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Hochzeit ja, Liebe nein?

1. KAPITEL

„Was wolltest du mir denn erzählen, Dad?“, fragte Nick Valente seinen Vater Cesare. Sie saßen auf der Veranda und hatten von dort aus einen sehr schönen Ausblick auf das weitläufige Valente-Anwesen.

„Ich bin jetzt seit über sechs Monaten im Ruhestand, und obwohl ich gern hier bin, ist das Haus einfach zu groß für uns. Isabel und ich haben beschlossen, uns eine Wohnung in der Stadt zu nehmen.“

Nick war von diesen Neuigkeiten wie vor den Kopf geschlagen. Hier war schließlich sein Zuhause. Auf diesem Anwesen im Hawkesbury District bei Sydney war er aufgewachsen, seine Mutter hatte ihn in diesem Haus zur Welt gebracht. Kurz danach hatte sie Hals über Kopf ihre Familie verlassen. Sechs Monate später hatte sein Vater Isabel geheiratet.

„Das Anwesen gehört dir“, fuhr Cesare fort, „wenn du es willst.“

Ein flaues Gefühl machte sich in Nicks Magen breit. Sein Vater musste ihn doch nicht extra fragen. Natürlich wollte er es. Sehr sogar. Er schaute weg und ließ seinen Blick über die gepflegte Gartenanlage gleiten, damit ihm sein Vater nicht ansah, wie aufgewühlt er war, weil er so an dem Anwesen hing.

Genau das war nämlich das Problem.

Er traute seinem Vater nicht.

Cesare war ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, der auf eine lange Karriere als Gründer und Leiter des australischen Parfümimperiums The House of Valente zurückblicken konnte. Das Unternehmen wurde inzwischen von seinem ältesten Sohn Alex geleitet, und der neuste Duft Valente’s Woman war ein besonders großer Erfolg. Cesare bekam normalerweise immer, was er wollte.

„Was ist, wenn ich kein Interesse an dem Anwesen habe?“, bluffte Nick. Als einer der leitenden Geschäftsführer des Familienunternehmens kannte er sich mit Verhandlungsstrategien aus.

„Dann bekommt es eben Matt.“

Verflixt.

Nick verstand sich gut mit seinem jüngeren Bruder Matt und wusste genau, dass dieser viel lieber im Stadtzentrum wohnte, wo immer was los war. Er würde niemals aufs Land ziehen wollen und das Anwesen wahrscheinlich vernachlässigen und verkommen lassen.

Er selbst konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als hier zu wohnen und dem Lärm und Stress der Großstadt zu entfliehen. Es würde ihm nichts ausmachen zu pendeln.

Aus dem Augenwinkel warf er seinem Vater einen Blick zu und wandte vorsichtig ein: „Matt interessiert sich doch überhaupt nicht für das Haus.“

Cesare nickte und strich sich durch sein graues Haar. „Ich weiß.“

„Warum soll er es dann bekommen?“

„Noch ist nichts entschieden … Alles hängt ganz allein von dir ab.“

Nick hatte geahnt, dass sein Vater irgendetwas im Schilde führte. „Und wo ist der Haken, Dad?“

Cesare biss sich auf die Unterlippe. „Du scheinst mich gut zu kennen.“ Ernst sah er seinen Sohn an. „Du kannst das Anwesen haben. Aber nur unter einer Bedingung: Ich möchte, dass du heiratest.“

„Das kann nicht dein Ernst sein!“

„Oh doch. Dieses Haus braucht eine junge Familie.“

„Aha. Ich soll also heiraten und eine Familie gründen?“, erwiderte Nick. Der Sarkasmus in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Das ist nun mal der natürliche Lauf der Dinge.“

Nick schüttelte den Kopf. Er hatte nicht vor, in der nächsten Zeit zu heiraten. Keine Frau würde ihn so schnell an die Angel bekommen. Außerdem würde er sich hüten, ein Kind in die Welt zu setzen, dessen Eltern sich nicht liebten.

„Was ist denn mit Alex und Olivia?“ Er hätte nichts dagegen, wenn die beiden das Haus bekämen. Wenigstens würden sie sich gut darum kümmern.

„Nein, die beiden haben doch ein eigenes Haus und möchten sicherlich nicht umziehen. Jedenfalls nicht, bevor sich Scott richtig eingelebt hat.“

Das stimmte. Alex und Olivia hatten den acht Jahre alten Scott gerade erst adoptiert. Ein Umzug wäre jetzt sehr unpassend.

Ein unangenehmer Gedanke durchzuckte Nick. „Jetzt sag mir bitte nicht, dass du etwas mit der Hochzeit von Alex und Olivia zu tun hattest!“

Cesare ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Na ja. Ich habe etwas nachgeholfen.“

Verärgert schaute Nick seinen Vater an. „Weiß Mum davon?“

Isabel war zwar nicht seine leibliche Mutter, aber er nannte sie trotzdem Mum. Sie war ein wundervoller Mensch. Elegant, charmant und liebevoll. Sie konnte aber auch streng sein, wenn ihre Jungs mal wieder über die Stränge schlugen. Solange er ein Kind war, war sie die einzige Mutter gewesen, die er kannte – bis zu dem Tag, als seine leibliche Mutter plötzlich wieder auftauchte und sein Leben durcheinanderbrachte.

„Isabel ist von meiner Idee nicht so begeistert. Aber sie lässt mich gewähren, weil sie weiß, wie wichtig mir das Ganze ist.“

Nick verlor die Beherrschung. „Verdammt noch mal! Ich heirate doch nicht irgendeine Frau, nur damit du deinen Willen bekommst!“

„Na schön. Dann bekommt Matt eben das Anwesen.“

Bei diesen Worten bekam Nick ein flaues Gefühl in der Magengegend. „Er wird es nicht haben wollen. Ich werde ihm sagen, was für ein unfaires Spiel du spielst.“

Cesare nippte an seinem Kaffee. „Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als es zu verkaufen.“

Nick schluckte. Sein Vater hatte das alles gut durchdacht.

„Wen, zur Hölle, soll ich überhaupt heiraten? Soll ich einfach eine Frau aus meinem Adressbuch rauspicken, oder was?“

„Sasha Blake.“

Nick verschlug es die Sprache. An diese Frau hatte er seit Jahren nicht mehr gedacht. Sasha … damals … dieser Kuss …

Ein Kuss, den man nicht so schnell vergaß.

„Ich hab nicht mal ihre Telefonnummer“, fuhr er seinen Vater an. Er wollte nicht an Sasha Blake denken. Der Kuss war nichts weiter als eine dumme Jugendsünde gewesen.

„Ihr wärt das perfekte Paar.“

„Das glaubst aber auch nur du.“

Für einen kurzen Moment zog Cesare verärgert die Augenbrauen hoch. Dann sagte er beschwichtigend: „Du wirst schon sehen. Wenn ihr erst mal verheiratet seid …“

„Ich werde sie nicht heiraten, Dad.“ Wenn er wirklich eines Tages heiraten sollte, dann würde er sich seine Frau schon selbst aussuchen. „Da fällt mir ein, wohnt sie jetzt nicht in England?“

„Nein, nicht mehr. Sie ist vor Kurzem zurückgekommen und arbeitet jetzt als Innenarchitektin. Ich habe sie gebeten, das Haus neu einzurichten und zu dekorieren.“

Sein Vater überraschte ihn immer wieder aufs Neue.

„Mir gefällt das Haus, so wie es ist.“

Cesare musterte ihn eindringlich. „Du liebst diesen Ort, nicht wahr?“

Betont gleichgültig zuckte Nick die Schultern. „Es ist mein

Zuhause.“

„Deswegen sollst du es ja auch bekommen.“

„Aber nur, wenn ich dafür Sasha Blake heirate.“

„Es wäre doch schön, die beiden Familien auf diese Weise zu verbinden. Wir sind doch schon seit Jahren mit Porter und Sally Blake befreundet.“

„Ich habe Porter noch nie über den Weg getraut.“ Seine Frau Sally war ja ganz nett, ließ sich aber für seinen Geschmack viel zu viel von ihrem tyrannischen Mann gefallen.

„Du sollst ja auch nicht Porter Blake heiraten, sondern seine Tochter!“

„Ich werde niemanden heiraten! Wie oft muss ich das denn noch sagen?“

Vom Wutausbruch seines Sohnes scheinbar ungerührt, erwiderte Cesare: „Sasha kommt morgen vorbei, um sich das Haus anzusehen. Isabel und ich fahren frühmorgens in die Stadt. Das ist doch eine gute Gelegenheit, um ungestört und ganz in Ruhe mit ihr zu reden.“

„Nein.“

Sein Vater verstummte für einen kurzen Augenblick und fuhr dann fort: „Wahrscheinlich wird Matt nichts dagegen haben, das Haus neu einrichten zu lassen. Sasha bringt sicherlich jede Menge neuer Ideen aus London mit.“

Nick fluchte leise. „Warum tust du mir das an, Dad?“

Cesare sah ihn an, und plötzlich entdeckte Nick einen Hauch von Verletzlichkeit in den Augen des alten Mannes.

„Einen Herzinfarkt habe ich bereits hinter mir. Ich würde es gern noch erleben, dass du heiratest, bevor ich sterbe.“

„Aber Dad. Das war doch nur eine leichte Herzattacke“, erwiderte Nick zögerlich.

„Die nächste könnte aber tödlich enden, figlio mio – mein Sohn.“ Immer wenn er besonders emotional wurde, verfiel Dad in seine italienische Muttersprache.

Allein der Gedanke daran ließ Nick erschauern. Jetzt hatte sein Vater ihn dort, wo er ihn haben wollte. Gegen dieses Argument konnte und wollte er nichts erwidern. Der Herzinfarkt hatte die ganze Familie zutiefst schockiert, und Nick würde nicht derjenige sein, der für die nächste Attacke die Verantwortung trug. Mit dieser Schuld könnte er nicht leben.

Die Idee einer arrangierten Heirat mochte in der heutigen modernen Zeit absurd erscheinen, aber Nick war dazu erzogen worden, dass die Familie das Wichtigste im Leben war. Er würde tun, was von ihm verlangt wurde.

Aber warum ausgerechnet Sasha Blake?

Als Nick am nächsten Morgen die Eingangstür zum Haus seiner Eltern öffnete, fiel sein Blick als Erstes auf einen wohlgeformten weiblichen Po und herrlich lange Beine in einer eng anliegenden weißen Hose. Auf dem Stuhl neben der Treppe stand eine attraktive Blondine, die versuchte, mit den hohen Absätzen ihrer Sandaletten die Balance zu behalten.

Beim Geräusch der sich öffnenden Tür zuckte sie zusammen und wäre vor Schreck beinahe vom Stuhl gefallen. Geistesgegenwärtig machte Nick einen Satz nach vorn und fing sie auf.

Verdutzt sah sie ihn an, und er stellte sie wieder auf die Beine.

„Nick?“, flüsterte Sasha. Fast so, als ob sein Name ein Geheimnis wäre.

Am liebsten hätte er jetzt Nein gesagt und sich verleugnet. Genauso, wie er am liebsten diesen Kuss geleugnet hätte.

Das war alles so kompliziert.

Und jetzt sollte er sie auch noch bitten, seine Frau zu werden.

„Hallo, Sasha.“

Wortlos starrte sie ihn an. Ein solcher Blick genügte, um den meisten Männern den Verstand zu rauben. Er hatte vergessen, wie hübsch sie war. Diese Augen. Wunderschön. Leuchtend grün und von langen geschwungenen Wimpern umrandet.

Schon damals, als sie beide noch halbe Kinder gewesen waren, hatte sie diesen durchdringenden Blick gehabt, mit dem sie in sein Innerstes zu sehen schien. Meistens war es ihm gelungen, sich dem Bann ihrer Augen zu entziehen.

Abgesehen von diesem einen Kuss.

„Was, um Himmels willen, machst du denn da oben?“, fragte Nick genervt. Ein leichtes Rosa zeigte sich auf ihren Wangen. Er konnte seinen Blick nicht von ihrem schneeweißen Hals nehmen, an dem sich ganz deutlich die vor Schreck wie wild pochende Halsschlagader abzeichnete.

Als er sie zum letzten Mal gesehen hatte, war sie ein sehr hübscher Teenager gewesen. Jetzt war sie eine umwerfend schöne Frau.

Sasha löste sich von ihm und trat einen Schritt zurück. „Ich dachte, ich hätte einen leichten Riss in der Wand gesehen, und wollte mir das mal genauer ansehen.“

Der Duft ihres Parfüms lag in der Luft. Er schnupperte unauffällig. Valente’s Woman. Aus irgendeinem Grund freute es ihn, dass sie den Duft des Familienimperiums trug.

„Ich habe gehört, du arbeitest jetzt als Innenarchitektin“, sagte er. Etwas Besseres fiel ihm nicht ein.

„Ja, das stimmt.“ Sie schien den anfänglichen Schreck überwunden zu haben und fuhr mit vor Begeisterung leuchtenden Augen fort: „Ich freue mich so sehr, dass dein Vater mir den Auftrag für die Neugestaltung des Hauses gegeben hat.“

Nick wollte nicht daran erinnert werden und erwiderte schroff: „Das ist vollkommen unnötig. Mir gefällt das Haus, so wie es ist.“

Enttäuscht sah sie ihn an und rang sich ein Lächeln ab. „Da habe ich ja Glück, dass es nicht dein Haus ist. Sonst würde ich jetzt ohne Job dastehen.“

Nick versuchte das Kribbeln in der Magengegend zu ignorieren und sagte in einem freundlicheren Ton: „Lass uns doch ins Wohnzimmer gehen. Ich werde Iris bitten, uns einen Kaffee zu machen.“

Sie zögerte. „Eigentlich bin ich hergekommen, um zu arbeiten.“

„Dann stell doch einfach eine Stunde mehr in Rechnung. Mein Vater kann es sich leisten.“

Sie neigte leicht den Kopf zur Seite, sodass ihr seidig schimmerndes blondes Haar ihre Schulter berührte.

„Du gehst ja sehr großzügig mit dem Geld deines Vaters um.“

„Er hat mich gebeten, etwas mit dir zu besprechen.“

Nervös sah sie ihn an. „Bin ich etwa gefeuert?“

„Nein, natürlich nicht.“ Wahrscheinlich wäre ihr das lieber als das, was er ihr jetzt sagen würde.

Erleichtert schaute sie ihn an. „Was ist es dann? Und warum kann mir dein Vater das nicht persönlich sagen?“

Willst du mich heiraten?

Nein, so direkt konnte er sie unmöglich fragen. Das wäre zu viel auf einmal. Man musste ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Er führte sie ins Wohnzimmer. „Lass uns doch erst mal einen Kaffee trinken.“ Über die Sprechanlage an der Tür bestellte er bei der Haushälterin Kaffee.

Als er sich umdrehte, stand Sasha bereits neben dem Kamin. Es war erstaunlich, wie gut sie in diesen Raum zu passen schien. Es fiel ihm schwer, den Blick von ihr abzuwenden. Sie sah sehr elegant aus in ihrer perfekt geschnittenen weißen Hose und ihrem hellgrünen Top.

„Es ist unhöfflich, Leute so anzustarren.“

Ihre Worte brachen den Bann, unter dem er stand. „Du hast dich wirklich sehr verändert. Ich hatte dich ganz anders in Erinnerung.“ Die Veränderung war nicht nur äußerlich, da war noch etwas anderes, etwas, das er nicht in Worte fassen konnte.

Sie blinzelte verlegen und fragte: „Wirklich? Woran genau erinnerst du dich denn, Nick?“

„An unseren Kuss.“

Das verschlug ihr für einen Moment die Sprache. „Sagst du eigentlich immer gleich das, was du denkst?“

„Ich versuche lediglich, ehrlich zu sein.“

„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass man auch zu ehrlich sein kann?“

„Ich bin eben so, wie ich bin.“

„Allerdings. Das ist mir auch schon aufgefallen, so wie du dich nach dem Kuss benommen hast“, sagte sie angespannt.

„Warum? Weil ich dir keine Liebeserklärung gemacht habe? Man muss ja nicht gleich übertreiben.“ Es war ein unglaublicher Kuss gewesen. Aber letztendlich eben nur ein Kuss, sonst nichts. „Jetzt sag mir bitte nicht, dass ich damit dein Ego verletzt habe.“

„Was? Natürlich nicht!“, erwiderte sie schnell – vielleicht etwas zu schnell. „Es war aber mein erster Kuss von einem richtigen Mann. Bis dahin hatte ich nur Jungs in meinem Alter geküsst.“

„In der Zwischenzeit hast du wahrscheinlich viele Männer geküsst.“

„Was denkst du denn? Ich bin doch kein Mauerblümchen.“

„Das glaube ich gern. Ich kann mich noch gut an Randall erinnern. Du bist doch eine Zeitlang mit ihm ausgegangen, oder?“

Allein der Gedanke, dass sie mit einem anderen Mann zusammen war, schien ihn zu stören. Eigenartig. Schließlich konnte sie küssen, wen sie wollte. Das hatte schließlich nichts mit ihm zu tun.

Bis jetzt.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich glaube es einfach nicht. Wir haben uns sieben Jahre lang nicht gesehen, und das Erste, worüber wir uns unterhalten, ist dieser Kuss.“

Sasha errötete, und genau in diesem Moment betrat Iris das Zimmer, in der Hand ein silbernes Tablett mit zwei Kaffeetassen und einer Kanne. Sie setzten sich aufs Sofa und warteten, bis Iris die Tassen und die Kanne auf den Sofatisch gestellt hatte und den Raum verließ.

„Soll ich dir eine Tasse einschenken?“, fragte Sasha.

„Gern. Danke.“ Er lehnte sich zurück und bewunderte die natürliche Eleganz, mit der sie den Kaffee einschenkte. Erneut kam ihm der Gedanke, dass sie wirklich wunderbar in diese Umgebung passte. Er lächelte gequält. Schließlich war das nicht seine Idee, sondern die seines Vaters gewesen.

„Wie lange warst du eigentlich in London?“, fragte er, während Sasha ihm die Kaffeetasse reichte.

„Fünf Jahre.“

„Du warst zwanzig, als du fortgegangen bist. Ganz schön jung, um allein in einer großen und fremden Stadt zu leben.“

„Ich habe dort nicht allein gelebt“, erwiderte sie. Für einen kurzen Moment stockte ihm der Atem. Hatte sie etwa mit einem Mann zusammengewohnt?

„Meine Tante besitzt ein Apartment in London und hat mich für eine Weile bei sich wohnen lassen. Dann habe ich selbst eine Wohnung gemietet.“ Sie nahm ihre Tasse und hielt einen Moment inne. „Unsere Väter sind doch befreundet. Ich bin sicher, dein Vater hat dir das alles bereits erzählt.“

„Hat er wahrscheinlich auch“, erwiderte er. Im Stillen ärgerte er sich immer noch über sich selbst. Warum störte es ihn, dass sie eventuell mit einem anderen Mann zusammengelebt hatte?

„Dann hast du wohl nicht richtig zugehört.“

Ganz schön frech. Normalerweise war er derjenige, der die Leute zurechtwies. „Das ist ja schon fünf Jahre her. Habe ich wohl in der Zwischenzeit wieder vergessen.“

Sie sah ihm in die Augen. „Natürlich.“ Ihr Tonfall verunsicherte ihn. Bevor er genauer darüber nachdenken konnte, stellte sie ihre Kaffeetasse auf den Tisch und fuhr fort: „Also. Könntest du mir jetzt bitte sagen, was dein Vater mir ausrichten wollte? Ich habe noch eine ganze Menge zu tun und will mich gleich wieder an die Arbeit machen.“

Schön. Das würde ich auch gern, überlegte er. Bedächtig stellte er seine Tasse auf den Tisch und lehnte sich zurück. Er sah sie an und war auf ihre Reaktion gespannt. „Eigentlich ist es eher eine Bitte als eine Nachricht.“

Erstaunt sah Sasha ihn an. „Er möchte mich um etwas bitten?“

„Ja.“ Er zögerte einen Moment und versuchte sich an die Worte zu erinnern, die er sich in dieser Nacht zurechtgelegt hatte. „Hat mein Dad dir erzählt, dass er und meine Mutter sich eine Wohnung in der Stadt nehmen wollen?“

Sie war überrascht. „Nein, das ist mir neu. Möchte er das Haus etwa verkaufen? Soll es deswegen renoviert werden?“

„Nein, er wird es nicht verkaufen. Das Anwesen soll weiterhin im Familienbesitz bleiben. Er möchte, dass ich es bekomme.“

Ihre Augen begannen zu strahlen. „Das ist doch wundervoll, Nick! Es ist so ein schönes Haus. Ich bin immer sehr gern hier gewesen.“

Er verspürte ein leichtes Kribbeln im Bauch. „Das könntest du auch weiterhin.“

Sie zögerte. „Wie meinst du das? Soll ich es mieten?“

„Wir könnten zusammen hier leben.“

„Wir? Zusammen?“

„Er möchte, dass ich dich heirate, Sasha.“

Erschrocken zuckte sie zusammen. „Das kann nicht dein Ernst sein!“

Genauso sah er das auch. Was hatte sich sein Vater da nur in den Kopf gesetzt? Das Ultimatum seines Vaters bewirkte, dass er, Nick, sich fühlte, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Und dieses Gefühl mochte er gar nicht.

„Wie kommt er denn darauf?“, fragte Sasha erstaunt.

„Er würde mir gern das Haus geben, will aber sicher sein, dass ich die Familientradition weiterführe. Ihm ist bewusst, dass ich im Moment noch nicht bereit bin, mich zu binden und sesshaft zu werden. Darum hat er mir ein Ultimatum gestellt. Wenn ich dich nicht heirate, bekommt Matt das Haus.“

Sie schüttelte den Kopf. „Matt passt doch gar nicht hierher. Nicht so wie du.“

Es war nett von ihr, das zu sagen.

„Also ehrlich, Nick. Warum hat er denn ausgerechnet mich ausgesucht, um deine Frau zu werden?“

„Aus irgendeinem Grund denkt er, du würdest perfekt zu mir passen.“

Für einen kurzen Moment sah sie ihn nachdenklich, ja geradezu versonnen an. „Wirklich?“ Dann straffte sie sich und fuhr sich entschlossen durchs Haar. „Das ist zwar sehr schmeichelhaft, aber wir beide sind uns doch im Klaren darüber, dass diese Idee vollkommen absurd ist. Es ist reiner Zufall, dass seine Wahl auf mich gefallen ist. Ich war eben gerade zur Stelle.“

„Ja, das sehe ich auch so“, erwiderte er und freute sich, dass sie in dieser Situation so sachlich blieb. Es lief wirklich alles so, wie er es geplant hatte. Sie würden sich beide nicht mit dem ganzen emotionalen Ballast herumquälen müssen, so wie die meisten verheirateten Pärchen.

„Und, was hast du jetzt vor, Nick?“

„Ich werde dich heiraten.“

Sie wurde plötzlich ganz blass. „Ach, wirklich?“

Nick hatte sich fest vorgenommen, seinem Vater diesen Wunsch zu erfüllen. Sasha würde sicherlich bald einsehen, dass es auch für sie das Beste war. „Es ist ihm ernst damit, Sasha. Er möchte, dass einer seiner Söhne in diesem Haus wohnt, und er möchte, dass sich unsere Familien verbinden.“

Entschieden schüttelte sie den Kopf. „Nein.“

„Mir gefällt diese Idee auch nicht besonders. Ehrlich gesagt hatte ich nie vor zu heiraten. Ich bin gern Single.“

„Das geht mir genauso.“

Das erstaunte ihn. Die meisten Frauen, die er kannte, hatten immer eine feste Beziehung gewollt, nicht nur ein Abenteuer. Auch die Karrierefrauen. Im Prinzip würden sie alle gern heiraten, auch wenn sie das Gegenteil behaupteten.

„Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast. Mein Vater hatte vor sechs Monaten eine Herzattacke. Es war nur eine leichte, aber er befürchtet, dass die nächste sein Ende bedeuten könnte. Er möchte mich vor dem Traualtar sehen, bevor er stirbt. Deswegen hat er sich diesen Plan zurechtgelegt.“

„Nick, ich mag deinen Vater wirklich sehr gern, und das mit der Herzattacke tut mir leid. Aber ich kann dich nicht heiraten.“

Verärgert stieß er hervor: „Dann wird Matt wohl das Haus bekommen. Da kannst du dich schon mal auf eine umfangreiche Modernisierung des Anwesens einstellen, wenn du es umgestaltest.“

Er konnte sehen, dass auch sie von dieser Idee nicht gerade begeistert war. „Red doch noch mal mit deinem Vater, Nick. Vielleicht lässt er dich jemand anders heiraten.“

Plötzlich wollte er gar keine andere Frau. „Ich kenne doch meinen Vater. Seine Wahl ist nun einmal auf dich gefallen, und das werde ich ihm nicht ausreden können. Er kann ein richtiger Dickkopf sein.“

„Genau wie ich.“

„Sasha, bitte …“

Hastig stand sie auf. „Nick, hör auf damit.“ Sie straffte sich und sah ihn entschlossen an. „Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich jetzt gern weiterarbeiten. Egal, wer das Haus dann letztendlich bekommt.“

Mit diesen Worten verließ sie den Raum. Am Geräusch ihrer klappernden Absätze erkannte Nick, dass sie über den langen Flur in Richtung Küche lief.

Nick lehnte sich zurück und dachte darüber nach, was gerade passiert war. Er war es nicht gewohnt, zurückgewiesen zu werden. Seltsam, dass es eine Frau gab, die seinen Heiratsantrag einfach so ablehnte. Die meisten seiner weiblichen Bekannten und Liebschaften hätten sofort freudestrahlend Ja gesagt.

Aber wenn er heiraten würde, dann würde Sasha Blake ebenfalls den Bund fürs Leben eingehen.

Und zwar mit ihm.

Er würde schon einen Weg finden, sie umzustimmen. Schließlich bekamen die Valente-Männer immer das, was sie wollten.

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