Logo weiterlesen.de
Hot Nights – Brennende Begierde

LYNN LAFLEUR

Hot Nights

Brennende Begierde

Ins Deutsche übertragen von

Anita Nirschl

Zu diesem Buch

Julia hat erst einmal genug von Männern – vor allem von risikofreudigen Draufgängern. Doch in ihrer neuen Heimat Texas, wo sie noch einmal ganz von vorn beginnen will, verliebt sich ausgerechnet in Stephen – einen Feuerwehrmann. Sofort klingeln bei Julia alle Alarmglocken. Dabei würde Stephen insgeheim keine Sekunde zögern, für sie alle Abenteuer und Gefahren hintan zu stellen …

1

Lanville in Texas war nichts als ein kleiner Fleck am Highway, südwestlich der Metropolen Dallas und Fort Worth. Eine malerische, beschauliche Kleinstadt. Und genau deshalb schien es für Julia Woods der geeignete Ort zu sein, sich dort niederzulassen.

Dabei war ihr der Entschluss, Nordkalifornien den Rücken zu kehren, nicht gerade leichtgefallen. Sie hatte ihr ganzes Leben in den Bergen der Sierra Nevada verbracht – es war die einzige Heimat, die sie kannte. Doch dieser letzte Vorfall ließ ihr keine andere Wahl. Es tat einfach zu weh, als dass sie Gefahr laufen wollte, so etwas je wieder zu erleben. Sie brauchte unbedingt einen Neuanfang, irgendwo weit entfernt von diesen schrecklichen Erinnerungen.

Und jetzt saß sie in Lanville in einer Nische bei Burger King, bereit, das nächste Kapitel ihres Lebens aufzuschlagen.

Julia schob sich Pommes frites in den Mund und studierte die Wegbeschreibung zu ihrer neuen Wohnung, die Dolly Mabery ihr gemailt hatte. Dolly war mit Julias Mutter Cathy aufs College gegangen, und ihre Freundschaft hielt nun schon seit über dreißig Jahren. Dolly hatte Julia einen Job in ihrer Bar angeboten, um sie zu unterstützen, bis sie sich entschieden hatte, was genau sie mit dem Rest ihres Lebens anstellen wollte.

Julia war ihr für dieses großzügige Angebot zwar dankbar, doch während ihrer ersten Zeit am College hatte sie schon einmal als Kellnerin gearbeitet, in einem Lokal, das nicht gerade weit oben auf der Empfehlungsliste der Restaurantkritiker stand, und diese Erfahrung hatte ihr ganz und gar nicht gefallen. Das Trinkgeld konnte zwar sehr üppig ausfallen, dennoch war Julia die grabschenden Hände der Männer und all die sexistischen Sprüche über ihre großen Brüste sehr schnell leid geworden. Sie hatte sich schon alle erdenklichen Ausdrücke für diesen Teil der weiblichen Anatomie anhören müssen, von Möpsen über Melonen bis hin zu Titten.

Manche Männer konnten solche Arschlöcher sein.

Außerdem glaubte sie nicht, dass sie es schaffte, mit ihrem kaputten Knie lange auf den Beinen zu bleiben, deshalb hatte sie Dollys Angebot dankend abgelehnt.

Von der Eingangstür her erklang Männerlachen, was Julia dazu veranlasste, den Kopf zu heben, um zu sehen, wer das Fast-Food-Restaurant gerade betrat. Vier Männer schlenderten herein, alle in Jeans und dunkelblauen T-Shirts, die ein Logo in Rot und Gold auf der linken Brustseite hatten. Zwei von ihnen hatten blondes, zwei dunkles Haar, und alle vier sahen auffallend gut aus. Die beiden Blonden waren etwa Mitte zwanzig und mussten Brüder sein, womöglich sogar Zwillinge, da sie sich so ähnlich sahen. Sie waren süß, aber nichts, was ihr Herz schneller schlagen ließ. Einer der dunkelhaarigen Männer schien Anfang vierzig zu sein. Sehr gut aussehend, aber auch er löste nichts bei ihr aus.

Der andere Dunkelhaarige dagegen …

Ihn schätzte sie auf sechsundzwanzig oder siebenundzwanzig. Er war gut über eins achtzig groß, mit breiten Schultern und einem muskulösen Körper. Olivfarbene Haut verlieh ihm den Anschein ganzjähriger Bräune. Die untere Hälfte seines Gesichts bedeckte ein Dreitagebart, und eine dichte Mähne dunkelbrauner Haare fiel ihm über Stirn, Ohren und Nacken. Julia konnte sich mühelos vorstellen, wie sich diese sanften Wellen um ihre Finger wickelten, während sich seine vollen, wohlgeformten Lippen in einem hungrigen Kuss auf ihren bewegten.

Mmmh, nette Vorstellung.

Allerdings eine, aus der nichts werden würde. Sie hatte nämlich keinerlei Absicht, sich zu verabreden, geschweige denn sich auf jemanden einzulassen – und das für eine lange, lange Zeit.

Was jedoch nicht hieß, dass sie den Anblick nicht genießen konnte.

Der Mann, den sie gerade angeschmachtet hatte, ließ den anderen drei Männern an der Theke den Vortritt und wandte Julia den Rücken zu, während er das Menü studierte, was ihr einen ausgezeichneten Blick auf die Jeans bot, die sich an seinen Hintern schmiegte. Was für ein hübscher Hintern, gerade rund genug, dass eine Frau sich daran festklammern konnte, während er tief in sie hineinglitt.

Die Pommes frites blieben ihr im Hals stecken, und sie griff nach ihrem Eistee, um den Bissen hinunterzuspülen, aber sie hatte schon alles ausgetrunken. Natürlich könnte sie ihren Becher nachfüllen, allerdings befand sich der Getränkespender genau neben der Kasse, an der die vier Männer standen, nur wenige Schritte von ihnen entfernt.

Na und? Du bist doch ein großes Mädchen. Ignorier sie einfach.

Entschieden stand Julia von ihrem Platz auf und ging zum Getränkespender. Sie füllte ihren Becher mit Eistee, nahm sich noch eine Zitronenscheibe und ließ sie in ihr Getränk fallen. Dann nahm sie einen Schluck, drehte sich um, um zu ihrem Platz zurückzugehen – und blickte direkt in ein Paar Augen, die die Farbe alten Cognacs hatten.

Sie erstarrte, und ein plötzlicher Kloß in ihrer Kehle verhinderte, dass sie sich an ihrem Tee verschluckte. Der Blick des dunkelhaarigen Traummanns wanderte an ihrem Körper hinunter bis zu ihren Hüften und wieder zurück zu ihrem Gesicht, dann hoben sich seine Mundwinkel zu einem trägen Lächeln.

»Stephen, du bist dran«, sagte der Ältere.

»Okay.« Er zwinkerte ihr zu, bevor er sich umwandte und an die Theke trat.

In dem Raum war es plötzlich um mindestens fünf Grad heißer geworden. Julia konnte sich gerade noch davon abhalten, sich Luft zuzufächeln, während sie wieder zu ihrem Platz zurückging. Sie hatte keine Ahnung, wie ein einfaches Zwinkern ihren Blutdruck so in die Höhe treiben konnte.

Allerdings überraschte es sie nicht, dass der gut aussehende Mann so viel sinnliche Anziehungskraft auf sie ausübte. Schließlich hatte sie auch mit Cole ein sehr gesundes Sexleben genossen, bevor sie einen Monat vor ihrer Entscheidung, Kalifornien zu verlassen, zum letzten Mal mit ihm im Bett gewesen war. Und die wochenlange Enthaltsamkeit brachte sie nun dazu, von kühlen Laken und heißer Haut zu träumen.

Energisch verdrängte Julia den Gedanken an Sex – oder an mangelnden Sex – und konzentrierte sich wieder aufs Wesentliche. Zuallererst musste sie einen Job finden. Dolly hatte sie gewarnt, dass es nicht einfach werden würde, in Lanville Arbeit zu bekommen. Die Firmen und Geschäfte der Kleinstadt neigten dazu, ihre Angestellten langfristig zu beschäftigen, anstatt häufig zu wechseln. Wenigstens musste sich Julia nicht sofort nach einer eigenen Wohnung umsehen. Dolly hatte ihr angeboten, dass sie in ihrem Gästezimmer wohnen konnte, solange es nötig war.

Eine Suche im Internet hatte ihr schon ein paar Ideen geliefert, wo es ganz aussichtsreich war, sich um Arbeit zu bewerben. Das Crystal Creek Inn stand ganz oben auf ihrer Liste. Obwohl Julia keine Anzeige für eine offene Stelle gefunden hatte, hoffte sie, dass man dort eine Haushaltshilfe brauchen konnte. Zwar war es körperliche Arbeit, bei der man viel stehen musste, aber Putzen machte Julia Spaß, und sie würde sich ihre Pausen besser einteilen können, als wenn sie als Kellnerin schuftete.

Sie nahm ihre Sachen und das Tablett mit den Resten ihres Mittagessens und steuerte auf den Ausgang zu. Dabei musste sie an dem Tisch vorbei, an dem die Männer jetzt saßen. Alle vier warfen ihr einen schnellen Blick zu, und sie erwiderte ihre Aufmerksamkeit mit einem kleinen Lächeln. Sie leerte ihr Tablett in den Abfallbehälter und ging zur Tür, doch bevor sie sie aufstieß, sah sie noch einmal über ihre Schulter. Der sexy Dunkelhaarige starrte ihr mit einem interessierten Blick nach.

Es dauerte einige Sekunden, bis es Julia gelang, sich von seinem Blick loszureißen und zu gehen.«Verdammt«, sagte Kory, »habt ihr die Wahnsinnstitten dieser Blondine gesehen?«

Das hatte Stephen McGettis sehr wohl. Er hatte alles an dieser schönen Frau bemerkt – die kurzen, blonden Locken, ihr herzförmiges Gesicht, die riesigen blauen Augen. Ihre üppigen Brüste, runden Hüften und der perfekte Hintern schrien regelrecht danach, von einem Mann gestreichelt und liebkost zu werden.

Er warf einen Blick über den Tisch auf die Wilcox-Zwillinge. Kory platzte immer gleich mit allem heraus, was ihm gerade in den Sinn kam, was ihn manchmal in ziemliche Schwierigkeiten brachte. Kirk besaß da mehr Selbstbeherrschung, mehr Gewandtheit. Er würde die wunderschönen Brüste einer Frau auch nicht als Titten bezeichnen. Ebenso wenig wie Stephen, der der Meinung war, dass man den Körper einer Frau schätzen und ihm huldigen sollte.

Und er hätte nichts dagegen gehabt, dem Körper dieser Frau ungefähr drei Tage lang zu huldigen.

»Pass besser auf, was du sagst.« Tadelnd drohte Luis Galendez dem jüngeren Mann mit dem Finger.

»Was hab ich denn gemacht?«, fragte Kory sichtlich verwirrt.

»Du solltest Frauen gegenüber respektvoller sein.«

Abwehrend breitete Kory die Arme aus. »Hey, ich liebe Frauen!«

»Aber sie lieben dich nicht, mein Freund«, entgegnete Kirk. »Vielleicht würden sie’s tun, wenn du endlich mal erwachsen werden würdest.«

»Was soll das, ist heute der Hackt-alle-auf-Kory-rum-Tag?«, fragte Kory stirnrunzelnd. »Außerdem bist du genauso alt wie ich.«

»Ich sage ja nur, dass es einen Grund hat, warum dich die Frauen in der Gegend abblitzen lassen, wenn du sie um ein Date bittest.«

Kory presste die Lippen zusammen, und Röte überzog sein Gesicht, als er seinen Bruder finster anstarrte. »Du bringst doch die Bettfedern auch nicht gerade zum Quietschen, Bruder.«

»Jedenfalls öfter als du.«

Stephen musste sich ein Grinsen verkneifen. Er sah zu Luis hinüber, der rechts von ihm saß. Die Augen des älteren Mannes funkelten vor Lachen. Die Zwillinge konnten wirklich sehr unterhaltsam sein. »Okay, ich glaube, wir können alle guten Gewissens behaupten, dass in letzter Zeit – was Sex betrifft – keiner von uns besonders erfolgreich war.«

»Keiner von euch vielleicht«, warf Luis mit einem Grinsen ein.

Stephen lachte. »Okay, dann werde ich meine Aussage umformulieren. Keiner von uns Singles war in Sachen Sex in letzter Zeit besonders erfolgreich.«

»Nicht, dass ich es nicht versucht hätte«, brummte Kory.

»Ja«, stimmte Kirk ihm zu. »Enthaltsamkeit nervt.«

Stephens Bestellung war fertig, was ihn an einer Antwort hinderte, obwohl er mit den Wilcox-Zwillingen einer Meinung war. Es war schon mindestens zwei Monate her, seit er den weichen Körper einer Frau unter sich gespürt hatte. Ja, fast auf den Tag genau waren es zwei Monate, seit er eines der Mädchen aus seinem Fallschirmspringerkurs gevögelt hatte. Das Gefühl, durch die Luft zu fliegen, war nur von dem unglaublichen Sex nach dem Sprung übertroffen worden. Sex nach einem Adrenalinrausch wirkte immer noch heißer und intensiver.

Er fragte sich, ob die Blondine, die gerade gegangen war, jemals mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen war.

Stephen nahm sein Tablett mit einem Whopper und Pommes und ging damit an den Tisch zurück. Besser, er vergaß die schöne Frau wieder, die ihm beim Blick in ihre blauen Augen den Atem geraubt hatte. Höchstwahrscheinlich hatte sie auf ihrem Weg durch Lanville nur lange genug angehalten, um einen Burger zu essen, und die Stadtgrenze schon längst wieder hinter sich gelassen. Er würde sie nie wieder sehen.

Julia ließ den Blick durch das einladende Foyer des Crystal Creek Inn schweifen. Bequeme Sessel gruppierten sich um den gemauerten Kamin und ließen den Raum heimelig und gemütlich wirken. Die Einrichtung vereinte einen Hauch Vergangenheit mit einem Stück Gegenwart. Wenn ihr der Rest der Frühstückspension dasselbe behagliche Gefühl vermittelte, würde es ein Vergnügen sein, hier zu arbeiten.

Falls sie den Job bekam.

Sie stand auf, als eine reizende, schlanke Frau auf sie zukam. »Julia?«

»Ja.«

Die Frau lächelte und streckte ihr die Hand entgegen. »Hi, ich bin Kelcey Ewing, die Leiterin der Pension. Danke, dass Sie gewartet haben. Lassen Sie uns doch in mein Büro gehen, wo wir ungestört sind.«

Julia folgte Kelcey an der Rezeption vorbei und einen kurzen Gang entlang. Mit einem tiefen Atemzug sog sie den Duft von Schokolade und Vanille ein, der aus der Küche wehte.

»Unsere Köchin backt Kekse«, erklärte Kelcey. »Sie musste mir versprechen, uns welche zu bringen, sobald sie aus dem Ofen kommen.« Sie deutete auf einen Stuhl neben ihrem Schreibtisch. »Bitte setzen Sie sich.«

Julia nahm Platz und stellte ihre große Handtasche auf dem Boden zwischen Stuhl und Tisch ab. Sie sah ihre Bewerbung und ihren Lebenslauf auf Kelceys Schreibtisch liegen, also wusste sie, dass die Leiterin der Pension sie bereits gelesen hatte.

»Hätten Sie gern etwas zu trinken, Julia?«, fragte Kelcey.

»Nein, danke. Nicht nötig.«

Kelcey nahm die Papiere vom Tisch und drehte sich auf ihrem Stuhl, um Julia anzusehen. »Sie haben in Kalifornien für die Forstverwaltung gearbeitet?«

»Ja. Während ich auf dem College war, habe ich dort in Teilzeit gearbeitet, und nach meinem Abschluss vor fünf Jahren bin ich dann zu Vollzeit übergegangen.«

»Also haben Sie Ihr ganzes Leben lang in Nordkalifornien gelebt?«

»Ja, in den Ausläufern der Sierra Nevada, östlich von Sacramento.«

Kelcey überflog noch einmal den Lebenslauf, bevor sie den Blick wieder auf Julia richtete. »Und das war der einzige Job, den Sie je hatten?«

»Der einzige größere Job. Auf dem College habe ich eine Zeit lang auch gekellnert, aber das hat nicht lange gehalten.« Julia vermied angestrengt, auf ihrer Unterlippe herumzukauen. Sie hatte schon befürchtet, dass ihre mangelnde Erfahrung auf der Suche nach einer neuen Stelle hinderlich sein würde.

»Warum sind Sie von dort weggegangen?«

Bei dem Gedanken daran, warum sie ihren geliebten Job gekündigt hatte, krampfte sich ihr der Magen zusammen, aber sie musste einer potenziellen neuen Arbeitgeberin gegenüber ehrlich sein. Also entschied sie sich für eine leicht zu verstehende Erklärung von Frau zu Frau. »Ärger mit einem Mann.«

»Das erklärt einiges. Ich bezweifle, dass es irgendwo auf der Welt eine Frau gibt, die noch keinen Ärger mit einem Mann hatte.« Kelcey neigte leicht den Kopf. »Es muss wirklich schlimm für Sie gewesen sein, wenn Sie deshalb quer durchs halbe Land umgezogen sind.«

Ohne Vorwarnung bildete sich ein dicker Kloß in Julias Hals … Das erste Zeichen dafür, dass ihr gleich die Tränen kommen würden. Schnell blinzelte sie sie fort. Sie durfte vor der Leiterin der Pension jetzt nicht zusammenbrechen. Kelcey würde sie dann mit einem höflichen Schulterklopfen und einem »Wir melden uns bei Ihnen« hinausgeleiten. »Es wurde … heftig zwischen uns«, brachte sie schließlich trotz zugeschnürter Kehle hervor.

Kurz glaubte Julia, Mitgefühl in Kelceys Augen aufblitzen zu sehen. Doch sie wollte kein Mitleid, sie wollte einen Job.

»Es erfordert eine Menge Mut, von zu Hause wegzuziehen, und noch mehr Mut, in einen völlig anderen Bundesstaat zu ziehen.« Kelcey legte die Bewerbungsunterlagen zurück auf den Tisch. »Als Haushaltshilfe verdient man nicht viel. Es gibt zwar zusätzliche Leistungen, wie zum Beispiel so viele Kekse, wie Sie essen können, aber keinen üppigen Lohn. Aber Sie könnten doch sicher eine ähnliche Stelle finden wie die, die Sie in Kalifornien hatten. Arbeitet die Forstverwaltung nicht landesweit?«

»Das schon, aber ich …« Julia brach ab. Sie wusste nicht, wie viel sie Kelcey erzählen sollte, oder wie viel sie ihr erzählen wollte. Die Wunde tief in ihrem Innern schwärte immer noch. Sie könnte es nicht ertragen, sie wieder aufzureißen. »Ich brauche einfach eine Veränderung. Und ich dachte mir, zu einem neuen Wohnort sollte auch ein neuer Job gehören.«

»Haben Sie denn schon eine Wohnung in Lanville?«

Julia deutete auf die Zeile für persönliche Referenzen in ihrem Lebenslauf. »Dolly Mabery hat mir ihr Gästezimmer angeboten, bis ich eine eigene Wohnung gefunden habe.«

»Ist Dolly eine Freundin von Ihnen?«

»Von meiner Mutter. Sie sind zusammen aufs College gegangen. Ich habe sie zwar noch nicht persönlich kennengelernt, aber schon dutzende Male mit ihr telefoniert.«

Mit einem bangen Gefühl im Bauch ahnte Julia, dass Kelcey sie wahrscheinlich nicht einstellen würde. Doch die Verzweiflung gab ihr die Kraft, sich noch einmal für sich einzusetzen. »Sie können sich bei meiner ehemaligen Chefin erkundigen. Sie wird Ihnen sagen, dass ich verlässlich und ehrlich bin und hart arbeite. Ich bin ein bisschen pedantisch, was Ordnung angeht, und putze gern. Ich würde die Tagesschichten übernehmen, die Nachtschichten, die Wochenenden … wann immer Sie mich brauchen. Ich verspreche Ihnen, dass ich gute Arbeit leisten werde.«

Na großartig. Warum falle ich nicht gleich vor ihr auf die Knie, wenn ich schon bettle? Kelcey hält mich wahrscheinlich für eine jämmerliche Heulsuse.

Kelcey musterte Julias Gesicht einige Augenblicke lang. »Ja, ich denke, das werden Sie.«

Julia blinzelte, nicht sicher, ob dies bedeutete, dass sie den Job bekommen hatte oder nicht. »Heißt das, ich bin eingestellt?«

»Das heißt, Sie sind eingestellt.« Kelcey lächelte. »Wie schnell können Sie anfangen?«

Begierig darauf, einen guten Eindruck zu machen, antwortete Julia: »Gleich heute. Auf der Stelle.«

Kelcey lachte. »Ich mag es, wenn Angestellte Arbeitseifer zeigen. Wie wär’s, wenn Sie am Montag anfangen? Dann haben Sie noch das Wochenende, um sich bei Dolly einzuleben und die Stadt ein wenig kennenzulernen.«

»Montag passt mir gut.«

»Seien Sie um acht hier. Dann können Sie die notwendigen Formulare ausfüllen, bevor ich Sie in der Pension herumführe.«

»Ich werde da sein.« Als Kelcey sich erhob, stand sie ebenfalls auf und streckte ihr die Hand hin. »Ich danke Ihnen vielmals.«

»Gern geschehen.« Kelcey lächelte erneut und schüttelte Julia die Hand. »Wir sehen uns dann am Montag um acht Uhr.«

2

Stimmen vor dem Fenster holten Julia langsam aus ihrem Traum in die Wirklichkeit. Mit einem Auge spähte sie auf den schmalen Lichtstreifen, der durch die Vorhänge auf den Hartholzfußboden fiel und in dem feine Staubpartikel tanzten.

So, wie es in Dollys Haus glänzte, konnte sie gar nicht glauben, dass es hier überhaupt Staub gab. Julia hatte sich selbst immer für ordentlich und gut organisiert gehalten, aber im Vergleich zu Dollys makellosem Heim war das Haus, in dem Julia in Kalifornien zur Miete gewohnt hatte, geradezu ein Schweinestall gewesen.

Die Stimmen unter ihrem Fenster kamen näher. Sie konnte die Worte zwar nicht ganz verstehen, aber sie erkannte Dollys Tonfall. Eine Männerstimme gesellte sich zu der von Dolly … Eine angenehme, tiefe, verdammt sinnliche Männerstimme.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Hot Nights - Brennende Begierde" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen