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Ich schenke dir mein Herz, Prinzessin

1. KAPITEL

„Du siehst das alles völlig falsch“, hörte Rebecca Marconi eine dunkle und betörende Stimme an diesem sonnigen Herbstmorgen sagen.

Die Stimme hörte sich an wie …

Nein. Das konnte nicht sein.

Obwohl das, was Rebecca befürchtete, eigentlich unmöglich war, umklammerte sie den Henkel ihrer Tasse und blickte vorsichtig über die Schulter. Der dunkelhaarige Mann, der allein an einem Tisch des ansonsten leeren Strandcafés saß, nahm die Sonnenbrille ab.

Amüsiert blickte Logan Buchanan sie aus seinen schokoladenbraunen Augen an.

Er war nun wirklich die letzte Person, die sie hier erwartet hätte. Die letzte, die sie hätte sehen wollen. Misstrauisch schüttelte Rebecca den Kopf.

„Wohin muss ich denn noch gehen, um dich endlich loszuwerden?“

„Bis ans Ende der Welt, Prinzessin.“

„Ich dachte, das hätte ich getan.“ Während der vergangenen beiden Wochen war sie durch Europa und Nordamerika gereist, bis sie schließlich nach einem Zwölfstundenflug und einer dreimal so langen Autofahrt an einem einsamen Fleckchen einer noch viel einsameren Insel Neuseelands gelandet war. Rebecca sah sich um und zählte weniger als ein Dutzend Menschen.

„Von allen Cafés in allen Städten dieser Erde … Wie hast du mich gerade hier gefunden?“

Erstaunt zog er die dunklen Augenbrauen hoch. „Also bitte. Wirklich unauffällig hast du dich nicht gerade aus dem Staub gemacht.“

Dabei hatte sie sich wirklich Mühe gegeben, diskret vorzugehen. Vor ihrer Abreise war sie gerade einmal zwei Einladungen gefolgt, die sie unmöglich hätte absagen können – eine in San Francisco, die andere in New York. Natürlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ihr Erscheinen Aufsehen erregen würde. Denn normalerweise waren ihre Freunde allesamt sehr verschwiegen. Was man von den Freunden ihrer Freunde offenbar nicht sagen konnte. Das Problem war, dass man nie genau wusste, wer sich noch unter den Gästen befand. Oder sensationslüstern genug war, jede von Rebeccas Regungen mit Argusaugen zu beobachten – eine bittere Lektion, die sie noch immer nicht gelernt zu haben schien. „Lass mich raten. Sophies Verlobungsparty?“

„Die auch.“

An diesen verlassenen Ort in Neuseeland war Rebecca gekommen, um endlich Ruhe zu finden und darüber nachzudenken, wie es weitergehen konnte. Mit ihr und ihrem Vater, der niemand Geringeres war als das Staatsoberhaupt des kleinen europäischen Fürstentums San Philippe.

Außerhalb Europas war sie nahezu unbekannt – genau genommen sogar außerhalb von San Philippe. Deshalb hatte sie ja auch gehofft, unerkannt zu bleiben und sich den Luxus einer persönlichen Auszeit gönnen zu können.

Als Logan sie in der Woche, bevor sie Reißaus genommen hatte, zweimal gebeten hatte, sich mit ihm zu treffen, hatte sie beide Male abgelehnt. Zum einen war sie sehr beschäftigt gewesen. Vor allem aber hatte sie keine Notwendigkeit darin gesehen, Zeit mit einem Mann zu verbringen, der keinen Hehl daraus machte, was er über die Monarchie als Staatsform dachte – nämlich nichts Gutes.

Und er hatte es tatsächlich geschafft, sie, Rebecca, zu verunsichern.

„Ich habe nicht viel Zeit“, sagte er.

„Und ich möchte dir etwas Wichtiges mitteilen, Logan. Hier geht es nicht um dich, sondern um mich.“

„Wie immer.“

Entschlossen hielt sie seinem Blick stand. Manchmal zahlte sich ihr hartes Training in Sachen Selbstbeherrschung eben doch aus. „Das ist äußerst taktlos. Selbst für dich.“ Es interessierte sie nicht, was er sich dabei dachte.

Einige Monate zuvor war Logan in San Philippe aufgekreuzt. Ihr Bruder Rafe hatte ihn in die Gesellschaft eingeführt, wo er sich sofort großer Beliebtheit hatte erfreuen dürfen – bei Männern und Frauen. Die Frauen liebten ihn wegen seines unwiderstehlichen Aussehens, seiner Bodenständigkeit und seines Chicagoer Charmes. Zugegeben, im Vergleich zu der steifen und vornehmen aristokratischen Art der Royals wirkte dieser tatsächlich erfrischend. Die Männer mochten ihn wegen seines überragenden beruflichen Erfolgs und wegen seines Könnens auf dem Polofeld, mit dem er ihrem Team drei Gewinne in Folge beschert hatte.

Auch Rebecca war eine Zeit lang seiner Ausstrahlung erlegen gewesen. Denn er war anders als die anderen.

Erneut widmete sie sich ihrer heißen Schokolade. Die Zeiten, in denen er sie hatte beeindrucken können, waren vorbei. Weil sie es so gewollt hatte.

Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie er aufstand. Wenn er jetzt ginge, hätte sie die Chance, schnell zurück in ihre Pension zu laufen und ihre Sachen zu packen. Und dieses Mal würde sie bestimmt diskreter vorgehen. Logan war schließlich nicht der einzige Grund, warum sie aus San Philippe geflüchtet war. Daher hätte sie auch nie gedacht, dass er sie verfolgen würde. Doch jetzt, da sie es wusste, würde sie vorsichtiger sein.

Doch als Logan seine Espressotasse auf ihren Tisch stellte, lösten sich ihre Hoffnungen schlagartig in Luft auf. Zu allem Übel zog er auch noch einen Stuhl heran und setzte sich direkt neben sie. Dabei wirkte er mit seiner beeindruckenden Größe und den breiten Schultern im Vergleich zu dem filigranen Bistrostuhl beinah riesig. Als er seine langen Beine ausstreckte, berührten seine Füße die von Rebecca.

Sofort wechselte sie die Sitzposition und nahm ihre Tasse in beide Hände. Wie wäre es wohl, wenn sie ihm ihre Gedanken einfach unverblümt mitteilen würde? Als Antwort auf seine unausgesprochenen Provokationen. Wenn sie die Füße da ließe, wo sie waren, ohne der Berührung auszuweichen? Wenn sie ihm direkt in die Augen sehen würde, anstatt den Blick abzuwenden? Sie würde es nie erfahren. Denn selbst an diesem Ort war sie die, die sie war: das Mitglied einer adeligen Familie. Und das bedeutete, dass sie niemals etwas dem Zufall überlassen durfte.

Allerdings galt diese Regel nicht für ihre Gedanken und Träume. Glücklicherweise konnte kein Mensch auch nur ahnen, was in ihrem Inneren vor sich ging. Nicht einmal sie selbst schien immer zu wissen, welche Richtung ihre Gedanken und Träume einschlugen.

In diesem Moment sehnte sie sich nur danach, von Logan in Ruhe gelassen zu werden. „Ich schätze, es wäre vergeblich, wenn ich dich bitte zu gehen?“

„Nein. Aber befiehl es mir doch. Mach es offiziell.“ Seine Augen funkelten herausfordernd.

Er liebte es, zu provozieren und jemanden auszulachen, der versuchte, ihm Vorschriften zu machen. „Ich weiß, wie du über Königshäuser im Allgemeinen und mich im Besonderen denkst.“ Irgendwann war seine Ehrlichkeit nicht mehr ganz so erfrischend gewesen. Das war, als er mit seinem Spott auf Rebecca abgezielt und sie beleidigt hatte. Vermutlich war sie in ihrem Leben schon unzähligen Menschen begegnet, die Logans abwertende Meinung über die Monarchie teilten. Mit dem Unterschied, dass diese Menschen ihre Meinung ihr gegenüber niemals geäußert hätten. Deshalb hatte sie sich zunächst auch Mühe gegeben, Logans Ehrlichkeit positiv gegenüberzustehen. Doch seine frisch von der Leber weg geäußerten Bemerkungen hatten sie letztlich in Selbstzweifel gestürzt. Plötzlich hatte sie begonnen, über ihre öffentliche und politische Rolle, ihre Persönlichkeit und die Zukunft nachzudenken. „Also, warum bist du mir bis hierher gefolgt?“

„Ich hatte etwas Geschäftliches zu erledigen. Und ich dachte, was für ein glücklicher Zufall, dich hier zu treffen, da du in San Philippe ja keine Zeit für mich hattest.“

„Du glaubst vermutlich genauso wenig an glückliche Zufälle wie ich. Und ich bezweifle sehr, dass du aus beruflichen Gründen hier bist.“

„Nein? Zufälle gibt’s. Überall auf der Welt.“

„Für Amerika und Europa mag das ja noch stimmen. Aber nicht für Neuseeland.“

Erstaunt sah er sie an. „Ich hätte nicht gedacht, dass du meiner Arbeit so viel Aufmerksamkeit schenkst.“

„Tue ich auch nicht.“ Sie hatte das Gefühl, in eine Sackgasse geraten zu sein. „Ich merke mir einfach nur, was Menschen sagen, das ist alles. Es nicht zu tun wäre unhöflich.“

„Natürlich.“ Amüsiert blickte er drein.

Es war ja so einfach für ihn, sie zu verunsichern. Außerdem schien er daran eine geradezu diebische Freude zu haben. „Hör auf, so zu tun, als würdest du mir zustimmen, denn das tust du nicht. Das Letzte, was ich von dir erwarte, ist anständiges Verhalten.“

„Wer ist jetzt unhöflich?“

„Entschuldige vielmals. Habe ich deine zarten Gefühle verletzt?“

Lauthals lachend lehnte er sich zurück. Rebecca konnte sich nicht erinnern, ihn jemals so herzhaft lachen gehört zu haben. Denn bestimmt hätte sie sich sonst an den warmen Klang erinnert, der nicht zu diesem selbstgefälligen Geschäftsmann passte. Dieser Klang und die Fröhlichkeit, die darin mitschwang, waren so angenehm, dass sie selbst lächeln musste. Für einen winzigen Moment teilten sie eine Leichtigkeit miteinander, bei der Rebecca warm ums Herz wurde. Und die ihr das Gefühl gab, nicht mutterseelenallein zu sein.

Trotzdem zwang sie sich, ihr Lächeln zu unterdrücken. Das musste sie tun, denn sonst hätte er es ihr garantiert als Schwäche ausgelegt. Außerdem wusste sie bereits, dass er seine beruflichen und sportlichen Erfolge nutzte, um seine Gegner zu beeindrucken. „Sag mir einfach, was du willst, Logan. Ich werde versuchen, dir zu helfen.“

Entschlossen sah er sie an. „Ich will dich.“

Die ungehörige Forderung erstickte Rebeccas Verlangen zu lächeln im Keim. Sie schluckte und überlegte fieberhaft, wie er das meinen könnte. Noch nie hatte ein Mann so etwas zu ihr gesagt, und von Logan hatte sie es hier und jetzt schon gar nicht hören wollen. Würde ein Mann wie er, der ungeschliffen und direkt war, jemanden wie sie überhaupt wollen? Sie, deren ganzes Leben vom königlichen Stammbaum und öffentlichen Ansehen bestimmt wurde?

Sie sollte sich diese Frage wirklich nicht stellen.

„Und was willst du tatsächlich?“ Sie versuchte, ihn so hoheitsvoll wie möglich anzublicken. Mit dem Ergebnis, dass sein Grinsen noch breiter wurde und er ihr damit unmissverständlich zu verstehen gab, was er von ihrer adeligen Abstammung hielt.

„Das habe ich doch gesagt.“

„Mich? Nein. Du willst höchstens etwas, was ich für dich tun könnte. Aber nicht mich.“ Sie wusste doch, wie die Dinge liefen. Schließlich besaß sie politischen Einfluss in San Philippe.

„Und wenn doch?“ Er verlieh seinen Worten bewusst einen zweideutigen Unterton. Erneut grübelte Rebecca darüber nach, worauf genau er hinauswollte.

Sie musste wirklich damit aufhören, sonst würde sie noch verrückt. „Hör auf, meine Zeit zu vergeuden, Logan.“

„Wieso, du hast doch sowieso nichts Sinnvolles zu tun.“ Er warf einen vielsagenden Blick auf das Hochglanzmagazin, das neben ihrer Tasse lag.

Und ob sie ihre Zeit sinnvoll nutzte! Denn Zeit war ein unendlich kostbares Gut für sie.

„Wenn du nicht gehst, werde ich es eben tun.“ Entschlossen stand sie auf und lief den Strand hinunter in Richtung eines Felsvorsprungs am Ende der Bucht. Zu ihrer Linken lag der Pazifische Ozean, während zu ihrer Rechten geschmackvolle Luxusunterkünfte waren, hinter denen steil ein üppig bewaldeter Berghang hervorragte.

Da Logan keine Anstalten machte aufzuspringen, wähnte sich Rebecca fast schon in Sicherheit. Doch dann tauchte der Schatten seines athletischen Körpers vor ihr auf. Natürlich folgte er ihr. Während er neben ihr herlief, reichte er ihr einen Pappbecher. „Du hast ja kaum was davon getrunken.“

„Vielen Dank.“ Was sonst hätte sie sagen sollen?

„Heiße Schokolade? Ich dachte, du bist eher der Cappuccino-Typ.“

„Von Kaffee kann ich nicht einschlafen, wenn ich ihn um diese Uhrzeit trinke.“

„Du hast Einschlafprobleme?“

„Logan, ich werde wohl kaum meine Schlafgewohnheiten mit dir diskutieren. Genau genommen werde ich gar nichts mit dir diskutieren. Du darfst also gern verschwinden.“

„Befiehl’s mir doch.“

Was hatte sie eigentlich zu verlieren? Also holte sie tief Luft. „Im Namen meines Vaters befehle ich dir, jetzt zu gehen.“

Während er stehen blieb und Tränen lachte, lief Rebecca tapfer weiter. Obwohl auch sie sich ein Grinsen über ihren kläglichen Versuch nicht verkneifen konnte. Im Grunde hatte sie noch nie zuvor einen königlichen Befehl ausgesprochen. Jetzt wusste sie auch, warum.

Er lief ihr schnell hinterher, um sie einzuholen. „Dein Vater ist der eigentliche Grund, weswegen ich hier bin.“

Rebeccas Lächeln verschwand. Genau das hatte sie befürchtet. Seit Logan sie zum ersten Mal um ein Treffen gebeten hatte, hatte sie Angst davor gehabt, dass es etwas mit einer öffentlichen Mitteilung ihres Vaters zu tun haben könnte. Bestimmt gab es da einen Zusammenhang. „Ich habe meine eigene Art, damit umzugehen.“

„Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt. Du siehst das alles völlig falsch. Aber ich wüsste da vielleicht etwas, um es dir leichter zu machen.“

„Ich habe aber keine Lust, mir anzuhören, was du über mein Privatleben denkst.“ Obwohl dieses dank ihrem Vater allmählich immer öffentlicher zu werden schien. Sie durchschritten ein bewachtes Tor, durch das sie gehen musste, um zu ihrer Pension zu gelangen, die direkt in den grünen Berghang gebaut worden war. Allerdings achtete Rebecca kaum auf das Haus mit den einladenden Balkonen. Dies hier war ein ruhiges und verschlafenes Nest, ganz anders als die Orte, an denen sie sonst Urlaub machte. Obwohl auch hier Sicherheitskräfte für ihren unbeschwerten Aufenthalt garantierten. Vor etwa einem Jahr hatte hier bereits einer ihrer beiden Brüder residiert.

„Du willst meinen Rat also nicht?“, fragte Logan freundlich.

„So muss der böse Wolf geklungen haben, als er Rotkäppchen von der Abkürzung durch den Wald erzählt hat.“ Rebecca blickte ihn an. „Und wahrscheinlich hat er dabei so gelächelt wie du.“ Das Lächeln wurde jetzt noch breiter. Im Märchen hatte das naive und unschuldige Rotkäppchen gar keine andere Chance gehabt, als dieser verführerischen Wärme und Anziehungskraft zu verfallen.

Mit der Sonne im Nacken und der Brandung an der Seite gingen sie weiter – eigentlich eine wundervolle Situation: ein herrlicher Strandspaziergang zu zweit, von dem sie immer geträumt hatte. Einmal abgesehen davon, dass in ihren Träumen stets ein Mann an ihrer Seite war, der sie um ihrer selbst willen wollte und nicht wegen ihrer einflussreichen gesellschaftlichen Stellung. Eine Viertelstunde später erreichten sie das Ende der Bucht. Ein ansteigender Pfad führte in den Wald hinein, und ein Hinweisschild informierte darüber, dass es noch etwa zwanzig Minuten bis zum Aussichtspunkt waren. Als Rebecca loswanderte, folgte Logan ihr. Obwohl es schattig war, war sie verschwitzt, als sie oben ankamen. Weiter unten schlängelte sich die helle Bucht durch die fernen Hügel. Dankbar setzte Rebecca sich auf die Bank, die in sicherer Entfernung vom Abhang aufgestellt worden war.

Logan blieb am Geländer stehen – jeder Zentimeter von ihm genauso atemberaubend wie die Aussicht. Im Gegensatz zu Rebecca wirkte er allerdings, als hätte er gerade einmal einen Fünfminutenspaziergang hinter sich. Schließlich setzte er sich neben sie und streckte die langen Beine aus. Er war ihr zu nahe. Deshalb rutschte sie an den äußersten Rand der Bank, wo sie eine kerzengerade Haltung annahm und die Beine übereinanderschlug. „Netter Ausblick“, sagte Logan.

„Du bist nicht wegen des Panoramas hergekommen.“

„Nein, aber wenn ich schon mal hier oben sitze, kann ich es genauso gut genießen.“ Er nahm seine Sonnenbrille ab und sah sie an. Er fand sie attraktiv, keine Frage. Denn seit ihrer ersten Begegnung war er nicht müde geworden, es ihr immer wieder zu sagen. So wie er nicht müde geworden war, zu betonen, wie nutzlos ihre Rolle für ihr Land war. Wie absolut nutzlos sie letztlich war.

Bevor er angefangen hatte, an ihr herumzukritisieren, hatte sie ihm durchaus eine gewisse Anziehungskraft zugestanden. Er war groß und athletisch gebaut, hatte ein betörendes Lächeln, das er gekonnt einsetzte, und wache Augen, mit denen er alles um sich herum blitzschnell zu erfassen schien. Genau dieser scharfsinnige Blick war es auch gewesen, der sie am Anfang so fasziniert hatte. Doch nur ein winziger Moment hatte schließlich genügt, um ihre Meinung über ihn zu ändern. Auch die weiteren Treffen und Begegnungen mit ihm – im Konsulat, bei ihrem Bruder – hatten sie in dieser Auffassung bestätigt.

Und Logan wusste, was sie über ihn dachte.

Trotzdem war er wieder hier in ihrer Nähe. Sah amüsiert drein, äußerte unverblümt seine Gedanken und versuchte erst gar nicht, seine Missbilligung für sie zu verbergen. Er machte sich über ihre Gefühle lustig, machte sich über sie lustig.

Rebecca kannte ihn und Männer seiner Sorte gut genug, um herausfinden zu wollen, was ihn hergetrieben hatte. Deshalb musste sie zumindest so tun, als hörte sie ihm aufmerksam zu. „Also gut, ich ergebe mich. Du willst etwas sagen, dann sag es. Vermutlich ist das die einzige Chance, dich wieder loszuwerden.“

„Jetzt bin ich enttäuscht. Ich habe wirklich mehr Widerstand erwartet, Prinzessin.“

„Ich werde nicht mit dir streiten, Logan. Aber ich habe niemals gesagt, nicht jetzt und zu keinem anderen Zeitpunkt, dass ich auf deinen Rat hören werde.“

„Natürlich nicht.“

„Also?“

„Dinner?“

Sie starrte ihn an.

„Ich werde dir alles beim Dinner erzählen. Ich kenne da ein nettes Restaurant, nicht weit von hier.“

„Warum erzählst du’s mir nicht gleich hier?“

„Weil … es sich um ein ungewöhnliches Vorhaben handelt. Und wenn ich es dir auf der Stelle sage, dann weiß ich, dass du sofort wegrennen wirst. Aber wenn wir erst mal am Tisch sitzen und den Hauptgang zu uns nehmen, ist die Chance größer, dass du mir zuhörst.“ Da war sie wieder, diese Direktheit, die sie bereits von ihren wenigen Auseinandersetzungen kannte. „Erklärungen treffen nur bei Männern über den Magen mitten ins Herz, nicht bei Frauen.“

„Dein Herz will ich auch gar nicht … nur deine Ohren. Und deine Zeit.“

Natürlich. „Sobald du mir dein Vorhaben erklärt hast, lässt du mich aber in Ruhe.“

„Wenn du das dann überhaupt noch willst.“

„Du scheinst dir deiner Überzeugungskraft ja ziemlich sicher zu sein.“

„Ja.“

„Aber du kennst mich nicht.“ Und nichts von dem, was er ihr sagen würde, könnte etwas an ihrer Haltung ändern.

„Ich kenne dich gut genug.“ Er stand auf. „Ich hole dich um sieben ab.“

„Sag mir, welches Restaurant es ist, dann treffen wir uns dort.“ Zum einen wollte sie nicht, dass er erfuhr, wo genau sie wohnte. Zum anderen wollte sie sich nicht abhängig von ihm machen. Sobald sie sein sogenanntes Vorhaben kannte, würde sie wieder gehen. Allein.

Logan lächelte sein allwissendes Lächeln. „Wie Sie wünschen, Prinzessin“, erwiderte er spöttisch. Als er die Hand ausstreckte, ergriff Rebecca sie, ohne darüber nachzudenken, und ließ sich von ihm aufhelfen. Die Berührung seiner kräftigen Finger ließ sie erschauern. Es war wie ein Warnsignal, das ihr bedeutete, sich vor diesem Mann in acht zu nehmen. Denn er war ganz bestimmt nicht wie alle anderen Männer.

Logan betrachtete die Frau, die ihm am Tisch gegenübersaß. Als er Rebecca an diesem Nachmittag zum ersten Mal seit langer Zeit wiedergesehen hatte, hatte er sie in der schmalen Strandhose und dem leichten Cardigan kaum erkannt. Ihre schulterlangen blonden Haare waren offen gewesen, und sie hatte einen viel jüngeren, vor allen Dingen aber unbeschwerten Eindruck gemacht. Einen Moment lang hatte er es wirklich bedauert, sie verunsichert zu haben. Nun war ihr volles Haar hochgesteckt, und sie trug ein elegantes schwarzes Kleid mit langen Ärmeln, das ihren schlanken, wohlproportionierten Körper hervorragend betonte. Die Arme hatte sie abweisend vor der Brust verschränkt. Ihre Körpersprache war nur allzu offensichtlich.

Irgendwie musste er es schaffen, dass sie lockerer wurde, wenn er sie für seine Idee gewinnen wollte. Doch angesichts ihres herausfordernden Blicks schien das eine noch schwierigere Aufgabe zu sein als das Vorhaben, sein Unternehmen auf dem europäischen Markt zu etablieren. Es war schon eine Weile her, dass Logan sich einer Herausforderung mit so viel Freude und Eifer gestellt hatte. „Noch ein Glas Sauvignon Blanc, ma chérie?

„Ich bin niemandes chérie, schon gar nicht deins, Logan.“

Sie war in Höchstform. Die Stacheln aufgestellt, zum Sprung bereit. Es würde also ein hartes Stück Überzeugungsarbeit werden. Logan wusste, dass es Rebecca nicht an Verehrern mangelte. Doch entgegen aller Spekulationen der Presse war aus keiner Beziehung jemals etwas Ernsthafteres geworden. „Also heißt das, du möchtest noch Wein?“ Er schenkte ihr ein.

Sie wirkte eine Spur zu verspannt und misstrauisch. Er war dabei, ein großes Wagnis einzugehen, und hätte sie deshalb lieber etwas weniger verkrampft gesehen, entspannter. Ob sie wohl schon jemals einen Schwips gehabt hatte? Es war kaum vorstellbar, dass die allzeit beherrschte und majestätische Schneekönigin kicherte, geschweige denn herumalberte. Plötzlich stellte er sich vor, wie es wohl wäre, wenn sie sich ihm entgegenneigen und ihn einladen würde, sie zu küssen.

„Also, was verbirgt sich jetzt hinter deinem geheimnisvollen Vorhaben?“

Logan verdrängte die reizvolle Vorstellung und konzentrierte sich wieder auf die schnöde Wirklichkeit. „Erst beim Hauptgang.“

„Die Vorspeise, die übrigens nicht notwendig gewesen wäre, haben wir bereits hinter uns.“

„Aber der Hauptgang wurde noch nicht serviert, und Deal ist Deal. Also erzähl mir lieber“, sagte er, um sie – und vielleicht auch sich selbst – abzulenken, „warum du aus San Philippe weggerannt bist.“

Sie wandte den Blick ihrer hellgrauen Augen von ihm ab. „Ich bin nicht weggerannt. Ich habe eine Auszeit genommen. Die ich mir übrigens verdient habe“, setzte sie leicht herausfordernd hinzu.

Logan liebte es, die strenge Prinzessin zu verunsichern. „Nenn es, wie du willst. Ich glaube, du bist weggerannt.“

„Ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen.“

„Ich war nur neugierig, ob etwas an den Gerüchten dran ist, die ich gehört habe.“ Ihre Körperhaltung war eigentlich schon vollkommen, doch erstaunlicherweise schaffte sie es, eine noch aufrechtere Position einzunehmen. Für Logan war das die Bestätigung dafür, dass die Informationen, die er bekommen hatte, stimmten. Immerhin stammten sie aus sicherer Quelle.

„Du solltest auf das Gerede nichts geben.“

„Manchmal zahlt es sich aber aus, die Ohren zu spitzen. Ich weiß eben nie, wann ich eine Situation zu meinen Gunsten ausnutzen kann.“

Ein Ober brachte zwei Teller mit Crayfish. Die Langusten waren eine neuseeländische Delikatesse. Gleichzeitig servierte der Weinkellner eine Flasche passenden Wein dazu. Logan probierte einen Schluck Chardonnay, während der junge Mann auf sein Urteil wartete. „Exzellent.“ Obwohl er, hätte er ehrlich sein sollen, lieber ein kühles Bier getrunken hätte.

Nachdem ihre Gläser gefüllt waren, erhob Logan seins, um Rebecca zuzuprosten. Sie ließ ihn dabei nicht aus den Augen, doch trotz ihres strengen Blicks erkannte er, wie unsicher sie war. Es war die Unsicherheit eines Menschen, der nicht wusste, was ihn erwartete.

Da konnte er Abhilfe schaffen.

Er stellte sein Glas ab. „Angenommen, an dem Gerede ist was dran …“ Er blickte ihr in die wunderschönen Augen. „… dann wirst du schon sehr bald jemandes chérie sein, auch wenn dir das ganz und gar nicht passt. Deshalb schlage ich dir vor … mich zu heiraten.“

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