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Ich mach Party mit Sirtaki

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Inhalt

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  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Griechin sucht Griechen
  7. 1. Stunde: Alles Sorbas oder was?
  8. Erotomania – Leidenschaft auf Griechisch
  9. 2. Stunde: Improvisation mit Servietten
  10. Parexigisis – griechische Missverständnisse
  11. Ellinikos Choros – Wer tanzt was und warum?
  12. 3. Stunde: Hier tanzt die Krise
  13. Lazo-Germani – Griechen in der Diaspora
  14. Markes, Markes – griechischer Markenwahn
  15. 4. Stunde: Die Sirtaki-Therapie
  16. Jami – griechische Ehen
  17. 5. Stunde: Tanz und Spiele
  18. Papoutsakia und andere Verniedlichungen – der griechische Diminutiv
  19. Ton Akron – (Nerven)krise in Athen 2010
  20. Ton Akron
  21. 6. Stunde: Die Griechen sind die Größten
  22. Och und Ach – das griechische (Weh)leiden
  23. Letzte Stunde: Ich tanze, also bin ich … griechisch
  24. Parea – Wahlverwandtschaften
  25. Tanz auf der Insel
  26. »Das Schlimmste ist das Wetter!«

Über die Autorin

Stella Bettermann ist Halbgriechin und Mutter zweier Kinder. Geboren und aufgewachsen in München, hat sie als Kind das Leben in Griechenland während der Sommerferien kennen gelernt, die sie jedes Jahr bei der Familie ihrer Mutter in Piräus verbracht hat. Um heute ihr Heimweh nach Griechenland zu stillen, besucht sie eine griechische Volkstanzgruppe und lernt die Tänze ihrer Heimat.

Stella Bettermann

Ich mach Party
mit Sirtaki

Wie ich in Deutschland
meine griechischen Wurzeln fand

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Griechin sucht Griechen

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Die Menschenschlange tanzt mit flinken kleinen Schritten im Kreis nach rechts. Immer nach rechts. Und immer schneller. In der Mitte des Kreises steht ein Mann und gibt das Tempo vor. »Ena, thio, tria!« Tanzlehrer Mikis schreit seine Kommandos, um die laute griechische Volksmusik zu übertönen. Ena, thio, tria – das heißt: eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei kleine Schritte. Und wieder: eins, zwei, drei kleine Schritte.

Mikis: Tomatenrote Jogginghose, himmelblaue Lederturnschuhe, kein Gramm zu viel auf den Hüften. Vom schwarzen Krauskopf seiner Jugend ist ihm ein silberdurchzogener, nackenlanger Kranz geblieben, freundliche Kulleraugen blinzeln hinter runden Brillengläsern.

Die Menschenschlange, das sind wir: rund fünfzehn Frauen und Männer gemischten Alters, (fast) alle Griechen, die sich an den Händen halten. Ena, thio, tria. Schneller, schneller, schneller.

Dann kommt es, Mikis kündigt es mit erhobener Hand an: »Ena, thio, tria … tsouk!!!«, schreit er. Für tsouk gibt es keine Übersetzung. Tsouk ist Mikis’ Bezeichnung für einen Tanzschritt, eine Mischung zwischen einem Stampfen und einem Schlenkern. Ganz beiläufig, lässig, so wie Mikis es vormacht. Locker aus der Hüfte. Auch locker aus dem Fußgelenk. Kaum zu beschreiben, schwerer noch zu tanzen – zumindest für mich, die Anfängerin.

»Tsouk«, sage ich, aber meine Beine eilen einfach weiter. Ena, thio, tria

»Achtung, jetzt: tsouk!!!«, warnt Stavros zu meiner Linken. Das ist, kurz bevor ich das nächste tsouk verpatze.

»Okay, jetzt mal Schluss mit dem tsouk«, bremst Takis zu meiner Rechten und lässt mich einfach los. Ich stoppe, Stavros rempelt mich von links an, Vicky stößt mit Stavros zusammen, Alexis mit Vicky …

»Viel wichtiger als tsouk ist doch jetzt: Was wollen wir essen!?«, ruft Takis und ringt die Hände in gespielter Empörung. »Wir tanzen schon ewig und haben noch nicht über das Essen gesprochen!«

Da löst sich die Schlange auf, in rund fünfzehn hungrige Griechen. Alle lassen die Hände ihrer Tanzpartner fahren, lassen den Tanz links liegen und schreien ihre Bestellungen über die Musik hinweg:

»Ich nehme drei Souvlakia mit Salat!«, tönt Vicky.

»Ich zwei mit Kartoffeln!«, trötet Stavros.

»Mir sollen sie zwei Brisoles, Koteletts, reservieren!« Lazaros legt die Hände wie ein Megafon um seinen Mund, um sich Gehör zu verschaffen. Panajota macht es ihm nach:

»Zwei schöne Brisoles – auch für mich!«

»Ich will drei Souvlakia – und Hühnchen aus dem Ofen, wenn welches da ist, sonst auch eine Brisola. Und Salat«, krächzt Mikis angeschlagene Stimme (die Kommandos!) ins Getümmel.

»Du isst wieder für drei! Da müssen wir uns ranhalten, damit noch was für uns bleibt«, lacht Mimi: »Für mich zwei Souvlakia mit Salat!«

Das Musikstück ist nun zu Ende. Das Geschrei geht weiter. Es handelt sich ja um die ganz normale Lautstärke, wenn mehr als zwei Griechen zusammenkommen. Wenn fünfzehn kommunizieren, klingt es wie ein handfester Streit. Wie ein Tumult. Wie der Auftakt zu einer Schlägerei. Wie ein Vulkanausbruch südländischen Temperaments.

Es klingt wie Griechenland!

Griechenland im zweiten Stock, auf dem Fußboden hellbraunes Eichenparkett, an den Wänden Inselszenen in Schwarzweiß. Griechenland aus dem Laptop, auf dem Tanzlehrer Mikis Volksmusik aus allen Ecken von Hellas gesammelt hat. Griechenland im späten deutschen März, mit Nieselregen und beschlagenen Fenstern, an einem Dienstagabend im Münchner Westend. Griechenland! Ein warmes Gefühl wandert in mir hoch und breitet sich zu einem Grinsen in meinem Gesicht aus.

»Und du, willst du gar nichts essen?!«, reißt Takis mich aus meinen Betrachtungen. In den Händen hält er nun einen Kugelschreiber und einen Zettel, darauf sind die Essenswünsche des griechischen Volkstanzkurses vermerkt. Und ob ich essen will!

»Für mich zwei Souvlakia. Gibt es auch Tsatsiki

»Was du willst! Ganz wie in Griechenland!«, sagt er und eilt mit dem Zettel nach unten in das kleine Restaurant im Erdgeschoss, das ganz selbstverständlich zu dem griechischen Kulturzentrum, in dem der Kursus stattfindet, gehört.

Ganz wie in Griechenland, hat er gesagt. Und ganz wie in Griechenland geht es immer irgendwie (auch) ums Essen, sogar hier im griechischen Volkstanzkurs, den ich heute zum ersten Mal besuche. Weil ich immer schon gern richtig griechisch tanzen lernen wollte, Tsamikos und Kalamatianos und all die anderen Tänze? Auch. Hauptsächlich aber aus Sehnsucht. Aus Sehnsucht nach Griechenland.

Dabei komme ich nicht von einer kleinen griechischen Insel, und ich bin auch nicht in einem winzigen griechischen Bergdorf geboren oder im Großstadtmoloch Athen. Sondern auf der Entbindungsstation des Krankenhauses Rechts der Isar in München. Ich bin nämlich »nur« germano-ellinida – Deutsch-Griechin, und ich bin in Deutschland aufgewachsen. Mein Vater ist Deutscher. Wäre er, und nicht meine Mutter, griechisch, dann wäre ich ellino-germanida. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, über den ich erst jetzt aufgeklärt werde, von Manolis, einem Mitglied meiner neuen Tanztruppe: Als ellino-germanida mit griechischem Papa würde ich als einen Tick griechischer gelten. Das wusste ich bis gerade eben noch nicht mal. Sagt das nicht schon alles?

Griechenland ist nicht wirklich meine Heimat, sondern eine Kindheitserinnerung, an herrliche, farbenfrohe Sommer bei meinen Großeltern und den übrigen Verwandten in Athen. Außerdem ist Griechenland einer meiner liebsten Urlaubsorte. Richtig gewohnt habe ich dort aber nie. Eine Menge Leute in meinem Umfeld ahnten bis unlängst nicht einmal, dass ich griechische Wurzeln besitze – und waren sogar überrascht, als letztes Jahr mein Buch Ich trink Ouzo, was trinkst du so? erschien, in dem ich von meiner griechischen Verwandtschaft erzähle. »Ich wusste ja gar nicht, dass du Griechin bist«, sagte beispielsweise eine frühere Bürokollegin, mit der ich seit immerhin zehn Jahren regelmäßig Kaffee trinke. »Ich auch nicht!«, hätte ich beinahe geantwortet. Lange Zeit fühlte ich mich selbst nicht besonders griechisch.

»Du biest totall deutsch!«, findet jedenfalls meine griechische Mutter. Ich besitze nämlich keinen griechischen Pass und keinen griechischen Akzent (beides im Gegensatz zu ihr). Ich feiere Geburtstag wie die Deutschen, statt Namenstag, wie es die Griechen tun, und deutsches Ostern statt griechischem. Nie habe ich eine griechische Schule besucht, weshalb ich auch nicht griechisch schreiben kann. Ich höre keine griechische Musik, empfange kein griechisches Fernsehen und lese selten griechische Zeitungen. (Was daran liegt, dass ich nur schlecht griechisch lese – obwohl meine Cousine Anna in Piräus mir in unserer Kindheit regelmäßig griechische Comics zum Üben schickte. Doch seither haben sich meine griechischen Lesekünste nicht verbessert, deshalb lese ich immer noch so langsam wie eine Grundschülerin.)

Ehrlich gesagt, habe ich meine griechischen Wurzeln jahrzehntelang kaum gepflegt. Und wenn mir in Deutschland wirklich mal der Sinn nach griechischer Atmosphäre stand, bin ich einfach zum Griechen essen gegangen. Um den lärmenden Kellnern und Köchen zu lauschen, Retsina zu schmecken und mir den Bauch mit gefüllten Weinblättern vollzuschlagen. Das kann allerdings jeder, dazu muss man keine halbe Griechin sein.

Immerhin konnte ich bei der Gelegenheit griechisch sprechen: »Mia merida kalamaria, parakalo« – eine Portion Kalamari. Oder: »Mou fernete ton logariasmo« – die Rechnung bitte. Nicht gerade eine ausgewachsene griechische Konversation. Wenn mir danach der Sinn stand, musste ich mich hier in München schon an den hier lebenden griechischen Teil meiner Familie wenden. Als da wäre: genau eine einzige Person – meine Mutter.

Allerdings spricht nicht einmal sie richtig griechisch mit mir. Als ich noch ein Kind war, hat sie zu Hause gar kein Griechisch gesprochen, sondern ausschließlich Deutsch. Ihre Muttersprache habe ich nicht von ihr, sondern von meiner griechischen Großmutter, der Yiayia, gelernt.

Als ich es dann beherrschte, sprachen auch Mama und ich endlich Griechisch miteinander. Allerdings kein richtiges. Die Sprache, in der wir beide uns unterhalten, verstehen weder Griechen noch Deutsche so ganz. Sie klingt ungefähr so: »Fere ta piata aus der Küche, na strossoume sto Wohnzimmer. Was willst du trinken? Coca Cola i nero?« Wir sprechen Mischimaschi. Wie viele ausländische Familien, die schon lange hier leben.

Leider sprechen auch meine beiden Kinder kein Griechisch. Obwohl ich mir das eigentlich gewünscht hatte. Der Plan war, dass Mama ihnen die Sprache beibringen sollte. Als mein Sohn auf die Welt kam, betreute sie ihn praktischerweise ein paar Jahre lang fast täglich. Da würde sich das ganz automatisch einstellen, dachten wir. Merkwürdig war nur, dass mein Sohn in der ganzen Zeit nur zwei griechische Worte lernte: Yiayiaka – Omilein. Und kotoula – Hühnchen. Mehr sagte er auf Griechisch nie.

Mama schwört aber, er hätte in jener Kleinkinderzeit immerhin Griechisch verstanden. »Einmal chabe ich zum Beispiel den Färnbedienung nicht mehr gefunden, und ich sagte, mähr zu mir selbst, auf Griechisch: Wo ist denn nur der Färnbedienung! Da läuft er in die Küche und kommt mit den Färnbedienung! Da war er chöchstens eineinchalb. Und verstand schon jädes griechische Wort!«

Als sie die Geschichte gefühlte siebenhundert Mal wiedergegeben hatte, ging mir ein Licht auf: »Mama, weißt du überhaupt, was Fernbedienung auf Griechisch heißt?«

»Ach so – äh … nein.« 1958, als Mama zum Studium nach Deutschland kam, gab es TV-Fernbedienungen nämlich noch nicht. Weder hier, noch dort. Und so stellte sich heraus, dass Mama wahrscheinlich nur dachte, sie hätte Griechisch mit ihrem Enkelsohn gesprochen. Tatsächlich war es jedoch Deutsch. Als dann ihre Enkeltochter geboren wurde, ließen wir das Experiment Zweisprachigkeit gleich ganz sein, deshalb spricht sie ebenfalls kein Griechisch.

Mein Onkel Michalis in Athen, Mamas jüngerer Bruder, wollte sich vor Lachen ausschütten, als er die Geschichte mit der Fernbedienung von mir hörte. »Ihr wisst nicht, wie das heißt?! Verrückt! Wo lebt ihr denn?! Das ist doch der Täläkomandär.« Der Telekommander. Dass ich das nicht ahnte, sagt viel über mein Griechisch: Ich habe es in den Sechzigerjahren von einer alten Frau, meiner Yiayia, gelernt und seither hauptsächlich mit einer Frau geübt, die seit den Fünfzigerjahren nicht mehr in Griechenland lebt und meist Mischimaschi mit mir spricht. Natürlich könnte ich ab und an auch mit meinem Bruder griechisch sprechen. Doch dafür reicht meine Geduld nicht. Denn sein griechischer Wortschatz ist äußerst beschränkt. Und seine Aussprache katastrophal. Die ist bei mir wenigstens einigermaßen okay!

Ein paar Mal habe ich natürlich schon versucht, meinen Kindern die Sprache ihrer Großmutter beizubringen. Immer mal ein halbes Stündchen oder so. Ohne große Ausdauer.

Ich war eine schlechte Griechin, ich gebe es zu. Es war mir aber egal.

Ganz allmählich passierte dann, was offenbar viele erleben, die Verbindungen zu einem fremden Kulturkreis besitzen: Mit dem Älterwerden kommt die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln. Die sind ja noch da, irgendwo tief im Unterbewusstsein, und warten anscheinend nur darauf, wieder aufzukeimen. Plötzlich war es mir wichtig, nicht nur jedes dritte oder vierte Jahr nach Hellas zu reisen, sondern es musste jedes zweite sein. Dann irgendwann jedes. Oder am liebsten zweimal pro Jahr.

Wegen des Lichts, das dort viel heller scheint als anderswo, und weil ich immer das Gefühl habe, dass es um mich herum gar nicht richtig Sommer wird, wenn dieses Licht zu lange fehlt. Wegen des Lärms, der meine Ohren frei pustet. Wegen der unglaublichen Sommerhitze, die mich so richtig durchwärmt, damit ich dann den kalten deutschen Winter überstehen kann. Wegen der Gerüche (Oregano auf Karsthügeln, frisch zwischen den Händen zerrieben. Jasmin an Hausmauern. Und dem Duft von feuchtem Asphalt, der nach einem reinigenden Guss aus dem Wasserschlauch in der Sonne trocknet). Den Aromen (griechische Pfirsiche! Kaimaki-Eis! Mastix-Kaugummis aus Baumharz!). Den Klängen (Mopedhupen vierundzwanzig Stunden am Tag. Das Tröten von Schiffshörnern. Tränenschwere griechische Liebeslieder aus dem Radio. Psalme aus den Lautsprechern der Kirchen. Und griechische Flüche!).

Plötzlich sind mir sogar die Sommer-Reisen nach Hellas zu wenig, die Telefongespräche mit der Verwandtschaft zu selten. Ich koche griechisch. Ich sehe mir griechische Filme an. Ich google nach griechischen Nachrichten. Ich bin auf dem Hellas-Trip. Und immer latent auf Entzug, so allein als Griechin ohne Griechen um mich herum.

Leider hatte ich noch nie einen griechischen Bekanntenkreis – nur einmal einen guten griechischen Freund. Das war mit Anfang zwanzig, doch obwohl bei Andreas beide Eltern Griechen sind, unterhielten wir uns meistens auf Deutsch. Griechisch war lediglich unsere Geheimsprache, die wir benutzten, wenn wir etwa über andere lästerten oder Witze rissen, die keiner außer uns verstehen sollte. Irgendwann verloren wir uns aus den Augen.

Kürzlich trafen wir uns zufällig wieder, weil sein kleiner Sohn und meine kleine Tochter dieselbe Klasse besuchen. Allerdings: Andreas’ Kinder sprechen beide griechisch. Als sie noch jünger waren, besuchten sie einen griechischen Kindergarten. Und: Sie gehen jeden Samstag in eine griechische Schule und lernen die griechische Schrift und die komplizierte Grammatik. Das ist Andreas wichtig.

Natürlich bekam ich da gleich ein schlechtes Gewissen. Ich wusste ja nicht mal, dass es eine griechische Samstagsschule bei uns gibt. Jetzt haben meine Kinder aber auch keine Lust mehr, da plötzlich hinzugehen. Mal abgesehen davon, dass Fünfzehn- und Siebenjährige, die nur die Worte kotoula und Yiayiaka beherrschen, kaum aufgenommen werden würden.

Im Internet recherchiere ich dann, dass es auch griechische Spielgruppen gibt, und sogar einen Volkstanzkurs für griechische Grundschüler. Da könnte doch meine kleine Tochter spielerisch Griechisch lernen!

»Geh doch mal hin, du tanzt doch so gern«, bitte ich sie.

»Ich hab schon genug zu tun«, erwidert sie altklug. »Aber du kannst ja hingehen.«

Ich und Volkstanz?!

Einen Griechen kenne ich doch, es ist ein früherer Redaktions-Kollege. Mikis ist Grafiker, stammt aus Athen, lebt schon ewig in München. Er hat drei mittlerweile erwachsene Kinder mit einer Deutschen und ist geschieden. Viel mehr weiß ich nicht über ihn. Früher tauschten wir uns immer über ideale Urlaubsorte in Griechenland aus und schimpften über die miesen deutschen Sommer. Ab und an flogen auch ein paar griechische Wörter zwischen uns hin und her. Die übrigen Kollegen verdrehten dann die Augen und lachten über die für sie ungewohnte Sprache und über die Lautstärke: Denn sein Deutsch spricht Mikis als leisen, zurückhaltenden Singsang – sein Griechisch aber laut und munter. Bei mir ist das anscheinend ähnlich.

Mikis allerdings ist nicht nur Grafiker, er ist auch Tänzer, so viel wusste ich. Er ist Mitglied der renommierten Athener Tanztruppe Dora Stratou und tritt auf Festivals auf. Außerdem unterrichtet er griechische Tänze, hier in München, im Griechischen Haus im Westend.

Mikis. Ich habe ihn seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen. Ich rufe ihn einfach an.

Mailbox.

Eine Stunde später ruft er zurück, im Hintergrund höre ich griechische Rufe und griechische Musik. Mikis klingt nicht eine Sekunde überrascht, dass ich urplötzlich seine Volkstanzgruppe besuchen will. Es kommt mir sogar so vor, als hätte er sich gewundert, dass ich seine griechische Tanzgruppe all die Jahre zuvor nicht besucht habe. Aber jetzt ist es so weit: Dienstag, neunzehn Uhr.

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1. Stunde: Alles Sorbas oder was?

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Vor dem Eingang des Griechischen Hauses Westend haben sich ein halbes Dutzend Griechinnen gruppiert – eine junge, schlanke mit glattem schwarzen Haar und ein paar schon ältere, etwas behäbige. Griechisches Palaver schallt durch die Straße, Zigaretten glimmen im Dunkel des Frühjahrsabends.

Ist das bereits meine neue griechische Volkstanzgruppe?

»Tanzgroupe? Naaaain, wir tanzen nicht!«, lacht eine der älteren Damen, als handele es sich bei der Vermutung um einen gelungenen Witz. (Und natürlich spricht sie den mir so vertrauten Akzent – wie meine Mama.) »Wir sinngen!«, sagt sie und pustet ihren Zigarettenrauch in die Luft.

Es handelt sich um den griechischen Chor. Auch immer dienstags, vor dem Tanzkurs. Aushänge am Eingang geben darüber Auskunft, dass es auch Evgenias Bastelstunde gibt (ab vier Jahren), einen Kochkurs und den Frauenabend am Donnerstag – alles griechisch, aber offen für Interessenten aller Nationalitäten. Das Zentrum scheint eine Art Volkshochschule à la grecque zu sein.

»Für welchen Kuhrs wollen Sie sich denn einsreiben?«, fragt die Sängerin. »Anfänger, Fortgesritten, Köhner?«

»Idean then echo – keine Ahnung«, sage ich und gebe mich damit als Griechin zu erkennen. »Ich weiß nur, dass es der Kurs von Mikis ist. Wo finde ich ihn denn?«

»Ahhh, Mikis«, sagt die üppige Dame, nun auf Griechisch. »Das ist ein ganz besonderer Kurs!«

Mir steht wohl ein Fragezeichen ins Gesicht geschrieben, deshalb setzt sie zu einer Erklärung an: »Es gibt Lehrer, die sind einfach Lehrer. Mikis aber ist nicht nur Lehrer. Er ist Künstler!«

»Der Kurs ist im zweiten Stock, aber ich glaube, Mikis ist noch nicht da«, ergänzt die junge Schwarzhaarige. Die Leute da tanzen schon seit sicher zwanzig Jahren zusammen. Die sind perfekt!«

Klingt ja ermutigend, denke ich. Wahrscheinlich wäre eher der Anfängerkurs das Richtige für mich. Ich kann ja noch gar nichts.

Außer natürlich den Touristen-Sirtaki. Mit dem echten Sirtaki hat der eigentlich nichts zu tun, er ist viel simpler: ein nach hinten überkreuzter Schritt, dann Linksschlenker, Rechtsschlenker. Und wieder der überkreuzte Schritt. Das ist es, was an Feierlichkeiten wie Ostern in griechischen Restaurants in Deutschland getanzt wird. Und in Touristenorten in Griechenland, wenn ausländische Sommergäste auf die Tanzfläche strömen. Kann jeder, der keine zwei linken Füße besitzt und nicht mehr als fünf Ouzo intus hat.

Da erscheint Mikis, mit strahlendem Begrüßungslächeln, im Schlepptau einen kleinen Rollkoffer und vier Frauen um die fünfzig. Im zweiten Stock angelangt, zieht er aus dem Koffer einen Laptop und dreht sogleich volle Pulle auf: griechische Musik, natürlich. Einstimmung zum Umziehen. Dann verschwinden alle in der Garderobe und ziehen Sportsachen über.

Bis auf eine der Frauen: Sie streift nur die Straßenschuhe ab, dann eilt sie auch schon in die Mitte des Raumes und beginnt auf Strümpfen zu tanzen, ganz allein, mit kleinen, geübten, (für mich) beängstigend schnellen Schritten. Und sie singt, sie singt jedes Wort mit.

»Das ist Carla«, stellt Mikis sie vor, nun in roter Hose und blauen Turnschuhen. Die Tänzerin scheint mich erst jetzt wahrzunehmen und winkt mir – tanzend – zu.

Carla also. Sie sieht aus, als wäre sie einer der Schwarzweißfotografien an den Wänden entsprungen, die griechische Insel- und Bergszenen aus den Dreißigerjahren zeigen: klein, selbst für eine Südländerin, und ganz in Schwarz gekleidet. Ein langer, schwarzer Pferdeschwanz schwingt im Takt. Wie eine typische Inselwitwe, aber keine traurige – eine wendige Witwe, ganz versunken in den Tanz.

Auf einen Schlag ist der Raum voll – und die Musik aus. Mikis fummelt am Laptop, Mikis begrüßt Neuankömmlinge, Mikis läuft zum Fenster (»Wo bleibt Takis bloß? Immer muss dieser Mensch zu spät kommen!«). Mikis lässt sich umarmen und küssen (von den eintreffenden Damen) und freundschaftlich auf die Schulter klopfen (von den Herren). Da sind Nitsa und Alexis. Und Vicky, Panajota, Lazaros. Stavros. Oder Christos? Irgendwas mit »os«. Mikis stellt mich allen vor, rund fünfzehn Leute kommen zusammen, es ist ein großes Hallo. Nach Sekunden habe ich die meisten Namen wieder vergessen.

Die Musik spielt weiter, Carla tanzt, diesmal nicht allein: Sie führt die Schlange an und zieht eine blond gefärbte Dame in Leggings hinter sich her (Nitsa? Oder Panajota?). Die wiederum hält eine Grauhaarige, die ihrerseits einen muskulösen Mann mit hellen Augen an der Hand gefasst hat.

Die meisten der griechischen Volkstänze werden in Schlangenformationen getanzt, so viel weiß ich. Diese Schlange hier wird immer länger. Ein großer junger Mann kommt hereingeweht, reiht sich sofort ein (»Markos!«, ruft Mikis mir zu. »Der ist auch halb und halb, wie du!«). Dann stöckelt eine ältere Dame mit rotem, auftoupiertem Haar in den Raum. Ich grüße, sie nickt, ihren Namen nennt sie nicht.

»Ich bin gar nicht da«, sagt sie auf Griechisch.

Ich verstehe nicht. Sie ist doch hier!

»Margarita lebt jetzt wieder in Thessaloniki. Sie besucht den Kurs normalerweise nicht mehr!«, ruft Mikis zu mir herüber. Sie findet wohl, ich muss mir gar nicht erst die Mühe machen, mir ihren Namen zu merken. Margarita hat inzwischen die Schlange in der Mitte geteilt und zu tanzen begonnen – ziemlich resolut für jemanden, der eigentlich gar nicht anwesend ist.

Soll ich jetzt auch einfach tanzen? Auch in der Mitte der Schlange? Oder ganz am Schluss? Aber vielleicht ist das Ende ein spezieller Platz, so wie der Anfang, wo – das kann ich nach so kurzer Zeit sehen – nur die Besten tanzen. So wie Carla, die keine Unterweisung nötig hat und Mikis offenbar als eine Art Hilfs-Tanzlehrerin unterstützt.

»Natürlich kannst du bei uns mitmachen«, hat Mikis bei meinem Anruf vor ein paar Tagen gesagt. »Vorausgesetzt, du kannst mithalten. Wir können nämlich niemanden gebrauchen, der den ganzen Ablauf bremst.« Mit den Augen verfolge ich die getanzten Schrittkombinationen, versuche, sie mir einzuprägen, damit ich den Ablauf nicht bremse. Es will mir nicht gelingen.

»Mikis, gibst du auch Anfängerkurse?«, frage ich in der nächsten Musikpause.

»Nein, auf Anfänger habe ich keine Lust. Aber es gibt hier einen Anfängerkurs, donnerstags um fünf. Den hält ein anderer Lehrer. Da sind aber nur Deutsche drin.«

»Und wo gibt es einen Kurs für Griechen, die noch nicht so gut tanzen?«, frage ich.

»Gibt’s nicht, nirgends!«, ruft eine Dame mit kurzen braunen Locken.

»Wir sind der einzige Kurs mit Griechen«, bestätigt Mikis.

»Der einzige hier im Griechischen Haus?«

»Nein, der einzige in München. Vielleicht sogar in ganz Deutschland«, sagt Mikis augenzwinkernd.

»Und was machen all die anderen Griechen hier um diese Zeit so?«, frage ich.

»Die sind Langweiler und sitzen jeden Abend vor dem Fernseher«, sagt die Gelockte, und alles lacht.

Da setzt die Musik auch schon wieder ein.

»Komm schon, tanz!«, sagt Mikis. »Dazu bist du doch hier!«

Da öffnet sich die Schlange plötzlich, zwischen dem Mann mit den hellen Augen und dem schlaksigen Halbundhalb. Ich werde an den Händen gefasst und einfach mitgerissen.

Die ersten Tänze kriege ich gar nicht richtig mit. Ich erinnere mich nur an Füße: Carlas winzige in den schwarzen Socken, viel zu weit weg und viel zu flink, um mich daran zu orientieren. Mikis’ hellblaue, mal links vorne, dann am anderen Ende des Raumes, in einer exaltierten Drehung. Und nie da, wo ich sie eigentlich bräuchte: exakt vor mir.

Außerdem: kleine braune Damenfreizeitschuhe, die unbeirrte, sichere Bewegungen ausführen. Kleine graue Turnschuhe, die ein wenig schlampig über den Holzboden schleifen. Kleine schwarze Damenturnschuhe, kleine weiße Damenturnschuhe. Und große weiße Damen-Sneakers (das sind die von Maria, einer Österreicherin – es gibt nämlich doch Ausländer in der Runde, wie ich später mitbekomme).

Schließlich, direkt neben mir – riesige schwarze Adidas-Schuhe: die Schuhe von Halbundhalb, dem schlaksigen jungen Tänzer.

Ich starre auf Adidas. Adidas hat es raus! Nicht zu tänzelnd, nicht zu schlampig. Und irgendwie einen Tick langsamer als die anderen. Wahrscheinlich wirkt es nur so, weil seine Füße groß sind. Jedenfalls kann ich Adidas folgen.

Bis jetzt bin ich einfach irgendwie mitgehoppelt. Wie ein verstörter Osterhase, um nicht den Ablauf zu bremsen. Ab jetzt halte ich mich an Adidas.

Adidas überkreuzt den linken Fuß vor dem rechten. Ich überkreuze den linken Fuß vor dem rechten. Adidas hebt das rechte Bein. Ich hebe das rechte Bein. Adidas tippelt weiter. Ich tipple weiter. Dann tipple ich mit dem falschen Fuß zuerst. Aber jetzt: Adidas links über Kreuz. Ich links über Kreuz. Mein Gesicht glüht. Die Waden schmerzen, jetzt schon.

Als ich aufblicke, stehen plötzlich noch zwei Neuankömmlinge vor mir. Vor lauter Adidas habe ich sie noch gar nicht bemerkt.

Große Begrüßung, viel Schulterklopfen. Es handelt sich um den vermissten Takis und Mimi, seine Frau. Takis ist schmal, hat dunkles Haar, ein freches Dauergrinsen, und ist »Fünfundvierzig Minuten zu spät!«, wie Mikis vorwurfsvoll bemerkt.

»Na und?«, sagt Takis, »jetzt sind wir doch da!« Besonders Mimi, sie steht wie ein Ausrufungszeichen im Raum. »Exandrik«, exzentrisch, würde meine Mutter ihren Stil anerkennend nennen: lange Flatterbluse, wild gemustert. Breites Haarband, Sechziger-Stil. Riesenbrille mit Designerlogo, filmstarlike. Dazu: kleine weiße Turnschuhe. Ich tanze wie Carla auf Strümpfen. Mikis hat vergessen, mir wegen der Turnschuhe Bescheid zu geben – und der Boden ist frisch renoviert.

Kurz darauf heißt es tsouk, dann werden die Menüwünsche notiert – und weitergetanzt. Nur: in neuer Formation. Adidas ist nun zwei Meter von mir entfernt. Der Osterhase hoppelt wieder querfeldein. Also ich. Hilflos dem Takt hinterher.

»Nun ein Tanz aus Kreta«, sagt Mikis, »aus Chania.«

»Jetzt gehen wir nach Kleinasien.«

»Dieser hier kommt aus Kos.«

»Jetzt Thrakien.«

»Kappadokien.«

»Pontos.«

»Leros.«

»Zypern.«

Überall gibt es typische Volkstänze. Überall, wo Griechen leben. Oder früher lebten. Sie haben sich ganz schön ausgebreitet in der Welt, das weiß man ja. Dass sie sich dort so viel Mühe gaben, sich knifflige Tänze auszudenken, die kein normaler Mensch nachmachen kann – das war mir nicht so klar. Ich habe es mir einfacher vorgestellt.

»Ist doch ganz einfach!«, sagt Mikis.

»Du machst wohl Witze!«, rufe ich ihm zu.

»Ach was! Ena, thio, tria«, sagt Mikis. Oder: »Tsouk!«. Oder: »Bam bam bam – und hopp!«

Ich mache: hoppel hoppel hoppel. Ein Schweißtropfen löst sich von meinem Nacken und rinnt mir den Rücken hinunter. Mikis beachtet mich nicht mehr. Vielleicht ganz gut so.

Und plötzlich habe ich eine Schrittfolge kapiert. Über Kreuz und hopp und gerade stehen. Dann Schlenker rechtes Bein. Und wieder: kreuz, kreuz, hopp, hopp, gerade, Schlenker! Na also. Geht doch!

Jetzt könnte Mikis mich eigentlich wieder beachten!

Unnnnd Schlenker! Endlich macht es Spaß.

Mikis beachtet mich doch: »Du tanzt ja wie ein Mann!«, ruft er.

Ich strahle. Genau! Wie ein Mann. Ganz lässig!

»Ganz falsch«, sagt Mikis. »Frauen heben die Beine nicht so hoch. Frauen tanzen dezent.«

»Chamila ta podia«, sagt nun auch die Blonde in Leggings. Beine flach halten.

Ich kann sowieso nicht mehr. Ich muss mich setzen.

Ich sitze und höre der Musik zu. Ich höre die Lyra. Die Lyra ist ein griechisches Saiteninstrument, das einen Klang erzeugt, den ich immer schon nervig fand. Leidend. Kreischend. Nicht wirklich angenehm. Klingt für mich so ähnlich wie ein schottischer Dudelsack.

Solche Musik habe ich schon ab und an gehört, etwa im Radio, beim Griechenlandbesuch. Und immer gleich weggeschaltet. Es klingt, freundlich ausgedrückt, sehr speziell. Geigen sind auch dabei, ebenfalls kreischend. Ich lausche dem Gesang – es sind ja Lieder – doch die Worte kann ich nicht verstehen vor lauter Lyra-Leiden.

Ich hatte mir fette, fröhliche Bouzouki-Klänge vorgestellt. Bouzouki ist auch ein typisch griechisches Saiteninstrument, aber freundlicher. Es produziert klimpernde, mitreißende Musik, bouzoukia nämlich. Wenn man bouzoukia tanzt, ruft man: Ooooopa! Und streckt die Arme zur Seite. Ich habe das schon in griechischen Lokalen in Athen gesehen. Man macht lässige, verwegene Bewegungen. Ziemlich sexy. So hatte ich mir das vorgestellt.

Dies hier ist anders, sperriger. Es sind ja auch keine bouzoukia, sondern laika tragoudia, Volkslieder. Aus den entlegensten Ecken Griechenlands. Man hört ihnen die Entlegenheit förmlich an. Ich muss dabei an Bergdörfer mit ungepflasterten Straßen denken und an Ziegenhirtinnen, die in einer Tanzschlange über den Dorfplatz galoppieren, dass der Staub nur so aufwirbelt. Eine zahnlose Alte in Schwarz singt schrill gegen den Wind, von verschmähter Liebe vielleicht, oder von verdorbener Ernte. Dazu zetern Geigen. Beziehungsweise Lyras.

Dass die Musik hier so klingen würde, davon hatte ich keine Ahnung. Und dass die Tanzschritte so kompliziert sein würden. Aber was weiß ich schon von griechischen Volkstänzen? Nicht mehr als Deutsche.

Ich würde gern den Sirtaki können, den echten, wie ihn Anthony Quinn alias Alexis Sorbas in der Verfilmung des Romans von Kasantzakis tanzt. Die Musik dazu stammt von Mikis Theodorakis, aber den Tanz aus dem Film, den hat die Filmcrew damals extra für Anthony Quinn erfunden. Es heißt, Quinn wäre nicht tänzerisch begabt genug gewesen, um einen original griechischen Tanz zu lernen, darum haben sie ihm, angelehnt an den Chasapiko-Tanz, einen einfacheren choreografiert. So steht es jedenfalls in Wikipedia. Da habe ich extra nachgelesen, bevor ich abends in den Kurs marschierte. (Das kann aber gar nicht stimmen. Jeder, der jemals einen Chasapikos getanzt hat, muss es bezweifeln: denn der Chasapikos ist ganz simpel zu tanzen, und der Sirtaki ziemlich kompliziert. Aber das weiß ich jetzt noch nicht.)

Jedenfalls war der Sirtaki so schön und mitreißend, dass er sogleich eingemeindet wurde und nun als moderner Volkstanz gilt. So etwas in der Art wollte ich gern lernen – Tanzen wie Alexis Sorbas!

Stattdessen: Lyra! Komplizierte Tippelschritte. Und: Frauen halten die Beine flach!

Immerhin habe ich mich bewegt, gut für die Fitness. Als hätte ich zwei Aerobic-Kurse hintereinander absolviert. Eineinhalb Stunden bereits, und die anderen tanzen immer noch.

Jetzt betritt noch ein Kursmitglied den Raum und setzt sich neben mich. Eine Frau, vielleicht Anfang fünfzig, sorgfältig geschminkt. Kostüm, bunte Schals um den Hals.

»Ich heiße Popi«, sagt sie. »Ich war gerade zu Besuch bei Bekannten, deswegen tanze ich heute nicht mit. Hab die falschen Schuhe an!« Stöckelschuhe aus Lackleder, ungeeignet für den frisch renovierten Boden.

»Aber ich wollte trotzdem vorbeischauen«, sagt Popi. Dann fängt sie einfach an zu erzählen: dass sie seit Beginn des Kurses vor Ewigkeiten dabei ist. Dass sie seit den Sechzigern in Deutschland lebt, Witwe ist, mit zwei Kindern. »Nur ein paar Mark pro Stunde habe ich am Anfang hier verdient. Nur ein paar Mark. Und damit habe ich meine Ausbildung zur Zahntechnikerin finanziert«, sagt Popi, und es ist klar, dass in ihrem Leben nicht immer alles ganz einfach verlaufen ist, auch wenn man das heute nicht mehr sieht, wegen des eleganten Kostüms, der Lackpumps.

»Wie alt sind die Kinder?«, frage ich – und stutze bei der Antwort: Eine Tochter ist schon achtunddreißig, hat selbst einen Sohn. Und die andere ist dreiunddreißig. Beide haben studiert, die Ältere macht gerade ihren Doktor.

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