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Höfliche Pfützen

Nenne dich (für Ulla)

Nenne dich,

dann wirst du erkannt!

Rufe „Hier“ bei

all deinen Namen!

Nenne dich „Baum“,

wenn du

Samen gefunden hast

und ihn pflegst.

Nenne dich „Fels“,

wenn du

Grund fühlst und

das Schwere dir leicht fällt

Nenne dich „Meer“,

wenn das Land endet

und die weißen Flecken beginnen

auf deiner Landkarte.

Nenne dich „Kind“,

wenn zwei deiner Eltern

die Schultüte packen

für dich.

Abc-Schütze

Mensch:

Nenne dich!

Nimm dich

beim Wort.

Versuch, in einen Spiegel zu schauen

(Eckstein, Eckstein…)

Schrankenwärter

an einem Nebengleis.

(alles muss versteckt sein!)

Straßenfeger

in Sackgassen.

(Hinter mir, vor mir…)

Rechtsanwalt

von Gartenzwergen.

(unter mir, über mir…)

Maurer und Fliesenleger

in Schneckenhäusern.

(neben mir, bei mir…)

Bist du‘s, bist du‘s nicht?

(zwischen mir…)

Nicht nur, sondern auch.

(in mir…)

Teilweise ganz.

(gilt es.)

Ich komme!

Biographie

Tier,

verspielt

und wendig,

und neu

im Paradies.

Kind

und lachend,

gern verborgen,

liebend –

wie es hieß.

Faxenmacher,

fratzenschneidend,

schielend,

singend,

weinend.

Trauriger,

Vernünftiger,

und schleppend

sein Gewicht.

Ausgeruhtes

Eichhorn.

Es kitzelt

unterm Schorf.

Leben Innen

Leben Innen:

lachen, weinen

innen. Hass-

liebe zu Innen.

Fluchtburg Innen.

Konserve Er-

innerung im

Garten Zeitlos.

Kostbares Heim-

lich: Innen.

Innen ist sicher,

außen schwankt.

Gefängnis Innen.

Hilflos behütet.

Berührungslos,

echolos,

spiegellos da.

Ersticken an

Innen.

Grenzgehen: Rettung.

Aus-gehen –

Heim-kommen.

Gasförmig, flüssig, fest.

Atem: ein, aus.

Außen wird Innen.

Innen

eratmete

Zeit.

„Sprache, spitz und
verwundend“
(H. Domin)

Sprache mit

Widerhaken,

Betäubungsgift.

Sprache ohne ‚Sinn‘

und unverkäuflich.

Worte, scharf

wie Messer -

winzige Messer,

die Leben retten

wie eine Operation.

Wortpfeil, unterwegs

ins Schwarze.

Suchend und findend

sein Ohr. Kraft.

Magnetismus.

Schmerzendes Hören:

mit anderem Sinn

aus Taubheit erwacht.

Hoffen und leben

in der letzten,

wahren Sprache.

Morgens

Die Krücke an der Wand,

der Schleier gehoben.

Im Auge

sammelt sich Licht.

Bilder der Nacht:

das Krebsgeschwür Stummheit,

das verjagte Gespenst.

Am Boden noch

die schwarze Kutte,

leer, das Zeichen vom Leihhaus

auf schlechtem, zerrissenem Stoff.

Stille, gespannt und erwartend.

Geruch feuchter Erde.

Plötzlich die ersten Worte:

‚Vater‘ und ‚Ohr‘,

unvergessen, aufgespannt

zwischen Atem und Herzschlag.

Sechs ‚Vater‘-Gedichte

Grab

Verwittert,

überwuchert

die Schrift.

Eine Hälfte

eingefallen.

Ungepflegt, -

mit Recht.

Asche zu Asche.

Zuneigung,

wie im Leben –

verpasst

auch jetzt.

Doch,

was die Schale

nicht schaffte,

vielleicht

gelingt es

dem Kern.

Einladung

Tritt ein –

du bist doch

gestorben für mich!

Bei mir

ist es warm und hell.

Schäme dich nicht

für den Leichengeruch!

Schau her,

ich öffne das Fenster!

Du bist nicht schön,

ich weiß es.

Doch hab‘ keine Angst –

ich blinzle nicht!

Zögernd stehst du

vor der Tür. Jetzt

lass uns mutig sein!

Tritt ein,

sprich lauter –

ich höre dich schon!

Vater

Komm‘,

setz dich zu mir

und erzähle!

Sag‘ mir,

was das ist: Vater.

Ich will dir zuhören, auch

wenn du wenig zu sagen hast.

Und wenn du nichts weißt?

Dann schweige und

zeig’ mir,

was das ist: Vater.

Ich will dir zusehen,

lass‘ es mich lernen!

Und wenn du’s nicht kannst?

Sitzen, schweigen, schauen

wie ein Vater?

Dann lass‘ uns gehen

und suchen,

was das ist: Vater.

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