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Höllentrip

Alfred J. Schindler

Höllentrip

Alkohol- und Medikamentenabusus





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Höllentrip

Höllentrip

 

Ein Aufklärungsbuch über Alkohol- und Medikamentenabusus

 

 

(protokolliert und geschrieben von

ALFRED J. SCHINDLER)

 

im Auftrag von FRANZ UEBERMUTH

 

 

 

Die gnadenlose Suchttragödie des

 

FRANZ UEBERMUTH

Dieses Buch widme ich meiner geliebten Frau Susanna, die mir in den schwersten Zeiten meines bisherigen Lebens zur Seite stand...

INHALTSVERZEICHNIS

Kapitel 1 Ursprung der Krankheit

Kapitel 2 Schulzeit schon mit Stoff

Kapitel 3 meine erste große Liebe

Kapitel 4 der Tod meines Vaters

Kapitel 5 es geht so richtig los...

Kapitel 6 der falsche Umgang

Kapitel 7 mein Freund Albert

Kapitel 8 die Lagunenbar

Kapitel 9 meine angehende Ehefrau

Kapitel 10 meine „Ehe“

Kapitel 11 Lauras tragischer Unfall

Kapitel 12 Scheidung/Suizidversuch

Kapitel 13 meine erste Therapie

Kapitel 14 zurück in der Freiheit

Kapitel 15 und wieder ohne Arbeit

Kapitel 16 meine Geliebte, die Flasche

Kapitel 17 Katharina

Kapitel 18 Medikamente zum Alkohol

Kapitel 19 es geht abwärts...

Kapitel 20 der totale Absturz

Kapitel 21 Delirium und Wahnsinn

Kapitel 22 meine zweite Therapie

Kapitel 23 wieder auf freiem Fuß

Kapitel 24 zurück ins Berufsleben

Kapitel 25 Treffen mit Albert

Kapitel 26 bei den Amerikanern

Kapitel 27 Rückfallgedanken...

Kapitel 28 die Uhr tickt – es passiert

Kapitel 29 ein neuer Arbeitsplatz

Kapitel 30 wieder in der Heimatstadt

Kapitel 31 der alles vernichtende Unfall

Kapitel 32 im Aus – alles vorbei

Kapitel 33 der fast verhängnisvolle Brand

Kapitel 34 Gitty

Kapitel 35 ich gehe rückwärts

Kapitel 36 ich resigniere...

Kapitel 37 nichts geht mehr

Kapitel 38 vor der 3. und letzten Therapie

Kapitel 39 meine allerletzte Chance

Kapitel 40 Therapieverlängerung

Kapitel 41 der Wiederholungseffekt

Kapitel 42 meine Partnerin Susanna

Kapitel 43 ich bäume mich auf

Kapitel 44 ich sterbe...

Kapitel 45 die totale Veränderung

Kapitel 46 die ERKENNTNIS – die Hoffnung

VORWORT

Liebe Leserin, lieber Leser,

Es fiel mir nicht schwer, den richtigen Einstieg dieser wahren und knallharten Geschichte zu finden.

Bei mir entstand die Suchtkrankheit bereits, als ich etwa vierzehn Jahre alt war. In diesem Alter hatte ich schon meine ersten Erfahrungen mit Alkohol gemacht.

Als ich mich entschloss, dieses Buch schreiben zu lassen, sagte ich mir: ich stehe zu meiner Krankheit, die so unmerklich auftrat. Dies ist wohl die Voraussetzung dafür, ungeschönt und wahrheitsgetreu erzählen zu können.

Es wird Ihnen sicherlich schwer fallen, meine Geschichte nachzuvollziehen. Aber ich finde, es ist besser, ich schreibe meine gesamte Suchtkarriere genauso, wie sie wirklich war: vom harmlosen Anfang bis zum bitteren, grauenhaften Ende.

Vielleicht erkennt sich der ein oder andere Gefährdete, wenn er diese Horrorgeschichte liest. Oder aber ein Angehöriger, Freund oder Vorgesetzter sieht plötzlich gewisse Übereinstimmungen einer Person mit meiner. Leider rutschen in jüngster Zeit immer mehr junge Leute in eine (über kurz oder lang tödliche) Abhängigkeit, wie man der Presse und den aktuellen Statistiken entnehmen kann.

Ich wünsche Ihnen nun „gute Unterhaltung“ beim Lesen dieses Buches. Es wird Sie gelegentlich schockieren, aber ich hoffe, dann und wann auch etwas amüsieren...

KAPITEL 1

Wenn mein Vater mit seinen Freunden trank, fiel mir auf, wie sehr er sich in seinem Wesen veränderte. Er verlor dann all seine Ernsthaftigkeit und Unzufriedenheit, und das gefiel mir an ihm. Er wirkte gelöst, und alle Sorgen schienen von ihm gefallen zu sein.

Wenn er wieder nüchtern war, war er unausstehlich. Er tyrannisierte Mutter und uns Kinder. Gelegentlich schlug er mich grundlos. Ich hasste ihn dafür. Das Schlimmste aber war seine abweisende, negative Haltung mir gegenüber, die er an den Tag legte.

Das Wort Angst stand in unserer Familie an der Tagesordnung.

Irgendwann betrank ich mich mit dem Schnaps, der „ihm“ gehörte. Es war furchtbar. Ich kotzte und dachte, die Welt würde untergehen. Jedoch die Wirkung, die vorausgegangen war, hatte mich beeindruckt. Positiv beeindruckt.

Leider.

KAPITEL 2

Ich besuchte die Knaben-Realschule in Ingolstadt und war ein mittelmäßiger Schüler.

Tischtennis und Bowling waren meine bevorzugten Sportarten. Die beiden Bowlingbahnen befanden sich in einem Gasthaus, ganz in der Nähe unserer Wohnung. Unsere Mannschaft wurde einige Male Deutscher Meister und noch öfter Bayerischer Meister.

Es kam dann schon mal vor, dass ich beschwipst oder angetrunken nach Hause kam. Aber dies wurde von meinen Eltern nicht registriert. Waren sie so sehr mit sich selbst beschäftigt?

KAPITEL 3

Vor dem Abschluss der Mittleren Reife lernte ich meine erste große Liebe kennen. Sie hieß Margit, war vierzehn Jahre alt, und eben das wunderbarste Mädchen auf dieser Erde. Sie besuchte das örtliche Mädchengymnasium, und ich holte sie tagtäglich mittags mit dem Fahrrad von der Schule ab. Ich liebte sie über alles. In ihrem Elternhaus konnte ich ein- und ausgehen, wie es mir beliebte. Ich hatte das volle Vertrauen ihrer Eltern.

Anlässlich Margits fünfzehnten Geburtstags bereitete ich ein kleines Sommernachtsfest vor. Es fand im Garten ihrer Eltern statt. Dazu wurden einige unserer Freunde eingeladen. Selbstverständlich waren auch unsere Eltern mit anwesend. Sie mussten das Spektakel schließlich bezahlen.

An diesem Abend ging es sehr unbeschwert zu, nur mein Vater, der in einem großen Kaufhaus als Chefdekorateur arbeitete, war schon nachmittags ziemlich angetrunken erschienen. Wie so oft hatte er schon in der Arbeit getrunken. Er schaffte es, das Fest platzen zu lassen, indem er Margits Oma ans Knie fasste. Die Blamage war perfekt. Meine Mutter und ich hätten uns am liebsten in einem Mauseloch verkrochen.Und ich hätte ihn dafür umbringen können. Ja, das hätte ich liebend gerne getan.

Inzwischen hatte ich die Realschule abgeschlossen. Ich begann bei einer großen Textimaschinen- und Armaturenfabrik in Ingolstadt eine Berufsausbildung als Industriekaufmann.

KAPITEL 4

Kurz vor meinem achtzehnten Lebensjahr (im Herbst 1972) wurde mein Vater im alten Städtischen Krankenhaus Ingolstadt operiert. Er hatte Rippenfellkrebs. Vier Monate lag er zu Hause in seinem Bett, und er machte es uns allen sehr schwer. Meine ältere Schwester war inzwischen nicht mehr in der elterlichen Wohnung, da sie geheiratet hatte.

Vater siechte sowohl körperlich, als auch geistig dahin. Er starb am Neujahrsmorgen in seinem Bett. Mit dreiundvierzig Jahre musste er schon sterben. Er war verhungert, aber er tat mir nicht Leid.

Ich erinnerte mich damals, an seinem Totenbett stehend, an gewisse, vergangene Situationen: als er meine Mutter vor uns Kindern geohrfeigt hatte. Seine ewigen Nörgeleien und Ungerechtigkeiten hatten sich in meinem Unterbewusstsein manifestiert. Ich hatte immer schon das Gefühl gehabt, dass er mich nicht mochte. Aber ich wusste nicht, wieso. Nichts Positives wollte mir in dieser prekären Situation einfallen, zumal ich ganz nebenbei eine halbe Flasche Rum leerte. Vater würde beerdigt werden, dachte ich mir, und die Sache dürfte somit endlich erledigt sein.

Genauso empfand ich.

Nicht anders.

KAPITEL 5

Einen Tag nach dem Ableben meines Vaters musste ich wieder zu meiner Ausbildungsstelle in die Firma. Wie üblich meldete ich mich im Personalbüro und wurde in eine neue Abteilung – die Rechtsabteilung – geschickt. So schrieb es der Ausbildungsplan vor.

Der Rechtsreferendar begrüßte mich sehr freundlich und bat mich, ihm gegenüber am Schreibtisch Platz zu nehmen, um mit dem theoretischen Unterricht beginnen zu können. Inmitten seines Vortrags über Bilanzwesen wurde mir hundeelend schlecht. Ich musste mich ohne große Vorwarnung in den zum Glück bereitstehenden Papierkorb übergeben. Der Mann war dermaßen perplex, dass er mich aufforderte, ihm ins Personalbüro zu folgen. Mir war schon alles egal, und ich folgte ihm wie ein begossener Pudel. Der Jurist verlangte vom Personalchef, nachdem er den Vorfall in allen Einzelheiten geschildert hatte, dass man mich schriftlich verwarnen, besser gesagt, aus der Firma werfen solle. Es sei in seiner glanzvollen Laufbahn doch noch nie vorgekommen, dass ein Lehrling vor seinen Augen (in seinem so durchdachten und höchst interessanten Unterricht) einen Papierkorb gefüllt hätte.

Der Personalchef, ein guter Bekannter meines Vaters, fragte mich in Anwesenheit des Schockierten, was denn nur mit mir los und in mich gefahren sei, und vor allem, warum ich so viel getrunken hatte. Ich erklärte ihm völlig emotionslos, dass mein Vater am Tag zuvor im Kreis der Familie gestorben war. (Ich benutzte das Ableben meines alten Herrn als Waffe)

Zuerst dachte er, ich sei verrückt geworden, da er nicht wusste, dass mein Vater todkrank war, aber dann rief er meine Mutter an und kondolierte ihr, ohne von dem Vorfall im Büro etwas zu erwähnen. Er verzichtete auf eine schriftliche Abmahnung, beruhigte den Juristen, der inzwischen etwas betreten daneben stand, (er hatte mich schließlich nicht gefragt, was mit mir eigentlich los war) und man gab mir für den Rest des Tages frei. Ich drehte mich um und sagte zu dem Juristen:

„Es heißt Auszubildender, und nicht Lehrling!“

Seit dem 01. Januar 1973 fühlte ich mich innerlich frei. Der negative Druck und die konstante Angst vor meinem Vater waren weg. Ich konnte mich so entwickeln, wie es mir gefiel. Damit begann auch meine Alkoholikerkarriere so richtig. Ich verkonsumierte mehr und mehr, beständig, und ohne Pause. Ich war nicht einen einzigen Tag ohne Alkohol!

Schließlich kam die Zeit, in der ich meine Ausbildung als Industriekaufmann vorzeitig abschloss (mein Notendurchschnitt lag bei 1,7). Als Angestellter verdiente ich nun recht gut. Ich verkaufte am Telefon Armaturen an Großhändler. Kaum rutschte der Zeiger der Uhr im Büro auf sechzehn Uhr, sprang ich auf, egal, was noch an Arbeit zu machen war, und verließ eiligen Schrittes die Firma. War das immer eine Freude, gleich nach Feierabend mit den guten Freunden „bei Oma Resi“ (so hieß das kleine, alte Lebensmittelgeschäft) ein paar Halbe schlucken zu können! Der Sportverein war in dieser Zeit schon sehr in den Hintergrund getreten; ganz zum Missfallen der Sponsoren und Kameraden. Meine Leistungen in der Bowlingmannschaft fielen langsam, aber konstant, ab.

Ich bevorzugte die Wirkung des Alkohols. Er dämpfte mich. Und genau das brauchte ich.

Nach einigen Promillen wuchs ich innerlich und zeigte unter meinen Saufkumpanen Können, Wissen und auch Stärke. Ich verhielt mich so, wie es in diesen Kreisen so üblich ist. Ich fühlte mich schon damals als kleiner Innendienstverkäufer zumindest als Verkaufsleiter, wenn ich genügend intus hatte. Entsprechend verhielt ich mich auch und ging nie ohne Krawatte aus. Auf gepflegte Kleidung legte ich schon immer besonderen Wert. Auch die körperliche Hygiene war bei mir großgeschrieben. Diesen grundlegenden Eigenschaften blieb ich bis zum heutigen Tag treu – bis auf wenige Ausnahmen. Nach Außen hin versuchte ich schon damals, meine nächsten Angehörigen und Freunde zu täuschen. Und es gelang mir auch! In mir sah es ganz anders aus. Über Gefühle konnte ich nicht reden. Dies war in meinen Augen unmännlich, ja, unmöglich. Solch eine Schwäche konnte und wollte ich mir nicht leisten. Aber gerade diese Haltung führte mich auf einen Irrweg des Lebens, der mir sehr viel Kraft kostete, ganz abgesehen von den persönlichen, finanziellen und bürgerlichen Nachteilen, die mir dadurch entstanden. Aber davon wusste ich damals zum Glück noch nichts.

Resi, die Geschäftsinhaberin, gestattete ihren Stammgästen, zu denen ich ja gehörte, auch auf Kredit zu trinken. Zumindest bis zum nächsten Ersten des Monats gab sie uns Kredit. Dann war bei mir schon damals gelegentlich ein halbes Monatsgehalt fällig. Ich ärgerte mich nicht lange darüber, blätterte die Hunderter hin, die in ihrer kleinen Kasse für immer verschwanden, und kippte mir zur Feier des Tages ein paar Kurze und fünf, sechs Halbe Bier hinter die Binde. Dieses sich monatlich wiederholende Ritual musste vergessen werden.

Schon in diesem Alter, also mit achtzehn Jahren, konnte ich negative Erlebnisse und Gefühle, die dieselben nach sich zogen, nicht ertragen. Ich wollte sie nicht ertragen und handelte entsprechend, indem ich mich betäubte.

Das war mein Ventil.

Diese Situation, wie ich sie durchlebte, war inzwischen schon ein ziemlicher Dauerzustand geworden. Das heißt aber nicht, in keiner Weise, dass ich negativ auffiel. Nein: ich beherrschte mich in jeder Lage, spielte den normalen Menschen, wenn auch mit einer konstanten Alkoholfahne, bei der ich mir aber damals noch nichts dachte. Meine alkoholische Laufbahn war sowohl in sozialer, als auch in finanzieller, und natürlich auch in gesundheitlicher Hinsicht vorprogrammiert. Nicht einen einzigen Gedanken verschwendete ich ans Sparen. Zum Beispiel, um mir ein Motorrad oder ein schönes Auto zu kaufen, wie es so viele meiner Freunde taten. Nein, mein altes Fahrrad genügte mir vollends. Hauptsache für mich war, dass mir das Geld für Alkohol und Zigaretten nicht ausging. Das finanzielle Chaos begann also schon damals. Ich kam aus meinen Zechschulden nicht mehr heraus. Wie gesagt. Ein Jahr später konnte ich im Sommerurlaub mit meinen Saufkumpanen nicht wegfahren, weil ich mein gesamtes Gehalt, sowie das Urlaubsgeld, bei der alten Dame abliefern musste. Sie strich die Scheine ein, schenkte mir ein Bier ein, und lächelte hintergründig.

„Prost, Franz!“

„Danke, Resi!“

„Lass es dir schmecken!“ (Ihre Augen glitzerten gierig)

Dieser Zustand ging so weiter, ohne dass sich etwas veränderte. Doch eines Tages eröffnete mir Margit telefonisch, dass sich in unserer inzwischen dreijährigen Verbindung etwas verändern würde. Es war ihren Eltern natürlich nicht entgangen, dass ich in den letzter Zeit immer häufiger ins Wirtshaus ging und Margit sehr vernachlässigte. Sie wussten selbstverständlich, was dies bedeutete. Sie bestellten mich schließlich zu einer ernsthaften Unterredung zu sich nach Hause. In dem folgenden Gespräch erklärten sie mir freundlich, aber bestimmt, dass es nicht anginge, dass ich so viel trinken würde. Sie würden zwar verstehen, dass sich durch den Tod meines Vaters in meinem Leben einiges verändert habe, jedoch würden sie es nicht mehr länger akzeptieren, dass ich des Öfteren betrunken zu ihnen kommen und ihre kleine Margit mit allen möglichen unsinnigen Erzählungen in Beschlag nehmen würde. Dies war tatsächlich geschehen, und ich konnte es leider nicht mehr ändern. Zu gerne hätte ich es in diesem Moment ungeschehen gemacht...

... aber es war zu spät.

Margit kam von ihrem Zimmer herunter und erklärte mir auch, dass nun zwischen uns Schluss sei. Sie müsse sich jetzt auf die Schule konzentrieren. Außerdem nerve es sie, dass ich andauernd eine Alkoholfahne hätte. Das war ein satter Schlag – mitten ins Gesicht. Und was das Schlimmste daran war:

Es gab kein Zurück mehr.

Wie gesagt.

Ich hatte mir also meine erste große Liebe kaputt gemacht: Langsam und systematisch, ungewollt und unaufhaltsam...

Und was war schuld daran?

KAPITEL 6

Dieses mehr als negative Erlebnis löste bei mir einen Schock aus. Obwohl mir die Konsequenz in fairer Art und Weise ausführlichst mitgeteilt wurde, war ich völlig fertig. Nun war ich wieder solo für Onkel. Ich schwang mich auf mein Rennrad und raste wie gewohnt, nur dieses Mal innerlich zerrüttet und aggressiv, zu Resi, wo ich dann im Freundeskreis mein ach so schweres Leid vortrug und mich dabei ganz fürchterlich mit Schnaps betrank. Was meine Kumpane von mir dachten, war mir egal. Wahrscheinlich lachten sie mich innerlich aus. Ich verstand die Welt nicht mehr. War denn dieses bisschen Alkohol schuld daran, sich von mir zu trennen? Eine Welle aus Selbstmitleid schlug über mir zusammen. Ich wankte später nach Hause zu meiner Mutter, die versuchte, mich zu trösten. Am nächsten Morgen entschuldigte sie mich in der Firma wegen starker Übelkeit.

Von diesem so tragischen Tag an, der gravierend für mich war, ging es rasch und rascher Richtung Alkoholabhängigkeit. Die zweite seelische Katastrophe war in meinem noch so jungen Leben passiert, die meinen labilen Charakter durcheinander wirbelte und mich aus dem Gleichgewicht brachte. Ich war solchen Dingen und Ereignissen nicht gewachsen. Irgendwie hatte ich den Halt verloren.

Jedoch: Hatte ich ihn jemals besessen?

Meine Mutter, immer noch meine direkte Bezugsperson, ahnte nichts von dem schlimmen, inneren Zustand, den ich durchmachte, da ich schon damals ein Meister im Verheimlichen war: Un-durchsichtig und immer lächelnd. Sie bemerkte auch nicht, dass ich langsam, aber sicher, abglitt. Von meinen wirklichen Gefühlen merkte Keiner etwas. Mutter war eine gute, fürsorgliche Frau, die noch mit sich selbst kämpfen musste, um ihr Seelenheil aufrecht erhalten zu können. Sie wusste nicht, wie sie mich anpacken sollte, weil ich sie nicht an mich heran ließ. Ich gab ihr keine Chance dazu. Es war eine gewisse Schutzhaltung meinerseits. Eine starke Führhand wäre nun für mich gut gewesen, jedoch war eine solche nicht vorhanden.

In den damaligen siebziger Jahren war es hinsichtlich des Arbeitsplatzverlustrisikos noch nicht so tragisch, wie es heute ist. Auch wusste man allgemein – sprich die Bevölkerung – noch sehr wenig über Alkoholerkrankungen und deren Auswirkungen. Die Aufklärungsarbeit war so gut wie...

... nicht getan.

Nun lebten also wir Drei – Mutter, Christa (meine kleine Schwester) und ich – in einer netten Dreizimmerwohnung. Es handelte sich um eine Sozialwohnung. Gunda, die ältere Schwester, war aus dem Elternhaus geflüchtet, als Vater noch gelebt hatte. Genau dies hatte sie uns erzählt, als Vater gestorben war. Sie sagte, sie habe geheiratet, um Vater nicht mehr sehen zu müssen. Er war ihr zu sehr auf die Nerven gegangen, wie sie verlauten ließ. Tatsache aber war, dass sie ihren Ehemann über alles liebte. Sie hätte sicherlich auch geheiratet, wenn Vater nicht gestorben wäre.

Für den Führerschein, den ich nun in Angriff nahm, brauchte ich mehr als ein halbes Jahr, bis ich ihn endlich bekam, weil ich immer wieder den theoretischen Unterricht geschwänzt hatte. Der Alkohol war mir wichtiger. Gelegentlich spielte ich noch etwas Tischtennis, aber nicht annähernd mit dem früheren Elan. Jedoch den Bowlingverein besuchte ich immer noch regelmäßig. Von Fall zu Fall trainierten wir, die Mannschaft, in nahe gelegenen Städten wie Nürnberg, Augsburg oder München. In großen Hallen zu spielen war etwas ganz anderes, als auf unserer kleinen Bowlingbahn in Ingolstadt.

Meine kleine Schwester hatte durch meine negativen Charaktereigenschaften, die ich an den Tag legte, nicht viel zu lachen. Man kann es besser so ausdrücken: Sie hatte von mir gar nichts. Normalerweise sagen kleine Mädchen zu ihren Freundinnen:

„Schau, das ist mein großer Bruder!“

Aber ich frage Sie: Wie sollte sie darauf kommen, dies, oder etwas Ähnliches, zu sagen? Falls ja, dann höchstens mit einem Ausdruck der Peinlichkeit in der Stimme, möchte ich wohl behaupten. Genauso verhielt es sich, und dies für eine lange Zeit. Sie war ein hochintelligentes Mädchen, das genau wie Margit das örtliche Katharinengym-nasium besuchte, und sie brachte hervorragende Leistungen. Ihr Abitur bestand sie mit Bravour. Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, dass sie irgendwelche Probleme hatte. Jedenfalls war mir davon nichts bekannt. Ich muss aber auch eingestehen, dass ich mich all die Jahre über nicht um sie kümmerte. Ich führte mich also zu Hause oft so seltsam auf, dass Christa das bisschen Respekt, das sie in früheren Jahren noch vor mir hatte, gänzlich verlor.

Es ist nicht leicht, mit einem Menschen zusammenzuleben, der tagtäglich mehr oder weniger angetrunken nach Hause kommt. Christa und Mutter konnten ein Lied davon singen! Ich hatte aber nicht die Angewohnheit, wochentags bis Mitternacht, oder gar noch länger, wegzubleiben. Um ca. neunzehn, zwanzig Uhr kam ich nach Hause. Dann schlug ich mir noch einige Eier in die Pfanne und verschwand in meinem Bett, eben, weil ich den Kanal voll hatte. Ich brauchte dann diese lange Schlafphase, da ich sonst am nächsten Morgen nicht hätte arbeiten können. Mein täglicher Alkoholkonsum betrug damals täglich etwa fünf, sechs Halbe Bier, wobei aber noch etliche Schnäpse hinzukamen. Es war eben niemand da, der mir mal zwischendurch so richtig den Marsch geblasen hätte. Vielleicht wäre es auch nicht schlecht gewesen, wenn Mutter an mein Verantwortungsbewusstsein appelliert hätte. Aber sie ließ mich genau so, wie ich damals war. Tiefsinnige, ernsthafte Gespräche wollte ich sowieso nicht führen – unter keinen Umständen. Dies wäre mir zu unangenehm gewesen. Ich hätte mich in diesem Fall tatsächlich anstrengen und von meinem Seelenleben etwas preisgeben müssen. Für mich war dieser Gedanke völlig abwegig.

So zog ich also meine Kneipenfreunde vor. Dort konnte ich mich so richtig aufführen, ohne dass es irgendjemand aufregte. Es war von mir damals ein grundlegender Fehler, dass ich mir gerade dieses Umfeld ausgesucht hatte, in dem ich mir aber so ungemein wohl fühlte:

  • weil ich immer jemanden brauchte, den ich volllabern konnte

  • weil ich mir gerne Leute aussuchte, denen ich etwas vormachen konnte

  • weil ich dadurch meine Minderwertigkeitskomplexe ausleben konnte

Je älter, desto reifer wird man, sagt ein Sprichwort. Und je älter, desto klüger wird man. Bei mir traf das leider nicht zu.

KAPITEL 7

Inzwischen war ich neunzehn Jahre alt geworden, und prompt begann wieder eine gewisse Veränderung in meinem Leben. Sie werden sich vielleicht denken: Was geschah denn nun schon wieder mit ihm? Aber gestatten Sie mir, zu erzählen: die Verstärkung meines Alkoholkonsums bahnte sich an.

Ich beschloss, das Pflaster zu wechseln und bezahlte Resi umgehend die restliche, offene Zeche. Ich verabschiedete mich von ihr; und zwar auf Nimmerwiedersehen.

Ganz in der Nähe unserer Wohnung befand sich eine gemütliche Kneipe, in die ich nun überwechselte. Hier wurde ich Stammgast. Der Kreis der Hartgesottenen nahm mich zwar anfangs nicht besonders freundlich auf, jedoch gliederte ich mich schnell ein, indem ich die eine oder andere Runde bezahlte. Es befanden sich auch jüngere Burschen hier, die noch in der Berufsausbildung standen, und denen es an Geld fehlte. Diese waren natürlich für jedes Bier dankbar, das ich ihnen ausgab. Geld hatte ich ja nun genügend. Besonders wenn ich etwas intus hatte, war ich oft sehr großzügig. Ich hatte meine Spendierhosen an und spielte den großen Maxe. (Mein verblichener Vater hatte sich übrigens genauso verhalten).

So ein Wahnsinn, kann ich heute nur sagen. Aber genau so war ich damals. Ich holte mir auf diese Art und Weise die Anerkennung, die ich brauchte.

In dieser so lustigen, unbeschwerten Zeit waren die Worte Angstzustände, Zittern und Kotzen Fremdwörter für mich. Gewissensbisse hatte ich nur, wenn ich wieder nüchtern war. Das war immer am Morgen, bevor ich zur Arbeit ging. Oft schon musste ich frühmorgens sehr genau überlegen, was sich am Vorabend ereignet hatte. An gewisse Situationen konnte ich mich dann und wann nicht mehr genau erinnern, und gerade bei lauten Meinungsverschiedenheiten, die bei uns in der Kneipe an der Tagesordnung waren, wusste ich des Öfteren nicht mehr, was ich am Vorabend gesagt oder auch getan hatte. Nicht selten passierte es, dass ich unsere Wirtin Ulla am folgenden Nachmittag fragte, ob ich mich hinsichtlich meiner vorangegangenen Verhaltensweisen (meinen zynischen und beleidigenden Bemerkungen) bei jemandem entschuldigen müsse. Ich tat dies dann schon regelmäßig, und die Leute gewöhnten sich daran. Mein hintergründig schlechtes Gewissen schaltete ich systematisch aus, weil ich wusste, dass ich mich sowieso bei Irgendjemandem entschuldigen würde. Ich bereinigte die Sache dann, indem ich das eine oder andere Bier, oder auch einen Schnaps, spendierte. Ja, genau so lief das ab, und nicht anders.

Ich machte mir keinerlei Gedanken über diese chronischen Gedächtnislücken. Sie waren für mich kein Warnzeichen. Im Gegenteil! Ich brüstete mich sogar damit!

Ich war in meinen Handlungen dermaßen vorprogrammiert, dass mir eigentlich nie etwas passieren konnte. Diese seltsame Eigenschaft trainierte ich, bewusst oder auch unbewusst, bis hin zur Perfektion, für jede Lebenslage passend, die da so kommen sollte.

Und sie kamen, diese Lebenslagen!

Ich war also schon damals ein Alkoholiker mit entsprechenden Palimpsesten, sprich Gedächtnislücken. Und es sei noch bemerkt: Alkoholiker sind auch ohne Schauspielunterricht perfekt in ihren Darstellungen und Verwandlungen.

Wie erwähnt, zog es mich tagtäglich, wie von einem imaginären Magneten angezogen, in diesen Kreis. Hier ging es immer so unbeschwert und lustig zu. Von der Realität, vom echten Leben, wollte ich nichts wissen. Es genügte mir die verhasste Arbeit, dieses langweilige Büro, in dem ich fünf Mal pro Woche acht Stunden lang sitzen musste. Aber dies musste sein, um meine Sauforgien finanzieren zu können. Wenn sich im Gasthaus ein Gespräch in eine bestimmte Richtung bewegte, z. B. über Geldproblematik, Religion oder Politik, so gelang es mir mit all meiner antrainierten Raffinesse, mich aus diesem, für mich negativen Gespräch, zu winden, in dem ich ablenkte. So einfach war das. Gewusst, wie. Ich wollte nichts Ernstes oder Negatives hören. Mein Ziel war es, nur vom Alkohol angetörnt zu sein, herumzualbern, zu spielen, und gewisse Themen, die mir nicht passten, in den Dreck zu ziehen.

In diesem wilden Kreis befand sich auch ein Mann namens Albert, der fünf Jahre älter war, als ich. Er war ein kräftiger Bursche, der in jungen Jahren zur See gefahren war. Er wirkte auf mich sehr männlich, überlegen, und doch irgendwie selbstlos, zugleich bescheiden und kameradschaftlich. Eigenschaften, die ich sehr an ihm schätzte. In der Zeit, in der ich ihn kennenlernte, trieb er Kampfsport wie Boxen, Judo und auch etwas Gewichtheben. Besonders sein schwarzer Gürtel im Judo beeindruckte nicht nur mich. Er wusste sich seiner Haut zu wehren, und man hatte im Gasthaus einen Heidenrespekt vor ihm. Auch er kam täglich. Albert konnte immer solch aufregende Geschichten von der Seefahrt erzählen. In diesen Stunden hörte man ihm schweigend zu, und keiner unterbrach oder störte ihn in seinem Redefluss. Es war amüsant, ihm zuzuhören.

Wir erlebten in dieser Kneipe eine wilde Zeit, in der es dann schon mal vorkam, dass eine Polizeistreife auf der Matte stand, wenn es zu heiß herging. Obwohl der Wirt selbst Kriminalpolizist war, war der Einsatz der Beamten oft unumgänglich. Gelegentlich senkte sich auch sein Gummiknüppel, den der Wirt hinter dem Tresen liegen hatte, auf das eine oder andere Haupt nieder, wenn es wirklich nicht mehr zu vermeiden war. In dieser so intimen Gruppe wurde wirklich mehr verkonsumiert, als es sich ein Durchschnittsbürger hätte leisten können.

In unserer Kneipe verkehrte auch ein Araber, der einen regen Autohandel mit Gebrauchtfahrzeugen betrieb. Er verstand es, mir einen seiner kleinen Sportwagen, einen dunkelroten FIAT 850 Sport, schmackhaft zu machen. Der Preis war akzeptabel, und ich konnte nicht mehr Nein sagen.

Nachdem ich mir den Gesamtbetrag – ich glaube, es waren zweitausendfünfhundert DM - von meiner Mutter geliehen hatte, kaufte ich den Wagen und fuhr dann selbstverständlich sofort an der Kneipe vor, um ihn meinen Kumpanen zu zeigen. Tagtäglich gondelte ich nun mit meinem angesäuselten Gehirn durch die Landschaft, ohne dass etwas passierte. Nur einmal stieg Albert aus, da es ihm doch zu brenzlig geworden war. Ich war auf zwei Reifen um eine Kurve gesegelt, und wir hätten uns dabei beinahe überschlagen.

Genau nach drei Wochen stieg ich an einem Freitagabend spätnachts vor der Kneipe in meinen Wagen ein und kam genau einhundert Meter weit. In einer rechtwinkeligen Linkskurve, ca. fünfzig Meter vor meinem Zuhause, kam ich ins Schleudern und prallte auf dem Bürgersteig gegen einen Telefonmasten. Dieser kippte um und fiel zu meinem großen Glück (und komischerweise) nach vorne. Der Masten war morsch, weil ihn ein Saufkumpan namens Eddi nach seiner Zechtour immer in vorausschauender Art und Weise angepinkelt hatte.

Die von Nachbarn herbeigerufene Polizei ließ mich zum ersten Mal in meinem Leben den berühmten Röhrchentest machen. Ich war am Unfallort geblieben, weil es wenig Sinn gemacht hätte, wenn ich zu Mutter gegangen wäre. Die Polizei hätte mich hundertprozentig zu meinem demolierten Wagen zurückgebracht. Im selben Moment, als ich ins Röhrchen pustete, kam unser Wirt, der Kriminalpolizist, um die Ecke gefahren. Er sah die Bescherung und stieg aus seinem Auto. Er überzeugte die beiden jungen Beamten davon, dass ich normalerweise nie betrunken fahren würde. Ich höre noch seine Worte:

„Glaubt mir. Franz lässt sein Auto immer stehen, wenn er etwas intus hat!“

„Wirklich?“

„Aber sicher!“

„Na gut. Dann wollen wir mal nicht so sein. Er hat ja niemanden verletzt!“

Einer der Beamten fragte mich, ob ich mit einem Bußgeld von vierzig DM einverstanden sei. Völlig perplex und innerlich jubelnd überreichte ich den Beamten einen Hundertmarkschein und sagte, sie sollten sich doch von dem Rest einen netten Abend machen. Dieses Angebot schlugen sie jedoch aus und gaben mir das Wechselgeld zurück.

Am nächsten Mittag, nachdem sich meine Mutter von der Schreckensnachricht wieder etwas beruhigt hatte, (sie hatte zwischenzeitlich schon von verschiedenen Nachbarn gehört, was passiert war und sich den restlos kaputten Wagen angesehen, der ja immer noch in dieser Nebenstraße stand) ging ich schnurstracks Richtung Gasthaus. Ich kam auch an der Unfallstelle vorbei. Dort standen zwei etwas ältere Damen, die über die verantwortungslosen, jugendlichen Fahrer im Allgemeinen schimpften. Man müsse sich vorstellen, meinte die eine, dass hier nachts ein Mensch spazieren ginge, und dieser ohne die geringste Vorwarnung über den Haufen gefahren werde. Die andere nickte heftig. Ohne Aufforderung schloss ich mich der Meinung der beiden Damen an und schimpfte mit. Anschließend fragten sie mich, ob ich denn zufällig den Unfallfahrer des FIATS kennen würde. Ich antwortete, dass ich selbst der Fahrer gewesen sei. Ungläubig starrten sie mich an. Sie waren fassungslos. Ja, das war wohl zu viel für sie. Ich ließ sie einfach so stehen. Ich dachte mir gar nichts dabei. Es war einfach ein Riesenspaß, mitge-schimpft und die Quasseltanten veräppelt zu haben. Im Wirtshaus angekommen, bezahlte ich dem Wirt für seine Hilfe eine Maß Bier und zwei oder drei Schnäpse, und der danach folgende Umsatz ließ nicht zu wünschen übrig.

In den kommenden Monaten veränderte sich dann die gute Beziehung zwischen den Stammgästen und den Wirtsleuten. Man merkte, dass sie es nicht mehr nötig hatten, freundlich, zuvorkommend und einwandfrei zu bedienen. Es war alles zu selbstverständlich geworden: der tägliche Besuch in der Kneipe mit den entsprechenden Zechen und die dann und wann leicht überhöhten Abrechnungen der Wirtsleute. Eines Tages ging die Bombe hoch, und nach einer ordentlichen Schlägerei, bei der teilweise die Einrichtung zu Bruch ging, erhielten wir allesamt Lokalverbot.

Dies kam uns ganz gelegen, weil wir uns sowieso schon längere Zeit nach einer anderen, gemütlichen Kneipe umgesehen, und diese auch gefunden hatten. Hier konnten wir uns genauso aufführen, wie in der alten Kaschemme. Die neue Kneipe hieß Lagunenbar.

KAPITEL 8

So zog also die gesamte Clique nach Oberhaunstadt (bei Ingolstadt) in die bäuerliche Wirtschaft um, die einen solch klangvollen Namen hatte. Leider war es nun nach den ausgiebigen Gaststättenbesuchen nicht mehr möglich, schnell nach Hause zu kommen. Aber dadurch, dass wir eine eingeschworene Gemeinschaft waren, nahmen wir die unfreiwilligen Spaziergänge in Kauf. Radfahren wollte keiner von uns. Sehr wenige besaßen einen eigenen Wagen. Und ein Taxi zu nehmen, erschien uns zu teuer. In dieser neuen, alten Kneipe waren die Preise sehr niedrig gehalten. Auch gab es hier einen richtigen Biergarten mit Kastanienbäumen, sowie Bierbänke, und der Schnaps wurde zum Ladenpreis verkauft. Es handelte sich um unverzollten Whisky und Cognac, den der Wirt (ein ausgemachtes Schlitzohr) regelmäßig beschaffte. Das Bier floss aus dem Fass wie aus einer unversiegbaren Quelle. Der Durst war dementsprechend. Es gab hier selbstverständlich keine Tischdecken oder sonstigen Schnickschnack – und das war gut so! Es wurde ja laufend von uns Tölpeln etwas umgeschüttet. Auch ging des Öfteren ein Glas zu Bruch, wenn der Griff bzw. der Blick zu unsicher geworden war. Aber dies alles spielte in diesem Haufen keine Rolle. Es kam ein neues Glas auf den Tisch, und man konnte weitersaufen.

Es war, wie bereits angedeutet, eine sehr primitive Kneipe, in der sich ein normaler Mensch wahrscheinlich nicht wohl gefühlt hätte. Für uns aber war es die ideale Wirtschaft, die wir über alles liebten. Tagaus, tagein, trafen wir uns hier und verplemperten unser sauer verdientes Geld. Die Stimmung, die zu vorgerückter Stunde oft herrschte, können Sie sich sicherlich gut vorstellen. Die Luft rauchte, gewissermaßen, sozusagen.

Albert, mein spezieller Freund, baute eines Tages sturzbetrunken einen Verkehrsunfall. Als ihn die Polizei aufforderte, mit ins Krankenhaus zur Blutentnahme zu kommen, verlangte er von einem der Beamten Feuer für seine Zigarette. Als ihm dieses nicht gewährt wurde, erklärte er (laut Protokoll), dass er in diesem Fall auch nicht bereit sei, Blut zu geben. Eine Schlägerei folgte, bei der die Beamten den Kürzeren zogen. Ich versuchte später, Albert zu helfen, und verfasste einige recht passable Schreiben an das Gericht, bzw. an die Staatsanwaltschaft. Es handelte sich sozusagen um Entschuldigungsbriefe. Diese wurden dann bei der späteren Gerichtsverhandlung als recht positiv bewertet. Albert kam mit einem blauen Auge davon. Man nahm ihm zwar den Führerschein, aber er kam mit einer Geldstrafe davon. Die erwartete Bewährung fiel aus. Von diesem Tag an nannte er mich seinen Rechtsanwalt, und die fremden Leute, die in unsere neue Stammkneipe kamen, dachten wirklich, ich wäre ein solcher, wenn wir uns wieder einmal darüber unterhielten.

Schon damals passierte es mir, dass ich mich bei Fremden als Jurist ausgab. Ich bildete mir in betrunkenem Zustand ein, ein solcher zu sein. Der Alkohol hinterließ nun schon deutlich seine Spuren bei mir. Ich verwechselte Wunschtraum und Wirklichkeit. Nicht ein einziges Mal machte ich mir Gedanken darüber, dass ich mich mit dem Führen eines falschen Titels strafbar machte. Nein, ich als „Rechtsanwalt“ dachte damals nicht so weit.

So verging die Zeit, wie mir heute scheint, ziemlich nutz- und sinnlos. Ich muss es zu meiner Schande gestehen. Meine ehemals sportlichen Interessen hatte ich inzwischen völlig einschlafen lassen. Eines schönen Tages kamen zwei junge Mädchen in unser Lokal, um Flipper zu spielen. Sofort nahm ich eines der Mädchen in Beschlag, bevor sie mir ein anderer Saufkumpan wegschnappen konnte. Sie war dunkelhaarig, vollbusig und sehr nett. Ab diesem Tag war sie meine feste Freundin. Sie war erst fünfzehn Jahre alt, wie sie mir erzählte. Aber das störte mich nicht. Ich war wieder einmal so richtig verliebt. Ihr Name war Mary.

Am Samstag vor Muttertag 1975 fuhren wir alle zusammen mit drei Autos in ein beheiztes Freibad, das etwa fünfzehn Kilometer von der Stadt entfernt lag. Unser Weg führte uns über Kösching Richtung Großmehring. Der Fahrer unseres Wagens (er besaß einen roten Audi 80) war ein sehr zurückhaltender Mann Mitte Zwanzig. Er hatte momentan Liebeskummer, wie er uns erzählte. Er war ein Bursche, der nur sehr selten etwas Alkoholisches trank (eigentlich passte er gar nicht zu uns). Schon aus diesem Grund war ich mit Mary, zusammen mit einem anderen guten Freund namens Manfred, bei ihm eingestiegen. Auf Alfons (so war der Name unseres Fahrers) war eben absoluter Verlass. Wir waren vormittags beim Frühschoppen gewesen, bei dem wir einiges getrunken hatten. Alfons hatte, so weit ich mich erinnern kann, Limonade getrunken. Wir fuhren also gemeinsam los, und unser Wagen bildete die Nachhut. Nach sechs Kilometern, etwa zweihundert Meter vor einer großen Kreuzung, geschah es: Alfons raste mit einhundertsiebzig Kilometern Geschwindigkeit direkt auf die Kreuzung zu. Wir hatten ein Stoppschild vor uns. Obwohl sich von links ein anderes Auto näherte, bremste Alfons nicht ab. Das andere Auto fuhr etwa einhundertdreißig Kilometer schnell, wie später von der Polizei rekonstruiert wurde. Wir bekamen den Aufprall voll mit. Ich hatte noch kurz zuvor geschrieen:

„Brems doch, Alfons!“

Wir schlugen mit voller Wucht in die rechte Beifahrertüre des anderen Wagens, einem gelben Audi 80, ein. Sekunden zuvor hatten wir noch ein anderes Auto, einen Kleinwagen, überholt, in dem sich eine ältere Frau befand, die später als Zeugin bei der Gerichtsverhandlung auftrat. Die beiden Autos stiegen senkrecht in die Höhe und flogen dann in verschiedene Richtungen auf die anliegenden Felder. Wir Vier wurden wie Marionetten aus dem Wrack herausgeschleudert. Ich hatte mich früher bei jeder Fahrt, die wir zusammen unternommen hatten, angeschnallt, aber dieses Mal hatte ich es vergessen. Einfach so. Auch Alfons, Manfred und Mary waren nicht angeschnallt. Und genau das war unsere Rettung. Zumindest für Drei von uns. Unser Fahrzeug war, als es zum Stillstand kam, nur noch achtzig Zentimeter hoch. Wir wären zerquetscht worden, wenn wir die Sicherheitsgurte angelegt gehabt hätten.

Dann war es still.

Totenstill.

Alfons befand sich einhundert Meter von mir entfernt, am Boden sitzend. Ich sah, als er so seltsam vornüber gebeugt saß, dass er eine Stoßstange im Bauch hatte. Diese schaute hinten am Rücken wieder hinaus. Er war aufgespießt worden. Er verstarb noch an der Unfallstelle, genau in dieser Haltung sitzend. Ich hatte so etwas Grauenhaftes noch nie gesehen, und ich konnte es in diesem Moment gar nicht richtig erfassen, denn es war so unglaublich unwirklich und zugleich grotesk. Das Bild des sterbenden Freundes manifestierte sich in meinem Kopf. Noch Jahre danach träumte ich davon, und ich hörte mich laut schreien, wenn ich aufwachte.

Ich blickte mich selbstverständlich auch nach Mary um. Sie lag etwa fünfzig Meter von mir entfernt, bewusstlos, auf der linken Körperseite. Sie blutete stark im Gesicht. Manfred, der auf dem vorderen Beifahrersitz saß, war am wenigsten von uns allen verletzt. Er hatte unglaubliches Glück gehabt, als er durch die Frontscheibe geflogen war. Als ich zum anderen Wagen humpelte (von Wagen konnte man nicht mehr sprechen), sah ich mit Entsetzen, dass der Kopf der jungen Frau, die auf dem Beifahrersitz lag, sich um einhundertachtzig Grad nach hinten gedreht hatte. Mir war klar, dass ihr Genick gebrochen war. Leer starrten ihre Augen gegen den Dachhimmel des Wracks. Dasselbe Schicksal war auch dem Fahrer des Wagens passiert. Auch er lag tot in seinem Sitz. Seine Augen waren weit geöffnet, und aus seinem Mund und Ohren tropfte Blut. Ich sah, dass sie beide angeschnallt waren. Sie, die Unschuldigen, waren auf dem Weg in die Stadt gewesen, wie mir später erzählt wurde. Sie wollten dort die Blumen für ihre bevorstehende Hochzeit bestellen. Es waren daraus Totenblumen geworden – Totenblumen für die Doppelbeerdigung dieses unglückseligen Pärchens.

Im Nu war der Notarztwagen da, und das Letzte, was ich noch mitkriegte, war, dass man mir eine Sauerstoffmaske aufs Gesicht presste. Ich hatte mir, ohne es gemerkt zu haben, Ackererde in den Mund gestopft. Warum ich das getan hatte, kann ich beim besten Willen nicht erklären. Ich wurde zusammen mit Manfred in ein nahegelegenes Unfallkrankenhaus gefahren, und man legte uns zusammen in ein Zimmer. Ich war nach dem Eintreffen der Sanitätswagen bewusstlos geworden und kriegte deswegen nichts mehr mit. Mary hatte man in das Städtische Krankenhaus nach Ingolstadt gebracht. Sie musste sich später einer Schönheitsoperation unterziehen, da in ihrem Gesicht Narben entstanden waren.

Nachdem ich wieder bei Bewusstsein war, stand der Chefarzt der Klinik an meinem Bett und fragte mich nach Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum und –ort, Adresse, Beruf, Namen der Eltern u. s. w. Man vermutete wahrscheinlich, dass ich eventuell eine Gehirnverletzung davongetragen hatte. Jedoch konnte ich glücklicherweise alle Fragen richtig beantworten, und somit war dieser Verdacht gänzlich ausgeräumt. Meine Mutter hatte, als ich bewusstlos war, den Schock ihres Lebens bekommen. Man hatte sie angerufen und gebeten, sofort zu kommen, da ich mich offensichtlich in einem sehr bedenklichen Zustand befände. Man hatte befürchtet, dass ich innere Verletzungen davongetragen hatte, was sich aber nicht bewahrheitete.

Mir persönlich kam mein allgemeiner Zustand überhaupt nicht so schlimm vor. Und Mutter war heilfroh, dass ich nicht gestorben war. Ich war außer Lebensgefahr, und meine Verletzungen bestanden aus einer schweren Gehirnerschütterung, diversen Brüchen (Rippen, Finger, Schlüsselbein, Waden- und Schienbein), Prellungen, Quetschungen und extrem tiefen Schürfwunden am Rücken, die bis auf die Knochen reichten.

Ich bestellte mir ein Telefon ans Bett, welches ich unverzüglich bekam. Und ich rief in meiner Kneipe an und bat Albert, mir doch bei nächstbester Gelegenheit eine Flasche Whisky zu bringen. Diese Aktion geschah natürlich heimlich, denn der Chefarzt hatte uns absolutes Alkoholverbot erteilt. Ich sollte laut seiner Aussage ein halbes Jahr nichts Alkoholisches trinken dürfen. Ich dachte, er sei verrückt geworden. Ein halbes Jahr! Welche Unmöglichkeit! Einen halben Tag, ja, gut. Aber woher hätte der gute Arzt auch wissen sollen, dass ich schon längst...

... ein Alkoholiker war.

Welcher Zwanzigjährige denkt auch schon an etwaige Folgeschäden? Wahrscheinlich nur ein sehr reifer, vernünftiger Mann, der ich aber nicht war. Ich nahm die Anweisungen des Arztes überhaupt nicht ernst – nicht im Mindesten! Der Whisky, den Albert uns brachte, wurde von Manfred und mir vernichtet, und wir lagen betrunken in unseren Betten. Er trank natürlich anständig mit, wie es sich gehörte. Für Nachschub war immer gesorgt. Unsere Kumpane ließen uns nicht hängen. Manfred wurde schon nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen, worum ich ihn sehr beneidete. Ich musste noch bleiben.

Mein oberster Chef, der Prokurist, kam mich besuchen. Auch meine Kollegen und Kolleginnen kamen, um nach mir zu sehen. Mary sah ich nicht mehr, weil mir ihr Vater den Umgang mit ihr untersagt hatte. Er wollte mich totschlagen, hatte er offiziell verlauten lassen, wenn ich mich noch einmal in ihrer Nähe sehen lassen würde. Also ließ ich gezwungenermaßen die Finger von ihr.

Bei der späteren Gerichtsverhandlung waren Manfred und ich die Zeugen bzw. Kläger. Mary wurde von einem Rechtsanwalt vertreten. Die ältere Dame, die wir bei dem Horrorunfall überholt hatten, bestätigte, dass wir, ohne gebremst oder gar angehalten zu haben, am Demlinger Forst in die Vorfahrtsstrasse hineingerast waren. Die Unfallbeteiligten seien wie Puppen aus dem Wagen geflogen und in verschiedene Richtungen geschleudert worden. Sie sagte zudem, dass sie der festen Meinung war, dass wir alle tot waren. Letztendlich bekamen wir Drei von Alfons’ Versicherung jeweils gute Schmerzensgelder für die Verletzungen, die wir davon getragen hatten. Somit war auch diese Geschichte abgeschlossen.

Meine Blessuren verheilten verhältnismäßig schnell, und ich ging wieder meiner Arbeit nach. Die heißgeliebte Firma hatte mich wieder. Ich musste schließlich, genau, wie jeder andere auch, meinen Lebensunterhalt verdienen, um meinen tollen Lebenswandel weiter finanzieren zu können.

KAPITEL 9

Nun waren Albert und ich schon soweit, dass wir uns in der kurzen Mittagspause von einer knappen Stunde in einer Gaststätte trafen, die in der Nähe unserer Firmen lag, um dort auf Ex und Hopp schnell zwei, drei Biere zu zischen, dazu auch mal einen oder zwei Kurze. Uns etwas zu essen zu kaufen, kam uns nicht in den Sinn. Wir waren noch jung, und es machte uns noch nichts aus – nicht im Geringsten. Es stellte für uns kein Problem dar, nach der Pause wieder zu unseren Arbeitsplätzen zurückzukehren. Natürlich blieben wir zwischendurch auch mal sitzen, ohne zur Arbeit zurückzugehen. Wir entschuldigten uns dann am nächsten Morgen bei unseren Vorgesetzten und brachten banale Ausreden, die uns sowieso niemand glaubte. Die Firmen waren jedoch in den damaligen Jahren noch nicht so streng und genau, wie dies heute der Fall ist, und man drückte schon mal ein Auge zu, wenn es nicht zu oft vorkam. Wie gesagt.

Irgendwann erzählte mir Albert, nachdem ich einige Tage krank und deswegen nicht mehr auf dem Laufenden war, dass sich seit ein paar Tagen zwei hübsche Frauen in unser Mittagslokal verirrt hätten. Sie arbeiteten ganz in der Nähe in einem großen Elektrounternehmen, das erst kürzlich eröffnet hatte. Offensichtlich suchten diese beiden Damen Anschluss, und da kamen sie bei uns natürlich genau an die Richtigen. Neugierig wie ich war, wurde ich sofort wieder gesund (sieh an! sieh an!), und kam am nächsten Tag unverzüglich mittags in unsere Mittagskneipe, wo ich die beiden Ladies sofort erblickte. Die Eine war brünett und guter Durchschnitt. Die Andere hingegen war blond, vollbusig und sehr sexy. Eine Bombe explodierte in meinem Kopf, als mich die Blonde anlächelte. Ich muss sagen, dass sie mich ungemein faszinierte.

Ihr Name war Laura.

Ich wollte Albert nicht merken lassen, dass ich mich sofort in sie verliebt hatte. Wir Vier blieben an diesem Tag in besagtem Gasthaus sitzen. Keiner von uns ging noch zu seiner Firma zurück. Es wurde ein sehr feucht-fröhlicher Nachmittag, und ich machte mich an Laura heran. Ich nahm sie zwischendurch klammheimlich unter dem Tisch bei der Hand, wogegen sie nichts einzuwenden hatte. Meine Aufregung war groß. Spätnachmittags verließen wir zusammen das Lokal und spazierten in unsere Stammkneipe. Dabei umarmten wir uns schon. Albert hielt sich, wie es seine Art war, zurück, und wir kamen schließlich in unserer Kneipe an, wo wir eine große Flasche Whisky, dazu Cola, bestellten. In den folgenden Stunden, in denen es nicht bei dieser einen Flasche blieb, soffen uns die beiden Damen dermaßen unter den Tisch, dass uns Hören und Sehen verging. Sie vertrugen aber auch einen Stiefel! Ihre Standfestigkeit imponierte uns sehr, denn solche Bienen konnten wir in unserem Kreis schon brauchen.

Am nächsten Abend traf ich mich mit meiner neuen Eroberung Laura alleine in der Stadt, und am Abend, als es schon sehr spät war, gingen wir zu ihr. Ihr kleines Appartement, das sie gemietet hatte, war recht nett eingerichtet. Ich landete schließlich in ihrem französischen Bett, worauf ich eigentlich nicht gefasst war. Tags darauf kaufte ich mir einen alten, jedoch sehr gepflegten VW Käfer. Ich war mächtig stolz, nun eine Freundin und einen Wagen zu besitzen. Ich – der einzige Sohn meines verblichenen Vaters.

Albert hatte bezüglich meiner Überraschungstaktik, wie bereits erwähnt, kein einziges, negatives Wort fallen lassen. Er war und blieb der Gentleman, der er schon immer war.

Meine neue Flamme passte gut zu mir: Sowohl vom Äußeren her, als auch von der gemeinsamen Vernichtung von Alkohol. Schon nach vierzehn Tagen waren wir bereits das erste Mal so richtig verkracht, weil sie mich eifersüchtig gemacht hatte. Sie hatte die dumme Angewohnheit, dass sie immer, wenn wir in unsere Stammkneipe gingen, ein viel zu tief ausgeschnittenes Kleid oder eine entsprechend gearbeitete Bluse anzog, die mehr zeigte, als sie verbarg. Ein kurzer Blick von oben, und man konnte ihren Nabel sehen. Das passte mir natürlich überhaupt nicht, und ich machte sie mit Nachdruck darauf aufmerksam, dass es mir nicht gefalle, wenn meine Saufkumpane wie die Ölgötzen um uns herumstünden, und Stielaugen hätten. Wahrscheinlich nahm sie meine Bitte nicht ernst, denn sie zog sich beim nächsten Auftritt wieder so ordinär an, dass man einfach hinglotzen musste. Ich konnte es meinen Freunden eigentlich gar nicht krumm nehmen, denn ihr Busen war mehr als sehenswert. Kurzerhand machte ich mit ihr Schluss, so schnell, wie die Liebesgeschichte begonnen hatte. Ich schenkte ihr meinen tragbaren Fernsehapparat, der in der Zwischenzeit bereits in ihrem Appartement stand, da sie kein TV-Gerät besaß. Ich sagte ihr mit Nachdruck:

„Lass dich in Zukunft bloß nicht mehr in meiner Stammkneipe sehen, auch nicht bei meiner Mutter!“

„Wieso denn nicht?“

„Du weißt schon, warum.“

Für mich war diese Sache erledigt. Am selben Abend wankte ich sturzbetrunken nach Hause und legte mich in mein Bett. Am nächsten Vormittag, an einem Samstag, traute ich meinen Augen nicht, als ich diese öffnete: Sie, meine liebe Laura, saß an meinem Bett, streichelte mich und erklärte mir mit ihren wunderschönen Augen, dass diese gestrige Geschichte doch nicht ernst zu nehmen sei. Sie wolle sich in Zukunft anders kleiden. In meinem jugendlichen Leichtsinn und meiner immer noch bestehenden Verliebtheit glaubte ich ihr natürlich, und die Sache nahm ihren Lauf...

Durch meine schon damals beginnende Inkonsequenz, bedingt durch den Alkoholmissbrauch, der sich bei mir inzwischen auch seelisch bemerkbar machte, ließ ich mich wieder mit ihr ein. Die weiteren Folgen waren entsprechend. Der Alkohol verursachte bei mir eine solch starke Wesensveränderung, dass ich tatsächlich weich, nachgiebig und, wie gesagt, inkonsequent wurde. Diese Veränderung geschah ganz langsam, schleichend, aber konstant. Sie war ein wesentlicher Bestandteil meines weiteren, negativen Werdegangs: Der Beginn der...

... Persönlichkeitsveränderung.

In dem Büro, in dem ich arbeitete, saß mir seit Kurzem ein Mann gegenüber (damals wurden zwei Schreibtische der Länge nach zusammengestellt, damit man sich immer im Auge hatte), der sehr gerne trank. Neben Bier verkonsumierten wir auch scharfe Sachen. Er war der stellvertretende Prokurist, also mein direkter Vorgesetzter. Von ihm konnte ich so manch kaufmännischen Trick lernen. Die beiden anderen Kollegen, die hinter uns saßen, waren Sachbearbeiter und eingefleischte Junggesellen. Auch sie tranken gerne mit uns. Mein oberster Boss, der Prokurist, behandelte mich komischerweise wie seinen eigenen Sohn. Vielleicht lag es ja daran, dass er selbst keine Kinder hatte. Ich hatte in unserer Abteilung sozusagen Narrenfreiheit, aber dies war, aus meiner heutigen Sicht, eher schlecht für mich. Es gelang mir dann eines schönen Tages doch tatsächlich, den Personalchef, der ebenfalls sehr gerne über den Durst trank, bei einer kleinen, internen Firmenfeier davon zu überzeugen, meine Freundin Laura in die Firma einzustellen, da diese in der Zwischenzeit ihre Arbeit während der Probezeit verloren hatte. Sie konnte also ab sofort bei uns in der Produktion arbeiten, und sie verdiente dabei schönes Geld.

Laura und ich rauften uns zusammen. Wir konnten nicht voneinander lassen. Schon nach ein paar Monaten, nachdem wir uns kennengelernt hatten, suchte ich für uns Beide eine nette Zweizimmerwohnung, weil uns das kleine Appartement, in dem ich mich inzwischen meistens aufhielt, zu eng geworden war. Die neue Wohnung lag ganz in der Nähe meiner Mutter, und des Weiteren im selben Block, in dem auch Albert wohnte. Bei unserer neuen Wohnung handelte es sich um ein recht gemütliches Zuhause. Das Einrichten bzw. das Aussuchen der Möbel überließ ich Laura, weil mich dies nicht im Geringsten interessierte. Da ich farbenblind bin, wollte ihr bei der Zusammenstellung der Dinge nicht ins Handwerk pfuschen. Schließlich und endlich war es mir auch völlig egal, welche Möbel gekauft wurden. Für mich war entscheidend, dass ihr die Dinge gefielen. Da wir ein gemeinsames Girokonto hatten, war es ihr überlassen, wie viel Geld sie abhob.

Ich vertraute ihr voll und ganz.

Einige Wochen, nachdem wir eingezogen waren, bestellten wir das Aufgebot, und der Termin für die Hochzeit rückte unaufhaltsam näher. Unaufhaltsam deshalb, weil ich eigentlich noch gar nicht heiraten wollte. Aber wie es eben ist, wenn man noch so jung ist: In gewissen, heißen Nächten werden die Männer weich. Die sexuelle Anziehungskraft macht sie gefügig. Im Grunde genommen wollte ich ja, dass Albert meinen Trauzeugen machen sollte, ich hatte jedoch etwas Bedenken, ihn danach zu fragen. Später dann erzählte er mir lächelnd, dass er diese Aufgabe selbstverständlich übernommen hätte, wenn ich ihn gefragt hätte.

In unserer Clique befand sich auch ein Mädchen, das, genau wie Laura und ich, bei unserer Firma arbeitete. Ich hatte mit ihr einen kleinen Flirt. Sie hatte sich dann aber doch für ihren festen Freund entschieden, mit dem sie schon jahrelang befreundet war. Wenn sie sich damals für mich entschieden hätte, wäre die Beziehung zwischen Laura und mir beendet gewesen. Sie war eine Ausnahmefrau, hinter der im Grunde genommen alle Männer her waren. Dies heißt aber nicht, dass sie sich mit anderen Männern einließ. Nein, sie blieb ihrem Freund treu, und ich konzentrierte mich wieder auf Laura. Nach dem Motto: Man kann nicht alles haben. Ich bedauerte ihre Entscheidung sehr, und ich muss sagen, dass ich mich in sie doch sehr verliebt hatte. Ich fühlte mich damals gar nicht wohl bei dieser Sache, denn sie hatte mich in meinem Gefühlsbereich stark verunsichert. Nein, ich hatte mich selbst verunsichert. Sei es, wie es wolle: die Gefühle zu Laura waren auch stark, aber aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass es mehr die gegenseitige, körperliche Anziehungskraft war, die überwog und mich dazu brachte, sie zu heiraten.

Was der Sinn und Inhalt einer Ehe bedeutete, wusste ich nicht.

KAPITEL 10

Von der großen Verantwortung, die mit der Heirat auf mich zukommen sollte, wollte ich nichts wissen. Ich besuchte zwar bei unserem Stadtpfarrer in der Albertkirche widerwillig den Eheunterricht, aber ich konnte seine Ratschläge nicht umsetzen. Ich wollte nur leben, lieben und meinen Spaß haben. Verständlicherweise kam im Laufe der Zeit auch die Frage der Familiengründung auf uns zu: Kind – ja oder nein? Ich verstand es meisterhaft, Laura dermaßen zu verunsichern, dass sie oft nicht mehr wusste, ob sie nun ein Kind haben wollte, oder nicht. Ich persönlich wollte jetzt noch kein Baby, jedoch getraute ich mich nicht, ihr es direkt zu sagen. Schließlich wollte ich sie nicht brüskieren. Einerseits freute ich mich, wenn sie mir in einer zärtlichen Stunde erklärte, dass sie sich ein Kind von mir wünsche, andererseits bekam ich immer ein recht mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn ich an die Konsequenzen dachte: Verantwortung gegenüber dem Baby, Zurückhaltung, Rücksicht, finanzielle Einsparungsmaßnahmen und eventuell den Verlust des täglichen Stammtischs. Ich durfte gar nicht daran denken! Andererseits ärgerte ich mich sehr, wenn sie mir sagte, dass sie nun doch kein Baby haben wolle, weil ich sie zu sehr negativ beeinflusst hatte. Obwohl die jeweilige Aktion von mir ausgegangen war, war ich zutiefst verletzt. Ich fühlte mich in solchen Momenten zurückgestoßen und nicht geliebt. Aber was sollte die arme Frau noch zu mir sagen? Es war ein ewiges Hin und Her, ohne Aussicht auf eine Lösung des Problems. Wenn ich betrunken war, ließ ich doch gewisse Sätze los, die ihr zu denken geben mussten. Wenn ich wieder nüchtern war, behauptete ich genau das Gegenteil und erklärte ihr, dass ich es am Vortag nicht so gemeint hatte. Kurz:

 

Sie nahm weiterhin die Pille...

... und ich die Pulle.

 

Wenn Laura damals mit ihren vierundzwanzig Jahren und ihrer bereits vorhandenen Erfahrung etwas erwachsener und vernünftiger gewesen wäre, hätte sie mich höchstwahrscheinlich gar nicht geheiratet. Aber sie liebte mich, und diese Liebe machte sie eben blind. Ja, das Sprichwort stimmt. Außerdem trank sie ja selbst sehr gerne mit, und genau in solchen Momenten, die sehr häufig auftraten, verstanden wir uns ganz prächtig.

 

Der Termin der Hochzeit rückte immer näher, und wir freuten uns Beide darauf. In einem nahegelegenen Sportheim bestellte ich schließlich die Hochzeitsfeier, zu der wir etwa achtzig Leute einluden. Auch wurde eine Drei-Mann-Kapelle bestellt. An einem Freitag im Oktober 1976 fand schließlich im engsten Familienkreis die standesamtliche Trauung statt. Ich trank an diesem Tag ausnahmsweise fast nichts. Wieso? Ich als frischer, strammer Bräutigam wollte vor den Leuten einen guten Eindruck hinterlassen! Ich muss aber sagen, dass es mir schon sehr schwer fiel, mich alkoholmäßig zurückzuhalten.

 

Hatte ich damals bereits Schamgefühle hinsichtlich meines Trinkverhaltens? Ich denke, schon.

 

Onkel Adolf aus Regensburg wurde mein Trauzeuge. Laura hatte ihren Vater als solchen ausgewählt. Es wurde ein sehr schöner, beschaulicher Tag, und Laura musste spätabends, wie es der Brauch verlangte, von mir getrennt schlafen. So wollten es ihre Eltern, die mir doch etwas altmodisch erschienen. Egal, ich machte den Brauch mit und schlief bei meiner Mutter. Laura übernachtete mit ihren Eltern in unserer kleinen Wohnung.

 

Am nächsten Tag fand die kirchliche Zeremonie in St. Albert statt. Es erschienen alle geladenen Gäste, und einige mehr. Die Kapelle spielte lustig auf. Nachmittags, beim Brauttanz, brauchte ich dann doch ein Bier, um meine Hemmungen zu überspielen. Ich war es nicht gewöhnt, im Mittelpunkt zu stehen. Vor diesem Brautwalzer hatte ich mehr Angst, als ich zugeben wollte.

 

Beim zweiten oder dritten Tanz (ich glaube, ich hatte auch mit meiner Mutter getanzt) forderte ich dann besagte, junge Dame auf, die mir einige Zeit zuvor den berühmten Korb gegeben hatte. Meine Gefühle für sie waren immer noch vorhanden, so ungern ich es auch zugeben wollte. Durch sie war ich, wie gesagt, in einen starken Gewissenskonflikt geraten, von dem Laura natürlich nichts ahnte. Sicherlich wusste diese Frau gar nichts davon. Bei diesem Tanz nun fragte sie mich mit einem ihrer unglaublichen Blicke, die mich so wahnsinnig nervös machten:

 

„Warum hast du eigentlich so überhastet geheiratet, Franz?“

„Habe ich das?“

 

Nur diesen einen Satz fragte sie mich. Ich hörte jedoch einen winzigen Vorwurf aus ihrer Stimme heraus. Aber vielleicht täuschte ich mich auch. Momentan wusste ich nicht, was sie damit meinte, aber dann wurde mir klar, was sie mir damit vielleicht sagen wollte. Ich interpretierte es jedenfalls so – für mich. Es kann aber auch sein, dass sie damit etwas ganz anderes sagen wollte! Aber was? Vielleicht wollte sie nur irgendetwas sagen! Ich hatte also in meinen Augen mit dem Entschluss, Laura zu heiraten, zu schnell reagiert. Und ich bedauerte es. Später fragte ich diese wunderschöne Frau nie, wie sie diese Andeutung gemeint hatte. Die Verunsicherung war perfekt. Und wieso? Weil ich, wie gesagt, für sie immer noch sehr viel empfand. Mehr als viel! Wie gesagt. Ob sie an mir tatsächlich Interesse gehabt hätte, wusste ich in diesem Moment nicht. Nein, ich wusste es nicht. Ich hätte mich auch nie getraut, sie danach zu fragen. Darum erfuhr ich es auch nie. Ganz tief in mir aber sagte eine Stimme, dass ich mit dieser Hochzeit einen Riesenfehler gemacht hatte. Ich war mir auf einmal überhaupt nicht mehr sicher, wen ich mehr mochte: Sie, oder Laura. Ich empfand bei diesem Tanz auch eine Riesenwut auf mich selbst. Laura hatte mich laufend gedrängt, sie zu heiraten. Ich hätte es aber im Grunde genommen auch recht gut ohne Trauring ausgehalten. Ich war mir nicht mehr sicher. Aus heutiger Sicht muss ich zu meiner Schande gestehen, dass sich diese junge Frau höchstwahrscheinlich gar nichts dabei gedacht hatte. Sie war an mir sicherlich nicht interessiert, denn sie hatte sich ja für ihren jahrelangen Freund entschieden, den sie etwas später heiratete. Ich hatte mir alles nur eingebildet. Aber leider war diese Einbildung für mich recht tragisch. Ich hatte mich in etwas verrannt, was gar nicht existierte.

 

In eine Fata Morgana.

 

Nachmittags fand dann die Brautentführung statt. Albert war der Anführer – versteht sich. Laura trank mehr, als sie vertragen konnte. Sie bekam feuerrote Bäckchen und etwas glasige Augen. Ich moserte sie an, dass sie sich gefälligst zusammenreißen solle. Wie sehe das denn aus? Eine besoffene Braut! Ja, und dafür bekam sie nun einen waschechten Alkoholiker als Ehemann. Prost, Mahlzeit, kann ich nur sagen.

 

Die ersten Wochen unserer Ehe verliefen nicht so, wie man sich eine junge Ehe eigentlich vorstellt. Laura versuchte mit aller Kraft, mich an sich zu binden. Sie klammerte gewissermaßen, und genau dies war gar nicht gut für unsere zukünftige Gemeinsamkeit. Sie wollte mich nun unbedingt aus meinem Freundeskreis herausholen, aber es gelang ihr nicht, bei all ihrer Anstrengung!

 

„Musst du denn immer in die Lagunenbar gehen?“

„Ja, Laura.“

„Und wieso?“

„Wegen meiner Freunde.“

 

Ich erzählte niemandem von dem kurzen Gespräch beim Tanz mit dieser jungen, begehrenswerten Frau, meiner heimlichen Liebe. Wem hätte ich es auch erzählen sollen? Ich hätte mich damals einem Pfarrer anvertrauen sollen. Dadurch wäre vielleicht doch noch etwas zu retten gewesen. Aber nein, ich betrank mich tagtäglich und rutschte von Monat zu Monat mehr ab, eben, weil ich mit dieser Pattsituation nicht fertig wurde. Ich wollte um keinen Preis der Welt meine wahren Gefühle preisgeben: Gegenüber niemandem, eben, weil ich verklemmt war und Keinem traute. Mir selbst traute ich am allerwenigsten. Ja, ich muss es leider gestehen.

 

Die Fassade musste stimmen –

bis hin zum bitteren Ende...

 

Ich war zwar ein junger Ehemann, jedoch ging ich, wie gesagt, nach wie vor an meinen geliebten Stammtisch. Hin zu meinen Freunden, als ob sich in meinem Leben nichts geändert hatte. Laura gab im Laufe der Zeit die Hoffnung auf, mich aus diesem versoffenen Kreis herauszuholen. Sie redete gegen eine Wand. Es blieb also bei ihrer insgeheimen Hoffnung, und aus Frust und Anhänglichkeit begleitete sie mich nun regelmäßig auf meinen Sauftouren.

 

Sie hatte nicht die Macht, den Alkohol mit ihrer Liebe zu besiegen.

 

Der Stoff war wesentlich stärker, als sie. Es musste für sie sehr frustrierend sein, einzusehen, dass all ihre Anstrengungen völlig sinnlos waren. Ja, der Alkohol war stärker als Laura. Ein sehr wichtiger Satz, mit dem ich in meinem späteren Leben noch öfter konfrontiert wurde. Diese bittere Erkenntnis ist eine absolute Tatsache. Sie trifft auch bei vielen tausend anderen Alkoholikern zu. Es gibt wirklich nur sehr, sehr wenige Ausnahmen, bei denen der Betroffene Einsicht zeigt.

 

Laura ergab sich schließlich ihrem Schicksal und folgte mir sozusagen auf Schritt und Tritt. Auch sie trank, wie schon erwähnt, gerne über den Durst, was ihr jedoch nichts ausmachte.

 

Gelegentlich besuchten wir auch ihre Eltern, die in Issing in der Nähe des Ammersees wohnten. Laura hatte Sehnsucht, was ich sehr wohl verstand. Schließlich lebten wir ja in meiner Heimatstadt. Auch bei meinen Schwiegeraltern betrank ich mich schlimm. Ich soff bis zum Umfallen und sang und grölte nachts in der kleinen Ortschaft herum. War das ein Spaß, und ganz besonders für die anderen. Einmal nahm mich mein Schwiegervater, ein sehr anständiger, freundlicher Mann zur Seite und bat mich in einem äußerst kameradschaftlichen Ton, dass ich doch versuchen solle, in Zukunft etwas weniger zu trinken. Meine Sauferei sei doch nicht gut für unsere Ehe und die vielleicht kommenden Kinder. Diese Abmahnung, besser gesagt, den gut gemeinten Ratschlag, nahm ich natürlich nicht ernst und erklärte ihm, er solle doch so nett sein, uns zwei Biere zu holen. Man könne sich dabei wesentlich besser unterhalten, als mit einem trockenen Hals. Außerdem versicherte ich ihm, dass ich nur am Wochenende, und nicht immer, ein wenig trinken würde. Laura, seine Tochter, würde mir dabei immer zur Seite stehen und mitsaufen. Mit diesen fadenscheinigen Behauptungen hatte ich ihm natürlich alle weiteren Argumente aus der Hand geschlagen. Ich bildete mir zumindest ein, dass ich ihn überzeugt hatte, und betrachtete dieses üble Thema als erledigt. Spätabends sang ich, als ich von einer Sauftour zurückkam, mit lauter Stimme das wunderschöne Lied:

 

„Der Mond ist aufgegangen, die güldnen Sternlein prangen am Himmelszelt so klar...“

 

Und ich weckte dabei die gesamte Verwandtschaft auf, die bereits schlief. Am nächsten Mittag verabschiedeten wir uns von den lieben Schwiegereltern und fuhren nach Hause.

 

Natürlich ging in Laura einiges vor sich, worüber ich mir aber nicht die geringsten Gedanken machte. Dieses Leben, wie ich es führte, war für mich normal. Wie sollte ich mich aber täuschen!

 

Wir gingen beide weiterhin in unsere Arbeit in die Firma. Eines schönen Tages begab ich mich wieder einmal in mein Stammlokal, wo ich mit drei Freunden ohne Limit pokerte. Wie bekannt ist, vertrug ich damals eine ganze Menge, und meine Mitspieler tranken genauso viel, wie ich. Unter ihnen befand sich auch ein wohlhabender Geschäftsmann namens Mike.

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