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Hitlers Fluch(t) Teil 1 und 2

Präludium

Dieser Roman erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Auch ist er nicht historischen Studien entsprungen, die allesamt verifiziert sind. Im Gegenteil ist dieses Buch ein Sammelsurium von Theorien und Fragmenten, die in vielen Büchern und noch mehr Internetseiten so oder ähnlich kolportiert werden. Wenn dieses Buch also manchmal für manchen den Boden der Wahrscheinlichkeit verlässt, dann sei das verziehen. Denn hier geht es nicht um die geschichtliche Wahrheit, sondern um die Konstruktion einer Eventualität. Wer eine historisch verifizierte Lehrbuchmeinung erwartet, dem seien die Seiten und das Buch erspart. Wer aber Gedankenspielen gegenüber offen ist, der kann dieses Buch getrost als Lektüre nutzen. Es handelt sich hier um einen Roman, nicht um ein Geschichtsbuch.

Potsdam

          Stalin (1)                                                                                                                        

„Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe.“

Stalin war ungehalten. Das war dilettantisch. Wofür der ganze Zinnober, wenn die Sondereinheit keine klaren Ergebnisse hatte. Einen Doppelgänger zu präsentieren, das war doch nur peinlich.

„Ich lasse mir von Ihnen nicht erzählen, dass Hitler sich erschossen hat. Das glaube ich nicht. Wenn ihm die Flucht gelungen ist, dann können wir uns alle warm anziehen, meine Herren. Dann wird der Mythos uns bis ins Grab verfolgen. Ich erwarte Beweise. Klare Beweise. Es ist schlimm genug, dass wir ihn nicht genau wie den Mussolini dem Mob vorgeworfen haben. Ich habe klare Weisung gegeben, dass der Mann zu finden ist. Ich erwarte jede nur menschenmögliche Anstrengung und ich will ihn haben. Soll ich etwa dem Churchill damit kommen, dass wir nichts wissen? Soll ich etwa dem Truman erzählen, dass wir ihn nicht finden konnten?“                                               

„Ich bin genauso bestürzt, wie Sie, Genosse Stalin. Wir haben aber alles versucht. Wir haben ihn nicht gefunden, das ist ein Fakt. Aber es spricht dennoch einiges dafür, dass ihm die Flucht nicht gelungen ist. Wir arbeiten fieberhaft daran, den Leichnam zu finden“, sagte Molotow.

„Wo ist denn sein Schatten, der Bormann, wo seine Geliebte? Die können sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Natürlich müssen wir das vor den Alliierten herunterspielen. Ich kann aber nicht etwas sagen, das sich hinterher als Falschmeldung herausstellt. Ich will nicht wie ein Idiot vor der Geschichte dastehen“, ereiferte sich Stalin.

„Wir haben auf jeden Fall den Misch, den Günsche und andere, die einen Schuss gehört haben. Mehr wissen die nicht. Nach einer halben Stunde sind sie erst in die privaten Gemächer eingedrungen und haben da die Leichen gesehen.“

„Warum denn erst nach einer halben Stunde? In einer halben Stunde kann man doch eine Menge unternehmen. Warum das denn?“, erzürnte sich Stalin.

„Es war beklemmende Ruhe im Bunker, Genosse Stalin. Die Ordonnanzen waren einfach zu betroffen und trauten sich nicht, in die Räumlichkeiten des Führers einzudringen. Aber sie fanden Leichen, die sie dann verbrannt haben. Das hatte Hitler so angeordnet. Sie haben dann die Leichen auf dem Vorplatz des Bunkers verbrannt“, dozierte Molotow.

„Und wo ist dann der Hitler? Haben wir seine Leiche? Was ihr da gefunden habt, war keine verbrannte Leiche. Wo ist sie dann?“

„Wir haben alles umgegraben und auch Leichenteile gefunden. So wie wir auch den Goebbels und seine Frau und seine sechs Kinder gefunden haben, Genosse Stalin. Wir haben ein Gebiss, das wird derzeit analysiert. Außerdem haben wir Schädelteile.“

„Wie lange wird das denn dauern. Ich brauche Ergebnisse. Ich kann nicht nach Potsdam fahren, und da mit einem Phantom im Rücken argumentieren. Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt.“ 

Führerbunker

     Otto Günsche (2)                             

Berlin, Führerbunker,  29. April 1945

„Hören Sie, Günsche. Was ich Ihnen jetzt sage, ist ein Führerbefehl. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie diesen Befehl auch dann mit Akkuratesse ausführen, wenn ich nicht mehr lebe. Sie haben alle Spuren zu beseitigen. Ich habe Benzin geordert, das Sie dazu nutzen werden, die sterblichen Überreste meiner Frau und meiner Person zu verbrennen. Dies ist von außerordentlicher Wichtigkeit, denn es muss nicht noch meine Leiche dem Mob zum Fraß gegeben werden. Sie müssen diesen Befehl ausführen und peinlichst darauf achten, dass den Feinden mein Körper nicht zur Verfügung steht. Haben Sie mich verstanden, Günsche?“

„Jawohl, mein Führer. Ich werde diesen Befehl ausführen.“

„Gut, Günsche. Ich weiß, dass ich mich auf Sie verlassen kann“, sagte der eingefallene Hitler mit zitternden Händen aber klarem Verstand. Beim Gehen klopfte er Günsche leicht auf die Schulter.                                                      

2 Tage vorher  

„Ich weiß nicht, ob ich auf den Speer hören sollte. Das ich auf der Bühne stehe, wenn der Vorhang fällt. Ich denke, dass ich beides kann“, sagte Hitler in seinen privaten Räumen.

„Sie sollten das Angebot vom Bormann annehmen, mein Führer. Die Bewegung braucht Sie. Und wenn es das Letzte ist, was wir den Hyänen antun können. Aber das wird ein triumphaler Sieg für uns. Nur Ihr Überleben gibt dem Ganzen einen Sinn“, sagte Goebbels.

„Ich will nicht, wie ein armseliger Bauer mich irgendwo verstecken und dann von den Alliierten wie eine Ratte aus einem Versteck getrieben werden. Das wäre doch genau das, was sich der Stalin erhofft. Mich durch Berlin mit einem Nasenring ziehen. Sie glauben doch nicht, dass ich damit dem deutschen Volk nutze?“

„Mein Führer, die Pläne sind ausgearbeitet. Die Flucht kann gelingen. Wir haben auch daran gedacht, der Nachwelt zunächst einen Schwindel zu präsentieren. Dies kann alles arrangiert werden und glaubhaft inszeniert werden. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, können Sie aber wieder in den Lauf der Geschichte eingreifen und das gute Ende doch noch bewerkstelligen.“

„Ach, Goebbels. Das alles ist mir gesundheitlich kaum zumutbar. Sehen Sie, der Morell pumpt mich mit Medikamenten voll. Ich bin ein Wrack. Wenn auch mein Geist in absoluter Klarheit arbeitet, ist mein mentaler Zustand dennoch bedenklich.“

„Sie haben seit Stalingrad Übermenschliches durchmachen müssen. Das wissen alle. Aber wir sollten diesen Triumph dem Asiaten nicht gönnen. Und wenn es vorerst das Letzte ist, was wir tun können. Wir haben aber auch die Verpflichtung der Geschichte gegenüber, nicht wie ein feiger Hase in einem Bunker zu krepieren. Sie sind ein Held. Und kein feiger Hase, mein Führer.“

Mit dieser Aussage war Dr. Goebbels an die Grenze gegangen. Er hätte sich zu einem anderen Zeitpunkt niemals eine solche Frechheit erlaubt, den Namen des Führers mit dem Vergleich zu einem feigen Hasen in einem Atemzug zu nennen. Aber er hatte dies wohl kalkuliert. Denn er wollte den Führer auf jeden Fall umstimmen. Seine freche Attacke zeitigte Wirkung.

                                                       

„Was erlauben Sie sich? Wie können Sie es wagen, mich einen feigen Hasen zu nennen!“, schrie Hitler.

„Sie sind doch wohl nicht mehr bei Verstand. Natürlich will ich nicht mit einem Selbstmord aus der Geschichte scheiden. Das ist doch klar. Aber eine gescheiterte Flucht, die wäre noch erbärmlicher. Ich kann doch nicht Millionen Deutsche in den Heldentod schicken und mich selbst in Sicherheit wiegen. Was glauben Sie denn, was die Ehre gebietet? Ich würde mit einem einzigen Schuss in der Pistole den russischen Bolschewiken entgegentreten und auf ihre Panzer schießen. Das wäre mir egal“, sagte Hitler erregt.

„Genau das weiß das deutsche Volk. Sie sind eben die Hoffnung dieses geprüften Landes. Bitte, mein Führer, nehmen Sie das Fluchtangebot an. Es ist alles gut vorbereitet. Ein Heldentod Ihrer Person beraubt das deutsche Volk der letzten Hoffnung“, beschwor Goebbels Hitler.

In Wirklichkeit war das deutsche Volk nicht dieser Meinung. Dem deutschen Volk war die Person Hitlers zu diesem Zeitpunkt sehr egal. Nach sechs ermüdenden Jahren eines totalen Krieges ging es jetzt nur noch ums nackte Überleben. Jeder hatte mit sich selbst zu tun. Jeder musste sich selbst vor den Armeen der Russen, der Amerikaner, der Franzosen, der Engländer, der Polen und all den anderen retten. Ob Hitler starb, oder ob er es nicht tat. Nur die letzten Reste der Wehrmacht, die Berlin mit ungeeigneten Mitteln verteidigten, fühlten sich noch immer an den Eid gebunden. An den Eid, den sie Adolf Hitler persönlich geschworen hatten.

Joseph und Magda Goebbels und ihre sechs Kinder waren im April in den Führerbunker gekommen. Sie waren bereit für den Tod.

In Berlin tobte eine erbitterte Schlacht. Deutschland hatte die letzten Reserven mobilisiert. Im sogenannten Volkssturm wurden alte Männer und Kinder eingezogen. Alles, was noch laufen und ein Gewehr tragen konnte. Hitler hatte persönlich in einem seiner letzten öffentlichen Auftritte Kinder belobigt, die mit Panzerfäusten den Panzern der Russen entgegengetreten waren und einige Panzer vernichtet hatten. Militärisch war das sinnlos.

In Jalta hatten die Alliierten beschlossen, dass die Russen Berlin einnehmen sollten. Dies hatte viele Gründe. Zum einen war es für die Amerikaner ein Kalkül, erst Thüringen einzunehmen und die wichtigen Produktionsstätten der Nazis zu erobern. Man wusste, dass die Nazis eine Atombombe bauten. Dies musste unbedingt verhindert werden. Schon Roosevelt hatte in einem geheimen Papier gefordert, dass man die Entwicklung der Atombombe, die kurz vor der Vollendung stand, mit allen verfügbaren Mitteln verhindern müsse. Noch wichtiger aber war, dass man in den Besitz aller Unterlagen gelangte, die den Amerikanern diesen technologischen Fortschritt sichern konnten.

Für Stalin war es wichtig, Hitler lebendig zu bekommen. Er wollte den Triumph auskosten, ihn durch die Straßen von Berlin zu jagen. Das war vielleicht strategisch nicht besonders klug, aber entsprach dem sadistischen Charakter von Stalin. Da war er sich mit Hitler sehr ähnlich. Auch Hitler hätte es sich im Falle eines Sieges über das Sowjetreich nicht nehmen lassen, den Dschugaschwili vor allen Menschen zu erniedrigen. Das war der Charakter der beiden Tyrannen, der manchmal zu irrationalen Entscheidungen führte. Wie Hitler in Stalingrad die Niederlage fast provozierte, weil ihm der Name der Stadt wichtiger war, als ein militärisch gebotener Rückzug auf vordere Stellungen. Für Stalin war es deshalb auch nicht so wichtig, dass seine Truppen enorme Verluste an Material und Leben in Kauf nehmen mussten. Denn Menschenmaterial hatte er genug.

Die Fliegerin Hanna Reitsch und der von Hitler noch in den letzten Kriegstagen zum Feldmarschall ernannte Greim hatten bewiesen, dass man in das umkämpfte Berlin, trotz massiven Beschusses, gelangen konnte. Wenn man hineinkam, dann kam man möglicherweise auch hinaus. Der Plan, der von Bormann und Krebs ausgearbeitet worden war, sah vor, dass man Berlin mit einem Fieseler Storch verlassen sollte, um dann in Hamburg ein U-Boot zu besteigen. Dieses U-Boot sollte dann Kurs auf Argentinien nehmen.

                                                               (Hanna Reitsch) (3)

Argentinien galt als hitlerftreundlich. Juan Perón hatte sich trickreich an die Macht gehievt und hegte offene Sympathie mit Hitler. Argentinien war ein Verbündeter der Achsenmächte gewesen und hatte sich erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges offiziell auf die Seite der Alliierten gestellt. Inoffiziell bot es aber den Nazigrößen Exil an. Ein nicht ganz unwesentlicher Gedanke dabei war aber auch, dass das fast bankrotte Argentinien sich hiervon erhebliche Geldmittel erhoffte. Besonders Hitler war daher begehrt. Man wollte ihn schon alleine deshalb in Argentinien beheimaten, weil er die meisten Geldströme aktivieren konnte. So dachte man zumindest.

Für Hitler bot sich eine Flucht aus Berlin an, weil er seinen Kampf nicht beendet sah. Er glaubte immer noch daran, dass das deutsche Volk, besonders durch die Brutalität der Sowjettruppen bei der Eroberung Berlins, einen zähen Partisanenkampf führen würde. Die subversiven Einheiten des „Werwolf“ sollten dabei eben so wichtig sein, wie die Aktivitäten, die er von seinem Exil aus einleiten wollte.

Zudem hegte er die nicht ganz unberechtigte Hoffnung, dass die Alliierten ein Bündnis hatten, das schnell zerbrechen würde. Er hielt die Koalition der Amerikaner mit den Russen für fragil und brüchig. Er erhoffte sich aber auch, dass die Fortschritte, die den Nazis zu Ende des Krieges gelungen waren, zumindest in Teilen zu retten wären und im Exil ausgearbeitet werden könnten. Dennoch war er aber nicht so naiv, dass ihm nicht klar war, dass die Amerikaner und die Russen jedes Patent vereinnahmen und alle technischen Entwicklungen erobern würden. Es war dem SS-Mann Kammler gelungen, zu Ende des Krieges revolutionäre technische Neuentwicklungen zu erproben. Aber auch Wernher von Braun erzielte enorme Fortschritte in der Raketentechnik. Die Hoffnung der Nazis zu Ende des Krieges bestand zum einen in der Annahme, dass die Alliierten sich am Ende doch entzweien würden und zum anderen, dass es einigen Laboratorien doch noch rechtzeitig gelingen würde, eine abschussfähige Atombombe zu entwickeln.

Die Amerikaner dachten genau umgekehrt. Sie wollten auf jeden Fall in den Besitz der Technologie gelangen, die als fortschrittlicher, als die der Amerikaner galt. Sie wussten um die Fortschritte in Peenemünde und in Thüringen. Sie wussten, dass es den Nazis gelungen war, die V4 zu erproben und mit einer schmutzigen Bombe zu bestücken. Das war eine große Gefahr. Zudem waren den Amerikanern Informationen zugespielt worden, die von fliegenden Untertassen und neuartigen Antriebsformen berichteten, die angeblich in Deutschland erprobt wurden. Allein die Entwicklung des Düsenjägers Messerschmitt ME hatte den Amerikanern deutlich gemacht, dass die technische Überlegenheit der Deutschen eine ernste Gefahr darstellte. Es war nur der Verbohrtheit Hitlers zu verdanken gewesen, dass er diese überlegene Waffe nicht als Jäger, sondern als Bomber nutzen wollte. Das verhinderte einen effektiven Einsatz in den letzten Kriegswochen.

Von einigen Truppenteilen wurden auch merkwürdige Dinge gemeldet. Man sah „Foo Fighters“, Lichter, die neben den Flugzeugen der Amerikaner und Russen aufgetaucht waren. Dies alles klang beunruhigend. Zum anderen war den Amerikanern strategisch wichtig, den Krieg mit einer allem überlegenden Waffe zu beenden. Die Gruppe Oppenheimer arbeitete im Projekt Manhattan mit zäher Verbissenheit und schier unbegrenzten finanziellen Mitteln an der Entwicklung der ersten einsatzfähigen Atombombe. 

Die Russen wussten natürlich auch, dass die technische Überlegenheit der Deutschen bei einer Eroberung der Amerikaner auch in die Hände der Besatzer fallen würde. Deshalb fuhren die Russen eine Doppelstrategie. Einerseits sicherten sie sich mit Verträgen, von denen sie nicht all zuviel hielten, eine enge technische Zusammenarbeit in allen militärischen Geheimnissen zu und andererseits, erhofften sie sich von der Einnahme Berlins, eine territoriale Neuordnung. Der pragmatisch denkende Stalin war kein technischer Visionär. Er war ein Machtmensch, dessen Kalkül eher auf Boden und Raum abzielte.

Führerbunker

„Du bist der Führer. Wenn Du gehen willst, dann gehe ich mit Dir ans Ende der Welt. Wenn Du aber sterben willst, dann folge ich Dir“, sagte Eva zu Hitler.                                                   (Eva Braun und Adolf Hitler)  (4)

„Mein gutes Kind. Ich denke an beide Möglichkeiten. Selbst wenn wir eine Flucht ins Kalkül ziehen, ist auch dies eine Entscheidung, die in den sicheren Tod führt. Ich glaube aber, dass wir da eiskalt sein müssen. Wir müssen uns fragen, ob wir es dem asiatischen Teufel gönnen, dass ich in der Hölle schmore. Schon morgen werden Millionen Menschen verzweifeln und ohne mich keinen Sinn mehr sehen. Ich will aber nicht, dass das deutsche Volk verzagt. Vielleicht ist es deshalb wirklich besser, wenn wir die Mühsal einer Reise auf uns nehmen. Ich werde niemals flüchten. Niemals. Aber es ist keine Flucht, wenn man nur noch diese Optionen zur Verfügung hat. Ich habe daher beschlossen, mit dem Bormann und einigen Vertrauten den Weg in eine ungewisse Zukunft anzutreten“, sagte Hitler.

„Wir können immer noch eine Kapsel Zyankali schlucken und uns alle so vor einer Vorführung bewahren. Wenn dann auch die Gefahr besteht, dass sie unsere Leichen schänden, so ist das doch besser, als uns lebendig in die Hände zu kriegen“, führte Hitler aus.

  

In einem Nebenraum saßen Dr. Goebbels, Krebs, Bormann und Keitel zusammen.

„Der Führer sollte nicht elend im Bunker sterben. Er ist das der Geschichte schuldig“, sagte Keitel.

„Wenn der Führer in diesem fanatischen Endkampf verzagt, dann ist auch das nur menschlich. Aber er wird sich wieder fangen. Wir alle wissen, dass es doch nur Er ist, der die Bewegung ausmacht. Ohne ihn wird der ganze Zauber wie ein Spuk verfliegen. Die Mischpoken der Alliierten haben doch nur eins im Sinn. Den Führer und damit sein Volk zu vernichten. Das werde ich ihm ausreden“, sagte Goebbels.

                                                               (Martin Bormann) (5) 

„Das ist selbstverständlich, dass der Führer zweifelt. Was hat er auch alles mitmachen müssen in den letzten Jahren. So eine Gesundheit hat kein Pferd. Der Morell kann ihn kaum noch ruhig stellen. Wann schläft der Mann? Nie. Er schläft nicht und opfert sich auf“, sagte Bohrmann.

„All den Verrat der letzten Wochen. All die Rückschläge. Noch mag er auf Wenk hoffen. Oder auf Steiner. Aber wir wissen doch alle, dass dies nur sehr rudimentär vernünftige und erfolgversprechende Massierungen bedeuten, das wird wahrscheinlich dem militärischen Kampf keine entscheidende Wendung mehr geben können“, sagte Goebbels.

„Er muss jetzt handeln. Ich hörte, dass es einen ausgearbeiteten Plan der Flucht geben soll. Wer wird ihn begleiten?“, sagte Krebs.

„Das weiß nur der Führer. Wenn er doch schon eine Entscheidung gefällt hätte. Ich habe ihn heute sogar mit einem Hasen verglichen, nur deshalb, weil ich ihn aus seiner Lethargie wecken wollte“, sagte Goebbels entschuldigend.

„Was haben Sie? Na, das können wohl auch nur Sie sich erlauben. Der Fegelein musste dran glauben. Da passen Sie mal auf, dass bei den Stimmungsschwankungen, die Hitler momentan durchlebt, dass Sie da nicht der Nächste sind“, sagte Keitel, für den das Vorgehen Goebbels skandalös war. 

„Fegelein war ein Karrierist. Der Führer kann sehr wohl unterscheiden, wer ihm immer treu zur Seite gestanden hat. Ich würde alles für ihn tun, das weiß hier jeder im Raum. Aber ich werde ihn nicht begleiten können, denn meine Familie ist zu groß. Und meine Familie werde ich nicht im Stich lassen können, selbst wenn ich auch diesen Befehl erwägen würde, aber der Führer würde nie zulassen, dass ich so etwas tue. Magda ist die treueste und tapferste Mutter des Reiches. Das hat der Führer gesagt. Sie würde ihn gerne begleiten. Aber das wird nicht gehen. Und sollte es dann so sein, dass wir alle in den Tod gehen, so ist es nur lauter, denn ein Überleben nach dem Führer gibt es nicht. Und sollte es so sein, dass der Führer überlebt und wir sterben, dann ist auch das richtig und angemessen“, steigerte sich Goebbels in einen Rederausch. Die anderen Männer im Raum sagten nicht, was sie dachten. Denn sie wussten, dass Goebbels seine Kinder töten würde. Das musste er nicht. Das sollte er nicht. Niemand aber wagte es, das Goebbels zu sagen.

„Eine Kapitulation wie 1918 ist absolut unhinnehmbar. Eine Kapitulation gibt es nicht. Es gibt da eher den totalen Untergang. Wir werden nicht noch einmal in ein Versailles gehen. Wir werden nicht noch einmal den Siegermächten den Hintern lecken. Nie mehr. Wir werden ehrenhaft bis zur letzten Sekunde, koste es was es wolle, in einen heldenhaften Tod gehen“, sagte Krebs pathetisch. 

Krebs führte dann aber später die Verhandlungen der Kapitulation mit den Russen. Die Verhandlungen hatten beim General Schukow stattgefunden. Krebs wollte einen Separatfrieden erreichen. Das war absolut illusionär. Als er das einsah, erschoss er sich wenig später im Führerbunker.                              

Berlin