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Ich erinnere mich, dass ich träume

Dana Andersen

Ich erinnere mich, dass ich träume

Von meinem Weg durch die Trauer und
dem Erwachen meiner Seele

Verlag Zeitenwandel

Rechtlicher Hinweis

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Aus Datenschutzgründen und zur Wahrung der Privatsphäre erfolgt die Veröffentlichung unter einem Pseudonym und es wurden alle im Buch erwähnten Namen von Personen und Institutionen geändert und Charaktere etwas verändert dargestellt.

Für Volker

Und meine Seele breitete ihre Flügel aus,
flog über stille Seen, Felder und Wälder
dem Licht entgegen.

Inhalt

Prolog

Die dunkle Nacht der Seele

Glückliche Welt

Der Tod

Erster Tagebucheintrag

Volker

Tröstende Worte

Du fehlst mir so sehr

Verzweiflung

Zeitsprung

Der Anfang ist gemacht

Vatertag

Vorwärtsschauen

Selbstgespräch

Sinnsuche

Lichtblick

Du bist überall dort, wo auch ich bin

Die Macht der Gedanken

Kurze Auszeit von der Trauer

Das magische Buch

Zeitsprung

Ich höre dich!

Rückschlag

Die Heilige Beziehung

Welches Buch?

Wer liebt eigentlich seine Arbeit?

Endlich bist du da!

Alles ist gut

Die Reise ins ich

Die rote oder die blaue Pille?

Ich will kein Opfer sein

Die Trennung als Illusion

Schon wieder verlassen

Eine Vision

Der Schatten offenbart sich

Filou

Was will ich eigentlich?

Reiki

Die Energie fließt

Reiki-Erfahrungen

Neujahrsgedanken

Der Spiegel

Versuche dir einfach die Wahrheit vorzustellen:
Den Tod gibt es nicht

Klartraum

Warum bin ich hier?

Das Richtige kommt auf mich zu

Endlich Gewissheit

Volkers Botschaft

Abschiedsbrief

Das Tor zwischen Himmel und Erde

Beobachterrolle

Ein Jahr …

Die Welt ist in mir

Lektorin nicht gesucht, aber gefunden

Wie manifestiere ich Hugh Jackmann?

Logik anstatt Liebe?

Geistführer-Reading

Klangschalen-Abend

Was ist Liebe?

Sonderurlaub

Wissenschaftliche Bestätigung

Die Befreiung des Sonnenkindes

Ein besonderer Tag

Urlaub am Meer

Epilog

Danksagung

Literaturempfehlungen

Über mich

Prolog

Es ist ein sonniger Samstagvormittag im November 2016 und ich sitze gemeinsam mit vierzig weiblichen und immerhin zwei männlichen Teilnehmern im Veranstaltungsraum eines luxuriösen Hamburger Hotels. Das Thema meines gebuchten Seminares lautet: Der Weg ins eigene Wissen. Verbinde dich mit deinen geistigen Begleitern.

Ich habe keinerlei Erwartungen und nicht den blassesten Schimmer, was mich erwartet. Das Einzige, was ich sicher weiß ist, dass ich heute genau hier, an diesem Ort und auf dieser Veranstaltung sein soll.

Bin ich schon mal auf einem medialen Seminar gewesen? Nein. Warum bin ich mir dann so sicher, ausgerechnet jetzt und hier damit anzufangen zu müssen? Genau das ist es ja … neuerdings weiß ich so etwas einfach. Woher? Keine Ahnung, aber da ist seit einigen Monaten diese neue, innere Stimme in mir präsent, deren Ruf zu folgen sich bisher immer als richtig erwiesen hat. Sie ist nicht immer da diese neue, intuitive Wahrnehmung, aber immer öfter.

Der Vortrag der sympathischen Referentin bestätigt alles, was ich in den letzten Monaten für mich entdeckt habe. Der Tag ist aufregend, so erfrischend anders und die Gespräche in den Pausen sind interessant und bereichernd. Eine Teilnehmerin erzählt mir, sie gehöre zum Seelenverbund der Krieger, es gäbe auch Verbünde der Priester und … die anderen habe ich vergessen. Ah okay, definitiv gut zu wissen, wenn einem ein Krieger über den Weg läuft!

Die nächste berichtet, sie werde demnächst eine mediale Ausbildung machen. Die für sie richtige Schule, habe sie über einen Muskelfunktionstest ermittelt. >>Ich wusste gar nicht, dass es solche Schulen gibt<<, erwidere ich erstaunt. >>Ja, nur wenige und die sind leider ziemlich teuer<<, antwortet sie. Sehr spannend. Ich fühle mich wie auf einem anderen Planeten und genieße es.

>>Vierzig Jahre lang habe ich nur für andere funktioniert<<, erzählt mir eine weitere Teilnehmerin, >>erst für meine Eltern, dann für meinen Ehemann und später auch für meine Kinder. Selbst nachdem mir das bewusst geworden ist, brauchte ich noch lange, um herauszufinden, was ich mir eigentlich für mich selbst wünsche. Dann habe ich allen Mut zusammen genommen und mein Leben komplett umgekrempelt. Jetzt geht es mir richtig gut und ich übe endlich einen Beruf aus, der mich erfüllt und mir Freude bringt.<<

>>Den hätte ich auch gerne<<, denke ich und etwas in mir beginnt zu grübeln. Mein Job befriedigt mich definitiv nicht so wirklich und streckenweise machte er mich sogar ziemlich unglücklich, das weiß ich schon seit zwanzig Jahren. Leider hat es mir immer an Ideen gemangelt, womit ich stattdessen mein Geld verdienen könnte.

Weiß ich denn, was ich mir wünsche? Oder funktioniere ich in bestimmten Bereichen meines Lebens auch nur?

Am Nachmittag bahnt sich der Höhepunkt der Veranstaltung an, diskutiert wird die Frage: Wie schaffe ich es, mein Energieniveau, meine Lebenskraft und Lebensfreude auf Dauer hoch zu halten bzw. wiederherzustellen, selbst in schwierigen Situationen?

Wie erlange und erhalte ich mir meinen inneren Frieden, egal was kommt? Essentielle Fragen …

Wie gehe ich damit um, wenn zum Beispiel der Mensch, den ich am liebsten mag, genau das zu mir sagt, was mir am meisten weh tut. Oder wenn ich keine Anerkennung von meinem Chef oder Ehemann oder meiner Schwiegermutter oder sonst wem bekomme, obwohl ich sie mir doch so sehr wünsche. Oder wie komme ich klar in den gefürchtesten Situationen, in denen sehr herausfordernde oder gar unvorstellbar schlimme Umstände mich in die Knie zwingen.

Was tue ich, wenn das Leben mir die Freundschaft kündigt? Woher nehme ich die Kraft, um weitermachen zu können?

Genau das sind die bedeutsamen Fragen, an denen ich vor kurzem fast zerbrochen wäre, inzwischen aber das Licht am Horizont sehe.

Die Stimmung ist zum Zerreißen gespannt und es scheint, als rückten alle Teilnehmer ein Stückchen nach vorne, um ja nichts zu verpassen. Und in die erwartungsfrohe Stille hinein flüstert die Referentin andächtig: >> … das muss jeder für sich selbst herausfinden.<<

Solidarische Schnappatmung!

Oh! Jetzt wird`s interessant, denke ich und stelle erstaunt fest, dass ich genau weiß, was sie meint und eine wohlige Ruhe breitet sich in meinem Inneren aus. Ich bin bereits auf dem richtigen Weg, das spüre ich, denn die Stimmung im Raum verrät mir, dass ich mich mit meinem Verständnis in der Minderheit befinde. Eine auf Kampf gebürstete, ältere Dame meldet sich mühsam beherrscht zu Wort:

>>Dafür hätte ich nicht herzukommen brauchen!<<

Die Referentin bleibt cool und tiefenentspannt und offenbart, dass sie diese Reaktion bewusst provoziert hat. Sie entfacht eine Diskussion, in der gefühlt jede dritte Teilnehmerin berichtet, wie, wann, wo und mit welchen Tricks sie mit unangenehmen, Kraft raubenden Situationen und Herausforderungen umgeht. Eine richtige, langfristige Musterlösung ist nach meinem Empfinden aber nicht dabei.

Selbstverständlich bietet die Referentin dann doch noch einen Vorschlag an, und in einer Meditation werden wir zu unserem Ort des inneren Friedens geführt, an dem jeder bei Bedarf seine Energietanks wieder auffüllen kann. Die zuvor aufgeheizte Stimmung ist vergessen und der Tag endet in einer friedvollen Atmosphäre. Alle Teilnehmer verabschieden sich begeistert und seelisch bereichert.

Während meiner anderthalb stündigen Autorückfahrt durch die Nacht überlege ich, inwieweit mich dieses Seminar voran gebracht hat. Es war interessant, nett, unterhaltsam und vieles, was ich in den letzten Monaten herausgefunden habe, hat sich bestätigt. Ich bin mit meiner Suche nicht allein und das ist beruhigend, und dennoch bin ich davon überzeugt, dass jeder suchende Mensch seinen eigenen, persönlichen Weg der Bewusstwerdung selbst finden und gehen muss. Die ersten unsicheren Schritte ins Unbekannte habe ich bereits hinter mir. Ein Ziel ist jedoch nicht in Sicht und mein Weg fühlt sich oft steinig und uneben an … aber ich gehe ihn, immer weiter und weiter … denn er fühlt sich richtig und gut an … und alternativlos …

Für diese Erkenntnis, mich bereits auf dem richtigen Weg zu befinden und vorerst keine weiteren Seminare zu brauchen, habe ich also den heutigen Tag in Hamburg verbracht?!

>>Dafür ziemlich teuer, kann ich nur sagen! Das kann doch nicht der Grund meiner Eingebung gewesen sein, ich war mir doch so sicher … <<, konstatiere ich im Stillen.

Warum also dann? Was ist heute noch Besonderes passiert?

Zwei Begegnungen kommen mir sofort in den Sinn:

Eine nette, ältere Dame erzählte mir, dass bei ihr vor vielen Jahren eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wurde. Die Schulmedizin konnte ihr nicht helfen, aber sie heilte sich ihrer Ansicht nach selbst, mit Reiki, einer alternativen, energetischen Heilmethode zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Außerdem beschäftigte sie sich in dieser, für sie sehr schweren Zeit mit dem Studium des Buches Ein Kurs in Wundern, was ihren Blick auf das Leben und ihre Krankheit grundlegend veränderte. Diese Frau war fest davon überzeugt, dass das Studium dieses Buches, und ihr damit einhergehender Bewusstseinswandel, ihre Heilung wesentlich und positiv beeinflusst haben.

>>Was für ein Zufall!<<, denke ich erstaunt, denn vier Tage zuvor habe auch ich meine Ausbildung in den Ersten Reiki-Grad absolviert und sogar Ein Kurs in Wundern lese ich seit kurzem! Man benötigt in der Regel etwa einundeinhalb Jahre für das sogenannte Studium dieses spirituellen Lehrwerkes.

Aber es gibt keine Zufälle! Das Leben gibt uns immer die richtigen Hinweise und Wegweiser, die wir brauchen … wir müssen sie nur sehen. Ja, ich bin auf dem richtigen Weg und freue mich sehr über diese Bestätigung.

Das zweite bemerkenswerte Vorkommnis ereignete sich beim Mittagessen: Fast alle Anwesenden hatten bereits mehrere oder sogar alle Tages- und Wochenseminare zum Thema Lebenshilfe und Spiritualität beim selben Anbieter absolviert, nur ich war der Neuling und sorgte insofern für Interesse. Mein erster Versuch, meine Anwesenheit mit dem Satz: >>Ich wusste einfach, dass ich herkommen muss<<, zu erklären, befriedigte die anderen nicht so wirklich, und deshalb rückte ich nun doch damit heraus, dass die Trauer um den Tod meines Mannes der eigentliche Grund meines Interesses an spirituellen und medialen Themen sei. Mitfühlendes Schweigen.

Zum Ende der Pause, als wir nur noch zu zweit sind, spricht mich meine Sitznachbarin, eine sympathische, attraktive, junge Frau namens Sandra an: >>Ich war eben völlig perplex, als du von deinem Mann erzählt hast. Denn mein Ehemann ist genauso plötzlich gestorben, auch bei einem Autounfall. Das ist jetzt sechs Jahre her.<<

Da treffen sich zwei Frauen bei einer Veranstaltung in der Fremde, die beide das gleiche, traumatische Schicksal teilen … Zufall? Wohl kaum.

Sandra hat zwei Kinder, die damals noch sehr klein waren. Sie brauchte lange, um ins Leben zurückzufinden und konnte sehr lange nur noch für und aufgrund ihrer Kinder funktionieren. Sie habe ihre Hilfe durch die besagten Lebenshilfe-Seminare, sowie den dazugehörigen CDs und Büchern bekommen und inzwischen eine persönliche Entwicklung gemacht, die ohne den Tod ihres Mannes nicht möglich gewesen wäre, sagt sie; Erfolg im Beruf sowie das Selbstvertrauen, ihr Familienleben nun allein stemmen zu können. Einen neuen Lebenspartner habe sie nicht und sie wisse auch nicht, ob sie es überhaupt schon möchte. Aber sie könne im Nachhinein das Positive in ihrem persönlichen Schicksalsschlag sehen, erzählt sie anrührend.

>>Ich verstehe, was du meinst, aber soweit bin ich noch nicht<<, antworte ich.

Als ich ihr ein wenig von meinen Erlebnissen der letzten Monate und dem Umgang mit meiner Trauer erzähle, hat sie Tränen in den Augen. Ich empfinde eine tiefe Verbundenheit und spüre, dass sie ihren Mann genauso sehr geliebt hat wie ich meinen Volker. Plötzlich nehme ich einen Widerspruch zwischen ihren positiven Worten und ihren traurigen Augen wahr. Vielleicht ist sie immer noch auf der Suche nach Erlösung, trotz ihrer bewundernswerten persönlichen Entwicklung? Schließlich war sie heute hier, zwischen all den Suchenden. Ich erinnere mich an ihre Fragen im Seminar zum Thema >>Lebensaufgabe<<.

Was ist meine Lebensaufgabe? Warum bin ich hier? Was ist der Sinn und Zweck meines Daseins auf der Erde?

Die wichtigsten Fragen überhaupt. Sie konnten angesichts der großen Teilnehmerzahl natürlich nur sehr allgemein und unpersönlich behandelt werden.

Ein Gedankengewitter zieht in meinem Kopf auf und ich versuche, die Geistesblitze einzufangen und ihre Funken zu entzünden: Kann es sein, dass ich bereits nach sieben Monaten mehr Frieden und Antworten gefunden habe als Sandra nach sechs Jahren? Kann ich meinen Schmerz bereits mit anderen Augen betrachten? Konnte ich diese, durch meinen unbegreiflichen Verlust entstandene, unendlich tiefe, verzweifelte, einsame und unerträgliche Leere in mir bereits mit etwas Neuem füllen? Und dann ist sie da, die Erkenntnis: Ich war nicht bei dem Seminar, um Hilfe zu bekommen, sondern um Hilfe zu geben!

Eine Gänsehaut überzieht plötzlich meinen ganzen Körper - ich liege also richtig!

Gerade passiert etwas ganz Besonders!

Hilfe geben? Ja, es ist eine Botschaft für mich: Ich darf und soll meine Erfahrungen der letzten und auch kommenden Monate weitergeben, um Menschen Mut zu machen. Menschen, die das Schicksal über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus getragen und dort alleine zurückgelassen hat … genau wie mich.

Aber vielleicht auch Menschen, die unglücklich sind, ohne von einem schmerzhaften Trauma betroffen zu sein, die aber dennoch spüren, dass ihnen etwas Wichtiges im Leben fehlt … Menschen die merken, dass sie eben nur noch funktionieren.

Ich sehe auf eine Gesellschaft, die auf der Suche ist … nach dem Sinn des Lebens? Glückseligkeit? Erfüllung? Frieden? Liebevolle Beziehungen?

Und ausgerechnet ich soll da helfen können? Da ist sie wieder diese Stimme mit ihren eigenartigen, spontanen und verrückten Eingebungen, und doch fühlt sie sich gut an, so warm im Herzen.

Sie sagt: >>Die Trauer hat dich aufgeweckt. Du wolltest das Geschehene verstehen und bist dabei, die Wahrheit zu finden. Geh diesen Weg weiter. Suche weiter, verstehe und teile dein Wissen. Habe den Mut und die Kraft, deine Gefühlswelt zu offenbaren. Ermutige andere, sich ebenfalls auf die Suche zu begeben!<<

>>Ich soll meine Geschichte, die ich selbst noch nicht verstehe an die Öffentlichkeit bringen? Das ist doch lächerlich<<, kritisiert mein Verstand. >>Deshalb bist du hier und du weißt das, es ist deine Aufgabe<<, antwortet die Stimme meines Herzens.

Vielleicht fange ich einfach mal an, und schaue, ob etwas Sinnvolles dabei herauskommt, das ist doch ein guter Kompromiss. Und wenn das Schreiben mich in der Gegenwart eingeholt hat, sehe ich weiter. Und nur mal rein hypothetisch: Was ich erlebt habe, ließe sich leicht recherchieren, denn ich habe ja alles bereits in meinen Tagebüchern festgehalten!

Keine drei Tage habe ich es ertragen, nicht mehr mit Volker sprechen zu können und deshalb angefangen, ihm zu schreiben. Es hat mir gut getan, die quälenden Gedanken aus meinem Kopf heraus aufs Papier zu transportieren und die Endlosschleife der Grübeleien auf diese Weise kappen zu können.

Aber das Ganze noch einmal durchleben?

Will ich das überhaupt?

Den tiefsten Schmerz wieder ausgraben? Mich erneut den traurigen Erinnerungen der ersten Monate nach Volkers Tod aussetzen? Mein Innerstes nach außen geben? Meine intimsten Gedanken, Empfindungen und Gefühle offenlegen?

>>Definitiv nein! Das tut dir weh und macht dich angreifbar. Wer seine Gefühle und Wunden zeigt, wird verletzt, das weiß doch jedes Kind!<<, sagt mein Verstand.

>>Heile mich und so viele Seelen wie du nur kannst<<, fleht mein Herz.

Die dunkle Nacht der Seele

Glückliche Welt

Ein zauberhafter Frühlingssonntag im April 2016 hat uns nach draußen gelockt. Wir radeln gut gelaunt mit unseren Mountainbikes durch die umliegenden Wälder und lassen das vergangene Osterwochenende Revue passieren.

Unser Osterritual bestand in den letzten fünfzehn Jahren darin, am Karfreitag oder Samstag, je nach Wetterlage, mit Jona aus dem Wald Moos zu holen, daraus auf unserem Grundstück Nester zu bauen, die dann am Ostersonntag durch den Osterhasen mit Schokoladeneiern und Geschenken bestückt wurden. Der arme Osterhase musste dazu immer schon um 4.30 Uhr aufstehen, weil Jona leider vierzehn Lebensjahre lang ein absoluter Frühaufsteher war. Daher wurden die Ostereier von Jahr zu Jahr immer gründlicher und auch außerhalb der Nester versteckt, sonst hätte es ja keinen Spaß gemacht. Meistens ist uns, also dem Osterhasen, beim Geschenke auspacken erst aufgefallen, dass etwas fehlt und wir mussten stundenlang ums Haus irren, um die vermissten Geschenke zu suchen. Wie viele nicht entdeckte Schokohasen im Laufe der Jahre in unserem Garten vermoderten oder Vögel und Mäuse beglückten, möchte ich gar nicht wissen.

Und im Wald erst! Denn bereits beim Moos holen hatte der Osterhase stets Süßigkeiten verloren. Und da Jonas Glaube an dieses Fabelwesen möglichst lange unerschütterlich erhalten bleiben sollte, haben wir selbstverständlich immer vorab die Eier im Wald versteckt.

Diese anschließend wiederzufinden, war nun wirklich eine Herausforderung und nicht unbedingt idiotensicher. Trotz aller Bemühungen hat Jona die Realität dann doch ziemlich früh und entspannt zur Kenntnis genommen, auf das Osterritual aber dennoch bestanden und es war immer ein Mordsgaudi für uns drei. Dieses Jahr war dem Kinde das Nester bauen dann doch zu peinlich, mit sechszehn Jahren will man eben nicht mehr in aller Herrgottsfrühe aufstehen, um unentdeckt zu bleiben. Stattdessen oder immerhin haben wir nur noch am Samstag im Wald Ostereier und Schokohasen um die Wette gesucht und uns köstlich amüsiert. Es war ein wunderschöner Vormittag. Wir hatten unglaublich viel Spaß.

Während Volker und ich weiterradeln, wechselt das Thema auf unsere Urlaubsplanung für dieses Jahr. Wir beschließen, für den Sommer erst kurzfristig zu buchen, weil Jona wahrscheinlich das erste Mal nicht mit uns, sondern eventuell mit Freunden in den Urlaub fahren will. Jona kann sich nicht so richtig entscheiden oder will uns nur nicht mit der direkten Ansage >>Ich möchte nicht mehr mit euch in den Urlaub fahren, das ist uncool<< verletzen, vermutlich eher letzteres. Unser Gespräch verweilt bei unserem feinfühligen Kind und wieder einmal können wir es nicht fassen, wie groß Jona auf einmal geworden ist, wie wunderbar und selbstständig, und wir sind wie immer unglaublich stolz. Also planen wir ein bisschen unsere künftige Freizeit zu zweit und uns fällt eine Menge ein. Sport ist unser gemeinsames Hobby, wir gehen gerne ins Kino oder in Rock-Konzerte und beschließen, anstatt zu dritt demnächst zu zweit Bogen schießen zu gehen. Wir können uns sogar inzwischen vorstellen, zu zweit wegzufahren, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Jona steht für uns immer an erster Stelle, aber glucken wollen wir auch nicht. >>Weißt du was, ich mache mir überhaupt keine Sorgen mehr<<, sage ich zu Volker. Sorgen machen war bis vor etwa einem halben Jahr mein Hobby, bis ich angefangen habe, mich mit meinen chronischen Ängsten auseinander zu setzen. Ich hatte beispielsweise lange Zeit Bedenken, ob wir Jona ein Studium finanziell ermöglichen können, falls studieren überhaupt ansteht. Typisch ich, das Problem besteht noch gar nicht, aber besser schon mal Sorgen machen. Mein Berufsalltag bietet mir auch immer ein großes Potential für schlaflose Nächte. Volker ist dann stets der Gegenpol, der mich beruhigt und wieder runtergeholt. Doch seit ich mich mit meinen unnützen Grübeleien und der Magie der positiven Gedankenkraft beschäftige, bin ich viel entspannter. Volker steht kurz vor einer beruflichen Beförderung und ich gehe fest davon aus, meine Arbeitszeit früher oder später aufstocken zu können, eine positive finanzielle Entwicklung ist also in Sicht. >>Wir sind Glückskinder. Alles wird gut<<, rufe ich freudestrahlend und aus tiefster Überzeugung, im Windschatten meines Mannes radelnd. Drei Tage später stirbt Volker bei einem Verkehrsunfall.

Der Tod

Der Kaffee ist durchgelaufen, Volker müsste jeden Moment von der Arbeit kommen und da höre ich auch schon sein Auto auf den Hof fahren. >>Hey Schatz, du siehst fertig aus<<, lautet meine liebevolle Begrüßung. Es war sein erster Arbeitstag nach dem zweiwöchigen Oster-Urlaub. Ich bekomme wie immer einen zärtlichen Begrüßungskuss und Volker nimmt mich in den Arm. Er drückt mich fest an sich.

Ganz lange, er will mich gar nicht wieder loslassen …

Er küsst mich nochmal, aber auf den Kopf, wie ein kleines Kind, das Trost braucht. Er hält mich immer noch fest.

Irritiert löse ich mich aus seiner Umarmung. >>Hey, alles in Ordnung?<< frage ich besorgt, denn ich habe das Gefühl, Volker steht irgendwie neben sich. >>War total stressig heute<<, lautet seine Antwort.

Wir trinken Kaffee und erzählen wie jeden Abend nach der Arbeit. Jona kommt dazu und stibitzt sich von Volker ein Brötchen. Wir erzählen und lachen zu dritt.

>>Willst du noch eine Runde Rad fahren?<<, schlage ich vor, denn Sport ist Volkers bestes und alt bewährtes Heilmittel zum Runterkommen.

>>Ach lass uns erst einmal aufs Sofa gehen<<, antwortet er und das tun wir. Wir liegen auf dem Sofa und kuscheln. Ich liege an Volkers Seite, in seinem Arm, was eher selten am Ende eines stressigen Arbeitswochentages vorkommt.

>>Hab keine Lust mehr zum Rad fahren, ist gerade so schön<<, sprach der Mann und schlief ein.

Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon.

Es ist Volkers Chef, ein Container steht offen und Volker muss nochmal in die zwanzig Kilometer entfernte Firma fahren, um ihn abzuschließen. Es ist 20.00 Uhr und ich bin ärgerlich. Kann das nicht jemand vor Ort machen? Anscheinend nicht.

>>Fahr vorsichtig<<, sage ich. Zögernd steht Volker im Wohnzimmer. Er ist anders als sonst. Er wirkt … unsicher, verwirrt, traurig?!

Ich bin erneut irritiert. Wir umarmen ums und Volker geht. Eine Unruhe überkommt mich.

Ich schaue ständig zur Uhr und kann mich nicht auf den Film konzentrieren, der gerade im Fernsehen läuft.

Um 20.45 Uhr schaue zum wiederholten Male auf die Uhr, dreißig Minuten hin und zurück, Volker kann also noch nicht wieder da sein. Trotzdem bin ich aufgewühlt und unruhig. Mein Gedanke wird von dem Geheule der Sirene unseres Dorfes unterbrochen: Einsatz der freiwilligen Feuerwehr.

Unfall!

Genau in diesem Moment weiß ich es: Etwas Furchtbares ist passiert! Volker ist verunglückt.

Freunde sagen später: >>Das konntest du unmöglich wissen, die Feuerwehr hätte überall im Landkreis einen Einsatz haben können und Volker war noch nicht einmal über der Zeit<<, aber dennoch weiß ich es, genau in diesem Moment.

Ich breche kurz und heftig in Tränen aus.

>>Reiß dich zusammen, du spinnst<<, ermahne ich mich.

Kurz nach 21.00 Uhr kommt Jona runter: >>Ist Papa noch nicht wieder da?<<

>>Nein, das ist ja wie ein Déja vue<<, sage ich bemüht scherzhaft und Jona weiß sofort, was ich meine.

Vor einem halben Jahr ist Volker eines Sommer-Sonntagabends mit dem Rennrad losgeradelt und war verschollen.

So ab 22.00 Uhr, als es bereits stockdunkel war, geriet ich langsam aber sicher in Wallung. Um 22.30 Uhr war ich so richtig sauer. Volkers Handy war an, aber die zwei Häkchen leider nur grau. Meine diversen Anrufe wurden nicht angenommen. Ab 23.00 Uhr begann ich mir ernsthaft Sorgen zu machen und stellte mir Volker vom Auto angefahren und blutend im Straßengraben liegend vor.

>>Ich fahre jetzt los, Papa suchen<<, sagte ich damals zu Jona, >>Und wenn er sich meldet, kannst du ihm schon mal ausrichten, dass er sich warm anziehen kann!<<

Um 24.00 Uhr kehrte ich erfolglos und nun doch ziemlich besorgt Heim. Nachdem ich bereits Volkers Kumpel Micha, bei dem er auf der Hinfahrt eventuell kurz reinschauen wollte, erfolglos aus dem Bett geklingelt und mich beim nächst gelegenen Krankenhaus nach einer Notfalleinlieferung erkundigt hatte, versuchte ich gerade den Polizeibeamten der Notrufzentrale zu überreden, Volkers Handy zu orten. Der wollte aber nichts unternehmen und als ich ihm zum wiederholten Male versicherte, dass mein Mann sicher verletzt sein müsse, erschienen endlich die erlösenden Worte auf meinem Handy: Volker schreibt …

>>Ja! Ein Lebenszeichen!<<, schreie ich erleichtert in den Telefonhörer.

>>Sehen Sie, hab ich doch gesagt<<, hörte ich den Polizisten noch sagen, bevor ich schnell das Gespräch wegdrückte und gespannt auf das Display starrte, und fassungslos folgende WhatsApp las: >>Bin noch bei Micha, quatschen. Komme gleich. Micha bringt mich rum.<< Wie bitte?

Ich wählte Volkers Nummer, faltete ihn heulend zusammen und pfefferte anschließend das Telefon in die Ecke. Blöde Idee, denn so musste ich bis 1.00 Uhr nachts auf die Erklärung warten. Gut für Volker, denn bis dahin war mein hysterischer Anfall abgeklungen und ich einfach nur noch froh, dass ihm nichts passiert war. Er war zur Firma geradelt, wollte kurz was am Computer regeln und ist … eingeschlafen! Die Scheinwerfer von Michas Auto, der sich nach meinem Anruf ebenfalls Sorgen gemacht hatte und zur Firma fuhr, weckten Volker auf, beichtete er schuldbewusst. Unfassbar, aber für jeden, der Volker kannte, absolut glaubhaft. Mein Mann war bekannt dafür bei jeder Gelegenheit, auch gerne bei Feiern, einzuschlafen. Ebenso regelmäßig abends ab 21.00 Uhr auf dem Sofa, besonders in letzter Zeit.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach fünf Stunden Abwesenheit mit dem Rennrad bei Dunkelheit etwas Schlimmes passiert ist, dürfte wohl deutlich höher sein, als bei einer zeitlich völlig im Rahmen liegenden Abwesenheit mit dem Auto. Dennoch war ich bei der Rennradgeschichte ganz lange nur ärgerlich und später erst besorgt, aber an diesem Abend des 6. April 2016 wusste ich sofort, dass etwas schlimmes passiert war.

>>Volker hat mich verlassen! Ich spüre es.<<

Genauso wie ich damals wusste, dass wir zusammen gehören, als wir uns kennen lernten. Wir hatten genau ein Date, am 27.09.1992, und damit war für uns beide alles klar. Seit diesem Tag waren wir unzertrennlich, ohne jemals zu zweifeln. Wir heirateten am 27.09.1996. Das Datum fanden wir romantisch. Na gut, ich fand es romantisch.

Ich ziehe mich an, packe mein Portemonnaie in die Jackentasche und warte. Ich warte auf einen Anruf aus dem Krankenhaus, auf die Polizei, darauf, dass mir endlich jemand sagt, was los ist. Um 23.00 Uhr wähle ich den Notruf und frage, ob es einen Unfall im Landkreis gegeben hat, weil ich meinen Mann vermisse. Ich werde weiterverbunden zur Polizei und bekomme die entsetzliche Ahnung bestätigt: >>Es tut mir sehr leid, Ihr Mann ist bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt. Die Kollegen sind auf dem Weg zu Ihnen.<<

Erster Tagebucheintrag

Ich bin so wütend auf dich!

Wie soll ich ohne dich sein?

Wie je wieder ein normales Leben haben?

Du fehlst mir so sehr … es tut so unendlich weh …

Ich rieche an deinen Hemden und Pullis und hoffe sehnlichst, aus diesem Albtraum aufzuwachen.

Unerträglich, dass du mich nie wieder in den Arm nimmst, wir nicht mehr abends erzählen, wenn wir von der Arbeit kommen.

Unvorstellbar, dass du nicht mehr schlafend neben mir auf dem Sofa oder im Bett liegst, mich morgens nicht mehr mit einem Kaffee und einem >>Guten Morgen, Schatz<< weckst, mir keine lieben WhatsApp-Nachrichten mehr schickst, mir nicht mehr sagst, wie gut ich aussehe, egal ob dick oder dünn, mir nie wieder das Gefühl vermittelst, dass ich alles richtig mache … unerträglich, dass du mich nie wieder aufheiterst, wenn ich Sorgen habe; unvorstellbar, dass wir nie mehr zusammen frühstücken oder gemeinsam Rad fahren können … dass du mich nie wieder hältst und mich küsst …

Ich kann einfach nicht glauben, dass du nicht wiederkommst!

Ich weiß aber, dass du trotzdem noch da bist, mich liebst und mich hörst.

Ich sehe dich jetzt vor mir, ich spüre dich … du bist da …

Ich denke an die vielen, schönen Momente der letzten Tage und Wochen, als meine Welt noch heil war: an unseren letzten gemeinsamen, kurzen Abend, an unseren wunderschönen Ostersamstag, an Ostermontag, als wir zu dritt Karten gespielt haben, wie häufig an den Wochenenden. Du hast mir vor ein paar Tagen einen Rosenstrauß mitgebracht, einfach so …

Ich denke an unseren Schützen-Tanzabend vor drei Wochen, der eigentlich doof war, wir uns aber gesagt haben: >>Dann machen wir ihn uns halt schön<<, und als einzige aus unserer Clique den ganzen Abend tanzten. >>Du siehst umwerfend aus<<, hast du mir damals liebevoll ins Ohr geflüstert.

Wer sagt denn jetzt zu mir: >>Du bist die schönste Frau des Abends<<, oder: >>Du bist die Beste! Die beste Mutter der Welt, die beste Köchin … Ich liebe dich …<<

Du warst in letzter Zeit so ganz besonders liebevoll und zärtlich und hast mich oft in den Arm genommen und geküsst. Manchmal auch auf den Kopf … wie ein Trost im Voraus.

Du warst still in letzter Zeit … und müde.

Hast du es gespürt?

Ich habe dich gefragt, ob dich etwas bedrückt, gerade erst am Wochenende. Naja, der übliche Arbeitsstress eben, hast du geantwortet. Ich denke, du hast es ganz tief in dir drinnen gespürt, unbewusst. Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir bis zum letzten Tag so glücklich zusammen waren, zu dritt und auch zu zweit. Wir haben uns immer alles verziehen.

>>Wir schaffen das, Mama<<, hat Jona weinend gesagt, an diesem schrecklichen Morgen. Wie soll ein Kind verstehen, dass es seinen Vater nie wieder sieht?

Auf meinen Satz: >>Papa war ein so toller Vater<<, bekomme ich die Antwort: >>Ich habe ja noch die beste Mutter.<<

Nach dem Pastorengespräch kommt Jona abends spät zu mir und sagt: >>Schläfst du schon, Mama? Ich wollte dir noch sagen, dass du das heute Nachmittag ganz toll gemacht hast.<<

Jona versucht stark zu sein, ich muss aufpassen, ich darf mich auf keinen Fall hängen lassen, sonst übernimmt Jona die fürsorgliche Rolle. Ich schaffe es, das verspreche ich dir!

Bleib bei uns, bleib bei mir und sag mir, was ich tun soll! Bitte hilf mir!

Volker

Vor dem Gespräch mit der Pastorin überkommt mich eine unglaubliche Sorge, dass ich es nicht schaffe, ihr zu vermitteln, was für ein besonderer Mensch Volker war. Also schreibe ich es auf, damit ich nichts Wichtiges vergesse. Heraus kommt unbeabsichtigt eine kleine Rede, die die Pastorin genauso bei der Beerdigung vorliest:

Als ich an meinem ersten Abend ohne Volker ins Bett gehen wollte, sah ich, dass meine berühmte >>Kaffeemaschine am Bett<< noch nicht gefüllt war. Das hatte Volker immer getan, um mich jeden Morgen mit einem Kaffee und einem >>Guten Morgen Schatz!<< zu wecken … fast vierundzwanzig Jahre lang. Ich weiß nicht einmal, wie ich den Wecker stellen soll.

Bevor ich mir am nächsten Morgen, meinem ersten Morgen ohne Volker, den Kaffee dann selbst einschenken musste, stand schon unsere Katze Filou schimpfend am Bett, weil sie noch nichts zu fressen hatte. Nachts steht jetzt auch niemand mehr auf, um sie rauszulassen. Sie muss künftig wohl eher vor einem fliegenden Kissen in Deckung gehen und die Katzenklappe benutzen. Das sind nur zwei kleine Beispiele dafür, was dieses ganz Besondere an Volker ausgemachte:

Einfach gerne und mit Liebe für andere da sein, ohne darüber nachzudenken … machen, helfen, kümmern … alles ganz selbstverständlich.

Volker kam von einem zehnstündigen Arbeitstag nach Hause, hat sein Brötchen gegessen und einen Kaffee getrunken, sich meine Sorgen und mein Tagesgeschehen angehört, mit Jona getobt und gekuschelt, Frisbee oder Fußball gespielt, bis spät in die Nacht mit Jona Zimmermöbel zusammengebaut und bei Hausaufgaben geholfen. Er ist spontan mit den Kindern ins Badeland gefahren und hat sein Kind nachts zu jeder Zeit von Partys abgeholt. >>Ich muss mich erst einmal ausruhen<< oder >>heute nicht<<, gab es nicht für Volker. Dass es Jona und mir gut geht, stellte er über alles, das Glück unserer kleinen Familie war sein höchstes Gut. Schwiegereltern helfen, für Freunde da sein, für die Firma … immer gerne, ohne mit der Wimper zu zucken. Volker hat einfach gemacht, ohne drüber nachzudenken.

Er hat sich daran erfreut, wenn er für andere da sein konnte und es allen gut ging. Volker war aufmerksam, witzig, zärtlich, sensibel, verständnisvoll und so vieles mehr. Er wurde niemals laut, konnte Probleme mit einer bewundernswerten Ruhe klären und ansprechen. Er hat nie geschimpft und sich nie wirklich über etwas aufgeregt.

Aber das weitere ganz Besondere an Volker war, dass er jeden Menschen einfach so akzeptiert und geachtet hat, wie er ist.

>>Am meisten liebe ich dich, weil du mich immer so nimmst, wie ich bin. Mit all meinen Macken und Fehlern<<, habe ich oft gesagt und auf unzählige seiner Geburtstags- und Weihnachtskarten geschrieben.

Und wenn ich mir selbst Fehler vorwarf, hat Volker gemacht, dass es mir besser ging und immer gesagt: >>Das ist doch nicht schlimm!<< Er konnte Kummer und Sorgen wegzaubern, einfach so. Wegen dieser Gabe sind Menschen so gern mit ihm zusammen gewesen. Und auch Jona trägt all diese positiven Eigenschaften von Volker in sich.

Tröstende Worte

Wie viel Herzenswärme und Licht Volker in die Welt getragen hat, sehe ich an der überwältigenden Anteilnahme vieler Menschen, von denen ich einige nicht einmal kenne. Jeder einzelne Besuch, jede Teilnahme an der Beerdigung und jeder Brief bedeutet mir unendlich viel.

Liebevolle Worte und Gesten sind unglaublich tröstend und überlebenswichtig, daher möchte etwas von der erhaltenen Herzenskommunikation weitergeben:

Liebe Dana,

es tut mir so unendlich leid, mir fehlen die Worte. Unfassbar ist Euer Verlust und unbeschreiblich Euer Schmerz. Mein tiefes Mitgefühl und meine Gedanken sind bei Euch in diesen schweren Stunden und all denen, die noch kommen. Es gibt keine Erklärung, warum Gott Euren lieben Volker schon so früh holen musste. Ich bin mir ganz sicher, dass Volker Euch auf Eurem Weg zurück ins Leben begleiten wird und Euch von >>da oben<< die nötige Kraft dafür gibt. Für mich ist er uns allen vorausgegangen und wenn all die Aufgaben, die ein jeder hier zu erledigen hat, bewältigt wurden, dann werden die lieben Seelen wieder zueinander finden. Ich wünsche Euch unendlich viel Kraft und Trost in dieser schweren Zeit und für die Zukunft. Meine Gedanken sind bei Euch. Wenn ich etwas für Euch tun kann, lasst es mich wissen!

Ich umarme Euch

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Er war ein toller Mensch, wir sind stolz, dass wir Volker kennen lernen durften!

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Wenn ein geliebter Mensch geht, füllen sich die Herzen vieler mit tiefer Trauer. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Volker einmal für uns gegrillt oder wie oft er sich am Telefon nach Dir erkundigt hat. Dabei konnte ich immer spüren, was für ein liebevoller Mann und Vater er war. Ich wünsche Euch die Kraft gemeinsam Abschied nehmen und nach vorn schauen zu können.

In tiefer Verbundenheit (von einer Arbeitskollegin)

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Jona, dein Vater war ein so wunderbarer Mensch, der, da bin ich sicher, seine Spuren hinterlassen wird. Wo er im Augenblick auch sein mag, er wird immer seine schützende Hand über Dich halten und in Deinem Herzen bleiben.

Alles Liebe wünsche ich Dir

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Liebe Dana,

der plötzliche Tod von Volker hat mich sehr betroffen gemacht. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich habe Volker sehr gemocht, vor allem seine unbekümmerte und entspannte Art. Ich kann mich nicht daran erinnern, ihn einmal verärgert oder missmutig erlebt zu haben. Er war einfach ein liebenswerter Mensch. Auch ihr als Familie wart so sehr entspannt, das habe ich immer bewundert. Es tut mir so leid, dass er jetzt nicht mehr da ist.

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Wir werden diesen wunderbaren Menschen nie vergessen.

(es stand nur dieser eine Satz in der Karte und er sagt alles aus und geht mir so unendlich tief ins Herz…)

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Liebe Frau Andersen,

mit tiefer Bestürzung und aufrichtiger Anteilnahme haben wir vom plötzlichen Tod Ihres Mannes erfahren und möchten Ihnen hiermit unser Beileid aussprechen. Selbst für uns ist es unfassbar. Wir haben ihn immer als offenen, sehr sympathischen und liebenswerten Menschen erlebt.

Wir wünschen Ihnen in den Tagen des Abschieds viel Trost und die Kraft, diesen schweren Schicksalsschlag zu überwinden.

(von einem Kunden der Firma)

Ich bin viele Tage und Wochen lang tief berührt und möchte etwas von dem Mitgefühl und der Wärme, die mich erreicht hat, zurückgeben und überlege lange, wie ich meine tief empfundene Dankbarkeit in Worte fassen kann und schalte folgende Zeitungsanzeige:

Liebe Freunde, Verwandte, Kollegen, liebe Menschen, die ihr uns alle so sehr beisteht mit euren tröstenden Worten, Gedanken, Gebeten und Zeichen der Wertschätzung und Verbundenheit. Eure Anteilnahme hat uns zutiefst berührt, sehr geholfen, und gibt uns das Gefühl, nicht alleine zu sein. Herzlichen Dank dafür. Ein besonderer Dank gilt den Lieben, die ganz nah, und immer noch gerne bei uns sind, aushalten, uns trösten und unterstützen.

Im Namen der Familie

Dana Andersen

Vielen Menschen habe ich persönlich geantwortet, jeden Brief anderes formuliert und immer mit Gedanken gefüllt, die mich im jeweiligen Moment bewegten. Was genau, wusste ich schon am nächsten Tag nicht mehr. Eine dieser persönlichen Danksagungen erhielt Marianne, eine alte Freundin, deren Malkurse ich vor vielen Jahren besuchte. Ihre tröstende Beileidsbekundung hatte mich sehr stark angesprochen, vielleicht gerade, weil wir uns seit Jahren nicht gesehen hatten und unser Kontakt nie über die von mir besuchten Malkurse hinausging. Ihre Antwort trifft mich mitten ins Herz:

Liebe Dana,

danke für die wunderschöne Karte und Dein Vertrauen. Deine Worte haben mich sehr berührt. Sie zeugen von Deinem seelischen Tiefgang und dem starken Wunsch, zu verstehen, was sich in Dein Leben hinein bewegt (nicht nur hinaus). Du scheinst in gutem Kontakt zu Deinem inneren Selbst zu sein und eine tiefe seelische Verbindung zur Seele Deines Mannes zu haben. Sonst könntest Du nicht spüren, was sich Dir mitteilen wollte und will. Sicher hat das Malen Deine innere Landschaft weitgemacht, sodass Du ein friedenbringendes Verständnis für Dein (neues) Leben entwickeln kannst.

Im Buddhismus ist das Thema >>Leben - Tod - Leben nach dem Tod<< etwas Selbstverständliches. Man sagt, dass jede Seele ungefähr sechs Monate vor dem Körpertod davon weiß und sich entsprechend verhält, z.B. besonders liebevoll ist, Vorkehrungen trifft, Ungeklärtes bereinigt etc. Für mich ist das ein sehr tröstlicher Gedanke … als würde sich der Betroffene für seine >>Wanderung<< rüsten – nicht leiden in seiner Seele. Du berichtest ja auch von dem Geschenk des liebevollen Miteinanders, das Dir neben dem Schmerz Raum lässt für Dankbarkeit. Liebe Dana, sicher würde es Dir eine große Hilfe sein, während Deiner Trauerarbeit Gefühle, Gedanken, Nachtträume etc. zu Papier zu bringen. Mir hat das jedenfalls über lange Phasen des Umbruchs enorm geholfen … mehr als Gespräche. Denn beim Schreiben hat man mehr Ruhe und Zeit auf die innere Stimme zu hören, Gedanken auszuweiten, und nicht sofort in Resonanz mit dem Gegenüber sein zu müssen. Wenn Dir aber irgendwann nach einem Austausch ist, ich habe viel Zeit. Ein Anruf von Dir und wir machen einen Termin aus.

Ich wünsche Dir für das Seiende und Kommende Zuversicht und die Gewissheit, dass alles, was in Dein Leben tritt, auch zu Deinem Leben gehört. Gott alleine weiß, was unsere Seele wachsen lässt.

Gott segne Dich und Jona. Mögen meine Gedanken Dich stärken.

Sei lieb umarmt von Marianne

Diese wundervollen Zeilen ziehen mich magisch in ihren Bann, nichts konnte mich bisher mehr trösten und hoffen lassen. Sobald ich mich irgendwie in der Lage sehe, werde ich Marianne besuchen.

Du fehlst mir so sehr

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