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Hochzeit in Venedig

1. KAPITEL

„Dein Problem ist, dass du kein bisschen risikobereit bist“, sagte Dulcie.

„Wer? Ich?“ fragte Justine unschuldig. „Ich gehe ständig Risiken ein. Erst letzten Monat habe ich mir fast den Hals gebrochen, als ich über einem Kliff hing, um einen Gorilla zu fotografieren.“

Unter ihnen glitzerte die blaue Lagune in der Morgensonne, als der Flieger aus England zur Landung auf dem Flughafen von Venedig ansetzte.

„Ach, Gorillas! Kliffs!“ tat Dulcie derart belanglose Gefahren leichthin ab. „Du bist professionelle Fotografin. Ich weiß, dass du Risiken dieser Art nicht scheust. Ich rede von Menschen.“

„Du meinst Männer“, korrigierte Justine. „Also gut, reden wir über Männer. Keine Frage, dass sie ganz unterhaltsam sind - auf ihre Weise.“

„Woher willst du das wissen, wenn du nie Zeit für sie hast?“ neckte ihre Freundin sie.

„Du weißt doch, dass ich ständig beruflich unterwegs bin. Deshalb müssen sich derartige Vergnügungen natürlich meinem Terminplan unterordnen - rein aus gesundem Menschenverstand.“

„Davon hast du viel zu viel“, tadelte Dulcie. „Und das hindert dich daran, wirklich zu leben. Wann wirst du dich endlich wieder trauen, das Glück einfach beim Schopf zu packen?“

„So wie du, willst du sagen? Ein Augenzwinkern von einem charmanten Italiener, und ich bin geliefert?“

„Guido ist kein Italiener. Er ist Venezianer!“

„Macht das einen Unterschied?“

„Und ob! Sie … zwinkern anders. Irgendwie intensiver. Aber das wirst du schon selbst herausfinden.“

Nachdem sie das Flugzeug verlassen hatten, hastete Dulcie durch den Zoll und warf sich überglücklich in die Arme ihres wartenden Verlobten. Justine lächelte amüsiert und nahm sich bewusst Zeit, um ihre Fotoausrüstung auf Vollständigkeit und Unversehrtheit zu überprüfen. Sie war nach Venedig gekommen, um Bilder von der Hochzeit ihrer Freundin zu machen.

Da Guido in Venedig lebte und Dulcie in England, hatten sich die beiden seit Wochen nicht gesehen, und so war es nur verständlich, dass sie kaum voneinander lassen konnten. Justines Lächeln vertiefte sich, während sie einen Schminkspiegel aus der Tasche zog und prüfend ihr Äußeres betrachtete.

Ihr leuchtend rotes Haar, das einen herrlichen Kontrast zu den smaragdgrünen Augen bildete, trug sie zu einem klassischen Knoten aufgesteckt. Trotz der langen Reise wirkte sie frisch und ausgeruht.

Die Liebenden hatten sich inzwischen voneinander gelöst, lachten glücklich und etwas verlegen, und Dulcie stellte Guido Justine vor. Guido hieß die Freundin seiner Verlobten herzlich willkommen und geleitete die beiden Damen aus dem Flughafengebäude, das direkt am Rand der Lagune lag.

„Die Stadt selbst liegt dort drüben“, erklärte Guido. „Wir fahren mit dem Motorboot hin. Hier erreicht man fast alles über die Wasserstraßen. Die langen Lastboote zum Beispiel beliefern die Geschäfte und Hotels mit allem, was sie brauchen.“

Eines dieser Boote lag direkt neben ihnen. Auf dem Kai warteten etliche Kisten mit Weinflaschen darauf, verladen zu werden. Ein Mann stand mit einem Fuß auf dem schwankenden Schiff, mit dem anderen auf den nassen Steinstufen des Anlegers und hievte eine Kiste nach der anderen an Bord. Seine Füße waren ebenso nackt wie sein braun gebrannter Oberkörper. Die abgeschnittenen Jeans ließen bemerkenswert muskulöse Schenkel sehen.

Er mochte Anfang dreißig sein, war groß und schlank und hantierte so lässig mit den Weinkisten, als wären sie ...

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