf einen Blick auf die Uhr, es war fast acht, Zeit, die Mordkommission zusammenzustellen. Was sollte er nur mit Rheinstahl machen? Er war ein brillanter Forensiker, aber ihm fehlten Frans Ideen, ihr Über-den-Tellerrand-Schauen, ihre einzigartige Weise, die Welt zu betrachten, die Dinge so zu sehen, wie sie waren, und nicht so, wie man sich wünschte, dass sie sein sollten.

»Würden Sie die Arbeit hier bitte in meinem Auftrag überwachen? Es darf nicht die geringste Kleinigkeit übersehen werden. Das ist von höchster Priorität. Sie sind dafür der richtige Mann.«

Rheinstahl blinzelte. »Ja, gerne.«

Sascha reichte ihm die Hand. »Vielen Dank.«

Rheinstahl schlug zögerlich ein. Kein Wunder, zuerst hatte Sascha ihn angepflaumt, und jetzt komplimentierte er ihn in eine leitende Aufgabe innerhalb der Kommission mit all den damit verbundenen Problemen. Die Leute der Spusi hatten ihre eigenen Strukturen, Sascha kannte die meisten Mitarbeiter recht gut. Dass jemand von der OFA ihnen ins Handwerk pfuschen sollte, würde ihnen nicht schmecken, aber so war ihm Rheinstahl nicht im Weg.

Er ging zurück zu Prokters Leiche und gab sie für die Rechtsmedizin frei. Die bereitstehenden Leichenschlepper packten zu; die Leichenstarre hatte erst am Unterkiefer eingesetzt, ein sicheres Zeichen, dass Prokter seit etwa vier Stunden tot war, plus/minus zwei Stunden. Prokters Oberkörper kippte nach hinten, der Hammer sah aus wie ein Hahnenkamm und drohte durch die Hebelwirkung aus dem Schädel zu brechen. Bevor Sascha noch reagieren konnte, sprang einer von der Spusi herbei, hielt Prokters Kopf fest und schnauzte die beiden Leichenschlepper an, sie sollten gefälligst aufpassen, sonst würde man demnächst ein anderes Beerdigungsinstitut beauftragen. Nach einem kurzen Disput und mit tatkräftiger Hilfe der Spusi schafften die Leichenschlepper es endlich, Prokter so hinzulegen, dass der Hammer nicht aus der Schädeldecke herausbrechen konnte.

Sascha schloss kurz die Augen. Das fing gar nicht gut an. So wie es aussah, würde Prokter noch eine ganze Menge Ärger machen.

Montag, 6. Juli, 10.30 Uhr

Fran starrte geschlagene zwei Minuten auf den Bildschirm, aber die Information änderte sich nicht. »… müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Ronald Kleinbau am Sonntag, dem 04.07.2015, um einundzwanzig Uhr sechs verstorben ist. Da er Zeuge in einem laufenden Verfahren wegen Mordes war, wurde er durch die Rechtsmedizin Düsseldorf obduziert. Der natürliche Tod durch Herzversagen wurde bestätigt. Ermittlungen wegen Fremdverschuldens werden nicht aufgenommen.«

Diese verdammten Mühlen der Justiz! Warum hatte sie nicht früher davon erfahren? Sie hätte Bruno auf die Obduktion losgelassen, er hätte jede noch so kleine Unstimmigkeit entdeckt.

Ein Jahr Arbeit war dahin. Ein Jahr lang war sie Ronald Kleinbau, einem Aussteiger aus der rechten Szene, hinterhergerannt, hatte ihm geschmeichelt, ihn beschworen, vor Gericht auszusagen. Letzte Woche hatte er eingewilligt, und jetzt war er tot. Herzversagen. Gefällt wie ein Baum. Das ganze Verfahren war damit hinfällig. Der Mord an Metin Küczük würde ungesühnt bleiben, sie mussten einen verdammten Nazi laufen lassen, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einer der Mörder war. Der Fall lag neunundzwanzig Jahre zurück und war einer der siebzehn Fälle, die Fran und ihr Team seit dem letzten Jahr neu aufgerollt hatten. Von ganz oben war die Order gekommen, die ungelösten Mordfälle auf die Beteiligung rechtsradikaler Gewalttäter hin zu prüfen. Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörn Vogler, hatte ihr persönlich den Auftrag erteilt, natürlich in Absprache mit ihrem Vorgesetzten, dem Innenminister von Nordrhein-Westfalen, und sie gleichzeitig zur Leiterin der Abteilung operative Fallanalyse gemacht. Ein abgekartetes Spiel, das wusste sie inzwischen, sie war als Bauernopfer geplant gewesen: Versagte sie, konnte man ihr die Schuld geben, hatte sie Erfolg, würden sich die Vorgesetzten damit schmücken. Doch dann hatte sich alles anders entwickelt, trotz »Versagens« war sie auf ihrem Stuhl sitzen geblieben, hatte mit sich selbst einen Deal gemacht: »Ein Jahr versuchst du es.«

Jetzt waren fast sechzehn Monate seit ihrer Beförderung vergangen, und sie hatte nicht gekündigt. Warum eigentlich? Warum tat sie sich das an? Nicht einen einzigen alten Fall hatten sie lösen können! Entweder waren die Akten schlampig geführt worden oder waren unvollständig oder es fehlten Spurenträger oder es gab keine Tatortfotos oder Verdächtige waren ins Ausland abgetaucht und für die Behörden nicht erreichbar, Zeugen stellten sich tot. Alles riesengroßer Mist. Und jetzt das! Der einzige Fall, den sie hätten lösen können, war ebenso tot wie Ronald Kleinbau.

Ihre Bosse würden zufrieden sein, sie waren fein raus, hatten alles getan, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, aber gegen das Schicksal war man ja machtlos. Und Fran war gegen den Apparat machtlos. Sie konnte in ihrem Abschlussbericht zwar die haarsträubenden Versäumnisse der Ermittler anprangern, aber sie konnte nichts davon veröffentlichen, wenn sie sich nicht strafbar machen wollte. Sie atmete tief durch. Noch vor einem Jahr wäre sie ausgerastet, hätte vielleicht ihren Rechner aus dem Fenster geworfen. Inzwischen hatte sie gelernt, mit der Wut umzugehen, die sie manchmal immer noch überfiel.

Immerhin hatten sie es geschafft, die Fälle innerhalb der vorgegebenen Zeit zu bearbeiten. Ein Pluspunkt für die Abteilung. Dennoch würde sie den Abschlussbericht erst in einem Monat abgeben und damit ein wenig freie Zeit für das Team herausschlagen.

Hätte sie zwei Stunden früher gewusst, dass Kleinbau tot war, hätte sie nicht Bruno zu Sascha geschickt, sondern wäre selber gegangen. Sie rief den Dienstplan auf. Die letzten drei Fälle waren berichtsreif, die Vergewaltigungsserie aufgeklärt, das vom Team erstellte Profil hatte die Ermittler zum Täter geführt, es lagen keine weiteren Anfragen vor – außer für den Mord an Johannes Prokter.

Auf ihrem Urlaubskonto stapelten sich die Tage. Sie konnte theoretisch sechs Wochen abfeiern. Aber Sascha brauchte sie. Er war mit Bruno sicher nicht glücklich. Das schlechte Gewissen zwickte sie. Oberstaatsanwalt Hasso Kittner hatte eine Verbindungsperson angefordert, nicht das ganze Team. Ein Fehler, denn wenn sich die Sache zu mehr als einer üblichen Beziehungstat auswachsen sollte, fehlte dem Team die Besichtigung des Tatortes. Zu spät. Sie schaute auf die Uhr. Kurz vor elf, Zeit für das erste Teamtreffen.

Fran griff nach ihren Akten, sperrte den Rechner und ging langsam in den Besprechungsraum. Am runden Tisch, der tatsächlich rund war, weshalb die Teamsitzungen den sinnigen Namen »Tafelrunde« trugen, waren bereits alle versammelt, außer Bruno natürlich. Günther Anleder, forensischer Psychologe mit Hang zur Missionierung seines Umfeldes; Martina Schwartz, geografische Analytikerin; Sofia Andermatt, die junge Profilerin, die ihr letztes Jahr zugeflogen war; Christine Austerlitz, die für die Aktenführung zuständig war und ganz nebenbei eine hervorragende Profilerin.

Zur Begrüßung winkte Fran nur kurz, sie hatten sich im Laufe des Morgens schon oft genug gesehen, ihr schien es fast, als sei es zu oft gewesen.

Alle schwiegen, es war Frans Aufgabe, die Sitzung zu leiten und daher auch zu eröffnen. »Zuerst die schlechten Nachrichten oder die schlechten?« Niemand grinste, Fran hatte diesen Gag schon zu oft gebracht. »Dann zuerst die schlechte: Ronald Kleinbau ist tot.«

»Fuck!«, entfuhr es Günther. »Wie zum Teufel …«

»Herzschlag, kein Fremdverschulden«, erklärte Fran.

»Gott muss ein Nazi sein, verflucht noch eins«, grummelte Günther in seinen Bart.

Fran konnte ihm die Reaktion nicht verdenken. Er hatte ebenfalls wie ein Besessener an dem Fall gearbeitet, seine Freizeit geopfert und sich Ärger mit seiner Frau eingehandelt.

Günther rieb sich die Schläfen. »Ich weiß, dass in der Stellenbeschreibung für Profiler steht, dass sie extrem frustrationsresistent sein müssen. Aber irgendwann ist doch das Fass voll, oder?«

Wie sollte Fran darauf antworten? Als Vorgesetzte oder als Fran? Am besten beides. »Wenn du Fran fragst, sage ich: Das ist der letzte Beweis für mich, dass es Gott nicht gibt. Wenn du deine Vorgesetzte fragst: Unsere Fässer haben keinen Boden. Such dir was aus.«

Günther verzog das Gesicht zu einer Grimasse aus Schmerz und Vergnügen. »Ich nehme das Fass.«

»Und was bedeutet das konkret?«, fragte Sofia.

»Ein Gehirn wird nicht voll«, antwortete Fran. »Im Gegensatz zu einem normalen funktionstüchtigen Fass. Und wir sind Profis. Wir müssen das aushalten. Trotzdem verordne ich euch Urlaub. Ihr habt euch echt reingehängt, die Fälle sind abgeschlossen …« Sie hob eine Hand, um die berechtigten Einwände zu blockieren, dass nichts abgeschlossen sei. »… in einem Monat gebe ich den Bericht ab, bis dahin haben wir Luft. Wer will zuerst?«

Niemand rührte sich. Damit hatte Fran gerechnet. Manchmal glaubte sie, ihr Team sei zu gut für diese Welt. Niemand drängelte sich vor, niemand wollte eine Extrawurst gebraten haben. Sie war als Chefin zu beneiden, und trotzdem war sie nicht zufrieden. Sie hatten sechzehn Monate geackert und nichts erreicht!

»Okay«, sagte Fran. »Ihr habt es so gewollt. Günther, du machst ab sofort drei Wochen Urlaub. Und nimm deine Frau mit, sonst brauchst du gar nicht mehr zurückkommen. Und komm mir nicht mit deinen Kindern. Die sind erstens alt genug und zweitens überglücklich, wenn sie euch mal eine Zeit lang nicht auf der Pelle haben. Ich werde es überprüfen.«

Günther schmunzelte und schwieg.

»Die Tatsache, dass du nichts sagst, kommt einem Wunder gleich oder ist dem Umstand geschuldet, dass du tatsächlich Urlaub machen willst.«

»Such dir was aus«, sagte Günther und lächelte breiter.

Fran verzichtete auf eine Antwort und wandte sich Christine zu. »Du gehst auch drei Wochen. Du hast mehr Stunden auf deinem Zettel als alle anderen. Sofia übernimmt für dich, dann tauscht ihr.«

»Ab morgen? Wie stellst du dir das vor? Was ist mit der Urlaubsplanung für August?« Christine schien nicht begeistert.

»Daran ändert sich nichts. Ihr müsst Überstunden abfeiern. Ich kann euch die Zeit nicht ausbezahlen. Das Budget ist jetzt schon so gut wie aufgebraucht.«

Sofia legte Christine eine Hand auf den Arm. »Keine Angst. Wenn ich was nicht weiß, dann rufe ich dich an. Auch nachts. Damit du das Gefühl hast, gebraucht zu werden. Versprochen.«

Christine nickte, aber Fran spürte, dass irgendwas nicht stimmte. Egal. Wenn es wichtig war, würde sich Christine melden. »Sofia, ich und Bruno halten die Stellung. Das heißt für dich, Martina, ebenfalls drei Wochen Langeweile. Sorry, aber es geht nicht anders.«

Martina nickte, ihre Augen leuchteten, wenigstens sie freute sich über die üppige Auszeit.

»Wann machst du denn mal Urlaub?« Günther sah sie mit seinem Therapeutenblick an, der ihr das Gefühl gab, transparent zu sein.

»Wenn ihr drei zurück seid. Nicht verhandelbar.«

Günther kniff die Augen zusammen. »Du hast als Einzige von uns seit einem Jahr nicht länger als drei Tage freigemacht. Du müsstest eigentlich zuerst gehen.«

»Ich bin die Chefin. Ich verdiene mehr, ich habe mehr Ansehen, ich habe mehr Verantwortung. Anscheinend habe ich auch die besseren Ärzte. Ich bin in bester Verfassung. Körperlich, geistig und seelisch. Nicht verhandelbar.«

»Wie du willst. Was ist mit dem Fall, an dem Bruno dran ist? Warum nur er? Warum nicht alle? Prokter ist nicht irgendwer.«

»Es sieht nach einem Intimizid aus. Nichts für uns. Bruno ist Verbindungsmann, so wie Kittner es angefordert hat. Du weißt doch, dass die Staatsanwaltschaft vorsichtig geworden ist und sich absichern will. Lieber einmal OFA zu viel als zu wenig. Wir sind salonfähig geworden.«

»Und das hat nichts mit Sascha Herz zu tun?« Günther zog eine Augenbraue nach oben.

Fran wischte sich mit der Hand über die Stirn. »Jetzt bin ich mir sicher, dass du dringend Urlaub brauchst. Du siehst Gespenster und lehnst dich mal wieder so weit aus dem Fenster, dass dich niemand halten kann.« Sie klopfte auf die Tischplatte. »Gibt es noch irgendwelche intelligenten Fragen?« Fran wartete einen Moment. »Wunderbar. Also: Richtet einen E-Mail-Responder ein, fahrt eure Rechner runter, und dann will ich euch drei Wochen lang nicht mehr hier sehen. Alles klar?«

Christine und Günther seufzten, als müssten sie drei Jahre hinter Gitter. Martina sprang auf, grüßte in die Runde und war verschwunden.

Sofia schob Christine vor sich her und versicherte ihr immer wieder, dass sie alles im Griff habe. Günther warf Fran einen schrägen Blick zu, dann machte er sich ebenfalls auf den Weg.

*

Eine halbe Stunde später war Fran alleine in der Abteilung. Sofia hatte sich den Rest des Tages frei genommen, die anderen hatten wunderbarerweise Frans Dienstanweisung befolgt, hatten ihre Arbeitsplätze geräumt und waren unterwegs in den Urlaub.

Fran setzte sich an ihren Schreibtisch und öffnete ihr Mailprogramm. Sie hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass sie jeden Tag mehr als fünfzig Mails erhielt, von denen die meisten Informationen für die Abteilungsleiter enthielten. Im Schnitt verbrachte sie zwei Stunden damit, die Mails zu bearbeiten. Die vierunddreißigste stammte nicht aus einer der anderen Abteilungen. Fran hatte keine Ahnung, von wem sie war, denn der Absender bestand nur aus einer wirren Folge von Ziffern und Buchstaben.

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