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Hochzeit mit einem Playboy

Prolog

 

"Tut mir Leid, Jungs, aber das geht nicht", informierte Alexander Kent die anderen Mitglieder des angesehenen Clubs.

In seiner Aussage lag allerdings kein echtes Bedauern darüber, dass er die Ehre, die ihm zuteil werden sollte, ablehnen musste. Proteste wurden laut. Clint Andover, einer derjenigen, die erst vor kurzem geheiratet hatten, stellte die Frage, die nun alle beschäftigte: "Und warum zum Teufel nicht?"

Alex betrachtete versonnen die Porzellantasse in seiner Hand. Das Emblem des Clubs, das in zierlichen goldenen Strichen eingraviert war, stand für weit mehr, als man als Außenstehender vermuten würde. Der ehrwürdige "Texas Cattleman's Club" diente als Fassade für eine Organisation von hoch spezialisierten Männern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, Verbrechen zu bekämpfen und Unschuldigen zu helfen. Während ihre Großzügigkeit in Bezug auf Spenden für wohltätige Zwecke allgemein bekannt war, bewiesen die Mitglieder ihre Integrität bei verdeckten Ermittlungen, die oft zum Erfolg führten.

Alex antwortete nicht sofort. Er ließ den Blick durch den Raum schweifen, dessen Wände mit ausgestopften Tierköpfen dekoriert waren. Plötzlich bekam er Mitleid mit dem Berglöwen, der so für die Nachwelt erhalten worden war. Er kauerte auf einem schmalen Stein, der aus der gegenüberliegenden Wand herausragte. Die drohend erhobene Pranke gegen einen imaginären Feind und das zu einem Fauchen weit aufgerissene Maul der Kreatur konnten nicht über den ängstlichen Blick in seinen glasigen Augen hinwegtäuschen.

Alex stellte sich vor, dass das unglückliche Tier ebenfalls gerade von seinen Freunden darüber unterrichtet worden war, dass sie vorhatten, ihn im Zuge eines ausgeklügelten Planes, den sie zusammen ausgeheckt hatten, zu verheiraten.

Seufzend betrachtete er das Schild mit dem eingravierten Motto des Clubs, das über der Tür hing. Der Schein der Tiffanylampe ließ es in einer Vielzahl von Farben schimmern. Er hatte diese Worte verinnerlicht, sie waren sozusagen Teil seines Wesens geworden.

Gerechtigkeit und Friede.

Es war kein Mangel an Mut, der ihn davon abhielt, sich als Lockvogel für die neueste Mission des Clubs zur Verfügung zu stellen. Sie hatten vor, einen Babyhändlerring zu zerschlagen.

Das Verbrechen war ans Tageslicht gekommen, als an einem schicksalsträchtigen Tag im vergangenen November eine unbekannte Frau mit einem Baby auf dem Arm ins "Royal Diner" gestolpert war, wo sie ohnmächtig zusammenbrach. Nachdem sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht war, hatte man festgestellt, dass sie ihr Gedächtnis verloren hatte. Erst als Travis Whelan, ein weiteres Mitglied des Clubs, von einer Mission zurückgekehrt war, hatte er sie als Natalie Perez, seine ehemalige Freundin, identifizieren können. Es stellte sich heraus, dass er der Vater ihres Kindes war.

Ihrem Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen, war nicht ganz einfach gewesen und auch nicht ungefährlich für diejenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, ihr zu helfen. Und ein Geschäft zu durchkreuzen, das eine halbe Million Dollar einbrachte, hatte sich als riskanter herausgestellt, als sie sich anfangs vorgestellt hatten.

Die Tatsache, dass die Frau und ihr Baby im Moment außer Gefahr waren und mit Travis nun eine echte Familie bildeten, bedeutete nicht, dass der Fall damit für den "Texas Cattleman's Club" erledigt war. Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, hatten sie beschlossen, dem Handel mit Babys ein Ende zu bereiten. Dafür musste einer von ihnen verdeckt operieren.

Alex war unabhängig und reich, und er war noch Junggeselle. Das und seine früheren Erfahrungen beim FBI prädestinierten ihn geradezu für diesen Auftrag.

"Wir warten mit angehaltenem Atem auf deine Antwort", meinte Ryan Evans lakonisch. "Warum kannst du die Aufgabe nicht übernehmen?"

Alex schaute den ehemaligen Rodeo-Star an und lächelte zögernd. "Sosehr mich euer Vertrauen auch ehrt, gibt es da ein Problem, das ihr alle zu übersehen scheint."

Die Versuchung, einen Witz zu reißen und sich mit Humor aus dieser Sache herauszuwinden, war zwar groß, doch er wollte ehrlich sein. Er konnte weder sich noch die Männer belügen, die er als seine Brüder im Geiste betrachtete und von denen er wusste, dass sie alle völlig integer waren. Tief durchatmend, ließ er die Maske der Gleichgültigkeit fallen, die er nach außen hin stets zur Schau trug und bereitete sich darauf vor, gnadenlos von ihnen aufgezogen zu werden.

Ein seltener Ausdruck von Überdruss verdunkelte den Blick seiner grünen Augen, als er gestand: "Um den liebevollen Ehemann in eurem netten Plan spielen zu können, brauche ich eine passende Frau, und die Wahrheit ist, dass ich im Moment keine Freundin habe, die bereit wäre, diese Rolle zu übernehmen – nicht einmal für so eine ehrenvolle Sache."

Die Vorstellung, der begehrteste Junggeselle des Staates könne nicht in der Lage sein, eine Frau zu finden, die seine Ehefrau spielen wollte, erzeugte Ungläubigkeit und Gelächter.

"Was ist aus der glorreichen Gloria geworden", fragte jemand.

"Spricht nicht mehr mit mir", erklärte Alex. Das Model hatte vor kurzem ihre Beziehung beendet, als er sich geweigert hatte, das Thema Heirat auch nur zu diskutieren. "Genau wie die anderen Frauen aus meinem berüchtigten schwarzen Buch."

Das gar nicht existiert, fügte er im Stillen hinzu.

Die gutmütige Neckerei seiner Freunde half ihm nicht darüber hinweg, dass er tagtäglich mit dem Gefühl der Einsamkeit zu kämpfen hatte. Sein wohlhabender Vater war von einer Reihe habgieriger Frauen ausgenommen worden, wodurch Alex schon früh die Vorzüge eines Junggesellenlebens schätzen gelernt hatte. Gloria Vuu war eine von vielen, die versucht hatten, ihn aus seinem Single-Dasein herauszulocken. Ihr dramatischer Abgang hatte ihn eine unbezahlbare Vase gekostet, die sie gegen die Wand seines Penthouses geschleudert hatte. Da er niemand war, der sich bei einer Trennung kleinlich verhielt, war Alex nur froh gewesen, dass sie nicht besser gezielt hatte.

"Gloria wäre für unsere Zwecke ohnehin nicht geeignet gewesen", warf ein anderes Clubmitglied ein. "Niemand mit ein bisschen Verstand würde ihr abkaufen, dass sie sich verzweifelt danach sehnt, mit schmutzigen Windeln zu hantieren."

Mit seiner üblichen Gelassenheit gelang es Ryan Evans, die anderen mit einem Räuspern zur Ruhe zu bringen. "Ist das der einzige Grund, warum du diesen Auftrag nicht übernehmen willst?" fragte er und sah Alex eindringlich an.

Als ob das nicht genug wäre! Alex nickte.

"Wenn das so ist, dann bin ich dir einen Schritt voraus, Partner", erklärte Ryan mit der für ihn typischen Forschheit. Das hinterlistige Lächeln seines Freundes beunruhigte Alex.

Als hätte er Angst, unterbrochen zu werden, fuhr Ryan hastig fort: "Da wir sicherlich alle darin übereinstimmen, dass keine der Damen, mit denen du normalerweise ausgehst, eine glaubwürdige Frau für diese Rolle wäre, habe ich mir erlaubt, Carrie zu fragen, ob sie jemanden weiß. Und wie sich herausstellt, hat sie eine Freundin, die perfekt wäre."

Alex stöhnte. Nur weil seine Freunde wie die Fliegen umfielen und einer nach dem anderen in den heiligen Stand der Ehe trat, hielten sie sich plötzlich für Experten, wenn es darum ging zu entscheiden, wer eine gute Ehefrau für ihn abgeben würde.

Er wollte gerade fragen, was genau Ryan damit meinte, als Travis seinen zukünftigen Schwager und langjährigen Freund unterstützte. "Wenn meine kleine Schwester ihr Okay zu der Dame gibt, dann genügt mir das."

Da sowohl Travis als auch Ryan der mysteriösen Frau, die Carrie für ihn ausgesucht hatte, ihre Zustimmung gaben, sah sich niemand veranlasst, etwas dagegen einzuwenden. Alex war inzwischen neugierig, von wem Ryan annahm, sie würde die perfekte Verlobte für ihn abgeben. Wenn sie auch nur halb so hübsch war wie Carrie, dann würde es ihm vermutlich schwer fallen, sich auf den Fall zu konzentrieren.

Der Gedanke besserte seine Laune schlagartig.

"Und wer soll das sein?" wollte er wissen, während er im Geiste die allein stehenden Frauen der Stadt durchging, jedoch eine nach der anderen abhakte.

Der Name, den Ryan nannte, machte ihn fast sprachlos.

"Die Schulbibliothekarin?" fragte er schließlich ganz ungläubig.

"Genau die. Bevor du protestierst, solltest du wissen, dass sie nicht nur über die Qualitäten verfügt, die wichtig sind, um die Sache durchzuziehen, sie hat außerdem Theatererfahrung."

Das Mauerblümchen spielt Theater? dachte Alex. Er war beleidigt, dass Carrie so eine alte Jungfer als perfekte Frau für ihn ausgesucht hatte. Nicht, dass Alex etwas dagegen hatte, wenn eine Frau tugendhaft lebte. Wenn seine Mutter ihren Mann und den fünfjährigen Sohn nicht einfach verlassen hätte, dann wäre er emotional vielleicht nicht so verkorkst, wie Gloria und eine Reihe Frauen vor ihr ihn bezeichneten.

Bei näherer Betrachtung wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, so ein unansehnliches Mädchen bei dieser Mission als seine angebliche Frau dabeizuhaben. So eine Frau würde nicht hoffen, eine romantische Affäre mit ihm beginnen zu können, was es ihm wiederum leichter machen würde, sich auf den Fall zu konzentrieren. Wenn man es mit gefährlichen Verbrechern zu tun hatte, war so wenig Ablenkung wie möglich das Beste. So gern Alex diese Mission auch als Spaß angesehen hätte, war ihm bewusst, in was für ein gefährliches Spiel sie sich einließen. Ein Mann, der nicht zögerte, allein stehenden Frauen ihre neugeborenen Babys zu stehlen, schreckte auch vor Mord nicht zurück.

Alex konnte sich jedoch nicht vorstellen, dass die Frau mit den guten Manieren, die er auf Wohltätigkeitsveranstaltungen getroffen hatte, dieser Herausforderung gewachsen war. Er bezweifelte, dass die zurückhaltende Stephanie Firth bereit war, ihren kostbaren Ruf dieser guten Sache zu opfern. Außerdem würde sie ein ziemliches Risiko eingehen. Und sie könnte es als kompromittierend empfinden, seine Frau zu spielen.

Welche Gefahren dieser Plan für ihn persönlich barg, war Alex letztlich egal. Er würde nicht davor zurückschrecken. Der Eid, den er geleistet hatte, hinderte ihn daran abzulehnen, wenn seine Freunde ihn mit einer Aufgabe betrauten. Der Gedanke, dass Frauen um ihre Babys trauerten, weil sie glaubten, sie seien bei der Geburt gestorben, während ein skrupelloser Arzt sie weiterverkaufte, förderte seine Bereitschaft, notfalls auch sein eigenes Leben zu riskieren, um diesen Mann aufzuspüren.

Nachdem er noch einmal in die erwartungsvollen Gesichter um sich herum geschaut hatte, warf Alex ergeben die Hände in die Höhe. "In Ordnung, Jungs. Wenn ihr meint, dass es eine Chance gibt, die züchtige Bibliothekarin dazu zu überreden mitzumachen, dann könnt ihr auf mich zählen."

1. Kapitel

 

"Romeo, Romeo, wo seid Ihr, Romeo?" fragte eine blonde Julia, die voller Ungeduld eine Hand in die Hüfte gestemmt hatte.

"Wahrscheinlich hinter den Kulissen, wo er mit meiner Anstandsdame herummacht", fügte sie leise hinzu, bevor sie mit schriller Stimme rief: "Miss Firth, können Sie nicht irgendetwas unternehmen, damit Junior nicht ständig seinen Einsatz verpasst?"

Stephanie biss sich auf die Lippen, um den Fluch, der ihr auf der Zunge lag, zu unterdrücken. Shakespeare würde sich im Grabe umdrehen und sich die Ohren mit Erde zustopfen, wenn er diese Version seiner größten Liebestragödie mitanhören müsste. Tief durchatmend, erinnerte sie sich daran, dass die Besetzung aus Highschool-Schülern bestand und von daher nicht erwartet werden konnte, dass sie hier eine Broadway-Produktion auf die Beine stellte. Trotzdem hatte Stephanie kein Interesse daran, sich mit einer miserablen Vorstellung in aller Öffentlichkeit zu blamieren. Auch der breite texanische Akzent der Akteure wollte so gar nicht zu den legendären Worten des großen Meisters passen.

Stephanie reagierte auf Julias Gejammer, indem sie ihre Antwort in einer Stimme vortrug, die keine Zweifel daran ließ, dass sie eine strenge Lehrerin war, die es gewohnt war, mit von Hormonen geplagten Teenagern zu arbeiten.

"Launa Beth, wie oft muss ich dich noch daran erinnern, deine Rolle beizubehalten, während ich mich um die anderen Mitspieler kümmere? Und jetzt möchte ich, dass du dich darauf konzentrierst, deinen Akzent in dieser Szene deutlich abzumildern."

Unglücklich darüber, dass sie ausgeschimpft wurde, obwohl doch Junior Weaver derjenige war, der so dringend gescholten werden musste, starrte Launa auf ihre Schuhe. Endlich hatte Romeo seinen verspäteten Auftritt. Ein athletischer junger Mann schlenderte auf die Bühne, wobei er eher wie ein Football-Spieler wirkte. Er sah ganz und gar nicht wie ein liebeskranker Hauptdarsteller aus.

Wütend schleuderte Julia ihm entgegen: "Junior, du nervst!"

Junior, nun ganz Romeo, setzte ein unwiderstehliches Lächeln auf und korrigierte sie auf geradezu elisabethanische Weise: "Meint Ihr nicht: Ihr nervet, Milady?"

"Aus!"

Stephanies Stimme hallte durch das Theater und übertönte das unterdrückte Lachen eines unangemeldeten Besuchers, der weiter hinten im dunklen Zuschauerraum saß. Dieser spezielle Besucher war ohne ihr Wissen hier. Nicht, um die Produktion zu begutachten, sondern vielmehr, um die geplagte Regisseurin selbst in Augenschein zu nehmen. Hätte Stephanie gewusst, dass sie gerade für die Rolle ihres Lebens vorsprach, wäre sie sicherlich sehr viel unsicherer gewesen, als sie nun auf die Bühne marschierte, um erneut zu versuchen, ihre Studenten in die hohe Kunst des Theaterspielens einzuweisen.

 

Fasziniert von der Szene, die sich vor ihm ausbreitete, beugte Alex Kent sich auf seinem Sitz vor. Er erkannte die Bibliothekarin, die seine angebliche Ehefrau werden sollte, an ihrer unauffälligen Kleidung und der praktischen Frisur, die sie anscheinend favorisierte. Doch er war erstaunt über die Leidenschaft, mit der sie ihre noch recht unvollkommenen Darsteller anwies. Der Kontrast war überraschend.

"Ihr müsst eure persönlichen Gefühle beiseite schieben und euch stattdessen ganz in eure Charaktere hineinversetzen", erklärte Stephanie den Schülern, während sie aus der Dunkelheit ins Rampenlicht trat. "Muss ich euch daran erinnern, dass ihr, wenn ihr auf der Bühne seid, einen Schritt in die Vergangenheit macht und in die Fußstapfen eurer Charaktere tretet? Ihr schlüpft sozusagen in die Haut derjenigen, die alles für ihre Liebe riskieren. Ich bitte euch, den Mut aufzubringen, für wenige Stunden euch selbst zu vergessen und den Mantel eines wahren Schauspielers überzustülpen."

Stephanie griff nach einem Stück Tüll, das um eine der Säulen von Julias Balkon drapiert war und schlang es sich locker um die Schultern, bevor sie eine theatralische Pose einnahm. Das kräftige Violett ihres improvisierten Schals hob sich deutlich von ihrem beigefarbenen Rock und dem Pullover ab. Deren langweilige Farben trugen nicht gerade dazu bei, ihren hellen Teint zu akzentuieren. Doch sogar aus einer der hinteren Theaterreihen konnte Alex sehen, wie ihre Augen voller Intensität funkelten.

"Denkt an Shakespeares Worte: 'Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle, Männer und Frauen, sind lediglich Schauspieler. Sie haben ihre Auftritte und Abgänge, und in seiner Zeit spielt ein Mann viele Rollen …'"

Alex war überrascht von der Qualität und Ernsthaftigkeit ihres Vortrags. Hätte sein eigener Highschool-Lehrer mit solcher Leidenschaft unterrichtet, wäre es durchaus denkbar, dass sogar er, Alex, jetzt ehrliche Anerkennung für den großen Meister empfinden könnte. Doch da dem nicht so gewesen war, erblasste er noch immer bei dem Gedanken, eine Shakespeare-Inszenierung ansehen oder gar in einer mitspielen zu müssen.

Stephanie, die sich nicht bewusst war, dass ihre Persönlichkeit gründlich geprüft wurde, fuhr voller Gefühl fort: "Wenn ihr euch traut, ganz aus euch herauszugehen, um diese unsterblichen Worte aus tiefstem Herzen zu sprechen, wenn ihr – bildlich gesprochen – einen Dolch in eure Brust rammt und für uns hier auf dieser Bühne sterbt …"

Stephanie hielt inne, um auf das hölzerne Parkett zu zeigen, als wäre es tatsächlich heiliger Boden. "Wenn euch das gelingt, dann könnt ihr Romeos und Julias tragisches Opfer so darstellen, dass ihr mit euren Worten die Herzen der Zuschauer erreicht und deren Weltanschauung für immer verändert."

Alex war versucht zu applaudieren. Verblüfft stellte er fest, dass in dieser unscheinbaren Bibliothekarin das Herz einer hoffnungslosen Romantikerin schlug. Eine Romantikerin, die fähig war, eine Horde Jugendlicher zu inspirieren, ganz zu schweigen von einem selbst ernannten Playboy, der schon vor langer Zeit den Glauben an die wahre Liebe verloren hatte. Alex konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal Interesse an einer ernsthaften Beziehung gehabt hatte. Ohne zu wissen, dass er Teil des Publikums war, hatte es diese schlichte Bibliothekarin, die sich als Theaterregisseurin betätigte, geschafft, dass er sich wünschte, nicht ganz so abgestumpft zu sein.

Vielleicht hatte er sich in Stephanie Firth getäuscht. Einer Frau, der es gelang, dass er sich nach einem romantischen Happyend sehnte, konnte es vielleicht auch gelingen, ein paar bösartige Kriminelle davon zu überzeugen, dass sie gewillt war, jeden Preis zu zahlen, um ihren Traum von einem Baby zu verwirklichen.

Alex spürte, dass jemand an seinem Ärmel zupfte.

"Habe ich dir nicht gesagt, dass sie wundervoll ist?" flüsterte Carrie Whelan. Ihre braunen Augen funkelten begeistert.

"Mich brauchst du nicht zu überzeugen", meinte Alex zu der selbst ernannten Abgesandten, die ihn dabei unterstützen wollte, Stephanie zu überreden, an der Mission teilzunehmen. "Wir sind hier, um festzustellen, ob deine Freundin gewillt ist, ihr schauspielerisches Talent im wahren Leben unter Beweis zu stellen."

 

"Auf gar keinen Fall!" sagte Stephanie und schüttelte vehement den Kopf.

Sie konnte es nicht fassen, dass Carrie tatsächlich glaubte, sie wäre bereit, eine Scheinehe mit dem begehrtesten und berüchtigtsten Playboy von ganz Texas einzugehen. Während sie sich suchend nach versteckten Kameras umschaute, überlegte sie, ob ihre Reaktion für eine dieser angeblich so lustigen Sendungen aufgezeichnet wurde, die sie hasste. Ihrer Meinung nach waren die Späße meist eher gemein als witzig. Dieser hier machte da keine Ausnahme. Wenn Carrie sich diese schreckliche Probe nur angeschaut hatte, um Alex Kent und sie, Stephanie, auf eine Bühne zu bringen, musste man sich fragen, ob sie noch ganz bei Trost war. Das konnte alles nur ein alberner Streich sein. Allein der Gedanke an eine Scheinehe war lächerlich.

Stephanies Missmut spiegelte sich deutlich in ihren dunkelbraunen Augen wider, in deren Tiefen Alex geradezu versank. Er war nicht nur überrascht von ihrer Feindseligkeit, sondern auch von der Schönheit dieser Augen, die ganz ohne Kosmetik zur Geltung kam. Die Frauen, mit denen er sich normalerweise umgab, würden sich nicht einmal als Leiche ohne ein peinlich genau aufgetragenes Make-up erwischen lassen. Die dunklen Augen mit den kleinen goldenen Punkten in der Iris gewährten Alex einen kurzen Blick in eine Seele, die frei von Bösartigkeit war, bevor sie von natürlich langen Wimpern wieder bedeckt wurden.

In der Hoffnung, Humor sei eine gute Strategie, um die Spannung ein wenig aufzulockern, bemühte Alex seinen typischen Charme. "In gewissen Kreisen", meinte er, "sind Frauen ganz wild darauf, mich als ihren Ehemann auszugeben."

"In was für Kreisen?" fragte Stephanie abfällig. Sie war ganz eindeutig nicht beeindruckt von der Aussicht, sich zu diesen Frauen zu zählen.

Wenn Alex Kent erwartet hatte, sie mit dieser Art von oberflächlichem Charme zu bezirzen, der alle anderen Frauen in Royal dazu brachte, ihn anzuhimmeln, dann hatte er sich schwer getäuscht. Selbst als er sie nun betroffen ansah, weigerte Stephanie sich, Mitleid mit ihm zu haben. Würde er sie direkt fragen, warum sie so eine Abneigung gegen ihn hatte, hätte sie zugeben müssen, dass es weniger mit seiner Wirkung auf Frauen zu tun hatte als vielmehr mit der Tatsache, dass er sie bisher nie beachtet hatte. Sie konnte sich keine Hoffnungen machen, in den Kreis der reichen und gut aussehenden Freunde dieses Mannes aufgenommen zu werden. Das machte ihr weit weniger zu schaffen als die Tatsache, dass er ihr nur allzu deutlich bewusst machte, wie weit sie von dem in Frauenmagazinen propagierten Schönheitsideal entfernt war – die Frauenmagazine, in denen seine neueste Freundin wahrscheinlich gerade die diesjährige Bademode präsentierte.

Der beste Beweis für sein Desinteresse an ihr war die letzte Wohltätigkeitsveranstaltung der Schule gewesen, bei der sie und Alex in Kontakt gekommen waren. Sie bezweifelte allerdings, dass er sich daran erinnerte. Carrie hatte sie überredet, ihr kreatives Talent einzubringen, indem sie für eine Spende originelle Gedichte nach den Wünschen der Gäste verfasste. Carrie hatte sich bereit erklärt, die Texte mit kalligraphischen Schriftzügen auf einem Pergament festzuhalten. So einfallsreich ihre Gedichte auch waren, am Nebenstand hatte man ihnen viele Kunden weggeschnappt.

Stephanie hatte fassungslos mit angesehen, wie Alex Kent zum "Kuss-Stand" geschlendert gekommen war und es geschafft hatte, mit seinen Küssen mehr Geld einzunehmen als alle anderen Stände zusammen. Carries Angebot, Stephanie einen dringend benötigten Kuss von diesem Schuft zu kaufen, hatte sie nicht vergessen. Vielleicht nicht nur wegen ihrer wütenden Proteste, sie sei keinesfalls so verzweifelt, dass sie sich einen Kuss kaufen müsste, sondern weil sie heimlich versucht gewesen war, Carries Einladung anzunehmen. Alex jedoch war so beschäftigt damit gewesen, sich durch die scheinbar endlose Reihe von Royals allein stehenden Frauen zu küssen, dass er Stephanie nicht einmal wahrgenommen hatte.

Und jetzt, da er sie für eine Rolle in irgendeinem lächerlichen Spiel brauchte, dachte er, er müsse nur sein berühmtes Lächeln aufsetzen und schon würde sie dahinschmelzen wie ein Eis an einem heißen Sommertag.

Doch da hatte er sich gründlich getäuscht.

Nur weil sie nicht der schönste Schwan auf dem See war, bedeutete das ja nicht, dass das hässliche Entlein nicht auch seinen Stolz hatte.

"Pass auf, Stephanie", meinte Carrie, bevor Alex die Chance hatte, sich zu verteidigen. "Du solltest wissen, dass ich dich nicht fragen würde, wenn es nicht um eine gute Sache ginge. Bitte hör uns an, bevor du dich entscheidest."

Stephanie hatte die arge Vermutung, dass sie selbst die gute Sache war und dass Carrie wieder einmal – wie schon so oft – in die Rolle der Kupplerin schlüpfte. Okay, zugegeben, dieser Adonis war von einem anderen Kaliber als der Mann bei der letzten Verabredung, die Carrie ihr aufgezwungen hatte, aber zumindest hatte sie da nicht das Gefühl gehabt, ein Wohltätigkeitsfall zu sein. Andererseits hatte der nette, aber völlig uninteressante Mann längst nicht so eine Wirkung auf sie gehabt wie dieser Don Juan hier. Ihr Körper verriet ihren Verstand, als ihr Puls in die Höhe schoss.

"Wenn Mr. Kent ein Zuckerpüppchen braucht, das für irgendwelche Vergnügungen seinen Arm ziert, dann denke ...

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