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Ich liebte eine Hexe

Karl Plepelits

Ich liebte eine Hexe

Cassiopeiapress Erzählung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

ICH LIEBTE EINE HEXE

von Karl Plepelits

 

Eine Novelle

 

 

© dieser Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

DIE INFO-SEITE RUND UM DIE PRODUKTE DES VERLAGES FINDEN SIE UNTER:

www.editionbaerenklau.de

 

Ich liebte eine Hexe, Eine Novelle von Karl Plepelits, 2014

Cover: Steve Mayer, 2014

 

 

Gaia ist die Göttin der Erde. Sie stöhnt unter der Last des durch menschliche Grausamkeit vergossenen Blutes, schreit nach Rache, verfolgt die Schuld der Väter an den Kindern und Kindeskindern bis in alle Ewigkeit. Und sie verschont weder Gottesmänner noch fleißige, intelligente und obendrein ausnehmend hübsche Schülerinnen..

Ein katholischer Ordenspriester und seine junge Geliebte, eine seiner Schülerinnen, entdecken, dass sie ein wiedergeborenes Liebespaar der Reformationszeit sind, das sich, genau wie sie, verbotener Liebe hingab, ja sogar um ihrer geheimen Liebe willen gemeinsam einen Mord beging, er ein protestantischer Pastor, sie seine jugendliche Dienstmagd. Überdies standen sie, zumindest nach dem Urteil ihrer Mitbürger, als Hexe und Hexer mit dem Teufel im Bunde und riefen Not und Unglück über Stadt und Land herab. Damit war ihr Schicksal besiegelt. Es hieß Folter und Scheiterhaufen.

Seither schreit Gaia unentwegt nach Rache, und Unheil lauert auf die Wieder- oder Nachgeborenen, so auch auf unser ungleiches Liebespaar. Dabei gibt es doch heute gar keine Hexenprozesse mehr.

 

Zwei tragische Liebesgeschichten, die auf mystische Weise miteinander verwoben sind.

 

 

Wie sagt das Sprichwort? Große Liebe, großer Schmerz.

Dass ein guter Lehrer seine Schüler (und Schülerinnen) liebt, ist unbestritten. Ebenso, dass die Schüler (und Schülerinnen) ihre Lehrer lieben müssen, soll der Samen des Unterrichts hundertfältige Frucht tragen. Was aber, wenn die Liebe den Geist verwirrt, das Denken ausschaltet, keine Grenzen mehr kennt? Ich kann bezeugen, wie das ist, wenn die Liebe eines Lehrers, noch dazu eines katholischen Ordenspriesters, der ewige Keuschheit geschworen hat, keine Grenzen mehr kennt, ebenso die Liebe einer Schülerin zu ihm.

Ich zählte fraglos zu den Lehrern, die ihre Schüler (und Schülerinnen) lieben. Und stets hielt sich meine Liebe zu ihnen (und ihre Liebe zu mir) in den vom Gesetz und von meinen eigenen Ordensgelübden gezogenen Grenzen. Ein einziges Mal freilich nicht. Und warum nicht? Ja, wenn ich das wüsste. Irgendeine höhere Macht hat wohl meinen Geist verwirrt, das Denken ausgeschaltet. Es muss, davon bin ich heute überzeugt, ein Unheilsdämon gewesen sein. Großes war die Folge: Große Liebe. Und großer Schmerz.

Wie ein nächtlicher Dieb schlich sich die große, grenzenlose, streng verbotene Liebe ein. Aber ihre beiden Opfer lagen in tiefem Schlummer, im Schlummer der Unschuld, im Schlummer der Ahnungslosigkeit, ich könnte nicht sagen, wie lang. Und als sie daraus erwachten, ja, da war's zu spät.

Anlass des Erwachens war ein Faschingsball der Schule, in der ich Religion unterrichtete, eines von Klosterschwestern geleiteten Grazer Gymnasiums. Da stand, süß lächelnd, unvermittelt meine fleißige, intelligente und noch dazu außergewöhnlich hübsche Schülerin Maria vor mir und fragte schüchtern, ob sie mit mir tanzen dürfe. Ganz gegen meine Absicht – es war mir selbst ein Rätsel; ich tanze sonst natürlich nie – willigte ich freudig ein. Aber dann geschah etwas noch Rätselhafteres: Kaum hatten wir einander berührt und begonnen, uns im Takt der Musik zu wiegen, konnten wir nicht mehr aufhören, tanzten bis zum Schluss. Es muss der erwähnte Unheilsdämon gewesen sein, der uns zwang, nicht voneinander zu lassen, und uns zugleich die Augen öffnete. Und wie Adam und Eva, nachdem sie von der verbotenen Frucht gekostet hatten, gingen uns die Augen auf, und wir erkannten, dass in unseren Herzen längst die große Liebe keimte. Doch außer Tanzen und Reden taten wir an diesem Abend nichts.

Zu mehr ließ ich mich erst am nächsten Schultag hinreißen. In der Pause vor meiner Stunde lauerte mir Maria auf und klagte mir ihr Leid: In der Klasse gebe es einen regelrechten Aufstand gegen sie, weil sie skandalös lang mit mir getanzt habe.

Das war auch für mich kein geringer Schock. Aber ich ermannte mich, betrat hoch erhobenen Hauptes die Klasse und verteidigte Maria todesmutig, indem ich alle Schuld auf mich nahm (todesmutig, das bedeutet, mein Herz trommelte im Rhythmus eines Höllentanzes und drohte mir jeden Augenblick seinen Dienst aufzukündigen).

Nach dem Unterricht lauerte mir Maria abermals auf, um mir für die Rettung vor dem Klassenzorn zu danken; und ob sie mich ein Stückchen begleiten dürfe?

Erneut begann mein Herz in rasendem Tempo zu trommeln und trommelte immer rasender, je länger ich Marias Nähe spürte. Und als sie sich in einem Park nahe meinem Ordenshaus verabschiedete, da kam es wie ein vom Himmel entsandter Sturmwind über mich: Ich umfasste ihre Wangen mit beiden Händen und küsste sie auf den Mund.

Von diesem Augenblick an war's um uns geschehen. Oh, die Unterrichtsstunden in ihrer Klasse! Oh, die Höllentänze meines Herzens! Oh, meine neuentdeckte Schauspielkunst! Musste ich doch wie ein Schauspieler auf der Bühne gelassen, unbefangen, überlegen tun. Ich weiß nicht, wie rot ich dabei wurde, wie sehr meine Ohren glühten, wie heftig meine Knie zitterten. Und dies alles, obwohl der eine Kuss über Monate hinweg die einzige Zärtlichkeit blieb.

Eines Tages, es war bereits April, erzählte mir Maria, ihre Eltern würden übers Wochenende verreisen, und sie werde allein zu Hause sein. Und ich fragte, ob das eine Einladung sei, und sie errötete und lächelte verlegen und nickte heftig. Und ich besuchte sie, und sie zeigte mir die ganze Wohnung und begann mich unverhofft zu duzen (was sie sich bis dahin trotz meiner Aufforderung nie getraut hatte). Und in ihrem sogenannten „Kinderzimmer“ angekommen, nahm ich sie in meine Arme und küsste sie und flüsterte ihr Liebesworte ins Ohr, vornehmlich aus dem Hohen Lied Salomons, und begann sie zu entkleiden und spürte, wie sie in meinen Händen weich wurde wie Wachs in den Händen des Künstlers. Und so geschah schließlich alles, wozu uns unsere Liebe und unser Unheilsdämon drängten. Nein, alles nicht. Maria war nicht nur aufs Äußerste erregt. Sie war überdies dermaßen aufgeregt, dass zu meinem unendlichen Bedauern beiden, vor allem aber ihr keine sexuelle Erfüllung zuteilwurde. Mehr noch, sie schien total verkrampft zu sein, blieb trocken und fest verschlossen, gewissermaßen ein versiegelter Quell, ein verschlossener Garten wie im Hohen Lied, wo es heißt: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell.“ So vollständig versiegelt war Marias Quell, so fest verschlossen war ihr Garten, dass es mir nicht gelang, in ihn einzudringen, und ich fand keine Möglichkeit, ihn zu öffnen. Dass es so etwas gibt, hatte ich nicht gewusst, besaß aber natürlich auch noch keinerlei diesbezügliche Erfahrung mit Frauen. Natürlich scheute ich mich, Gewalt anzuwenden, verzichtete lieber auf einen eigenen Orgasmus (den holte ich erst am Abend daheim in meiner Klosterzelle quasi auf eigene Faust nach), streichelte zum Trost Marias Brust und sagte lächelnd: „Schau mich doch nicht so verzweifelt an. Ist ja nicht weiter schlimm.“

„Aber“, begann sie, verstummte wieder, blickte mich noch verzweifelter an. „Sag, liebster Johannes, wieso geht‘s mit uns nicht? Weil, bisher ist es immer gegangen.“

Ich erschrak, musste gleichzeitig lachen. „Du meinst, mit deinen früheren Liebhabern?“

„Einem früheren Liebhaber. Nur einem, bitte. Ich hoffe, du bist jetzt nicht ...“

„Aber nein, keine Sorge.“

„Und den hab ich bei weitem nicht so geliebt wie dich. Das musst du mir glauben. Weißt du, das war damals mehr die Neugier, die mich zu ihm ... Aber in dich bin ich verliebt. Maßlos verliebt. Das ist der Unterschied. Und da soll man nicht verzweifelt sein? Ich bin eine richtige Versagerin.“

„Nein, liebste Maria. Es zeigt nur, dass ich dir wichtig bin. Dass du mich wirklich liebst. Du wirst sehen, das nächste Mal geht’s schon besser.“

„Danke, liebster Johannes. Du kannst so schön trösten. Dafür liebe ich dich jetzt doppelt.“

„Und schau, wir haben ja Zeit. Bis in alle Ewigkeit.“

Mit dieser Prognose irrte ich mich allerdings gewaltig, und das Unheil nahm seinen Lauf.

Von nun an waren wir zwar endgültig ein Paar. Aber von unserer Liebe durfte natürlich niemand erfahren, und darum änderte sich auch nach außen nicht das Geringste. Dafür war unser gesamtes Sinnen und Trachten darauf gerichtet, dem Drängen unserer Liebe und (unseres Unheilsdämons) nachzugeben. Doch es dauerte bis Ende Mai, bis sich dafür eine zweite Gelegenheit ergab. Diesmal war Maria nur noch erregt, es gab keinerlei Verkrampfung mehr, ihr Quell war nicht versiegelt, ihr Garten nicht verschlossen, sein Tor stand weit offen, bereitete mir sogar einen fürstlichen Empfang. Ich glaubte mich im Garten Eden und durfte von der zwar verbotenen, aber ach so süßen Frucht des Baumes in dessen Mitte kosten, des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse. Und Maria? Zu meinem noch größeren Bedauern blieb ihr ein eigener Orgasmus neuerlich versagt. Nun fühlte ich mich selbst als Versager. Aber wo oder wann hätte ich es lernen sollen, eine Frau glücklich zu machen?

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