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I can see clearly now

Inhalt

  1. Cover
  2. Inhalt
  3. Über das Buch
  4. Über den Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Prolog: CAROLYN
  8. 1. Kapitel: DINGO
  9. 2. Kapitel: PETER
  10. 3. Kapitel: JULIE
  11. 4. Kapitel: LEVON
  12. 5. Kapitel: SARAH
  13. 6. Kapitel: JULIE
  14. 7. Kapitel: SARAH
  15. 8. Kapitel: DINGO
  16. 9. Kapitel: LEVON
  17. 10. Kapitel: PETER
  18. 11. Kapitel: LEVON
  19. 12. Kapitel: JULIE
  20. 13. Kapitel: SARAH
  21. 14. Kapitel: LEVON
  22. 15. Kapitel: DINGO
  23. 16. Kapitel: PETER
  24. 17. Kapitel: SARAH
  25. 18. Kapitel: LEVON
  26. 19. Kapitel: JULIE
  27. 20. Kapitel: DINGO
  28. 21. Kapitel: PETER
  29. 22. Kapitel: SARAH
  30. 23. Kapitel
  31. Epilog: CAROLYN

Über das Buch

Es gibt keinen besseren Weg, um sich kennenzulernen, als gemeinsam Musik zu machen. Jetzt erkläre ich euch, was ich mir von euch wünsche. Erzählt uns, was euch bewogen hat, euch für dieses Projekt zu bewerben, was ihr heute erlebt habt und wann und wo ihr eure Jungfräulichkeit verloren habt. Julie glaubt, im falschen Film zu sitzen, als sie das hört. Eigentlich ist sie engagiert worden, um Songs fürs Pädagogische Fernsehen zu komponieren – und nicht, um ihr Intimleben vor einer Horde Fremder auszubreiten. Das ist jedoch nur der Anfang …

Über den Autor

Brendan Halpin kam durch die tragische Krebserkrankung seiner Frau zum Schreiben. Schon sein erstes Buch „It takes a worried man“ wurde begeistert von den Lesern aufgenommen - nicht zuletzt der anrührenden und doch unverkitschten Sprache wegen, mit der der Autor ein schweres Thema anging. Heute lebt Brendan Halpin mit seiner zweiten Frau, drei Kindern und einem Hund in Boston.

Brendan Halpin

I can see clearly now

Roman

Aus dem amerikanischen Englischen von
Barbara Ritterbach

Prolog

CAROLYN

Zum Teufel, wo blieb Jackie bloß? Ungeduldig rutschte Carolyn auf ihrem Stuhl herum und schlürfte an ihrem Appletini. Jackie tanzte mal wieder irgendwo mit einem heißen Typen, und sie saß alleine da – wie so oft.

Oh nein! Das Einzige, was noch schlimmer war, als alleine herumzusitzen, war das, was jetzt passierte: Ein Typ, schätzungsweise vierzig, näherte sich ihrem Tisch. »Was dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?«

»Äh, tja, also«, stotterte Carolyn, »meine Freundin ist nur mal schnell aufs Klo gegangen und …«

»Ah. Okay.« Er nickte. »Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend. Sie haben übrigens sehr schöne Augen.«

Schöne Augen? Das war mal etwas Neues. Carolyn hasste ihre braunen Augen. Ach verdammt! Wer wusste schon, wann Jackie zurückkommen würde. »Hören Sie, meine Freundin … na ja … sie bleibt gerne länger weg, wenn die Musik gut ist. Wenn Sie Lust haben, können Sie sich so lange setzen, bis sie wieder hier ist …« So weit war es also bereits gekommen. Aber irgendwie kam es immer so weit. Jackie wurde umschwärmt von coolen Jungs mit langen Haaren, und für Carolyn blieben dann nur die Männer mit Bauch übrig, die alt genug waren, um ihr Vater zu sein. Jackie wurde zu interessanten Ausstellungseröffnungen, Lyrik-Lesungen und Rock-and-Roll-Konzerten eingeladen. Carolyn wurde zum Kaffee eingeladen, wenn die Ehefrau, die ihn nicht verstand, aus dem Haus war, – ›damit wir uns in Ruhe über Foucault unterhalten können‹. Als wollte sie sich nach einem Foucault-Seminar auf dem College je wieder freiwillig über Foucault unterhalten, und dann auch noch mit einem verheirateten Professor!

Jackie sagte immer, es läge an ihrer Brille und ihrer Bücherwurm-Ausstrahlung. Sie wirke nun mal wie die klassische Professoren-Trophäe: jung genug, um ein bisschen frivol zu sein, und zugleich intelligent genug, um am Morgen danach über den Inhalt der Sunday Times zu parlieren.

Also hatte sie sich für heute Abend Klamotten von Jackie geliehen. Leider waren ihre neuen Kontaktlinsen nicht fertig gewesen, daher hatte es heute doch noch einmal die Bücherwurm-Brille sein müssen. Und nun stand wieder so ein alter Typ vor ihr. »Was machen Sie beruflich?«, fragte er.

Eine Sekunde lang war Carolyn versucht, auf eine dieser ausgeklügelten Lügen zurückzugreifen, die Jackie in solchen Situationen immer so mühelos über die Lippen gingen. Jackie nannte sie ›Barlügen‹ und war der Meinung, es seien gar keine richtigen Lügen. Aber so etwas war nicht Carolyns Stärke.

»Ich bin Produktionsassistentin bei ATV«, antwortete sie.

»Ehrlich? Für welche Sendung arbeiten Sie denn?«

»Na ja, also genau genommen … arbeite ich an einer DVD-Edition dieser Serie aus den Siebzigern. Pop Goes the Classroom.«

Das Gesicht des Typen leuchtete auf. »Du meine Güte! Pop Goes The Classroom! Wow! Funky solaaaa systemmmmmmmmmm … yeah!«, fing er an zu singen. Er war textlich schon auf dem Weg zu Uranus, als Carolyn Jackie entdeckte. Rasch leerte sie ihren Appletini. »Ah, da kommt ja meine Freundin! Wissen Sie was, Sie bleiben einfach hier sitzen, und wir suchen uns einen neuen Tisch.«

Der Typ war so intensiv damit beschäftigt, Nine’s Magic Multiples zu singen, dass Carolyn ihm gar nicht erst beibringen musste, dass er ihre Telefonnummer nicht bekommen würde.

»Was zum Teufel war das denn?«, fragte Jackie.

»Pop Goes the Classroom. Ich weiß auch nicht, was die Leute daran immer so fasziniert.«

Jackie, die sich aus Loyalität die gesamte DVD angeschaut hatte, zuckte bloß mit den Schultern. »Muss irgendwas mit dem Siebzigerjahre-Feeling zu tun haben.«

Am nächsten Morgen bei der Arbeit musste Carolyn wieder daran denken. Es war überhaupt kein Problem gewesen, für die Kurz-Doku Evergreens eine Gruppe aktueller Promis zusammenzutrommeln, die ein bisschen über das geniale Konzept von Pop Goes the Classroom plaudern sollten. Im Gegenteil, die Sache war so erfolgreich gewesen, dass die Leute von ATV Records sogar in Erwägung zogen, eine Tribute-CD zu veröffentlichen. Ganze Heerscharen von Musikern über fünfunddreißig rissen sich geradezu darum, einen Titel dazu beizusteuern.

Carolyn telefonierte mit dem Hotel, dem Fahrservice und den Fluggesellschaften, um sich noch einmal zu vergewissern, dass alles glattlief. Dann nervte sie den Toningenieur von Studio 4 G und fragte ihn zum hundertsten Mal, ob für den nächsten Tag alles bereit sei.

»Ja, Carolyn. So langsam glaube ich, du suchst nur nach einem Vorwand, um mich anzurufen.«

Pah! Als ob! Carolyn verdrehte die Augen.

Von Pamela Sanchez hatte sie immer noch keine Nachricht. Sie hatte kein einziges Mal zurückgerufen. Nun gut, dann würde sie die Show eben verpassen. Carolyn hoffte bloß, dass ihre Chefin nicht allzu sauer war, dass die einzige halbwegs Prominente aus dem Originalprojekt nicht auf der DVD sein würde.

Vielleicht sollte sie ihrer Chefin auch allmählich mal beichten, dass sie Pamela Sanchez nicht erreicht hatte. Sie könnte damit zwar auch noch bis heute Abend warten, aber wenn sie schon wegen Versagens gefeuert würde, dann lieber früher als später.

Zögernd klopfte sie an ihre Tür. »Ja?«, hörte sie ihre Chefin rufen.

»Tja also«, begann Carolyn und konzentrierte sich darauf, ihrer Chefin in die Augen statt auf die Schuhe zu schauen. »Äh, für morgen ist so weit alles klar. Nur – von Pamela Sanchez habe ich nichts gehört. Dabei bin ich sogar extra zu ihr gefahren und habe bei ihr an der Tür geklingelt.«

»Und was hat sie gesagt?«

Carolyn gab alles, um die knisternde Gegensprechanlage ­eines Wohnhauses zu imitieren. »Verschwinden Sie endlich, sonst rufe ich die Polizei. Und sagen Sie diesen krkrkrkrkr von ATV, sie könnten sich ihre krkrkrkrkrk in den krkrkrkrkrkrk stecken!«

Ihre Chefin lachte. Vermutlich ein gutes Zeichen.

»Okay«, meinte sie, und ihr Gesicht zuckte ganz leicht. »Eigent­lich habe ich nichts anderes erwartet. Ich weiß Ihren Einsatz sehr zu schätzen. Und ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich diejenige gewesen wäre, die sich vor ihre Tür gewagt hätte.« Sie holte tief Luft. »Mann, ich bin echt nervös.«

Es fiel Carolyn ziemlich schwer, angesichts dieses unerwarteten Geständnisses nicht tot umzufallen. »Keine Sorge, es ist alles geregelt. Ich habe noch mal mit dem Hotel gesprochen, dem Fahrservice und …«

»Ich bin nicht nervös wegen der Organisation«, unterbrach ihre Chefin sie. »Ich weiß, dass Sie auf diesem Gebiet durchaus fähig sind. Ich bin nur … na ja, Sie müssen wissen, dass ich diese Leute fünfunddreißig Jahre lang nicht gesehen habe.«

Wow! Die Chefin war ja doch ein Mensch! Wer hätte das gedacht?

Carolyn beschloss, sich noch ein Stück weiter vorzuwagen.»Darf ich Sie etwas fragen?«

»Klar.«

»Warum … Was glauben Sie, warum Pamela Sanchez sich nicht meldet? Ich meine, sie ist zwar einigermaßen prominent, aber sie stürmt ja auch nicht gerade die Charts. Man sollte doch meinen, dass Sie die Publicity und das Geld gut gebrauchen könnte. Warum ist sie nach fünfunddreißig Jahren immer noch so sauer?«

»Tja«, antwortete die Chefin. »Das ist eine lange Geschichte.«

1. Kapitel

DINGO

Er wollte keine Zugabe mehr geben. Die Vorstellung, noch fünf Minuten länger in die halbleeren Zuschauerränge zu blicken, war einfach nur deprimierend. Aber die traurige kleine Schar, die gekommen war, wollte unbedingt noch Shadows in the Twilight hören, und Dingo war Profi genug, um zu wissen, dass sie ein Recht darauf hatten.

Also stierte er auf sein Schlagzeugbecken, während Pamela sich die Seele aus dem Leib sang. Auf ihre Weise war auch sie ein Profi. Der Song war irgendwann zu Ende und das Publikum begeistert. Etwas erbärmlich war das nur, wenn man es mit dem Beifall in einer ausverkauften Konzerthalle verglich.

Sie verließen die Bühne, und Pamela schien genauso beschwingt zu sein wie sonst nach einem Konzert. Getragen von der Bewunderung ihrer Zuschauer, verschwand sie backstage.

Dingo schaute hinüber zu Alec und Keith. Die schüttelten bloß den Kopf. Sie waren lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass das schöne Leben im Schlepptau von Pamela Sanchez zu Ende ging. Zuerst war sie von ihrer Plattenfirma gefeuert worden – weil der Chef ein »heimlicher Faschist« war, wie sie behauptete. Er hatte sie eiskalt abserviert, indem er einfach den Verkauf ihres jüngsten Albums torpediert hatte. Die Firma hatte keinerlei Anstrengungen unternommen, es ins Radio zu bekommen. Und ohne Sendezeit gab es keine Plattenverkäufe und nicht mehr genug Fans, die Pamela die Bezahlung einer Begleitband erlaubten. Zumal sie ebenso gut durch Colleges tingeln konnte, was sie nicht mehr kostete als Benzin und ein paar Gitarrensaiten, oder durch kleine Coffeeshops voller sie vergötternder Achtzehnjähriger. Und den Reportern des Rolling Stone würde sie erzählen – sofern sie überhaupt fragten –, dass sie das ganze elektronische Equipment unsinnig fände und daher beschlossen habe, sich auf ihre Ursprünge zu besinnen und ihren Fans wieder näher zu sein.

Sie waren inzwischen backstage angekommen. Dingo zog sich um. Als er wieder herauskam, hielt Pamela bereits Hof. Sie stand inmitten ihrer typischen Fans: Mädchen in Bauernblusen, wie die, aus der Pamela auf dem Cover ihres Albums Shadows in the Twilight ihre Brüste streckte, und Jungs mit Bärten. Sie würde sich ungefähr eine Stunde lang anhören, wie cool und absolut phänomenal ihre Show gewesen sei, und dann würde sie mit einem der Jungs verschwinden. Und da heute ein ganz besonderer Abend war, nämlich der letzte ihrer Tour, vermutlich auch mit einem der Mädels. Alec und Keith würden sich jeder eins von den übrig gebliebenen enttäuschten Mädels mit Haaren auf den Beinen und unter den Armen schnappen, die nicht das Glück hatten, am Altar der heiligen Pamela dienen zu dürfen.

Alec, ein Engländer, war über das Ende ihres Engagements besonders verbittert. Er verwies gerne darauf, dass er mit Mitgliedern der Gruppe Foghat zur Schule gegangen sei, und beklagte sich in regelmäßigen Abständen darüber, dass er heute wesentlich attraktivere und weniger behaarte Groupies vögeln würde, hätte er damals nur ja gesagt, als ihn die Jungs angefleht hatten, in ihrer Band mitzuspielen.

Alec ging Dingo auf die Nerven. Aber jetzt, am Ende der Tour, ging ihm jeder auf die Nerven. Er wollte einfach nur noch nach Hause. Das Hotel lag nur zwei Blocks entfernt, daher beschloss er, zu Fuß zu gehen, während sich die anderen darum stritten, wer mit der Limousine fahren durfte. Künftig würde es wohl keine Limousinen mehr für ihn geben. Da konnte er sich ebenso gut direkt ans Laufen gewöhnen.

Unterwegs versuchte er, sich keine Sorgen zu machen, aber es gelang ihm nicht. Wenn er morgen nach Hause kam, musste er sich überlegen, wovon sie die nächste Hypothek bezahlen sollten. Ob Cass’ Gehalt als Arzthelferin ausreichen würde? Warum hatte er auch auf sie gehört? Wären sie damals in ihrer mietpreisgebundenen Wohnung in der Stadt geblieben, hätten sie jetzt genug Geld, um auch eine schwierige Zeit wie diese zu überbrücken. Aber nein, Davey und Jenny brauchten ja unbedingt einen Garten und Cass ein schönes Haus, um das sie sich kümmern konnte, während er unterwegs war. Sie wollte eine richtige New-Jersey-Mami sein, so wie alle ihre Freundinnen. Also wurde sie eine richtige New-Jersey-Mami, und das bedeutete, dass sie auch ein Auto brauchte wie alle New-Jersey-Mamis. Das war so lange kein Problem gewesen, wie Pamela Alben und Konzertkarten verkaufte, aber was war jetzt? Was zum Teufel sollten sie jetzt tun?

Im Hotel schleuderte Dingo seine Schuhe von den Füßen und ließ sich aufs Bett fallen. Er griff nach dem Telefon und rief zu Hause an. Kostenlose Ferngespräche auf Tourneen mit Pamela waren eine weitere Vergünstigung, auf die er künftig verzichten musste. Aber wenn er nicht auf Tournee war, brauchte er auch keine Ferngespräche mehr. Cass meldete sich gleich beim ersten Klingeln.

»Hi, Süße«, rief er.

»Hi, Schatz! Wie war das Konzert?«

»Deprimierend. Es war nur halb voll.«

»Das tut mir leid, Schatz.«

»Tja, danke. Ich schätze, wenn ich nach Hause komme, rufe ich Tony an und frage ihn, ob er einen Job für mich hat.« Tony arbeitete in der Werbung, und Dingo war eigentlich nicht sonderlich scharf darauf, sich den Schlagzeugpart für einen Jingle über extraweiches Klopapier aus den Fingern zu saugen. Aber schließlich hatte er eine Familie zu ernähren.

»Schon gut, Schatz. Darum müssen wir uns jetzt keine Gedanken machen. Lass uns lieber überlegen, wie wir deine Heimkehr feiern werden. Davey ist schon ganz aufgeregt. Er hat übrigens morgen um drei ein Spiel, glaubst du, du schaffst es bis dahin?«

»Tja, das hängt davon ab, wie lange Pamela schläft. Ich hoffe es.«

»Du könntest mit dem Zug kommen. Es sind doch bloß eineinhalb Stunden.«

»Weißt du was? Das tue ich auch. Wenn sie bis elf nicht auftaucht, nehme ich einfach den Zug. Ich kann es gar nicht erwarten, euch wiederzusehen. Ich vermisse euch so.« Alec und Keith sagten ihren Freundinnen das Gleiche – manchmal sogar, wenn gerade eins der behaarten Groupies vor ihnen kniete. Aber Dingo meinte es ehrlich.

»Ich vermisse dich auch. So, jetzt sollten wir aber wirklich überlegen, wie wir morgen feiern.«

Dingo öffnete seine Jeans und lächelte. »Ja, das ist eine gute Idee.«

Um acht wurde Dingo wach, duschte, packte und nahm im Restaurant des Hotels ein widerwärtig opulentes Frühstück zu sich. Er hatte den Philadelphia Enquirer noch nicht einmal halb durch, als Pamela in der Lobby auftauchte. Dingo war schockiert und erfreut zugleich. Er würde rechtzeitig zu Daveys Spiel zu Hause sein.

»Du bist früh auf«, stellte er fest.

»Ich habe eine Verabredung«, antwortete Pamela. »Ah, da ist er ja schon.« Ein Mann im Anzug betrat die Lobby. Im Anzug! Das konnte nichts Gutes bedeuten. Dingo musterte ihn verstohlen. Nein, für einen Typen von einer Plattenfirma sah er nicht schmierig genug aus. Es ging also nicht um eine neue Karriere bei einem neuen Label. Der Typ war groß, blond und gut aussehend – jedoch nicht zugedröhnt, schön oder jung genug, um Pamelas ganz persönlichen Ansprüchen zu genügen. Was also sollte das?

Es war äußerst mysteriös. Pamela ging jetzt auf den Anzug­typen zu und sagte zu Dingo: »Wir brechen in einer halben Stunde auf. Ich habe Keith und Alec telefonisch wecken lassen. Vielleicht kannst du trotzdem noch mal kurz bei ihnen anklopfen. Oder auch nicht. Mir egal. Wir fahren so oder so.«

Dingo lächelte. Er stellte sich vor, wie Davey schwierige Bälle fing, und malte sich aus, was er und Cass tun würden, sobald Davey im Bett war. Auf den Anblick seiner verkaterten, verschlafenen Kollegen konnte er gut verzichten. Pamela hatte Keith und Alec wecken lassen; sollten sie doch selbst sehen, wie sie zurechtkamen, schließlich waren sie keine Kinder mehr.

Zwanzig Minuten später schwankte Keith in den Bus. Er stank nach Sex, Alkohol und Magensäure. Angewidert fragte Dingo sich, ob die Spuren von Erbrochenem auf seinem Shirt von ihm stammten oder von jemand anders. Alec ließen sie in dem Hotel in Philadelphia zurück. Wahrscheinlich würde er in ein paar Stunden aufwachen und sich lautstark darüber ereifern, dass man ihn bei Foghat am Ende einer Tour niemals so einfach sitzen gelassen hätte. Großer Gott!

Auf dem gesamten Rückweg in die Stadt drängte Pamela sich an den Anzugtypen. Der Bus hielt vor Penn Station. Der Anzugtyp stieg aus, ebenso Keith, nachdem er einer sichtlich angewiderten Pamela um den Hals gefallen war. Als Dingo ebenfalls zur Tür gehen wollte, hielt Pamela ihn auf: »Warte, David!« (Seit Dingos Mutter vor zwei Jahren gestorben war, war Pamela die einzige Person auf der Welt, die ihn David nannte.) »Wir bringen dich nach Hause. Ich habe etwas mit dir zu besprechen.«

Nett, dass sie mich noch nach Hause fährt, bevor sie mich feuert, dachte Dingo. Das zeugte von Professionalität und einer gewissen Wertschätzung für all das, was er für sie getan hatte.

»Okay«, antwortete er und bereitete sich innerlich auf eine diplomatische Abschiedsrede vor. Wie viel Spaß es ihm gemacht habe, mit ihr zu arbeiten, dass sie ein richtiger Profi sei und eine echte Künstlerin, und dass er hoffe, sie würde sich an ihn erinnern, wenn es irgendwann mal wieder besser lief. Er würde nicht darauf eingehen, dass sie ihn um eine Namensnennung auf ihren Alben betrogen und immer so getan hatte, als hätte sie sie selbst produziert. Es war damals seine bewusste Entscheidung gewesen, nicht dagegen anzugehen. Cass war deshalb stinksauer gewesen, aber Pamela hatte zu der Zeit einen Nummer-eins-Hit in der Pipeline gehabt, und entsprechend war Dingo der Ansicht gewesen, es sei klüger, keine große Welle zu machen und sich weiter das regelmäßige Einkommen zu sichern, mit dem er seine New-Jersey-Hypothek abzahlen konnte. Klüger jedenfalls, als sich eine Namensnennung zu erstreiten, dafür aber keinen Job mehr zu haben, weil man als ›schwierig‹ galt.

»Also, David, der Mann, mit dem ich mich gerade unterhalten habe, war Clark Payson.«

Dingo sah Pamela verständnislos an.

»Der Sohn von Brigg Payson. Wir stehen seit meiner Zeit als Co-Moderatorin für Mike Douglas in Verbindung. Das war natürlich NBC, aber Clark hat mich damals zum Essen eingeladen und mir gesagt, ich solle zu ihm kommen, wenn ich Lust hätte, noch mal was fürs Fernsehen zu machen. Und ich hab mir gedacht, mein Zoff mit diesem Faschisten von Antigone Records wäre ein guter Anlass, das zu tun.«

»Ah ja, klar.« Die ATN-Paysons. Die Sache nahm auf einmal eine komplette Wendung. Vielleicht würden sie ihr ja eine eigene Show geben. Nein, das war unwahrscheinlich. Selbst wenn Pamela sich bei Mike Douglas ganz wacker geschlagen hatte – sie war nun einmal nicht Sonny und Cher, und Dingo konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie mit Special Guest Star Joey Heatherton im Wochenrhythmus Witze riss. Aber vielleicht würden sie ja sechs oder sieben Folgen senden, ehe sie sie wieder aus dem Programm nahmen, und das wäre immerhin eine nette Abwechslung.

»Brigg Payson hat mir die Chance gegeben, ein pädagogisches Projekt mit einer Gruppe junger Songwriter kreativ zu begleiten – es geht um irgendwelche lehrreichen Songs, die samstagmorgens auf ATN zwischen Cartoons laufen sollen.«

Also wurde er doch gefeuert. Tja, die Fernsehshow war wohl nur ein netter, kurzer Traum gewesen.

»Verstehe«, murmelte er.

»Ich brauche einen Schlagzeuger für das Projekt, außerdem wollen sie, dass ich die Titel selbst produziere. Du bist auf diesem Gebiet echt gut, deshalb wollte ich dich fragen, ob du das mit mir zusammen machst. Sie wollen die ersten Songs schon in ein paar Monaten senden, aber es ist ein Jahresprojekt, und Mr. Payson meinte, er würde dir zwanzigtausend Dollar zahlen.«

Zwanzigtausend Dollar! Das war viel mehr, als Dingo mit Werbejingles in einem Jahr je würde verdienen können! Endlich würden sie den Ford Torino Kombi abbezahlen können. Hey, sie könnten ihn in Zahlung geben und sich stattdessen einen Gran Torino leisten. Wenn er in der Stadt arbeitete, brauchte er schließlich ein anständiges Auto. Und wenn er so viel Geld verdiente, könnte dieser wunderbare fünf Jahre alte GTO beim Gebrauchtwagenhändler bald ihm gehören.

Ein Jahr Arbeit, ein regelmäßiges Einkommen und genug Geld, um vielleicht sogar noch etwas für schlechtere Zeiten zur Seite zu legen. Vorausgesetzt, Cass kam nicht auf die Idee, dass irgendwelche größeren Renovierungsarbeiten notwendig seien. Besser, er sagte ihr nur etwas von fünfzehntausend, sonst fiel ihr am Ende noch ein, eine neue Küche zu planen oder so etwas in der Art.

Okay, er würde wieder produzieren und Pamela würde wieder die Meriten einheimsen, aber er würde Davey neue Klamotten für die Schule kaufen können, sie konnten sich ein neues Auto leisten, und vielleicht blieb ja sogar noch Geld für einen netten Familienurlaub übrig.

»Ich bin dabei«, sagte Dingo. Der Bus hielt schließlich vor seinem Haus, und er stieg aus. Fast hätte er einen Luftsprung gemacht, bevor er auf Davey zulief und ihn glücklich umarmte.

Zwei Wochen später saß Dingo hinter dem Steuer seines GTO und ließ den Motor aufheulen. Na ja, streng genommen erweckte er den Motor mühsam zum Leben. Pamela und der ATN-Typ hatten die jungen Songwriter für das Projekt alleine ausgesucht. An seiner Meinung war niemand interessiert gewesen. Na, ihm war’s recht. Er hatte seine Familie wieder neu kennengelernt (und mit Bedauern festgestellt, wie groß Jenny geworden war und was sie in der Zeit, während er auf Tour gewesen war, alles gelernt hatte). Einen großen Teil der letzten vierzehn Tage hatte er damit verbracht, seinen neuen GTO zum Glänzen zu bringen. Er hatte die Sitze mit der Zahnbürste geschrubbt, den Fußraum gewienert, die Kratzer mit der Farbe ausgebessert, die der Autohändler ihm mitgegeben hatte, und den Außenlack gewaschen, gewachst und poliert. Die technische Seite hatte er vernachlässigt, weil alles super in Schuss zu sein schien. Doch ausgerechnet heute schien dem GTO einzufallen, dass er bald einen neuen Anlasser brauchte.

Der Verkehr war so dicht, dass Dingo keine Chance hatte, den Wagen so richtig auf Touren zu bringen, und das war eine Schande. Er bog ins Parkhaus des ATN-Gebäudes und zeigte dem Wachmann seinen Ausweis. Er lächelte und winkte ihn durch. Das war ziemlich surreal, denn sonst endeten Dingos Begegnungen mit solchen Typen immer mit irgendeiner Form von Rausschmiss.

Drinnen fragte er einen weiteren uniformierten Typen nach dem Weg und fuhr mit dem Aufzug zum Büro von Clark Payson. Er warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Er war fünf Minuten zu früh dran.

Im Büro saßen vier Kids, bei denen es sich um die Songwriter handeln musste. Alle machten einen ziemlich nervösen Eindruck; das mausige Mädchen mit den braunen Haaren sah sogar aus, als würde sie sich jeden Moment übergeben müssen. Dingo war ebenfalls nervös – man verbrachte schließlich keine fünfzehn Jahre im Musikgeschäft, ohne einen gewissen Respekt vor Anzugträgern zu entwickeln. Dingo war eher ein Typ für die Autowerkstatt als für den Coffeeshop, daher gefielen ihm die meisten Songs nicht, die Pamela im Bus hörte (oder besser gesagt spielte). Aber von ihrem vierten oder fünften Woody-Guthrie-Revival war ihm eine Zeile im Gedächtnis geblieben: ›Manche bedrohen dich mit einem Revolver, andere mit einem Füllfederhalter.‹ Die Begegnung mit einem Anzug­typen brachte einen fast immer in Schwierigkeiten.

Aber er war hier der Ältere, also musste er die aufgeregten Kids irgendwie beruhigen. »Hi, alle zusammen«, grüßte er, als ihn die Sekretärin hinter dem Schreibtisch anstarrte. »Ich bin Dingo Donovan. Ich bin seit drei Jahren Pamelas Drummer und soll hier Schlagzeug spielen und ein bisschen bei der Produktion helfen.« Er grinste so breit er nur konnte.

Die Erste, die aufstand, war eine große dünne Blondine. »Julie Waterston«, stellte sie sich vor und hielt ihm die Hand hin. Dingo schüttelte sie und wandte sich dann der Person neben ihr zu, denn inzwischen hatten sich alle erhoben. »Peter Terpin«, sagte der junge Weiße, der sich Dingos Meinung nach heute Morgen besser mal rasiert hätte. Das mausige Mädchen murmelte etwas und reicht ihm eine schlaffe Hand.

»Wie bitte?«, fragte Dingo. »Es tut mir leid, aber ich bin schon ziemlich alt und habe die letzten fünfzehn Jahre zwischen Schlagzeug und Verstärker verbracht. Deswegen habe ich Bohnen in den Ohren.«

Das entlockte dem schüchternen Mädchen ein Lächeln. »Sarah Stein«, sagte sie etwas lauter.

Als Letzter gab ihm der Schwarze die Hand. »Levon Hayes«, sagte er mit einem kräftigen Händedruck. Dingo sah ihn einen Moment lang an.

»Ich glaube, ich kenne dich. Du kommst mir jedenfalls bekannt vor.« Dingo schaute genauer hin. »Hast du mal bei den Soul Stars gespielt?«

»Ne.« Levon grinste. »Bei den Supersonic Funketeers.«

»Stimmt!« Dingo nickte. »Ich wusste, dass es eine von Calvins Bands war. Ich hab euch letztes Jahr gesehen, ihr wart echt cool. Du warst, wer noch … Captain Butthole oder so was, hab ich recht?«

Levon wirkte verlegen. »Äh, eigentlich war ich Apollo Von Funkenburg.«

»Ah ja. Seltsam, ich hätte schwören können, dass irgendetwas mit Arsch darin vorkam.«

»Nein, nein, es ging um Planeten. Mein vollständiger Titel lautete Apollo Von Funkenburg, Herzog von Uranus.«

Dingo lachte laut. »Stimmt! Wusst ich’s doch! Das ist ja irre! Bestell Calvin viele Grüße von mir, ja?«

»Ja, wenn ich ihn je wieder sehe. Sie sind unterwegs auf einer großen Tournee.«

»Und du bist hiergeblieben?«,

»Ja, ich … na ja, das ist eine längere Geschichte.«

»Kluge Entscheidung. Auf Tour sein ist total nervig.« Die Kids wirkten jetzt alle ein bisschen entspannter. Dingo stellte fest, dass sie alle an seinen Lippen klebten. Er wollte gerade weiter ausführen, wie nervig Tourneen waren, als Pamela auftauchte.

»Guten Morgen, alle zusammen!«, rief sie. Sie trug einen weiten Rock mit einer violetten Bluse, und sie hatte sich wahllos Federn in die schwarzen Haare gesteckt.

Die Kids ließen Dingo auf der Stelle stehen und scharten sich um Pamela. »Heute ist der erste Tage unseres …«, begann sie, aber die Sekretärin unterbrach sie.

»Mr. Payson wäre nun so weit«, sagte sie.

»Tja, wir haben ja gleich noch Gelegenheit …«, antwortete Pamela und ging voraus in Mr. Paysons Büro.

Obwohl Clark Payson älter und besser gekleidet war als die Kids, wirkte er mindestens genauso nervös wie sie.

»Warum setzt ihr euch nicht einfach? Oh …«, er sah sich um. »Es gibt nicht genügend Stühle, verstehe. Wisst ihr was? Wir gehen einfach kurz zu Dr. Andrews, und dann fahren wir runter, und ich zeige euch alles, und wir reden unten weiter.«

Sie marschierten den Gang entlang zu einem Büro, das früher einmal ein Wandschrank gewesen sein musste. An einem Schreibtisch inmitten von Bücherregalen saß ein Mann mit Brille, grauen Haaren und Bart und schrieb etwas in ein Notizbuch. Trotz der vielen Menschen, die in der Tür standen und ihn anstarrten, blickte er nicht auf.

»Äh, Dr. Andrews?«, fragte Clark Payson.

»Herrje!« Dr. Andrews zuckte zusammen und sprang auf. »Oh, Mr. Payson, haben Sie mich vielleicht erschreckt! Tut mir leid, aber ich war so tief in meine Arbeit versunken.«

Clark Payson lächelte. »Kein Problem, Dr. Andrews. Ich wollte Ihnen nur mal schnell die jungen Leute vorstellen, die an unserem Projekt mitarbeiten werden. Ihr kennt Dr. Andrews sicher noch vom Casting, oder? Wir schätzen uns jedenfalls sehr glücklich, dass wir uns Dr. Andrews von der Abteilung für Frühkindliche Erziehung an der Pädagogischen Hochschule ausleihen durften. Er hat ein paar Leitlinien für unsere Arbeit zusammengestellt und … nun, Dr. Andrews, vielleicht können Sie das kurz selbst erklären?«

»Natürlich, vielen Dank. Wie ihr vermutlich wisst, waren die Leute von PBS mit der Sesamstraße die Vorreiter im Bereich des Pädagogischen Fernsehens. Es macht keinen Sinn, ein ähnliches Projekt mit Puppen zu entwickeln, zumal unser Zielpublikum sich in einer völlig anderen Piaget-Phase befindet als ihres. Um es kurz zu machen, wir stützen uns auf die Theorien des Russen Lew ­Wygotski, dessen Arbeiten im englischsprachigen Raum nicht sehr verbreitet sind, die aber zum Glück ins Französische übersetzt worden sind. Das muss man natürlich beherrschen, um Piaget zu verstehen … Entschuldigung, wo war ich noch gleich stehen geblieben? Ah ja, Wygotski nennt das die Phase der proximalen Entwicklung.«

Dr. Andrews lächelte zufrieden, als hätte er tatsächlich etwas gesagt. Dingo warf einen verstohlenen Blick in Richtung der Kids. Sie schienen genauso verstört zu sein wie er.

»Ja, also, vielen Dank, Dr. Andrews.« Clark Payson lächelte. »Dr. Andrews entwickelt Richtlinien und Themen, an denen ihr euch orientieren solltet. Sie stehen unten in Schnellheftern für euch bereit und werden ständig ergänzt. So, dann lasst uns mal schauen, wo ihr arbeiten werdet.«

Er führte sie einen weiteren Gang entlang. Anfangs herrschte Schweigen, das Pamela jedoch brach. »Wundert euch bitte nicht, dass wir im Souterrain arbeiten werden. Ich habe hier mit einem befreundeten Schamanen einiges an Energiearbeit geleistet und bin ganz sicher, dass wir uns ganz auf unsere Kreativität konzentrieren können und dass die … na ja, etwas unkonventionelle Umgebung uns dazu inspirieren wird, unsere eigenen engen Grenzen zu überschreiten.« Pamela redete auch nicht viel verständlicher als Dr. Andrews. Dingo spürte, dass die Kids ihn anschauten, um herauszufinden, ob er Pamela vielleicht ebenfalls für völlig übergeschnappt hielt. Er bemühte sich um eine möglichst ausdruckslose Miene.

»Okay!«, verkündete Clark schließlich. »Das ist der Regieraum, und das da hinter dem Fenster ist der Produktionsraum. Seit den Zeiten der American Radio Networks werden beide regelmäßig benutzt.«

Frustriert betrachtete Dingo das Equipment. Sie würden sich mit Geräten aus den Vierzigerjahren begnügen müssen, das meiste Zeug stammte eindeutig noch aus Zeiten, in denen es nicht einmal Stereo gegeben hatte. Nach Sgt. Pepper’s waren die meisten Tonstudios technisch überholt worden, um allen potenziellen Ausnahme-Quartetten, die eventuell hereinspaziert kamen, perfekte Möglichkeiten zu bieten. Der Wettlauf der Studios hatte vor fünf Jahren begonnen, aber das hier war offenbar noch nicht einmal bis zur Startlinie gekommen. Okay, die Ausrüstung entsprach also nicht dem Standard von 1972. Allerdings hatte er auch schon mal einen Blick in die Sun Studios geworfen – und da war das hier immer noch definitiv besser. Auch wenn es nicht mal ein Mehrspurgerät gab. Tja, da würde er sich wohl etwas einfallen lassen müssen.

Clark Payson führte sie durch einen langen Gang an mehreren Proberäumen vorbei zu einer Art Aufenthaltsraum mit Küche. Hier standen ein Tisch mit Stühlen, ein neues Sofa und ein Metall-Bücherregal mit vier Plastik-Schnellheftern. Es roch irgendwie nach Räucherstäbchen.

»Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt«, flötete Pamela, »habe ich ein bisschen Salbei verbrannt, um die Atmosphäre zu reinigen.«

»Hey, das ist großartig«, antwortete Clark. »Wenn ihr euch alle mal setzen könntet, würde ich gerne kurz mit euch über das Projekt reden.«

Alle suchten sich einen Platz. Julie und Levon setzten sich auf die Stühle am Tisch und kramten Stifte und Notizblöcke heraus. Peter, Sarah und Dingo ließen sich auf die Couch fallen, und Pamela setzte sich im Schneidersitz auf den Fußboden.

»Wie ihr vielleicht wisst«, begann Clark, »wurde mein Vater vor ein paar Wochen vom Kongress gerügt. Einer der Hauptkritikpunkte war, dass es bei ATN praktisch kein Angebot an pädagogischen Sendungen gibt.

Darüber war mein Dad natürlich nicht gerade erfreut. Er hat mich zu sich zitiert und angebrüllt …« Dingo bemerkte bei den Kids leicht verängstigte Mienen. Nur Pamela hatte die Augen geschlossen und atmete entspannt ein und aus. »Keine Sorge, ihr werdet ihm nie begegnen. Ich habe mich von ihm anbrüllen lassen, damit das allen anderen erspart bleibt. Genau genommen ist das ein Teil meines Jobs.« Offenbar erwartete er Gelächter, erntete aber nur ein höfliches Lächeln.

»Obwohl mein Dad also ziemlich sauer war, muss ich zugeben, dass die Senatoren nicht ganz Unrecht haben. Ich meine, schließlich steht uns das einflussreichste Medium der Weltgeschichte zur Verfügung. Und wir machen nichts daraus, außer herumzualbern, Zeichentrick-Motorräder auf Verbrecherjagd zu schicken und überzuckerte Cerealien zu verkaufen. Wir könnten und sollten viel mehr leisten. Und genau da kommt ihr ins Spiel. Ihr alle kennt die Macht des Fernsehens. Vermutlich könnt ihr die Erkennungsmelodien eurer Lieblingssendungen nachsingen und kennt alle Werbejingles. Wie wäre es also, wenn wir die Köpfe der Kids mit nützlichen Informationen füllen würden statt mit Cowboy Jim aus Texas oder Kakao-Werbung? Wie wäre es, wenn Schüler in die Schule kämen und die Grammatik bereits beherrschten, das Einmaleins könnten oder schon vor dem achten Geburtstag wüssten, wer Isaac Newton ist?

Euch soll klar sein, dass wir hier die Chance haben, genau das zu schaffen. Ich habe keine Ahnung, welche Konsequenzen es genau haben wird, aber ich bin ganz sicher, dass wir unser Land besser machen könnten. Vielleicht wären einige der Kids, die die Schule abgebrochen haben und auf die schiefe Bahn geraten sind, länger in der Schule geblieben, wenn man ihnen ein bisschen dabei geholfen hätte. Und wir können ihnen dabei helfen. Wir müssen ihnen dabei helfen. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass wir dabei viel größere Erfolgschancen haben als PBS. Die Kids brauchen gar nicht zu merken, dass die Cartoons, die sie sehen, einen pädagogischen Hintergrund haben. Wir werden das einfach unauffällig in die Unterhaltungsprogramme mischen, genau wie wir es mit der Barbie-Werbung getan haben.

Also betrachtet dies hier bitte nicht bloß als Job. Wir haben uns für euch entschieden, nach einem Auswahlverfahren, das wirklich hart war, jedenfalls für uns …« Wieder wartete er auf Gelächter, das nicht kam, »weil Pamela und ich der Meinung sind, dass ihr zu den Menschen gehört, denen es gelingen kann, die Welt mit ihrer Musik zu verändern. Vielen Dank.«

Alle applaudierten, und Clark Payson strahlte. Dingo fand zwar, dass er eigentlich zu alt war, um sich von diesem Weltveränderungs-Gequatsche beeindrucken zu lassen, musste aber zugeben, dass auch er sich erstaunlicherweise inspiriert fühlte. Denn das, was Clark Payson gesagt hatte, stimmte. Davey kannte tatsächlich jede Fernsehwerbung auswendig, aber in Mathe hatte er Probleme. Wenn sie daran etwas ändern könnten, würden sie wirklich etwas Wichtiges tun. Sie würden Musik machen, und zwar nicht nur, um Zahnpasta zu verkaufen oder ihre Rechnungen zu bezahlen, sondern um etwas Sinnvolles zu erreichen. Zum ersten Mal seit langer Zeit fand Dingo seine Arbeit richtig spannend.

2. Kapitel

PETER

Nachdem Clark Payson seine Rede beendet hatte, stand er auf und ging zum Aufzug. Wie alle anderen schaute auch Peter gespannt hinüber zu Pamela, um zu sehen, was als Nächstes passieren würde.

Er hatte wirklich keine Ahnung, wie das hier alles funktionieren sollte. Abgesehen von Our George, Not Yours, einem Titel über George Washington und König George III., den er Pamela, Clark und Dr. Andrews vor zwei Wochen bei ihrem Auswahlverfahren präsentiert hatte, hatte er Songs bisher immer nur spontan geschrieben, wenn er in der Stimmung dazu war. Meist kritzelte er bei der Arbeit etwas in sein Notizheft oder holte frühmorgens seine Gitarre heraus.

Wie er auf Kommando etwas zu Papier bringen sollte, wusste er beim besten Willen nicht. Es war zwar beruhigend, dass im Souterrain ein Schnellhefter voller Themen stand, trotzdem fand er die Aussicht, aus dem Stegreif einen Song über, sagen wir, die Schlacht von Bunker Hill schreiben zu müssen, irgendwie beängstigend.

Aber das hier war die Chance, auf die er gewartet hatte. Während der ganzen Zeit, die er inmitten von Kakerlaken gelebt und seine Songs in halb leeren Clubs zum Besten gegeben hatte, hatte er davon geträumt, dass endlich jemand sein Talent entdecken und ihn dafür bezahlen würde. Aber jetzt, wo er endlich am Ziel war, kam er sich vor wie ein Hochstapler, dem man ganz schnell auf die Schliche kommen würde. Nach seinem Song hatte Clark Payson ihn nach seinen Geschichtskenntnissen gefragt, und er hatte ihm erzählt, er kenne sich deswegen so gut aus, weil er Geschichte als Hauptfach belegt hätte.

Dabei hatte ich in Wirklichkeit Musikmachen, Drogenkonsum und Sex als Hauptfach, dachte Peter. Und nur eins davon würde sich hier als nützlich erweisen.

Wahrscheinlich jedenfalls. Er hatte sich nie der Illusion hingegeben, er wäre der Einzige, der es nach einem College-Auftritt mit Pamela in einem Wohnheimszimmer getrieben hatte. Das lag nun schon einige Jahre zurück, aber trotzdem hatte er immer gehofft, dass sie ihm irgendwann verschwörerisch zulächeln oder einen Blick zuwerfen würde, der so viel sagte wie: Ja, natürlich erinnere ich mich an unsere Nacht. Für einen Neunzehnjährigen war es verdammt guter Sex. Aber leider hatte er weder beim Casting noch heute irgendein Anzeichen dafür bemerkt, dass Pamela sich überhaupt an ihn erinnerte.

Alle Blicke waren jetzt auf sie gerichtet, und sie warteten auf weitere Anweisungen. Sie trug einen weiten Rock und eine Bauernbluse, die großzügige Einblicke auf ihre darunter offensichtlich nackten Brüste zuließ. Peter starrte auf einen der Nippel. Diesen Nippel hatte ich mal im Mund, dachte er ärgerlich, und jetzt versuche ich wie ein Sechzehnjähriger heimlich einen Blick darauf zu erhaschen.

Pamela zog eine große Stofftasche hervor und fing an, Kerzen auszupacken. Gebannt sahen alle zu, wie sie sie überall im Raum verteilte – auf den Armlehnen des Sofas, auf dem Tisch, auf dem Fußboden – und dann anzündete. »Ich kann dieses kalte Licht nicht ausstehen«, sagte sie und schaltete die Neonröhren an der Decke aus. Jetzt spendeten nur noch Stehlampen und die Kerzen Licht. Pamela zog zwei Tücher mit Paisley-Muster aus ihrer Tasche, warf sie über die Lampen und verwandelte das weiße in ein rötliches, warmes, weiches Licht.

Schließlich zog sie ein Räucherstäbchen heraus, zündete es an und steckte es in einen Halter aus Jade auf dem Fußboden.

»So ist es schon viel besser«, stellte sie zufrieden fest. »Jetzt möchte ich euch erst einmal beruhigen. Ich habe noch nie auf Kommando einen Song schreiben können, so funktioniert Kreativität für mich einfach nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es kreativ sein kann, jeden Tag zur selben Zeit am selben Ort zu sitzen und zu versuchen, produktiv zu sein. Für meinen Geschmack hat diese Art Songwriting mit echtem Songwriting so viel zu tun wie Prostitution mit richtigem Sex. Wenn man von euch verlangt, auf Befehl kreative Ergüsse zu produzieren, müsst ihr ja versagen.«

Peter lachte. Das taten auch alle anderen, bis auf das große Mädchen.

»Ich möchte also, dass ihr wisst«, fuhr Pamela fort, »dass dies kein Job ist wie die Jobs, die der eine oder andere von euch früher gemacht hat. Hier wird nicht die Zeit gestoppt, und ich werde euch nicht im Nacken sitzen und zur Eile antreiben. Im Gegenteil. Meine Aufgabe ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, die eure Kreativität beflügelt, und ich bin sicher, dass ihr nur dadurch in der Lage sein werdet, die Musik zu schreiben, die, wie Clark es formuliert hat, die Welt verändern kann.«

»Wir alle wissen, dass Künstler besonders inspiriert sind, wenn sie mit anderen Künstlern zusammen sind. Ihr könnt euch also gern einfach nur hier in diesem Raum aufhalten, quatschen und euch gegenseitig eure Songs vorspielen, wenn ihr möchtet. Aber genauso gut könnt ihr den Tag in der Oper verbringen, einen Spaziergang durch den Park machen, das Museum of Modern Art oder ein Konzert besuchen. Ich möchte nicht, dass dieser Ort hier zur Insel wird, der euch von der restlichen Welt isoliert. Ich möchte, dass er so etwas wie eine Heimat, eine Basisstation für euch ist, von der aus ihr in Interaktion mit der restlichen Welt treten könnt, um anschließend zurückzukommen und Musik zu machen.

Ich weiß, dass die Muse einen in den überraschendsten Augenblicken küsst, deshalb möchte ich euch das Gefühl geben, dass ihr jederzeit hierherkommen könnt. Wenn ihr um zwei Uhr nachts eine Idee habt, dann kommt und haltet sie fest. Wir haben hier in jedem Raum Tonbandgeräte. Und wenn einer von euch Interesse hat, etwas über die Arbeit am Mischpult zu erfahren, können Dingo und ich euch natürlich jederzeit dabei helfen.

Wenn wir zusammenarbeiten wollen, müssen wir uns natürlich erst einmal kennenlernen. Wir werden heute Abend alle zusammen bei mir zu Hause essen. Dann können wir uns in einer entspannten Atmosphäre näherkommen. Und keine Sorge, ich habe genug Gras im Haus. Ihr müsst also nichts weiter mitbringen als euch selbst.

Nein, nicht nur euch selbst. Euch selbst nach einer Wallfahrt zu einer der musikalischen Pilgerstätten dieser Stadt. Ich habe mir für jeden von euch eine ganz spezielle Aufgabe ausgedacht.« Pamela begann, Zettel zu verteilen, die nach ihrem Parfüm rochen. Peter stellte fest, dass ihn der Duft erregte. Er blickte auf seinen Zettel:

New York City war ein Epizentrum der Folkmusik. Deine Aufgabe besteht darin, nach Greenwich Village zu fahren und die folgenden Orte zu besuchen:

Es folgte eine Auflistung von Orten, die Peter längst kannte, und eine Wegbeschreibung zu Pamelas Apartment. Peter hatte gemischte Gefühle. Einerseits war es eine coole Idee, sie loszuschicken, um sich inspirieren zu lassen. Es bewies, dass Pamela eine Menge von kreativen Prozessen verstand und versuchte, sie künstlerisch zu motivieren.

Andererseits lebte Peter nun schon seit drei Jahren in New York, und das Erste, was er sich damals angeschaut hatte, war der Ort, an dem das Cover von The Freewheelin Bob Dylan entstanden war. Er war in jedem wichtigen Folk Club gewesen, hatte Demobänder verteilt und an Musikwettbewerben teilgenommen – und doch war er nie über einen Dienstagabend-Auftritt hinausgekommen. Man hatte ihn aus seiner rattenverseuchten Wohnung im Village geschmissen, weil er die Miete nicht mehr hatte zahlen können, und wenn sich nicht plötzlich dieser Job aufgetan hätte, hätte er nach Ohio zurückgehen und sich eingestehen müssen, dass er versagt hatte. Das oder nach Vietnam gehen. Er hatte sich unglaublich glücklich schätzen können, eine hohe Losnummer gezogen zu haben und einige Jahre in einem Comic-Laden arbeiten zu dürfen, statt im Dschungel zu sterben. Aber er hatte das ungute Gefühl, kurz vor Schluss doch noch als einer der Letzten eingezogen zu werden und auf eine Mine zu treten, bevor die amerikanischen Truppen dann mit eingezogenem Schwanz abziehen würden.

Angesichts der Alternativen Cincinnati und Dschungel war Peter jedenfalls froh, in Midtown New York zu sein und fürs Musikmachen bezahlt zu werden. Aber er hatte nicht sonderlich viel Lust, jetzt ins Village zurückzukehren und die Stätten seines Versagens aufzusuchen.

»Selbstverständlich weiß ich«, fuhr Pamela fort, »dass ich meiner Kreativität mit bestimmten bewusstseinserweiternden Substanzen auf die Sprünge helfen kann. Mit natürlichen, versteht sich. Speed bringt euch um, das wisst ihr ja. In der Küche steht eine Kaffeedose, in der kein Kaffee ist. Bedient euch, wenn ihr das Gefühl habt, dass es euch guttut.

Wir sehen uns heute Abend um sechs bei mir. Kommt ausgeruht und inspiriert, und seid bereit, über eure musikalischen Entdeckungen zu reden. Ach, und hier«, sie zog eine Handvoll U-Bahn-Token aus der Tasche. »Ihr arbeitet jetzt für ATN. Natürlich werden eure Fahrkosten erstattet. Im Schrank liegt auch ein Stapel Taxi-Gutscheine. Ihr sollt euch frei fortbewegen können.« Mit einer ausladenden Geste verließ sie den Raum und schwebte in den Fahrstuhl, der auf sie gewartet zu haben schien.

Peter starrte auf die Liste in seiner Hand. Na ja, es war noch früh am Tag, und er hatte nichts Besseres vor. Er würde sich auf den Weg machen und ein bisschen durchs Village laufen und danach so viel wie möglich aus dem Schließfach im Port Authority holen. Kurz nach Mittag würde er dann hier einziehen. Er hoffte bloß, dass niemand etwas dagegen hatte. Na ja, wenn jemand blöde Fragen stellte, würde er einfach sagen, er hätte um ein Uhr morgens eine kreative Eingebung gehabt und sei dabei aus Versehen eingeschlafen. Sein gesamtes restliches Geld war letzte Woche für ein Zimmer in der Jugendherberge draufgegangen, und bis zum ersten Gehaltsscheck von ATN konnte er sich beim besten Willen nicht leisten, weiter dort zu wohnen. Die Alternativen waren also ein Lager hier im Keller oder ein halbwegs bequemer Müllcontainer. Und da zog Peter eindeutig den Keller vor.

Sein Magen knurrte, und er zwang sich, es zu ignorieren. Er bekam heute Abend ein kostenloses Essen, da würde er das bisschen Geld, das er noch übrig hatte, ganz sicher nicht für Lebensmittel ausgeben.

3. Kapitel

JULIE

Julie war sauer. Aber wenn sie eins von ihrer Mutter gelernt hatte, dann, dass man Emotionen in Situationen wie dieser nicht herausließ. Es war wesentlich wirkungsvoller, wenn man sie zunächst hinunterschluckte und irgendwann später als kleine, wohldosierte scharfe Bemerkungen von sich gab.

Sie holte tief Luft und versuchte, diese Sache mit der Prostitution zu verdrängen, doch es wollte ihr einfach nicht gelingen. Clark hatte sie für das Projekt engagiert, daher war ihr nicht klar, ob Pamela Sanchez wusste, dass sie bei McMahon & Tate drei Jahre lang Jingles für Bohnerwachs, Magentabletten und ATN geschrieben hatte. ›ATN informiert sofort / Nachrichten, Spaß und Sport‹ wiederholte sie im Geiste.

Es mochte also unbeabsichtigt gewesen sein, aber Pamela Sanchez hatte Julie im Prinzip als Prostituierte beschimpft, weil sie im Akkord und für Geld Songs geschrieben hatte. Und am liebsten hätte Julie ihr geantwortet: ›Das musst du gerade sagen, wo dir die Titten fast aus der Bluse fallen und du nur deswegen mit abgeschmackten, selbstverliebten Songs ohne jeglichen Tiefgang Karriere gemacht hast. Gerade du, die man eigentlich so absolut gar nicht als Songwriterin bezeichnen dürfte, du wagst es, mich als Prostituierte zu beschimpfen. Dabei habe ich nur professionell gearbeitet, sonst gar nichts.‹

Sie musste es wissen. Wieso sonst hätte sie Julie ausgerechnet diese Aufgabe zugeteilt:

Das Brill Building war lange Jahre Mittelpunkt des Songwriting-Universums. Fahr hin, sieh dich um und saug die Atmosphäre auf, die schon Carole King, Neil Diamond, Neil Sedaka und Leiber and Stoller inspiriert hat. Auch in einer kommerziellen Umgebung kann etwas ganz Großes entstehen.

Sie hätte genauso gut schreiben können: He, du Hure, schau dir mal diesen anderen berühmten Songwriter-Puff an. Als wäre Julie noch nie dort gewesen! Als hätte sie es nötig, irgendeine Atmosphäre aufzusaugen, um zu begreifen, wie man in einem winzigen Raum gegen die Uhr kreativ sein konnte.

Der Vergleich mit einer Prostituierten war wirklich ätzend. Andererseits, als sie kurz davor gestanden hatte, bei McMahon & Tate alles hinzuschmeißen, und der Anruf von Clark Payson, Princeton-Absolvent wie sie selber, ihr erschienen war wie ein Rettungsanker –, hatte sie da nicht gerade an einem Song gearbeitet, in dem sie sich selbst als Hure beschimpft hatte? ›Zauber-Wachs bringt jedem Boden Glanz / Als stinkende Hure fühl ich mich ganz.‹ Damals hatte sie über sich selbst gelacht und sich vorgestellt, wie eine Hausfrau mit Perlenkette in einem Werbespot diesen Text sang. Dabei hatte sie natürlich nicht die Hausfrau, die den Song trällerte, diskreditiert, sondern die Songwriterin. Na ja, so ungefähr. Trotzdem war es immer noch ein Unterschied, ob sie sich selber als Hure beschimpfte oder ob es irgendeine Hippie-Schlampe tat.

Aber vielleicht wusste Pamela doch nichts von ihrer Vergangenheit.

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