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Hitzewelle

1. KAPITEL

Ian Carlisle war besessen von einer Frau, die er nie getroffen hatte. Einer Frau, die ihn Nacht für Nacht mit ihrer betörenden Stimme verführte, sein Interesse weckte, seiner Libido mit den provozierenden und sehr erotischen Themen einheizte, die sie im Radio zur Diskussion stellte, und ihn mit ihrem heißen Geplänkel und den sexy Wortwechseln erregte.

Neuerdings war sie auch Teil seiner Träume, ein sicheres Zeichen dafür, dass es ihn schwer erwischt hatte. In seinen Fantasievorstellungen kam er nicht nur jeden Abend zu ihr nach Hause, er nahm sie auch noch jede Nacht mit ins Bett. Leider jedoch wachte er allein wieder auf, meistens hart vor Erregung und voller Sehnsucht nach Erfüllung seiner Träume. Sie übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf ihn aus und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Zehn Minuten blieben ihm noch bis zum Beginn ihrer Sendung, und er nutzte die Zeit zum Duschen. Eine Stunde lang hatte er gebraucht, den Stress eines langen Tages mit wichtigen Verhandlungen für seine Investmentfirma abzubauen, und genoss nun den kalten Wasserstrahl auf seinem erhitzten Körper. Sein Kopf war wieder klar, sein Körper entspannt und seine Gedanken ausschließlich auf sie gerichtet.

Genüsslich seifte er Brust, Bauch und Oberschenkel ein. Er war voller Vorfreude und konnte es kaum abwarten, ihre erotische Stimme zu hören und zu erfahren, was sie für die heutige Sendung zur Erbauung ihrer Zuhörer geplant hatte. Bei dem Gedanken an eine weitere Nacht mit erotischen Anspielungen, die sie genauso reizten wie ihn, wuchs seine Erregung.

Ihr nächtliches Ritual glich einer verbotenen Affäre, verbal gewagt und körperlich anregend. Eine Art Flirt, der amüsant, frivol und verwegen war. Ein spielerisches, aufregendes Intermezzo, das seine Gedanken von der Arbeit ablenkte und von den qualvollen Erinnerungen, die ihn jeden Abend heimsuchten, wenn es in seinem Penthouse zu still war.

So war er vor fast einem Monat auch eher zufällig auf Erica McCrees Nachtsendung im Radio gestoßen. In einem verzweifelten Versuch, die erdrückende Stille in seiner großen, leeren Wohnung zu füllen, hatte er seine Stereoanlage eingeschaltet und nach Musik gesucht. Stattdessen hatte er sie gefunden. Die witzige, freche und verführerische Art, mit der sie sexuelle Themen freimütig behandelte, machte nicht nur die ohnehin heißen Sommernächte in Chicago noch heißer, sondern brachte auch sein Blut in Wallung. Es war lange her, dass eine Frau eine solche Wirkung auf ihn ausgeübt und ihn körperlich so gereizt hatte.

Da er Ericas Eingangsmoderation nicht verpassen wollte, stellte er das Wasser aus, trat aus der Dusche und trocknete sich mit einem flauschigen grünen Handtuch ab, das zum Dekor seines Badezimmers passte. Nur mit seinen Lieblingsshorts bekleidet, ging er ins Wohnzimmer und schaltete seine Stereoanlage ein. Aus den in den vorderen Räumen strategisch günstig aufgestellten Lautsprechern ertönte die ernste Stimme des Nachrichtensprechers. Gleich würde Ericas Nachtsendung “Heat Waves” beginnen.

Ian nutzte die letzten Minuten und lief barfuß über den glänzenden Holzfußboden in die Küche, um sich ein kaltes Bier, sein Lieblingsgetränk, zu holen. Er nahm eine Flasche aus dem Kühlschrank und öffnete sie. Sein Blick war auf das Stück Papier gerichtet, das er mit einem Magneten an die weiße Kühlschranktür geheftet hatte. Das farbige Werbefoto von Erica McCree, das er auf der Webside des Radiosenders gefunden und ausgedruckt hatte, rief ein wachsendes Verlangen in ihm hervor. Ein Gefühl, das er immer verspürte, wenn er an sie dachte. Nachdem er Ericas Stimme im Radio genossen und mit ihr freimütig wie mit einem Liebhaber über intime Themen gesprochen hatte, war er neugierig geworden, wie sie aussah. Er wollte wissen, ob ihr Erscheinungsbild zu ihrer unglaublich wohltönenden Stimme und ihrem offenen Wesen passte.

Er war überrascht, aber keineswegs enttäuscht gewesen, als er ihr Foto fand. Ihm gefiel, was er sah, und er war fasziniert von dem Kontrast zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Während sie in ihrer Sendung den Eindruck einer sexerfahrenen Frau vermittelte, wirkte sie auf dem Foto sanft und feminin, und ein Hauch des Geheimnisvollen umgab sie, das ihn reizte und fesselte. Ihre dunkelbraunen Augen mit goldenen Flecken strahlten Fröhlichkeit aus, den Kopf hatte sie forsch zur Seite geneigt, sodass ihre blonden Haare in weichen Wellen auf ihre Schultern fielen. Und ihre schimmernden Lippen und das schelmische Lächeln erweckten bei ihm den Eindruck, als verberge sie eine Fülle von Geheimnissen vor ihren Zuhörern.

Wie gern würde er jedes einzelne Geheimnis aufdecken und erfahren, wer die wahre Erica McCree war – die Talkshowmoderatorin mit genug Erfahrung, um die provokativen Themen zu untermauern, oder eine sensible Frau, die sich verführerisch gab? Eine Frage, auf die er keine Antwort hatte – bisher.

Der Sprecher beendete die Kurznachrichten mit der Wettervorhersage und bat die Zuhörer, den Sender eingeschaltet zu lassen für die nächste Folge von “Heat Waves”. Es folgte die Werbung für ein örtliches Möbelgeschäft.

Ian ging zurück ins Wohnzimmer und blieb vor den Fenstern stehen, die vom Fußboden bis an die Decke reichten. Er trank einen Schluck von seinem Bier. Sechzehn Stockwerke hoch und nicht weit entfernt von der Uferstraße, hatte er einen unbezahlbaren Blick auf den Park und den Hafen von Chicago. Die in der Nacht glitzernden Lichter der Segelboote und Yachten auf dem Michigansee boten einen wunderschönen Anblick. Er lächelte schief, als er an seine Getränkeauswahl und die alten, fadenscheinigen Shorts dachte, die er trug. Beides passte nicht zu dem Luxus und dem Reichtum, der ihn umgab.

Noch immer erstaunte es ihn, dass er es in seinem Leben so weit gebracht hatte. Von dem armen Raufbold, dessen Mutter mehr an dem nächsten schnellen Schuss interessiert war als an dem Wohlergehen ihres Sohnes, zu einem erfolgreichen Geschäftsführer einer Investmentfirma. David Winslow, sein Mentor und Ersatzvater, hatte ihm die Leitung übergeben, als er in den Ruhestand trat. Armut lag weit hinter ihm, doch Ian hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass er mehr Geld besaß, als er jemals würde ausgeben können. Manchmal war es ihm schleierhaft, wie er so weit gekommen war, aber das lag vielleicht daran, dass die Schuldgefühle und die Trauer über einen schrecklichen, persönlichen Verlust ihn abgestumpft hatten.

Acht Jahre waren seit dem Tod seiner Verlobten vergangen. Und jeden Tag hatte er sich dazu gezwungen, an nichts anderes zu denken als an Aktien, Wertpapiere, Investmentfonds und Möglichkeiten, für seine Kunden das große Geld zu machen. Er hatte überhaupt nicht realisiert, in welch ermüdenden, langweiligen Trott er verfallen war – bis er auf Erica McCree stieß. Ihre prickelnde Verbindung über das Radio versetzte ihm einen Energiestoß und begeisterte ihn, wie es kein Finanzgeschäft vermochte. Sie gab ihm etwas, worauf er sich am Ende eines anstrengenden Tages freuen konnte – Aufregung, Nervenkitzel und ein heftiges körperliches Verlangen, das ihn zum Leben erweckte, nachdem er über Jahre innerlich wie tot gewesen war.

Mit einem tiefen Seufzer leerte er sein Bier und betrat das Wohnzimmer gerade in dem Moment, als Erica mit den einleitenden Worten begann und das Thema ihrer heutigen Nachtsendung bekannt gab.

“Hier ist WTLK mit Erica McCree, und Sie hören Chicagos prickelndste Talkshow ‘Heat Waves’. Eine Sendung wie unser Wetter: heiß, feucht, schwül.” Ihre Stimme wurde leise und betörend, und die nächsten Worte kamen wie ein zufriedenes Schnurren über ihre Lippen. “Hmm, das klingt nach einer Nacht mit aufregendem Sex, nicht wahr?”

Das heisere, feminine Lachen, das aus den vier Lautsprecherboxen seiner Anlage ertönte, umgab ihn und wärmte ihn auf eine Art und Weise, wie es das Wetter nicht vermochte.

“Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen, die uns zu unserem heutigen Thema führt. Kürzlich hatte ich ein Rendezvous, und der Typ, mit dem ich verabredet war, telefonierte fast die ganze Zeit mit seinem Handy”, erzählte sie ihren Zuhörern. Ihre Stimme klang eher amüsiert als verärgert. “Und wenn er nicht telefonierte, sah er sich nach anderen Frauen um. Am Ende des Abends erwartete er jedoch mehr als nur einen Gutenachtkuss. Übrigens … er bekam weder das eine noch das andere.”

Ian schmunzelte über Ericas Geschichte und die Tatsache, dass es ihr anscheinend Spaß gemacht hatte, die Annäherungsversuche des Mannes zurückzuweisen, nachdem er sie den ganzen Abend nicht beachtet hatte. Er konnte ihr nicht verdenken, dass sie diesem Kerl einen Korb gegeben hatte. Im Gegenteil, er war froh, dass sie zumindest die eine Nacht allein verbracht hatte.

“Nach diesem Erlebnis habe ich mich gefragt, was ein Mann eigentlich sexy an Frauen findet. Was weckt sein Interesse? Was bringt ihn dazu, wieder anzurufen? Und schließlich, was törnt ihn im Bett an und was nicht? Also, Männer, wie ist das bei euch? Was muss eine Frau haben, damit ihr Lust auf mehr verspürt?”

Die Frage hing in der Luft und regte die Fantasie an, während leise Musik erklang und ein Werbeblock folgte. Ian stellte die leere Bierflasche auf den Tisch, griff nach seinem schnurlosen Telefon und machte es sich auf der Couch bequem. Das feine Wildleder streichelte seine nackte Haut und erhöhte die Vorfreude in ihm, während er über Ericas Frage nachdachte. Warum schaltete er Nacht für Nacht ihre Sendung ein? Warum rief er immer wieder an? Und schließlich, was törnte ihn an?

Sie würde es herausfinden, wenn er an der Reihe war, mit ihr über das Thema des Abends zu sprechen.

Wenige Minuten später war sie mit dem ersten Anrufer auf Sendung. “Also, Derek, was weckt Ihr Interesse und lässt das Feuer lodern, wenn es um eine Frau geht?”

“Lange Beine, die in Stilettos stecken, und große Brüste in engen Shirts machen mich an.”

“Eine intelligente Unterhaltung ist also nicht wichtig”, kommentierte Erica scherzhaft. “Müssen die Brüste echt sein, oder darf es auch Silikon sein?”

“Ganz egal. Je praller, desto besser.”

“Hmm, schön, ich denke, damit ist die Hälfte der weiblichen Bevölkerung aus dem Rennen, ich eingeschlossen”, meinte sie humorvoll, und Ian stellte sich vor, dass sie nachsichtig lächelte. “Danke für Ihren Anruf, Derek. Als Nächstes hören wir Larry. Was törnt Sie an?”

“Ich mag Frauen, die in der Öffentlichkeit zurückhaltend und sittsam sind, im Bett aber wild und hemmungslos.”

“Sie verlangen viel. Normalerweise hat man das eine oder das andere.”

Machohaft erwiderte Larry: “Frauen sollte man in der Öffentlichkeit weder sehen noch hören, sie sollten jedoch meine Bedürfnisse im Bett erfüllen.”

“Ich wusste gar nicht, dass einige von uns immer noch im finsteren Mittelalter leben”, erwiderte sie leichthin. “Ich bin sicher, die Frau, die Sie suchen, gibt es irgendwo. Geben Sie also die Suche nicht auf. Viel Glück, Larry.”

Sie unterbrach die Verbindung und nahm den nächsten Anruf entgegen. “Willkommen in der Show, Kent”, grüßte Erica. “Was ist Ihre Meinung zu dem Thema?”

“Ich achte auf den Gang einer Frau. Damit hat auch meine derzeitige Freundin mein Interesse geweckt. Wenn eine Frau selbstbewusst und selbstsicher ist, geht sie hocherhobenen Hauptes, die Schultern sind gerade, und sie hat einen ganz besonderen Hüftschwung. Selbstbewusstsein törnt mich an, besonders wenn sich dieses Selbstbewusstsein auch beim Sex zeigt.”

“Wow, das gefällt mir”, entgegnete sie ernsthaft. “Ladys, merkt euch das. Ich denke, Kent hat etwas gesagt, an das ihr vielleicht denken solltet, wenn ihr die Aufmerksamkeit eines Mannes auf euch ziehen wollt. Lasst euren Körper sprechen. Selbstbewusstsein ist sexy. Jeder Mann wird sich fragen, was steckt hinter dem selbstbewussten Äußeren. Er sollte es herausfinden, wenn er die äußere Hülle abstreift. Strapse, Teddys, winzige durchsichtige Slips – die Palette der Möglichkeiten ist endlos, und ohne Zweifel wird er dieses Extrabonbon zu schätzen wissen.”

Bilder von Erica in sündhaft erotischen Dessous, wie die Models in einem Männermagazin sie trugen, drängten sich ihm auf. Er stellte sich vor, wie sie auf seinem Bett lag, die sanften Rundungen ihres Körpers mit Seide und Spitze verhüllt, die zarte Haut von dem hauchdünnen Material gestreichelt, die sinnlichsten Punkte des weiblichen Körpers betont. Ihre Haare würden sich wie ein Fächer auf seinem Kissen ausbreiten, und der einladende Blick in ihren Augen würde das Lächeln ihrer Lippen unterstreichen, die zu sagen schienen: Ich will dich.

Die erotischen Fantasien erregten ihn, und sein Pulsschlag beschleunigte sich. Er rutschte ein wenig auf dem Sofa hin und her, als sein Körper auf die virtuelle Stimulation reagierte, und verdrängte die lustvollen Gedanken, um sich wieder auf die Sendung zu konzentrieren. Er amüsierte sich über die verschiedenen Antworten, die Erica von den männlichen Anrufern bekam, und auch von einigen weiblichen Zuhörern, die es für notwendig erachteten, ihre Meinung zu dem Thema kundzutun. Die Antworten der Anrufer waren mannigfaltig und aufschlussreich und Ericas Entgegnungen schlagfertig, spielerisch und manchmal ein wenig frivol.

Um Viertel vor elf unterbrach Erica die Sendung für den nächsten Werbeblock. Genau in dem Moment griff Ian zu seinem Telefon und wählte die Nummer des Senders. Jetzt war er an der Reihe, seine Meinung zu dem Thema zu äußern und Ericas Fantasie anzuregen mit seiner Erklärung, was er an Frauen sexy fand – an ihr. Und was seine Lust nach mehr weckte.

Der Spaß konnte beginnen.

Erica drehte das Mikrofon ab, nahm den Kopfhörer ab und lehnte sich seufzend in ihrem Stuhl zurück. Es war stickig in dem kleinen Senderaum, und sie hob ihre Haare im Nacken, in der Hoffnung, dass etwas Luft an ihre feuchte Haut kam. Die alte Klimaanlage des Senders war wieder einmal kaputt, was keinen der Angestellten in der fünften Etage des Gebäudes mitten in Chicago überraschte. Nachdem die Anlage den ganzen Tag über auf Hochtouren gelaufen war, spuckte sie jetzt nur noch sporadisch kühle Luft aus – Momente, die Erica genoss.

Sie hatte einen kurzen Jeansrock und eine dünne Bluse getragen, da aber außer ihr und Carly, der Produzentin, und einem bezahlten Wachposten niemand mehr im Haus war, hatte sie sich bis auf ihren Body ausgezogen. Gut, dass ihre Anrufer von diesem unschicklichen Verhalten niemals erfahren würden.

Sie behielt den Monitor im Auge, um das Ende des Werbeblocks nicht zu verpassen, holte eine Spange aus der Schublade und befestigte ihre Haare damit. Dann warf sie einen Blick nach links, wo Carly in einem Glaskasten saß und die eingehenden Anrufe für das nächste Segment der Sendung entgegennahm.

Der Radiosender war eine kleine Anstalt ohne besondere Ausstattung, und jeder musste mehr als einen Job übernehmen, damit sie überhaupt über die Runden kamen. Obwohl die Bezahlung nur mittelmäßig war, hatte Erica Spaß an ihrem Job, machte sich langsam einen Namen und war finanziell unabhängig, während ihre Schwester und ihre Mutter nicht wussten, wie sie für ihren Lebensunterhalt aufkommen sollten.

Vor drei Jahren war sie von Kalifornien nach Chicago gezogen, nach Beendigung einer Beziehung, die sie in zu große Abhängigkeit versetzt hatte. Nie hatte sie tun können, was ihr wirklich wichtig war, und sie fand, dass es ihr als Single besser ging. Ihren ersten Job als Moderatorin hatte sie bei einem Musiksender bekommen und hatte die mörderische zweite Nachtschicht von zwei bis sechs Uhr morgens übernommen. Nachdem sie zwei Jahre lang bei jeder Beförderung übergangen und auch zu keiner angenehmeren Zeit eingesetzt worden war, begann sie, einen neuen Job zu suchen. Sie bewarb sich aus einer Laune heraus bei WTLK und wurde eingestellt.

Es war immer ihr Traum gewesen, Moderatorin einer Radiotalkshow zu sein, und der damalige Besitzer des Senders, Marvin Gilbert, hatte ihr freie Hand gelassen – verdammt sei sein schwaches Herz, das schuld an seinem Tod vor drei Monaten war. Er hatte ihre Entscheidung, etwas Erotisches und Amüsantes ins Programm zu nehmen, unterstützt, während Virginia, die hochnäsige junge Frau, die er vor zwei Jahren geheiratet hatte, die Stirn über solch einen “Schund” gerunzelt hatte. Tatsache war, dass ihr gar nichts an dem Sender, dem Programm und den Leuten, die für ihren Mann arbeiteten, gefiel.

Jetzt, da Marvin tot war, blieb abzuwarten, welche Pläne Virginia mit dem Sender und den Angestellten hatte. Die meisten befürchteten, dass sie bis Ende des Jahres arbeitslos waren.

“Alles okay?”, fragte Carly über die Sprechanlage.

In zwei Minuten würde die Talkshow weitergehen. “Es wäre nicht schlecht, wenn Virginia eine neue Klimaanlage springen ließe, damit wir bei dieser Hitze nicht irgendwann schmelzen oder einen Hitzschlag bekommen.”

Carly schnaubte verächtlich. “Du weißt doch, was für ein Geizkragen sie ist. Außerdem hat sie klar und deutlich gesagt, dass sie keinen Pfennig für irgendwelche Reparaturarbeiten ausgeben wird, wenn es nicht unbedingt sein muss. Marvin ist tot, und er hat ihr längst nicht so viel vererbt, wie sie erwartet hatte.”

Erica musste grinsen, als sie sich an Virginias kindische Tirade erinnerte, nachdem Marvins Testament verlesen worden war, und sie feststellen musste, dass er den größten Teil seines Geldes verjubelt hatte. Entsetzt erkannte sie, dass ein heruntergekommener Radiosender das Wertvollste war, was sie erbte.

“Ich vermisse den alten Kauz”, seufzte Erica.

“Das tun wir alle”, stimmte Carly traurig zu. Dann nahm sie einen weiteren Anruf für Ericas Show entgegen.

Erica griff nach der Wasserflasche und trank einen Schluck von dem lauwarmen Getränk, das ihre Kehle zwar befeuchtete, ihren Durst aber nicht löschte. “Verdammt, ist es heiß hier drinnen”, fluchte sie und wünschte, sie hätte noch genügend Zeit, sich ein Eis zu holen.

“Mach dich bereit, Süße. Gleich wird es noch heißer.” Carly zog die Augenbrauen vielsagend hoch. “Dieser heiße Typ ist auf Leitung drei.”

Erica warf einen Blick auf die Wanduhr und wusste im gleichen Moment, auf wen ihre Freundin anspielte. “Du weißt doch gar nicht, ob Ian wirklich so heiß ist.”

“Ein Mann mit so einer tiefen, erotischen Stimme muss es einfach sein. Allein bei dem Gedanken daran schlägt mein Puls schneller.” Auf der anderen Seite der dicken Glasscheibe, die die beiden Frauen voneinander trennte, täuschte Carly ein erregtes Beben vor. “Und ich spreche nicht nur von dem Pulsschlag an meinem Handgelenk.”

Erica verdrehte die Augen, konnte jedoch nicht leugnen, dass ihr nächtlicher Anrufer die gleiche Wirkung auf sie selbst hatte. Aber es lag nicht nur an seiner erotischen Stimme, dass sie ein Prickeln und schamloses Verlangen verspürte. Es war die Art, wie er ihr mühelos das Gefühl vermittelte, seine ganze Aufmerksamkeit richtete sich nur auf sie, und ihr sexy Wortwechsel wäre lediglich das Vorspiel zu einer pikanten Affäre.

Ein lächerlicher Gedanke, denn sie hatte nicht die Absicht, sich jemals mit ihm zu treffen. Nicht, dass sie ihn als aufdringlichen Fan betrachtete, aber sie wollte nicht diese seltene Spannung zwischen ihnen zerstören, dieses Knistern, das selbst im Radio zu spüren war. Er war ein ergötzliches, aufregendes Fantasiegebilde, eins, das sie mit ihren Zuhörern teilte.

Sie hatte vor Jahren gelernt, dass es sicherer war, sich in sexy Tagträumen und nächtlichen erotischen Fantasien zu ergehen, als sich wirklich mit Männern einzulassen. In ihrer Fantasie war normalerweise alles viel schöner als in der Realität. Bester Beweis war der egozentrische Typ, mit dem sie sich neulich getroffen und der ihr die Vorlage für das Thema des heutigen Abends geliefert hatte.

“Du und ich, wir wissen doch beide, wie sehr eine Stimme täuschen kann”, erinnerte sie Carly. “Ein Mann mit einer so unglaublichen Stimme wie Ian hat wahrscheinlich Defizite im Aussehen. Er kann schließlich nicht alles haben.”

“Wahrscheinlich hast du recht”, stimmte Carly zu und grinste. “Aber es ist eine schöne Fantasievorstellung, und ich wäre dir dankbar, wenn du mir diese Illusion nicht rauben würdest.”

Erica wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und warf ihrer Freundin einen warnenden Blick zu. “Hey, du bist mit einem heißen Typen liiert, also lass diese Fantasien über meine Anrufer.”

Carly zwinkerte ihr zu. “Oh, oh, was sind wir besitzergreifend in Hinblick auf Mr. Sexy Voice.”

“Ich mache mir nur Sorgen um Dans Wohlergehen.” Dan war der Geschäftsführer des Senders, ein wirklich feiner Kerl und Carlys Liebhaber. Die beiden hatten monatelang die gegenseitige Anziehungskraft ignoriert, waren aber schließlich zusammengekommen, als Erica Dan eines Abends einlud, mit ihnen gemeinsam einen bekannten Nachtclub zu besuchen. Carly und Dan hatten den ganzen Abend nur getanzt und waren seither ein Paar.

Carly zuckte sorglos mit den Schultern. “Nun, wenn Dan nicht möchte, dass ich nach anderen sexy männlichen Stimmen lechze, dann muss er sich anstrengen, wenn du verstehst.”

Erica setzte den Kopfhörer auf. Ihr Finger war nur wenige Zentimeter von dem Schaltknopf entfernt, der sie wieder auf Sendung brachte. “Ihr habt noch nicht zusammen geschlafen?” Sie konnte ihre Überraschung nicht verbergen.

“Nein. Er sagt, er will nichts übereilen, sondern langsam an die Sache herangehen. Er schafft es viel besser, sich zu beherrschen, als ich”, sagte sie frustriert, dann seufzte sie jedoch glücklich. “Andererseits ist das Vorspiel so unglaublich, dass ich viel entspannter bin, wenn du weißt, was ich meine.”

Erica musste lachen. Oh ja, sie wusste genau, worauf Carly anspielte – jede Menge Höhepunkte, immer anders, immer neu. “Ich beneide dich wirklich.” Ericas sexuelle Vergangenheit bestand aus zu vielen unbefriedigenden Erfahrungen. Obwohl sie nichts gegen schnellen, heftigen Sex einzuwenden hatte, wünschte sie doch häufig, sie könnte einen Mann finden, der sie mit den Händen verwöhnte und nicht nur kurz fummelte und eine tiefe Sehnsucht in ihr zurückließ. Eines dieser seltenen Exemplare der männlichen Rasse, das das langsame Anschwellen der sexuellen Erregung zu schätzen wusste.

Jemand wie Ian.

Sie verwarf den verführerischen Gedanken ebenso schnell, wie er gekommen war. “Genieße Dans Aufmerksamkeit und all die sexuelle Spannung, die schließlich im großen Finale endet. Und sei froh, dass du nicht mit diesen batteriebetriebenen Erfindungen vorlieb nehmen musst, um deine körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen.”

“Verstehe, was du meinst, aber ich bin jetzt entschlossen, dem Kerl so einzuheizen, dass er mich schließlich um Erlösung anfleht.” Carly drückte einige Knöpfe auf ihrer Konsole und hielt die Hand hoch. Die Finger gespreizt, damit Erica sie sehen konnte. “Fünf Sekunden noch, bis wir mit Mr Sexy Voice auf Sendung sind. Wie jeder andere auch, der in den letzten Wochen deine Talkshow gehört hat, kann ich es kaum abwarten, was er zu dem heutigen Thema zu sagen hat.”

Erica war gleichermaßen neugierig darauf zu erfahren, was Ian an einer Frau reizte. Sie sehnte seinen Anruf herbei und freute sich auf den erotischen Wortwechsel, der sich normalerweise aus ihrer Unterhaltung ergab. Ihr Herz schlug ein wenig schneller, während sie Carly beobachtete, die die Sekunden rückwärts mit ihren Fingern zählte. Schließlich hatte sie die Hand zur Faust geballt, das Zeichen für Erica, dass ihre Show begann.

“Sie hören ‘Heat Waves’ mit Erica McCree auf Radio WTLK. Unser Thema heute: Was macht eine Frau unwiderstehlich? Was wünscht sich ein Mann von ihr?”, sprach sie ins Mikrofon, als die letzten Töne der Musik verhallt waren. “Wir haben bereits einige interessante Anrufe zu dem Thema bekommen. Ich habe schon viel gelernt, aber vielleicht gibt es noch mehr. Wenn Sie ‘Heat Waves’ regelmäßig verfolgen, dann kennen Sie meinen nächsten Gesprächspartner bereits. Er ist schon fast Stammgast in meiner Show.”

Sie drückte den Knopf für Leitung drei, und ihr Traummann war auf Sendung. “Hallo, Ian. Wie fühlen Sie sich heute Abend?”

“Heiß.”

Sie lachte. “Ist uns nicht allen heiß bei diesem Wetter? Oder gibt es bei Ihnen einen anderen Grund dafür?”, forderte sie ihn heraus.

“Ich sitze in einem klimatisierten Raum, deshalb kann die Hitze in mir nicht mit dem Wetter zusammenhängen.”

Ihr entging die Anspielung in seinen Worten nicht, und sie erschauerte. “Vielleicht hilft eine kalte Dusche.”

“Das habe ich schon probiert. Sie brachte nur kurzfristig Erleichterung.”

Oh, er war ein schlimmer Junge. Und sehr, sehr gut. “Ich bin froh, dass die Hitze Sie nicht davon abgehalten hat anzurufen. Wir möchten gern wissen … was ist das Erste, das Sie bei einer Frau bemerken, und was fesselt Sie auch noch nach dem ersten Blick?”

“Intelligenz und Sinn für Humor sind ausschlaggebend für mein erstes Interesse”, antwortete er nachdenklich. “Und ein fröhliches Lachen. Lachen löst Spannungen.”

“Genau wie guter Sex.” Kaum hatte Erica die Worte ausgesprochen und über den Äther geschickt, senkte sie den Kopf und schüttelte ihn. Wie kam sie dazu, von gutem Sex zu reden? Sie hatte doch überhaupt keine Ahnung davon! Doch das mussten ihre Zuhörer nicht wissen. Außerdem war es so lange her, dass sie mit einem Mann geschlafen hatte, dass sie fast schon wieder als Jungfrau gelten konnte.

Erstaunlich, wie gut man einen schwachen Punkt und Unerfahrenheit verheimlichen konnte, wenn man in einer winzigen Kabine saß und nur durch ein Mikrofon mit der Außenwelt verbunden war.

“Mir gefällt Ihre Denkweise.” Sie hörte seiner Stimme an, dass er grinste, und spürte das Vibrieren im ganzen Körper. “He, ich glaube, wir haben gerade die beste Entspannungstechnik entdeckt. Können Sie sich vorstellen, wie positiv sich Lachen verbunden mit heißem Sex auf den Stresspegel eines Menschen auswirken könnte?”

Alles, was sie sich im Moment vorstellen konnte, war Sex mit ihm, um ihre eigenen Bedürfnisse und die tiefe Sehnsucht zu befriedigen. Der Gedanke daran würde ihr wieder eine lange, schlaflose Nacht bescheren. “Ich glaube, das Thema bewahren wir uns für eine andere Sendung auf.”

“In Ordnung. Warten Sie …” fuhr er fort. Seine erotische Stimme ließ sie erbeben. “Mich reizt auch der Mund einer Frau. Weiche, schimmernde Lippen, die wie gemacht sind für lange, leidenschaftliche Küsse, und ein sexy Lächeln, das mir das Gefühl gibt, der Einzige zu sein, den sie begehrt …”

Unbewusst fuhr sie sich mit der Zunge über die Unterlippe und kostete die Überreste ihres pinkfarbenen, nach Zuckerwatte schmeckenden Lipgloss. Süß. Verführerisch. Seidenweich. Ihr wurde heiß bei dem Gedanken, er würde die süßen Überreste abschlecken, mit seiner Zunge über ihre geöffneten Lippen gleiten und dann in die Tiefe ihres Mundes eintauchen und sie leidenschaftlich küssen. Zu ihrem Entsetzen entwich ein Geräusch – es klang wie ein leises Stöhnen – ihrer Kehle, bevor sie etwas dagegen tun konnte.

“Alles okay?”, fragte er.

Sie errötete bis zu den Ohren. Ein Blick auf Carly in der Kabine nebenan, und der komische Gesichtsausdruck ihrer Freundin genügte, und sie wusste, dass zu viele Menschen Zeuge dieses sehr verräterischen Geräuschs geworden worden.

“Außerdem mag ich seidiges, volles Haar”, fuhr er fort, ohne weiter auf ihren peinlichen Ausrutscher einzugehen. “Ich finde es unglaublich erotisch, wenn ich die Haare einer Frau um meine Hand wickeln kann, um sie so dorthin zu führen, wo ich sie haben möchte.”

Weitere Bilder entstanden vor ihrem inneren Auge. Von ihm, wie er sie ermunterte, an ihm hinabzugleiten, bis sie mit den Lippen seine seidige Härte berührte und ihn mit langsamen, verführerischen Bewegungen erregte. Oder wie sie unter seinem harten, muskulösen Körper lag, er mit ihren Haaren spielte, ihren Hals mit heißen Küssen bedeckte und langsam tiefer rutschte, bis er die harten Spitzen ihrer Brüste zwischen seine Lippen nahm …

Erica erbebte innerlich, ihre empfindlichen Knospen wurden hart und zeichneten sich unter dem Body ab. Sie schluckte. Es war ein verzweifelter Versuch, ihre Atmung zu beruhigen, die schnell und flach geworden war.

“Aber es ist die Chemie, die ausschlaggebend für weitere Schritte ist. Wenn sie stimmt, komme ich Nacht für Nacht wieder”, sprach er weiter und riss sie von ihren Überlegungen fort.

War das der Grund, weshalb er jede Nacht anrief? Verspürte er auch dieses Prickeln? Der Gedanke war aufregend. “Die Chemie allein genügt meiner Meinung nach nicht. Man muss daran arbeiten, dass die Flamme nicht erlischt. Wie schaffen Sie das?”

“Mit Spontaneität. Nicht zu wissen, was als Nächstes geschieht, sich einfach treiben zu lassen und zu genießen, was kommt, erhält die Leidenschaft bei einem Paar. Mögen Sie Spontaneität, Erica?”

Die Art, wie er einfach das Thema wechselte, irritierte sie. “Ich wäre keine Talkshowmoderatorin, wenn ich etwas dagegen hätte”, erwiderte sie sanft und änderte schnell die Richtung des Gesprächs, bevor er die Chance hatte, sie durch seine Fragen ins Rampenlicht zu stellen. “Lassen Sie uns wieder zur Sache kommen, Ian. Was muss eine Frau haben, damit Sie im Schlafzimmer glücklich bleiben?”

Während er über seine Antwort nachdachte, warf Erica einen Blick auf die übrigen Telefonleitungen. Nur eine blinkte, was erstaunlich war, wenn man bedachte, dass vor Ians Erscheinen der Sender mit Anrufen nur so überflutet wurde. Sie stellte einen Rückgang der Anrufe fest, sobald Ian auf Sendung war, als wäre Chicago von diesem Mann genauso gefesselt wie sie.

“Ich mag eine Frau, die ihren Körper und ihre Sinnlichkeit genug liebt, dass sie bereit ist, neue und andere Dinge auszuprobieren.”

Erica schloss die Augen, was ein großer Fehler war, wie sie feststellte, denn die Silhouette eines nackten Paares, das sich unter freiem Himmel leidenschaftlich liebte, erschien vor ihrem inneren Auge. Sie öffnete schnell die Augen, bevor sie sich in Fantasien erging, und fragte sich, inwieweit Ian bereit war, Außergewöhnliches und Pikantes zu probieren. “Sind Sie ein Exhibitionist, Ian?”

Er lachte. “Ich glaube nicht. Ich finde nur, es macht Spaß und ist erregend, wenn man sich an riskanten Plätzen liebt. Es verleiht dem Sex etwas Abenteuerliches, doch dabei beobachtet zu werden, ist nicht das, was mich daran erregt.”

Aus den Augenwinkeln heraus nahm Erica eine Bewegung in Carlys Studio wahr. Sie warf einen Blick auf ihre Freundin, die sich mit der Hand Luft zufächelte und mit dem Mund die Worte formte: “Heißer Typ.” Sie lächelte, schüttelte den Kopf und richtete ihre Aufmerksam wieder auf Ian. “Was gefällt Ihnen noch?”

“Eine Frau, die keine Angst hat zu sagen, was sie mag und was sie will.” Er hielt einen Moment inne. “Ich mag es, Anteil am Vergnügen einer Frau zu haben, und es erregt mich, wenn ich höre, dass sie den Sex genießt und es ihr gefällt, was ich mit ihr tue.”

Erica rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und schlug ein Bein über das andere. Die Innenseite ihrer Schenkel war feucht von der Hitze. Vielleicht auch von etwas anderem, aber sie weigerte sich, daran zu denken. “Sie lieben also eine geräuschvolle Liebhaberin?”

“Sanftes Stöhnen ist herrlich, auch ein gelegentliches ‘das ist schön’ oder irgendwelche sexy Worte. Es zeigt mir, dass ich etwas tue, was ihr gefällt, und dass sie den Sex genauso genießt wie ich.”

Erica überdachte ihre eigenen sexuellen Begegnungen und versuchte, sich zu erinnern, ob sie stöhnte oder nicht. Sie konnte sich an keine bemerkenswerten Erfahrungen erinnern und bezweifelte, dass sie etwas erlebt hatte, das sie zum Stöhnen gebracht hatte.

“Also, Erica, was muss ein Mann haben, um Ihr Interesse zu wecken?”

Diese unerschrockene Kehrtwendung verwirrte sie, doch sie ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. “Das ist nicht die Frage des heutigen Abends.”

“Umzuschwenken ist aber fair.” Es klang neckend, doch Erica bemerkte die unterschwellige private Herausforderung in seinem Tonfall. “Ich bin sicher, Ihre Zuhörer sind genauso neugierig wie ich zu erfahren, was Sie an einem Mann reizt.”

Auch Carly schien es zu sein, ihrem aufmerksamen Blick nach zu urteilen. Ian hatte sie schamlos in die Enge getrieben. Um ihre Integrität vor ihren Zuhörern aufrechtzuerhalten, die ihr ihre Geheimnisse anvertrauten, wusste sie, dass sie ihre eigenen mit ihnen teilen sollte.

“Mich fesseln die Augen eines Mannes”, gestand sie mit belegter Stimme. “Nicht unbedingt die Farbe, aber die Art und Weise, wie er mich ansieht, so als sei ich die einzige Frau im Zimmer, selbst wenn noch ein Dutzend andere anwesend sind. Es gibt mir das Gefühl, feminin und sexy zu sein und macht mich selbstbewusst.”

“Und Selbstbewusstsein ist sehr gut”, murmelte er und wiederholte damit die Aussage eines vorherigen Anrufers.

“Es hat seine Vorteile.” Geistesabwesend berührte sie die Stelle an ihrem Hals, wo sie ihren schnellen Pulsschlag spüren konnte, und stellte fest, dass ihre Haut feucht und heiß war. Verlangen schärfte ihre Sinne, und sie sehnte sich nach den Liebkosungen eines Mannes.

“Was erregt Sie, Erica?”

“Ein langsames Verführen”, erwiderte sie. Die Unterhaltung übte eine hypnotisierende Wirkung auf sie aus, als wären sie allein. “Ich mag einen Mann, der sich Zeit nimmt herauszufinden, was mich erregt. Geistig und körperlich.”

“Also verbaler Sex und lange Vorspiele.” Humorvoll fügte er hinzu: “Sie mögen vergnüglichen Sex.”

Sie konnte sich vorstellen, das zu mögen. “Als Gegensatz zu ernstem Sex?” Sie grinste.

“Sie wollen Spaß im Schlafzimmer haben”, drückte er sich etwas deutlicher aus. “Und genau wie ich sind Sie offen für neue Erfahrungen.”

Bingo. Da gab es tausend Möglichkeiten, denn ihre sexuellen Erfahrungen waren äußerst beschränkt.

Er kannte sie zu gut, ohne sie überhaupt wirklich zu kennen. Es war, als hätte er den vergangenen Monat damit verbracht, alles über sie zu erfahren … intime Details, die er ihr entlockt hatte, während er ihre Vorstellungskraft mit provokativem, erregendem Geplauder anheizte.

Sie war jetzt erregt … sie war scharf auf ihn und sehnte sich nach sexueller Befriedigung.

Auf ihrem Monitor sah sie, dass der Countdown für den nächsten Werbeblock lief, was sie davor bewahrte, eine witzige Antwort geben zu müssen.

Sie holte tief Luft und atmete langsam und ruhig aus. “Wie jede Nacht haben viele Zuhörer Ihre Meinung zu dem heutigen Thema gehört. Vielen Dank dafür. Bleiben Sie eingeschaltet. Ich bin in wenigen Minuten zurück mit weiteren Anrufen.”

Die Telefonleitungen begannen zu blinken, und Carly bekam Arbeit für den nächsten Teil der Sendung. Als sie nicht mehr auf Sendung waren, sagte Erica zu ihrem Fantasiemann: “Vielen Dank, dass Sie angerufen haben, Ian.”

“Es war mir ein Vergnügen.”

Das Wort Vergnügen beinhaltete ein Dutzend verschiedene Nebenbedeutungen, jede mit einem erotischen Versprechen, was sie mit einem heftigen Verlangen erfüllte.

“Selbe Zeit morgen Nacht?”, fragte er.

Sie lächelte. Nur ungern beendete sie das kurze Gespräch, das sie miteinander hatten, wusste sie doch genau, dass sie in wenigen Stunden nach Hause in ein sehr ruhiges, leeres Apartment gehen würde – allein mit einem batteriebetriebenen Hilfsmittel statt in Gesellschaft eines Mannes aus Fleisch und Blut.

Statt Ian.

“Ja, selbe Zeit morgen Nacht”, stimmte sie zu und freute sich schon auf seinen Anruf.

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