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HONOR HARRINGTON: Honors Mission

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Dezember 1921 P. D.
  6. Kapitel 1
  7. Kapitel 2
  8. Kapitel 3
  9. Kapitel 4
  1. Januar 1922 P. D.
  2. Kapitel 5
  3. Kapitel 6
  4. Kapitel 7
  5. Kapitel 8
  6. Kapitel 9
  7. Kapitel 10
  8. Kapitel 11
  9. Kapitel 12
  10. Kapitel 13
  11. Kapitel 14
  12. Kapitel 15
  13. Kapitel 16
  14. Kapitel 17
  1. Februar 1922 P. D.
  2. Kapitel 18
  3. Kapitel 19
  4. Kapitel 20
  5. Kapitel 21
  6. Kapitel 22
  7. Kapitel 23
  8. Kapitel 24
  1. Dramatis Personae
  2. Glossar

Über den Autor

David Weber ist ein Phänomen: Ungeheuer produktiv (er hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben), erlangte er Popularität mit der HONOR-HARRINGTON-Reihe, die inzwischen nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. David Weber wird gerne mit C. S. Forester verglichen, aber auch mit Autoren wie Heinlein und Asimov. Er lebt heute mit seiner Familie in South Carolina.

Dezember 1921 P. D.

Um die Außenpolitik der Sollys zu verstehen, müssten wir Sollys sein … und nichts in aller Welt wäre das wert.

Königin Elizabeth III. von Manticore

Kapitel 1

Hätte der Herausgeber eines Bildwörterbuches nach einem geeigneten Modell gesucht, das den Begriff ›paralysiert‹ veranschaulichen sollte, so hätte er hier einen Volltreffer gelandet.

Ein objektiver Beobachter hätte sich vielleicht sogar gefragt, ob Innokentiy Arsenovich Kolokoltsov, der Permanente Leitende Staatssekretär für Äußere Angelegenheiten, überhaupt atmete, während er das Display betrachtete. Zum Teil war seine Reglosigkeit dem Schock geschuldet – aber nur zum Teil. Auch Unglaube gehörte dazu … nur dass ›Unglaube‹ ein viel zu schwacher Begriff für das war, was der Staatssekretär in diesem Moment empfand.

Astrid Wangs persönliches Chrono verriet ihr, dass er mehr als zwanzig Sekunden lang reglos dort saß. Dann atmete der Staatssekretär ruckartig tief ein, schüttelte den Kopf und blickte zu ihr auf.

»Liegt bereits eine Bestätigung vor?«

»Das ist die Original-Nachricht der Manticoraner, Sir«, erwiderte Wang. »Sobald der Außenminister sie gesehen hatte, wurde uns der Chip zusammen mit der zugehörigen offiziellen Note per Kurier zugestellt.«

»Nein, das meine ich nicht. Gibt es noch eine unabhängige Bestätigung für das, was die da sagen?«

Wang hatte zwei Jahrzehnte Erfahrung mit den bürokratischen Gepflogenheiten der Solaren Liga, und so kannte sie auch das Elfte Gebot: ›Du sollst niemals deinen Vorgesetzten in eine peinliche Lage bringen. Nicht in Gedanken, nicht in Worten, nicht in Taten.‹ Trotzdem war Wang das Erstaunen deutlich anzumerken, als sie Kolokoltsov anblickte.

»Sir«, setzte sie ein wenig vorsichtig an, »laut den Mantys ist das alles auf New Tuscany geschehen, und wir haben noch nicht einmal eine unabhängige Bestätigung für den ersten Zwischenfall, der sich laut den Mantys dort ereignet haben soll. Also …«

Kolokoltsov verzog das Gesicht und schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. Natürlich nicht! Bis zur unabhängigen Bestätigung des Ersten Zwischenfalls auf New Tuscany würde noch fast ein weiterer Monat vergehen, wenn Josef Byng in der üblichen Art und Weise verfahren war. Der Staatssekretär könnte sich schon lebhaft vorstellen, wie die Presse dieses Ereignis ausschlachten würde. Die verdammten Mantys saßen mitten im Zentrum der Liga-Kommunikation im Talbott-Sektor. Dank ihres Wurmlochknotens (den man gar nicht oft genug verteufeln konnte!) waren sie in der Lage, Berichte über die dortigen Ereignisse innerhalb von kaum mehr als drei T-Wochen ins Sol-System zu schicken. Ein direkter Bericht, per Kurierboot von New Tuscany nach Alterde geschickt, bräuchte für diese Reise beinahe zwei Monate. Und wenn das Boot dabei zuvor noch das Meyers-System ansteuerte, so wie es die Vorschriften verlangten, damit auch im Hauptquartier des Liga-Amtes für Grenzsicherheit der entsprechende Bericht vorlag, dann kam man auf mehr als elf T-Wochen.

Angenommen, die Mantys lügen uns hier nicht etwas vor und basteln sich aus irgendeinem unerfindlichen Grund ihre ganzen ›Beweise‹ einfach zurecht, dann wurde jeder Bericht Byngs auf jeden Fall über Meyers geschickt, dachte er. Wenn Byng hier gegen die Vorschriften verstoßen hätte und den Bericht unmittelbar über Mesa und Visigoth geschickt hätte – so wie es jeder Admiral getan hätte, der etwas in der Birne hat! –, dann läge dieser Bericht doch schon seit acht Tagen vor!

Kolokoltsov verspürte das gänzlich uncharakteristische Bedürfnis, den Bildschirm aus seiner Verankerung zu reißen und quer durch den Raum zu schleudern. Er wollte sehen, wie das Gerät in tausend Stücke zerbarst, und aus Leibeskräften fluchen. Doch auch wenn jemand aus der Prä-Diaspora-Zeit von Alterde ihn auf höchstens vierzig geschätzt hätte, war Kolokoltsov doch schon fünfundachtzig T-Jahre alt. Fast siebzig dieser Jahre hatte er damit verbracht, sich zu seiner aktuellen Stellung emporzuarbeiten, und nun halfen ihm all diese Jahre eiserner Disziplin dabei, zumindest äußerlich Ruhe zu bewahren. Er hatte wirklich gelernt, dieses Spiel zu spielen. Er erinnerte sich an das Zwölfte Gebot: ›Du sollst in Gegenwart Deiner Untergebenen niemals die Beherrschung verlieren.‹ Und so brachte er es sogar fertig, seine Stabschefin anzulächeln.

»Das war wohl wirklich eine dämliche Frage, oder, Astrid? Ich bin anscheinend doch nicht ganz so immun Überraschungen gegenüber, wie ich immer angenommen habe.«

»Nein, Sir.« Wang erwiderte das Lächeln, doch die Überraschung stand dennoch in ihren blauen Augen zu lesen – und diese Überraschung galt seiner Reaktion ebenso wie der Nachricht an sich. »Ich glaube nicht, dass es unter den gegebenen Umständen irgendjemandem anders ergangen wäre.«

»Das vielleicht nicht, aber das hier wird noch reichlich Ärger geben«, gab er zurück – was ebenfalls gänzlich unnötig war. Er fragte sich, ob es ihm vielleicht nur herausgerutscht war, weil er sich immer noch nicht ganz gefangen hatte.

»Holen Sie Wodoslawski, Abruzzi, MacArtney, Quartermain und Rajampet her«, fuhr er fort. Ich möchte sie in einer Stunde in Konferenzraum Eins sehen.«

»Sir, Admiral Rajampet befindet sich in einer Besprechung mit dieser Delegation der Justizministerin, und …«

»Es ist mir völlig egal, in was für einer Besprechung er gerade steckt!«, fiel Kolokoltsov ihr ins Wort. »Sagen Sie ihm einfach nur, er soll herkommen.«

»Jawohl, Sir. Öhm … darf ich ihn darüber in Kenntnis setzen, warum diese Besprechung so dringend ist?«

»Nein.« Kolokoltsov gestattete sich ein schmales Lächeln. »Für den Fall, dass die Mantys die Wahrheit sagen, möchte ich, dass niemand irgendwelche Bemerkungen vorbereiten kann. Für derartigen Unsinn ist das einfach zu wichtig.«

»Worum geht es hier denn überhaupt?«, verlangte Flottenadmiral Rajampet Kaushal Rajani zu wissen, als er mit großen Schritten den Konferenzraum betrat. Er war der Letzte, der eintraf – genau das hatte Kolokoltsov auch beabsichtigt und im Vorfeld entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Rajampet war ein kleiner, drahtiger Mann mit chronisch schlechter Laune – was sehr gut zu seinem fast schlohweißen Haar und den tiefen Falten in seinem Gesicht passte. Körperlich und geistig war er immer noch bestens in Form, dabei war er bereits einhundertdreiundzwanzig Jahre alt und damit einer der ältesten noch lebenden Menschen. Als seinerzeit die Prolong-Therapie erster Generation entwickelt wurde, wäre er beinahe zu alt gewesen, um noch davon zu profitieren – der entscheidende Stichtag war bei ihm keine fünf Monate mehr entfernt gewesen.

Zugleich diente er bereits seit seinem neunzehnten Lebensjahr als Offizier in der Flotte der Solaren Liga, auch wenn er schon seit mehr als einem halben T-Jahrhundert kein Raumkommando mehr innegehabt hatte. Und dass er Dummheit schlichtweg nicht ertragen konnte, zeigte er sogar mit einigem Stolz. (Natürlich bestand der Rest der Menschheit seiner Ansicht nach fast ausschließlich aus Gestalten, die mit Dummheit im Übermaß gesegnet waren – allerdings wollte Kolokoltsov ihm in dieser Hinsicht kaum widersprechen.) Zugleich hatte Rajampet in der allmächtigen Hierarchie der Liga-Bürokratie beachtlichen Einfluss, auch wenn er nicht ganz in der Spitze mitmischte. Mit allen Belangen der Raumstreitkräfte war er bestens vertraut, er kannte sämtliche höheren Offiziere, wusste um das gesamte komplizierte Geflecht von familiären Bündnissen und Schirmherrschaften und wer welche Leichen im Keller hatte … und er war auch umfassend darüber informiert, wer am Füllhorn der allgegenwärtigen Bestechung und Korruption bei den Streitkräften kräftig in die eigene Tasche wirtschaftete. Gerade dann war er selbst ganz vorne mit dabei und überwachte persönlich, wohin diese Gelder flossen.

Wenn dieser Idiot jetzt bloß noch wüsste, was seine geliebte Navy im Augenblick im Schilde führt, dachte Kolokoltsov eisig.

»Es sieht ganz so aus, als hätten wir ein kleines Problem, Rajani«, sagte er und wies dem ordenbehangenen Admiral mit einer Handbewegung einen Sessel am Konferenztisch zu.

»Ich will verdammt noch mal hoffen, dass es nicht nur ein ›kleines‹ Problem ist«, murmelte Rajampet mit zusammengebissenen Zähnen, während er zu dem entsprechenden Sessel hinüberstapfte.

»Wie meinen?«, fragte Kolokoltsov höflich nach, als hätte er nicht ganz verstanden, was man zu ihm gesagt hatte.

»Ich befand mich gerade in einer Besprechung mit den Mitarbeitern der Justizministerin«, gab Rajampet zurück, ohne für die vorangegangene Bemerkung um Verzeihung zu bitten. »Die sind immer noch nicht fertig mit den Anklageschriften bei diesen ganzen verdammten Prozessen. Das bedeutet, wir stehen gerade erst am Anfang, den ganzen Schlamassel mit Technodyne auseinanderzunehmen.« Mit dem Kinn deutete er zu Omosupe Quartermain, der Permanenten Leitenden Staatssekretärin für Handel, und Agatá Wodoslawski, der Permanenten Leitenden Staatssekretärin für Finanzen, hinüber. »Ich hatte Omosupe und Agatá versprochen, ihnen bis zum Ende dieser Woche die Empfehlung hinsichtlich der Neustrukturierung zukommen zu lassen. Es hat eine Ewigkeit gedauert, einfach nur alle zusammenzutreiben, sodass man sich wenigstens endlich zusammensetzen könnte. Deswegen bin ich nicht gerade erbaut darüber, aus etwas derart Wichtigem einfach herausgerissen zu werden.«

»Ich verstehe, warum es Ihnen ungelegen kommt, bei der Arbeit unterbrochen zu werden, Rajani«, gab Kolokoltsov kühl zurück. »Bedauerlicherweise muss die Kleinigkeit, um die es hier geht, dringend erörtert werden – und zwar umgehend. Und …« – nun bohrten sich seine dunklen Augen quer über den Tisch hinweg geradewegs in Rajampets – »… wenn ich mich nicht allzu sehr täusche, hängt es ziemlich eng mit dem zusammen, was Technodyne überhaupt erst in Schwierigkeiten gebracht hat.«

»Was?« Rajampet hatte gerade Platz nehmen wollen, doch vor Erstaunen fiel er das letzte Stück in seinen Sessel regelrecht hinein. Sein Gesichtsausdruck verriet ebenso viel Verblüffung wie sein Tonfall. »Wovon reden Sie denn da?«

Obwohl Kolokoltsov höchst verärgert war, konnte er die Verwirrung des Admirals beinahe nachvollziehen. Die Auswirkungen der Schlacht von Monica krochen immer noch durch die verschlungenen Eingeweide der Navy – und der Aufmarsch der Gladiatoren vor Gericht stand noch ganz am Anfang. Die Schlacht selbst hingegen lag schon mehr als zehn T-Monate zurück. Obwohl die SLN nicht direkt in die Zerstörung der Monican Navy durch die Royal Manticoran Navy involviert gewesen war, ergaben sich für Technodyne Industries doch beachtliche Auswirkungen. Und Technodyne war seit über einhundert Jahren einer der wichtigsten Lieferanten der Navy. So war es für Rajampet, in seiner Eigenschaft als Chef des Admiralstabs, ganz und gar vernünftig, aus diesem Wirrwarr von Ermittlungen, Anklagen und Schauprozessen zu retten, was zu retten war. Kolokoltsov bezweifelte nicht, dass sich der Admiral bereits seit mehreren Wochen ausschließlich damit befasst hatte.

Auch wenn es natürlich hilfreich gewesen wäre, wenn er wenigstens einen Teil seiner Aufmerksamkeit diesem anderen kleinen Problem gewidmet hätte, dachte der Diplomat grimmig.

»Ich rede vom Talbott-Sternhaufen, Rajani«, sagte er und ließ in seiner Stimme eine Spur bewusst zur Schau gestellter Geduld mitschwingen. »Ich rede von diesem Zwischenfall mit Ihrem Admiral Byng und den Mantys.«

»Was ist damit?« Rajampet klang mit einem Mal ein wenig vorsichtiger. Sein Blick verriet Wachsamkeit. In ihm erwachten Instinkte, die er in mehr als einem Jahrhundert unschöner Grabenkämpfe der Bürokratie geschärft hatte.

»Es sieht ganz so aus, als wären die Mantys tatsächlich genauso stinksauer, wie ihre erste Depesche das vermuten ließ«, erklärte ihm Kolokoltsov.

»Und?« Rajampets Augen wurden noch wachsamer, und er schien sich in seinem Sessel ein wenig zurücksacken zu lassen.

»Und es war kein Scherz von ihnen, als sie angekündigt hatten, Admiral Gold Peak mit der Untersuchung der Vorfälle auf New Tuscany zu beauftragen.«

»Ach, nicht?« Diese Frage kam von Wodoslawski, nicht von Rajampet. Kolokoltsov blickte zur Permanenten Leitenden Staatssekretärin hinüber.

Sie war fünfundzwanzig T-Jahre jünger als er – eine Empfängerin von Prolong der Dritten Generation. Sie hatte dunkelrotes Haar, graue Augen und eine bemerkenswert attraktive Figur. Zudem war sie noch recht neu auf ihrem Posten als faktische Leiterin des Schatzamts. Nach dem Ableben ihres Vorgängers hatte sie den Posten lediglich erhalten, weil die anderen Permanenten Leitenden Staatssekretäre einen Kompromiss ausgehandelt hatten. Sie wusste ganz genau, dass sie nur die zweite Wahl für die Besetzung dieses Postens gewesen war – dass jeder Einzelne ihrer jetzigen Kollegen einen Verbündeten hatte, den er deutlich lieber dort gesehen hätte. Doch mittlerweile bekleidete sie dieses Amt auch schon seit einem Jahrzehnt, und inzwischen hatte sie ihre eigene Machtbasis in angemessenem Maße gefestigt.

Sie befand sich nicht mehr in der Probezeit als jüngstes Mitglied des Quintetts Leitender Staatssekretäre, die in Wahrheit die ganze Liga regierten – von ihren persönlichen Lehnsgütern aus: dem Außenministerium, dem Wirtschaftsministerium, dem Innenministerium, dem Amt für Bildung und Information und dem Schatzamt. Allerdings war sie die Einzige, die gerade das System verlassen hatte und unerreichbar gewesen war, als die erste diplomatische Note aus dem Sternenimperium von Manticore eintraf. Daher konnte sie bestens ihre Hände in Unschuld waschen und jegliche Verantwortung dafür zurückweisen, wie man mit dieser Depesche verfahren war. Ihr Gesichtsausdruck, ging es Kolokoltsov säuerlich durch den Kopf, lässt vermuten, dass ihr diese Kleinigkeit durchaus bewusst ist.

»Nein, Agatá«, entgegnete er und wandte sich ihr nun ganz zu. »Nein, nicht. Und vor etwa einem T-Monat – am siebzehnten November, um genau zu sein – ist Admiral Gold Peak in New Tuscany eingetroffen … um festzustellen, dass Admiral Byng sich immer noch dort aufhielt.«

»Ach, Scheiße«, murmelte Nathan MacArtney, der Permanente Leitende Staatssekretär des Innenministeriums. »Jetzt sagen Sie bloß nicht, Byng hat auch auf sie das Feuer eröffnet!«

»Falls das geschehen sein sollte, dann gewiss nur, weil sie ihn provoziert hat!«, warf Rajampet scharf ein.

»Bei allem schuldigen Respekt, Rajani«, versetzte der Permanente Leitende Staatssekretär für Bildung und Information Malachai Abruzzi beißend. »Darauf würde ich nicht gerade meinen Hals verwetten.« Rajampet warf ihm einen zornigen Blick zu, und Abruzzi zuckte mit den Schultern. »Soweit ich das anhand der ersten Depesche der Mantys beurteilen kann, hat keines ihrer Schiffe beim ersten Mal auch nur das Geringste getan, um ihn zu provozieren. Und trotzdem hat er mehrere Hundert ihrer Raumfahrer umgebracht. Und da dem so ist, haben wir keinen Grund anzunehmen, er würde beim zweiten Mal nicht auch ein paar Tausend von ihnen umbringen, einfach so!«

»Ich darf Sie daran erinnern«, sagte Rajampet noch schärfer, »dass keiner von uns damals vor Ort war! Die einzigen ›Beweise‹, die uns darüber vorliegen, was wirklich passiert ist, wurden uns ach-so-freundlicherweise von den Mantys übermittelt. Ich wüsste nicht, warum sie darüber erhaben sein sollten, die Daten zu manipulieren, bevor sie an uns weitergegeben werden. Im Übrigen hat einer meiner Leute drüben bei der Operationsanalyse seinerzeit schon angemerkt, dass die Daten auffällig sauber und detailliert sind.«

Abruzzi stieß lediglich ein Schnauben aus, auch wenn Kolokoltsov vermutete, eigentlich habe der Staatssekretär etwas deutlich Nachdrücklicheres tun wollen. Die überwiegende Mehrheit aller Mitglieder der Solaren Liga hatte ihre eigenen Kultusministerien und dergleichen. Deswegen beschränkte sich das Amt für Bildung und Information fast ausschließlich auf den Informations-Teil ihres Aufgabenbereiches. Damit war Abruzzi faktisch der Leitende Propagandist der Solaren Liga. In dieser Funktion war es natürlich seine Aufgabe, irgendetwas Positives an Josef Byngs Handeln zu finden – und daran arbeitete er fieberhaft, schon seit die erste diplomatische Note in Chicago eingetroffen war.

Bislang war ihm dabei nicht sonderlich viel Erfolg beschieden gewesen. Was vielleicht auch nicht ganz überraschend ist, dachte Kolokoltsov säuerlich. Wenn ein solarischer Admiral, der das Kommando über siebzehn Schlachtkreuzer innehatte, ohne Vorwarnung das Feuer auf drei Zerstörer eröffnete, die nicht einmal ihre Impellerkeile und Seitenschilde aktiviert hatten, dann mochte es wirklich ein wenig knifflig werden, selbst der solarischen Öffentlichkeit weiszumachen, sein Handeln sei voll und ganz gerechtfertigt. Und es bestand auch nicht allzu viel Aussicht darauf, dass die Navy schließlich Berichte oder Sensordaten vorlegte, die das alles in ein völlig anderes Licht rückte – zumindest nicht, wenn die besagten Daten nicht zuvor ordentlich ›beschönigt‹ worden wären! Rajampet mochte über die Daten, die ihnen die Mantys vorgelegt hatten, ja sagen, was er wollte, aber Kolokoltsov schloss sich Abruzzis ursprünglicher Analyse voll und ganz an. Niemals hätten die Mantys ihnen gefälschte Daten geschickt. Nicht, wenn sie doch genau wussten, dass die Liga letztendlich auch von ihren eigenen Leuten genaue taktische Daten erhalten würde.

»Ich will damit nur sagen, Rajani«, fuhr Abruzzi kurz darauf fort, »ich bin einfach nur froh darüber, dass die Mantys das nicht der Presse zugespielt haben … zumindest bislang noch nicht. So sehr wir uns auch bemüht haben, wir haben nichts gefunden, womit wir irgendwie die Mantys als die eigentlichen Aggressoren darstellen könnten. Und das bedeutet, wenn das an die Presse gerät, werden wir sehr unschön dastehen. Dann werden wir uns wahrscheinlich entschuldigen müssen und sogar Reparationszahlungen anbieten.«

»Nein, verdammt noch mal!«, fauchte Rajampet. Der Zorn brachte ihn dazu, die zuvor an den Tag gelegte Vorsicht zu vergessen. »Einen derartigen Präzedenzfall dürfen wir auf keinen Fall schaffen! Wenn jede dahergelaufene Neobarbaren-Navy plötzlich auf die Idee kommt, die SLN könne ihr nicht einfach vorschreiben, was sie zu tun habe, dann werden wir im Rand so richtig Ärger bekommen! Und wenn Byng sich gezwungen gesehen hat, sich noch ein Feuergefecht mit denen zu liefern, dann müssen wir umso vorsichtiger sein, was für Präzedenzfälle wir denn nun eigentlich schaffen!«

»Damit haben Sie leider recht, Rajani«, gab Kolokoltsov zurück, und sein eisiger Tonfall brachte alle Anwesenden dazu, ihn anzustarren. »Und bedauerlicherweise täuscht sich Nathan auch, was die Diskretion der Mantys den Medien gegenüber angeht.«

»Was zum Teufel meinen Sie damit?«, verlangte Rajampet zu wissen. »Los – spucken Sie’s schon aus!«

»Also gut, Rajani. Vor ungefähr neunzig Minuten haben wir eine zweite Note der Manticoraner erhalten. Unter diesen Umständen war unsere Entscheidung, auf Ihre ursprüngliche Beschwerde ›ruhig und wohlüberlegt‹ zu reagieren – damit niemand auf die Idee kommt, wir ließen uns durch irgendwelche Forderungen der Manticoraner zu etwas drängen – wohl nicht ganz optimal. Wahrscheinlich würde es Königin Elizabeth und ihren Premierminister nicht gerade erheitern, wenn sie unsere Antwort auf ihre erste Note erst einige Tage nach dem Eingang ihrer zweiten Note erhält.

Und die Mantys haben uns diese zweite Note geschickt, weil Admiral Gold Peak nach Ihrem Eintreffen in New Tuscany exakt jene Forderungen vorgebracht hat, vor denen uns die Mantys in ihrer ersten Note gewarnt hatten. Der Admiral verlangt, dass Byng mit seinen Schiffen Waffenruhe einhält und zulässt, dass manticoranische Enterkommandos an Bord gehen, um jegliche an Bord befindlichen Sensor-Daten zu beschlagnahmen, die mit der Vernichtung dieser drei Zerstörer zu tun haben. Manticoranische Experten sollen besagte Daten dann auswerten. Weiterhin hat sie Byng darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Sternenimperium von Manticore die Absicht hat, auf eine offizielle Untersuchung dieses Vorfalles zu bestehen. Zudem sollen sich die Schuldigen nach den entsprechenden Bestimmungen des interstellaren Rechts für die grundlose Zerstörung ihrer Schiffe und den Tod der gesamten Besatzungen verantworten. Und« – kurz gestattete sich Kolokoltsov einen Seitenblick zu Abruzzi hinüber – »es sieht ganz so aus, als wäre das letztendlich doch nicht bloß Propaganda-Manöver von ihnen.«

»Ich …« Rajampets faltiges Gesicht war dunkelrot angelaufen, und seine Augen funkelten vor Zorn. »Ich kann einfach nicht fassen, dass irgendjemand – selbst nicht die Mantys! – dumm genug sein kann, der Solarian Navy Forderungen zu stellen! Die müssen doch völlig den … ich meine, diese Gold Peak kann doch unmöglich glauben, damit durchzukommen! Wenn Byng ihr die verdammten Schiffe zu Klump geschossen und in Weltraumschrott verwandelt hat, dann ist die einzige Person, der sie dafür die Schuld zuschieben kann, ja wohl sie sel …«

»Ach, Byng hat keines ihrer Schiffe ›zu Klump geschossen‹, Rajani«, fiel ihm Kolokoltsov kühl ins Wort. »Obwohl Gold Peak nur sechs Schlachtkreuzer dabei hatte, er hingegen siebzehn, hat sie sein Flaggschiff in … wie hatten Sie das noch so schön ausgedrückt? Ach ja: ›in Weltraumschrott verwandelt‹.«

Mitten in seinem Wutanfall hielt Rajampet inne und starrte Kolokoltsov ungläubig an.

»Großer Gott«, flüsterte Omosupe Quartermain.

Von allen hier Versammelten verabscheuten sie und Rajampet die Manticoraner vermutlich am meisten. Bei Rajampet lag es daran, dass die Royal Manticoran Navy sich weigerte, vor der uneingeschränkten Überlegenheit der Solarian League Navy angemessen zu katzbuckeln. Quartermain hingegen verabscheute die Manticoraner so abgrundtief, weil die Staatssekretärin für Handel dem Sternenimperium von Manticore ihren Wurmlochknoten verübelte, mit dessen Hilfe die manticoranische Handelsmarine das Speditionsgewerbe der gesamten Liga dominierte. Das bedeutete unter anderem, dass Quartermain sich sehr genau auszumalen vermochte, welchen Schaden das Sternenkönigreich von Manticore der gesamten Wirtschaft der Liga zufügen konnte, sollte das Sternenkönigreich beschließen, solarische Aggression auf dem Wirtschaftswege zu vergelten.

»Wie viele Schiffe haben die Mantys diesmal verloren?«, fuhr sie resigniert fort und dachte ganz offenkundig bereits darüber nach, welche Wiedergutmachung das Sternenkönigreich der Liga abpressen könnte.

»Ach, die haben überhaupt keine Schiffe verloren«, erwiderte Kolokoltsov.

»Was?!« Rajampet explodierte förmlich. »Das ist doch absoluter Schwachsinn! Kein solarischer Flaggoffizier wird sich totstellen und so etwas mit sich machen lassen, ohne …!«

»Rajani, vielleicht sollten Sie sich einmal mit Admiral Sigbees Bericht befassen. Nach Admiral Byngs … Ableben hat Sigbee das Kommando übernommen. Und die Mantys waren so freundlich, uns zusammen mit ihrer diplomatischen Notiz auch Sigbees Depeschen zukommen zu lassen. Laut unserem eigenen Sicherheitsdienst haben sie besagte Datei nicht einmal vorher geöffnet, um sie zu lesen. Anscheinend sahen sie dazu keinerlei Veranlassung.«

Dieses Mal fehlten Rajampet ganz offenkundig die Worte. Er saß nur dort und starrte Kolokoltsov an. Der Diplomat zuckte mit den Schultern.

»Laut einer Zusammenfassung von Admiral Sigbees Bericht haben die Mantys Admiral Byngs Flaggschiff, die Jean Bart, mit einer einzigen Salve zerstört – abgefeuert aus einer Entfernung, die weit jenseits der maximalen Reichweite unserer eigenen Schiffe lag. Sein Flaggschiff wurde vollständig zerstört, Rajani. Keine Überlebenden. Admiral Gold Peak – die sich, wie ich vielleicht noch anmerken sollte, als niemand anderes herausstellte als Königin Elizabeths Cousine ersten Grades und fünfte in der Thronfolge von Manticore – hatte unmissverständlich erklärt, sie werde sämtliche von Byngs Schiffen zerstören, sollte man ihren Forderungen nicht nachkommen. Unter diesen Umständen hat sich Admiral Sigbee – unter Protest, wie ich wohl kaum hinzuzufügen brauche – schließlich gefügt.«

»Sie hat …« Rajampet brachte es nicht fertig, den Satz zu beenden, doch Kolokoltsov nickte trotzdem.

»Sie hat kapituliert, Rajani«, sagte er in einem etwas versöhnlicheren Tonfall. Ruckartig schloss der Admiral den Mund.

Er war mittlerweile nicht mehr der Einzige, der Kolokoltsov in ungläubigem Entsetzen anstarrte. Alle anderen schienen ebenfalls wie betäubt. Kolokoltsov zog eine gewisse Befriedigung daraus, auf ihren Gesichtern ein perfektes Abbild seiner eigenen ursprünglichen Reaktion ob dieses Berichtes zu erleben. Das allerdings war, wie er sich eingestehen musste, auch das Einzige, was ihm an diesem Tag eine gewisse Befriedigung verschaffte.

An sich hätten der Verlust eines einzigen Schiffes und die Kapitulation von etwa zwanzig weiteren – wenn man Byngs Flankensicherungs-Kreuzer mitzählte – kaum als Katastrophe für die Solarian League Navy gewertet werden müssen. Die SLN war die größte Flotte der Galaxis. Wenn man die Schiffe im aktiven Dienst und die Geschwader aus der Reserveflotte zusammennahm, kam diese Navy auf beinahe elftausend Superdreadnoughts – und dabei waren noch gar nicht die Tausende von Schlachtkreuzern, Kreuzern und Zerstörern der Schlacht- und der Grenzflotte mitgezählt … oder die zahllosen Schiffe der verschiedenen Systemverteidigungskräfte, die einige der wohlhabenderen Mitglieder der Liga eigenständig unterhielten, um vor Ort die Sicherheit ihrer Bürger zu garantieren. Angesichts einer solchen Feuerkraft und eines derartigen Übergewichts an Tonnage, bedeuteten die Zerstörung eines einzelnen Schlachtkreuzers und der Verlust einer Besatzung von vielleicht zweitausend Mann nur eine Kleinigkeit. Es war auf jeden Fall, relativ gesehen, ein ungleich geringerer Verlust als das, was die Manticoraner erlitten hatten, als Byng drei ihrer neuesten Zerstörer ohne jede Vorwarnung aus dem All fegte.

Doch dieser eine Schlachtkreuzer war das erste solarische Kriegsschiff seit Jahrhunderten gewesen, das bei Kampfhandlungen zerstört worden war. Und noch nie hatte ein Admiral der Solaren Liga kapituliert. Bis jetzt.

Und genau das ist es, was die anderen so beunruhigt, dachte Kolokoltsov kühl. Genau so, wie es ihn selbst beunruhigte. Die Allmacht der Solarian League Navy war das Fundament der gesamten Liga. Der ganze Sinn der Liga war es doch, interstellar für Ordnung zu sorgen, die Interaktion der einzelnen Mitglieder untereinander zu sichern und zu fördern und den Wohlstand und die Souveränität besagter Mitglieder zu garantieren. Es hatte Zeiten gegeben – sogar häufiger, als Kolokoltsov noch zählen konnte –, in denen Rajampet und seine Vorgänger erbittert um Finanzierungsmittel gekämpft hatten. Schließlich war es ja ganz offensichtlich, dass keine Sternnation, feindlich oder nicht, jemals die Sicherheit der Liga gefährden konnte – nicht einmal dann, wenn sich mehrere Sternnationen zusammentäten. Doch während sie darum gerungen hatten, die Finanzierung zu erhalten, die ihnen vorschwebte, hatte doch niemals die Gefahr bestanden, sie bekämen nicht die Gelder, die sie tatsächlich benötigten. Keiner ihrer Bürokraten-Kollegen hatte jemals auch nur ernstlich in Erwägung gezogen, den Etat der Navy zu beschneiden – und schon gar nicht in drastischem Ausmaße.

Zum Teil ließ sich das damit erklären, dass die Grenzflotte, so groß sie auch sein mochte, niemals über genügend Schiffe verfügen könnte, um überall dort zu sein, wo sie gebraucht wurde, um ihre Aufgabe als Polizei der Liga zur Gänze zu erfüllen. Bei der Schlachtflotte hätte man schon deutlich eher Einschnitte vornehmen können. Nur dass die Schlachtflotte eben das größere Prestige besaß. Außerdem war sie in der bürokratischen Grundstruktur der Liga noch ungleich tiefer verankert als die Grenzflotte. Ganz zu schweigen davon, dass sie über deutlich mehr Beziehungen zur Industrie verfügte, schließlich waren Verträge zum Bau weiterer Superdreadnoughts immens lukrativ. Doch selbst der fanatischste Reformer, der unbedingt Etats kürzen wollte (vorausgesetzt, ein solches Fabelwesen existierte überhaupt in der Solaren Liga) hätte kaum Verbündete gefunden, wenn er es gewagt hätte, über Etatkürzungen bei der Navy auch nur nachzudenken. Die Unterstützung der Flotte war für die gesamte Wirtschaft entschieden zu bedeutend. All die Schirmherrschaft, die man sich mit der Auszahlung derartig gewaltiger Summen erkaufte, war entschieden zu wichtig, als dass man sie einfach aufgeben könnte. Und schließlich war es ja auch essenziell für den Einfluss der Liga im Allgemeinen und des Liga-Amtes für Grenzsicherheit im Besonderen, dass auch jeder andere von der Unbesiegbarkeit der Navy überzeugt war.

Doch jetzt hatte man diese Unbesiegbarkeit infrage gestellt. Schlimmer noch, auch wenn Kolokoltsov kein Experte war, was Angelegenheiten der Flotte betraf: alleine schon die Zusammenfassung von Sigbees Depeschen stellte unmissverständlich klar, wie entsetzt sie ob der maximalen Reichweite – und der tödlichen Wirkung – dieser manticoranischen Raketen war.

»Sie hat kapituliert«, wiederholte der Permanente Leitende Staatssekretär des Innenministeriums MacArtney langsam – nur um sicherzugehen, dass er sich nicht verhört hatte.

Kolokoltsov war ernstlich überrascht, dass einer seiner Zuhörer sich so rasch erholt haben sollte – vor allem, wenn es dabei auch noch um MacArtney ging. Das Liga-Amt für Grenzsicherheit fiel in den Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums, und nach Rajampet war es eben MacArtney, dessen Aufgaben und … Arrangements am meisten darunter zu leiden hätten, wenn der Rest der Galaxis ernstlich infrage stellte, die Solarian Navy sei unbesiegbar.

»Genau«, bestätigte Kolokoltsov. »Und die Mantys sind an Bord ihrer Schiffe gegangen und haben die Computer beschlagnahmt – Computer, die noch voll und ganz einsatzfähig waren, mit vollständigen Datensätzen. Als man Sigbee ›gestattet‹ hat, ihre Depeschen zusammen mit der von Admiral Gold Peak abzusenden, sodass wir ihren Bericht so rasch wie möglich erhielten, hatte sie keine Ahnung, was die Mantys mit ihren Schiffen vorhatten.«

»Großer Gott«, wiederholte Quartermain und schüttelte den Kopf.

»Sigbee hat nicht einmal die Datenkerne löschen können?«, fragte MacArtney ungläubig nach.

»Da Gold Peak gerade eines ihrer Schiffe in kleine Trümmer zerschossen hatte, durfte der Admiral wohl davon ausgehen, dass die Mantys einfach weitermachen und noch mehr feuern würden, sollten sie entdecken, dass die Datenkerne gelöscht wurden«, gab Kolokoltsov zurück.

»Aber wenn die jetzt alle ihre Daten haben, einschließlich der Verschlusssachen …«

MacArtney beendete den Satz nicht, und Kolokoltsov verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln.

»Dann verfügen die Mantys jetzt über eine gewaltige Menge unserer geheimen technischen Daten«, stimmte er dem Staatssekretär zu. »Und schlimmer noch: Das waren Schiffe der Grenzflotte.«

MacArtney sah aus, als werde er sich jeden Moment übergeben. Er wusste sogar noch besser als Kolokoltsov, wie der Rest der Galaxis darauf reagieren mochte, wenn einige der offiziellen, streng geheimen Ausweichpläne an die Öffentlichkeit gerieten, die auf den Computern aller Flaggschiffe der Grenzflotte abgespeichert waren.

Noch einmal senkte sich betäubtes Schweigen über den Konferenzraum. Schließlich räusperte sich Wodoslawski.

»Was besagte denn die Note der Mantys, Innokentiy?«, fragte sie.

»Sie besagte, dass die Daten, die sie in Byngs Computern gefunden haben, gänzlich mit den Daten übereinstimmen, die sie uns bereits haben zukommen lassen. Weiterhin weisen sie darauf hin, dass ihnen Sigbees Aufzeichnung von Byngs Befehl vorliegt, das Feuer auf die manticoranischen Zerstörer zu eröffnen. Sie haben auch eine Kopie des Funkverkehrs zwischen Gold Peak und Byng angehängt und betont, dass Gold Peak Byng nicht nur mehrmals gewarnt hat, sie werde das Feuer eröffnen, falls er ihren Anweisungen nicht Folge leiste. Vielmehr hat sie den Admiral auch darauf hingewiesen, dass sie in der Lage wäre, seine Schiffe auch über deren maximale Reichweite hinaus zu zerstören. Im Übrigen hat Sigbee bezeugt, dass die Kopien aus ihrer Signalabteilung mit den Originalen gänzlich übereinstimmen.

Mit anderen Worten: die Mantys haben uns gesagt, ihre ursprüngliche Interpretation dessen, was mit ihren Zerstörern passiert ist, wurde voll und ganz bestätigt. Weiterhin ist der Admiral, der für diesen Zwischenfall verantwortlich war, mittlerweile gestorben – zusammen mit der gesamten Besatzung seines gänzlich zerstörten Flaggschiffes –, weil er diese Forderungen zurückgewiesen hat. Und nur für den Fall, dass uns das irgendwie entgangen sein sollte, haben sie deutlich herausgestellt, dass Byngs Handeln vor New Tuscany gemäß geltendem interstellarem Recht als kriegerischer Akt anzusehen sei. Gemäß dem gleichen Recht sei Admiral Gold Peaks Reaktion gänzlich legitim. Tatsächlich« – er entblößte die Zähne, doch niemand hätte das mit einem Lächeln verwechselt – »haben sie sogar noch betont, welche Zurückhaltung Gold Peak unter diesen Umständen doch hat walten lassen. Schließlich war Byngs gesamter Kampfverband ihr gänzlich ausgeliefert, und sie hat ihm mindestens drei Mal die Gelegenheit gegeben, ihren Forderungen nachzukommen, ohne dass es dann zu einem Blutvergießen gekommen wäre.«

»Die haben der Solaren Liga den Krieg erklärt?« Abruzzi schien außerstande, diesen Gedanken zu begreifen. Und das entbehrte nach Kolokoltsovs Ansicht nicht einer gewissen Ironie, denn er hatte schließlich völlig unbekümmert verkündet, die Manticoraner wollten sich bloß aufspielen und suchten deswegen eine möglichst medienwirksame, aber gänzlich harmlose Konfrontation mit der Liga, um in ihrer Heimat die Moral der Bevölkerung ein wenig aufzupolstern.

»Nein, sie haben der Liga nicht den Krieg erklärt«, beantwortete der Diplomat die Frage. »Tatsächlich haben sie sogar ausdrücklich davon abgesehen … bislang, zumindest. Ich würde nicht behaupten wollen, ihrer diplomatischen Note würde es an Schärfe fehlen – um ehrlich zu sein, ist das die aggressivste diplomatische Note, die ich jemals an die Liga gerichtet gesehen habe. Und sie geben uns auch unmissverständlich zu verstehen, dass de facto der Kriegszustand bereits existiert, und das aufgrund des Handelns eines unserer Flaggoffiziere. Aber sie haben auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht von vornherein jegliche Möglichkeit einer Lösung auf diplomatischem Wege ausschließen.«

»Auf diplomatischem Wege?!«, platzte Rajampet heraus. Mit der Faust hieb er auf den Konferenztisch. »Scheiß auf die und ihre ›Lösung auf diplomatischem Wege‹! Sie haben ein solares Kriegsschiff zerstört und Angehörige der Solaren Flotte getötet! Mir ist doch völlig egal, ob die einen Krieg nun wollen oder nicht – sie haben ihn schon!«

»Meinen Sie nicht, es wäre eine gute Idee, sich Sigbees Depeschen und die Daten, die uns die Mantys geschickt haben, wenigstens erst einmal anzusehen, Rajani?«, fragte MacArtney beißend. Der Admiral bedachte ihn mit einem finsteren Blick, den MacArtney ungerührt erwiderte. »Haben Sie Innokentiy gerade überhaupt zugehört? Gold Peak hat die Jean Bart über eine Entfernung hinweg zerstört, die über Byngs Maximalreichweite hinausging! Wenn die einen derartigen Reichweitenvorteil haben, dann …«

»Dann ist das auch scheißegal!«, bellte Rajampet. »Wir reden hier über gottverdammte Schlachtkreuzer, Nathan! Schlachtkreuzer – und dazu auch noch Schlachtkreuzer von der Grenzflotte. Die haben doch nicht einmal ansatzweise die Nahbereichsabwehr eines Wallschiffs, und kein Schlachtkreuzer kann den Schaden einstecken, den ein Wallschiff hinnimmt, ohne auch nur ins Schwanken zu geraten! Es ist mir völlig egal, wie viele tolle neue Raketen die haben! Die können unmöglich die Schlachtflotte aufhalten, wenn wir mit vier- oder fünfhundert Superdreadnoughts geradewegs auf sie zuhalten – vor allem nach den Verlusten, die sie schon bei dieser verdammten Schlacht von Manticore hinnehmen mussten.«

»Ich fände diesen Gedanken durchaus beruhigender, wenn nicht sämtliche Berichte darauf hinweisen würden, dass sie während besagter Schlacht anscheinend etwa drei- oder vierhundert havenitische Superdreadnoughts ausgeschaltet haben«, merkte MacArtney in noch beißenderem Tonfall an.

»Na und?«, höhnte Rajampet. »Ein gottverdammter Barbarenstamm, der einen anderen verprügelt! Was hat denn das mit uns zu tun?«

MacArtney starrte ihn an, als könne er schlichtweg nicht verstehen, was Rajampet da gerade gesagt hatte. Kolokoltsov konnte es ihm wirklich nicht verübeln. Selbst wenn man berücksichtigte, dass diese Ereignisse den Chef des Admiralstabes gänzlich kalt erwischt hatten …

»Entschuldigen Sie, Rajani«, ergriff der Diplomat wieder das Wort, »aber haben unsere Wallschiffe und unsere Schlachtkreuzer nicht die gleiche Maximalreichweite?« Rajampet blickte ihn finster an, doch dann nickte er. »Dann sollten wir wohl davon ausgehen, dass deren Wallschiffe zumindest die gleiche Reichweite haben wie ihre Schlachtkreuzer. Und das bedeutet, dass sie uns gegenüber ebenfalls einen Reichweitenvorteil haben. Und angesichts der Tatsache, dass die Republik Haven schon seit … was? … ach, ungefähr zwanzig T-Jahren gegen Manticore Krieg führt und immer noch existiert, sollten wir wohl auch davon ausgehen, dass die Haveniten es, was die Reichweite angeht, mit Manticore aufnehmen können. Wäre es anders, hätten sie ja wohl schon vor langer Zeit kapitulieren müssen. Wenn also die Mantys es geschafft haben, drei- oder vierhundert havenitische Superdreadnoughts zu kapern oder zu zerstören, obwohl sie über die gleiche Maximalreichweite verfügen, wieso glauben Sie dann, sie könnten nicht auch fünfhundert unserer Schiffe aufhalten, wenn Manticore einen ernstzunehmenden Reichweitenvorteil hat? Ich meine, die Haveniten haben wenigstens zurückschießen können, wissen Sie?«

»Dann schicken wir eben tausend«, verkündete Rajampet. »Oder verdammt noch mal: doppelt so viele! Wir haben über zweitausend von diesen Dingern im aktiven Dienst! Dreihundert weitere befinden sich für die regelmäßige Wartung oder für Umbaumaßnahmen in den Werften, und wir haben noch mehr als achttausend in Reserve. Die haben den Haveniten ja vielleicht ordentlich in den Hintern getreten, aber die Berichte besagen auch, dass sie dafür ordentlich haben einstecken müssen. Die haben doch noch höchstens hundert ihrer Wallschiffe übrig! Und wie groß die Reichweite ihrer Raketen auch sein mag, man braucht Hunderte von Laser-Gefechtsköpfen, um einen einzigen Superdreadnought auszuschalten! Gegen die Masse an Antiraketen und Täuschkörpern, die fünf- oder sechshundert unserer Wallschiffe ’raushauen, bräuchten die doch noch viel, viel mehr Raketen als alles, was sie überhaupt noch haben und jemals abfeuern könnten.«

»Und Sie denken nicht, dass sie dabei trotzdem noch reichlich von unseren Schiffen zerstören und viele unserer Raumfahrer töten könnten?«, fragte Wodoslawski skeptisch nach.

»Ach, natürlich könnten die uns wehtun«, gestand Rajampet ein. »Aber sie könnten uns unmöglich aufhalten. Sie würden uns mehr Schaden zufügen, als die Navy jemals zuvor hat hinnehmen müssen. Aber darum geht es doch überhaupt nicht, Agatá!«

Skeptisch wölbte sie die Augenbrauen, und er stieß ein kurzes, scharfes – und sehr hässliches – Lachen aus.

»Natürlich geht es darum überhaupt nicht!«, fuhr er fort. »Es geht hier darum, dass eine dahergelaufene Neobarbaren-Navy das Feuer auf die SLN eröffnet, eines unserer Kriegsschiffe zerstört und eine vollständige solarische Kampfgruppe gekapert hat. Das können wir nicht einfach so hinnehmen. Was auch immer es kosten mag, wir müssen dafür sorgen, dass niemand – wirklich niemand! – sich mit der Navy der Liga anlegt. Wenn wir das nicht hier und jetzt deutlich klarmachen, wird nachher noch wer weiß wer beschließen, dass auch er der Flotte irgendein Ultimatum stellen kann!« Mit finsterer Miene blickte er zu MacArtney hinüber. »Gerade Sie sollten das doch am besten verstehen, Nathan!«

»Das stimmt schon«, erwiderte MacArtney, eindeutig unglücklich ob der Situation. »Ich verstehe, was Sie meinen.« Über den Konferenztisch hinweg blickte er seine Kollegen in Zivil an. »Die Wahrheit sieht folgendermaßen aus«, erklärte er. »So groß die Grenzflotte auch sein mag, sie kann trotzdem nicht überall dort auftauchen, wo sie gerade benötigt wird – und auf keinen Fall in hinreichender Stärke. Die Flotte schafft es zwar, in verschiedenen Sektor-Hauptquartieren und Stützpunkten in massierter Stärke aufzutreten, aber selbst dort wird es hin und wieder ganz schön eng. Und meistens schicken wir nur ein einzelnes Schiff aus – bestenfalls eine oder zwei Divisionen. Dann kümmert man sich dort um irgendwelche Krisenherde, sobald es dort ernst wird, weil wir es uns nicht leisten können, diese massierten Truppen zu schwächen, indem wir von denen weitere Einheiten abziehen. Rajani weist uns jetzt darauf hin, dass wir, eben weil wir manchmal so weit verteilt sind, sogar häufig nicht die Feuerkraft vor Ort haben, um unsere Politik auch durchzusetzen. Aber was wir vor Ort haben, das ist ein Repräsentant der gesamten Navy. Unter widrigen Umständen könnte eine unfreundlich gesinnte Macht durchaus über genug Feuerkraft verfügen, jegliches Kontingent, das wir ausgeschickt haben, deutlich wissen zu lassen, sie seien zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber das passiert nicht, weil sie eines ganz genau wissen: Wenn sie das tun, dann wird der Rest der Navy aufkreuzen – und zwar so viele Schiffe, wie eben nötig sind –, und sie völlig aufreiben.«

»Ganz genau«, stimmte Rajampet zu und nickte nachdrücklich. »Und genau darum geht es mir hier! Es ist mir völlig egal, wie verdammt überzeugt die Mantys sein mögen, im Recht gewesen zu sein! Ach, es ist mir sogar egal, ob sie vielleicht sogar wirklich im Recht waren! Und es ist mir herzlich egal, ob sie nun in Übereinstimmung mit geltendem, interstellarem Recht gehandelt haben! Mich interessiert nur, dass wir an denen ein Exempel statuieren müssen! Sonst haben wir bald jede Menge anderer Neobarbaren am Hals, aus allen Teilen der Galaxis, die plötzlich meinen, auch sie könnten sich einfach so mit der Solaren Liga anlegen.«

»Moment.« Malachai Abruzzi schüttelte kurz den Kopf, dann blickte er zu Kolokoltsov hinüber. »Bevor wir diesen Gedanken weiterverfolgen: was haben Sie gemeint, als Sie von der ›Diskretion der Mantys den Medien gegenüber‹ gesprochen hatten, Innokentiy?«

»Ich habe damit gemeint, dass die Informationen über Byngs Angriff auf ihre Zerstörer – und auch ihre Reaktion darauf – am selben Tag bei den Medien gelandet sind, an dem sie uns ihre Note haben zukommen lassen«, antwortete Kolokoltsov tonlos. Ungläubig starrte Abruzzi ihn an. Der Permanente Leitende Staatssekretär für Äußere Angelegenheiten verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln. »Ich denke, man wird uns schon bald darauf ansprechen«, fuhr er fort, »schließlich haben die Mantys in ihrer Note ausdrücklich erklärt, sie würden die Meldung exakt sechs Stunden, nachdem ihr Kurierboot mit Kurs auf Alterde den Knoten passiert hat, an die Medien weitergeben.«

»Sie haben die Meldung bereits freigegeben?« Abruzzi schien wie betäubt – in einer Art und Weise, wie es nicht einmal der Bericht über die Zerstörung der Jean Bart geschafft hatte.

»Das haben sie uns zumindest mitgeteilt.« Kolokoltsov zuckte mit den Schultern. »Wenn man es genau nimmt, hatten sie eigentlich auch gar keine andere Wahl. Seit dem ersten Zwischenfall sind mittlerweile zwei Monate vergangen, und die Signalverzögerung von New Tuscany nach Manticore beträgt gerade einmal drei Wochen. So eine Riesensache muss doch recht rasch bei der Presse landen, nachdem Byng es erst einmal geschafft hat, sich aus dem All sprengen zu lassen.« Rajampets Augen funkelten gefährlich angesichts dieser Wortwahl, doch das schien Kolokoltsov nicht sonderlich zu interessieren. »Unter diesen Umständen haben sich die Mantys vielleicht gedacht, allzu lange könnten sie das nicht mehr totschweigen. Also haben sie dafür gesorgt, dass ihre Sicht der Dinge verdammt noch mal als Erstes an die Öffentlichkeit gelangt – vor allem an ihre eigenen Leute.«

»Dann haben diese Mistkerle uns tatsächlich in die Ecke gedrängt«, fauchte Rajampet. »Wenn die wirklich schon die ganze Galaxis darüber informiert haben, dann haben wir doch jetzt noch weniger die Wahl, wie wir denn nun reagieren wollen.«

»Jetzt warten Sie aber mal, Rajani!«, versetzte Abruzzi scharf. Der Admiral warf ihm einen finsteren Blick zu – den der Permanente Leitende Staatssekretär für Bildung und Information ungerührt erwiderte. »Wir haben im Moment doch noch überhaupt keine Ahnung, wie die ihre eigene Verwicklung in diese ganze Sache geschildert haben. Solange wir nicht wissen, wie sie das darstellen, können wir doch überhaupt noch nicht entscheiden, wie unsere Reaktion darauf aussehen muss! Und das eine können Sie mir glauben: Wir werden hier sehr, sehr vorsichtig vorgehen müssen.«

»Warum das denn?«, fauchte Rajampet.

»Weil die Wahrheit nun einmal so aussieht: Ihr idiotischer Admiral war im Unrecht – zumindest beim ersten Mal«, versetzte Abruzzi kühl und blickte dem zornigen Admiral fest in die Augen. »Wir können diesen Zwischenfall nicht diskutieren, ohne zumindest das einzugestehen. Und wenn die öffentliche Meinung zu dem Schluss kommt, Byng sei im Unrecht gewesen, und die Mantys hätten recht gehabt, und wenn wir uns dann auch nur den kleinsten Fehler erlauben, dann wird dieser Schlamassel mit Technodyne und Monica im Vergleich dazu aussehen wie eine Kissenschlacht!«

»Wenn das so ist, dann ist das eben so«, erwiderte Rajampet tonlos.

»Sie erinnern sich schon noch daran, dass die Verfassung jedem einzelnen Mitgliedssystem das Vetorecht zuspricht, oder?«, fragte Abruzzi nach. Rajampets Blick wurde noch finsterer, und der Staatssekretär zuckte mit den Schultern. »Wenn es darauf hinausläuft, dass Sie eine förmliche Kriegserklärung benötigen, meinen Sie nicht auch, dass dann das eine oder andere System vielleicht versucht sein könnte, von diesem Recht auch Gebrauch zu machen? Beowulf zum Beispiel?«

»Wir brauchen doch gar keine gottverdammte Kriegserklärung! Das ist ein eindeutiger Fall von Notwehr! Wir reagieren darauf, dass unsere Schiffe und unsere Truppen angegriffen wurden! Die Art und Weise, in der unser Gerichtshof Artikel Sieben interpretiert, hat schon immer die Auslegung unterstützt, es stehe der Navy frei, einem derartigen Angriff mit jeder erforderlichen Härte zu begegnen.«

Darauf wollte Kolokoltsov gerade etwas erwidern, doch dann zwang er sich innezuhalten. Rajampet hatte nicht ganz unrecht, was die Auslegung von Artikel Sieben der Liga-Verfassung betraf … zumindest historisch gesehen. Absatz Drei besagten Artikels bezog sich ausdrücklich auf Situationen, in denen die SLN auf Notsituationen reagieren musste, ohne Wochen oder gar Monate lang darauf warten zu können, dass die Berichte erst einmal die Hauptstadt erreichten, um dort dann ausgiebig überdacht zu werden. Schließlich konnte man so eine förmliche Kriegserklärung nicht einfach übers Knie brechen! Allerdings hatten die Urheber der Verfassung mit Artikel Sieben Absatz Drei keineswegs beabsichtigt, einen Freifahrtschein auszustellen. Und wenn Rajampet die Navy wirklich in den Kriegszustand versetzen wollte – also beispielsweise aus der Reserveflotte weitere Superdreadnoughts zu mobilisieren –, dann würde irgendjemand zweifellos darauf hinweisen, dafür sei die mit eben einer solchen förmlichen Erklärung einhergehende Autorisierung erforderlich. Und jemand anderes würde dann sofort Rajampets Position stützen.

Und dann haben wir auch noch eine Verfassungskrise am Hals, nicht bloß eine rein militärische Krise, dachte Kolokoltsov grimmig. Prächtig.

Er fragte sich, wie vielen seiner Kollegen überhaupt bewusst war, womit sie es hier zu tun hatten. Wäre Rajampet letztendlich tatsächlich in der Lage, Manticore rasch zu zermalmen, dann würde gewiss zügig Gras über die ganze Sache wachsen – so wie es in der langen Geschichte der Liga schon häufig vorgekommen war. Aber wenn die Navy Manticore nicht einfach überrennen konnte, wenn sich diese Angelegenheit zu einer ganzen Reihe blutiger Fiaskos auswüchse, dann würde nicht einmal ein noch so überzeugender Sieg, wenn er denn schließlich errungen wäre, die Schockwellen aufhalten können, die dann das gesamte Geflecht bürokratischer Lehnsgüter durchlaufen würden – jenes Geflecht, das die ganze Liga überhaupt zusammenhielt.

Abruzzis Verhalten ließ Kolokoltsov vermuten, dass zumindest Malachai, wenn auch sonst niemand, eine vage Vorstellung davon hatte, wie gefährlich eine solche Entwicklung werden konnte. Für Wodoslawski galt das vermutlich ebenfalls, auch wenn das bei ihr schwieriger zu beurteilen war. Rajampet besaß den erforderlichen Weitblick ganz offensichtlich nicht, und Kolokoltsov hatte keine Ahnung, ob MacArtney und Quartermain in der Lage waren, über die unmittelbaren möglichen Konsequenzen für ihre jeweiligen Ministerien hinauszudenken.

»Ich stimme Ihnen zu, was die historische Auslegung von Artikel Sieben betrifft, Rajani«, sagte er schließlich. »Aber ich denke, es wäre sehr ratsam, sich bezüglich der entsprechenden Präzedenzfälle noch einmal mit Brangwen abzusprechen. Und Sie sollten sicherstellen, dass der Rest des Justizministeriums mit Ihnen da an einem Strang zieht.«

»Selbstverständlich werde ich mich mit ihr absprechen«, gab Rajampet ein wenig ruhiger zurück. »Aber in der Zwischenzeit bin ich doch sehr zuversichtlich, dass mir die Autorität zukommt, umsichtige militärische Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.« Er lächelte schmal. »Und da ist immer noch das alte Sprichwort, Angriff sei die beste Verteidigung.«

»Das mag wohl sein«, erwiderte Abruzzi. »Und ich stimme Ihnen auch so weit zu, dass es normalerweise deutlich einfacher ist, im Nachhinein um Vergebung zu bitten, als zuvor eine Erlaubnis zu erhalten. Aber ich möchte auch anmerken, dass sich diese Lage kaum mit dem Wort ›normalerweise‹ beschreiben lässt. Wenn Sie also die Absicht haben, dem Parlament die ganze Sache so zu verkaufen, dass ein paar der Wichtigtuer nicht auf die Idee kommen, alle möglichen Kommissionen einzurichten und jede Menge Anhörungen abzuhalten, werden wir das alles trotzdem sorgfältig vorbereiten müssen. Einige dieser Leute da sind der Ansicht, eigentlich sollten sie die Leitung des Ganzen innehaben, wissen Sie? Und wer so denkt, wird vermutlich versuchen, diese Lage auszunutzen. Solange diese Leute keinen deutlichen Rückhalt aus der Bevölkerung erhalten, werden sie nicht allzu viel ausrichten können – die ganze Trägheit des Systems steht ihnen da im Weg. Aber wenn wir verhindern wollen, dass sich die öffentliche Meinung hinter diese Wichtigtuer stellt, dann werden wir deutlich zeigen müssen, dass Ihnen, Rajampet, nicht nur diese Autorität zukommt, sondern auch, dass wir in Bezug auf diese spezielle Konfrontation ganz und gar im Recht sind.«

»Trotz Ihrer Bemerkung über meinen ›idiotischen Admiral‹?« Vor Zorn schien Rajampets Stimme beinahe zu brechen.

»Falls Sie sich durch diese Beschreibung beleidigt gefühlt haben sollten, bedauere ich das.« Abruzzi verschwendete keine Mühe darauf, sonderlich zerknirscht zu klingen. »Aber es bleibt nun einmal dabei: er war im Unrecht.«

»Und wie wollen Sie dann die ›Öffentliche Meinung‹ davon überzeugen, wir seien im Recht, wenn wir die Mantys so zerschmettern, wie sie es verdienen?«

»Wir werden lügen.« Abruzzi zuckte die Achseln. »Ist ja nicht so, als wäre es das erste Mal. Und letztendlich bestimmt immer der Sieger, was die Wahrheit ist. Aber um die Art und Weise, in der die Mantys das Ganze darstellen, effektiv zu diskreditieren, muss ich sie erst einmal kennen. Und wir können keinerlei militärische Bewegungen einleiten, solange ich nicht die erforderlichen Vorarbeiten geleistet habe.«

»›Vorarbeiten‹.« Dieses Mal war Rajampets Hohn kaum noch verhohlen. Dann stieß er ein raues Schnauben aus. »Gut. Dann leisten Sie Ihre ›Vorarbeiten‹. Aber letztendlich werden meine Superdreadnoughts die ganze eigentliche Arbeit leisten.«

Abruzzi wollte schon etwas erwidern, doch Omosupe Quartermain fiel ihm ins Wort.

»Wir sollten uns nicht zu übereilten Reaktionen hinreißen lassen«, sagte sie. Die anderen blickten sie an, und nun war es an ihr, die Achseln zu zucken. »Ganz egal, was da passiert ist, wir sollten nicht automatisch davon ausgehen, ein militärischer Gegenschlag sei unausweichlich. Sie haben gesagt, die Mantys hätten die Möglichkeit einer Lösung auf diplomatischem Wege nicht ausgeschlossen, Innokentiy. Na, ich vermute mal, die denken an eine offizielle Entschuldigung unsererseits. Sie rechnen wahrscheinlich auch damit, dass wir ihnen Reparationszahlungen anbieten. Und wenn wir den Spieß einfach umdrehen? Selbst die Mantys müssen doch in der Lage sein, die gleichen Überlegungen anzustellen, die Rajani uns gerade vorgetragen hat. Denen muss doch auch klar sein: Wenn es hart auf hart kommt, dann kann jeglicher qualitative Vorteil, den sie vielleicht haben mögen, unmöglich unseren quantitativen Vorteil ausgleichen. Was wäre, wenn wir ihnen übermitteln würden, wir seien entrüstet ob ihrer Arroganz, diese Konfrontation einseitig derart eskalieren zu lassen, bevor ihnen überhaupt unsere Reaktion auf ihre erste Note vorliegt? Was, wenn wir sie wissen ließen, wir seien der Ansicht, dieses ganze zusätzliche Blutvergießen vor New Tuscany sei aufgrund eben dieser Eskalation ganz alleine ihre Schuld, wie auch immer Byng auf ihr Ultimatum reagiert haben mag? Was, wenn wir ihnen sagen, wir würden auf eine offizielle Entschuldigung und auf Reparationszahlungen von ihnen bestehen, anderenfalls würden wir ihnen offiziell den Krieg erklären und ihr ganzes ›Sternenimperium‹ zerstören?«

»Sie meinen, wir sollten denen am Verhandlungstisch die Hölle heiß machen? Wir sollten ›ein Stück Fleisch von ihrem Fleisch‹ verlangen – gerade groß genug, dass sie es irgendwie überstehen können, weil wir auf diese Weise dafür sorgen würden, dass niemand sonst dämlich genug ist, so etwas jemals wieder zu versuchen?«, sagte Abruzzi nachdenklich.

»Ich weiß nicht recht.« Wodoslawski schüttelte den Kopf. »Nach dem, was Sie eben über den Tonfall dieser Note der Mantys gesagt haben, und darüber, was die Mantys bereits unternommen haben, sollten wir da nicht davon ausgehen, dass sie bereit wären, notfalls auch genau das zu riskieren? Hätten die es denn gewagt, es überhaupt so weit kommen zu lassen, wenn sie nicht auch bereit wären, noch einen Schritt weiter zu gehen?«

»Es ist ziemlich leicht, mutig zu tun, bevor der Gegner tatsächlich den Pulser auf einen richtet«, merkte Rajampet an.

In einer Mischung aus Skepsis und Überraschung blickten die anderen ihn an. Der Chef des Admiralstabes stieß einen Grunzlaut aus.

»Das gefällt mir wirklich nicht«, gestand er. »Und ich bleibe bei dem, was ich vorhin gesagt habe – wir können das nicht zulassen. Wir können denen das nicht einfach durchgehen lassen. Aber das heißt nicht, dass es sich nicht lohnen würde, es zunächst mit Omosupes Idee auszuprobieren. Falls die sich unterwürfig genug entschuldigen, und falls sie bereit sind, Gold Peak über die Klinge springen zu lassen … und falls sie bereit sind, eine hinreichend hohe Reparationszahlung ’rauszurücken, dann werden wir in einer Position sein, aus der heraus wir guten Gewissens Zurückhaltung üben können, statt dieses armselige kleine Sternenimperium einfach zu zermalmen. Und wenn die einfach zu blöde sind, das Unausweichliche zu akzeptieren«, er zuckte mit den Schultern, »dann schicken wir halt so viele Einheiten der Schlachtflotte wie nötig zu ihnen und zerquetschen sie wie ein lästiges Insekt.«

Es ist doch offenkundig, welchen Ausgang er für diesen Zwischenfall erwartet, ging es Kolokoltsov durch den Kopf. Und das Schlimme war: so lohnenswert Quartermains Idee auch sein mochte, letztendlich würde Rajampet vermutlich sogar recht behalten. Offensichtlich dachte Wodoslawski genau das Gleiche.

»Ich denke, wir sollten eine Kosten-Nutzen-Analyse aufstellen, bevor wir uns für irgendwelche militärischen Lösungen entscheiden«, sagte sie. »Omosupe, Sie haben ja bessere Beziehungen zum Wirtschaftsministerium, also werden Sie auch am schnellsten herausfinden, welche Auswirkungen es hätte, wenn Manticore unseren Schiffen jeglichen Zugang zu sämtlichen ihrer Wurmlöcher verwehrt. Wahrscheinlich würde es unsere Wirtschaft schon beachtlich schwächen, wenn die Mantys ihre Handelsschiffe von den Frachtrouten der Liga abzögen. Aber ob das wirklich stimmt oder nicht: selbst ohne die Zahlen gesehen zu haben, kann ich Ihnen sagen, dass es unsere Finanzmärkte empfindlich treffen würde, wenn die Mantys die interstellaren Finanztransaktionen in dem Maße stören, in dem sie es könnten.«

»Dann gibt es eben einen leichten Kursabfall.« Rajampet zuckte mit den Schultern. »Das hat’s schon öfter gegeben, auch ohne dass die Mantys dahintergesteckt hätten. Und es war nie mehr als nur ein sehr kurzlebiges Problem. Ich gebe zu, dass es dieses Mal etwas unschöner ausfallen könnte, aber selbst dann werden wir das überstehen. Und Sie sollten noch etwas anderes nicht vergessen, Agatá: Wenn wir das wirklich durchziehen, dann wird, wenn sich der Rauch erst einmal verzogen hat, der Manticoranische Wurmlochknoten der Solaren Liga gehören, nicht mehr den Mantys. Da sollten Ihre Spediteure doch einiges an Transitgebühren sparen, Omosupe! Und selbst wenn nicht«, er lächelte, und Habgier funkelte in seinen Augen, »würden diese ganzen Gebühren der Liga zukommen, nicht Manticore. Relativ betrachtet hätte das gar keinen so großen Einfluss auf das gesamte Bruttoligaprodukt, aber es sollte verdammt noch mal ausreichen, um die Kosten für diesen ganzen Krieg wieder ’reinzuholen! Und es wäre eine dauerhafte Einnahmequelle, die jedes Jahr aufs Neue einen ordentlichen Batzen in unsere Taschen spült.«

»Und damit hätten wir die Mantys auch im Rand nicht mehr am Hals«, merkte MacArtney bedächtig an. »Im Augenblick ist es in der Nähe von Talbott am schlimmsten, aber mir gefällt überhaupt nicht, dass diese Neobarbaren jetzt auch noch im Maya-Sektor herumschnüffeln.«

»Nun mal langsam, alle miteinander«, sagte Kolokoltsov mit fester Stimme. Alle blickten ihn an, und er schüttelte den Kopf. »Was auch immer wir tun oder nicht tun, wir werden das nicht heute Nachmittag an diesem Tisch entscheiden. Ziemlich genauso sind wir doch bei ihrer ersten Note verfahren, oder täusche ich mich? Korrigieren Sie mich, falls ich falschliegen sollte, aber so ganz geklappt hatte das ja nun nicht, oder? Außerdem hat Malachai ganz recht, was die Frage angeht, wie wir das für die Öffentlichkeit aufbereiten müssen. Erst möchte ich wissen, in welche Richtung die Mantys das in den Medien drehen. Und bevor wir irgendwelche Vorgehensweisen vorschlagen, möchte ich, dass wir erst einmal gründlich darüber nachdenken. Ich möchte alle uns vorliegenden Daten sorgfältig ausgewertet wissen. Ich möchte die bestmöglichen Modelle, was die Mantys militärisch gesehen wirklich aufzubieten haben, und ich wünsche eine realistische Abschätzung darüber, wie lange ein Militärschlag gegen die Mantys überhaupt dauern wird. Ich rede hier von möglichst pessimistischen Abschätzungen, Rajani. Ich würde lieber auf Nummer sicher gehen und diese Sache nicht mit übersteigertem Selbstbewusstsein angehen. Außerdem hätte ich gern ein paar Zahlen, und zwar von Agatá und von Ihnen, Omosupe, was uns ein ausgewachsener Krieg mit Manticore wirtschaftlich und finanziell tatsächlich kosten würde.«

Schweigen senkte sich über den Konferenztisch. Rajampets Schweigen wirkt mir ein bisschen zu mürrisch, dachte Kolokoltsov. Zugleich aber kam es ihm auch nachdenklich vor, und als er seinen Kollegen in die Augen blickte, sah er recht viel Zustimmung.

»Im Augenblick bin ich deutlich geneigt, Rajampets Argumentation zu folgen«, sagte Nathan MacArtney nach mehreren Sekunden des Schweigens. »Aber ich gebe Ihnen und Agatá ganz recht, dass wir erst wägen und dann wagen sollten, Innokentiy. Und tatsächlich sollte Malachai auch zunächst die Vorarbeiten erledigen. Und noch etwas: Wenn die Mantys Byngs Kampfverband ausgeschaltet haben, dann kann sich im Sektor selbst nicht mehr allzu viel befinden, womit wir in die Offensive gehen könnten. Und ich weiß verdammt noch mal genau, dass Lorcan Verrochio mit der Handvoll Schlachtkreuzern und Kreuzern der Grenzflotte, die er noch im Madras-Sektor hat, keine zusätzlichen Kampfeinsätze autorisieren wird! Ich denke nicht, dass die Mantys Ausschau nach einem weiteren Zwischenfall halten werden, solange sie mit diesem hier noch nicht fertig sind.«

»Das denke ich auch nicht«, stimmte Kolokoltsov ihm zu. »Andererseits sollten wir ziemlich rasch eine neue Note vorbereiten. Eine Note, in der wir deutlich genug zum Ausdruck bringen, wie unzufrieden wir angesichts dieser Lage sind, die aber dennoch ›besonnen und vernünftig‹ klingt. Wir sagen denen, wir werden uns bei ihnen melden, sobald wir Gelegenheit hatten, die uns zur Verfügung stehenden Informationen auszuwerten. Aber diese Note sollten wir meines Erachtens rascher zustellen lassen als die letzte. Ich werde dem Außenminister ›empfehlen‹, diese ernste, aber besonnene diplomatische Note allerspätestens morgen früh abzusenden.«

»Wie Sie meinen«, gab Rajampet zurück, und möglicherweise war in seinem Blick gerade etwas aufgeblitzt, das Kolokoltsov nicht sonderlich gefiel. »Ich denke, letztendlich wird es doch auf Kampfhandlungen hinauslaufen, aber ich bin durchaus bereit, zunächst einmal zu versuchen, genau das zu vermeiden.«

»Und Sie werden nicht eigenmächtig entscheiden, Verstärkung nach Meyers zu schicken?«, setzte Kolokoltsov nach und mühte sich nach Kräften, nicht allzu skeptisch zu klingen.

»Ich habe nicht die Absicht, Verstärkung nach Meyers zu schicken«, erwiderte Rajampet. »Aber ich werde mir auch nicht einfach nur tatenlos den Hintern plattsitzen! Ich schaue mir ganz genau an, was wir alles gegen Manticore zum Einsatz bringen können, falls es tatsächlich zu Kampfhandlungen kommt, und ich werde vermutlich auch schon zumindest einen Teil der Reserveflotte aktivieren und bemannen lassen. Aber solange wir nicht gemeinsam zu dem Schluss kommen, jetzt sei eine Änderung unserer Vorgehensweise angesagt, werde ich das Kräftegleichgewicht im Talbott-Gebiet genau so belassen, wie es gerade ist.« Er zuckte die Achseln. »Mehr können wir wegen der Signalverzögerung im Augenblick sowieso nicht tun.«

Kolokoltsov war immer noch nicht ganz zufrieden, und ihm behagte auch nicht, was er gerade im Blick seines Kollegen gesehen hatte. Doch genauer benennen konnte er es nicht, und so nickte er nur.

»Also gut«, sagte er und warf einen Blick auf sein Chrono. »Ich werde dafür sorgen, dass Ihnen allen eine vollständige Kopie dieser Note der Mantys zugeht, ebenso Sigbees Bericht und die zugehörigen technischen Daten. Um vierzehn Uhr liegt ihnen das Material vor.«

Kapitel 2

»Ich glaub das einfach nicht«, murmelte Flottenadmiral Winston Kingsford, der Kommandeur der Schlachtflotte. »Ich meine, ich habe ja schon immer gewusst, dass Josef die Mantys abgrundtief hasst, aber trotzdem …«

Er beendete den Satz nicht, als ihm bewusst wurde, was er da gerade gesagt hatte. Es war gewiss nicht die diplomatischste Anmerkung, die er sich hier hätte erlauben können, denn es war Flottenadmiral Rajampet persönlich gewesen, der vorgeschlagen hatte, Josef Byng zum Kommandeur von Kampfgruppe 3021 zu ernennen. Seinerzeit war Kingsford diese Entscheidung recht sonderbar vorgekommen, schließlich gehörte diese Kampfgruppe der Grenzflotte an, und Byng war, ebenso wie Kingsford selbst, ein Offizier der Schlachtflotte. Zudem hatte er damit gerechnet, Flottenadmiral Engracia Alonso y Yáñez werde dieser Ernennung widersprechen. Außerdem war er davon ausgegangen, Byng selbst werde dieses Kommando ablehnen. Aus dem Blickwinkel der Schlachtflotte betrachtet, war ein Kommando über Einheiten der Grenzflotte de facto eine Degradierung, und Josef Byng hatte dank seiner Familie genug Beziehungen, um dergleichen zu verhindern, wäre ihm daran gelegen.

Das alles brachte Kingsford dazu anzunehmen, es sei vielleicht keine so gute Idee, ein ›Ich hab’s ja gleich gesagt‹ auch nur anzudeuten, nachdem nun alles so katastrophal schiefgegangen war.

»Glauben Sie’s nur«, erwiderte Rajampet düster.

Die beiden saßen in Rajampets verschwenderisch ausgestattetem Büro in der Spitze des vierhundert Stockwerke hohen Navy-Gebäudes. Der Ausblick, der sich durch die – echten – Fenster bot, war spektakulär. In vielleicht dreißig oder vierzig Jahren würde in diesem Raum ganz bestimmt ein gewisser Winston Kingsford residieren.

Vorausgesetzt, er baute in der Zwischenzeit nicht allzu viel Mist.

»Haben Sie sich die Technik-Unterlagen schon angeschaut, Sir?«, fragte er.

»Noch nicht.« Rajampet schüttelte den Kopf. »Ich bezweifle doch sehr, dass sich darin Hinweise auf irgendwelche manticoranische Superwaffen finden werden. Selbst wenn die so etwas wirklich haben sollten, hätten sie ganz gewiss alle diesbezüglichen Daten gelöscht, bevor Material an uns weitergegeben wurde. Und da Sigbee mit sämtlichen ihrer Schiffe kapituliert hat, werden die Mantys wohl ganze Arbeit geleistet haben, solche Daten auch von deren Computern zu entfernen. Also werden wir hier wohl kaum allzu viel über ihre Technik erfahren – obwohl sie uns in all ihrem Großmut unser Eigentum zurückgegeben haben.«

»Wenn Sie gestatten, Sir, werde ich das Material trotzdem an Karl-Heinz und Hai-shwun weiterleiten.«

Admiral Karl-Heinz Thimár leitete das Office of Naval Intelligence, den Flottennachrichtendienst der Solaren Navy, und Admiral Cheng Hai-shwun war der Leiter des Amtes für Operationsanalyse. OpAn war die größte Abteilung des ONI, und damit war Cheng Thimárs Stellvertreter … und zugleich auch derjenige, der diesen ganzen Schlamassel hätte kommen sehen müssen.

»Selbstverständlich«, stimmte Rajampet zu und wischte mit einer herrischen Handbewegung jegliche Bedenken seines Untergebenen beiseite. Dann kniff er die Lippen zusammen. »Aber geben Sie das Material noch nicht weiter, bevor ich nicht persönlich mit Karl-Heinz geredet habe. Irgendjemand muss ihm das mit Karlotte erzählen. Ich denke, das werde wohl ich tun müssen.«

»Jawohl, Sir«, antwortete Kingsford leise und versetzte sich innerlich einen Tritt dafür vergessen zu haben, dass Konteradmiral Karlotte Thimár, Byngs Stabschefin, eine Cousine ersten Grades von Karl-Heinz war … gewesen war.

»Eigentlich ist es sogar eine verdammt gute Idee, die beiden auf diese Sache anzusetzen, selbst wenn wir über die Technik der Mantys wirklich nicht allzu viel erfahren werden. Ich möchte, dass sich OpAn richtig anstrengt und alles nur Menschenmögliche über diese neuen manticoranischen Raketen berichtet. Wunder erwarte ich zwar keine, aber schauen Sie doch ’mal, was Sie den beiden entlocken können.«

»Jawohl, Sir.«

»Und während die beiden sich damit befassen, werden Sie und ich uns zusammensetzen und unsere derzeitigen Stationierungen und mögliche Dislozierungspläne diskutieren. Ich weiß, dass die ganze Navy der Mantys im Vergleich zur Schlachtflotte keinen feuchten Kehricht wert ist, aber ich möchte nicht irgendwelche vermeidbaren Verluste erleiden, bloß weil wir übermäßiges Selbstvertrauen an den Tag legen. Kolokoltsov hat da wirklich recht – verdammt soll er sein! Aber der Unterschied bei den Raketenreichweiten ist wirklich beachtlich. Wir werden einen Vorschlaghammer benötigen, den die unmöglich abwehren können, sobald wir uns um ihr Heimatsystem kümmern.«

»›Sobald‹, Sir?«, fragte Kingsford nach, und Rajampet stieß ein bellendes Lachen aus.

»Diese idiotischen Zivilisten können noch so viel ›falls‹ sagen, Winston. Aber wir beide lassen uns doch nicht täuschen, oder? Hier geht es nicht um ein ›falls‹, sondern um ein ›sobald‹. Das wissen Sie doch genauso gut wie ich. Diese manticoranischen Kotzbrocken sind viel zu arrogant, um überhaupt zu begreifen, wie ihre Lage in Wirklichkeit aussieht. Die werden auf Quartermains Ultimatum nicht eingehen! Und das bedeutet, dass wir letztendlich auf jeden Fall anrücken werden. Andererseits …«

Abrupt hielt er inne, und Kingsford wölbte fragend eine Augenbraue. Doch der Chef des Admiralstabs schüttelte nur den Kopf und vollführte erneut eine abwehrende Handbewegung.

»Letztendlich«, fuhr er schließlich fort, »wird es auf Kampfhandlungen hinauslaufen, ganz egal, was für ›Verhandlungen‹ vorher vielleicht vorbereitet werden. Und wenn das passiert, dann wird die Strategie sogar verdammt schlicht ausfallen, schließlich haben die Mantys nur ein einziges System, das ernstlich von Wert wäre. Strategisch gesehen haben die überhaupt keine Wahl. Wenn wir Manticore selbst angreifen, dann werden sie kämpfen müssen. Ganz egal, wie groß die Reichweite ihrer Raketen auch sein mag, die können nicht einfach Reißaus nehmen. Deswegen möchte ich ganz sicher sein, dass wir genug Antiraketen und Nahbereichsabwehrwaffen haben, um uns diese Raketen auch vom Hals halten zu können, wenn wir immer weiter auf ihre Planeten vorrücken. Schön wird das sicherlich nicht werden, aber es wird funktionieren.«

»Jawohl, Sir«, wiederholte Kingsford erneut. Er wusste, dass sein Vorgesetzter recht hatte. Schließlich war dieses Konzept die Grundlage praktisch der gesamten strategischen Doktrin der Schlachtflotte. Doch so sehr er in dieser Hinsicht der gleichen Ansicht war wie der Chef des Admiralstabs, dachte er immer noch über Rajampets sofort abgewürgtes ›Andererseits‹ nach. Irgendetwas daran beunruhigte ihn, aber was könnte es …?

Dann fiel es ihm wieder ein.

Da frage ich mich doch … Hat er den anderen gegenüber Sandra Crandall und ihren Kampfverband überhaupt erwähnt? Und wo ich gerade dabei bin: Wie viel hatte er wohl damit zu tun, dass sie überhaupt erst in den Madras-Sektor verlegt wurde?

Es erforderte immense Selbstbeherrschung, nicht nachdenklich die Stirn in Falten zu legen und in Spekulationen zu verfallen. Doch hier und jetzt war eindeutig nicht der richtige Moment, diese Frage anzusprechen. Und selbst wenn Kingsford diese Frage nun gestellt hätte, dann hätte Rajampets Antwort – vorausgesetzt, er hätte ihm überhaupt wahrheitsgemäß geantwortet – doch unweigerlich nur neue Fragen aufgeworfen. Abgesehen davon: so sehr Rajampet auch in diesem Falle die Finger im Spiel haben mochte, der Stabschef war in jeder Hinsicht gedeckt. Bei Byngs Verwendung seinerzeit hatte es sich vielleicht nicht gerade um einen Routineauftrag gehandelt, aber beispiellos war das zweifellos auch nicht gewesen. Nach der Schlacht von Monica und all den Vorwürfen und Gegenvorwürfen, zu denen das alles letztendlich geführt hatte, waren seine Entscheidungen doch durchaus vertretbar. Außerdem war Crandall schon lange genug im Dienst, um – innerhalb eines vernünftigen Rahmens – selbst zu entscheiden, wo sie ihre Gefechtsübungen abhalten ließ. Wenn sie also das McIntosh-System zufälligerweise für ihr ›Manöver Winterernte‹ (oder wie auch immer sie das auch genannt hatte!) ausgewählt hatte, und aus diesem Kampfverband 496 nur rein zufällig keine fünfzig Lichtjahre vom Meyers-System entfernt gewesen war, dann bedeutete das nicht zwangsläufig, dass Rajampet irgendetwas damit zu tun hatte.

Na, sicher doch, dachte er. Und ich wette, damit ist meine erste Frage auch gleich beantwortet. Natürlich hat er denen überhaupt nichts davon erzählt. Und er ist trotzdem völlig gedeckt, denn Crandall hat mittlerweile ganz gewiss völlig alleine entschieden, was zu tun ist. Und bei der Signalverzögerung kann er ihr unmöglich noch Befehle erteilen, die sie aufhalten würden. Also hätte es wohl ohnehin keinen Sinn gehabt, die anderen über diese Kleinigkeit in Kenntnis zu setzen, oder?

Winston Kingsford hatte schon seit Jahrzehnten keine Flotte mehr kommandiert, doch er hatte reichlich Erfahrung mit den verworrenen, verschlungenen Intrigen der Bürokratie der Solaren Liga sammeln können. Und er wusste ganz genau, wie sehr sich Rajampet darüber ärgerte, aus der gemütlichen kleinen Fünfergruppe ausgeschlossen worden zu sein, die faktisch über die ganze Liga herrschte. Der Einfluss von Verteidigungsminister Taketomo war in Wahrheit nicht größer als der aller anderen Kabinettsminister auch. Theoretisch lenkte zwar dieses Kabinett die gesamten Geschicke der Liga, doch das Verteidigungsressort war mindestens so wichtig wie das Wirtschaftsministerium oder das Amt für Bildung und Information – oder sollte es zumindest sein, verdammt noch mal! Sein Budget war dafür auf jeden Fall groß genug, und es war auch entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität und den Wohlstand der Liga. Doch Rajampet hatte man den Platz am Kopfende des Tisches verwehrt, und das verärgerte ihn zutiefst.

Aber falls wir wirklich in einen echten ausgewachsenen Krieg geraten, den ersten seit drei oder vier Jahrhunderten, dann könnte sich das alles ändern, nicht wahr?, dachte Kingsford. Ich frage mich ernstlich, wie viele Leute umzubringen Rajampet bereit wäre, um das zu bewerkstelligen.

Trotz seiner Beklommenheit empfand Kingsford zugleich auch Bewunderung für seinen Vorgesetzten. Es war natürlich immer noch möglich, dass er falsch lag. Eigentlich hätte er Rajampet ein solch ausgeklügeltes Manöver gar nicht zugetraut. Und wenn Rajampet damit wirklich durchkam, dann würde letztendlich Kingsford dieses gesteigerte Prestige und den ganzen politischen Einfluss erben. Und falls doch alles den Bach ’runterging, dann wäre es ja nicht seine Schuld. Er hätte dann nur genau das getan, was sein weisungsbefugter Vorgesetzter ihm aufgetragen hätte.

Kingsford kam nicht einmal auf die Idee, dass das, was er Rajampet hier zutraute, in den meisten Sternnationen als Hochverrat angesehen worden wäre. Ach, selbst gemäß der Verfassung der Solaren Liga stellte es sehr wohl Hochverrat dar – oder zumindest ein schweres Verbrechen und ein Amtsvergehen, auf das exakt die gleiche Strafe stand. Aber die Verfassung war doch von Anfang an nichts als ein wertloses Stück beschriebenen Papiers gewesen, schon während die Tinte noch trocknete. Und was jemand anderes, in irgendeiner anderen Welt ›Hochverrat‹ genannt hätte, war hier in der Solaren Liga nichts anderes als die Art und Weise, in der Dinge nun einmal gehandhabt wurden. Irgendjemand musste die Drecksarbeit schließlich machen – auf die eine oder andere Weise.

»Also, Sir«, sagte er, wohl wissend, dass Sensoren jedes seiner Worte aufzeichneten. »Ich kann nicht gerade behaupten, mich darauf zu freuen, dass noch weitere unserer Leute den Tod finden sollen, aber Sie haben wohl ganz recht, was die Dinge angeht, auf die unsere zivilen Kollegen ihre Hoffnung setzen. Ich hoffe natürlich, dass Sie sich täuschen, aber was auch immer geschehen mag, ich stimme Ihnen zu, was die Prioritäten betrifft, die unser eigenes Haus setzen muss. Wenn sich das hier tatsächlich zu dem auswächst, wonach es im Augenblick aussieht, sollten wir uns wirklich darauf vorbereiten, rasch und hart zu reagieren.«

»Ganz genau.« Entschlossen nickte Rajampet.

»Dann sollte ich die technischen Daten wohl allmählich zum ONI hinüberschaffen. Ich weiß, dass Sie Karl-Heinz das mit Karlotte persönlich mitteilen möchten, Sir, aber wir werden uns wohl ziemlich beeilen müssen, wenn Ihnen schon morgen früh die Modelle und Analysen vorliegen sollen.«

»Den Hinweis habe ich verstanden«, erwiderte Rajampet und verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln. »Gehen Sie nur schon zu seinem Büro hinüber. Ich melde mich währenddessen über Com bei ihm. Ist wahrscheinlich sowieso eine gute Idee, ihn möglichst bald mit irgendetwas anderem abzulenken.«

Elizabeth III. saß in ihrem altmodischen Lieblingssessel im King Michael’s Tower. Ein drei Meter hoher Weihnachtsbaum – in diesem Jahr eine gryphonische Nadelblattföhre – stand überreich geschmückt in der Mitte des Raumes und wachte über die Geschenke, die unter seinen Zweigen aufgestapelt waren. Das harzige Aroma des Baumes erfüllte den ganzen Raum; es war ein heimeliger Duft, fast wie ein kaum merkliches Beruhigungsmittel, das nur noch zu der ruhigen Friedlichkeit beitrug, die eigentlich stets im King Michael’s Tower herrschte. Und es gab auch einen guten Grund, warum dieser Baum gerade hier stand, nicht in einem anderen Teil des Mount Royal Palace. Der gedrungene, uralte Steinbau dieses Turmes, umgeben von sonnenbeschienenen Gärten und Springbrunnen, stellte ein massives, tröstliches Mahnmal der Beständigkeit in Elizabeths nur allzu häufig chaotischer Welt dar. Schon oft hatte sie sich gefragt, ob das wohl der Grund dafür sei, dass sie ihn als das private Refugium für sich selbst und auch ihre ganze Familie ansah. Natürlich konnte sie hier auch ihre Amtsgeschäfte tätigen, schließlich war eine Monarchin, die zugleich auch das regierende Staatsoberhaupt war, nie richtig ›außer Dienst‹. Doch selbst wenn es um Amtsgeschäfte ging, war nur ihrer Familie und ihren engsten Freunden der Zutritt in den King Michael’s Tower gestattet.

Und einigen ganz besonderen Personen, dachte sie, während sie den hochgewachsenen Admiral mit den auffallenden Mandelaugen betrachtete. Die Frau saß ihr auf dem Fensterplatz gegenüber. Sie hatte die langen Beine untergeschlagen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die massige Fensterlaibung. Ganz besonderen Personen, die beides zugleich geworden sind.

»Also«, fragte die Königin, »was hat deine Freundin Stacey denn nun gestern beim Lunch gesagt?«

»Meine Freundin?« Admiral Lady Dame Honor Alexander-Harrington wölbte eine Augenbraue.

»Ich denke, das Wort trifft es doch recht gut.« Elizabeths Lächeln war eindeutig säuerlich. »Es hätte schließlich niemand für sonderlich wahrscheinlich gehalten, dass sich diese Freundschaft jemals ergibt, wenn man bedenkt, wie du ihren Vater kennengelernt hast.«

»So übel ist Klaus Hauptmann eigentlich gar nicht.« Honor zuckte mit den Schultern. »Zugegeben, in Basilisk hat er sich ordentlich blamiert, und auch in Silesia sind wir nicht gerade prächtig miteinander ausgekommen. Um ganz ehrlich zu sein: ich denke nicht, dass ich ihn jemals wirklich mögen werde. Aber er hat sehr wohl ein Gespür für Ehre und Pflichten, und dem kann ich zumindest Respekt entgegenbringen.«

Der cremefarben-graue Baumkater, der sich auf der Fensterbank ausgestreckt hatte, hob den Kopf und blickte Honor an, die Ohren spöttisch verdreht. Dann setzte er sich auf und gestikulierte mit den Echthänden.

»Er ist klug genug, Angst vor dir zu haben«, signalisierte er mit seinen flinken Fingern blitzgeschwind. »Und er weiß, was Verstand-aus-Kristall ihm angetan hätte, wenn er seine Fehler nicht offen eingestanden hätte.«

»›Verstand-aus-Kristall‹?«, wiederholte Elizabeth. »Ist das der Name, den die Baumkatzen Stacey gegeben haben?«

»Ja«, erwiderte Honor, blickte dabei aber nach wie vor ihren ’Kater an. »Aber so richtig fair ist das eigentlich nicht, Stinker«, ermahnte sie ihn.

»›Fair‹ ist ein Zwei-Bein-Konzept«, gab er zurück. »Die Leute ziehen es vor, Dinge zutreffend auszudrücken.«

»Genau das ist einer der Gründe, weswegen ich persönlich Baumkatzen ja den meisten Zwei-Beinen vorziehe, die ich kenne«, stimmte Elizabeth dem ’Kater zu. »Und eigentlich ist Nimitz’ Einschätzung der Persönlichkeit von Klaus Hauptmann der meinen deutlich näher als deine.«

»Ich würde ihn jetzt auch nicht gerade als Heiligen bezeichnen, weißt du?«, merkte Honor milde an. »Ich habe nur gesagt, so übel ist er gar nicht, und das stimmt auch. Er ist arrogant, eigensinnig, häufig gedankenlos und entschieden zu sehr daran gewöhnt, immer seinen Willen zu bekommen, ja. Das alles gebe ich sofort zu. Aber gleichzeitig ist dieser alte Pirat auch einer der ehrlichsten Menschen, die ich überhaupt kenne – was angesichts seines immensen Reichtums ziemlich erstaunlich ist. Und wenn er erst einmal zu dem Schluss gekommen ist, er sei zu irgendetwas verpflichtet, dann ist er völlig unnachgiebig, dieser Pflicht auch nachzukommen.«

»Das«, gestand Elizabeth ein, »stimmt wohl. Und« – scharfsinnig kniff die Königin die Augen zusammen und neigte den Kopf ein wenig zur Seite – »dass er so fest entschlossen ist, den Gensklavenhandel endgültig abzuschaffen, lässt ihn in deinen Augen gewiss auch noch ein wenig besser dastehen, oder?«

»Das gebe ich zu.« Honor nickte. »Um ganz ehrlich zu sein: nach allem, was Stacey mir berichtet, hat er die Möglichkeit, Manpower könne irgendwie in die Ereignisse im Talbott-Sternhaufen verwickelt sein, nicht sonderlich ruhig aufgenommen.«

»Das kann ich mir vorstellen.«

Elizabeth lehnte sich in ihrem Sessel zurück, und der Baumkater, der es sich auf der Rückenlehne bequem gemacht hatte, schnurrte zufrieden, als ihr Hinterkopf sein seidiges Fell berührte. Mit einer langfingrigen Echthand strich er der Königin liebevoll über die Wange. Im Gegenzug streichelte Elizabeth ihm sanft den Rücken.

»Aber alleine steht er mit dieser Reaktion nicht da, oder?«, fuhr sie fort.

»Nein.«

Honor seufzte und hob Nimitz hoch. Kurz drückte sie ihn, dann setzte sie ihn auf ihrem Schoß ab, drehte ihn auf den Rücken und kraulte ihm das weiche Bauchfell. Genießerisch ließ der ’Kater den Kopf sinken, die Augen halb geschlossen. Honors Mundwinkel zuckten, als ihre Baumkatze zufrieden schnurrte.

Natürlich stellte Elizabeths letzte Bemerkung eine beachtliche Untertreibung dar. Honor fragte sich, wie wohl die Reaktion auf Alterde ausfallen mochte. Mittlerweile mussten die dortigen Medienheinis von den Berichten aus Manticore erfahren haben. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis die ersten solarischen Reporter nach Manticore kämen. Von dort aus würden sie dann nach Spindle und New Tuscany weiterreisen, um die ganzen Ereignisse abzudecken.

»Du hast ganz gewiss ein mindestens ebenso gutes Gespür wie Stacey dafür, wie die Leute auf das Ganze reagieren werden«, sagte sie schließlich.

»Ja und nein«, erwiderte Elizabeth. Fragend blickte Honor sie an, und die Königin zuckte mit den Schultern. »Ich kenne alle Meinungsumfragen und die anderen Datenerfassungen, ich weiß, wie viel Anfragen der Mount Royal täglich erhält, ich kenne die Auswertungen darüber, was täglich der Öffentlichkeit präsentiert wird und so weiter, und so weiter. Aber sie ist diejenige, die im Laufe der letzten anderthalb T-Jahre nach und nach ihr eigenes kleines Medienimperium aufgebaut hat. Seien wir doch mal ehrlich: Die Medienheinis sind viel besser als meine sogenannten Analysten darin herauszufinden, wohin die öffentliche Meinung gerade tendiert. Und außerdem bekommt Stacey ja ganz gewiss auch zu hören, wie die Freunde und Geschäftspartner ihres Vaters über die Sache denken. Und Sie, Herzogin Harrington, bewegen sich ja durchaus ebenfalls in recht exklusiven und finanzstarken Kreisen, oder etwa nicht?«

»Nicht mehr ganz so sehr, seit ich wieder im aktiven Dienst bin«, widersprach Honor. »Bis auf Weiteres kümmern sich Willard und Richard darum.«

Elizabeth schnaubte, und nun war es an Honor, die Achseln zu zucken. Was sie gesagt hatte, stimmte zwar, aber auch Elizabeth hatte durchaus nicht unrecht. Gewiss kümmerten sich im Augenblick vor allem Willard Neufsteiler und Richard Maxwell um ihr ausgedehntes Finanz-Imperium, das sich mittlerweile über mehrere Systeme erstreckte. Doch es war Honor sehr wichtig, in dieser Hinsicht ebenso auf dem Laufenden zu bleiben, wie sie sich ständig mit den Berichten befasste, die Austin Clinkscales, ihr Regent des Gutes Harrington, ihr zukommen ließ. In diesen Berichten ließ Austin häufig auch seine Gedanken über die Geschäftswelt von Manticore einfließen. Und ebenso seine Gedanken über die Geschäftswelt von Grayson.

»Wie dem auch sei«, fuhr Honor dann fort, »Stacey hat ihr ›Medienimperium‹ ja noch gar nicht so lange. Sie hat immer noch alle Hände voll zu tun, das Ganze überhaupt ordentlich zu organisieren. Und mir scheint es, als gäbe es in diesem Geschäft das eine oder andere, das ihrem persönlichen Ordnungssinn gewaltig zuwider läuft. Aber eines muss ich zugeben: Gerade weil das alles so neu für sie ist, erscheint ihr das alles auch noch aufregend und interessant.«

»Also hat sie es beim Lunch tatsächlich zur Sprache gebracht!«, versetzte Elizabeth beinahe schon triumphierend, und Honor lachte in sich hinein. Doch dann wurde sie wieder ernst.

»Ja, hat sie. Und eigentlich hat sie ziemlich genau das gesagt, was deine eigenen Analysten dir auch erzählen, denke ich. Die Leute machen sich wirklich Sorgen, Beth. Ja, eine ganze Menge von denen ängstigen sich fast zu Tode! Ich will ja nicht sagen, die Angst sei so groß wie unmittelbar nach der Schlacht von Manticore, aber unerheblich ist sie auch nicht. Und wir reden hier immerhin von der Solaren Liga!«

»Ich weiß.« Elizabeths Blick hatte sich verfinstert. »Ich weiß, und ich wünschte, es wäre irgendwie möglich, ihnen das alles zu ersparen. Aber …«

Sie hielt inne und schüttelte den Kopf. Wieder nickte Honor.

»Das verstehe ich, aber du hattest ja ganz recht. Wir mussten damit an die Öffentlichkeit – und das nicht nur, weil es unsere Pflicht ist, die Wahrheit zu sagen. Früher oder später muss so etwas einfach bekannt werden! Und wenn das Volk dann der Ansicht gewesen wäre, wir hätten versucht, es zu verheimlichen …«

Auch sie beendete den Satz nicht, und Elizabeth verzog zustimmend gequält das Gesicht.

»Hat Stacey schon ein Gespür dafür, wie ihre Abonnenten darauf reagieren, dass wir fast einen ganzen T-Monat lang nichts darüber haben verlauten lassen, was mit Commodore Chatterjee passiert ist?«, fragte die Königin dann.

»Einige regen sich furchtbar über diese Verzögerung auf, aber Stacey sagt, in E-Mails und Com-Anrufen gleichermaßen sprechen sich die Abonnenten im Verhältnis acht zu eins für das Ganze aus. Die Meinungsumfragen zeichnen ziemlich genau das gleiche Bild.« Wieder zuckte Honor mit den Schultern. »Die Manticoraner haben mittlerweile eine ganze Menge darüber gelernt, wann und wie man mit Informationen … ein wenig vorsichtiger umgehen muss, könnte man wohl sagen, wenn es im Interesse der operativen Sicherheit ist. Was das angeht, hast du bei den meisten deiner Untertanen wirklich einen gewaltigen Stein im Brett. Und ich glaube, praktisch jeder versteht, dass wir, gerade in diesem speziellen Fall, sehr vorsichtig sein müssen, die öffentliche Meinung nicht allzu sehr anzustacheln. Und das nicht nur hier im Sternenkönigreich.«

»So sehe ich das auch«, stimmte Elizabeth zu. »Aber ich bin immer noch nicht sonderlich glücklich darüber, einen Zusammenhang mit Manpower auch nur anzudeuten.« Sie seufzte, und ihre Miene wirkte sehr besorgt. »Es ist ja schon schlimm genug, dem Volk sagen zu müssen, dass wir uns effektiv im Kriegszustand mit der Solaren Liga befinden. Da muss man nicht auch noch darauf herumreiten, wir seien der Ansicht, hinter dem Ganzen würde ein Haufen widerlicher Gensklavenhändler stecken. Vielleicht würden wir dann ja doch ein bisschen paranoid klingen!«

Honor verzog die Lippen zu einem schiefen Grinsen. Wieder hatte Elizabeth durchaus nicht unrecht. Oberflächlich betrachtet war die Vorstellung, irgendein verbrecherischer Konzern – wie groß, mächtig und korrupt er auch sein mochte – solle tatsächlich in der Lage sein, das militärische Vorgehen und die Außenpolitik einer so gewaltigen Gemeinschaft wie der Solaren Liga manipulieren zu können, schlichtweg ungeheuerlich. Honor selbst hatte an der Diskussion teilgenommen, ob man nun bestimmte Einzelheiten an die Öffentlichkeit dringen lassen solle oder nicht, nachdem Michelle Henkes in ihrer Zusammenfassung der Untersuchungen in New Tuscany genau diesen Aspekt so deutlich herausgestellt hatte. Ja, es klang wirklich höchst paranoid … oder wie das Gefasel eines Geistesgestörten – was auch nicht gerade besser war. Doch letztendlich hatte Honor Pat Givens und den anderen Auswertungsexperten des ONI recht gegeben. Ob es nun verrückt klang oder nicht, es lagen nun einmal Beweise dafür vor.

»Ja, einige Leute werden das wohl wirklich für arg weit hergeholt halten«, sagte sie nach kurzem Schweigen. »Andererseits scheinen auch eine ganze Menge Leute davon überzeugt, dass Mike da wirklich etwas entdeckt hat. Um ganz ehrlich zu sein, bin ich richtig froh, auch diesen Aspekt des Ganzen an die Medien weitergegeben zu haben. Schließlich bietet das den Idioten auf Alterde eine gute Möglichkeit, doch noch zurückzurudern. Wenn wirklich Manpower hinter der ganzen Sache steckt, dann kommen die Sollys ja vielleicht auf die Idee, es wäre gar nicht so schlecht, erst einmal bei sich zu Hause aufzuräumen – und das die Öffentlichkeit auch wissen zu lassen. Das wäre eine Reaktion, die uns beiden gestattet, wieder einen Schritt vom Abgrund zurückzutreten. Wenn die einen guten Grund haben, Manpower die Schuld zuzuschieben, dann können sie ja vielleicht auch zugeben, dass man sie manipuliert hat, das Falsche anzunehmen. Denen muss es doch auch klar sein: Wenn die Liga das tut, dann werden wir ihr am Verhandlungstisch auch entgegenkommen. Und nach dem, was im Monica-System und mit Technodyne passiert ist, müsste doch das Fundament für eine solche Reaktion längst gelegt sein!«

»Das gewiss. Und dazu kommt noch, dass die Sollys auf Manpower stinksauer sein werden, wenn sie erst einmal begreifen, dass wir recht hatten. Also haben die wirklich viele gute Gründe mitzuspielen und genau das zu tun, was du vorschlägst. Aber sie werden es trotzdem nicht tun.«

Elizabeths Miene verriet jetzt nicht mehr Besorgnis, sie war nur noch grimmig. Fragend runzelte Honor die Stirn.

»Würden die dazu neigen, Vernunft anzunehmen, dann hätten sie niemals drei Wochen gebraucht, um auf unsere erste Note auch nur zu reagieren! Vor allem, wenn ihre gesamte Reaktion bloß darin besteht, uns wissen zu lassen, dass sie sich mit den von uns aufgestellten Behauptungen ›befassen werden‹ und sich dann wieder bei uns melden. Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin schon erstaunt, dass sie nicht von ›lächerlichen Behauptungen‹ gesprochen haben.« Die Königin schüttelte den Kopf. »Das ist kein sonderlich vielversprechender Anfang … und es ist ganz typisch für die Sollys. Wenn die es irgendwie vermeiden können, werden sie niemals zugeben, dass das Verhalten ihres Mannes vor Ort einfach falsch war, ganz egal, warum er sich da überhaupt herumgetrieben hat. Und glaubst du denn wirklich, die werden zugeben wollen, dass ein multistellarer Konzern, der seinen Hauptsitz nicht einmal auf einem System der Liga hat – und der bis über beide Ohren in Geschäfte verwickelt ist, die in der Liga offiziell verboten sind –, in der Lage ist, ganze Geschwader ihrer Schlachtkreuzer und Wallschiffe zu manipulieren?« Wieder schüttelte die Königin den Kopf, dieses Mal mit noch mehr Nachdruck. »Ich fürchte, die würden lieber hingehen und irgendwelche hochnäsigen Neobarbaren ein bisschen zurechtstutzen, ganz egal, wie viele Leute dabei in den Tod gehen, statt sich mit den Ecken der Machtstrukturen in der Liga zu befassen, in denen die kleinen, schmutzigen Geheimnisse liegen.«

»Ich hoffe sehr, dass du damit unrecht hast«, gab Honor leise zurück. Elizabeths Mundwinkel zuckten.

»Mir ist nicht entgangen, dass du ›ich hoffe‹ gesagt hast«, merkte sie an.

»Eigentlich würde ich ein deutlich stärkeres Wort bevorzugen«, gestand Honor ein. »Aber …«

»Genau: ›aber‹!«, murmelte Elizabeth. Doch dann richtete sie sich in ihrem Sessel ein wenig auf. »Bedauerlicherweise denke ich nicht, dass wir es uns leisten können, eines dieser stärkeren Worte zu benutzen. Und genau das – und weil ich in jüngster Zeit ein wenig darüber nachgedacht habe, ob mir möglicherweise in der Vergangenheit nicht doch Fehler unterlaufen sind – bringt mich zu dem, was ich dich eigentlich fragen wollte.«

»Vier Tage«, erwiderte Honor, und Elizabeth lachte stillvergnügt in sich hinein.

»War es so offensichtlich?«

»Ich habe ja auch selbst ein bisschen darüber nachgedacht, weißt du?«, gab Honor zurück. »Der Einsatzplan steht jetzt, auch wenn wir natürlich alle hoffen, dass wir ihn nicht brauchen werden. Alice Truman lässt in der ganzen Flotte Übungen durchführen, und ich habe schon fast alle Einweisungen durch Sir Anthony erhalten. Also: ungefähr vier Tage.«

»Bist du dir sicher, dass du nicht selbst ein paar Tage mit der Flotte haben willst?«

»Nein.« Honor schüttelte den Kopf, dann lächelte sie. »Eigentlich könnte ich wahrscheinlich sogar noch früher loslegen, vor allem, da ich Kew, Selleck und Tuominen mitnehme. Aber wenn es dir recht ist, dann werde ich nirgendwohin gehen, bevor ich nicht zusammen mit Hamish und Emily Raouls und Katherines erstes Weihnachten gefeiert habe.«

»Natürlich ist mir das recht.« Elizabeths Miene wurde sehr viel sanfter. Sie lächelte sogar, und nun war es an ihr, den Kopf zu schütteln. »Manchmal fällt es mir immer noch schwer, daran zu denken, dass du mittlerweile Mutter bist. Aber ich hatte schon immer die Absicht, dir wenigstens noch ein Weihnachten zu Hause zuzugestehen, bevor wir dich wieder losschicken. Werden deine Eltern auch da sein?«

»Und Faith und James auch. Als Lindsey das gehört hat, da hat sie sich unbändig gefreut. Das wäre sonst das erste Weihnachten, das sie ohne die Zwillinge verbracht hätte, seit die beiden ein Jahr alt waren.«

»Das freut mich für dich«, sagte Elizabeth. Dann atmete sie tief durch. »Aber kommen wir noch einmal auf das andere zurück. Was deinen Zeitplan angeht: Bist du dir sicher, dass du weißt, wie du vorgehen willst?«

»Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, ich sei mir sicher, und ich werde auch nicht so tun, als wäre ich ein Experte für derartige Dinge. Ich bin einfach nur der Ansicht, das ist das Beste, was wir im Augenblick tun können … und dass wir uns wenigstens sicher sein können, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.«

»Ich verstehe.« Mehrere Sekunden lang blickte Elizabeth sie nur schweigend an, dann schnaubte sie. »Na ja, Hauptsache du vergisst nicht, dass diese kleine Spritztour ganz alleine deine Idee war. Versteh mich nicht falsch! Nachdem ich ein bisschen darüber nachgedacht habe, bin ich der Ansicht, dass das eine wirklich gute Idee ist. Denn ob von Anfang an du recht hattest oder doch ich« – ihre Miene verfinsterte sich wieder –, »es wäre wirklich richtig gut, wenn wir wenigstens einen der Buschbrände löschen könnten. Wenn diese ganze Angelegenheit mit der Liga sich zu dem auswächst, was ich befürchte, werden wir bald nicht mehr die Gelegenheit haben, uns um mehr als eine Sache auf einmal zu kümmern.«

Honor Alexander-Harrington erhob sich, als James MacGuiness einen hochgewachsenen Mann in der Uniform der Republican Navy in ihr Arbeitszimmer in der Villa in Landing führte. Hinter ihr, jenseits der Crystoplast-Wand und dem kleinen Balkon vor ihrem Arbeitszimmer erstreckten sich die dunkelblauen Wasser der Jasonbai. Sie brodelten wie ein aufgewühlter Teppich, über den dräuende Wolken hinwegzogen. Strahlende Nachmittagssonne zauberte ein Muster auf die endlosen weißen Schaumkronen: Vom Meer zog ein Sturm auf. Honor hatte das Gefühl, angesichts ihrer Beziehung zu ihrem Besucher biete dieser Anblick in vielerlei Hinsicht eine passende Allegorie.

»Admiral Tourville«, sagte sie und streckte ihm über den Schreibtisch hinweg die Hand entgegen, während Nimitz sich auf seiner Sitzstange aufrichtete und den Haveniten nachdenklich anblickte.

»Admiral Alexander-Harrington.« Lester Tourville ergriff ihre Hand, und kurz spürte Honor, dass auch er ob der Ironie dieser Situation eine gewisse Belustigung empfand.

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