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Hot Chocolate The Ladies

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Willkommen
  7. Gute Ratschläge
  8. Miese Stimmung
  9. Große Pläne
  10. Dress up!
  11. Gelegenheit macht …
  12. Flirten für Fortgeschrittene
  13. Gier
  14. Erstaunliche Erkenntnisse
  15. Bonus-Szene 1: Besuch aus der Vergangenheit
  16. Spitzenidee
  17. Männer und andere Problemzonen
  18. Ein teuflischer Plan
  19. Bonus-Szene: Männergespräche
  20. Dress for success
  21. Plan B
  22. Plan B 2.0
  23. Aus Frust wird Lust
  24. And the Oscar goes to …
  25. Ein unmoralisches Angebot
  26. Unbefriedigende Grübeleien
  27. Outlander und die Folgen
  28. Der Highlander am Tresen
  29. Der Highlander im Hinterzimmer
  30. Katzenjammer und Hasenohren
  31. Bonus-Szene: Feuchte Träume, kühne Taten
  32. Hot, Dirty …
  33. … and Blue
  34. Ebony …
  35. … and Ivory
  36. Spanische Inquisition
  37. Schein und Sein
  38. Bonus-Szene: Schwestern im Geiste
  39. Catwoman und Batman
  40. Du willst es doch auch …
  41. … nicht!
  42. Blümchen?
  43. Danke
  44. Leseprobe – Hot Chocolate – Love

Über dieses Buch

Die vier Studentinnen Ava, Jill, Kate und Lisa leben in einer schicken WG in Los Angeles. Um ihr Studium zu finanzieren, arbeiten sie nebenbei in der Bar Hot Chocolate, die Lisas Patenonkel Freddy gehört. Diese Kneipe ist beliebter Treffpunkt vieler Kommilitonen und Ehemaliger der Elite-Uni, die die vier Mädels besuchen. Ihre Studiengänge sind anspruchsvoll und zeitaufwändig. Für Beziehungen haben sie eigentlich alle keine Zeit. Doch Gelegenheit macht Liebe – oder zumindest Liebesnächte …

Dies ist die Romanversion der ersten Staffel – bestehend aus den Episoden »Ava & Jack«, »Jill & George«, »Kate & Blue« und »Lisa & Dan«. Neben den bekannten Geschichten gibt’s eine ganze Menge Bonus-Szenen – mit teils überraschenden Einblicken.

Über die Autorin

Charlotte Taylor ist seit 2014 das Pseudonym der Frankfurter Autorin Carin Müller, wenn sie Ausflüge in Richtung horizontaler Literatur unternimmt. Seitdem teilen sich die beiden einen Körper, einen Mann und einen Hund – und streiten sich täglich um die Vorherrschaft am Computer.

Weitere Informationen zur Serie, Veröffentlichungstermine der nächsten Episoden und einiges mehr gibt es unter www.charlottetaylor.de

Charlotte Taylor

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The Ladies

Die komplette 1. Staffel

Willkommen

Willkommen bei »Hot Chocolate« – oder besser gesagt: im Hot Chocolate, denn es handelt sich dabei um eine wunderbare Bar in Los Angeles. Besitzer Freddy Cooper hat sein Schmuckstück vor zwanzig Jahren eröffnet und seitdem nicht nur fantasievolle Cocktails erfunden, sondern auch der einen oder anderen Liebe auf die Sprünge geholfen.

Neben einem ausgeprägten Sinn für stimmungsvolles Ambiente und leckere Drinks hat Freddy aber vor allem eines: ein riesengroßes Herz! Vor ein paar Jahren nahm er sich der verwahrlosten Lisa an. Aus dem verstörten Sprössling einer drogenabhängigen Mutter ist inzwischen eine ehrgeizige Informatik-Studentin geworden. Die lebt mit ihren Freundinnen Ava, Jill und Kate in einer schicken Dachwohnung, die ebenfalls Ziehvater Frederick gehört. Statt Miete zu zahlen, jobben die vier regelmäßig in seiner Bar – und machen dort die aufregendsten Bekanntschaften.

Viel Spaß mit der ersten Staffel von Hot Chocolate!

Weitere Infos gibt’s jederzeit www.charlottetaylor.de!

Gute Ratschläge

»Tu nichts, was ich nicht auch tun würde, mein Schatz!«

Ava King rang sich ein gequältes Lächeln ab, als sie nach dem Abschiedsgruß ihrer Mutter ins Auto sprang und sich auf den Heimweg machte. Warum mussten ausgerechnet ihre Eltern so verdammt offenherzig sein? Statt sich, wie andere Erzeuger, über akademische Meriten ihrer Kinder zu freuen, vertraten Lynn und Seymour King den Standpunkt, dass Ava ihre Jugend verschwende. Musste man wirklich Fragen à la »Wann hattest du deinen letzten Orgasmus?« mit seiner Mutter diskutieren? Ernsthaft? Das war nach Avas unwesentlicher Meinung selbst für eine Psychologin mit Schwerpunkt Sexualtherapie ziemlich übergriffig. Aber ihre Mom hielt nichts von Zurückhaltung und hatte ihre Tochter während der letzten drei Stunden gewaltig in die Mangel genommen.

Ava streichelte Henry, der sich auf dem Beifahrersitz gemütlich zusammengerollt hatte, über den wolligen Kopf und trat dann beherzt aufs Gaspedal von Lanas altem Alfa. Er war in ihrer Wahrnehmung immer noch das Auto ihrer Schwester, die vor zwölf Jahren an einem Gehirntumor gestorben war. Lana war damals erst einundzwanzig gewesen und an ihrem Todestag hatte sich die elfjährige Ava geschworen, Medizin zu studieren, um Krebs zu heilen. Von diesem Ansinnen war sie seitdem keinen Millimeter abgewichen und hatte all ihre Energie in Schule und Uni gesteckt. Sie wollte die optimale Ausbildung in kürzestmöglicher Zeit absolvieren, damit sie bald Patienten retten konnte. Und falls eine Heilung nicht möglich war, wenigstens ihre Qualen lindern. Also all jenes, was ihrer Schwester verwehrt geblieben war. Ihre gesamte Kindheit war von Lanas Krebs geprägt gewesen, der Krankheit eines lebenshungrigen, fröhlichen und in Avas Augen überirdisch schönen Mädchens. Einer jungen Frau, die so viel mehr verdient hätte, als elendiglich an einem bösartigen Tumor zugrunde zu gehen, und die eine Lücke in Familie und Freundeskreis hinterlassen hatte, die bis heute nicht vollständig geschlossen war.

Zumindest in Avas Wahrnehmung. Ihre Eltern sahen das inzwischen ganz offensichtlich anders. Sie waren der Meinung, dass sich Ava viel zu extrem in ihren kindlichen Schwur hineinsteigerte. Klar waren der Juraprofessor und die Psychotherapeutin froh darüber, dass ihre jüngere Tochter Ehrgeiz hatte und einen soliden Beruf ergreifen wollte, aber ihr Standard-Seufzer lautete inzwischen: »Liebling, du hast nur ein Leben. Genieße es. Und genieße es jetzt! Kein Mensch weiß, was morgen ist.« Wenn es nach ihren Eltern ginge, sollte sich Ava dringend mal ein Urlaubssemester gönnen, die Welt entdecken und vor allem die Liebe. Letzteres kam vorzugsweise von ihrer Mutter, die den gerade gemeinsam – ohne Daddy Seymour – verbrachten Abend ausführlich dazu genutzt hatte, auf das größte Defizit im Leben ihrer Tochter einzugehen:

»Dir wird auf ewige Zeiten etwas fehlen, wenn du jetzt nicht lernst, Liebe zuzulassen.«

»Aber Mom, ich habe kein Problem mit der Liebe. Es gibt reichlich Liebe in meinem Leben! Ich liebe dich und Dad, ich liebe meine Freunde und Henry.« Ava zupfte zärtlich am Ohr ihres braunen Großpudels Henry, der sie ergeben anschmachtete.

»Schätzchen, du willst mich absichtlich falsch verstehen«, seufzte ihre Mutter. »Weder mit deinem Vater noch mit mir und schon gar nicht mit deinem Hund wirst du jemals wahre Leidenschaft erleben, die Energie spüren, die nur durch tiefste Hingabe freigesetzt wird. Vielleicht mit einer deiner Freundinnen, denn spirituelle Sexualität ist nicht ans Geschlecht gekoppelt …«

»Mom!«, unterbrach Ava sie empört. »Ich bin keine Lesbe und ich habe dir schon tausendmal gesagt, dass ich mit meinen Eltern nicht über mein Liebesleben reden möchte!«

»Wenn du ein Liebesleben hättest, bräuchten wir auch nicht darüber zu sprechen«, entgegnete Lynn leichthin und vollkommen unbeeindruckt vom Unbehagen ihrer Tochter. »Außerdem kann man ein wunderbares erotisches Erlebnis mit einem gleichgeschlechtlichen Partner auch dann haben, wenn man heterosexuell ist. Dieses Schubladendenken ist ohnehin ungesund. Ich finde, jeder sollte mindestens einmal im Leben auch ein homosexuelles Abenteuer haben. Frag doch mal deine Mitbewohnerinnen, vielleicht haben sie ja auch Lust dazu.«

»Sagst du das eigentlich auch deinen Patienten?«, fragte Ava fassungslos. Und stellte sich zu ihrer eigenen Überraschung tatsächlich vor, wie es wäre … Lisa wäre bestimmt nicht abgeneigt …

»Selbstverständlich! Ich ermutige alle, aus sich herauszugehen. Masturbation ist zwar wunderbar, um sich zwischendurch ein gutes Gefühl zu verschaffen, aber richtige Hingabe lernt man nur, wenn zwei Menschen beteiligt sind. Und Vaginen und Penisse ins Spiel kommen.«

»Mom, bitte! Ich will das wirklich nicht weiter vertiefen«, jammerte Ava gequält. Sie hatte mit vierzehn von ihrer Mutter den ersten Vibrator bekommen. Zum Geburtstag! Und zum letzten Weihnachtsfest sündhaft teure, rote Seiden-Dessous. Das war doch nicht normal! Warum konnten sich ihre Eltern nicht freuen, dass sie bei ihren letzten Klausuren Bestnoten und im Praktikum Topbewertungen bekommen hatte?

»Liebling, irgendjemand muss dir auf die Sprünge helfen. Und ich wäre froh gewesen, hätte ich damals mit meiner Mutter über Sex reden können.«

Das bezweifelte Ava aus tiefster Seele, sagte jedoch nichts.

»Du bist wunderschön, du bist intelligent, du wirst bestimmt eine großartige Karriere machen, wenn du das möchtest. Aber ohne Liebe und Hingabe wird ein wichtiger Teil deines Seins verkümmern. Das wird wie eine Behinderung sein. Willst du das?«

»Mutter, tu bitte nicht so, als sei es eine schwere Krankheit, wenn ich nicht ständig Sex habe!« Behinderung? Also wirklich.

»Ich spreche nicht von ›ständig Sex haben‹, ich rede von wahrer Hingabe.«

Hingabe? Allein dieses Wort ging Ava gewaltig auf die Nerven. Hingabe klang extrem zeitaufwändig. Das konnte sie allein schon deshalb beurteilen, weil sie sich hingebungsvoll ihrem Studium widmete. Und, wenn sie nicht lernte, ihrer zweiten Leidenschaft frönte: dem Gesang.

Es war auch nicht so, dass sie keine Lust auf Sex hatte, ganz im Gegenteil, aber eine Partnerschaft erschien ihr viel zu anstrengend. One-Night-Stands waren allerdings auch nicht das Wahre. Einmal hatte sie sich auf einen »Frust-Fick«, wie es ihre Mitbewohnerin Lisa so drastisch formulierte, eingelassen, doch der Kerl war schneller fertig geworden als sie feucht. Und hatte dann auch noch die Frechheit besessen, schnarchend neben ihr einzuschlafen. Danke, aber nein danke!

Ihre bislang einzige längere Beziehung war auch schon zwei Jahre passé. Mit Christopher war sie gut drei Jahre zusammen gewesen, heute war er ihr bester Freund. Sie spielten zusammen in der Band »Shut Up And Sing« – Chris als Pianist, sie selbst als Sängerin – und harmonierten dabei wie ein eingespieltes, altes Ehepaar. Nur ohne Sex. Aber war das nicht auch wie bei einem alten Ehepaar? Okay, ihre Eltern durfte sie dabei nicht als Maßstab nehmen, dachte Ava. Die waren allem Anschein nach immer noch scharf aufeinander. Schön für sie, dachte Ava, aber normal war das sicherlich nicht.

Inzwischen war sie zu Hause angekommen und fuhr mit ihrem Auto in die Tiefgarage. Eine kleine Runde um den Block musste für Henry ausreichen, denn Ava hatte es eilig, in ihr Zimmer zu kommen. Eines hatte dieses ärgerliche Gesprächsthema nämlich bewirkt: Sie war total geil! Ihre Mutter hatte keine Ahnung, da hielt es Ava lieber mit Woody Allen. Und in ihren Augen war Selbstbefriedigung nicht nur Sex mit einem Menschen, den man wirklich liebte, sondern vor allem mit einem, der genau die richtigen Stellen kannte und zuverlässig Orgasmen zauberte. Welcher Kerl hatte das schon drauf?

Miese Stimmung

»O Mann, ich verzieh mich jetzt sofort in die Badewanne!« Am nächsten Nachmittag kam Ava völlig durchgeschwitzt zu ihren Mitbewohnerinnen auf die Dachterrasse. Sie hatte eine knapp dreistündige Bandprobe samt Soundcheck hinter sich. Am Abend stand im »Hot Chocolate« Freddys Mottoparty »Red Alert« an, bei der sie einen Auftritt mit ihrer Band SUAS hatte. Chris wollte diesmal nicht das übliche Programm durchziehen, sondern hatte einen Unplugged-Gig vor. Daher feilten die fünf Bandmitglieder seit Wochen an neuen Arrangements und Interpretationen. Chris hatte sie damit schier in den Wahnsinn getrieben – auch weil er der Meinung war, dass sie die Stücke nicht mit der nötigen Überzeugung und Hingabe sang. Da war es wieder, das böse Wort, und Ava hatte große Lust, ihren Ex und ihre Mutter gemeinsam auf den Mond zu schießen. Da könnten sie sich gepflegt über Avas Defizite austauschen und über Lösungsansätze diskutieren.

Hinterher war sie zum Abreagieren eine gute Stunde mit Henry durch die Parks der Umgebung gerannt. Jetzt war sie total erledigt, doch wie es aussah, würde sie von den geschätzten Mitbewohnerinnen kein Mitleid erwarten können. Jill Sullivan und Lisa Benton saßen im Whirlpool auf der Terrasse und diskutierten angeregt über merklich Wichtiges.

»Komm zu uns«, schlug Lisa vor. »Ich versuche Jill davon zu überzeugen, dass sie ihren Prof mit ihrem einzigartigen Charme becircen sollte. Ich bin mir sicher, dass er gegen ein gewisses Entgegenkommen bereit wäre, ihr die Rolle der Julia doch noch zu geben …« Sie grinste anzüglich.

»Ganz bestimmt!«, entgegnete Ava sarkastisch. »Ich dachte, die Besetzungscouch sei abgeschafft? Und sie wäre auch gar nicht nötig, wenn Jill sich besser vorbereitet hätte. Soweit ich weiß, hatte William Shakespeare recht genaue Vorstellungen von den Dialogen seiner Dramen. Da kommt ein ›Hey, Romeo, was geht ab?‹ eher nicht mit künstlerischer Freiheit durch. Ich geh ins Bad – muss mich entspannen.«

»Hallo! Ich bin übrigens auch hier!« Jill meldete sich empört zu Wort. »Miss Perfect kann solche profanen Probleme wie üblich kaum nachvollziehen. Alles unter fünfundneunzig Prozent selbst in einem irrelevanten Nebenfach ist für dich doch ein Grund für einen Nervenzusammenbruch«, giftete sie ihre Freundin an. »Was dir selbstverständlich nie passiert. Von daher kannst du dieses Scheißgefühl überhaupt nicht nachvollziehen!«

»Ja, ja, ich weiß.« Ava rollte genervt mit den Augen. Ebendieses Gespräch führten sie bereits zum wiederholten Mal in nur minimalen Variationen. Seit Jillian am Mittwoch die sicher geglaubte Hauptrolle im Semester-Theaterstück nicht bekommen hatte, weil sie das Vorsprechen zu lässig angegangen hatte. »Vielleicht solltest du es mal mit ein bisschen Hingabe versuchen.«

»Häh?«

»Frag meine Mutter oder Chris, die können dir weiterhelfen. Und lass uns das Gezicke doch für heute sein lassen, okay? Ich hüpfe jetzt in die Wanne, und dann müssen wir uns schon für heute Abend stylen. Freddy hat gesagt, dass wir spätestens um sieben unten sein sollen, damit er uns briefen kann und wir noch etwas zu beißen kriegen.«

»Whatever«, brabbelte die blondgelockte Jill und tauchte ab.

Ava drehte sich schulterzuckend um und ging hinein. Dann halt nicht.

~~~

»Also ich geh jetzt auch rein!«, kündigte Lisa an, als Jill prustend wieder an der Oberfläche erschien.

»Mann, ich habe einfach keinen Bock auf diese Nummer heute Abend!«, maulte Jill. »Und ich finde es unmöglich von Freddy, dass er uns ausgerechnet jetzt zu dieser Fete verdonnern musste. Als hätten wir nicht gerade alle andere Probleme.«

»Reg dich endlich ab«, versuchte Lisa sie zu beschwichtigen. »Erstens tut dir die Ablenkung im Moment wirklich gut, zweitens würdest du heute Abend bestimmt nicht lernen und drittens bleibt uns sowieso nichts anderes übrig. Schließlich sollten wir Freddy bei Laune halten, wenn wir unsere feudale Residenz hier behalten wollen. Abgesehen davon hast du doch den besten Job von allen: Du stehst an der Bar und kannst dir die Betäubung notfalls selbst mixen. Kit-Kat muss kellnern, unsere Diva sich die Seele aus dem Leib jodeln und ich die Tür bewachen.«

»Tu doch nicht so, als hättest du daran keinen Spaß! Freche Jungs verhauen ist doch dein Lieblingshobby!«

Lisa, die dank ihrer ausgeprägten Kampfsport-Leidenschaft nebenbei als Türsteherin jobbte, grinste zustimmend: »Ja, genauso wie du die schnuckeligsten Typen immer mit deinen berüchtigten Cocktails willenlos machst. Komm jetzt, raus mit dir!«

»Ja, gleich«, sagte Jill, »ich bleib noch ein bisschen hier, und außerdem blockiert Ava unser Bad.«

»Ich brauch nicht lange, dann kannst du notfalls auch meine Dusche benutzen«, versprach Lisa und verschwand in der schicken Penthousewohnung, die die vier seit knapp zwei Jahren statt des Studentenwohnheims bewohnten.

Diesen Umstand hatten sie Frederick Cooper zu verdanken, der vor etwa acht Jahren die Vormundschaft für Lisa übernommen hatte, als deren Eltern aufgrund ihrer immer mehr ausufernden Drogenexzesse ihre Fürsorgepflicht nicht länger hatten wahrnehmen können. Freddy hatte sie von einer befreundeten Kellnerin, bei der sie zunächst untergebracht gewesen war, sozusagen übernommen. Er hatte das störrische und verstörte Kind spontan in sein Herz geschlossen und ihm eine neue Heimat geboten. Nach massiven Anfangsschwierigkeiten hatten sie sich im Laufe der Zeit immer besser miteinander arrangiert. Lisa hatte durch Frederick zum ersten Mal eine gewisse Stabilität in ihrem Leben erfahren und zaghaft Wurzeln geschlagen. Als sie sich für ein Informatik-Studium entschieden hatte, war es Freddy gewesen, der sie unterstützt und gefördert hatte. Bei einer Party für Studien-Anfänger hatte Lisa Jill kennengelernt, die eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so dramatische Vergangenheit hatte. Jills »Ersatzschwester« Ava und deren beste Freundin Kate hatten das Quartett kurz darauf komplettiert. Nach Lisas und Jills erstem beziehungsweise Avas und Kates zweitem Studienjahr wurde die doppelstöckige Dachwohnung in dem Gebäude frei, das Freddy gehörte und in dessen Erdgeschoss er seit Jahrzehnten das Hot Chocolate betrieb.

Das Betteln der Freundinnen war bald von Erfolg gekrönt, und nachdem Freddy den Eltern der anderen Mädchen versprochen hatte, ein kritisches Auge auf das Kleeblatt zu werfen, durften sie das Wohnheim verlassen und einziehen. Sozusagen als Miete verlangte Freddy von ihnen, gelegentlich in der Bar auszuhelfen. Er war der Meinung, dass es den vieren nur guttun konnte, gelegentlich mit echter Arbeit konfrontiert zu werden und so die exponierte Wohnsituation nicht als völlig selbstverständlich hinzunehmen.

Akut empfand Jill Freddys pädagogische Ansätze allerdings als ausgesprochen anmaßend und ärgerlich. Sie hatte wirklich keine Lust, sich heute Abend hinter der Bar zum Affen zu machen. Das versemmelte Vorsprechen machte ihr tatsächlich richtig zu schaffen. Auch wenn sie es offiziell nie zugeben würde, hatte sie das Ganze wohl doch zu überheblich und lässig angegangen. Im Leben hätte sie nicht damit gerechnet, dass ihre Minimalvorbereitung nicht reichen würde. Gut, sie war auch ein wenig abgelenkt gewesen in der letzten Zeit. Der Grund hieß Julian, Wirtschaftsstudent und leidenschaftlicher Surfer wie sie. Vor drei Monaten hatten sie ihren ersten Kampf um eine Welle ausgefochten – sie hatte natürlich gewonnen – und seitdem verbrachten sie jede freie Minute gemeinsam am Strand.

Doch leider sah Julian in ihr tatsächlich nur das funny Surf-Chick, mit dem man kumpeligen Spaß haben kann. Jill dagegen fand ihn inzwischen unwiderstehlich und war einigermaßen irritiert, dass er ganz offenbar nicht mehr von ihr wollte. Das war eine völlig ungewohnte Erfahrung, denn normalerweise wirkte sie mit ihrer übersprudelnd fröhlichen und herzlichen Art wie ein strahlendes Licht, auf das Männer wie hilflose Motten flogen. Aufgeben kam natürlich nicht in Frage, und sein scheinbares Desinteresse stachelte ihren Jagdeifer nur noch mehr an. Und heute Abend gäbe es die perfekte Chance: Am Strand würde eine große Surfer-Party steigen – ohne sie, wie die Dinge lagen. Vielen Dank auch, Freddy!

~~~

Mit einem wohligen Seufzer stieg Ava in die heiße Badewanne. Im warmen Wasser verflüchtigten sich ihre Sorgen fast von allein. Sollten Mom, Chris und Jill doch tun und denken, was sie wollten. Sie würde ihren Weg schon gehen. Genüsslich schloss sie die Augen und ließ ihre Gedanken treiben. Weit kam sie allerdings nicht mit der mentalen Wanderschaft, denn ihr Kopfkino sendete Bilder von nackten Leibern, die sich wollüstig aneinander rieben und alle nur erdenklichen Körperöffnungen penetrierten.

Lisa hatte ihnen heute Morgen beim Frühstück ihre jüngste Beute auf ihrem Laptop präsentiert. Die angehende Informatikerin hatte eine Schwäche für Pornografie und war zudem eine talentierte Hackerin. Was auf den freien Schmuddelkanälen im Internet zu finden war, interessierte sie nicht, sie holte sich ihren Hochglanz-Stoff lieber direkt von den Servern der Edel-Produzenten.

Die erste Sequenz zeigte zwei Frauen, die auch als Models hätten arbeiten können, wie sie sich nach allen Regeln der Kunst verwöhnten. Lisa war »flexibel«, was die Auswahl ihrer zahlreichen Bettgenossen anging – manchmal sorgte sich Ava sogar ein wenig um ihren Pudel Henry –, hatte aber einen eindeutigen Hang zu schönen Frauen. Ava fand es durchaus anregend, zu sehen, wie eine zarte Blondine eine rassige Latina zum Höhepunkt leckte und fingerte, aber vor ihrem inneren Auge lief eine andere Szene in Dauerrotation: ein rauer Typ, der einer Frau im strengen Business-Kostüm unprätentiös den Rock hochschob, den Slip zerriss und sie auf dem Schreibtisch fickte, bis sie ihre Lust hemmungslos herausschrie.

Avas Finger glitten zwischen ihre Schenkel. Mein Gott, war sie schon wieder geschwollen und glitschig. Sie kreiste mit ihrem Zeigefinger ein paarmal um ihre Klitoris, gleichzeitig geil und beschämt. Wie konnte es sein, dass sie eine derart abstruse Szenerie so unfassbar scharfmachte? Ich bin total am Arsch, dachte sie und griff dann resolut zur Shampoo-Flasche. Es musste etwas passieren, das war klar, aber eine weitere Solo-Nummer in der Badewanne würde nicht helfen.

Große Pläne

»Huhu, jemand zu Hause? Ich habe Cookies mitgebracht!«

Jill hatte sich endlich aus dem Whirlpool gequält und in ein Handtuch gewickelt, als sie Kates Ruf aus der Wohnung hörte. »Essen klingt gut«, sagte sie, während sie reinging und skeptisch ihre verschrumpelten Finger musterte.

Kate hatte gerade eine Blechdose mit verführerischen Schokoladen-Cookies auf den Tresen in der Küche gestellt. Vor ihr saß Henry mit flehendem Blick.

»Richard und ich waren heute Morgen auf dem Farmer’s Market und haben dann die Kekse gebacken«, erklärte Kate. »Alles bio!«

»Ich dachte, er säuselt dir nur Gedichte ins Ohr«, zog Jill ihre Freundin auf. Vor drei Jahren hatte die zierliche, rothaarige Jurastudentin bei einer Dichterlesung den erheblich älteren Literaturprofessor Richard kennengelernt. Seitdem waren sie ein Paar. Wie Kate das schaffte, war Jill schleierhaft, denn neben Jura studierte sie noch Philosophie und neuerdings Literaturwissenschaften. Ehrlich gesagt konnte sie auch nur schwer nachvollziehen, was Kat erstens an dem alten Sack fand und wie sie zweitens die Zeit für eine so bürgerliche Existenz aufbrachte. Aber irgendwie schien es ja zu funktionieren und die Plätzchen waren lecker.

Kate ging gar nicht auf den kleinen Seitenhieb ein, sie kannte ja die Einstellung ihrer Mitbewohnerinnen, sondern sagte nur schlicht: »Ich dachte mir, eine kleine Stärkung vor der Party kann nicht schaden. Wo sind denn die anderen?«

»Im Bad«, nuschelte Jill, die sich gerade den dritten Keks in den Mund schob.

»Willst du mein Kleid sehen?« Kate kramte schon in einer Tüte und zog, ohne auf eine Antwort zu warten, ein plissiertes feuerrotes Chiffon-Fähnchen im Marilyn-Monroe-Stil hervor. »Das habe ich gestern in einem Secondhandladen entdeckt«, erklärte sie stolz. »Richard meinte, dass es viel besser passt als mein Abendkleid.«

»Wo er recht hat, hat er recht, dein Richie!« Jill musterte anerkennend das Kleid. »Die Party heißt ja schließlich ›Roter Alarm‹ und nicht ›Morgen kommt der Weihnachtsmann‹. Den roten Samtfummel hättest du zu Heiligabend bei deiner Mutter anziehen können. Aber das predigen wir dir auch schon seit Tagen …« Sie grinste ironisch. »Kommt er eigentlich heute Abend, um dich zu bewachen? Denn in dem Teilchen wirst du ein echt heißer Feger sein.«

»Ja, er wollte vorbeischauen, allerdings erst später. Er muss vorher noch zu einem Abendessen. Aber ich hab ja sowieso keine Zeit für ihn, weil ich Drinks schleppen muss.« Von oben hörten sie Geräusche, die nur sehr wohlwollende Zeitgenossen als Gesang bezeichnet hätten. »Mir scheint, Ava wärmt gerade ihre Stimmbänder auf.«

»Tja, unsere Diva gibt schon in der Badewanne alles«, entgegnete Jill süffisant. »Sie hat doch wirklich den bequemsten Job – auch wenn Lisa das anders sieht –, sie singt drei dreißig oder vierzig Minuten lange Sets, nimmt huldvoll die Ovationen entgegen und macht dann Feierabend.«

»Habt ihr Stress miteinander?«

»Nicht der Rede wert.« Jill hatte keine Lust, die gleiche Geschichte auch noch mit Kate durchzukauen, zumal deren Einschätzung der Lage in etwa deckungsgleich mit Avas sein dürfte, nur dass sie ihren Worten noch einen mütterlich-besorgten Nachdruck verleihen würde. Das brauchte sie jetzt wirklich nicht. »Ich würde nur viel lieber an den Strand zur Surfer-Fete. Aber es hilft wohl nichts …« Sie nahm sich einen weiteren Cookie. »Ich gehe jetzt auch hoch und mache mich fertig. Danke für die Kekse.«

~~~

Im Bad kreischte sich Ava gerade die Seele aus dem Leib. Sie sang eines ihrer Lieblingslieder von den Eurythmics. »I need a man« – dieser Song, der diesmal zu ihrem Bedauern nicht auf der Playlist stand, sollte ihr Mantra für den Abend werden. Sie stieg aus der Badewanne und betrachtete sich tropfnass im großen Spiegel. Das sollte doch machbar sein. Zwar konnte sie weder mit den rasanten, aber strammen Kurven und den blonden langen Locken von Jill aufwarten, noch verfügte sie über den athletisch-aggressiven Sexappeal von Lisa oder die zierliche Weiblichkeit von Kate, doch als Mauerblümchen konnte man sie sicherlich nicht bezeichnen.

Sie richtete ihre eins zweiundachtzig zu voller Größe auf: Sie hatte ein ebenmäßiges, beinahe klassisches Gesicht, ihre Brüste waren klein, aber knackig. Über ihre schlanke Taille, die schmalen Hüften und den festen Po konnte sie auch nicht klagen. Richtig spektakulär an sich selbst fand sie aber ihre Beine, die schier endlos lang und schön definiert waren, ohne aber zu muskulös zu sein. Sie hatte sich sorgfältig rasiert und ihren ganzen Körper gründlich gepeelt, so dass ihre Haut jetzt pfirsichweich war. Wenn sie damit heute keinen Kerl becircen konnte, würde sie ins Kloster gehen. Auf der Stelle.

Scheiß auf Hingabe! Sie trocknete sich ab und cremte sich ein, fest entschlossen, es ihren Freundinnen gleichzutun: Heute Abend würde sie sich einen attraktiven und willigen Mann angeln, mit ihm die ganze Nacht wilden Sex haben und ihn noch vor dem Frühstück wieder auf die Straße setzen. Keine unnötigen Gefühle, keine Komplikationen, einfach vögeln, bis der Arzt kommt. Oder so. Das war jedenfalls der Plan. Sie musste fast ein wenig über sich selbst lachen, denn als Sex-Maniac war sie bisher noch nicht auffällig geworden. Doch das gedachte sie nun zu ändern, schließlich war sie jung und zur Abwechslung wollte sie mal nicht nur ihren Kopf beschäftigen, sondern auch ihren Körper. Sollte sie vielleicht noch ihre Mutter anrufen und sie mit dieser Erkenntnis glücklich machen? Mitten in diese Überlegungen hinein klopfte es an der Tür.

»Bist du endlich fertig? Ich müsste jetzt auch mal unter die Dusche!«

»Komm rein, Jill!«, antwortete Ava und zog sich einen flauschigen weißen Bademantel an. »Ich muss nur noch den knallroten Nagellack finden, dann bin ich draußen.« Sie wühlte durch die Schubladen.

»Der ist irgendwo unten auf der Terrasse«, informierte Jill ihre Freundin und wedelte mit den Fingern vor ihrer Nase. »Ich hab meine Nägel schon vorhin lackiert.« Sie stieg in die Dusche. »In der Küche sind übrigens Kekse. Katie war mit ihrem Dichter heute Morgen auf dem Biomarkt und dann haben sie gemeinsam Backe-backe-Kuchen gespielt. Ist das nicht süß?« Jill kicherte.

»Ja, sehr putzig«, auch Ava grinste. »Also, wenn ich einen Kerl und ein paar Stunden Zeit hätte, würden mir andere Dinge einfallen …«

»Aber nicht mit Richard!«

»Jetzt sei nicht so, so schlecht sieht er nicht aus.«

»Das nicht, aber er ist steinalt. Ich hätte Angst, dass er plötzlich mitten in Aktion stirbt. Also ist Bio-Plätzchen-Backen vielleicht doch das Richtige. Nach hemmungsloser Passion sieht er mir jedenfalls nicht gerade aus.« Jill schüttelte sich in gespieltem Grauen. »Ich weiß gar nicht, wie Kate das aushält.«

»Sie scheint doch aber glücklich zu sein. Und immerhin hat sie jemanden, mit dem sie wenigstens theoretisch Sex haben kann – und wer weiß, vielleicht sogar praktisch. Im Gegensatz zu mir.« Ava seufzte. »Aber das gedenke ich heute zu ändern!«

»Das ist ja ganz was Neues!« Jill schäumte sich die Haare ein und schaute überrascht aus der Dusche heraus. »Ich dachte, du willst keinen Freund.«

»Ich habe auch nichts von Freund gesagt. Ich will nur zur Abwechslung auch mal ein bisschen Spaß und werde es so machen wie du und Lisa: Ich reiße mir einen süßen Typen auf, habe eine heiße Nacht mit ihm und das war’s dann.«

»Klingt ja nach einem ausgefuchsten Plan«, lachte Jill. »Da bin ich ja gespannt. Aber ich wette, dass dir deine überambitionierten Ansprüche einen Strich durch die Rechnung machen werden. Selbst ein One-Night-Stand muss für die strenge Miss King doch bestimmt gewisse elementare Grundvoraussetzungen erfüllen: ein adonisgleicher Prachtleib und die richtigen, coolen Klamotten für das ästhetische Empfinden, natürlich ein IQ wie Einstein für inspirierende Gespräche zwischen den Laken. Und dann muss er auch noch charmant und zuvorkommend sein, interessante Hobbys und einen spannenden Job haben, ein Instrument spielen oder wenigstens singen können. Und er darf kein Problem mit einer dominanten Frau haben, die sich gerne im Glanz der eigenen Genialität sonnt und so stolz auf ihre natürliche Autorität ist. Hab ich nicht recht? Das ist doch auch der Grund, warum du seit Jahren solo bist. Dir ist einfach keiner gut genug!« Sie drehte die Dusche wieder auf und spülte sich das Shampoo aus den Haaren.

Kopfschüttelnd und leicht fassungslos verließ Ava das Badezimmer, um den verdammten Nagellack zu suchen. Natürlich hatte Jill irgendwo recht, allerdings waren ihre Ansprüche inzwischen recht übersichtlich: Mann und hetero würden reichen. Zumindest für heute.

Dress up!

Eine halbe Stunde später kam auch Jill frisch geduscht wieder nach unten. Ihre drei Freundinnen saßen auf den großen cremefarbenen Sofas, aßen Cookies und waren mit diversen Schönheitsritualen beschäftigt. Ava hatte gerade sämtliche Nägel fertig lackiert und ihre Füße auf Henrys Rücken abgelegt, dem diese Behandlung aber zu gefallen schien. Jedenfalls brummte er zufrieden. Kate kämpfte mit Lockenwicklern, offenbar wollte sie – passend zum Kleid – statt ihrer üblichen Hochsteckfrisur einen auf wilde Mähne machen, und Lisa sinnierte über drei verschiedenen Tops.

»Habt ihr es schon gehört? Ava hat große Pläne für heute Abend!« Jill befreite ihre Haare aus dem Handtuchturban und ließ sich ebenfalls auf ein Sofa fallen. Als sie sicher war, dass die anderen ganz Ohr waren, fuhr sie fort: »Miss Perfect will sich menschlichem Verhalten annähern und sich für eine Nacht den fleischlichen Genüssen hingeben!« Sie blickte beifallheischend in die Runde. »Mit einem richtigen Mann, den sie auf der Party zu betören gedenkt!« Sie zog mit gespielter Empörung eine Braue hoch. »Skandalös, oder?«

»Dann wird’s ja ein lustiger Abend«, Lisa grinste, »bin gespannt, wie sie das anstellt. Auf einen Notfall warten, um dann Mund-zu-Mund-Beatmung praktizieren zu können?«

»Ich glaube ja, dass sie den Ärmsten einfach bedrohen wird, damit er sich ergibt. Sie wird mit einer fiesen Spritze vor seiner Nase herumfuchteln und dann sagen: ›Sex oder Pest!‹« Jill lachte sich halb tot.

»Ganz genau«, entgegnete Ava nur kühl, »so wie ich es von meinen beiden Lehrmeisterinnen gelernt habe.«

»Ach, Ava, so eine Affäre ist doch nichts für dich.« Kate hatte tatsächlich ihre Stirn in besorgte Falten gelegt.

»Ich habe auch nicht vor, eine Affäre zu beginnen – Mama. Und ich finde eure Anteilnahme wirklich ausgesprochen reizend, wenn auch völlig unnötig.«

»Stimmt, denn es wird sowieso nix daraus werden!« Jill kicherte immer noch hemmungslos. »Mädels, ich wette mit euch, dass Ava heute Nacht als Erste und allein im Bett liegen wird – so wie immer halt. Wer hält dagegen?«

Kollektives Kopfschütteln und Lachen.

»Ihr werdet schon sehen!« Ava stand augenrollend auf. »Ich ziehe mich jetzt an.«

~~~

Um kurz vor sieben trafen sich die vier fertig gestylt auf ihrer Dachterrasse und bewunderten sich in Ermangelung anderen Publikums gegenseitig. Lisa trug einen engen roten Satin-Hosenanzug und hochhackige Stiefeletten. Auf Top oder Bluse hatte sie schließlich großzügig verzichtet, so dass unter ihrem Blazer ein roter Spitzen-BH hervorblitzte. Ihr kurzer schwarzer Afro bildete einen reizvollen Kontrast zu ihren knallroten Lippen und der dunklen Pilotensonnenbrille. Kate sah in ihrem Marilyn-Kleidchen und mit ihrer offenen, frisch ondulierten roten Lockenmähne wirklich spektakulär aus. Jill hatte ihre echten Locken scheinbar nachlässig hochgesteckt, so dass einige Kringel wie unabsichtlich ins Gesicht fielen. Sie trug enge rote Pailletten-Hotpants und hochgeschnürte Plateau-Sandaletten. Das knappe rote Bikini-Oberteil hielt ihre üppige Oberweite nur mühsam im Zaum. Zur Entschärfung trug sie eine schmale weiße Bluse darüber, die sie allerdings nur in der Taille geknotet hatte.

Ava schließlich hatte ihre kinnlangen dunkelbraunen Haare ganz glatt gezogen und sich auffällige Smokey Eyes geschminkt. Sie trug ein zartes, mit zahllosen winzigen Perlen besticktes Hängekleidchen. Der seidige Fransensaum endete etwa auf der Mitte der Oberschenkel, der substanziellere Teil des Fähnchens bedeckte immerhin knapp den Po. Dazu hatte sie schwindelerregend hohe rote Peeptoe-Pumps kombiniert, die sie auf knapp zwei Meter katapultierten. Völlig klar, die Ladys hatten eine Mission. Selbst Jill schien sich mit ihrem Schicksal ausgesöhnt zu haben, denn ihre Augen blitzten unternehmungslustig.

Ava, die ihre Freundin gut genug kannte, fragte misstrauisch: »Was hast du vor?«

»Was soll ich vorhaben?« Unschuldiger Augenaufschlag.

»Nichts Gutes jedenfalls. Mach bloß keinen Ärger heute Abend.« Ava sah Jill tief in die Augen, die dem bohrenden Blick jedoch souverän standhielt.

»Wieso Ärger? Ich ziehe meinen Job durch, solange mich Freddy braucht!«

»Mhmm.« Ava war weiterhin skeptisch, ließ das Thema jedoch auf sich beruhen. Sie war schließlich nicht Jills Babysitter. Und außerdem wurde sie langsam ein bisschen nervös. Weniger wegen ihres Auftritts, da hatte sie genug Routine. Sie fragte sich jedoch, ob sie ihren kühnen Plan tatsächlich durchziehen würde.

»Auf uns!« Kate kam mit einem Tablett aus der Küche zurück und reichte allen ein Glas Prosecco. »Auf einen tollen Abend und auf die Erfüllung unserer Wünsche und Träume.«

~~~

Freddy war sprachlos, als die Mädels kurze Zeit später im Hot Chocolate einliefen. »Mach den Mund zu, Freddy!«, sagte Lisa und küsste ihren Ziehvater auf die Wange. »Bei deinem Motto ›Red Alert‹ können wir ja schlecht als Betschwestern auftreten, oder?«

»Ihr seht alle großartig aus!«, beeilte er sich, den vieren zu versichern. »Nur so anders. Katie, ich glaube, ich habe dich noch nie mit offenen Haaren gesehen. Solltest du öfter so tragen. Und meine Güte, Ava, für deine Beine brauchst du einen Waffenschein.« Die beiden strahlten ihn an. »Wenn ich es nicht besser wüsste, Jill, würde ich glauben, dass du dich für eine Beach-Party gestylt hast«, fuhr er fort und der Angesprochenen entglitten für einen winzigen Augenblick die Gesichtszüge. »Aber wahrscheinlich willst du nur deinen Trinkgeldanteil erhöhen, oder?«

Gelegenheit macht …

Um kurz vor zehn war die Party in vollem Schwung. Der Laden brummte, wie eigentlich immer bei Freddys berühmt-berüchtigten Motto-Feten. Und Jills Trinkgeldkasse hatte sich bisher in der Tat üppig gefüllt – ihre roten Cocktails waren ein Renner –, doch langsam wurde sie immer unruhiger. Nervös schaute sie ständig auf die Uhr. Ava, die ihr erstes Set hinter sich hatte und mit einem Glas Wasser an der Bar stand, witterte Unheil: »Wartest du auf was Bestimmtes?«

Ja, auf eine günstige Gelegenheit, hier endlich abzuhauen, dachte Jill. Vorhin hatte sich Julian gemeldet und sich von ihr versichern lassen, dass sie in jedem Fall noch an den Strand käme, doch bisher bekam sie einfach nicht die Kurve zu einem eleganten Abgang. »Nein, wieso?«, antwortete sie betont treuherzig.

»Weil du diesen genervten Fluchtblick draufhast, der sonst nur bei Familien-Dinners der Familie King zum Einsatz kommt – kurz bevor du dich unter fadenscheinigen Vorwänden aus dem Staub machst. Ich sag’s noch mal: Mach keinen Ärger heute!«

Jill hasste Avas Röntgenblick und vor allem die Tatsache, dass sie offensichtlich so einfach zu durchschauen war, wollte sich aber auf gar keinen Fall geschlagen geben und sagte nur ...

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