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HONOR HARRINGTON: Der Sklavenplanet

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Teil I: Manticore
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  1. Teil II: Erewhon
  2. 7
  3. 8
  4. 9
  5. 10
  6. 11
  7. 12
  8. 13
  9. 14
  10. 15
  11. 16
  12. 17
  13. 18
  1. Teil III: Der Sünde Sold
  2. 19
  3. 20
  4. 21
  5. 22
  6. 23
  7. 24
  8. 25
  9. 26
  10. 27
  11. 28
  12. 29
  13. 30
  14. 31
  15. 32
  16. 33
  17. 34
  18. 35
  19. 36
  20. 37
  21. 38
  22. 39
  1. Teil IV: Felicia III
  2. 40
  3. 41
  4. 42
  5. 43
  1. Teil V: Congo
  2. 44
  3. 45
  4. 46
  5. 47
  6. 48
  1. Epilog
  2. Personen der Handlung
  3. Glossar
  4. Fußnote

Über den Autor

David Weber ist ein Phänomen: Ungeheuer produktiv (er hat zahlreiche Fantasy- und Science-Fiction-Romane geschrieben), erlangte er Popularität mit der HONOR-HARRINGTON-Reihe, die inzwischen nicht nur in den USA zu den bestverkauften SF-Serien zählt. David Weber wird gerne mit C. S. Forester verglichen, aber auch mit Autoren wie Heinlein und Asimov. Er lebt heute mit seiner Familie in South Carolina.

David Weber

Der
Sklavenplanet

Ein Abenteuer aus dem
Honor-Harrington-Universum

Ins Deutsche übertragen von
Dietmar Schmidt

Für Andre Norton

Andre, du hast schon vor langer Zeit bewiesen,

dass es nichts mit physischer Statur zu tun hat,

wenn man ein Riese ist. Du hast die Schritte eines Riesen

gemacht und mehr als ein halbes Jahrhundert lang anderen

die Kunst des Geschichtenerzählens gelehrt,

und wir gehören zu den vielen, die die Gunst genossen,

deine Schüler zu sein.

Es wird Zeit, dass wir der Lehrerin unseren Dank sagen.

1

»Ich bin wirklich nervös, Daddy«, wisperte Berry mit einem fast verstohlenen Blick auf die prächtig uniformierten Soldaten. Auf ganzer Länge des Korridors, der zum privaten Audienzzimmer von Königin Elisabeth III. führte, schienen sie Spalier zu stehen.

»Unnötig«, entgegnete Anton Zilwicki barsch, während er unerschüttert zu der großen Flügeltür am Ende des Ganges weiterging. Die beiden Türflügel bestanden wie auch viele Möbel im Mount Royal Palace aus Ferran. Schon aus dieser Entfernung, die noch immer beträchtlich war, konnte Anton mühelos nicht nur die charakteristische Maserung erkennen, sondern auch die traditionellen Schnitzmuster. Ferranholz stammte aus dem Hochland seines Heimatplaneten Gryphon, und in seiner Jugend hatte er, wie die meisten gryphonischen Highlander es irgendwann taten, recht oft mit dem Material gearbeitet.

Ein Teil von ihm – seine rationale, berechnende Seite, die eine wichtige Komponente seiner Persönlichkeit ausmachte – freute sich beim Anblick des Holzes. Die hölzernen Türen und noch mehr die Schnitzarbeiten wiesen subtil darauf hin, dass die Winton-Dynastie ihre Untertanen in den gryphonischen Highlands ebenso sehr wertschätzte wie gebürtige Manticoraner. Gleichzeitig aber musste Anton daran denken, wie sehr er als Junge die Arbeit mit dem Holz verabscheut hatte. Der Stamm des Wortes ›Ferran‹ war ein nicht sonderlich kunstvoll verbrämter Hinweis auf seine auffälligste Eigenschaft, sah man von der hübschen Maserung und der satten Farbe einmal ab.

Die gewaltigen harten Muskeln in Antons Unterarmen waren das Produkt seines Gewichtheberprogramms als Erwachsener; doch schon als Junge war er sehr kräftig gewesen. Von Schwächlingen ließ sich Ferran nicht bearbeiten. Das Zeug war beinahe so hart wie Eisen und von Hand ungefähr genauso leicht zu formen.

Antons Lippen zuckten. Genau diese Eigenschaft – oder ein Charakteristikum, das aufs Gleiche hinauslief – wurde ihm nicht nur gelegentlich, sondern immer wieder vorgeworfen. Zum Teufel mit dir, Zilwicki! Hart wie Stein und ungefähr genauso leicht zu bewegen!

Zuletzt am gleichen Morgen, wenn er ehrlich war, und zwar von seiner Geliebten Cathy Montaigne.

»Ich glaube, Mommy hatte Recht«, flüsterte Berry. »Du hättest deine Uniform anziehen sollen.«

»Sie haben mich auf Halbsold gesetzt«, knurrte er. »Und da soll ich ausgerechnet diese alberne Paradeuniform tragen – die unbequemste Kleidung, die ich besitze? Wie ein Pudel, der Männchen macht, damit Herrchen ihm verzeiht?«

Die Nervosität, mit der Berry die Gardisten betrachtete, war nun eindeutig der Verstohlenheit gewichen; insbesondere galt das jedoch für die Blicke, die sie auf die vier Soldaten warf, die ihnen in einigen Schritten Abstand folgten. Offensichtlich rechnete die Halbwüchsige bereits damit, dass das Leibregiment sie auf der Stelle festnahm, und zwar wegen …

Wie immer der komplizierte juristische Ausdruck auch lautete, der das Vergehen bezeichnete, sich in Gesellschaft des respektlosen Rüpels Anton Zilwicki zu befinden und zudem seine Adoptivtochter zu sein.

»Die Queen hat dich aber gar nicht aufs Trockene gesetzt«, zischte sie hastig, als könnte sie mit dieser Gegenerklärung die eigene Unschuld unterstreichen. »Das hat Mommy dir den ganzen Morgen gesagt. Ich hab sie gehört. Sie war ziemlich laut.«

Was Anton augenblicklich durch den Kopf ging, war eine milde Freude, weil Berry mit ›Mommy‹ Cathy Montaigne meinte. Technisch betrachtet war sie natürlich nicht ihre Mutter. Berry und ihr Bruder Lars waren von Anton adoptiert worden, und da Cathy und er nicht verheiratet waren, konnte man Cathy offiziell allenfalls als … ja, als was bezeichnen?

Erneut zuckten seine Lippen. Daddys Freundin vielleicht. Geliebte vielleicht, wenn man einen gehobeneren Ausdruck suchte. Cathy bezeichnete sich selbst in passender Gesellschaft gern als ›Antons Betthäschen‹. Die frühere Gräfin of the Tor amüsierte sich wie ein Kind, wenn die gequälten Ausdrücke auf die Gesichter der feinen Gesellschaft krochen.

Berry und Lars, in dem Höllenloch aufgewachsen, das man das Alte Viertel in der Erdhauptstadt Chicago nannte, bedeuteten die rechtlichen Fragen nichts. Nachdem Antons Tochter Helen sie in den Katakomben unterhalb Chicagos gefunden und ihnen das Leben gerettet hatte, waren Berry und Lars von den Zilwickis aufgenommen worden und hatten dort die erste Familie gefunden, die sie je besaßen. Und immer, wenn Anton sah, als wie selbstverständlich sie diese Familienzugehörigkeit mittlerweile betrachteten, freute er sich.

Seine Freude konnte er auf ein andermal verschieben. In diesem Moment waren eher strenge väterliche Anweisungen gefragt. Deshalb verkniff er sich sein Lächeln, blieb abrupt stehen und blickte seine Tochter warnend an. Die vier Soldaten, die plötzlich und unerwartet anhalten mussten und beinahe in ihre Schützlinge hineingelaufen wären, beachtete er gar nicht.

»Na, und?«, wollte er wissen. Er bemühte sich gar nicht erst zu verhindern, dass seine Bassstimme durch den weiten Korridor rumpelte, obwohl der breite Highlandereinschlag seine Worte vermutlich unverständlich machte, bevor sie dem Haushofmeister zu Ohren kamen, der an der Flügeltür stand.

»Die Monarchin steht im Zentrum der Dinge, Mädchen. Dafür erhält die Krone meinen Gehorsam. Einen Gehorsam, der bedingungslos ist, solange die Dynastie die Rechte ihrer Untertanen achtet. Es gilt aber auch das Gegenteil. Ich verurteile Ihre Majestät nicht für das Tun ›ihrer‹ Regierung, vergiss das nicht. Wir leben in einer konstitutionellen Monarchie, und wie die Dinge im Augenblick stehen, wäre es albern, Ihrer Majestät das Fehlverhalten der Regierung vorzuwerfen. Aber gelobt wird sie dafür auch nicht.«

Als er sah, wie Berry schluckte, hätte er beinahe aufgelacht. Für ein ehemaliges Straßenkind aus der Chicagoer Unterwelt war Macht eben Macht, und zum Teufel mit ›dem Gesetz‹. Kein Gesetz und kein Gesetzeshüter hatten Berry vor dem Entsetzlichen beschützt, das sie durchgemacht hatte. Und auf der Welt, von der sie stammte, hätten sowohl Gesetz als auch Gesetzeshüter selbst dann nicht gehandelt, wenn sie gewusst hätten, was Berry angetan wurde. Erst die nackte Gewalttätigkeit von Antons Tochter Helen, des jungen havenitischen Geheimdienstoffiziers namens Victor Cachat und eines Dutzends mörderischer Ex-Sklaven aus dem von Jeremy X angeführten Audubon Ballroom hatten sie ein für alle Mal aus ihren Leiden gerettet.1

Dennoch war es die Aufgabe des Vaters, seine Kinder zu erziehen, und Anton schreckte vor dieser Pflicht ebenso wenig zurück wie vor jeder anderen.

Hinter ihm räusperte sich ein Soldat, eine nicht besonders höfliche Erinnerung: Die Königin wartet, du Idiot!

Eine großartige Gelegenheit zur Fortsetzung der Lektion, sagte er sich. Anton starrte den Soldaten – den Sergeant, der ihre kleine, vierköpfige Eskorte kommandierte – mit seinem einschüchterndsten Blick an.

Und einschüchternd war dieser Blick allemal. Anton war zwar kein hochgewachsener Mann, aber so breit und außerordentlich muskulös, dass er aussah wie ein Zwergenkönig aus der Sage. Der kantige Kopf und die dunklen Augen – hart wie Achate in solchen Momenten – unterstrichen diesen Eindruck. Die Soldaten, die seinem Blick begegneten, fragten sich in diesem Moment zweifelsohne, ob Anton mit bloßen Händen Stahlstangen verbiegen konnte.

Was er tatsächlich konnte. Wahrscheinlich fiel den Soldaten nun plötzlich ein, dass der grotesk untersetzte Mann, der sie so warnend anblickte, früher einmal der Wrestling-Meister des Sternenkönigreichs in seiner Gewichtsklasse gewesen war.

Die vier machten einen halben Schritt zurück. Die rechte Hand des Sergeants zuckte sogar ein winziges Stück zur Dienstwaffe, die an seiner Seite im Holster steckte.

Das genügte. Anton legte es schließlich gar nicht darauf an, einen Zwischenfall zu provozieren. Er nahm langsam den Blick von den Soldaten und wandte sich wieder seiner Tochter zu.

»Ich bin kein verdammter Adliger, Mädchen. Und du auch nicht. Deshalb bitten wir nicht wie Höflinge um Gefälligkeiten – und wir beugen auch nicht das Knie. Man hat mich aufs Trockene gesetzt, und die Königin hat keinen Einwand erhoben. Also kann sie damit genauso gut leben wie die Schuldigen oder ich. Und darum hängt die Uniform im Schrank und bleibt auch dort. Verstanden?«

Berry war noch immer nervös. »Soll ich mich denn nicht vor der Königin verneigen oder so?«

Anton lachte rau. »Weißt du denn überhaupt, wie man sich ›verneigt‹?«

Berry nickte. »Mommy hat es mir beigebracht.«

Antons warnender Blick kehrte mit ganzer Macht zurück. Hastig fügte Berry hinzu: »Aber nicht so, wie sie es macht – oder es jedenfalls gemacht hat, bevor sie eine Bürgerliche wurde.«

Anton schüttelte den Kopf. »Verneigen ist etwas für offizielle Anlässe, Mädchen. Wir haben eine formlose Audienz. Stelle dich einfach schweigend vor Ihre Majestät und sei höflich, das genügt.« Er wandte sich ab und setzte sich wieder Richtung Audienzsaal in Bewegung. »Außerdem traue ich es dir nicht zu, dass du es richtig machst. Ganz bestimmt nicht, wenn Cathy es dir gezeigt hat, mit dem ganzen Geschnörkel und Tralala einer Adligen.«

Seine Lippen zuckten wieder; seine gute Laune kehrte zurück. »Wenn sie in der Stimmung ist – was nicht oft vorkommt, das gebe ich zu –, wird angesichts ihrer kunstvollen Verneigung jede Herzogin grün vor Neid.«

Als sie den Eingang erreicht hatten und ein wütend funkelnder Haushofmeister den Türflügel aufzuziehen begann, hatte Antons Zurschaustellung von highlandertypischem Eigensinn Berry ein wenig beruhigt. Ohne Zweifel war sie zu dem Schluss gekommen, dass der königliche Unmut, den ihr Vater schon bald auf sich herabbeschwor, sich so gründlich auf ihn konzentrieren würde, dass sie vielleicht ungeschoren davonkam.

Wie sich dann aber zeigte, empfing die Königin des Sternenkönigreichs sie mit einem Lächeln, das so breit war, dass es schon fast ein Strahlen genannt werden konnte. Vor dem Hintergrund von Elizabeth Wintons mahagonibrauner Haut leuchteten die weißen Zähne. Soweit Anton sagen konnte, zeigte das mit spitzen Zähnen besetzte aufgerissene Maul im Gesicht von Ariel, dem Baumkatzengefährten der Queen, sogar eine noch größere Fröhlichkeit an. Anton war kein Experte für Baumkatzen, doch auch er wusste, dass sie normalerweise die Gefühle des Menschen widerspiegelten, mit dem sie sich verbunden hatten. Und falls das katzenhafte Wesen, das es sich auf der dick gepolsterten Rückenlehne des Sessels der Königin gemütlich gemacht hatte, verärgert oder wütend war, so gab es dafür zumindest keine Anzeichen.

Obwohl er nur widerstrebend erschienen war, erwärmte sich Anton gegen seinen Willen für die Königin. Letzten Endes war und blieb er ein Kronenloyalist, auch wenn seine einstmals simple politische Philosophie sich in den Jahren, seit er Cathy Montaigne kannte, stark differenziert hatte. Wie auch immer, nach allem, was er von dieser Königin seit ihrer Thronbesteigung gehört hatte, war er mit ihr einverstanden.

Sein Wissen stammte freilich aus der Distanz. Er war Königin Elisabeth III. nie vorgestellt worden, sondern hatte sie allenfalls bei einer Hand voll großer offizieller Zusammenkünfte aus der Ferne erblickt.

Anton bemerkte, dass die junge Frau, die neben der Königin saß, eine beinahe unmerkliche Bewegung zu der kleinen Konsole an ihrer Sessellehne machte. Als er rasch zur Seite blickte, entdeckte Anton einen diskret in die Vertäfelung eingelassenen Bildschirm in der Wand der Kammer. Das Display war dunkel, doch er vermutete, dass die Königin und ihre Gesellschafterin ihn beobachtet hatten, während er den Korridor durchquerte – und in diesem Fall hätten sie auch sein kleines Gespräch mit Berry gehört. Jedes einzelne Wort, es sei denn, die Audiosensoren waren erheblich schlechter, als man sie im Königspalast des auf dem Gebiet der Elektronik fortschrittlichsten Reichs der erforschten Milchstraße erwarten sollte.

Darüber war er keineswegs verärgert. Als er noch Werftingenieur der Navy war, hätte ihn die Bespitzelung vielleicht erbost. Doch nach seinen vielen Jahren als Offizier im Nachrichtendienst – was er im Grunde nach wie vor war, wenngleich nun auf sozusagen freiberuflicher Basis – hatte er sich eine gleichgültige Haltung angeeignet, was Überwachung anging. Solange man seine Privatsphäre achtete, die er mit seinem Zuhause gleichsetzte, war es ihm ziemlich egal, wer ihn in der Öffentlichkeit belauschte und beobachtete. Welche Fehler er auch hatte, ein Heuchler war er nicht, und er selbst verzichtete schließlich auch nicht auf Überwachung.

Am Lächeln der Königin erkannte er zudem, dass die Queen nicht beleidigt war. Eher wirkte sie amüsiert. Er spürte, wie Berry sich entspannte, als sie zu dem gleichen Schluss gelangte wie er.

Doch Anton achtete kaum auf Berry. Während sie sich langsam den kunstvoll verzierten Sesseln näherten, die Elizabeth Winton und ihrer Gesellschafterin als formlose Throne dienten, konzentrierte sich Anton ganz auf die junge Frau neben der Queen.

Zuerst meinte er, die junge Frau noch nie gesehen zu haben, nicht einmal auf Archivbildern oder in einem Hologramm. Als er näher kam, gelang es ihm jedoch, ihr Antlitz mit einem Gesicht in Verbindung zu bringen, das er auf Bildern gesehen hatte, welche aufgenommen worden waren, als sie noch ein junges Mädchen gewesen war. Schon bald hatte er durch logische Schlussfolgerung ermittelt, wer sie war.

Ihr Alter lieferte den letzten Hinweis. Anton war kein Modeexperte, doch selbst für ihn war offensichtlich, wie außerordentlich teuer die junge Frau gekleidet war – Kleidung, wie sie eine Adlige getragen hätte, die der Königin als Beraterin diente. Dazu aber war die Frau viel zu jung. Gewiss, durch das Prolong war es recht schwierig geworden, einem Menschen sein Alter anzusehen, doch Anton war sich sicher, dass diese Frau nicht viel älter war als die Teenagerin, als die sie ihm erschien.

Folglich musste sie zur Königsfamilie gehören oder nahe verwandt sein, und es gab nur eine Kandidatin, auf die sämtliche Kriterien zutrafen. Dass die Haut des Mädchens so viel heller war als bei einer typischen Winton, stellte nur das Tüpfelchen auf dem i dar.

Ruth Winton also, die Tochter Judith Wintons, der Schwägerin der Königin. Ruth war von einem masadanischen Freibeuter gezeugt, aber von Michael Winton, dem jüngeren Bruder der Königin, adoptiert worden, als er Judith heiratete, nachdem sie der Gefangenschaft entkommen war. Wenn Anton sich richtig erinnerte – und er hatte ein phänomenales Gedächtnis –, so war Ruth Winton nach Judiths Flucht zur Welt gekommen und Michael der einzige Vater, den sie kannte. Sie musste mittlerweile ungefähr dreiundzwanzig Jahre alt sein.

Wegen ihrer Herkunft gehörte sie nicht der Reihe der Thronfolger an, doch davon abgesehen war sie ohne jeden Vorbehalt Königin Elisabeths Nichte. Anton wunderte sich über ihre Gegenwart, doch er widmete der Frage nicht mehr als einen flüchtigen Gedanken. Immerhin wusste er nicht einmal, weshalb er vor die Königin treten sollte; der Befehl, vor ihr zu erscheinen, war für ihn vollkommen überraschend gekommen. Er zweifelte allerdings nicht, dass er die Antwort schon bald erfahren würde.

Berry und er erreichten einen Punkt auf dem Fußboden, den Anton als gebührend von der Königin entfernt betrachtete. Er blieb stehen und verbeugte sich höflich. Neben ihm folgte Berry hastig und nervös seinem Beispiel.

Hastig, ja – aber für Antons Geschmack dennoch bei weitem zu kunstvoll. So viel er von seiner ländlichen Herkunft auch zurückgelassen hatte, als er Gryphon vor so vielen Jahren den Rücken kehrte, das streitlustige Plebejertum eines Highlanders besaß Anton noch in vollem Ausmaß. Niederknien, Kratzfüße und Kotau machen, gekünstelte Schnörkel vor gekröntem Haupt, das waren Laster der Edelleute. Anton schenkte der Krone seine Treue und seinen Respekt, aber mehr konnte sie verdammt noch mal nicht erwarten.

Er musste ein wenig finster dreingeschaut haben. Die Königin rief lachend aus: »Aber ich bitte Sie, Captain Zilwicki! Das Mädchen hat sich wunderschön verbeugt. Ein wenig ungeübt vielleicht, aber man bemerkt Cathys Touch. Für mich unverwechselbar, ihr Stil. Cathy hat mich damit in solche Schwierigkeiten gebracht. Sie und ich zogen uns den furchtbaren Zorn unseres Benimmlehrers zu, weil wir aus seinen Lektionen eine Ballettstunde machten. Natürlich war es allein ihre Idee. Nicht dass ich nicht liebend gern mitgemacht hätte.«

Anton hatte von dem Zwischenfall gehört; Cathy hatte ihn einmal erwähnt. Sie sprach nur selten davon, doch als Mädchen war sie sehr eng mit der heutigen Königin befreundet gewesen; die Beziehung war zerbrochen, als ihre politischen Ansichten sich auseinander entwickelten. Selbst dabei war jedoch keine persönliche Feindschaft entstanden. Und nicht nur Anton hatte bemerkt, dass seit Cathys Rückkehr aus dem Exil stets ein warmer Ton zwischen ihr und Königin Elisabeth herrschte, wenn sie einander begegneten.

Gewiss, diese Begegnungen waren recht selten und ereigneten sich nur in großen Abständen, denn die Königin befand sich in einer unangenehmen politischen Lage. Während Elizabeth persönlich ebenso sehr wie Cathy eine Gegnerin der Gensklaverei war – wie auch die Regierung Manticores offiziell –, ließen sich Cathys mannigfaltige politische Feinde keine Gelegenheit entgehen, auf Cathys offiziell zwar dementierte, aber dennoch wohlbekannte Verbindungen zum Audubon Ballroom hinzuweisen und sie zu verurteilen. Trotz Manticores Position gegenüber der Sklaverei war der Ballroom im Sternenkönigreich nach wie vor als Terrororganisation verboten, und der Anführer, Jeremy X, wurde regelmäßig als skrupellosester Meuchelmörder der Galaxis verunglimpft.

Weder Cathy noch Anton hatten dieses Bild vom Audubon Ballroom – und die Königin ebenfalls nicht, da war sich Anton ziemlich sicher –, doch Privatansichten waren eine Sache, offiziellen Positionen eine andere. Ob Elisabeth III. nun mit der Einstellung ihrer Regierung gegenüber dem Ballroom einverstanden war oder nicht, es blieb bei der offiziellen Position. Deshalb musste sich die Königin hüten, Cathy eine formelle politische Würdigung zuzuerkennen, auch wenn sie ihre freundschaftliche persönliche Beziehung aufrechterhielten, wann immer sie einander auf gesellschaftlichen Ereignissen ›zufällig‹ begegneten. Andererseits – da war Anton sich sicher – wäre niemand entzückter gewesen als Königin Elisabeth, wenn Cathy die Gräfin von New Kiev als Vorsitzende der Freiheitlichen Partei ablöste.

Elizabeth lachte wieder auf. »In was sie mich alles hineingezogen hat! Eine Klemme nach der anderen. Meine Lieblingseskapade – dafür ist sie monatelang des Palastes verwiesen worden, meine Mutter war so wütend – war, als …«

Sie verstummte abrupt. Das Grinsen ließ nach, und ihre Miene wirkte beinahe angestrengt, doch der neckische Ausdruck verschwand nicht vollständig.

»Ja, ich weiß, Captain Zilwicki. Und jetzt ist sie wieder des Palastes verwiesen worden – politisch, wenn auch nicht persönlich –, und zwar nicht auf Anordnung der Königinmutter, sondern auf meinen Befehl hin. Und das ist, wie es sich fügt, auch der Grund, aus dem ich Sie hergebeten habe: Auf eine recht komplizierte Weise hängt beides zusammen.«

Die Queen winkte knapp dem Haushofmeister. Der Mann hatte offenbar darauf gewartet, und er und einer der wachestehenden Soldaten holten zwei von den Stühlen, die an der Wand standen, und stellten sie vor die Königin und ihre Gesellschafterin.

»Setzen Sie sich bitte, Captain. Alle beide.«

Interessant, dachte Anton. Zwar kannte er das höfische Protokoll nicht aus eigener Erfahrung, aber er wusste eine Menge darüber. Er kannte sich mit den meisten Dingen aus, die Bereiche berührten, welche ihm wichtig waren. Gewiss fehlte es ihm in einigen der feineren Punkte an Kenntnis, doch die Sitzordnung war relativ einfach. Wenn jemand vor die Monarchin zitiert wurde, erhielt man entweder einen Platz angeboten, sobald man den Raum betrat, oder man stand während der gesamten Audienz. Der Unterschied war recht krass und zeigte, welchen Stellenwert man besaß oder ob man in der Gunst der Königin stand, oder auch beides.

Durch dieses Halb-und-halb-Arrangement signalisierte die Königin ihm wohl, dass es sich um eine Halb-und-halb-Angelegenheit handelte. Jeder, auf dessen Schultern nicht die unvermeidliche Last des höfischen Protokolls ruhte, hätte vielleicht einfach gesagt: Schauen wir mal, ob wir uns einig werden.

Antons Sinn für Humor war nicht so offensichtlich wie der seiner Geliebten Cathy Montaigne, doch es fehlte ihm daran keineswegs. Als er sich nun setzte, musste er den Impuls unterdrücken, der Königin zu entgegnen: Gut, Sie mischen, ich hebe ab.

Kaum saßen sie, als Elizabeth Winton auf die junge Frau neben sich wies und sagte: »Das ist meine Nichte Ruth, wie Sie wahrscheinlich schon geschlussfolgert haben.«

Anton nickte zuerst der Queen zu, um ihre Vermutung zu bestätigen, dann der königlichen Nichte.

»Sie werden nur selten ein Bild von ihr gesehen haben – in den letzten vier Jahren kein einziges –, weil wir sie stets aus dem Rampenlicht gehalten haben.« Ein wenig steif fügte sie hinzu: »Das hat übrigens keineswegs die Ursache – egal was die Medien sich zusammenspekulieren –, dass das Haus Winton auch nur die geringsten Schwierigkeiten mit Ruths Abkunft hätte oder sich gar dessen schämte. In den ersten Jahren wollten wir Ruth vor möglichem Schaden bewahren. Ihr Vater – der Vergewaltiger ihrer Mutter, sollte ich wohl sagen – konnte wie viele masadanische Fanatiker entkommen, nachdem der Earl von White Haven als Reaktion auf den masadanischen Angriff gegen Grayson den Planeten Masada besetzt hatte. Wir fahnden zwar nach wie vor nach diesen Leuten, doch wie Sie wohl noch besser wissen als ich, ist es uns bislang nicht gelungen, sie aufzuspüren.«

Die Königin verzog das Gesicht, und Zilwicki stimmte ihr innerlich zu. Einem disziplinierten, harten Kern aus der masadanischen Abart der Kirche der Entketteten Menschheit war es gelungen, in den Untergrund zu gehen und dort zu bleiben. Dass sie nach über fünfzehn T-Jahren manticoranischer Besatzung immer noch unentdeckt geblieben waren, sagte einiges aus, worüber kein Geheimdienstoffizier wirklich nachdenken wollte. Insbesondere, seit ihre Verschwörung zur Ermordung sowohl der Königin als auch des Protectors von Grayson vor vier Jahren um Haaresbreite erfolgreich gewesen wäre.

»Wer weiß was diese Irrsinnigen getan hätten?«, fuhr die Königin fort und bestätigte ihm damit, dass sie an das Gleiche dachte wie er. »Das ist natürlich lange her, und wir machen uns heute keine großen Sorgen mehr. Doch seitdem …«

Elisabeth legte den Kopf ein wenig schräg und bedachte Ruth mit einem milden, schiefen Lächeln. »Seitdem haben wir auf Ruths eigenen Wunsch die Geheimhaltung fortgesetzt. Wie sich herausstellt, hat meine Nichte – das ist für mich noch immer ein bisschen schockierend – den für die Wintons höchst untypischen Wunsch, in einer anderen Eigenschaft zu dienen, als die übliche Laufbahn beim Militär, dem Diplomatischen Korps oder der Kirche einzuschlagen.«

Anton musterte das Mädchen sorgfältig. Er bedachte, was er bereits über sie wusste, während er Elizabeths Worte verdaute.

Mit seiner Brautwahl hatte der damalige Kronprinz und Thronerbe Michael Winton besonders in den reaktionären Kreisen der Aristokratie einigen Staub aufgewirbelt. Als Thronerbe war er gesetzlich verpflichtet gewesen, eine Bürgerliche zu ehelichen, wenn er denn überhaupt heiraten wollte, doch allgemein war erwartet worden, dass er wartete, bis sein Neffe die Position des Thronerben einnahm, und dann jemand aus seinen eigenen Kreisen heiratete. Gewiss hatte niemand damit gerechnet, dass er eine ausländische Bürgerliche heiraten könnte – ganz gewiss aber nicht eine mittellose Bürgerliche auf der Flucht, die von einem Planeten wie Grayson stammte. Ganz besonders aber heiratete ein manticoranischer Kronprinz keine schwangere Bürgerliche, die ihren masadanischen Sklavenherren nur dadurch entkommen war, dass sie mehrere Morde beging und ein Sternenschiff entführte.

Michael jedoch war in vollem Maße mit dem für das Haus Winton typischen Eigensinn ausgestattet. Vor allem aber hatte seine Schwester ihm vorbehaltlos den Rücken gestärkt. Und so hatte er, ob es allen nun passte oder nicht, Judith geheiratet und Ruth adoptiert.

Natürlich nicht ohne gewisse Sondervorkehrungen. Michael war mittlerweile weder Thronfolger noch Prinz, da sein Neffe Roger mittlerweile so alt war, dass man ihn zum Erben seiner Mutter erklärt hatte, und sie hatten die offizielle Eheschließung verschoben, bis Roger seinen Platz eingenommen hatte. Michael war jetzt der Herzog von Winton-Serisburg, wodurch Judith zur Herzogin wurde, obwohl der Titel nur auf Lebenszeit galt und nicht an Ruth vererbt wurde. Dennoch hatte Michael bei der Adoption von Judiths Tochter ausdrücklich erklären müssen, dass Ruth nicht in der Thronfolge der Krone von Manticore stand. Dass man sie normalerweise mit dem Titel einer Prinzessin belegte, war reine Höflichkeit, obwohl Anton den starken Verdacht hatte, dass Elizabeth beabsichtigte, dem Mädchen bei passender Gelegenheit einen eigenen Adelstitel zu verleihen.

Ungeachtet ihrer tatsächlichen Herkunft war Ruth Winton eine Winton, und das Haus Winton hatte wie die meisten fähigen und intelligenten Herrscherdynastien der Geschichte eine lange Tradition, dass ihre jungen Abkömmlinge in den Staatsdienst gingen, normalerweise entweder ins Diplomatische Korps oder zum Militär; im letzteren Fall wurde meist die Navy bevorzugt, da sie Manticores Hauptteilstreitkraft darstellte. Einige wenige mit einer Neigung dazu entschieden sich auch für eine Laufbahn als Geistliche. Das Sternenkönigreich besaß keine Staatskirche, doch das Haus Winton war seit jeher Mitglied der Zweitreformierten Katholischen Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte waren viele Wintons Geistliche geworden, und einige hatten sogar das Zölibat auf sich genommen, das für die Priesterschaft der Zweitreformierten Katholischen Kirche optional war, aber mehr oder minder von jedem erwartet wurde, der das Bischofsamt anstrebte.

Eine ganze Reihe von Puzzlestücken fügten sich in Antons Kopf zusammen. »Sie will in den Geheimdienst – Sie haben Recht, Eure Majestät, das ist ein wenig schockierend –, und sie möchte von mir ausgebildet werden. Der letzte Teil leuchtet ein, aber der Rest grenzt an Irrsinn. Auf keinen Fall könnte sie das Handwerk auf offiziellem Wege lernen. Die Flottenakademie würde bei dem Gedanken ersticken, und der Special Intelligence Service bekäme wahrscheinlich einen kollektiven Herzanfall. Sie könnten die Leute natürlich dazu zwingen, doch sie wären dann so sehr auf Sicherheit bedacht, dass sie Ihrer Nichte das Gehirn nur tüchtig durcheinander rühren würden.«

Königin Elisabeths ausdruckslose Miene verriet ihr unterdrücktes Erstaunen. Neben ihr wisperte die junge Ruth: »Ich habe dir doch gesagt, dass er der Beste ist.«

Anton fuhr fort: »Die Idee ist trotzdem verrückt. Gewiss, Eure Majestät – und ich will damit nicht respektlos erscheinen –, Ihre Dynastie könnte natürlich ein Mitglied gebrauchen, das sich mit dem Spionagegewerbe auskennt. Nicht so sehr zum eigenen Erlangen von Informationen sondern vielmehr, um den Mist und Müll erkennen zu können, aus dem nach vier Jahren Regierung High Ridge die so genannten ›Nachrichtendienstberichte‹, die Sie erhalten, wahrscheinlich bestehen. Sowohl vom ONI als auch vom SIS. Ich möchte damit nicht respektlos erscheinen. Eurer Majestät gegenüber nicht, heißt das.«

Er schwieg kurz, dann sagte er: »Trotzdem bleibt das Sicherheitsproblem bestehen. Hier auf Manticore ist es natürlich nicht so gravierend, aber meine Arbeit zwingt mich oft, den Planeten zu verlassen. Manchmal muss ich Orte aufsuchen, wohin ich nicht einmal einen Straßenköter mitnehmen möchte, geschweige denn eine Prinzessin. In ein paar Tagen zum Beispiel …«

»Von Ihrer bevorstehenden Reise weiß ich, Captain«, unterbrach Elizabeth ihn. »Um genau zu sein ist diese Reise der Anlass unserer kleinen Zusammenkunft.«

Erneut überschlugen sich Antons Gedanken, und erneut fügten sich Puzzlestücke zusammen. Bei solchen Gelegenheiten meinten Menschen, die ihn nicht kannten, dass seine Gedankenprozesse übermenschlich schnell abliefen. Anton hingegen hielt sich für einen langsamen Denker, nicht zu vergleichen mit dem quecksilbrigen Verstand seiner Geliebten Cathy. Doch weil er so methodisch und gründlich dabei war, alle möglichen Aspekte schon im Vorfeld zu durchdenken, durchschaute er, sobald er die letzte Schlüsselinformation erhielt, auch komplexe Zusammenhänge mit einer Geschwindigkeit, die nur wenige andere Menschen nachvollziehen konnten. Die Ladung vor die Königin war am Tag zuvor vollkommen unerwartet eingetroffen, und Anton hatte darauf auf die Art und Weise reagiert, auf die er in solchen Gelegenheiten immer reagierte – indem er Stunden damit verbrachte, alle möglichen Variablen zu wälzen, die vielleicht eine Rolle spielten.

Ein kleines Grinsen konnte er sich nicht verkneifen. »Sie haben also beschlossen, High Ridge mit dem Finger ins Auge zu stechen, hm? Gute Idee, Eure Majestät.« Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass sowohl der Haushofmeister als auch die beiden Offiziere im Raum ihn wütend anstarrten. Ein wenig verspätet ging ihm auf, dass es wahrscheinlich gegen das Protokoll verstieß, wenn ein bürgerlicher Spion der Königin zu ihrer machiavellistischen Verschlagenheit gratulierte.

Hm. Wahrscheinlich war es sogar ein ernsthafter Verstoß. Anton stellte indessen fest, dass es ihm egal war, und er sah keinen Grund, weiter auf dem Punkt herumzureiten.

»Ein ausgezeichneter Zug, wenn Sie meine Meinung interessiert, und zwar in mindestens dreifacher Hinsicht. Sie erinnern jeden daran, dass die Wintons Sklaverei verabscheuen und mindestens ebenso sehr Neokolonialismus im solarischen Stil. Sie treten der unangenehmen, gegen das Sternenkönigreich gerichteten Propaganda entgegen, die noch in den Köpfen der solarischen Bürgerlichen verankert ist – von denen es ungezählte Billionen gibt, auch wenn die Leute das anscheinend immer wieder vergessen –, und Sie schieben ganz raffiniert Cathy Montaignes Wahlkampagne an, ohne je offiziell für sie Stellung bezogen zu haben oder gar offiziell ihren Verweis aus der Gegenwart der Königin und dem Oberhaus zurückzunehmen – o ja, das ist verschlagen; gut gemacht, Eure Majestät.«

Die nächsten Worte donnerten aus ihm heraus wie ein Güterzug: »Ganz zu schweigen, dass es eine Tat der Gnade ist, High Ridge einen Finger ins Auge zu stechen. Mit den Feinheiten der Zweitreformierten kenne ich mich zwar nicht so gut aus, aber meiner Überzeugung nach sollten Sie allein schon deswegen am Ende ins Himmelreich vorgelassen werden.«

Er räusperte sich. »Wobei ich Eurer Majestät gegenüber nicht respektlos erscheinen will.«

Einen Moment lang war der Raum wie erstarrt. Sowohl die Königin als auch ihre Nichte saßen steif vor ihm und stierten ihn an. Der Haushofmeister schien kurz vor einem Herzinfarkt zu stehen, die beiden Offiziere ebenfalls. Die wachestehenden Soldaten überlegten sich offenbar, wie wahrscheinlich es sei, dass sie bald jemanden auf der Stelle festnahmen. Neben ihm schien seine Tochter Berry hin und her gerissen zwischen dem Drang, sich unter ihrem Stuhl zu verstecken, und eilends aus dem Raum zu fliehen.

Und dann brach Elizabeth Winton in Gelächter aus. Es war kein leises, vornehmes Lachen, sondern ein heiseres Prusten, wie es mehr in ein Varieté passen wollte als in einen königlichen Palast.

»Himmel, Sie sind gut!«, rief sie aus, als das Lachen verebbt war. »Ich habe zwei volle Tage gebraucht, um meinem … inneren Kreis diesen Gedanken einzubläuen.« Sie drückte den Unterarm ihrer Nichte knapp und liebevoll. »Außer Ruth natürlich.«

Die Erwähnung Ruths lenkte Antons Gedanken auf eben diese Variable, und er benötigte nicht mehr als zwei oder drei Sekunden, um auch den Rest zu ergründen. In groben Zügen zumindest. Was ihn an der Ladung der Königin am meisten verwundert hatte, war die Frage, welchen Grund sie hatte, um auch Berrys Erscheinen zu erbeten.

»Eure Majestät, es ist wahrscheinlich keine gute Idee«, sagte er abrupt. »Wo Ihre Nichte und Berry ins Spiel kommen, meine ich. Ich gebe zwar zu, dass der Gedanke einen gewissen Charme aufweist, weil es vermutlich keinen älteres Trick mehr gibt. Trotzdem …«

Indem er sich nachdrücklich zu Gedächtnis rief, dass es seine Monarchin sei, mit der er da sprach, gelang es Anton, die finstere Miene zu unterdrücken, die auf sein Gesicht treten wollte. »Charmant hin oder her, und egal, ob es funktionieren würde oder nicht – und ich möchte Eurer Majestät gegenüber nicht respektlos erscheinen –, aber auf keinen Fall werde ich zustimmen. Ich war Vater, bevor ich Offizier im Nachrichtendienst wurde, und ich hatte noch nie Mühe, die Reihenfolge meiner Prioritäten im Auge zu behalten.«

Erneut erstarrten die Gesichter des Haushofmeisters und der Offiziere. Elizabeth hingegen bedachte Anton nur mit einem langen, nachdenklichen Blick. »Nein, das stimmt«, stimmte sie ihm zu. »Einen schönes Tages müssen Sie mir einmal in allen Einzelheiten erzählen, was in Chicago passiert ist, aber ich weiß genug über die Affäre, um den Kern begriffen zu haben. Zwei Dreckschweine zwangen Sie sich für Ihre Vaterpflichten oder Ihre Laufbahn zu entscheiden, und Sie haben den beiden das Ganze ziemlich übel genommen.«

Anton sagte sich, dass man es normalerweise nicht als passend ansehe, wenn eine Monarchin ihren Botschafter in der mächtigsten Sternnation der Galaxis und einen ihrer ranghöchsten Admirale als ›Dreckschweine‹ titulierte. Nicht dass Elizabeth Winton sich darum irgendwelche Gedanken zu machen schien.

»Haben Sie überhaupt gezögert?«, fragte sie.

»Keine Sekunde.« Er zuckte ganz leicht die massigen Schultern. »Strandgutsammler ist gar kein übler Job, wenn einem nichts anderes übrig bleibt.«

»Gut. Ich glaube nämlich, dass ich am ehesten einem Mann trauen kann, der keine Angst davor hat, am Strand auf dem Trockenen zu sitzen, wenn er muss.«

Erneut zuckte er die Schultern. Diesmal sah es so aus, als schüttle er eine Last ab. »Das mag sein, Eure Majestät, aber ich bin trotzdem nicht einverstanden. Vielleicht ist es längst nicht so gefährlich – sehr wahrscheinlich sogar nicht –, aber wir sprechen hier immer noch von meiner Tochter. Und …«

Weiter kam er nicht. Anton hatte vergessen, dass auch Berry über eine rasche Auffassungsgabe verfügte. Vielleicht hatte sie nicht wie Anton die Gewohnheit, jede Situation systematisch zu analysieren, doch auch sie hatte sich gewundert, weshalb man sie ausdrücklich in die Ladung vor die Königin einschloss.

»Ach, das ist doch Kacke!« Sie errötete. »Ah … ’tschuldigung, Daddy … und, äh, tut mir wirklich leid, Eure Majestät. Das Wort, meine ich.«

Von der Nervosität, die das Mädchen zuvor beherrscht hatte, gab es keine Spur mehr. »Aber trotzdem ist es Ka … Blödsinn. Mein Leben gehört mir, Daddy, auch wenn ich erst siebzehn bin … Aber ich habe Prolong nicht so früh bekommen wie Ruth … äh, Prinzessin Ruth … Also sehe ich wahrscheinlich sogar ein bisschen älter aus als sie, und wer würde den Unterschied schon merken, weil du ja nie zugelassen hast, dass ein Bild von mir an die Öffentlichkeit kommt, weil du von Berufs wegen parano … – sehr vorsichtig bist, meine ich.«

Einen Augenblick lang glaubte Anton allen Ernstes, sie würde ihm sogar noch die Zunge rausstrecken. Hin und wieder hatte sie das schon getan. Doch Berry gelang es, daran zu denken, wo sie war, und sie richtete sich so graziös auf, wie man es als Siebzehnjährige vermag, und schniefte indigniert.

»Ich finde, ich wäre ein großartiges Double für die Prinzessin. Für mich wäre es sehr aufregend, das steht ja wohl fest, und sie käme endlich mal raus in die Welt.«

Ruth und sie tauschten ein Lächeln gegenseitiger Anerkennung. Anton blickte hilfesuchend die Königin an, doch Elizabeth grinste ihn nur an.

Er ließ die Schultern sinken. »Verdammt«, knurrte er.

2

Am nächsten Tag war Berry mit der Situation schon erheblich weniger zufrieden, denn sie musste zum Mount Royal Palace zurückkehren und sich in der königlichen Klinik melden.

Von Anfang an hatte Anton darauf bestanden und Elizabeth Winton schließlich überzeugen können, dass die ursprüngliche Idee der Königin, nämlich Berry als Ruths Double einzusetzen, nicht durchführbar sei. Oder genauer gesagt, dass sie nur kurz funktionieren könne und höchstwahrscheinlich negative politische Rückwirkungen nach sich ziehe.

»Heutzutage geht das nicht mehr so einfach«, argumentierte er. »Um den Austausch aufzudecken, braucht nur jemand eine DNA-Probe von einem der beiden Mädchen an sich zu bringen, und das wird früher oder später gelingen. Mit moderner Technik erhält man eine brauchbare Probe aus den Schweißspuren, die man auf einem Türknauf hinterlässt. Ja, gewiss, Berry ist auf Alterde geboren, sodass ihre DNA ebenso sehr ein Mischmasch ist wie die jedes Menschen in der ganzen Milchstraße. Ruth hingegen ist graysonitisch-masadanischer Herkunft, und diese genetische Variante hat so viele eindeutig bestimmbare Merkmale, dass sie mit Leichtigkeit zu identifizieren ist.«

Die Königin runzelte die Stirn. »Ich dachte, Sie wären einverstanden, Captain?«

Er schüttelte den Kopf. »Sie denken zu geradlinig. Sie brauchen überhaupt kein echtes Double, Eure Majestät. Sie brauchen nur eine Ablenkung. Zu keiner Gelegenheit – niemals – werden Sie oder ich oder sonst jemand, der direkt in die Affäre verwickelt ist, vortreten und sagen: ›Dieses Mädchen ist Ruth Winton und dieses Berry Zilwicki.‹ Sie brauchen nur bekannt zu geben, dass Ruth Winton Captain Anton Zilwicki und Professor W. E. B. Du Havel auf der Reise begleiten wird, die sie antreten, um der Familie und den Freunden des Märtyrers Hieronymus Stein das Beileid der Anti-Sklaverei-Liga auszusprechen. Ruth komme mit, um für das Haus Winton zu sprechen. Das ist alles. Irgendwo – aber nicht in einem Kommuniqué der Dynastie – erwähnen wir beiläufig, dass Captain Zilwicki auf der Reise von seiner Tochter Berry begleitet wird.«

Er blickte die beiden Mädchen an. »Berry stecken wir in die teuersten Klamotten, die wir finden können, und Ruth trägt das unförmige Teenagerzeug, das Berry gewöhnlich anhat, wenn sie nicht versucht, das Herrscherhaus zu beeindrucken. Das ich als Lumpen bezeichnen würde, wenn es nicht doppelt so teuer wäre wie gute Kleidung.« Er ignorierte das leichte Protestkeuchen seiner Tochter. »Bevor wir aufbrechen, lassen wir etwas durchsickern – gerade noch rechtzeitig für die Paparazzi. Während wir durch das Tor in den Abflugbereich wechseln, wird Berry neben mir gehen, gekleidet wie eine Prinzessin, und die Leibgardisten werden sich verhalten, als würden sie sie beschützen. Ruth kommt mit nonchalanter Miene hinterher.«

Elizabeths Gesicht leuchtete auf. »Ah, ich verstehe. Wir werden ihnen nicht sagen, dass Berry Ruth wäre und umgekehrt – niemandem sagen wir das. Wir lassen sie von selber auf diese Idee kommen.«

»Genau. Was die Sicherheit angeht, erfüllt das unseren Zweck. Es gestattet Ihnen aber auch, später vom Haken zu schlüpfen, wenn die Verwechslung auffliegt – und dazu kommt es irgendwann, machen Sie sich nichts vor. Wenn die Leute sich empören, dass die manticoranische Krone sich zu arglistiger Täuschung herablasse, können Sie achselzuckend entgegnen, es sei nicht Ihre Schuld, wenn die Reporter nachlässig recherchierten.«

Die Königin schüttelte den Kopf. »Ich stimme Ihren Argumenten zu, Captain, aber Sie übersehen eine substanzielle politische Komplikation. Die manticoranische Krone kann damit leben, wenn man ihr vorwirft, hinterlistig, verschlagen und raffiniert zu sein. Offen gesagt würde ich es genießen. Der Vorwurf, der mich wirklich treffen würde, wäre der, dass wir bereit sind, das Leben einer Bürgerlichen zu gefährden, um ein Mitglied des Königshauses zu schützen. Diesen Vorwurf könnte ich mir nicht leisten, und zurzeit schon gar nicht. Mehr als je zuvor stützt sich die Stärke der Krone heute auf die Ergebenheit des einfachen Volkes.«

Anton bestätigte ihr, wie zutreffend ihre Bemerkung sei, indem er leicht den Kopf neigte.

»Ich bin neugierig, Captain«, fuhr Elizabeth Winton fort. »Es ist schon richtig, Ihre Variante lässt mich vom Haken schlüpfen, falls unser kleines Manöver aufgedeckt wird. Dennoch sind wir uns beide darüber im Klaren, dass wir eine Bürgerliche benutzen, um eine Prinzessin zu schützen. Belastet Sie das nicht? Das hätte ich eigentlich erwartet, Captain, denn schließlich stammen Sie von Gryphon. Manticoranische Kronenloyalisten würden es ohne Zweifel mit Freuden tun, aber die Highlander sind ein … störrischer Menschenschlag.«

Anton grinste. »Ja, das sind wir, was? Der Grund, weshalb es mir nicht auf der Seele liegt, Eure Majestät, ist der, dass meine Tochter darauf bestanden hat.« Er blickte Ruth noch einmal an. Ihre Mutter wurde von einem Mann geschwängert, der seine Frauen als Leibeigene betrachtete. »Ich sagte, dass ich ein Vater sei, kein stinkender masadanischer Patriarch. Die können alle zur Hölle fahren.«

Ruths Wangen schienen ein wenig zu glühen, doch sie verzog keine Miene. Anton hatte seine Bemerkung ohne Hintergedanken gemacht, doch er begriff im gleichen Moment, dass er seine Position als einer der Helden der Prinzessin zementiert hatte. Ihm sank leicht das Herz. Ein anderer Mann hätte sich vielleicht an dem Gedanken gefreut, sich die Gunst des Königshauses zu erwerben. Anton Zilwicki – ›Daddy Dour‹, wie seine Tochter Ruth ihn wegen seiner mürrischen Strenge manchmal nannte – sah nur die Schwierigkeiten und Komplikationen, die ihm daraus entstanden.

Wenn ich mir überlege, wie einfach mein Leben mal gewesen ist. Ungebundener Witwer und unbekannter Nachrichtendienstoffizier der RMN, das war alles. Und jetzt? Meine Geliebte ist die berüchtigste Akteurin auf dem politischen Parkett des Sternenkönigreichs, und jetzt gieße ich auch noch Hofintrigen in den Cocktail!

»Wir können noch etwas tun, um die Chancen zu erhöhen, dass der Tausch so lange wie möglich unentdeckt bleibt«, fügte er hinzu. Kurz musterte er die Mädchen. »Vorausgesetzt, dass die beiden dazu bereit sind, natürlich – und, ohne Sie kränken zu wollen, Eure Majestät, dass Sie bereit sind, dafür zu bezahlen.«

Königin Elisabeth lachte glucksend. »Eine nanotechnische Umwandlung? Sie gehen wirklich großzügig mit dem Geldbeutel der Krone um, Captain Zilwicki!«

Anton gab keine Antwort, die über ein schmales Grinsen hinausging, was ihm wie eine bessere Erwiderung vorkam, als wenn er gesagt hätte: Sicher, es kostet ein kleines Vermögen – aber für Sie ist es nur ein Taschengeld.

Elizabeth musterte die beiden Mädchen ebenfalls. Sie wirkte ein wenig unschlüssig, obwohl Anton recht sicher war, dass sie nicht wegen der Kostenfrage zögerte. Bioskulptur wäre günstiger gewesen, doch Bioskulptur ging nur knapp bis unter die Haut – im wahrsten Sinne des Wortes –, und in diesem Fall wäre ein tiefer gehender Eingriff nötig. Obwohl Berry und Ruth, von Berrys dunkelbraunem und Ruths goldblondem Haar abgesehen, vom gleichen Typ waren, waren sie nicht gleich groß. Und während man sie beide niemals als untersetzt bezeichnet hätte, war Ruth merklich feinknochiger als Berry. Einem beiläufigen Beobachter wären die Unterschiede kaum aufgefallen, doch sobald jemand sich die Mühe machte, ihre Holobilder miteinander zu vergleichen, musste er sie sofort bemerken.

Es sei denn natürlich, die Unterschiede wurden umgekehrt, bevor die HD-Kameras sie je aufzeichneten.

Freilich hatte auch diese Methode ihre Nachteile, und Elizabeth Winton war sich ihrer eindeutig bewusst. Selbst wenn man beiseite ließ, dass es zuallermindest unangenehm für die Patientinnen wurde, wenn man die Operationen in der kurzen noch zur Verfügung stehenden Zeit durchführte, waren nanotechnische Körperabwandlungen selbst unter den besten Umständen verstörend. Zwar waren die Veränderungen leicht rückgängig zu machen, doch die meisten Leute störten sich sehr daran, wenn ihr Körper die Gestalt wechselte, während sie zusahen. Umso schlimmer, wenn die Probanden zwei sehr junge Frauen waren, deren Körperentwicklung durch das Prolong ohnehin verzögert wurde und die sich noch an die Körper gewöhnen mussten, die sie von Natur aus besaßen.

»Die Entscheidung liegt bei dir, Ruth – und natürlich auch bei Ihnen, Berry«, sagte die Königin. »Ich warne euch beide, spaßig wird das nicht.«

»Aber sicher machen wir es!«, piepste die Prinzessin augenblicklich.

Berry, der auffiel, dass Ruth Wintons Miene längst nicht so zuversichtlich wirkte, wie ihre Worte klangen, hatte einen Augenblick lang gezögert. Sie verstand nur sehr wenig von Nanotechnik, und mit deren Anwendung auf die menschliche Physis kannte sie sich noch weniger aus. Doch als die Prinzessin ihr einen still bittenden Blick zuwarf, war das Thema für sie erledigt.

»Sicher machen wir das«, stimmte sie zu und bemühte sich nach Kräften um einen selbstsicheren Ton. Und hoffte, dass ihre Miene nicht so leicht zu durchschauen wäre wie die Ruths.

Zu Berrys Erleichterung erwies sich die ›Klinik‹ als vollständig ausgestattetes, modernes Minikrankenhaus. Nicht ganz zu ihrer Erleichterung erwies sich Dr. Schwartz, die Ärztin, die sich nach ihrer Ankunft um sie kümmerte, als zwar sehr freundlicher, aber beunruhigend jugendlich wirkender Mensch. Nach ihrem Aussehen hätte Berry nicht für möglich gehalten, dass die Frau schon so alt war, um überhaupt die Universität abgeschlossen zu haben.

Zu ihrer völligen Bestürzung ließ die Ärztin selbst die grundlegendsten Methoden zur Patientenberuhigung vermissen.

»Wird es wehtun?«, hatte Berry sie nervös gefragt, während sie der Ärztin durch einen Korridor folgte, der übermäßig schmucklos und steril wirkte.

»Wahrscheinlich«, antwortete Dr. Schwartz unbekümmert. Sie bedachte Berry mit einem Lächeln, das weniger mitfühlend ausfiel, als es Berrys Meinung nach möglich gewesen wäre. »Was erwarten Sie? Eine komplette nanotechnische Körperabwandlung in nur vier Tagen!« Dr. Schwartz schüttelte den Kopf, als könnte sie die Torheit nicht fassen. »Wir erhöhen Ihre Körpergröße um fast einen ganzen Zentimeter, wissen Sie. Und die Prinzessin verkleinern wir um den gleichen Wert.«

Das Lächeln war definitiv nicht so mitfühlend, wie es hätte ausfallen sollen, fand Berry ärgerlich. Als sie hörte, was die Ärztin als Nächstes sagte, vertiefte sich dieser Eindruck.

»Es bleibt nicht aus, dass Sie Beschwerden empfinden, wenn wir Ihre Knochen auseinander nehmen und neu zusammensetzen. Veränderungen am Muskelgewebe sind nicht so schlimm, aber Knochenabwandlungen sind eine ganz andere Geschichte. Dennoch denke ich, dass Sie sehr viel schlafen werden.«

Fünf Sekunden später führte Dr. Schwartz Berry in ein täuschend unauffällig wirkendes Zweibettzimmer.

Ruth lag bereits im anderen Bett. Sie sah ein bisschen gelassener aus, als Berry zumute war, aber nur ein kleines bisschen. Berry fühlte sich eigenartig getröstet, als sie erkannte, dass die andere genauso nervös war wie sie.

»Nun gut, Ms Zilwicki«, sagte Dr. Schwartz energisch. »Wenn Sie sich das Nachthemd anziehen und ins Bett hüpfen würden, können wir mit den Vorbereitungen anfangen.«

»Ah … wie sehr wird das jetzt wehtun?«, fragte Berry, während sie sich anschickte, den Befehl zu befolgen. Es war, das räumte sie vor sich selbst ein, ein bisschen spät, um diese Frage noch zu stellen, doch Dr. Schwartz schien sie nichts auszumachen.

»Wie ich schon sagte«, entgegnete die Ärztin, »sind Modifikationen der Knochen stets mit Beschwerden verbunden. Mir ist natürlich klar, dass wir Arzte unsere Patienten stets ein wenig nervös machen, wenn wir mit Wörtern wie ›Beschwerden‹ um uns werfen, aber Sie sollten es wirklich nicht so sehen. Schmerz ist eine der effizientesten Methoden des Körpers, uns etwas mitzuteilen.«

»Wenn es Ihnen nichts ausmacht«, erwiderte Berry, »wäre es mir recht, wenn er mir so wenig mitteilen würde wie nur irgend möglich.«

»Ganz meine Meinung«, warf Ruth aus ihrem Bett ein.

»Nun, wir tun natürlich, was wir können, um die Beschwerden zu minimieren«, versicherte Dr. Schwartz ihnen. »Tatsächlich ist der Eingriff nicht besonders schwierig. Das Aufwändigste ist die korrekte Programmierung der Nanniten, und da wir die kompletten Krankenakten von Ihnen beiden vorliegen haben, ging es diesmal sehr zügig. Ich weiß noch, wie wir einmal einen Eilauftrag für den SIS erledigen mussten, ohne dass wir Zugriff auf die Krankenakte des Kerls hatten, auf den wir unsere Nanniten einstimmen sollten. Nun, das war eine Herausforderung! In Ihrem Fall allerdings …«

Sie machte eine lässige, abschätzige Geste, dann sah sie Berry mit einem Stirnrunzeln an, weil diese ihr offenbar nicht schnell genug die Kleider abstreifte und sich das Nachthemd überzog. Berry begriff, und die Ärztin nickte zufrieden, als sie sich sputete.

»In Ihrem Fall haben wir selbstverständlich alle Informationen, die wir brauchen«, fuhr Schwartz fort. »Ein Problem ist nur der Zeitfaktor. Sobald wir die Vorbereitungen an Ihnen vorgenommen haben, führen wir die Feinabstimmung der Nannys durch und injizieren sie Ihnen. Danach«, sagte sie mit einer Fröhlichkeit, die Berry bei sich ziemlich beängstigend fand, »werden die Nannys beginnen, Sie auseinander zu nehmen und wieder zusammenzusetzen. Wenn uns zwei Wochen zur Verfügung stehen würden, wäre es wahrscheinlich nicht schlimmer als eine, sagen wir, mittelschwere Grippe. Innerhalb des Zeitraums, den wir nutzen können, fällt die Umwandlung wohl leider ein wenig strapaziöser aus.«

Sie zuckte mit den Achseln.

»Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass Sie in den kommenden Tagen sehr viel schlafen werden. Eine nanotechnische Abwandlung kostet sehr viel Körperenergie. Wir werden die Beschwerden mit Medikamenten lindern, aber wir müssen gleichzeitig Ihre Reaktionen auf die Modifizierungen überwachen können, und deshalb dürfen wir sie nicht mit stark wirksamen Mitteln verfälschen. Das gilt besonders, wenn die Veränderungen so rasch erfolgen sollen. Deshalb fürchte ich, dass Sie später nicht besonders gern an die Zeit zurückdenken werden, die Sie nicht schlafend verbringen.«

Sie lächelte wieder, erneut mit diesem aufreizenden Mangel an Mitgefühl; Berry seufzte bedrückt auf. Als sie sich unbekümmert freiwillig gemeldet hatte, war ihr die Sache erheblich unkomplizierter erschienen.

Nachdem sie sich das Nachthemd zugeknöpft hatte, hielt sie inne. Sie zauderte nicht etwa, das versicherte sie sich mit Nachdruck. Sie empfand jedoch etwas, das dem Zaudern unangenehm ähnlich war, und in der Nachbarschaft ihrer Leibesmitte schienen eine erkleckliche Anzahl von Schmetterlingen umherzuflattern.

»Aha, Sie sind so weit, wie ich sehe! Gut!«, lobte Dr. Schwartz sie und lächelte sie noch fröhlicher denn je an. Berrys Schmetterlingspopulation wuchs exponenziell an. »Dann wollen wir doch einfach anfangen, nicht wahr?«

Die nächsten Tage waren beträchtlich elender, als eine nichtsahnende Seele nach den unbeschwerten Zusicherungen der Ärztin angenommen hätte. Tatsächlich aber hatte Berry in ihrem Leben schon weit Schlimmeres durchgestanden. Diese Lebenserfahrung hatte Berry zu einer misstrauischen Seele gemacht, wie man sie argwöhnischer nicht fand, ohne dass sie ihre freundliche und wohlwollende Art verlor.

Bis auf Prinzessin Ruth.

Im Laufe dieser erbärmlichen Tage lernte Berry die manticoranische Royal recht gut kennen, denn wenn sie nicht gerade schliefen, hatten sie außer Reden nichts zu tun. Und während Berry rasch zu dem Schluss gelangte, dass sie Ruth gern haben würde – sehr sogar –, fand sie zugleich die Unterschiede zwischen ihren Persönlichkeiten mehr als nur ein wenig amüsant.

Einige dieser Unterschiede waren offensichtlich – Berry neigte dazu, still zu sein, Ruth zur Ausgelassenheit. Doch ein tiefer gehender Unterschied, der gleichwohl nicht sofort offensichtlich war, bestand in ihren unterschiedlichen Lebenseinstellungen. Gewiss, Berrys Lebenserfahrung hatte von ihrer kindlichen Unschuld nur furchtbar wenig übrig gelassen, doch sie pflegte trotzdem das Universum und seine Bewohner auf heitere Weise zu betrachten. Ruth allerdings …

›Paranoid‹ sei nicht der richtige Begriff dafür, entschied sich Berry schließlich. Dieses Wort umfasste Angst, Sorge, Verdrießlichkeit – wohingegen die Prinzessin ein denkbar lebhaftes Temperament besaß. Doch wäre die Fügung ›optimistischer Paranoiker‹ nicht ein albernes Oxymoron gewesen, so hätte sie Ruth sehr gut beschrieben. Für sie schien festzustehen, dass ungefähr die Hälfte aller lebenden Menschen nichts Gutes im Schilde führte, auch wenn dieses Wissen sie nicht sonderlich zu belasten schien – weil sie genauso sicher war, dass sie mit den verdammten Mistkerlen fertig würde, wenn sie versuchten, sich mit ihr anzulegen.

»Wie um alles in der Welt hat die Queen es eigentlich geschafft, dich dreiundzwanzig Jahre lang unter dem Deckel zu halten?«, fragte Berry schließlich.

Ruth grinste. »Weil ich ihr geholfen habe. Ungefähr als ich sechs war, habe ich begriffen, dass es besser ist, nicht im Rampenlicht zu stehen.« Sie streckte die Zunge heraus. »Ganz zu schweigen davon – bah –, dass ich dadurch nicht mehr eine Million Stunden bei langweiligen offiziellen Anlässen stillzusitzen und mich anzustrengen brauchte, wie eine Prinzessin auszusehen – was ›ungefähr so helle wie ein Esel‹ bedeutet.«

»Sind die Einzelheiten über die Flucht deiner Mutter deshalb so lange vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen gehalten worden?«

»O nein.« Ruth schüttelte nachdrücklich den Kopf. Ihre Gebärden fielen normalerweise immer nachdrücklich aus – wenn sie nicht vehement ausgeführt wurden. »Gib mir bloß nicht die Schuld an dieser Idiotie! Wenn sie mich gefragt hätten – haben sie aber nicht, weil ich erst ein paar Jahre alt war, aber sie hätten’s tun sollen –, dann hätte ich ihnen gesagt, sie sollen es von den Dächern brüllen. Aber so wurde die Wahrheit erst Allgemeinwissen, nachdem Jelzins Stern sich der Manticoranischen Allianz angeschlossen hatte, und die manticoranische Öffentlichkeit machte eine Nationalheldin aus meiner Mutter. Ha! Das Gleiche wäre von Anfang an passiert, auch vor der Unterzeichnung des Bündnisvertrages! Du kannst dir verdammt sicher sein, dass mit der nackten, ungeschminkten Wahrheit über die Brutalität, mit der auf Masada die Frauen behandelt werden, überhaupt nie die Frage gestellt worden wäre, ob man eher mit Grayson oder mit Masada ein Bündnis eingehen sollte.«

Sie runzelte grimmig die Stirn. »Und das ist natürlich auch genau der Grund, warum die Idioten es nicht getan haben. ›Staatsräson‹. Ha! In Wirklichkeit mussten die Bürokraten sich bei den geistig umnachteten Barbaren von Masada ›alle Möglichkeiten offen halten‹ – noch so eine schöne vage Phrase –, bis das Foreign Office sich ein für alle Mal entschieden hatte, das Bündnis mit Grayson zu suchen! Und deshalb musste natürlich die gesamte Episode unter den Teppich gekehrt werden.«

Berry lachte. »Mein Vater sagt, dass die ›Staatsräson‹ öfter missbraucht worden ist, um schiere Dummheit zu kaschieren, als jede andere fromme Phrase, die es gibt. Und wann immer Mommy – äh, Cathy Montaigne, meine ich – versucht, ihn zu etwas zu bewegen, das er nicht tun will, dann sagt er sofort, er will sich alle Möglichkeiten offen halten.«

»Und was sagt sie dann?«

»Oh, sie wirft ihm wieder an den Kopf, dass er sich wie eine Ratte windet. Und dann versucht sie immer, mich und Helen – wenn sie Urlaub von der Akademie hat – auf ihre Seite zu ziehen.«

Fromm fügte Berry hinzu: »Ich bin natürlich immer auf ihrer Seite. Keiner kann sich besser rausreden als Daddy. Helen beruft sich immer auf den Ehrenkodex der Akademie, der ihr angeblich verbietet, Position zu beziehen, und dann wirft ihr Mommy augenblicklich vor, sie würde sich ebenfalls herauswinden.«

Berry blickte nun vollkommen engelhaft drein. »Und selbstverständlich stimme ich ihr auch dann immer zu.«

Ruth beäugte sie merkwürdig. »He, sieh mal«, sagte Berry defensiv, »was wahr ist, ist wahr.«

Dann bemerkte sie, dass sie falsch verstanden hatte, was die Musterung durch die Prinzessin bedeutete.

»Wir werden Freundinnen sein«, sagte Ruth unvermittelt. »Dicke Freundinnen.«

Sie sagte es nachdrücklich, vehement sogar. Dennoch entging Berry nicht die Tiefe der Einsamkeit und Unsicherheit, die sich hinter den Worten verbargen. Ruth, da war sie sich nun sicher, hatte in ihrem Leben noch nicht viele enge Freundschaften gekannt.

Berry lächelte. »Aber sicher.«

Auch sie meinte es ernst. Berry verstand sich darauf, Freundschaften zu schließen. Insbesondere enge.

»Sir, bitte sagen Sie mir, dass Sie mich auf den Arm nehmen«, bat Platoon Sergeant Laura Hofschulte vom Queen’s Own Regiment kläglich.

»Ich wünschte, es wäre so, Laura«, seufzte Lieutenant Ahmed Griggs und lehnte sich in seinen Sessel, während er sich mit den Fingern durch das dichte, rötliche Haar fuhr. Sergeant Hofschulte war sein Zugfeldwebel, und sie dienten seit fast zwei T-Jahren zusammen. In dieser Zeit hatten sie einander gut kennen gelernt, und zwischen ihnen herrschte ein gegenseitig empfundener, tiefer Respekt. Diese Tatsache erklärte vermutlich den gequälten, ungläubigen Blick einer … – Verratenen war vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, kam dem aber schon sehr nahe –, mit dem Hofschulte ihn nun ansah.

»Ich bin mir nicht sicher, wessen Idee das ist«, fuhr Griggs nach kurzem Zögern fort. »Colonel Reynolds machte auf mich den Eindruck, als stammte sie von Ihrer Majestät persönlich, aber mir klingt es mehr danach, als wäre das Ganze auf dem Mist der Prinzessin gewachsen.«

»Sie war es, oder vielleicht auch Zilwicki«, entgegnete Hofschulte finster. »Der Mann ist ein berufsmäßiger Spion, Sir. Gott allein weiß, in welch verdrehten Bahnen er mittlerweile denkt!«

»Nein, ich glaube nicht, dass er es war«, widersprach Griggs. »Wie Sie schon sagten, er ist ein berufsmäßiger Spion. Und ein Vater. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, der so beschützerisch ist, wie er sein soll, seine Tochter derart exponiert. Nicht, wenn die Idee von ihm stammt, heißt das.

Es spielt aber auch keine Rolle, wer es sich ausgedacht hat«, fuhr er forscher fort. »Wichtig ist nur, dass wir es in die Tat umsetzen müssen.«

»Nur um es noch einmal klarzustellen, Sir«, sagte Hofschulte. »Wir sausen als Leibwache der Prinzessin nach Erewhon, sollen es aber so aussehen lassen, als würden wir Berry Zilwicki beschützen, die jeder für die Prinzessin halten soll?«

»Genau.« Griggs grinste schief, als er das Gesicht sah, das sie zog. »Und vergessen Sie nicht, wie heikel unsere Beziehungen zu Erewhon im Augenblick sind. Ich bin mir sicher, dass man für unsere Bedürfnisse zwar sorgt, doch man ist auf Erewhon dermaßen sauer auf unsere Regierung, dass diese Zusammenarbeit sehr widerwillig ausfallen wird. Und von unseren Bedenken über die Nähe zu Haven werden sie sich auch nicht besonders beeindrucken lassen. Nicht nachdem die Hälfte ihrer Wähler glaubt, dass das Sternenkönigreich wegen rein innenpolitischer Vorteile willens ist, die ganze Allianz in die Tonne zu treten.«

Hofschulte nickte, doch ihre Miene zeigte ein wenig Unbehagen. Gewiss, die Treue des Queen’s Own Regiment gehörte ganz der Krone und der Verfassung, nicht dem Premierministeramt oder der jeweiligen Regierung des Sternenkönigreichs. Die Regimentsangehörigen hatten die Aufgabe, das Leben des Monarchen und der königlichen Familie um jeden Preis zu schützen, und man erwartete von ihnen, die Umstände ihrer Einsätze mit absoluter Gründlichkeit und vollkommener Offenheit zu besprechen. Man durfte auch dann die Dinge beim Namen nennen, wenn die Dummheit der Regierung oder der Tagespolitik das Erreichen des Hauptziels zu verkomplizieren drohte. Dennoch …

»Glauben Sie denn ernsthaft, die Erewhoner behindern unsere Interessen?«, fragte sie in nüchternerem Ton, und Griggs zuckte mit den Achseln.

»Eigentlich nicht«, antwortete er. »Ich erwarte aber etwas anderes: dass sie sich nicht gerade überschlagen, um zusätzliche Zusammenarbeit zu leisten, wie damals, als Prinzessin Ruths Vater Erewhon während des Krieges besuchte.« Er hob wieder die Schultern. »Kann man ihnen auch schwer verübeln. Selbst wenn man außer Acht lässt, wie oft wir ihnen in den letzten drei oder vier T-Jahren auf die Füße getreten sind, ist die Prinzessin ein viel unwahrscheinlicheres Ziel als der Herzog es war, und die Bedrohungsumstände dürften erheblich weniger extrem sein als damals.«

Hofschulte und er blickten einander grimmig an und erinnerten sich an die vielen Freunde und Kameraden, die an Bord der königlichen Jacht umgekommen waren, als während des königlichen Staatsbesuchs auf Grayson der Mordanschlag auf die Queen verübt wurde.

»Nun, das ist wohl wahr genug, Sir«, stimmte Hofschulte dem Lieutenant nach einem Augenblick zu. »Andererseits, der Herzog war nicht die Prinzessin, wenn ich das so sagen darf. Er war verdammt noch mal viel leichter zu beschützen als wahrscheinlich sie.«

»Das weiß ich«, stimmte Griggs ihr missgelaunt zu. Eigentlich war Ruth bei den Leibwachedetachements der königlichen Familie recht beliebt. Jeder mochte sie gern, sie war stets fröhlich, und sie behandelte – wie die meisten Wintons, sei es von Geburt oder durch Adoption – die Uniformierten, die dafür verantwortlich waren, ihr Leben zu schützen, niemals von oben herab. Unglücklicherweise wusste die Abteilung auch alles über den Ehrgeiz der Prinzessin, eine Geheimdienstkarriere einzuschlagen. Anton Zilwickis Gegenwart unterstrich diese Absicht, und in einer Situation, die politisch so heikel war wie das Stein-Begräbnis, mit Aktivisten der Anti-Sklaverei-Liga auf Du und Du zu verkehren, konnte Auswirkungen haben, über die kein geistig gesunder Leibwachenkommandant gern nachdachte. Vor allem aber …

»Wie alt ist Ms Zilwicki, sagten Sie, Sir?«, fragte Hofschulte, und Griggs lachte säuerlich auf über diesen Beweis, dass sie in genau den gleichen Bahnen dachte wie er.

»Siebzehn«, sagte er und sah, wie der weibliche Sergeant zusammenzuckte.

»Wundervoll … Sir«, brummte sie. »Ich hatte irgendwie gehofft, sie könnte vielleicht … nun ja, einen zügelnden Einfluss auf die Prinzessin ausüben«, fügte sie recht hilflos hinzu.

»Ja, es wäre schön, wenn das jemand könnte«, seufzte Griggs. Ruth Winton war eine wunderbar nette junge Frau mit einem großartigen angeborenen Gefühl für Anstand. Außerdem hatte sie aufgrund der Art und Weise, wie die königliche Familie zu ihrem Schutz die Reihen geschlossen hatte, und ihrer eigenen intensiven Konzentration auf Themen, die für sie von besonderem Interesse waren, ein sehr behütetes Leben geführt. Sie war in vielerlei Hinsicht ein Mensch, den man in früheren Zeiten als Fachidioten bezeichnet hatte: ein brillanter, talentierter, gebildeter, unglaublich tüchtiger und gut angepasster Fachidiot, aber ein Fachidiot und – auch das in vielerlei Hinsicht – ungewöhnlich jung für ihr Alter.

Und niemand, der sie kannte, zweifelte auch nur einen Augenblick, dass sie bereits jetzt Pläne schmiedete, wie sie das Beste aus ihrer Flucht vom Mount Royal Palace an einen Ort schlug, der so … interessant war wie Erewhon.

Der einzige wirkliche Unterschied zwischen ihr und der kleinen Zilwicki besteht darin, dass Königliche Hoheit in den sechs T-Jahren, die sie ihr voraushat, nur noch verschlagener und raffinierter geworden ist, sobald es um das Umgehen von Vorschriften geht, dachte er finster. Auf jeden Fall hat die Familie nichts unternommen, um ihre Abenteuerlust ein bisschen zu dämpfen, verdammt noch eins.

»Na, wenigstens haben wir Captain Zilwicki dabei, der die beiden schon im Zaum halten wird«, stellte er im Tonfall entschlossenen Optimismus fest.

»Ach ja, da fühle ich mich gleich viel besser, Sir«, erwiderte Hofschulte schnaubend. »Verbessern Sie mich, falls ich mich irre, aber ist das nicht der Kerl, der hinging und den Audubon Ballroom mobilisierte, als er außer der Reihe ein paar Schläger brauchte?«

»Nun … ja«, gab Griggs zu.

»Wundervoll«, wiederholte Hofschulte und schüttelte den Kopf. Doch dann, plötzlich, grinste sie.

»Wenigstens wird uns nicht langweilig, Sir.«

»Langeweile ist ganz gewiss das Eine, um das wir uns keine Sorgen machen müssen«, stimmte Griggs ihr mit einem weiteren Auflachen zu. »Ich denke vielmehr, für diesen Einsatz verdienen wir alle das Fauchende Kätzchen, Sergeant. Wir hüten die Prinzessin, dann eine Siebzehnjährige, die so tut, als wäre sie die Prinzessin, einen Intellektuellen aus der Anti-Sklaverei-Liga und den berüchtigsten ehemaligen Geheimdienstler des Sternenkönigreichs, alle genau in dem Fadenkreuz, das die Stein-Beerdigung auf einem Planeten wie Erewhon sein wird?« Er schüttelte den Kopf. »Zeit fürs Fauchende Kätzchen, das steht fest.«

»Ich will’s nicht hoffen, Sir!«, erwiderte Hofschulte lachend.

Das ›Fauchende Kätzchen‹, so nannte man im Queen’s Own Regiment das Adriennekreuz. Der Orden war von Roger II. gestiftet worden, um Angehörige der Queen’s Own zu ehren, die ihr Leben riskierten – oder verloren –, um einem anderen Mitglied der königlichen Familie als dem Monarchen das Leben zu retten. Das Kreuz zeigte eine fauchende Baumkatze (dem Gerücht zufolge hatte der ’Kater der damaligen Kronprinzession Adrienne, Dianchect, Modell gesessen), und in den zweihundertfünfzig T-Jahren, seit es ins Leben gerufen worden war, hatten elf Personen es erworben. Neun davon waren posthum ausgezeichnet worden. Natürlich, überlegte der Lieutenant, würden sie bei dieser Reise nicht alle ums Leben kommen. Es käme ihnen nur so vor.

»Ach, na ja«, sagte er schließlich. »Es könnte auch schlimmer sein. Wir könnten auch noch Prinzessin Joanna aufgehalst bekommen. Stellen Sie sich das mal vor.«

Sie blickten einander an, während sie sich beide vorstellten, was die Einbeziehung der jüngeren Tochter der Queen für die ohnehin schon Furcht erregende Mischung bedeutet hätte, und schüttelten sich in perfektem Gleichtakt.

3

»Captain Oversteegen ist jetzt da, Admiral.«

Die dunkelhaarige, dunkeläugige Frau mit den Rangabzeichen eines Admirals der Roten Flagge blickte von den Unterlagen auf ihrem Display hoch, als der Schreibersmaat ihren Besucher anmeldete.

»Vielen Dank, Chief«, sagte Admiral Draskovic mit vielleicht einer Spur mehr Begeisterung, als man normalerweise vom Fünften Raumlord der Royal Manticoran Navy erwartete, wenn ihr die Ankunft eines gewöhnlichen Captains angekündigt wurde. »Führen Sie ihn bitte herein«, fügte sie hinzu.

»Jawohl, Ma’am.«

Der Schreibersmaat zog sich zurück, und Draskovic speicherte das Dokument, das sie bearbeitete. Sie erhob sich, kam hinter ihrem Schreibtisch hervor und ging zu der Besprechungsecke, die um einen kostbaren Couchtisch arrangiert war. Die Tür ihres Büros öffnete sich erneut, und der Schreibersmaat führte einen Mann in der schwarz-goldenen Uniform der RMN mit den Rangabzeichen eines Captain of the List herein.

»Captain Oversteegen, Ma’am«, murmelte er.

»Danke, Chief.« Admiral Draskovic reichte ihrem Besucher die Hand und begrüßte ihn mit einem Lächeln. »Das wäre alles«, sagte sie, ohne den Blick von dem Captain zu nehmen.

Der Schreibersmaat zog sich erneut zurück, und Draskovic drückte dem Captain kräftig die Hand.

»Schön, Sie zu sehen, Captain«, sagte sie freundlich und wies ihm mit der anderen Hand einen der freien Sessel zu. »Bitte.«

»Danke, Ma’am«, antwortete Oversteegen, und wenn ihm durch den Sinn ging, dass ein Admiral einen kleinen Kreuzerkommandanten normalerweise nicht mit solchem Überschwang empfing, so zeigte sich auf seinem Gesicht oder in seinem Gebaren nichts davon, während er auf dem angewiesenen Sessel Platz nahm. Er schlug die Beine über und sah seine Vorgesetzte höflich und aufmerksam an.

»Ich glaube, ich hatte noch keine Gelegenheit, Ihnen zu gratulieren, Captain«, sagte Draskovic, nachdem sie sich auf der anderen Seite des Couchtischs ebenfalls gesetzt hatte. »Das war wirklich eine Vorstellung, die Sie im Tiberian-System abgeliefert haben.«

»Ich hatte ’n wenig mehr Glück, als man als gegeben voraussetzen sollte«, entgegnete er in gelassenem, gleichmütigem Ton. »Und, was noch wicht’ger ist, die beste Crew und die besten Offiziere, mit denen ich je das Glück hatt’ zu dienen.«

Ganz kurz wirkte Draskovic ein wenig verwirrt. Dann lächelte sie.

»Das hatten Sie ganz gewiss. Andererseits erfordert es auch mit viel Glück und einer ausgezeichneten Crew einen Kommandanten, der den Durchschnitt um ein, zwo Stufen überragt, um vier solarische Schwere Kreuzer auszuschalten. Auch«, fügte sie hinzu und hob Schweigen gebietend die Hand, als er den Mund öffnete, »wenn die fraglichen Kreuzer silesianische Besatzungen hatten. Sie haben uns stolz gemacht, Captain. Sie und Ihre Leute.«

»Danke, Ma’am«, sagte er erneut. Was hätte er unter den gegebenen Umständen sonst sagen können?

»Nichts zu danken, Captain, nichts zu danken«, entgegnete sie. »Schließlich und endlich ist die Navy heute mehr denn je auf gute Presse angewiesen!« Sie schüttelte den Kopf. »Es erstaunt mich immer wieder, wie rasch in Vergessenheit gerät, was wir geleistet haben. Ich nehme an, es ist nur ein weiterer Fall von: ›Ja, aber was habt ihr in letzter Zeit für uns getan?‹«

»So ist’s immer, Ma’am, nicht wahr?«, erwiderte Oversteegen und lächelte ganz leicht. »Ich nehm’ an, es ist nicht ganz überraschend, dass der Mann auf der Straße sich wirklich fragt, wofür er die Navy heutzutage eigentlich noch bezahlt.« Draskovic wölbte eine Braue, und er lächelte breiter. »Ich meine«, erklärte er, »im Licht der augenblicklichen Debatte zwischen Regierung und Opposition, was die Navy nun tatsächlich tun sollte.«

»Ich verstehe, was Sie meinen«, sagte Admiral Draskovic und lehnte sich zurück, um ihn mit einer Nachdenklichkeit anzusehen, die sie sorgfältig verbarg. An ihm war etwas, das sie erstaunte. Nein, nicht erstaunte – eher verwirrte. Er sagte immer das Richtige, und trotzdem hatte sie das Gefühl, er meine nicht genau das, was sie voraussetzte. Fast hatte sie den Verdacht, dass er sie hinter seinem respektvollen Gesichtsausdruck und dem aristokratischen Einschlag auslache, doch das war albern, das wusste sie genau.

Wenn dem Kreuzerkommandanten ihr forschender Blick auch nur im Geringsten unangenehm war, so verbarg er es meisterhaft. Ohne Zweifel besaß er darin große Übung. Anders als Draskovic stammte er nicht nur aus einer traditionellen Navy-Familie, sondern konnte sich zudem bester Beziehungen in die erlauchtesten Kreise des manticoranischen Adels rühmen. Er war vermutlich zu mehr Staatsbanketten eingeladen gewesen und kannte mehr hohe Offiziere und Peers des Sternenkönigreichs als Draskovic, obwohl sie ihm vom Alter her ein halbes T-Jahrhundert voraushatte. Ganz zu schweigen von dem gewaltigen Rangunterschied.

Nur für einen Augenblick empfand Josette Draskovic einen Stich puren, reinen Neides, wenn sie seine vorzüglich geschnittene, nicht ganz den Vorschriften entsprechende Uniform betrachtete und seine vollkommene Selbstsicherheit auf sich wirken ließ. Sie hatte ein ganzes Leben lang hart gearbeitet, um ihre gegenwärtige Rangstufe und Befugnis zu erreichen; er war in eine elitäre Welt der Privilegien und Vorteile hineingeboren worden, die ihn mit der Unausweichlichkeit der Gravitation auf seine augenblickliche Position gehoben hatte.

Sie wollte wieder das Wort ergreifen, hielt inne und rief sich innerlich mit Nachdruck zur Ordnung. Wie er wohin gekommen war, darum ging es doch wirklich nicht, oder? Ganz gewiss hatte er vergangenes Jahr im Tiberian-System unter Beweis gestellt, dass er fähig und in der Lage war, ein Schiff der Königin zu befehligen. Und was der eine oder die andere auch über die Beziehung zwischen seiner Abstammung und seiner Karriere vor Tiberian gemunkelt hatte, seine Beförderung zum Captain Senior-Grade – und die Auszeichnung mit dem Manticorekreuz – für seine Leistungen im Gefecht war in der gesamten Navy einhellig begrüßt worden.

»Die … ›Debatte‹ zwischen Regierung und Opposition verwirrt wohl so manchen«, räumte sie ein. »Besonders jetzt, wo so viele schwere Entscheidungen getroffen werden müssen, was das Flottenbudget betrifft. Das ist ein Grund, weshalb das, was Sie dort draußen geleistet haben, solche Auswirkungen auf die öffentliche Meinung zeigt. Das war Schwarz-Weiß, ein Beispiel für die Bekämpfung von Piraterie und Mord, die in Friedenszeiten stets die erste Aufgabe der Navy gewesen ist.«

»Ganz recht, Ma’am«, stimmte er ihr zu. »Zugleich muss man wohl der Gerechtigkeit halber drauf hinweisen, dass es den betreffenden Piraten und Mördern gelungen war, moderne solarische Kampfschiffe in die Hand zu bekommen. Mir will es erscheinen, als sollten wir uns genau überlegen, wie sie das eigentlich geschafft ha’m.«

»Oh, da stimme ich Ihnen ganz zu, Captain. Das ONI unter Admiral Jurgensen befasst sich im Augenblick mit genau dieser Frage, das kann ich Ihnen versichern.«

»Darf ich fragen, ob man b’reits Theorien formuliert hat, Ma’am?«

»Mehrere«, sagte sie trocken. »Die meisten von ihnen widersprechen sich allerdings gegenseitig – wie sollte es auch anders sein.«

»Natürlich«, pflichtete er ihr mit einem weiteren knappen Lächeln bei.

»Offensichtlich haben die Sollys die vier moderne Kreuzer nicht einfach ›verloren‹, auch wenn die solarische Regierung offiziell die Position bezieht, nicht einmal ansatzweise zu wissen, was da vorgefallen ist«, fuhr Draskovic fort. »Andererseits ist die Solare Liga riesig, und es ist allgemein bekannt, wie wenig Einfluss die Regierung auf die internen Bürokratien besitzt – einschließlich der militärischen. Eine Theorie lautet, dass irgendein Admiral einer Grenzflotte beschloss, etwas für seine Altersvorsorge zu tun, indem er einige seiner Schiffe zum Verkauf anbot, anstatt sie einzumotten. Das wäre ein hübscher Trick, wenn es klappt. Persönlich halte ich das für wenig glaubhaft. Zum einen waren die Schiff zu modern, als dass man sie unter gleich welchem Vorwand, der mir einfallen will, verschieben könnte, Einmotten eingeschlossen. Und selbst wenn es einen solchen Vorwand gäbe, kann ich mir nicht einmal bei den Sollys vorstellen, dass das vollkommene Verschwinden von anderthalb Millionen Tonnen Kampfschiffen nicht früher oder später von der Logistik bemerkt wird.«

»Es sei denn, es steckt wer weit Ranghöh’res dahinter als der Kommandeur einer Grenzflotte«, sagte Oversteegen nachdenklich. »Jemand mit der Reichweite und Autorität, um peinliche Papiere an ihr’m Bestimmungsort verschwin’n zu lassen und nicht an ihr’m Ausgangspunkt.«

»Ungefähr genau das habe ich mir auch gedacht. Ich bin selber hinreichend mit Papierkram befasst; mir ist klar, wie viel einfacher es für einen bürokratischen Chipschieber ganz oben wäre, das Verschwinden der Schiffe zu arrangieren. Besonders in der Liga.« Sie zuckte mit den Achseln. »Persönlich glaube ich, dass jemand ganz weit oben im solarischen Gegenstück zu BuShips irgendwo ein Bankkonto mit einem sehr hohen Kontostand besitzt.«

»Ich wär’ geneigt, Ihnen zuzustimmen, Ma’am«, sagte Oversteegen. »Trotzdem muss man sich doch frag’n, wie so jemand überhaupt den Kontakt zu ’nem Haufen silesianischer Piraten geknüpft hat.«

»Ich bezweifle, dass der oder die Betreffende solche Kontakte wirklich besitzt«, erwiderte Draskovic achselzuckend. »Gott allein weiß, über wie viele Mittelsmänner das Geschäft gegangen ist! Wer immer die Kreuzer aus den Bestandslisten verschwinden ließ, hat sie vermutlich an einen Hehler verscherbelt, der sie wahrscheinlich weiterverkaufte, sodass sie aus dritter oder vierter Hand zu dem Abschaum gekommen sind, den Sie und Ihre Leute ausgeräuchert haben.«

»Sie ha’m wahrscheinlich Recht«, stimmte Oversteegen ihr nach kurzem Nachdenken zu, obwohl sein Ton andeutete, dass er nicht vollkommen davon überzeugt war. »Aber wie immer sie in ihre Hände gekommen sind, im Tiberian-System waren sie verflucht weit von Silesia entfernt. Und das in einer Ecke, die nicht gerade dafür bekannt ist, dass Piraten dort die fetten Prisen in den Schoß fallen.«

»Nein, Captain, das ist sie nicht«, räumte Draskovic ein und ließ in ihren Tonfall eine Spur von Kühle fließen. »Ich versichere Ihnen, Admiral Jurgensen und seine Experten sind den gleichen Gedankengängen gefolgt. Und auch der Tatsache, dass man Sie angegriffen hat. Nicht gerade das typische Verhalten für Piraten, auch nicht bei vierfacher Übermacht.«

»Ganz wie Sie meinen, Ma’am.« Oversteegen rutschte um eine Winzigkeit auf seinem Sessel zurecht. »Ich hoffe, es kommt Ihnen nicht so vor, als würd’ ich das Offensichtliche breittreten woll’n, Admiral. Nur scheint niemand Antworten auf die Fragen zu ha’m, die mir am meisten auf der Seele lieg’n. Oder wenn’s die Antworten gibt, so hat’s zumindest keiner für nötig gehalten, sie mir gegenüber zu erwähnen.« Er zuckte die Achseln. »In Anbetracht der Verluste, die meine Leute hinnehm’n mussten, fürcht’ ich, hab’ ich mehr als nur ’n flüchtiges Int’resse dran.«

»Das kann ich gut verstehen«, versicherte Draskovic ihm mitfühlend. »Leider wird wohl niemand diese Antworten ergründen, bevor das ONI einige wirklich solide Fingerzeige erhält.«

Oversteegen nickte, und kurz senkte sich Schweigen über das Büro. Draskovic gestattete ihm einen Augenblick, dann holte sie zischend Luft und straffte den Rücken.

»Offensichtlich, Captain Oversteegen, ist der Zwischenfall im Tiberian-System einer der Gründe, weshalb wir die Gauntlet jetzt, wo ihre Instandsetzung abgeschlossen ist, wieder nach Erewhon verlegen.«

Oversteegen sah sie höflich und aufmerksam an, und sie hob die Schultern.

»Sie haben gezeigt, dass Sie die Situation in der Umgegend Erewhons gut erfasst haben. Das ist ein großer Pluspunkt. Und dass Sie die Piraten, die einen erewhonischen Zerstörer überfallen und die gesamte Besatzung ermordet haben, aufgespürt und ausgeschaltet haben, ist ein weiterer, besonders im Lichte der … Spannungen, die momentan unser Bündnis zu Erewhon belasten.« Und, fügte sie nicht hinzu, auch der Umstand, dass Ihre Mutter eine Cousine zwoten Grades des Premierministers ist.

Oversteegen verzog keine Miene, doch etwas in seinen Augen ließ Draskovic wissen, dass er gehört habe, was sie sorgsam unausgesprochen gelassen hatte. Nun, niemand außer einem kompletten politischen Idioten wäre sich dieser Überlegungen an Oversteegens Stelle nicht bewusst gewesen. Doch das war nicht weiter schlimm. Es war eher sogar etwas Gutes. Allzu viele Offiziere, die sich im Kampf gegen die Volksrepublik Haven einen Ruf erworben hatten, hatten sich bereits eindeutig gegen die Politik der augenblicklichen Regierung ausgesprochen. Dass einer von ihnen sich als – mindestens! – genauso tüchtig erwiesen hatte wie die Kritiker, war ein dringend benötigtes Gottesgeschenk.

»Nach allem, was Sie sagten, Ma’am«, fragte Oversteegen nach einem Moment, »versteh’ ich Sie richtig, dass die Gauntlet wieder solo operier’n wird?«

»Im Lichte unserer augenblicklichen Flottenpolitik und dem Umstand, dass Erewhon allein in der Lage ist – oder jedenfalls sein sollte –, seine Sicherheitsinteressen allein zu schützen, ist es, wie ich fürchte, unmöglich, eine größere manticoranische Flottenpräsenz in der Region zu rechtfertigen.« Draskovic winkte ab und schürzte leicht die Lippen. »Ich weiß nicht, ob eine stärkere Flottenpräsenz unter den gegebenen Umständen dort wirklich etwas ausrichten würde«, gab sie zu. »Ich behaupte nicht, mich mit Erewhon besonders gut auszukennen, doch wie ich die Lage einschätze, sind sich die gegenwärtigen Belastungen unserer Beziehungen nicht über Nacht aufgetaucht. Und das legt nahe, dass sie auch nicht über Nacht wieder verschwinden, ganz egal, was wir tun.

Andererseits«, fuhr sie fort, »genießen Sie, Captain, in erewhonischen Kreisen gegenwärtig eine sehr gute Reputation. Wenn wir Erewhon schon nicht ein oder zwo Schlachtgeschwader schicken können, können wir doch wenigstens einen Kommandanten entsenden, den die Reporter als einen ›hoch angesehenen Offizier‹ bezeichnet haben.«

»Verstehe.« Oversteegen war offenbar nicht der Typ, der sich Schmeicheleien zu Kopf steigen ließ, bemerkte Draskovic mit einer Spur von Belustigung. »Soll ich also davon ausgeh’n, dass die Präsenz meines Schiffes weitgeh’nd symbolisch sein wird?«

»Um ganz aufrichtig zu sein«, entgegnete Draskovic, »kann die Entsendung eines einzelnen Schweren Kreuzers in eine Region, die bereits so stark patrouilliert wird wie die Umgebung Erewhons, ohnedies nicht mehr als symbolisch sein. Da Ihr Kreuzer jedoch das Einzige Schiff Ihrer Majestät auf der Station sein wird, entsteht Ihnen eine ernste und weitreichende Verantwortung. Im Großen und Ganzen, Captain, sind Sie dort die Royal Manticoran Navy. Als ranghöchstem manticoranischem Offizier im Erewhon-System obliegt Ihnen der Schutz und die Beaufsichtigung unserer Handelsschiffe. Sie haben mit den diplomatischen Vertretern Ihrer Majestät auf Erewhon zusammenzuarbeiten und repräsentieren nicht nur die Navy, sondern auch die Regierung und die Krone. Sie werden dafür verantwortlich sein, Flottenpolitik umzusetzen – oder nötigenfalls sogar abzuändern –, wie jeder Flaggoffizier, der eine Flotte oder die Station eines Kampfverbands kommandiert.«

Sie hielt kurz inne und fragte sich, ob sie nicht vielleicht doch ein wenig dick auftrug. Was sie gesagt hatte, war durchaus wahr, doch ein kleiner Captain of the List, der es unter egal welchen Umständen tatsächlich wagte, die Flottenpolitik ›abzuändern‹, brauchte wahrscheinlich doch mehr Mumm in den Knochen – oder Frechheit –, als selbst jemand mit Oversteegens ausgezeichneten Beziehungen besitzen konnte.

Andererseits, überlegte sie, rechtfertigen diese Beziehungen wahrscheinlich die vielen Streicheleinheiten, die er allerorten bekommt.

»Ich könnte mir vorstellen, dass Sie mehr als genug zu tun haben werden«, fügte sie hinzu.

»Ohne Zweifel, Ma’am«, stimmte Oversteegen ihr zu. »Ich hab’ allerdings den Verdacht, dass man mich wohl fragen wird, was das Sternenkönigreich eigentlich genau im Tiberian-System zu suchen hatte. Auch aus diesem Grund hab’ ich die Frage vorhin aufgeworfen, und ich würd’ es sehr begrüßen, wenn das ONI mich in unsre aktuelle Informationslage zu dieser ganzen Episode einweisen könnt’.« Er lächelte sie erneut an, gleichmütig. »Ich fänd’ es ziemlich unangenehm, wenn die Erewhoner zu dem Schluss kämen, dass unser ›hoch angeseh’ner Offizier‹ nicht den leisesten Schimmer einer blassen Ahnung hat, wie es eigentlich kam, dass er sich dies Anseh’n erringen konnte!«

»Ein guter Punkt, Captain. Ich lasse Chief Dautrey ein Dringlichkeitsersuchen an Admiral Jurgensens Dienststelle senden.«

»Danke, Ma’am. Zusätzlich möchte ich aber, auch im Lichte dessen, was Sie grad über die Verantwortung gesagt ha’m, die der Gauntlet zufall’n wird, einen zusätzlichen Offizier anfordern, der mir bei Lagebeurteilungen, die gegeb’nenfalls nötig werden, zur Seite steht.«

»Einen zusätzlichen Offizier?« Draskovic zog die Brauen hoch. »Was für einen Offizier? Ich war davon ausgegangen, dass Ihre Planstellen alle besetzt sind, nachdem Ihr Erster Offizier sich zum Dienst zurückgemeldet hat.«

»Das stimmt auch, Ma’am«, pflichtete Oversteegen ihr bei. »Deshalb möcht’ ich ja auch ’n zusätzlichen Offizier anfordern. Mir ist klar, dass es ein wenig unüblich ist, aber ich finde, dass unter den gegeb’nen Umständen die Gauntlet wahrscheinlich jemanden braucht, der sich mit Erewhon und den dortigen Gegebenheiten und Haltungen besser auskennt. Und um ganz offen zu sein, ist es sehr gut denkbar, dass Umstände auftreten, in denen es höchst nützlich wär’, unsern eig’nen hausinternen Spion zu ha’m, bei dem man sich Rat hol’n kann.«

»Sie haben Recht – Ihr Ersuchen ist wirklich unüblich«, entgegnete Draskovic. Sie runzelte leicht die Stirn, doch ihre Miene und ihre Stimme wirkten eher nachdenklich als missbilligend. Ein Offizier von Oversteegens Leistungen – und Beziehungen, rief sie sich zu Gedächtnis – besaß das Recht, gelegentlich eine unübliche Bitte zu äußern. »Normalerweise kommandieren wir unterhalb der Geschwaderebene keine Nachrichtenoffiziere ab.«

»Dessen bin ich mir bewusst, Ma’am.« Oversteegen, so begriff Draskovic, ging nicht auf die klar auf der Hand liegende Natur ihrer letzten Bemerkung ein. »Wenn ein Schiff allein eingesetzt wird, übernimmt normalerweise der Taktische Offizier diese Aufgabe. Commander Blumenthal, mein T. O., ist ’n ausgezeichneter Mann und genießt mein volles Vertrauen, sowohl als Taktischer Offizier als auch in den normalen nachrichtendienstlichen Funktionen. Ich hab’ aber den Eindruck, dass die Lage der Gauntlet durch die gegenwärtige Position Erewhons gegenüber dem Sternenkönigreich nicht gerade normal sein wird. Unter diesen Umständen halte ich es für ratsam, jemanden abzukommandier’n, der sich mit erewhonischer Politik und Flottenstärke ein bisschen gründlicher befasst hat. Um es offen zu sagen, hab’ ich, wenn’s recht ist, sogar einen speziellen Offizier im Sinn.«

»Wirklich?«, fragte Draskovic, und Oversteegen nickte. »Nun, Captain, Sie wissen ja, dass die Navy sich stets bemüht, Personalanfragen von Kommandanten nach Möglichkeit zu erfüllen. Ich darf davon ausgehen, dass Sie Grund zu der Annahme haben, dass der Offizier, an den Sie denken, zur Abkommandierung auf Ihr Schiff bereitsteht?«

»Jawohl, Ma’am.«

»Und um wen handelt es sich?«

»Lieutenant Betty Gohr«, antwortete Oversteegen, und erneut runzelte Draskovic die Stirn, ein wenig finsterer als zuvor, denn der Name ließ in ihrem Gedächtnis entfernt ein Glöckchen klingen. »Sie ist ein bisschen weder Fleisch noch Fisch«, fuhr der Captain fort. »Sie hat als Taktischer Offizier angefangen und sich dann mit dem Nachrichtenwesen befasst, weil sich das auf ihr’m Lebenslauf ganz gut ausmachte. Als der Waffenstillstand kam, hat sie als unser nachrichtendienstlicher Verbindungsoffizier zur erewhonischen Navy gedient.«

»Gohr«, wiederholte Draskovic. Ihr Blick wurde plötzlich stechend. »Sollte das etwa die Lieutenant Gohr sein, die den Artikel über Verhörmethoden für die Proceedings geschrieben hat?«

»Tatsächlich, das ist sie«, bestätigte Oversteegen ihr, und Draskovics Stirnrunzeln verfinsterte sich. An die Einzelheiten des Artikels konnte sie sich nicht mehr richtig erinnern, doch der Kern stand ihr noch deutlich vor Augen – kein Wunder bei dem Tumult, den er in gewissen Kreisen ausgelöst hatte.

»Ich bin mir nicht sicher, ob es klug wäre, auf eine derart sensible Position einen Offizier abzustellen, der öffentlich den Einsatz von Folter zur Erlangung von Informationen befürwortet hat, Captain«, sagte sie schließlich in entschieden frostigem Ton.

»Tatsächlich hat Lieutenant Gohr nie zum Einsatz von physischer Gewalt geraten, Admiral«, korrigierte Oversteegen sie höflich. »Sie hat beschrie’m, dass die zunehmende Verbreitung militärischer Konditionierungsprogramme und die Achtung von Wahrheitsdrogen ’s immer leichter machen, konventionellen Verhörmethoden zu widerstehen, und dass dadurch die Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, die Nachrichtenoffizieren zur Verfügung steh’n, stark eingeschränkt wer’n. Folter hat sie als eine mögliche Methode diskutiert und angemerkt, dass sie unter bestimmten Umständen vielleicht wirksam sein könne. Sie hat aber gleichzeitig festgestellt, dass Folter zusätzlich zu ihrer moralischen Fragwürdigkeit bekanntermaßen meist unzuverlässig ist, und wandte sich dann in ganzer Breite den anderen Methoden zu, die dem vernehm’den Offizier sonst noch zur Verfügung steh’n. Vielleicht hat sie sich unglücklich ausgedrückt, denn diversen oberflächlichen Lesern entging, dass sie bestimmte Techniken nicht empfahl, sondern nur diskutierte und verwarf. Die öffentliche Empörung und Hysterie, die ihr Artikel hervorgeruf’n hat, kamen meiner Meinung nach allein dadurch zustande, dass man sowohl ihre Absichten als auch ihre Argumente bewusst falsch darstellte.«

Draskovic musterte ihn mit einem harten Blick. Er könnte Recht haben, dachte sie, denn sie musste zugeben, dass sie den betreffenden Artikel selbst nie gelesen hatte. Doch was immer Lieutenant Gohr wirklich geschrieben hatte, die öffentliche Empörung und Hysterie, von denen Oversteegen sprach, waren sehr heftig ausgefallen. Die Darstellung, der Lieutenant habe Offizieren der Königin ausdrücklich und im Widerspruch zu wenigstens einem Dutzend vom Sternenkönigreich unterzeichneter interstellarer Abkommen den Gebrauch von Folter empfohlen, war bei den Nachrichtenredaktionen eingeschlagen wie ein Laser-Gefechtskopf. Sämtliche Vorgesetzten des Lieutenants sahen sich plötzlich der Gefahr ausgesetzt, zum Kollateralschaden zu werden, und daher hatte der Zweite Raumlord Jurgensen es abgelehnt, sie in Schutz zu nehmen. Persönlich war die Sache Draskovic ziemlich gleichgültig; das Debakel war ein Problem Jurgensens beim ONI gewesen und nicht das ihre. Doch die spektakuläre Art und Weise, wie Gohr sich auf die Nase gelegt hatte, machte es schwierig, sie auf die Gauntlet abzukommandieren. Dass schlechte PR daraus entstehen konnte, lag auf der Hand, doch wenn Jurgensen sich hintergangen fühlte, weil Draskovic einen Offizier rehabilitierte, den er persönlich seinem Schicksal überlassen hatte …

»Ganz gleich, wie falsch ihre Argumentation auch dargestellt worden sein mag, Captain«, sagte sie schließlich, »die Tatsache bleibt bestehen, dass Lieutenant Gohr zurzeit auf Halbsold gesetzt ist, wenn ich mich recht erinnere, und zwar ausdrücklich wegen der Kontroverse, die ihr Artikel aufgeworfen hat.«

»Das ist richtig, Ma’am«, stimmte Oversteegen gelassen zu und lächelte Draskovic tatsächlich an. »Deshalb bin ich mir ja auch so sicher, dass Lieutenant Gohr zurzeit verfügbar ist.«

»Verstehe.« Draskovic blickte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. Er bedrängte sie, dachte sie. Definitiv bedrängte der Kerl sie … zum Teufel mit ihm.

»Sie sind sich darüber im Klaren«, sagte sie nach kurzem Schweigen, »dass es mehr als nur ›ein bisschen unüblich‹ wäre, einen ONI-Offizier wieder in den aktiven Dienst als Expertin zu stellen, ohne Admiral Jurgensens Billigung einzuholen, obwohl sie wegen einer solchen Kontroverse auf Halbsold gesetzt worden ist.«

»Unter den meisten Umständen wär’ es so, Ma’am«, gab Oversteegen zu, wobei er stillschweigend Draskovics Andeutung bestätigte, dass Jurgensen niemals einverstanden wäre, Gohr in den aktiven Dienst zurückzuholen. »Allerdings ist Lieutenant Gohr gar kein ONI-Offizier. Sie ist Taktischer Offizier mit einer zwoten Spezialisierung in Gefechtspsychologie und wurde in London Point verwendet, wo sie mit den Marines an Methoden arbeitete, energischen Verhörmethoden zu widerstehen – wie etwa der Folter. Sie wurde zum ONI abgestellt, nachdem Admiral Givens etliche ihrer Artikel zu diesem Thema gelesen hatt’.«

»Das ändert nichts daran, dass sie dem ONI unterstand, als sie mit ihrem letzten Artikel die Gemüter erhitzte«, erwiderte Draskovic.

»Darauf wollt’ ich gar nicht hinaus, Ma’am«, sagte Oversteegen. »Ich wollte vorschlagen, dass man sie – wenigstens offiziell – als Taktischen Offizier auf die Gauntlet abkommandiert, und nicht als Nachrichtenspezialistin. Wie ich schon sagte, ich bin mit Commander Blumenthal absolut zufrieden, aber mein Zwoter Taktischer Offizier steht zur Beförderung an. Ich würde deshalb darum bitten, dass er von der Gauntlet abgezogen und auf einer anderen Planstelle verwendet wird, die besser zu sei’m neuen Rang passt, und Lieutenant Gohr als seine Nachfolg’rin an Bord der Gauntlet kommt.«

»Verstehe.« Draskovic musterte ihn noch einige Sekunden lang schweigend, während sie über das ganz offenkundige, durchsichtige Manöver nachdachte, das er vorschlug. Entfernt war möglich, dass er sie tatsächlich für so dumm hielt, nicht zu bemerken, in welches Schlamassel er sie locken wollte. Sehr wahrscheinlich war das nicht, denn niemand hätte das leisten können, was er in Tiberian geschafft hatte, ohne ein funktionstüchtiges Gehirn sein Eigen zu nennen.

Sie öffnete schon den Mund, um seinen Vorschlag rundheraus abzuweisen, doch da hielt sie inne. Wenn Jurgensen davon erfuhr, würde er vor Wut schäumen. Freilich war es unwahrscheinlich, dass er sie direkt damit konfrontierte. Er war ein alter Kämpe im bürokratischen Hickhack, viel zu erfahren für eine derart grobe, krasse Reaktion. O nein. Er würde einen eigenen, subtileren Weg finden, um zurückzubekommen, was ihm gehörte. Andererseits hatte Josette Draskovic Francis Jurgensen auch unter besten Umständen nie besonders leiden können. Und außerdem war Oversteegen im Moment so etwas wie der Goldjunge der gesamten Navy. Ganz zu schweigen von seinen engen Familienbanden zum Premierminister persönlich.

Zumal, dachte sie, es sehr gut möglich ist, dass der Idiot nie davon erfährt, denn die Gauntlet läuft schließlich nach Erewhon aus. Oder zumindest nicht, bis es selbst für ihn zu spät ist, Janacek zu überzeugen, dass es nicht ganz korrekt von Oversteegen gewesen sei, Gohr überhaupt anzufordern …

»Also gut, Captain«, sagte sie schließlich. »Ich kümmere mich darum und sehe, was sich tun lässt.«

»Vielen Dank, Admiral«, murmelte Michael Oversteegen und lächelte sie an.

4

»Ich komme mir albern vor in diesem Fummel«, brummte W. E. B. Du Havel, als Cathy Montaigne ihn in ihrem Stadthaus den breiten Korridor entlang zu der noch breiteren Treppe führte, die sich zum Hauptgeschoss hinunterschwang.

»Komm mir bloß nicht so stur, Web.« Cathy bedachte seine stämmige Figur mit einem Blick, den nicht mehr viel vom puren Sarkasmus trennte. »Du würdest wirklich albern aussehen, wenn du versuchst, dich als Mahatma Gandhi zu verkleiden.«

Du Havel lachte glucksend. »›Minus-fours‹ hat er es nicht so genannt? Als er in London aufkreuzte und nichts trug außer diesem besseren Lendenschurz?«

Er blickte an seinem üppigen Bauch herunter, umschlossen von einem Kostüm, dessen kostbarer Stoff, so grell gefärbt, wie er war, verschwendet wirkte. Die Grundfarbe war rot, doch es gab reichlich orangefarbene und schwarze Stellen – davon hob sich ein königsblauer Kummerbund ab, während weiße und goldene parallele Schärpen von der linken Schulter zur rechten Hüfte liefen; die gleichen Farben fanden sich schmaler als Nadelstreifen in der Hose wieder. Auch die Hose war blau; doch aus einem für Du Havel unerfindlichen Grund war sie wenigstens zwei Töne dunkler als der Kummerbund.

Die Schuhe, das braucht wohl nicht eigens erwähnt zu werden, waren golden. Und um das Ensemble so absurd zu machen, wie es nur ging, liefen sie zu leicht aufgerichteten Spitzen auf, an denen königsblaue Quasten hingen.

»Ich komme mir vor wie der Hofnarr«, brummte er. »Oder ein Wasserball.«

Er musterte Cathy skeptisch. »Du spielst mir doch nicht etwa einen Streich?«

»Sag mal, wie beschissen paranoid willst du eigentlich noch werden?«

»Na, wenigstens deine Sprache hat sich seit Alterde nicht geändert. Das ist wahrscheinlich auch was wert.«

Sie hatten fast den oberen Rand der Treppe erreicht, wo die linke Korridorwand endete und den Blick über eine Balustrade freigab, sodass man in ein riesiges Foyer sah, das mit Menschen voll gestopft zu sein schien. Du Havels Schritt verlangsamte sich.

Cathy griff nach hinten, packte seinen Ellbogen und zog ihn vor. »Entspann dich bitte. Neo-Comedia ist dieses Jahr der letzte Schrei. Ich habe den Anzug eigens für dich machen lassen, nur für diese Gelegenheit, und zwar vom zweitbesten Schneider in ganz Landing City.«

Dann half es also nichts. Du Havel beschloss, aus einer schlechten Situation das Beste zu machen. Sie begannen, die Treppe langsam hinunterzusteigen, Cathy an seiner Seite, als begleitete sie den Angehörigen eines fremden Herrscherhauses auf Besuch.

Du Havel, dessen neugieriger Geist aktiv wie immer war, wisperte: »Wieso nur beim zweitbesten?«

Das Lächeln auf Cathys Gesicht amüsierte ihn. Es war ihr ›Sei-bei-offiziellen-Anlässen-ein-nettes-Mädchen‹-Lächeln. Kein Lächeln, das sie oft zeigte, so viel stand fest, doch sie war dabei so gut wie bei fast allem, bei dem sie sich wirklich anstrengte. Es gelang ihr sogar, ihm eine Antwort zuzuzischen, ohne das Lächeln zu unterbrechen.

»Im Augenblick versuche ich mich mit Elizabeth gut zu stellen. Sie wäre stinksauer, wenn sie glauben müsste, dass ich versuche, ihr ihren Lieblingsschneider abspenstig zu machen.«

Daran kaute er in den Sekunden, die sie brauchten, um die lange, geschwungene Treppe hinunterzuparadieren. Als sie sich dem unteren Ende näherten, schienen alle Augen im Foyer auf ihm zu ruhen – wie auch die vieler Menschen in der Vielzahl der angrenzenden Räume. Obwohl Du Havel nun schon seit zwei Wochen im Stadthaus der Montaignes wohnte – ›Westentaschen-Versailles‹ wäre ein besseres Wort dafür gewesen –, verblüffte ihn dessen Architektur noch immer. Aus irgendeinem Grund schnitt sein überragender Verstand nie besser als mittelprächtig bis beschränkt ab, wenn es um das Erfassen von Raumverhältnissen ging.

»Die manticoranische Königin wird doch nicht so kleinlich sein?«

Auf der vorletzten Treppenstufe blieb Cathy stehen; indem sie mit der Hand einen leichten Druck auf seinen Ellbogen ausübte, hielt sie auch Du Havel an. Er begriff, dass sie mit Vorbedacht handelte, um der Menge einen Augenblick zu gewähren, in dem sie den Ehrengast des Abends bewundern konnte.

Nach wie vor geriet ihr formvollendetes Lächeln kein bisschen ins Schwanken. »Sei nicht albern. Elizabeth ist in keiner Hinsicht kleinlich. Es geht nicht um das Prinzip, sondern um Sportsgeist. Als wir noch Kinder waren, beklauten sie und ich uns dauernd gegenseitig. Eine Art Wettstreit war es, was wir da ausführten.«

»Und wer hat gewonnen?«, flüsterte er.

»Punktemäßig war Elizabeth weit abgeschlagen, als die Königinmutter – damals noch die Königin – mir ein komplettes Palastverbot aussprach. Ich glaube, Elizabeth trägt es mir immer noch ein wenig nach, dass ich damit unbestrittene Siegerin blieb. Deshalb sah ich keinen Grund darin, sie nach all den Jahren wieder mit der Nase darauf zu stoßen.«

Der Haushofmeister trat vor. Mit tragender Stimme sprach er:

»Catherine Montaigne, ehemalige Gräfin of the Tor! Und ihr Gast, der Sehr Ehrenwerte Professor Doktor W. E. B. Du Havel!«

Aus dem hinteren Teil des Foyers ließ sich eine Stimme vernehmen, eine junge Frauenstimme, die Du Havel erkannte. Sein Blick entdeckte augenblicklich die hochgewachsene Gestalt von Anton Zilwickis Tochter Helen.

»Sie werden nachlässig, Herbert! Wie viele Doktortitel?«

Ein kurzes Gelächter lief durch die Menge. Der Haushofmeister ließ es verstummen, bevor er weiterdröhnte:

»Mehr als man zählen kann, Midshipwoman Zilwicki! Mein schwacher Geist ist der Aufgabe nicht gewachsen. Ich erinnere mich nur …«

Er begann, die Liste von Du Havels akademischen Würden und Ehrungen abzuspulen – wobei er nicht sehr viele vergaß, wie Du Havel auffiel – und endete mit dem unausweichlichen: »Nobel-Shakhra-Preisträger für Menschliches Streben und Träger der Solarischen Medaille!«

»Ihr beiden Rangen habt das inszeniert«, brummte Du Havel. Cathys Lächeln verbreiterte sich um eine Winzigkeit.

Doch gegen seinen Willen kam Du Havel nicht umhin, ein wenig echten Stolz über die lange Liste zu empfinden. Gewiss, eine Anzahl der Titel war ehrenhalber verliehen, aber die meisten nicht – und ehrenhalber hatte er sie allein wegen seiner Leistungen verliehen bekommen, nicht wegen seiner Herkunft.

Nicht schlecht, wirklich nicht schlecht für einen Mann, der in einer Sklavengrube von Manpower Unlimited zur Welt gekommen war und dessen Geburtsname J-16b-79-2/3 lautete.

Nach einer halben Stunde hatte sich Du Havel ein wenig entspannt. Zum Glück schien Cathy Recht zu behalten, was seine aberwitzige Aufmachung anging. Wenn er zwischen den Kostümen vieler anderer Gäste auf der Soiree überhaupt auffiel, dann dadurch, dass er ein wenig dezenter gekleidet war. Und während Du Havel keine Übung darin hatte, der offizielle Ehrengast einer großen Zusammenkunft der obersten Zehntausend einer Sternnation zu sein, so war er doch keineswegs ein schüchternes Mauerblümchen. Wie jeder kultivierte und erfahrene Hochschullehrer war er ein Altmeister in der Kunst der Konversation.

Außerdem, wie er nun fast unvermittelt plötzlich begriff, hatte das heitere Zwischenspiel von Helen Zilwicki und dem Haushofmeister seine Einführung in die manticoranische obere Gesellschaft mit genau dem richtigen Touch von Heiterkeit versehen. Er war sich sehr sicher, dass Cathy es von Anfang an geplant hatte.

Tatsächlich war er recht beeindruckt. Schon seit langem wusste er, dass es Cathy an nichts mangelte, was eine gute Politikerin ausmachte. Doch in den langen Jahren ihres altirdischen Exils, während derer er sie kennen lernte, hatte sie diese ihre Talente nie wirklich ausgeübt. Damals hatte er vermutet – und er glaubte bestimmt, dass diese Vermutung heute bestätigt worden war –, dass der Grund dafür in ihrem Schock zu suchen sei, aus der manticoranischen Aristokratie ausgeschlossen worden zu sein. So vehement sie auch bestritten hatte, dass es ihr etwas ausmache – nur wenige Menschen steckten es mühelos weg, wenn die Gesellschaft sie zurückwies, in der sie aufgewachsen waren. Ihr Selbstwertgefühl musste darunter leiden, wenn auch oft so unterschwellig, dass sie es nicht bewusst wahrnahmen.

Als er nun beobachtete, mit welcher Leichtigkeit und Anmut sie sich durch die Menge bewegte, wusste er, dass sie nichts verlernt hatte, was sie von früher wusste – und noch einiges hinzugelernt, denn die Jahre im Exil waren an sie nicht verschwendet gewesen. Cathy Montaigne war keine eigensinnige junge Frau mehr, die vom hohen Ross des Prinzips herab die Nase über taktisches Vorgehen rümpfte. Sie war eine Frau in den frühen mittleren Jahren, zu Beginn des besten Alters, die ihr Selbstvertrauen wiederhergestellt und sich mit Jahren des Studiums der menschlichen Natur und des politischen Kampfes gewappnet hatte.

Sieh dich vor, Manticore!, dachte er amüsiert.

Du Havel wandte sich wieder ganz dem Gespräch zu, das er mit einem älteren Herren und seinen beiden Begleiterinnen führte, seinen Schwestern, wenn er sich an die Vorstellung richtig erinnerte.

Ganz sicher war er sich nicht. Die drei faselten allesamt einen derart furchtbaren, halb ausgegorenen Blödsinn, dass er ihren Worten nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte, sondern nur gerade so viel, dass er dank seiner jahrelangen Erfahrung bei akademischen Zusammenkünften an den richtigen Stellen weise nicken und in passenden Abständen verständnisvolle Laute von sich geben konnte.

Zum Glück hatte sich Du Havel Geduld für solche Dinge anerzogen. Was nicht einfach gewesen war. Von Natur aus hatte er nur sehr wenig Geduld mit Idioten.

Er hörte, wie der Haushofmeister mit schallender Stimme eine weitere Person vorstellte.

»Captain of the List Michael Oversteegen, MC, CGM, GS, OCN, Kommandant Ihrer Majestät Sternenschiff Gauntlet!«

Ein hochgewachsener, schlanker Mann in einer Uniform der manticoranischen Navy hatte den Raum betreten. Du Havel schenkte ihm zunächst keine weitere Beachtung, doch dann gewahrte er, dass die Lautstärke der Menge merklich nachgelassen hatte, als wären zahlreiche Gespräche entweder momentan verstummt oder als hätten die Leute ihre Stimmen gesenkt.

Glücklicherweise erstreckte sich diese Unterbrechung auch auf die drei Geschwister. Du Havel entdeckte Helen Zilwicki, die nicht weit entfernt stand, und löste sich mit einer glatten und inhaltslosen höflichen Phrase vom Trio der Schwatzhaftigkeit.

»Wer ist das?«, raunte er Helen ins Ohr, als er neben ihr stand. Die junge Frau hatte ihn nicht bemerkt, weil ihre Augen an dem manticoranischen Offizier klebten. Das schien fast jedem im Raum so zu gehen – und Du Havel hatte bereits Cathy erspäht, die sich einen Weg durch die Menge bahnte, um den neu eingetroffenen Gast in Empfang zu nehmen.

»Oh. Hi, Web. Das ist Oversteegen. Der Oversteegen. Cathy hat ihn eingeladen, aber sie hätte nie gedacht, dass er wirklich kommt. Ich auch nicht.«

Du Havel lächelte. »Fangen wir doch mit dem Anfang an, ja? ›Der‹ Oversteegen mag Ihnen vielleicht ein Begriff sein, doch jemandem, der erst vor zwei Wochen von Alterde kommend im Sternenkönigreich eingetroffen ist, bedeutet der Name nichts.«

Helen riss die Augen auf, wie es ein junger Mensch tut, sobald er auf die schockierende Erkenntnis stößt, dass nicht jeder seine besonderen Interessen teilt.

»Er ist der Kommandant, der die Schlacht von Tiberian gewonnen hat«, antwortete sie und schüttelte den Kopf, als sie sein verständnisloses Gesicht sah. »Der, der mit seinem Schiff im Alleingang vier andere Kreuzer ausgeschaltet hat«, erklärte sie in einem Ton, der fast empört klang, als wolle sie hinzufügen: Wie kann das irgendjemand nicht wissen?

»Ach, richtig. Ich erinnere mich, von dem Zwischenfall gelesen zu haben. Vor einem Jahr ungefähr, nicht wahr? Aber ich habe in Erinnerung, als wären seine Gegner nur Piraten gewesen und keine regulären Streitkräfte.«

Helen riss die Augen noch weiter auf. Du Havel kam es hart an, sich ein Grinsen zu verkneifen. Die neunzehnjährige Raumkadettin war zu gut erzogen, um damit herauszuplatzen, doch es war offensichtlich, dass ihre Gedanken in etwa folgender Bahn folgten: Wie kann irgendjemand solch ein Idiot sein?

Allerdings gelang es ihr, sich ihre Empörung nicht an der Stimme anmerken zu lassen, als sie antwortete; sie verhaspelte sich nur zweimal.

»Das waren Schwere Kreuzer der Gladiator-Klasse, verda …« Sie unterdrückte ihren Ausbruch und fuhr in gelassenerem Ton fort, ganz in der Art, wie eine Mutter ihre Entrüstung über die Torheiten ihres Krabbelkinds bezwingt. »Die Sensorlogs der Gauntlet haben das ohne jeden Raum für Zweifel bewiesen.«

Du Havel wölbte fragend eine Braue. Helen Zilwicki musste einen weiteren Ausbruch ersticken.

»Wie kann irgend …?« Husten. »Gauntlet war der Name von Captain Oversteegens Schiff. Ist es immer noch, genauer gesagt.« Die nächsten Sätze sprach sie etwas langsamer, wie eine Mutter, die ihr Kind mit ganz simplen Gedankengängen vertraut macht.

»Gladiators, Web. Die modernste Klasse Schwerer Kreuzer in der Navy der Solaren Liga. Sie besitzen die modernste Bewaffnung und das allerneuste Gerät zur Funkelektronischen Kampfführung, das wahrscheinlich genauso gut ist wie alles, was wir besitzen. Solarische Wallschiffe sind nichts Besonderes – dafür gibt es überwältigend viele davon –, weil die Liga seit Jahrhunderten keinen echten Krieg mehr geführt hat. Die kleineren Kampfschiffe sind viel dichter am neuesten technischen Stand, weil sie in der SLN die einzigen Schiffe sind, die wirklich Arbeit verrichten.«

Ihre Augen blickten ein wenig in die Ferne, als denke sie weit zurück – oder weit voraus. »Seit über einem halben Jahrhundert hat niemand einen solarischen Schweren Kreuzer im offenen Gefecht besiegen können, Web. Und nie hat jemand vier davon auf einen Streich geschlagen, nicht mit einem einzigen Schiff, das kleiner war als ein Dreadnought – schon gar nicht mit einem anderen Kreuzer. Zumindest ist so etwas in den Datenbanken der Akademie nicht verzeichnet. Ich muss es wissen. Ich musste für einen Kurs, den ich gerade abgeschlossen habe, eine Nachgefechtsstudie von der Kampfführung der Gauntlet anfertigen. Teil der Aufgabe war eine vergleichende Analyse.«

Sie schenkte Du Havel einen überaus tadelnden Blick. »Welchen Unterschied bedeutet es also, ob es ›Piraten‹ gewesen sind? In einem Gladiator wären selbst Schimpansen gefährlich, wenn sie wüssten, wie man das Schiff steuert und die Waffen bedient.«

»Wie haben Piraten solche Schiffe in die Hände bekommen?«

Helen runzelte die Stirn. »Gute Frage – und glauben Sie nur nicht, dass niemand sie stellt. Leider waren die einzigen überlebenden Piraten Schläger der niedrigsten Stufe und wussten gar nichts.«

Sie zögerte einen Augenblick. »Wahrscheinlich sollte ich es gar nicht sagen, aber … Ach, zum Teufel, es ist in den Medien schließlich ausgiebig darüber spekuliert worden. Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit, wie sie an die Schiffe gekommen sind, Web. Jemand in der Liga mit viel Geld und noch mehr Einfluss muss aus welchem Grund auch immer Hintermann des ›Piraterieunternehmens‹ gewesen sein. Ich kenne niemanden, der auch nur die leiseste Ahnung hätte, was sie eigentlich vorhatten, aber so gut wie jeder – mich eingeschlossen – vermutet, dass Manpower dahinterstecken muss. Oder vielleicht sogar Mesa als Ganzes.«

Ihr Stirnrunzeln war nun sehr ausgeprägt geworden. »Wenn wir das beweisen könnten …«

Du Havel lenkte den Blick auf den manticoranischen Captain zurück, über den sie sprachen – nun mit weit größerem Interesse. So groß der Abstand zwischen ihm und den meisten auch war, sowohl was intellektuelle Leistung und Bekanntheitsgrad anging, eines gab es, was Web Du Havel mit jedem anderen ehemaligen Gensklaven gemein hatte.

Er hasste Manpower Unlimited leidenschaftlich. Die gewalttätige Taktik des Audubon Ballrooms lehnte er aus politischen Prinzipien zwar ab, doch wegen der Gewalt empfand er keinerlei Skrupel. Manpower Unlimited: In dieser üblen, galaxisweit operierenden Firma gab es keinen Menschen in verantwortlicher Stellung – nicht einen Menschen auf dem ganzen Planeten Mesa –, den Web Du Havel nicht freudig in einen Bottich mit kochendem Öl gesotten hätte.

Und dabei hätte er getanzt und Hosianna gesungen – wenn er geglaubt hätte, dadurch irgendetwas zu erreichen.

Er holte tief Luft und bezwang die Wut, die plötzlich in ihm hochkochte. Und vielleicht zum millionsten Mal in seinem Leben rief er sich zu Gedächtnis, dass, falls pure rechtschaffene Wut irgendetwas Nennenswertes bewirken konnte, die Vielfraße schon vor langer Zeit die Milchstraße erobert hätten.

»Stellen Sie mich ihm bitte vor, wären Sie so …« Er verstummte, als er plötzlich begriff, dass die Bitte überflüssig war. Cathy Montaigne führte gerade Captain Oversteegen zu ihm.

Bis sie zu ihm gelangten, verging noch ein Moment, denn die Menge drängte sich eng zusammen, und mehrere Leute traten vor, um dem Captain die Hand zu schütteln. Hastig wisperte er: »Nur damit ich keinen Fauxpas begehe: Wieso sind Sie – und Cathy – eigentlich so überrascht, ihn hier zu sehen? Er war doch eingeladen, oder nicht?«

Er hörte wie Helen leise schnaubte, als hätte das wohlerzogene Mädchen schon wieder einen spöttischen Ausbruch unterdrückt.

»Sehen Sie ihn sich doch an, Web. Er ist einem jüngeren Baron High Ridge wie aus dem Gesicht geschnitten.«

Auf Du Havels Gesicht musste sich seine Verständnislosigkeit abgezeichnet haben – nicht was den Namen selbst an ging, denn er kannte sich immerhin so weit mit der manticoranischen Politik aus, um zu wissen, dass Helen sich auf den gegenwärtigen Premierminister bezog, sondern was die unterschwelligen Bedeutungen betraf.

Helen schürzte die Lippen. »Ich dachte, Sie wären der größte Experte der Galaxis – oder einer der besten zehn – in Politologie? Wie kommt es dann, dass Sie Ihren Hintern nicht von einem … äh … Entschuldigung, ich wollte nicht unhöflich sein.«

Er grinste, denn er genoss den Lapsus der jungen Frau. Für jemanden, der als Sklave geboren worden war, erschienen ihm die Menschen, die ihn heute umgaben, als übertrieben höflich. Die meisten benahmen sich wie versteinert, geradezu ängstlich bedacht, nicht irgendeinen wunden Punkt zu berühren, von denen eine Vielzahl zu besitzen sie ihm offenbar stillschweigend unterstellten.

Wie es sich begab, war Web Du Havel von Natur aus recht dickfellig – und genoss nur wenige Dinge noch mehr als ein intellektuelles Streitgespräch mit hochgekrempelten Ärmeln und wild herunterhängendem Haar, bei dem Pardon weder erbeten noch gewährt wurde. Aus diesem Grund waren er und Catherine Montaigne sich vor vielen Jahren einmal sehr nahe gekommen. Bei ihrem ersten Zusammentreffen war es geschehen, binnen einer Stunde, nachdem sie einander bei einem von der Anti-Sklaverei-Liga auf Alterde veranstalteten gesellschaftlichen Ereignis vorgestellt worden waren.

Als sich eine hitzige Diskussion entspann, hatte Cathy ihn auf ihre gewohnte laute und profane Art informiert, dass er ein verdammter Speichellecker mit der Mentalität eines Haussklaven sei. Er wiederum hatte sie – genauso laut übrigens, wenngleich nicht so profan – der versammelten Menge als typischen Oberklassen-Hohlkopf vorgestellt, die es für chic hielt, sich unter die Unterdrückten des Tages zu mischen, und keinen Laib Brot backen könnte, ohne die Nöte des Mehls zu romantisieren und das edle Wildentum der Hefe zu rühmen.

Danach war es mit dem Niveau rasch bergab gegangen. Als der Abend endete, hatten sie eine lebenslange Freundschaft besiegelt. Wie Du Havel war Cathy Montaigne eine jener grimmigen Intellektuellen, die ihre Ideen ernst nehmen – und keinem anderen Intellektuellen trauen, bevor sie das Gegenstück zu einem barbarischen Ritual hinter sich gebracht hatten. Intellektuelle Wunden vergleichen, Ideen – und Spott – teilen, wie früher die Krieger, die einander zum ersten Mal begegneten, sich selbst Wunden zufügten und ihr Blut mischten.

»Nun mal halblang, Helen«, sagte er lachend. »Das eigentliche Problem hier ist Ihr Provinzialismus, nicht meiner. Die Wechselfälle der Politik auf Manticore erscheinen Ihnen nur deshalb als die Galaxis erschütternd, weil Sie hier geboren worden sind. Ihr Hinterhof sieht wie ein halbes Universum aus, weil Sie sich keine Vorstellung machen, wie groß das Universum wirklich ist. Abstrakt ahnen Sie es schon – nur ist die Erkenntnis Ihnen noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen.«

Er hielt inne und blickte noch einmal den langsam in seine Richtung kommenden Captain an. Noch immer genug Zeit, entschied er, um die Erziehung des Mädchens fortzuführen.

»Das Sternenkönigreich ist seit dem Anschluss von Trevors Stern ein Staatswesen aus fünf besiedelten Planeten in nur drei Sonnensystemen – vorausgesetzt, man möchte Medusa als ›besiedelt‹ bezeichnen. Auch unter Einbeziehung von San Martin überschreitet Ihre Gesamtbevölkerung nicht die Sechs-Milliarden-Grenze. Allein im Sol-System leben fünfmal so viele Menschen – oder in Centauri, Tau Delta, Mithra oder irgendeinem der mehreren Dutzend inneren Systemen des Solaren Liga. Die ›Alte Liga‹, wie man sie gemeinhin nennt. Die Solare Liga hat insgesamt 1784 Mitgliedsplaneten – nicht gezählt die Hunderte in den Protektoraten unter solarischer Verwaltung –, die in einem Volumen galaktischen Weltalls liegen, der zwischen drei- und vierhundert Lichtjahre durchmisst. Innerhalb dieses gewaltigen Volumens befinden sich im Wortsinn mehr Sterne, als Sie von hier bei Nacht mit bloßem Auge sehen könnten. Niemand kann sagen, wie hoch die Gesamtbevölkerung liegt. Die Alte Liga allein hat nach der letzten Zählung eine registrierte Bevölkerung von annähernd drei Billionen Menschen – und diese Zählung ist zu Werten gekommen, die ungeheuerlich zu niedrig sind. Kein ernstzunehmender Experte versucht auch nur zu behaupten, er wisse, wie viel Billionen mehr auf den so genannten ›Schalenwelten‹ oder in den Protektoraten leben. Ganz beiseite lasse ich die ungenannten Tausende – eher Millionen – künstlicher Habitate, die über Tausende Sonnensysteme verstreut sind. Jede einzelne dieser Sternenstaatswesen hat seine eigene Geschichte und seine eigene komplexe Politik mitsamt sozialer und ökonomischer Varianten.«

Der Captain und Cathy näherten sich nun rasch. Es war an der Zeit, die improvisierte Vorlesung abzubrechen, denn er musste nach wie vor den Grund für Helens Erstaunen erfahren, dass Oversteegen der Einladung nachgekommen war.

»Ich möchte Sie mit folgendem Gedanken zurücklassen, Helen: Erst seit sich die menschliche Rasse über Tausende von Welten ausgebreitet hat, kann man bei der Politologie wirklich von einer Wissenschaft im Wortsinn reden – und trotzdem ist sie noch immer eine sehr grob gearbeitete Wissenschaft. Manchmal fühle ich mich an die Paläontologie in den wilden, von Unklarheit geprägten Tagen Copes und Marsh’ erinnert, die sich über Dinosaurierknochen stritten. Das Übergewicht der Liga in den Angelegenheiten der Menschen beeinflusst nun einmal alle Daten. Aber wenigstens besitzen wir nun eine Reihe von Erfahrungswerten, die uns ernsthafte Vergleichsstudien gestattet, was in den Tagen vor der Diaspora nie möglich gewesen ist. Und genau das macht jemand wie ich. Ich halte nach Mustern und Gemeinsamkeiten Ausschau, wenn Sie so wollen. Die Anzahl der Sonnensysteme, mit deren politischen Gegebenheiten ich vertraut bin, macht nur einen winzigen Prozentsatz des Ganzen aus. Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich erheblich mehr von terranischer Frühgeschichte als von der Geschichte der meisten heute besiedelten Welten. Denn die Geschichte Alterdes bis zur Diaspora ist auch heute noch die gemeinsame Geschichte, die wir praktisch immer als unseren ersten groben Maßstab einsetzen.«

Angemessen verlegen, nickte die junge Frau.

»Und Sie haben mir noch immer nicht erklärt – in Begriffen, die ich verstehen kann –, wieso Sie und Cathy so erstaunt sind, dass Captain Oversteegen sich zeigt. Oder, was das angeht – in Anbetracht der Überraschung –, wieso sie ihn überhaupt eingeladen hat.«

»Oh. Nun, er sieht nicht zufällig aus wie High Ridge. Er gehört zum Bund der Konservativen, diesem Haufen lausiger … egal. Den Leuten, die ich nicht mag, drücken wir es so aus. Cathy hasst sie leidenschaftlich. Auf väterlicher Seite ist er – entfernt – mit der Königin verwandt, aber seine Mutter ist eine Cousine zwoten Grades von High Ridge. Wie sein Äußeres jedem verrät, der Augen im Kopf hat!«

Du Havel nickte. Das Bild wurde klarer. Mit der manticoranischen Politik war er natürlich vertrauter als mit jener der meisten Sonnensysteme. Selbst wenn man Catherine Montaigne außer Acht ließ, spielte Manticore in der Anti-Sklaverei-Liga eine weit wichtigere Rolle, als durch die bloße Bevölkerungszahl begründet wurde. Auch die Natur und Denkweise des Bundes der Konservativen begriff er gewiss. Das Phänomen war Du Havel altbekannt und reichte genauso weit zurück wie alle anderen politischen Positionen. Eine Clique von Menschen mit einer prestigeträchtigen, vom Luxus bestimmten gesellschaftlichen Stellung, die auf alles, was sie möglicherweise belästigen konnte, mit Empörung und Unwillen reagierten – als entsprängen ihre Vorrechte und ihr leibliches Wohl einem Naturgesetz, das mit den Prinzipien der Physik auf gleicher Stufe stand. Sehr fette Schweine an einem sehr üppig befüllten Trog im Grund, die ihren vollen Mägen dadurch Würde zu verleihen suchten, dass sie das Wort ›konservativ‹ grunzten.

Da W. E. B. Du Havel sich selbst im Großen und Ganzen als konservativen Politologen betrachtete – er benutzte das Wort ›konservativ‹ im weiteren Sinne –, fand er das Phänomen nicht nur verständlich, sondern auch verabscheuungswürdig.

»Haufen lausiger Schweine umschreibt es wunderbar, Helen. Dennoch darf man das Individuum nicht mit der Gruppe verwechseln. Gehört Oversteegen persönlich dem Bund der Konservativen an? Und wenn ja, wieso hat Cathy ihn eingeladen? Und wiederum, wieso ist er dann gekommen?« Er ließ rasch den Blick über die Menge schweifen. Eingefleischte Mitglieder der Freiheitspartei zum großen Teil – und die, die es nicht waren, wichen mit nur einer Hand voll Ausnahmen vom politischen Standort der Freiheitler eher nach links ab. »Ich hätte gedacht, das ist ungefähr so wahrscheinlich, wie dass ein Puritaner freiwillig einen Hexensabbat besucht.«

»Was ist ein ›Puritaner‹?«, fragte Helen. »Und wieso sollten Hexen – was für ein alberner Gedanke – eine Soiree am … Egal.« Cathy und der Captain hatten sie beinahe erreicht. Hastig flüsterte Helen ihm zu: »Ich glaube nicht, dass er dem Bund angehört. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich kaum etwas über seine persönlichen Einstellungen. Fast niemand weiß mehr. Aber …«

Ein paar letzte, rasch gezischte Worte: »Tut mir leid. Jetzt müssen Sie es wohl selber rausfinden.«

Einen Augenblick später übernahm Cathy die Vorstellung. Und Web Du Havel erhielt allmählich Antworten.

Er war natürlich entzückt. Nur dass er nach wenigen Minuten wieder seine alberne Kostümierung verfluchte.

Bei dem verdammten Ding ließen sich die Ärmel nicht aufrollen!

5

»Wollt’ Sie schon seit Jahren gern mal kennen lernen«, erklärte der Captain. Seine schleppende, Vokale verschluckende Redeweise erkannte Du Havel augenblicklich. Nicht speziell die Seine natürlich – in der Galaxis gab es leicht zehnmal so viele Dialekte und verbale Manierismen wie Sprachen und bewohnte Welten. Doch kannte er das Phänomen als solches, denn es war ebenso alt wie das Privileg. Angehörige einer elitären Gruppe – eine ›Elite‹ zumindest nach ihrer Ansicht – entwickelte beinah unausweichlich einen charakteristischen Sprachstil, durch den sie sich vom gewöhnlichen Volk abgrenzten.

Mit einem schmalen Lächeln ließ Oversteegen kurz den Blick über die Menge schweifen. »Der einzige Grund, aus dem ich zugesagt hab’, auf dieser Walpurgisnacht der schwafelnden politisch’n Heiden zu erschein’.«

Er richtete sein Lächeln auf Cathy und verbreiterte es ein wenig. »Anwesende selbstverständlich ausgeschlossen. Unsre Gräfin hier bewund’re ich schon lang widerwillig – ehemalige Gräfin, sollt’ ich wohl sagen. Schon seit ihrer Ansprache im Oberhaus, nach der man sie am Ohr packte und hinauswarf. Ich war persönlich anwesend, zufällig, als Beobachter für meine Familie, weil meine Mutter indisponiert war. Und sag’s rundheraus, ich hätt’ damals auch für ihren Ausschluss aus dem Oberhaus gestimmt, wär’ ich schon alt genug gewesen, und zwar allein deshalb, weil sie in der Tat das lang etablierte Protokoll verletzt hat. Obwohl ich ihr, stell’n Sie sich das vor, bei ungefähr neunzig Prozent von dem, was sie gesagt hat, zugestimmt hätt’. Trotzdem, Regeln bleiben Regeln.«

Cathy erwiderte das Lächeln. »Regeln sind dazu da, dass man sie bricht.«

»Dem kann ich nicht widersprechen«, antwortete Oversteegen sofort. »Das ist wirklich so. Vorausgesetzt natürlich, dass derjenige, der die Regeln bricht, auch bereit ist, den Preis zu zahl’n, und ihm kein Rabatt gewährt wird.«

Er nickte Cathy so betont zu, dass seine Kopfbewegung fast zur Verbeugung wurde. »Und das gilt für Sie, Lady Catherine. Damals hab’ ich vor Ihnen dafür salutiert – am Dinnertisch der Familie, um genau zu sein. Meine Mutter war danach noch viel indisponierter; torkelte zurück in ihr Krankenbett und beschimpfte meine Undankbarkeit. Mein Vater war auch nicht besonders erfreut. Ich salutier’ noch mal vor Ihnen dafür.«

Indem er sich wieder an Du Havel wandte, fuhr er fort: »Ansonsten wird das Regelbrechen zum Amtsbereich der Rüpel und nicht der Helden. Wüsst’ nicht, wie man das viel zitierte polit’sche Parkett schneller in ein Laufgitter verwandelt. Eine zivilisierte Gesellschaft braucht ’n Gewissen, und ’n Gewissen entwickelt man nicht ohne Märtyrer – echte –, an denen eine Nation ihre Verbrechen und Sünden messen kann.«

Du Havels Interesse reckte ruckartig den Kopf. Natürlich verstand er den Gedankengang hinter Oversteegens Behauptung. Alles andere wäre sehr überraschend gewesen, denn sie war eine freie Wiedergabe – und keine schlechte, bedachte man den engen zur Verfügung stehenden Raum – der Grundthese, die Du Havel in einem seiner Bücher entwickelt hatte.

Oversteegen bestätigte ihm unverzüglich seine Vermutung. »Ich sollt’ vielleicht anmerken, dass ich den Polit’schen Wert des Opfers als eine der besten Darlegungen konservativen Prinzips im modernen Universum halt’. Nachdem das gesagt ist, fühl’ ich mich verpflichtet hinzuzufügen, dass ich die Argumente, die Sie in Waage der Gerechtigkeit: Federn gegen Steine weiterentwickeln, als – bestenfalls! – eine traurige Entgleisung in liberalen Sentimentalismus betrachte. Ein Prinzip ist ein Prinzip, Herr Professor Du Havel. Von all’n Menschen sollt’n das Sie am besten wissen. Deshalb fand ich es sehr traurig, zuseh’n zu müssen, wie Sie von einem faul’n Kompromiss zum nächsten trudelten und die Klarheit gegen einen kurzfrist’gen Vorteil eintauschten. Traurig, traurig. Letztendlich ha’m Sie der gesteuerten Gesellschaftsentwicklung Ihr’n Segen erteilt, jawohl, das ha’m Sie!«

Hallelujah! Du Havel zupfte an seinen Ärmel; vergeblich suchte er nach den Knöpfen, damit er sie aufrollen konnte.

»Gesteuerte Gesellschaftsentwicklung? Ha! Erklären Sie mir eines, Captain Oversteegen, wie kommt es, dass so genannte ›Konservative‹ – die es nicht gibt, wie Sie wissen; man sollte eher von anmaßenden Dinosauriern sprechen – nur dann etwas gegen gesteuerte Gesellschaftsentwicklung haben, wenn die Gefahr besteht, sie könnte den Kopf in ihre eigenen – grundsätzlich prächtigen und gepflegten – Vorgärten strecken? Dennoch gab es nicht den leisesten Einwand gegen eine gesteuerte Entwicklung der Gesellschaft, als sie ihnen diese prächtigen Sitze überhaupt erst verschaffte?«

Oversteegen straffte den Rücken und ragte höher auf denn je. Freudig – nur nicht wegen des Problems mit den Ärmeln; irgendwo mussten diese verdammten Knöpfe doch sein! – stürmte Du Havel sofort in die Bresche, die sich aufgetan hatte.

»Sehen Sie sich doch bitte schön einmal Ihr aristokratisches System hier auf Manticore an. Ungeschminkte gesteuerte Gesellschaftsentwicklung, Captain. Plumper geht’s doch gar nicht. Ein Haufen reicher Leute ersinnen eine Verfassung, die eigens darauf ausgerichtet ist – aus Gier, wenn nicht sogar Boshaftigkeit –, sich und ihren Nachfahren ein sorgloses, privilegiertes Leben zu sichern. Oder wollen Sie anführen, dass die Prinzipien der Aristokratie aus dem Mutterboden einer Welt erwachsen seien, die damals noch fremd war? Ja, wie Unkraut vielleicht – das übrigens ein hübsch treffender Vergleich für jede Abart von Kastensystemen ist. Unkraut, das sich einbildet, ein Rosenstock zu sein.«

Mit einem Grinsen erkannte Oversteegen den Treffer an. Ein wunderbarer Krieger des Intellekts, stellte Du Havel freudig fest, lässt sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen, nur weil das erste Blut geflossen ist. Er zerrte nun förmlich an den Ärmeln.

»In dem Punkt werd’ ich Ihnen nicht widersprechen, Professor. Es ist einfach wahr. Ich fürchte, ich bin nicht mal in der Lage anzuführ’n, dass meine Vorfahr’n eben bessre Mörder, Räuber und Frauenschänder gewesen wär’n als alle anderen, wie es ein richtiger normannischer Baron noch konnte. Nur ’n größer’n Geldsack und ’n früheres Ankunftsdatum, das ist alles. Erbärmlich, finden Sie nicht auch, zu welchen Bekenntnissen der moderne Adel durch das Vordringen des sozialen Gewissens gezwungen wird? Trotzdem werd’ ich weiterhin für die Aristokratie als beste Staatsform eintreten.«

Ein hohes, verächtliches Schnauben löste sich aus seiner langen, knochigen Nase. »Nicht weil ich auch nur einen Moment lang das Geschwätz des Bundes der Konservativen über ›gute Lebensart‹ ...

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