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Homo sapiens sapiens sapiens

“Ein fetter, klebriger, ekelhafter Wurm erhebt sich vom Staub der Erde als farbenprächtiger, duftiger Falter hinauf zu den Baumkronen und tanzt dort in einer Lichtekstase. Raupe und Schmetterling: es ist ein und dasselbe Wesen, das durch eine Metamorphose wie in einem Märchen verzaubert wurde. Aus demselben Wesen entstand ein ganz neues, das alte ist nicht mehr zu erkennen”

(Henri Boulad SJ)

Protzig nennt sich der heutige Mensch »Homo sapiens sapiens«, also weiser+weiser Mensch. Hat er es verdient, von der Wissenschaft zum weisen Weisen promoviert zu werden?

Freilich: der Homo sapiens sapiens inspiziert die Vorder- und die Rückseite des Mondes.

Doch insgesamt hält sich die Vernünftigkeit der sich als weise+weise dünkenden Erdlinge in Grenzen: > Klimawandel, > brutaler Raubkapitalismus, > dramatisch wachsende Kluft zwischen Arm und Reich (1% der Weltbevölkerung – die Ultrareichen – besitzen mehr Vermögen als die restlichen 99%), > Plutokratie, > Umweltverschmutzung, > Ausplünderung der Rohstoffe, > Wassernot für 4 Milliarden Menschen, > Terrorismus, > Flüchtlingsströme, > Abertausende einsatzbereite Nuklearraketen, > Müllflut, > Konsumwahn… Ist der Homo sapiens sapiens noch zu retten?

Oder müssen wir abwarten, bis die Evolution den Homo sapiens+sapiens+sapiens hervorbringt, den wirklich Weisen? Es gibt ihn eigentlich schon. Vereinzelt. Seit Langem.

Das Buch „Homo sapiens sapiens sapiens / Die Weisheit der Völker“ lädt zu einer globalen Erkundungsreise ein, die von Fernost bis Fernwest durch die reichhaltigen Vorratskammern an spirituellen Schätzen führt, die Weise aller Zeiten und Zonen gesammelt haben.

Die allein dem Intellekt ergebenen „Wisser“ (passender Name: Homo sciens) und Superhirne des 21. Jahrhunderts bieten nur fragmentarische Lösungen an, keine ganzheitlichen. Die „Weisen“ – die Einsichtigen und Verstehenden – könnten uns aber helfen, aus den Irrungen und Wirrungen herauszufinden.

Ernst Stürmer

Homo sapiens sapiens sapiens

Die Weisheit der Völker

Inhalt

Tanzende Energie

Zum Thema

Shivas kosmischer Tanz

Indien

Von der Raupe zum Schmetterling

China

Astronauten der inneren Welten

Tibet

Nicht Kuhmist kneten

Japan

Das Geheimnis der Traumzeit

Australien (Aborigines)

Aumakua, Uhane und Unihipili

Ozeanien

>Ich bin der fernste Stern…<

Indianer Nordamerikas

Weg der vier Winde

Indianer Südamerikas

Nur gemeinsam ist man Mensch

Afrika

10 Goldstücke für Kupfermünzen

Persien = Iran

11 Nur Du, wieder Du, immer Du!

Judentum

12 Im Nehmen geben, im Geben nehmen

Christentum

Ausblick

No future! Oder: Wendezeit

Bildquellen

Tanzende Energie

Zum Thema

Die Weisen sind nicht die Obergescheiten und Superschlauen, nicht die Klugen, noch weniger die Neunmalklugen, nicht die wandelnden Lexika, nicht die Sachverständigen und Spezialisten, und nicht einmal die Geistreichen oder die Gelehrten. Und schon gar nicht die Hochtechnologie-Giganten des Silicon Valley.

Der Weise hat wohl ein „umfassendes und bis zu den tiefsten Gründen reichendes Wissen“ (Meyers Lexikon), aber – und das ist der springende Punkt - sein Wissen gründet nicht auf einem intellektuellen Prozess, sondern auf direkter „Einsicht“ (Der Große Herder) bzw. persönlicher „(vorwissenschaftlicher) Erfahrung“ (Der Große Brockhaus).

In den Tiefen des menschlichen Bewusstseins schlummert nämlich ein Vorwissen - ein „prälogisches“ Wissen -, das dem Menschen grundsätzlich zugänglich ist, wenn er über sein selbstbezogenes Ich hinaus geht und das Denken überschreitet, beispielsweise in der Kontemplation oder in einem schöpferischen Vorgang (Flow). Die Psychologie nennt das: transpersonale Erfahrung. Dabei wird dem „Erleuchteten“ die Erkenntnis der Wirklichkeit zuteil: er wird des Seins statt des Scheins gewahr.

Die Weisen sind also Menschen, denen ein Licht aufgegangen ist, so dass sie die verborgene Einheit des Seins und ihre eigenen Wurzeln im Ganzen erkennen und die wechselseitige Verbindung und Abhängigkeit aller Wesen wahrnehmen. Das begründet Einfühlungsvermögen, Friedfertigkeit, Hochachtung vor allem Leben, Geschwisterlichkeit zwischen den Menschen und Verantwortung für Welt und Natur: die Schlüssel zur Lösung fundamentaler Probleme der modernen Gesellschaft.

Steht das Menschen- und Weltbild der Weisen nicht in krassem Gegensatz zum Menschen- und Weltbild der Wissenschaft?

Gigantische Weltmaschine

Die beiden Eckpfeiler der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die auf das 17. Jahrhundert – das Zeitalter der wissenschaftlichen Revolution – zurückgeht und bis heute unser „Denksystem“ dominiert, sind der französische Philosoph René Descartes (1596-1650) und der englische Physiker, Mathematiker und Astronom Sir Isaac Newton (1643-1727). Die beiden Gründerväter der klassischen Wissenschaft entwickelten ein mechanistisches Grundkonzept mit der Vorstellung, dass der Kosmos einer Maschine und der Mensch einer Uhr gleicht, „konstruiert“ von Gott. Die Wissenschaft soll herausfinden, wie die Welt und der Mensch „funktionieren“. Selbst die lebenden Organismen waren nichts anderes als Automaten.

Descartes, der das philosophische Fundament der mechanistischen Physik schuf: „Wir sehen Uhren, künstliche Brunnen, Mühlen und ähnliche Maschinen, die, obwohl sie nur von Menschenhand gemacht, doch fähig sind, sich von selbst auf verschiedene Weise zu bewegen. Ich sehe keinerlei Unterschied zwischen Maschinen, die von Handwerkern hergestellt wurden, und den Körpern, die allein die Natur zusammengesetzt hat.“

Kurzgefasst: In der mechanistischen Sichtweise ist die von mathematischen Gesetzen beherrschte perfekte gigantische Welt-Maschine eine Ansammlung von separaten Objekten, lauter Einzelheiten.

Die Wissenschaft dividierte alles auseinander: Mensch und Tier, Seele und Körper, Geist und Materie… Den menschlichen Organismus spaltete sie in Organe.

Im Zuge des Zerkleinerns und Zergliederns unterteilten die Wissenschaftler die Objekte in Moleküle und die Moleküle in Atome und die Atome in…

Und da passierte es, dass das gesamte Gedankengebäude der mechanistischen Weltanschauung wankte und einzustürzen begann.

Wer keinen Schreck erleidet…

Im 20. Jahrhundert zeigte sich auf der Suche nach den kleinstmöglichen unteilbaren Bausteinen des Universums, dass die Atome nicht unteilbar sind. Die Atome bestehen aus noch kleineren Teilen: den Elektronen, Protonen und Neutronen. Jene Partikeln wurden als „Elementarteilchen“ bezeichnet. Endlich schien die Physik also die allerkleinsten grundlegenden Bausteine gefunden zu haben.

Die Quantenphysik (Quant ist so etwas wie die kleinste Portion) gab sich allerdings mit den endgültig letzten Bausteinen nicht zufrieden. Beim Studium der Elementarteilchen entschwand den Physikern auf einmal der Boden unter den Füßen. Unfassbares zeigte sich: Der „Rohstoff“ des Universums ist kein Stoff, kein Festkörper, kein Material, kein Ding, kein Objekt. Die subatomaren Partikeln sind Energie, ein „Stück Aktion“, ein Geschehnis. Das heißt: „Der Elementarteilchenphysik zufolge besteht die Welt grundsätzlich aus tanzender Energie“ (Gary Zukav).

Gleichzeitig entdeckte die Quantenphysik, dass sich die Wellenerscheinungen der subatomaren Einheiten als ein Gewebe von Wechselbeziehungen darbieten. Die Energiemuster wandeln sich unaufhörlich ineinander um. Mit anderen Worten: Es gibt keine „Dinge für sich“. Die verschiedenen, getrennten, selbständigen Teile, die es vordergründig gibt, hängen im Untergrund eng und unmittelbar zusammen. Die Wirklichkeit ist eine ununterbrochene Ganzheit.

Die Grundlagen der mechanistischen Weltanschauung sind also eingestürzt. Wie sagte doch Niels Bohr (1885-1962), der dänische Physiker und Nobelpreisträger, ein Mitbegründer der Quantentheorie: „Wer bei der Begegnung mit der Quantentheorie keinen Schock erleidet, kann sie unmöglich verstanden haben.“

Der „gesunde Menschenverstand“ ist entgeistert: Materie soll, wenn wir ihr auf den Grund gehen, nicht passiv, nicht starr und bewegungslos sein, sondern in vibrierender Bewegung! Ein totes Stück Metall – in ununterbrochenem Reigen tanzende Energiebündel? Ja.

Für „stark vernaturwissenschaftlichte Gehirne“, räumte der katholische Priester und Professor DDDr. Raimon Panikkar (1918-2010), der bedeutendste indische Religionswissenschaftler, ein, mag die gegenwärtige Annäherung der Naturwissenschaft an die Mystik bedeutungsvoll sein, aber die Mystik selbst braucht keine naturwissenschaftliche Beglaubigung durch avantgardistische Physiker wie Heisenberg.

Panikkar: „Ich brauche nicht auf Heisenberg zu warten, um zu erfahren, dass alles mit allem verbunden ist. Diese Erkenntnis haben die Weisen Indiens Jahrtausende vor ihm bereits gelehrt.“

So viel zum Weltbild der zeitgemäßen Physiker und der zeitlosen Mystiker.

Werner Heisenberg, deutscher Atomphysiker und Nobelpreisträger: wegen seiner geistigen Nähe zu östlicher Weisheit nannten ihn seine Kollegen „Buddha“

Das entsprechende Menschenbild – der letzte Schrei für die Wissenschaftler, ein alter Hut für die Weisen -: „Ein Mensch ist ein Teil des Ganzen. Er erfährt sich selbst und seine Gedanken und Gefühle aber als etwas, das vom Rest getrennt ist - das ist eine Art optischer Täuschung seines Bewusstseins. Diese Täuschung stellt für uns eine Art Gefängnis dar, das sich uns auf unsere persönlichen Bedürfnisse und auf die Zuneigung zu einigen wenigen, uns nahestehenden Personen beschränken lässt. Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Kreis unseres Mitgefühls vergrößern und alle Lebewesen und die ganze Natur in ihrer Schönheit aufnehmen.“ Das ist nicht die Predigt eines weisen Indianer-Häuptlings, sondern das Bekenntnis des Hauptes der revolutionären Physik: Albert Einstein.

Ohren lang, Zunge kurz

Interviewte Intellektuelle in den USA bekannten angesichts der Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft: „Der Ideenschrank ist leer.“ Die Ideenschränke der Intellektuellen sind leer, gefüllt aber sind die Tresore der Weisen – und das nicht mit Talmi und Tand. Es sind sehr glaubwürdige Menschen, die Weisen, nicht in erster Linie durch das, was sie sagen, sondern durch das, was sie sind.

Die Weisen durchschauen die zeitlichen Ereignisse im Licht ewiger, übergreifender Zusammenhänge. Sie sind unerschütterlich ruhig und überlegen ohne Selbsterhöhung, sicher, taktvoll bescheiden im Umgang mit Welt und Mensch, können von jedem Menschen etwas lernen, haben lange Ohren und eine kurze Zunge. Sie haben Augenmaß. Sie sind unverletzlich. Sie benutzen die Dinge, ohne an ihnen zu hängen, sind frei von Sicherheitsdenken. Sie sind auf alle Dinge vorbereitet. Sie haben umfassende Zuversicht und unbegrenztes Vertrauen. Sie sind Partner der Natur. Sie haschen den Augenblick, das heißt: sie sind total gegenwärtig. Sie handeln spontan, naturgemäß, situationsgerecht (nicht eigensinnig). Sie haben Humor und sind – stets offen für das Wunderbare – fähig zu staunen.

Schatzsuche

Das Buch >Weisheit der Völker< versteht sich als Schatzsuche. Wir durchqueren Jahrtausende auf unserer abenteuerlichen Forschungsreise zu den faszinierenden Weisheitstraditionen. Die Erkundung des immensen geistigen Reichtums der Menschheit - eben der religiösen, mystischen, spirituellen, philosophischen, metaphysischen, ökologischen und psychologischen Weisheiten der Völker - führt uns bis an die Grenzen der Erde: von Fernost bis Fernwest.

Sie lässt uns Rishis in Indien und Roshis in Japan, in China daoistische Einsiedler, in Amerika indianische Schamanen und in aller Welt christliche Ordensleute begegnen.

Sie macht uns bekannt mit großen Geistern und Seelen wie Laozi, Buddha, Bodhidharma, Shankara, Patanjali, Tsongkhapa, Dogen, Al-Ghasali oder Rumi, aber ebenso mit christlichen Kontemplativen wie den deutschen Jesuiten P. Lassalle, den englischen Benediktiner P. Griffiths, den französischen Jesuiten P. Teilhard der Chardin u.a.m., die eine Brücke schlagen von der abendländischen Mystik zur morgenländischen Mystik sowie zur modernen Naturwissenschaft.

Wir durchpflügen auf unserer Expedition das Meer der tiefgründigen Weisheitsliteratur mit den klassischen Dokumenten wie das Yijing (I-Ging), das Daodejing, das Tibetische Totenbuch, die Upanishaden, die Bhagavad-Gita oder das Elixier der Glückseligkeit.

Wir laden die Leser ein, die Schätze der Weisheit der Völker zu heben: lauteres spirituelles Gold und Diamanten der Erleuchtung, religiös-metaphysische Smaragde und Rubine der Lebenskunst. Willkommen auf unserer Entdeckungsreise zu den Weltanschauungen, Menschenbildern und Lebenswegen der großen Menschheitskulturen.

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Shivas kosmischer Tanz

Indien

Es gibt drei herkömmliche Indienbilder der Europäer: das Indien des Alptraums, das Indien des Märchens und das

Indien des Geistes.

1. Das Indien des Alptraums: bodenlose Armut, Slums wie Eiterbeulen, Kloakengestank, wirtschaftliche Trostlosigkeit, sozialer Bankrott, alles überwuchernde Korruption, Ehefrauen mit dem Status von Haussklavinnen, scheußliche Mitgiftmorde, wie Abschaum behandelte Unberührbare, Endlos-Epidemien und religiöse Gewalt militanter Eiferer.

Die Massenarmut, das Analphabetentum und die sozialen Klüfte stechen umso mehr ins Auge, als Indien eine kulturelle und technologische Großmacht ist.

Steckt nicht überhaupt die Religion hinter dem “Skandal Indien”? Die Volksfrömmigkeit: infantil, pathetisch, in mechanistischen Ritualen erstarrt. Die sublime Geistigkeit ist verraucht in der populistischen Anpassung der Lehren an das Fassungsvermögen der Masse der Analphabeten. Die brahmanische Priesterkaste: heuchlerisch und herrschsüchtig. Wohlgenährte Kult- und Tempelfunktionäre schröpfen abgezehrte Gestalten, die naiven Frommen mit blindem Glauben.

Ist die Wurzel allen Übels in Indien nicht der Hinduismus?

Nach dem Dogma der Tatvergeltung gibt es nämlich im Leben eigentlich keine Ungerechtigkeit: Jeder erntet, was er (im früheren Leben) gesät hat. Wenn also jeder selber seine (nachteilige oder vorteilhafte) Situation verursacht hat, ist der Wille zur Veränderung der Gesellschaft gelähmt. Privilegien und Missstände sind dadurch gleichsam “legitimiert”.

Mit dem Indienbild des Alptraums im Kopf, könnten Skeptiker einwenden: Wir sind nicht neugierig auf die “Weisheit” einer erdfernen “Wolkenreligion”, die dramatisch unfähig ist, dem eigenen Volk weiterzuhelfen.

2. Das Indien des Märchens: Dem staubigen und dreckigen Indien steht das farbenreiche und schillernde Indien gegenüber, das “wunderbare”, “geheimnisvolle”, “phantastische” Land. Das Indien mit auf Rohrpfeifen blasenden Schlangenbeschwörern, heiligen Kühen, hochverehrten Affen, königlichen Elefanten und Maharadschas für Touristen. Das Indien der erotischen Tempel, der leuchtenden Radschputen-Turbane, des Tadsch Mahal, des Kathakali …

Es wimmelt im magischen Indien von Händlern mit übersinnlichen Mächten: von Millionen Saddhus, Wundertätern, Astrologen, mit Kuhmist-Asche beschmierten oder splitternackten Asketen, Yogis, Gurus und sich auf Dornen bettenden Fakiren, manche im Rang von Halbgöttern oder gar von Avatars (herabgestiegenen Göttern).

Wer zählt Indiens Götter? Indien ist ein endloser Basar mit zum Teil bizarren Gottheiten: Da ist der rundbauchige und elefantenköpfige Ganesh, der auf einer Ratte reitet und am liebsten süßen Reispudding nascht. Da ist Gott Vishnu, der sich als anmutiger Hirt Krishna verkörpert, der nackt im Fluss badenden Schäferinnen die Kleider stiehlt. Und da ist Gott Shiva, dargestellt und verehrt u.a. als Phallussymbol - oder als Tänzer.

Hanuman – populärer Hindu-Gott in Affengestalt

Das traumhafte Indien ist übrigens keine Entdeckung der Fremdenverkehrsmanager und der Touristen der Gegenwart, die von der tropischen Exotik und dem folkloristischen Exhibitionismus gebannt sind. Schon im Altertum schwärmten die antiken Griechen vom “Wunderland Indien”.

3. Das Indien des Geistes. Ein indischer Meister: “Von außen sieht der Hinduismus wie eine Mischung aus Aberglauben und Geldgeschäften aus. Jeder betrügt seinen Nachbarn zu seinem eigenen Vorteil. Und doch gibt es in der Hindu-Religion etwas, das man woanders umsonst suchen würde - die Erkenntnis des Brahman und die Erfahrung des Atman: wahre Weisheit.”

Indien - das “Gelobte Land” der Weisheit! Indiens Geistigkeit faszinierte und fasziniert nicht nur Inder, sondern Chinesen und Japaner, Europäer und Amerikaner.

STICHWORT PSYCHOTHERAPIE. Waren es im Westen früher hauptsächlich Dichter und Denker (Philosophen), die sich von der Gedankentiefe Indiens inspirieren ließen, so sind es heute besonders Psychotherapeuten und Naturwissenschaftler, die interessiert in der Fundgrube der indischen Geisteswelt schnüffeln und unglaubliche Einsichten vorfinden.

C. G. Jung (1875-1961), der Schweizer Psychiater und Begründer der Analytischen Psychologie, öffnete sich der östlichen Weisheit

Zeugnisse und Zitate westlicher Wissenschaftler:

“Überlieferungen wie Vedanta, Yoga, Buddhismus und Daoismus ähneln mehr Psychotherapien als Religionen oder Philosophien, weshalb es nicht überraschen kann, dass westliche Psychotherapeuten neuerdings lebhaftes Interesse für östliche Mystik zeigen”, schreibt Fritjof Capra, einer der führenden Interpreten des wissenschaftlichen ganzheitlichen Denkens.

Buddha beispielsweise war genaugenommen Tiefenpsychologe. Er selbst gab sich nicht als Religionsstifter, Prophet oder Philosoph aus, sondern als “Arzt”: “Ich bin nur gekommen, um zwei Dinge zu lehren: die Ursache der Leiden und die Mittel, die Leiden zu beseitigen.” Buddhas “Religion” ist also ursprünglich und im Grunde eine Wissenschaft des Geistes und der Psyche.

Namentlich Carl Gustav Jung ließ sich von der indischen Spiritualität befruchten. „Es gibt so viele Dinge, die mich ausfüllen: Pflanzen, Tiere, Wolke, Tag, Nacht und die ewige Präsenz im Menschen“, notierte C. G. Jung. „Je unsicherer ich mir über mich selbst bin, umso mehr wächst in mir das Gefühl, mit allem verwandt zu sein.“

Ursprünglich der Lieblingsschüler Sigmund Freuds, trennte sich C. G. Jung von seinem Lehrer, dessen Psychoanalyse noch auf dem inzwischen überholten mechanistischen Menschenbild fußt. C. G. Jungs Menschensicht stimmt hingegen schon überein mit dem revolutionären heutigen Wirklichkeitsbegriff, den die Neue Physik und die alte indische Metaphysik gemeinsam haben.

In der Ergründung der Seele und des Bewusstseins ist kein Volk so tief vorgedrungen wie die Inder. So können die Psychotherapie und die Transpersonale Psychologie kapitalen Nutzen aus der altindischen Weisheitstradition ziehen.

STICHWORT PHYSIK. Wer hätte je gedacht, dass die alte indische Weisheit eines Tages den Neuen Physikern des 20. Jahrhunderts helfen könnte, ihre eigenen Forschungsergebnisse zu verstehen! Zwei “Giganten” der Neuen Physik, Albert Einstein und Werner Heisenberg, selbst überwältigt von ihren eigenen Erkenntnissen, haben das Resultat ihrer Entdeckungen in der subatomaren Welt mit den gleichen Worten kommentiert: “Es war, als ob mir der Boden unter den Füßen weggezogen würde.”

Damals freute sich der frühere indische Ministerpräsident Nehru: “Was die Fundamente der europäischen Wissenschaftler erschütterte, ist für die Asiaten die Bestätigung ihrer uralten Philosophie.”

Die überraschende Übereinstimmung der neuesten physikalischen Erkenntnisse in Bezug auf Raum, Zeit und Energie mit altindischen philosophischen Einsichten veranlasste den Nobelpreisträger Werner Heisenberg, der gemeinsam mit Max Born die revolutionäre Quantenmechanik begründete, zu dem Bekenntnis: “Ich bin stets von den Zusammenhängen zwischen den uralten Lehren des Ostens und den philosophischen Konsequenzen der modernen Quantentheorie fasziniert gewesen.” Die Faszination ging so weit, dass Heisenberg im Alter im engsten Kollegenkreis “der Buddha” genannt wurde, weil er östliche philosophische Anschauungen teilte. Der Nobelpreisträger Niels Bohr, der den Grundstein zur heutigen Atomtheorie legte, bekräftigte seinerseits: “Um zur Lehre der Atomtheorie eine Parallele zu finden, müssen wir uns den erkenntnistheoretischen Problemen zuwenden, mit denen sich bereits Denker wie Buddha und Laozi auseinandersetzten.”

Der amerikanische Gelehrte Fritz Kunz war der erste Wissenschaftler, dem es 1922 auffiel, dass Einsteins epochemachende Formel (e=mc2) - die wohl berühmteste Formel der Welt - mathematisch ausdrückte, was im Prinzip die “Seher” (Rishis) des alten Indien schon erkannt hatten: dass Masse Energie und Energie Masse ist. Die sensationelle Neuigkeit, dass sich im letzten Stoffliches nicht von Energie unterscheidet, ist k e i n e für die Kenner der indischen Philosophie, die lehrt, dass Materie aus verdichteter Energie besteht.

Die Idee, dass das Universum ein Energiefeld ist - ein Reich ständiger Erschaffung, Umwandlung und Vernichtung - ist den Indern seit Urzeiten vertraut durch die Metapher (bildlicher Ausdruck), die Gott als kosmischen Tänzer darstellt. Shiva Nataraj - der göttliche Welttänzer - symbolisiert den unaufhörlichen kosmischen Energiefluss, den Reigen des Universums in ständigem Wechsel und Wandel.

Shiva – der kosmische Tänzer

Was in Indien die Künstler in Bildern und Skulpturen des tanzenden Shiva visualisierten, das besorgt heute die Neue Physik, meint der Physiker und Philosoph Capra: “In unserer Zeit wandten Physiker die fortschrittlichste Technik an, um die Strukturen des kosmischen Tanzes zu porträtieren. Die Blasenkammerfotos von zusammenwirkenden Teilchen, die den kontinuierlichen Rhythmus von Erzeugung und Vernichtung im Universum bezeugen, sind sichtbare Abbildungen vom Tanz des Shiva, die denen der indischen Künstler an Schönheit und tiefer Bedeutung gleichkommen.”

Der Nobelpreisträger Ilya Prigogine, Physiker und Chemiker, vergleicht ebenso Geburt, Manifestation und Tod des Kosmos - von den Galaxien des Makrokosmos bis zu den kleinsten Masseteilchen des Mikrokosmos - mit dem Tanz Shivas.

Rundblick

Im Panorama besteht die Landschaft der Weisheit Indiens gleichsam aus 6 geistigen Hochgebirgsketten: so könnte man die 6 großen philosophischen Systeme nennen. Das im Westen bekannteste Massiv - sprich System - ist Yoga. Freilich, der im Westen als Physiotherapie zur Erhaltung von Gesundheit, Jugendlichkeit und Schönheit praktizierte Yoga hat mit dem authentischen Yoga (des Patanjali) ungefähr so viel zu tun wie eine Dusche mit der christlichen Taufe. Der echte Yoga zielt auf das Zusammenfließen des Yogis mit dem Absoluten ab.

Der Himalaya des Geistes

Das herausragende geistige Bergmassiv Indiens - sozusagen der Himalaya des Geistes - aber heißt Vedanta. Der Vedanta ist Indiens kondensierte Weisheit.

Die erste hochentwickelte Kultur, die sogenannte Induskultur von 3000 - 2000 v.Chr., war schon entschwunden, als ab 2000 v.Chr. indogermanische Stämme, die sich Arier (Edle) nannten, in mehreren Schüben in den Nordwesten Indiens eindrangen. Das kriegstüchtige Hirtenvolk der Arier bemächtigte sich allmählich der Ganges-Ebene, von wo aus es sich über das ganze Land ausbreitete. Die sinnenfrohe Religion der Eroberer durchmischte sich mit den alteingesessenen Kulten der Besiegten. Der aus der Verschmelzung von Alt und Neu geborene Brahmanismus-Hinduismus nahm schon im 1. vorchristlichen Jahrtausend einen grüblerischen Charakter an.

Einer der 7 Großen Rishis: Vasishta

Um 1500 v. Chr. begannen die Indo-Arier das von “Sehern” (Rishis) in Ekstase “erschaute” heilige Wissen - die Veden - niederzuschreiben: das geistige Fundament der Philosophien Indiens: Lobpreisungen, Weihelieder, Sprüche, Gebete, Opferformeln, Ritualtexte, magische Leitfäden, moralische Maximen, mystische Spekulationen und theologische Traktate.

Weltberühmt ist der abschließende philosophische Teil der Veden, die zwischen 800 und 200 v.Chr. entstandenen Upanishaden: Sie sind der Quell des Philosophiesystems des Vedanta (= Vollendung der Veden), der wohl tiefgründigsten Metaphysik der Menschheit. Der Vedanta ist gleichsam die kristallisierte Botschaft der Upanishaden. Voll zur Entfaltung gebracht hat den Vedanta der große Reformator, Heilige und Philosoph Shankara (788-820). Seither ist der Vedanta im Hinduismus allgegenwärtig: er ist der Sauerteig in allen Formen spiritueller und religiöser Praxis.

Wege & Ziel

Für jedes Temperament gibt es in Indien einen eigenen Weg der inneren Wandlung zur Vereinigung mit dem Göttlichen: für den Gefühlsmenschen den Pfad der Hingabe (Bhakti-Marga), für den Willens- und Tatmenschen den Pfad des Handelns (Karma-Marga) und für den Verstandesmenschen den Pfad der Erkenntnis (Jnana-Marga).

Entscheidend ist jeweils die Überwindung des Egoismus: der Ichverhaftung, die der Gottesbegegnung im Wege steht.

 Pfad der Hingabe: Der Gefühlsmensch liefert sich an Gottes gnädiges Handeln aus - durch verzehrende Liebe und treue Verehrung. Er lebt in stetem Gedenken Gottes. Die innige Herzensfrömmigkeit im Dienste des Weltenherrn oder der Weltenmutter ist die Weisheit nicht von Schriftgelehrten und Federfuchsern, sondern des Volkes bis zu den untersten Kasten und den Kastenlosen.

Kabir, der große Mystiker und Dichter des 15. Jahrhunderts, ist ein Herold der Gottesminne:

“Die Welt liest sich zu Tode,

und keiner je wird klug.

Lies nur das Wörtchen Liebe,

dann bist du klug genug.”

 Pfad der Hingabe: Der Willens- und Tatmensch befreit sich von der Ichverhaftung, indem er sein Wirken - ob Handarbeit oder Kopfarbeit - Gott schenkt. Mit anderen Worten: Er bindet sich nicht an die Früchte seines Tuns, die er Gott als Opfer darbringt. Er selbst erwartet nichts, keine Bewunderung, keinen Erfolg, keine Dankbarkeit, keinen Vorteil. Er handelt uneigennützig, so erfüllt er die Alltagsanforderungen in Familie und Beruf innerlich frei. Er gibt sich der Arbeit hin, klammert sich aber nicht an sie. Wenn er fraglos seine Pflicht um ihrer selbst willen tut - im Namen der Liebe-, wirkt Gott im selbstlosen Tatmenschen, so dass normale Arbeit in der Welt zur heiligen Handlung wird.

Der Pfad der Hingabe und der Pfad des Handelns - die populärsten spirituellen Wege Indiens - sind vorgezeichnet in der Bhagavad-Gita, dem Juwel unter Indiens heiligen Schriften. Die 700 Strophen umfassende “Gita” (um 300 v.Chr. entstanden) ist nach dem deutschen Forscher und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) “das schönste wahrhaft philosophische Gedicht der Weltliteratur”.

 Pfad der Erkenntnis: Der Verstandesmensch oder Intellektuelle gewinnt die Ichvergessenheit durch Disziplinierung der Triebe und der Sinne sowie durch die philosophische Unterscheidung zwischen dem vergänglichen Ich und dem unvergänglichen Selbst, das er in der Versenkung innerlich erfahren kann. Der Weg meditativer Selbstbesinnung endet nicht im stillen Herzenskämmerlein, sondern führt ins Freie und ins Weite.

Pilger des Absoluten

Wer sich als Bergsteiger im Himalaya des Geistes - dem Vedanta - auf den Weg der Erkenntnis (Jnanamarga) macht, hat die Nebelschleier satt, die in den Niederungen des Alltagsbewusstseins die Gedanken trüben und die Erfahrungen einhüllen.

Er ist nämlich als Mensch des Geistes zu der Überzeugung gelangt, dass im Unterland die Menschen alle Dinge und Ereignisse nicht “realistisch” sehen, sondern durch die verfälschenden Brillen subjektiver Ausdeutung - durch die Filter ihres “gesunden Menschenverstandes”, sprich ihrer Vorurteile.

Kein Geringerer als der größte Physiker der neuen Zeit, Albert Einstein, pflichtet dem Vedanta-Bergsteiger darin bei: “Der sogenannte gesunde Menschenverstand ist eigentlich eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.”

Wir gewöhnlichen Sterblichen leben demnach nicht in der Wirklichkeit, sondern in den Projektionen unseres eigenen Ichs, das gefangen ist in Voreingenommenheiten, Missverständnissen, Frustrationen, Ängsten, Erinnerungen, Träumen, Erwartungen, Angewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen. Das alles sind verfärbende und verformende Filter. Unsere Gefühle und Meinungen manipulieren uns also wie Marionetten.

Die geistigen Alpinisten durchschauen die Selbsttäuschungen: die Maskierungen der Wirklichkeit. Sie beten daher:

“Vom Unwirklichen führe uns zum Wirklichen,

Vom Dunkel ins Licht

Und vom Tod zur Unsterblichkeit”

(Brihadaranyaka-Upanishad I,3,28).

Die Gipfelstürmer sind erfüllt von der Sehnsucht, die Vergänglichkeit, Schimäre, Begrenztheit, Abhängigkeit, Zufälligkeit und Zeitgebundenheit der welthaften Existenz zur durchbrechen und nach dem Beständigen, Wirklichen, Unendlichen, Autonomen, Gültigen und Ewigen zu streben - als Pilger des Absoluten. Bevor sie aber in die Regionen des ewigen Eises aufbrechen, absolvieren sie ein langes und hartes Konditionstraining: eine Schulung in innerer Ruhe, Selbstbeherrschung, Entsagung und Geduld.

Sprung über den Abgrund

■ Gerade weil die Pilger auf dem Weg der Erkenntnis Menschen des Geistes sind, wissen sie, dass sie auf der letzten Wegstrecke zum Gipfel der Wirklichkeitserfahrung (Weisheit) über das Denken hinausgehen müssen. Denn die Bergspitze liegt außerhalb der Reichweite des Intellekts und der Logik. Kein noch so ausgeklügeltes Buchwissen durchstößt die Wolken, die die Sonne verdunkeln.

Der Sucher Narada hatte sich einst das gesamte Wissen seiner Zeit zu Eigen gemacht: die heiligen Schriften, Grammatik, Ritual, Arithmetik, Wahrsagekunst, Zeitrechnung, Logik, Politik, Götterlehre, Gebetslehre, Gespensterlehre, Schlangenzauber, Staatswissenschaft, Astronomie und die Künste der Musen. Doch wie Goethes Faust nach langwierigen Studien musste er eingestehen: “Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.” Trotz aller Gelehrsamkeit befand er sich auf der Suche nach wahrer Weisheit in einer Sackgasse. Der vedische Weise Sanatkumara klärte ihn auf: “Alles, was du studiert hast, ist nur Name.”

■ Zum Gipfel der Weisheit führt nach einer waghalsigen Klettertour nur ein Sprung über den Abgrund: Nur wer sein Ich verliert, findet sein Selbst.

Wenn in der Versenkung das Selbst auftaucht, ist der Gipfel erreicht. “Das ist das Ende der Reise”, kommentiert der christliche, gleichermaßen westliche wie östliche Mystiker P. Bede Griffiths OSB, “weiter kann man nicht gelangen. Denn hier geht das Menschliche in das Göttliche über, das Zeitliche in das Ewige, das Endliche in das Unendliche.”

Tat tvam asi

Worin besteht das Gipfelerlebnis? Wenn der Mystiker seine an sich nicht vermittelbare Erleuchtungserfahrung aus der Erinnerung - also im Nachhinein - umschreibt, bedient er sich natürlich der Begriffe der eigenen Kultur bzw. Religion. Wir müssen daher, um Indiens Weise zu verstehen, die beiden Grundbegriffe “Atman” und “Brahman” erklären.

□ Der Atman: das Selbst, das Wesen, der Kern der Person, die Seele, der göttliche Funken im Menschen.

□ Das Brahman: die Weltseele, das Absolute, das ewige Prinzip, die höchste schöpferische Potenz, der Urgrund des Universums, das Göttliche.

In den Höhen der Klarsicht erfährt der Weise im Atman das Brahman. Das ist in Indien der Weisheit letzter Schluss: Tat tvam asi = “Das bist Du”. Das Brahman bist du selbst.

“Wenn ich mir meines Egos bewusst bin, scheine ich wie ein Tropfen im Ozean des Universums”, interpretiert Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan. “Und wenn ich mein wahres Selbst entdecke, scheint das Universum wie ein Tropfen im Ozean meines Herzens zu sein.”

Die Chandogya-Upanishad (III, 14,3) enthüllt: “Dieses mein Selbst im Inneren des Herzens ist kleiner als ein Reiskorn oder Gerstenkorn oder Senfkorn oder Hirsekorn oder ein Hirsekornkern. Dieses mein Selbst im Innern des Herzens ist größer als die Erde, größer als der Luftraum, größer als der Himmel, größer als all die Welten…”

Wenn man sich das Selbst vergegenwärtigt, wird das ganze All “gewusst”: das ist die große Einsicht der Upanishaden bzw. des Vedanta. Der Weise weiß sich in allen Dingen und Wesen und er weiß alle Dinge und Wesen in sich.

Wenn der Weise in sein “Herz” eingeht, gewahrt er: “Darin sind Himmel und Erde enthalten, darin sind Feuer und Wind, Sonne und Mond, Blitz und Gestirne enthalten” (Chandogya-Upanishad VIII).

Kurzum: im direkten Kontakt mit der Realität in ihrer Ganzheit offenbart sich dem Mystiker die All-Einheit.

In unserem normalen Alltagsbewusstsein erleben wir die Welt mannigfaltig. Die Welt in ihrer nicht endenden Vielfalt mit den “Gegensätzen” von Mensch und Natur, Bewusstsein und Materie, Subjekt und Objekt, und mit ihren separaten Einheiten wie einem Dünengras, einem Stinktier, einer Stubenfliege, einem Sandkorn oder dem Polarstern soll es nicht geben? Oder: “Ich” bin stolz auf meine Persönlichkeit und Individualität und identifiziere mich mit Name, Beruf, Position, Geschlecht, Nationalität, Alter, Familienstand, Sternzeichen. Meine Person fühlt sich durch die Grenze der Haut vom Rest der Welt getrennt. Ist das falsch?

P. Bede Griffiths

All die konventionellen Unterscheidungen sind natürlich berechtigt, wenn wir die Erscheinungswelt, also die Oberfläche der Wirklichkeit, in Betracht ziehen. Doch der Mystiker blickt über das Naheliegende und Offensichtliche hinaus und “durchschaut” die Wirklichkeit, die sich ihm transparent darbietet. Dabei wird er inne, wie die Dinge ineinandergreifen und einander durchdringen und wie sein Wesen die Objekte durchdringt und die Objekte sein Wesen durchdringen. Er erlebt die Urgemeinsamkeit aller Wesen und Dinge.

Einer der größten christlichen Mystiker unserer Zeit war P. Bede Griffiths (1906-1993): verbunden mit der Kirche lebte er 38 Jahre in Indien nach der Regel des hl. Benedikt und nach der indischen Vedanta-Tradition (als Mantra-Meditation pflegte er das Jesusgebet). P. Griffiths weiß, wovon er spricht: “In der Meditation kann ich meines Wesensgrundes in der Materie, im Leben und im menschlichen Bewusstsein gewahr werden. Ich kann meine Einheit mit dem Universum erleben, mit dem entferntesten Stern im Weltraum und im kleinsten Teil des Atoms. Ich kann mein Einssein mit jedem Lebewesen, mit der Erde, mit den Blumen und Kokospalmen, mit den Vögeln und Eichhörnchen, mit jedem menschlichen Wesen erfahren. Ich kann über die äußeren Formen dieser Dinge in Raum und Zeit hinausgelangen und den Wesensgrund entdecken, dem sie alle ...

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