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Hochzeit auf griechisch

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Carly Phillips

Hochzeit auf griechisch

Roman

Aus dem Amerikanischen von

Judith Heisig

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2. KAPITEL

Ryan begriff so fort, dass seine Deckungaufgeflogen war, und sein Magen zog sich zusammen. Er war zwar erleichtert, dass er die Täuschung beenden konnte, doch er erwartete zugleich die Auseinandersetzung, die folgen würde. Er hatte sich während der ganzen Autofahrt von Boston hierher darauf vorbereitet.

Er blickte Zoe an. Die freundliche, charmante Frau von eben war verschwunden. Stattdessen schlug ihm aus den tiefen grauen Augen, die ihn noch vor zehn Minuten mit Wärme und Interesse angesehen hatten, nun kühle Verachtung entgegen.

„Wer zum Teufel sind Sie?“, fragte Zoe erneut.

Ryan begrüßte das Eingreifen des Schicksals. „Ich bin Sams Onkel.“

„Sam hat keine Familie.“ Sie verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust. „Wollen Sie sich vielleicht eine andere Lüge ausdenken?“

„Das ist die Wahrheit. Meine Schwester Faith war Sams Mutter.“

„Sams Mutter hieß Sara.“

Er holte die Unterlagen von dem Privatdetektiv aus der Tasche und gab sie ihr.

Zoe blätterte durch die Papiere, die sowohl ihre als auch seine Worte bestätigten, und wurde blass. „Ich nehme an, dies sind Kopien?“

Er nickte. „Sie können sie gerne behalten.“

Sie rollte sie zusammen und behielt sie in einer Hand. „Selbst wenn Sie die Wahrheit sagen, finden Sie nicht, dass Sie sich verdammt viel Zeit gelassen haben, hier vorbeizukommen?“

„Faith lief mit siebzehn von zu Hause fort. Damals war ich erst dreizehn. Sie hatte mit Drogen zu tun und änderte ihren Namen so oft, dass sich ihre Spur verlor. Aber das macht keinen Unterschied. Sam ist meine Nichte.“

„Und?“ Sie spuckte das Wort förmlich aus.

„Und ich möchte sie nach Hause bringen.“

„Was, wenn Sam das nicht möchte? Nachdem sie jahrelang hin- und hergeschoben worden ist, hat sie endlich eine Familie gefunden. Hier. Mit uns.“

Ryan hatte sie schon vor seiner Enthüllung begehrt, doch ihr feuriges Temperament fachte das Verlangen in seinen Adern nur noch mehr an.

„Glauben Sie wirklich, Sie können hier auftauchen, mit irgendwelchen Dokumenten herumfuchteln, die Sie als Blutsverwandten ausweisen, und Sie mitnehmen? Denken Sie doch mal nach. Sie kommen Lichtjahre zu spät, um Sam auch nur ein bisschen gut zu tun.“

Er schluckte schwer, weil Zoe seine größten Ängste ausgesprochen hatte, doch das bedeutete nicht, dass er klein beigab. Er beugte sich vor zu ihr. „Kein Gericht dieser Welt wird es gegen mich verwenden, dass ich zu jung war, um Sam früher zu finden.“

Gericht? Zoe fühlte, wie das Blut aus ihrem Kopf wich und ihr schwindlig wurde. Ihre Familie mochte die Kontrollen eines Sozialarbeiters überstehen, doch wenn ein Richter wählen sollte zwischen diesem Mann, der mit Sam blutsverwandt war und untadelig normal wirkte, und ihrer verrückten Familie, dann hatte der Costas-Clan keine Chance.

Das begriff sie ebenso wie ihr die Konsequenzen von Ryan Baldwins Besitzansprüchen einleuchteten. Sie würde ihn so bald wie möglich überprüfen und Quinn und Connor auf die Vergangenheit und Gegenwart dieses Mannes ansetzen. Doch in der Zwischenzeit musste sie für sich und ihre Familie Zeit gewinnen.

Auf gar keinen Fall durfte er die Wahrheit gegenüber Sam oder dem Jugendamt enthüllen. „Sie glauben doch wohl nicht, dass Sie nur mit dem Finger schnipsen brauchen, und alles läuft nach Ihren Vorstellungen“, sagte sie zuckersüß.

Er zuckte die Achseln, doch die Bewegung drückte eine Arroganz aus, die sie vorher nicht an ihm bemerkt hatte. Nicht hatte bemerken wollen, das musste sie zugeben. Sie war darauf hereingefallen, dass er für den öffentlichen Dienst arbeitete, und sein gutes Aussehen hatte sie für ihn eingenommen.

Nun, da sie ihren kritischen, beruflichen Blick einsetzte, erkannte sie, dass sein europäischer Anzug für einen Sozialarbeiter zu teuer war und dass er einen leichten Neuengland-Akzent hatte, was bedeuten konnte, dass er im Notfall nicht nur die Absicht, sondern auch das nötige Geld hatte, um vor Gericht zu ziehen.

Die Costas hatten das nicht.

Sie nahm ihren Verstand, ihre Entschlusskraft und jedes Fünkchen Selbstbewusstsein zusammen, um sich ihm ebenbürtig zu zeigen. Ihre Familie und Sams Wohlergehen standen auf dem Spiel. „Okay, halten wir einige Punkte mal fest, ja?“

Er hob eine Augenbraue. „Nur zu.“

„Im Moment hat meine Familie das Sorgerecht für Ihre Nichte.“

„Ja.“ Er musterte sie mit diesen klugen braunen Augen.

„Ich bin mir sicher, dass Sie nicht davon ausgehen, dass wir Sam einem völlig Fremden übergeben, blutsverwandt oder nicht. Wir möchten wissen, was für ein Zuhause Sie ihr geben wollen. Ist das fair?“

Er senkte zustimmend den Kopf, antwortete allerdings nicht.

Sie musterte sein Gesicht eingehend. Am Zucken eines Kiefermuskels konnte sie ablesen, dass sie ihn irgendwie in die Enge getrieben hatte.

Sie beschloss, ihn noch weiter zu bedrängen. „Sind Sie verheiratet?“

„Nein.“

„Verlobt?“

Er schüttelte den Kopf.

„Dann sind Sie also Single. Interessant“, sagte sie in einem Ton, der nicht nur seine Fähigkeit, ein junges Mädchen aufzuziehen, in Frage stellte. „Sie sagten, dass Ihre Schwester fortging, als Sie jung waren, erwähnten aber keine andere Familie. Sind Ihre Eltern noch am Leben?“

„Ja.“ Seine Miene verschloss sich.

Sie runzelte die Stirn. „Das sind sie? Ja? Wissen sie, dass Sie Ihre Nichte gefunden haben?“

„Ja.“ Sein Kiefer verkrampfte sich kaum wahrnehmbar.

„Und doch sind sie nicht hier bei Ihnen.“

Er schwieg einen Moment, bevor er antwortete. „Wir dachten, es wäre am besten so.“ Das Zucken des Muskels wurde stärker.

Sie notierte sich im Geiste, dass Quinn tief in die Familiengeschichte eintauchen sollte. Wenn Ryan dreizehn gewesen war, als seine Schwester fortlief, was hatten dann die Eltern getan, um Faith zu finden, bevor die Spur kalt wurde? Ryan Baldwins Schweigen sagte mehr als alle Worte.

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