Logo weiterlesen.de
HISTORICAL COLLECTION BAND 7

Carole Mortimer, Michelle Willingham, Tatiana March, Joanne Rock, Elizabeth Rolls

HISTORICAL COLLECTION BAND 7

Im Taumel der Leidenschaft

CAROLE MORTIMER

Manche mögen’s skandalös!

Das ist die Chance für den Earl of Sherbourne: Das Trauerjahr von Sophia, der verwitweten Duchess of Clayborne, ist vorbei. Stürmisch reißt er sie an sich. Wird Sophia sich ihm nun endlich mit Leib und Seele hingeben?

MICHELLE WILLINGHAM

Lord Whitmores sündigste Versuchung

„Jemand sollte sich um Sie kümmern!“ Wie erstarrt bleibt Emily stehen, als Stephen den Verschluss ihres Umhangs öffnet und sie verführerisch liebkost. Ihr ist klar: Sein Mitleid will sie nicht – aber seine Leidenschaft!

TATIANA MARCH

Dem Ritter unterworfen

Lady Morag ist schockiert: Sie muss den barbarischen Ritter Stephen heiraten. Ihre Burg hat er bereits eingenommen und im Schlafgemach ist er ein sinnlicher Verführer – doch kann sie es wagen, ihm ihr Herz zu schenken?

JOANNE ROCK

Die Begierde des Wikingers

Wikinger Reinn sehnt sich danach die attraktive Evina of Anglesey zu berühren, sie zu lieben, ihr unbändige Lust zu verschaffen … Er weiß, dass sie ebenso empfindet. Leider ist sie seinem Bruder versprochen!

IMAGE

Manche mögen’s skandalös!

1. KAPITEL

Claybourne House, London

Mai 1817

Berichtige mich, wenn ich falsch liege, liebe Genevieve“, bat die schwarzhaarige Sophia Rowlands, verwitwete Duchess of Claybourne, und blickte ihre zwei Begleiterinnen an. Sie standen am Rand der vollen Tanzfläche im Ballsaal von Sophias Stadthaus am Grosvenor Square. „Aber du scheinst ernsthaft vorschlagen zu wollen, dass wir uns, nachdem das Jahr der Trauer für unsere Ehemänner nun vorbei ist, alle einen – oder am besten gleich mehrere – Liebhaber zulegen sollen, noch bevor die Saison zu Ende ist?“

„Genau das schlage ich vor, ja.“ Die rothaarige Genevieve Forster, Duchess of Woollerton, mit ihren spitzbübischen blauen Augen, lachte leise. „Natürlich ganz diskret.“

„Oh, natürlich …“, wiederholte Sophia zaghaft.

Genevieve kicherte. „Stellt euch das doch einmal vor, meine Lieben – ganz im Geheimen werden wir zu den Berühmtheiten der Saison!“

„Oder wir beschwören einen Skandal herauf“, sagte Sophia trocken.

„Ich glaube, ich habe mich dieses Jahr schon genug mit Skandalen beschäftigt, sodass ich … Moment, sagtest du, mehrere Liebhaber?“, fragte die blonde Pandora Maybury, Duchess of Wyndwood, zweifelnd nach.

„Nun ja, natürlich nicht alle gleichzeitig, liebe Pandora!“ Genevieve beruhigte sie mit einem herzlichen Lachen. „Obwohl …“ Sie ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. „Vermutlich würdest du dich nicht beschweren, wenn diese zwei Gentlemen dort zu den erwähnten Liebhabern gehören würden, ob nun nacheinander oder gleichzeitig.“

„Genny!“ Pandora Maybury klang nur noch bestürzter.

Sophia war mit ihren zweiunddreißig Jahren um einiges älter als ihre zwei Freundinnen und sollte sich deshalb wohl nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Doch sie war von Genevieves Vorschlag genauso schockiert und konnte sich kaum vorstellen, welch einen Skandal sie verursachen würden. Sie blickte zur Tür. Gerade traten zwei auffallend attraktive Männer ein und begannen ganz ungeniert den von Kerzen erleuchteten Ballsaal und die Gäste der Feier zu mustern. Sophia fielen sofort die Augen der beiden auf, die zwar von unterschiedlicher Farbe waren, aber gleichermaßen zynisch wirkten.

Die zwei Gentlemen, die der ton Devil und Lucifer nannte.

Der Mann auf der linken Seite – Devil – hatte das harte und maskuline, aber attraktive Gesicht eines gefallenen Engels, und sein nach der Mode geschnittenes Haar war von einem so intensiven Blond, dass es beinahe golden schien. Der Mann an seiner rechten Seite – Lucifer – mit schwarzem Haar und dämonischen Augen, in denen sich der Teufel selbst zu verstecken schien, ließ gelangweilt seinen Blick über die sich eifrig unterhaltenden Menschen im Raum schweifen.

„Der Skandal wäre uns in jedem Fall sicher, wenn wir einen – oder beide – dieser Gentlemen als Liebhaber nehmen würden“, protestierte Sophia.

„Sherbourne scheint seine zwei Freunde heute Abend aber nicht zu begleiten“, murmelte Genevieve enttäuscht, als ob sie Sophias Warnung nicht gehört hätte – oder ignorieren würde.

„Warum wohl nicht?“, fragte Pandora mit der gleichen merklichen Enttäuschung.

„Er ist heute Abend nicht hier, weil ich ihn nicht eingeladen habe.“ Der Hochmut in Sophias Bemerkung konnte ihre Selbstzufriedenheit nicht überdecken.

„Das haben Sie tatsächlich nicht“, sagte eine spöttische Stimme hinter ihr. Eine Stimme, die so nah war, dass Sophia die warme Atemluft an ihrem bloßen Hals spürte. „Ein reines Versehen Ihrerseits, nehme ich an. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, es zu korrigieren.“

Sophia war bereits beim ersten Klang dieser fürchterlich affektierten Stimme erstarrt. Ihre Freude über den Erfolg des Abends war schlagartig verschwunden, als sie verstand, dass der Mann, der kurzzeitig ein Freund des Neffen und Ziehsohns ihres Ehemanns gewesen war, offensichtlich mit seiner üblichen Arroganz zum Ball erschienen war, ohne vorher um ihre Erlaubnis zu bitten oder gar eine Einladung vorweisen zu können.

Und so nah, wie er sich hinter ihr befand, fragte Sophia sich, wie lange er dort wohl schon gestanden haben mochte und ob er etwas aus ihrer wirklich unangemessenen Unterhaltung mit den beiden Duchesses mitbekommen hatte.

„Da du ja nun anderweitig Unterhaltung hast, werde ich wohl einmal deine zwei neuen Gäste begrüßen, Sophia.“ Genevieve Forster entschuldigte sich hastig, mit einem Blick auf die gerunzelte Stirn ihrer hübschen Gastgeberin, die nur der Vorbote für die verbale Maßregelung war, die sie zweifellos ihrem unerwarteten Gast zuteilwerden lassen würde.

„Ich begleite dich.“ Pandora Maybury entschuldigte sich mit der gleichen Eile. Die zwei Frauen hakten sich unter, bevor sie den Ballsaal durchquerten, um die zwei Gentlemen zu begrüßen, die durch ihre späte Ankunft besonderes Interesse auf sich gezogen hatten.

Sophia hörte hinter sich ein tiefes kehliges Lachen. „Wollen Sie nun auch wie ein verängstigtes Mäuschen davonrennen, Sophia?“

Sophia war noch nie wie ein verängstigtes Mäuschen vor irgendetwas oder irgendjemandem davongelaufen! Und das würde sich auch nicht ändern, nur weil der Earl of Sherbourne sie so aufregte, dass sie kein Wort mehr herausbekam.

Sie atmete tief ein und setzte einen blasierten Gesichtsausdruck auf, bevor sie sich zu dem Mann umdrehte, der es offensichtlich so sehr genoss, sie auszulachen. „Sherbourne.“ Sie nickte kühl zur Begrüßung und entschied sich, ihren Blick auf seinem kantigen Kinn ruhen zu lassen, statt auf dem arroganten spöttischen Gesicht. Hatte sie doch sofort bemerkt, wie gut er in seinem maßgeschneiderten schwarzen Abendanzug und dem schneeweißen Hemd darunter aussah, dazu seine breiten Schultern, die schmalen Hüften, muskulöse Oberschenkel und die langen Beine eines hervorragenden Schwertkämpfers – für sein sportliches Können war er in ganz England bekannt.

„Sophia“, grüßte er zurück.

Sophia hob ihre langen schwarzen Wimpern gerade genug, um ihn für diese Vertraulichkeit mit einem Blick zu tadeln, und wünschte sogleich, es nicht getan zu haben, denn sofort fühlte sie sich von der Männlichkeit und dem unangestrengten guten Aussehen ihres Gegenübers überwältigt. Seit er im Alter von achtzehn Jahren zum ersten Mal in der Gesellschaft aufgetaucht war, hatte Sherbourne so mancher Frau den Kopf verdreht und so manche Sehnsucht geweckt, die letztendlich unbefriedigt bleiben musste. Denn er schaffte es immer wieder problemlos, sowohl den postwendend die Hochzeit planenden Müttern als auch den gleichermaßen eifrigen Töchtern zu entkommen.

Sein dunkles Haar war nach der aktuellen Mode geschnitten, sodass es sorgfältig ungekämmt in die hohe Stirn fiel. Dunkle Brauen über durchdringenden Augen, die genauso grün waren wie Sophias, hohe Wangenknochen, eine lange gebogene Nase und ein Mund wie von einem Bildhauer geschaffen. Manchmal presste er seine Lippen so aufeinander, dass er fast grausam erschien, während er in anderen Momenten mit einem Lächeln eine unglaubliche Art sündhafter Sinnlichkeit ausdrücken konnte. Und in diesem Augenblick wirkte er definitiv sinnlich …

Sophia musste ihren Unmut über diese unerwartete Begegnung kundtun. „Ich habe bestimmt schon einmal erwähnt, wie unangemessen Ihre Vertraulichkeit ist.“

Er grinste lässig. „Oh ja, ich kann mich nur zu gut an den Rüffel erinnern, als ich Ihnen damals, als ich achtzehn war, ein oder zwei Küsse gestohlen habe.“

Sie sog scharf die Luft ein, als sie sich an diese Unverschämtheit erinnerte. Sherbourne hatte vor zehn Jahren mit dem Neffen ihres Ehemanns einige Wochen in Claybourne Park verbracht, nachdem die beiden Jungen zusammen in Cambridge studiert hatten und danach zu zwei verschiedenen Universitäten aufbrechen sollten.

Ein oder zwei „gestohlene Küsse“, an die Sophia – das musste sie sich eingestehen – in diesen letzten zehn Jahren wohl viel zu häufig gedacht hatte …

Sie verzog die Lippen. „Ich war verheiratet, und Sie …“

„Und nun sind Sie nicht mehr verheiratet“, flüsterte er sanft und genüsslich.

„… waren nur ein kleiner Junge, der die Lage ausgenutzt hat!“, fuhr Sophia fort, stutzte und runzelte die Stirn, als Sherbourne anfing, leise zu lachen. „Sind Sie so gütig, mir mitzuteilen, was daran wohl so lustig ist?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich war damals fast neunzehn Jahre alt, Sophia, und schon seit einigen Jahren kein ‚Junge‘ mehr. Um genau zu sein, schon seit meinem sechzehnten Geburtstag nicht“, fügte er trocken hinzu.

„Was war denn an Ihrem sechzehnten Geburtstag?“, frage Sophia leise.

Er hob die dunklen Augenbrauen und blickte sie spöttisch an. „Sind Sie sicher, dass Sie das wirklich wissen wollen?“

Nein, das war Sophia nicht, aber sie war sich nie sicher, wenn es um diesen Mann ging. „Natürlich.“ Sie nickte kühl.

„Auf Ihre Verantwortung“, erwiderte Sherbourne gedehnt. „Ich weiß nicht, ob Sie wissen, dass meine Mutter bei meiner Geburt gestorben ist? Nachdem mein Vater dann pflichtbewusst an der Beerdigung teilgenommen hatte, übergab er seinen einzigen Sohn und Erben an eine Amme, dann ein Kindermädchen, einen Tutor und anschließend ein Internat. Er hatte vermutlich schon vergessen, dass ich existiere … bis ich sechszehn wurde. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie überrascht ich da war, als er mich nach London holen ließ und mich dort praktisch in die Arme und das Bett seiner derzeitigen Geliebten legte, die mir alles über die körperlichen Freuden beibringen sollte.“ Er lächelte, aber ohne Freude. „Das war ein Unterricht, an dem ich eifrig teilnahm, das kann ich Ihnen sagen, und in den darauf folgenden zweieinhalb Jahren übte ich mich in dieser Kunst, so oft Zeit war und sich die Gelegenheit ergab.“

Sophia konnte nicht umhin, das Verhalten des alten Earl of Sherbourne abstoßend zu finden. Welcher Vater konnte seinen Sohn ganze sechzehn Jahre ignorieren und sich dann nur um die Art Bildung kümmern, die er im Schlafzimmer seiner eigenen Geliebten erhalten würde?

Sherbourne lächelte noch einmal freudlos. „Ich hoffe, dass Sie nach dieser Erklärung nun glauben können, dass meine Avancen vor zehn Jahren die eines Mannes, nicht eines Jungen waren.“

Vor allem hatte sie dazu geführt, dass Sophias Erinnerung an die Küsse dieses Mannes umso beunruhigender wurden. „Ich glaube vor allem eines, Sherbourne …“

„Ich denke doch, dass wir uns nun so gut kennen, Sophia, dass Sie mich Dante nennen können“, unterbrach er sie herausfordernd.

Dante.

Ein Name, der Sophia an die feurige Unterwelt und den Teufel mit Hörnern und Dreizack denken ließ.

Und leider auch an eine heiße, männliche und muskulöse Brust, nackt und mit Schweiß überzogen.

Nervös verlagerte sie ihr Gewicht. „Ihr Titel lautet Earl of Sherbourne“, sagte sie stur.

„Könnten wir nicht einfach diese lächerlichen Formalitäten beiseitelassen und uns einfach mit Dante und Sophia ansprechen?“

„Ich denke nicht“, sagte sie kühl.

„Und ich würde mich freuen, wenn Sie in meiner Gegenwart überhaupt nicht denken würden, liebe Sophia.“ Dante senkte seine Stimme absichtlich zu einem weichen Raunen, sinnlich und heiser. Das führte jedoch nur dazu, dass Sophia verächtlich den Mund verzog.

„So mögen Sie Ihre Frauen wahrscheinlich am liebsten, Sherbourne, aber von mir können Sie eine solche Unterwürfigkeit niemals erwarten.“ Sie sah ihn höhnisch an.

Dante hatte die Wortgefechte mit dieser ganz besonderen Frau immer sehr genossen, doch er hoffte, dass nun, da das Trauerjahr für ihren Ehemann vorbei war, dieser ständige Kampf ein Ende haben würde. Er konnte nur darauf warten, dass sie sich ihm nun endlich hingeben würde. Wenn sie es nur zuließ!

Und selbst wenn sie vom Gegenteil überzeugt war: Er wollte wirklich nicht, dass Sophia sich ihm unterwarf – weder im Bett noch irgendwo anders …

2. KAPITEL

Das ist unser Tanz, Sophia, oder?“ Dante ließ ihr keine Zeit zu widersprechen, sondern zog sie resolut auf die Tanzfläche, sobald die Musiker anfingen, einen Walzer zu spielen.

„Sie wissen ganz genau, dass wir beide keinen Tanz haben!“ Sie blitzte ihn empört an und versuchte, sich von ihm wegzudrücken. „Außerdem habe ich diesen Tanz schon Lord Thorpe versprochen.“

„Dann hat er wohl Pech gehabt und ich Glück.“ Dante warf dem näher kommenden Mann einen harten abweisenden Blick zu. „Nun nehmen Sie bitte meine Hand und legen die andere auf meine Schulter. Bitte, Sophia“, sagte er scharf, denn er sah in ihren unglaublich grünen Augen noch mehr Kampfeslust aufblitzen. „Alle sehen zu“, warnte er sie sanft, und sein Seufzer kam von Herzen, als er spürte, dass sie sich entspannte.

Dantes Ungeduld, sein Begehren für diese Frau war in diesem Moment so stark, dass er sie am liebsten sofort aus dem Ballsaal und die Treppe hoch in ihr Schlafzimmer getragen hätte, um sie bis zur Besinnungslosigkeit zu lieben. Dann würde sie ihn nicht mehr herunterputzen können wie damals vor zehn Jahren, als er ihr diese zwei Küsse gestohlen hatte.

Er und Lord James Rowlands waren im Internat Freunde geworden, und als Erbe des Titels Duke of Claybourne war James mehr als entrüstet gewesen, als sein Onkel Simon, der damals bereits über fünfzig war, angekündigt hatte, dass er Lady Sophia Shelby heiraten würde. Die junge Dame war gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alt und die wunderschöne und temperamentvolle Tochter eines Gentlemans, der vor einiger Zeit aus der guten Gesellschaft verbannt worden war.

James hatte Dante damals eingeladen, in den Sommerferien einige Wochen auf dem Landsitz seines Ziehvaters, des Duke of Claybourne, und der jungen hübschen Duchess zu verbringen. Und Dante hatte nur einen Blick auf die schöne Sophia Rowlands werfen müssen, um zu wissen, dass er sie trotz seiner Jugend so begehrte, wie er noch nie zuvor eine andere Frau begehrt hatte.

Eine Begierde, die zu diesen zwei gestohlenen Küssen geführt hatte, sobald er zum ersten Mal einige Minuten allein mit Sophia hatte verbringen können …

Und diese Unverschämtheit war dann auch der Grund dafür, dass er niemals mehr zu James’ Onkel und Tante eingeladen wurde. Die einzige Möglichkeit für ihn, die schöne junge Duchess überhaupt noch zu sehen, waren gesellschaftliche Ereignisse, auf denen sie beide zugegen waren – Dante stets in Begleitung seiner beiden verwegenen Freunde, Devil und Lucifer, Sophia immer am Arm ihres viel älteren Gatten.

Zehn endlose Jahre später war Dante sich immer noch sicher, dass er Sophia Rowlands, Duchess of Claybourne, so sehr begehrte, dass keine andere Frau jemals ihren Platz einnehmen konnte. Und doch war er für sie stets nur ein unverschämter kleiner Junge geblieben.

Dantes starke Gefühle für Sophia hatten dazu geführt, dass er Frauen gegenüber als kalt und herzlos galt, wenn er seine berühmte Selbstbeherrschung doch einmal verlor und mit ihnen ins Bett ging.

Aber falls die Unterhaltung zwischen Sophia und ihren zwei Freundinnen, die er vor einigen Minuten mit angehört hatte, Sophias wahre Wünsche widerspiegelte, schien es, als ob sich an dieser Situation bald endlich etwas ändern würde …

Sophia fühlte sich äußerst unwohl und wie gefangen in ihrem Tanz mit Dante. Diese Art Nähe hätte sie nur zu gern vermieden. Dante hielt sie unangemessen eng umfangen, während er sie gekonnt durch den Ballsaal wirbelte, seine Finger warm und fest um die ihren, getrennt nur durch den Stoff des Handschuhs, sein Arm fest wie Stahl um ihre schlanke Taille gelegt.

Sophia war sich seines Körpers zu sehr bewusst, um sich wohlfühlen zu können. Ihre Beine berührten sich in der erzwungenen Intimität des Tanzes. Immer wieder streifte Dantes muskulöser Oberkörper ihre weichen empfindlichen Brüste, deren Knospen reagierten und sich aufstellten.

Sie war sich sicher, dass Dante es bemerkte, denn das zufriedene Lächeln auf seinen perfekt geformten Lippen und sein herausfordernder Blick verrieten genug.

Auch das raubtierhafte, schamlose Funkeln in seinen Augen war deutlich.

Seine nächste Bemerkung bestätigte ihr zusätzlich, dass ihr Gefühl sie nicht trog: „Sie müssen sich gar keinen Geliebten mehr suchen, Sophia“, versprach er ihr mit dieser rauen sinnlichen Stimme. Er griff sie noch enger um die Taille und zog sie zu sich heran. „Ich kann Ihnen versichern, dass ich mich mehr als glücklich schätzen würde, diesen Platz einzunehmen.“

Sophia sog scharf die Luft ein und blickte schnell um sich, um sich zu vergewissern, dass niemand mitgehört hatte. Aber ihr Ruf als aufmerksame und unterhaltsame Gastgeberin schien nicht in Gefahr zu sein, da alle Anwesenden tanzten, etwas tranken oder sich angeregt unterhielten und Sophia und dem Earl of Sherbourne keine Aufmerksamkeit schenkten. Sherbourne, der schließlich immer noch vier Jahre jünger war als sie und das auch immer bleiben würde – und deshalb würde er auch niemals als Geliebter für sie in Frage kommen!

Sie blickte mit ihren funkelnd grünen Augen zu ihm auf. „Sie sind nicht nur unverschämt, Sir, Sie müssen auch vollkommen den Verstand verloren haben, wenn Sie denken, dass ich auch nur eine Sekunde lang über irgendeine Art der Beziehung zwischen uns nachdenken würde.“

„Es gibt nur eine Art Beziehung zwischen uns, über die ich jemals nachgedacht habe, liebe Sophia“, versicherte er ihr schroff.

Sophia atmete tief ein und fragte sich, ob sie in den letzten zehn Jahren durch ihr Verhalten vielleicht doch irgendwann einmal gezeigt hatte, dass sie gegen Dantes Charme nicht ganz so immun war, wie sie eigentlich dachte.

Sie schüttelte energisch den Kopf. „Schon allein die Idee von uns beiden in einer Beziehung ist …“

„Lächerlich? Absurd?“ Dantes leise Stimme klang nicht mehr sinnlich, sondern bedrohlich. Auch in seinen harten grünen Augen und dem zusammengepressten eigensinnigen Mund erkannte sie Gefahr. „Fühle doch einmal, Sophia, fühle, wie lächerlich ich diese Aussage finde.“ Seine Hand glitt von ihrer Taille herunter zu ihrem Gesäß, und er drückte sie eng an sich.

So eng, dass Sophia keine Zweifel hinsichtlich der Härte von Dantes langem Schaft haben konnte, der heiß und fordernd pulsierte und die Hitze zwischen ihren eigenen Schenkeln verstärkte.

Sie war eine Frau, die – so hoffte sie – für ihre Ruhe und Beherrschtheit bekannt war. Aber nun merkte sie, wie sie blass wurde, denn in einer solchen Situation fühlte sie sich vollständig ausgeliefert. Die neun Jahre ihrer Ehe mit Simon Rowlands – einem Mann, der so viel älter war als sie und mehr Vater und Freund war als leidenschaftlicher Liebhaber – hatten sie in keinster Weise auf diesen unverfrorenen und körperlichen Angriff auf ihre Gefühle vorbereitet.

Aber war es nicht ein Angriff, nach dem sie sich schon all die Jahre sehnte, seit dieser Mann sie geküsst hatte?

Dieses Eingeständnis konnte Sophia einfach nicht akzeptieren. Sie versuchte, sich loszureißen, aber Dante verhinderte es, indem er sie noch näher an sich zog. Sie funkelte ihn wütend an. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Sie sich einer Dame gegenüber so übermäßig vertraut verhalten!“

Dante betrachtete sie durch halb geschlossene Augen. Er fragte sich, was ihn an Sophia eigentlich so faszinierte. Keine andere Frau konnte sein Interesse so lange aufrechterhalten, mit ihnen wollte er einfach nur ins Bett und danach schnell verschwinden. Und doch wusste Dante, dass es bei Sophia anders war. Ihre Schönheit hatte ihn seit ihrer ersten Begegnung nicht mehr losgelassen.

Ihr Haar hatte die Farbe eines Mitternachtshimmels, im Licht der vielen Kerzen des Ballsaals war es ein tiefes Blauschwarz. Es war heute Abend so hochgesteckt, dass die Locken wie ein Wasserfall über ihren Rücken fielen. Die dunkelgrünen Augen waren von dicken schwarzen Wimpern umrandet. Ihre Haut war hell und zart wie feinstes Porzellan, und die Nase hatte genau die richtige Länge für das herzförmige Gesicht. Die vollen Lippen blühten rot über einem kleinen entschlossenen Kinn. Und ihre Figur …

Vor zehn Jahren war Sophia noch ein Mädchen gewesen, das gerade zur Frau wurde, und gertenschlank. Diese Schlankheit hatte sich mittlerweile zu üppiger Reife entwickelt, die Brust eine cremeweiße Rundung über dem tiefen Ausschnitt des grünen Seidenkleids. Sherbourne spürte ihre Weichheit ebenso wie die Form der Taille und Schenkel gegen seinen eigenen kräftigen Körper. Sogar ihre Füße waren schön, schlank und zart in passenden grünen Seidenslippern, die beim Tanzen immer wieder unter dem Kleid hervorlugten.

„Das ist aber wirklich schade, liebe Sophia.“ Dantes Stimme klang wieder weich. „Denn ich habe die volle Absicht, schon ganz bald so vertraut mit dir umzugehen, dass du nicht mehr weißt, wo du aufhörst und ich anfange.“

Sophia schluckte krampfhaft, bevor sie mit zitternder Stimme antwortete. „Du gehst zu weit, Dante.“

„Endlich.“ Er seufzte zufrieden, als er von ihren herrlichen Lippen endlich seinen Vornamen vernehmen durfte. Wenn er jetzt nur ein Bett finden würde, auf das er sie niederlegen könnte und …

„Nichts mit ‚endlich‘, Sherbourne!“ Sophia schaffte es schließlich, sich so weit zusammenzureißen, dass sie ihn zurückzuweisen konnte. Statt der flammenden Hitze nachzugeben, die sie gefangengenommen hatte, sah sie ihn nun hochnäsig an. „Es ist einfach abstrus, anzunehmen, dass Sie und ich uns jemals so nahe kommen werden, wie Sie es beschreiben! Erstens bin ich die angeheiratete Tante eines Ihrer Bekannten, und zweitens bin ich auch noch vier Jahre älter als Sie. Diese beiden Tatsachen machen jede Art der … Verbindung zwischen uns beiden vollständig …“

„Erzähl das meinem Gemächt!“, warf Dante grob ein.

Sophia fühlte, wie seine derben Worte ihre Wangen zum Brennen brachten. „Ich habe nicht die Absicht, irgendeinen …Teil Ihrer Anatomie auf irgendeine Weise anzusprechen.“

„Ich hatte auch eigentlich beabsichtigt, dass du bestimmte Teile meiner Anatomie anfassen würdest, liebste Sophia.“

Sie wusste genau, was er von ihr wollte. Und das war nicht möglich. Es durfte nicht möglich sein! Selbst wenn ihr Herz nun – wie immer – laut und schnell pochte, wenn sie daran dachte, wie Dante und sie sich näherkommen könnten.

Sie presste die Lippen zusammen. „Ich habe Sie heute Abend nicht eingeladen, Sherbourne, und deswegen würde ich es zu schätzen wissen, wenn Sie mein Haus verlassen, noch bevor ich zurück bin.“

Dante musterte sie aufmerksam. „Und wohin genau beabsichtigen Sie zu gehen?“

„Als Gastgeberin ist es meine Pflicht, mich um meine Gäste zu kümmern.“ Sophia zog eine Augenbraue hoch. „Eine Pflicht, die ich ohnehin schon sträflich vernachlässigt habe.“ Rasch befreite sie sich aus seinen Armen und drehte sich um. Sie verließ die Tanzfläche und ging hinaus in das große Vorzimmer, wo Erfrischungen angeboten wurden. Dabei nickte sie nach rechts und links und lächelte ihren Gästen zu.

Dante ließ sich von dieser Ausrede nicht beirren. Denn es war nichts anderes als eine Ausrede: Sophia, seine schöne stolze Sophia, lief vielmehr davon. Nein, nicht vor ihm, sondern vor der Hitze, die er in ihrem Körper gespürt hatte, als sie so intim miteinander getanzt und gesprochen hatten.

Sophia konnte es leugnen, so viel sie wollte, aber diese letzten Momente, in denen er sie im Arm gehalten hatte, zeigten Dante nur allzu gut, dass sie ihm und dem harten Beweis seines Begehrens gegenüber alles andere als immun war. Da konnte sie sich noch so sehr verstellen und ihre Wünsche unterdrücken.

Und deswegen beeilte er sich, Sophia zu folgen …

3. KAPITEL

Ich … Was soll das?“ Sophia, die sich gerade erst beglückwünscht hatte, diese katastrophale Begegnung mit Dante beendet zu haben, konnte kaum einen erleichterten Atemzug tun, bevor sie jemand am Oberarm packte und festhielt. Sie gab einen empörten Ton von sich, weil sie es nicht schätzte, so grob behandelt zu werden. Als sie sich umdrehte, sah sie, dass es Dante war, der ihr aus dem Ballsaal gefolgt war. Mit entschlossener Miene zog er sie neben sich her Richtung Bibliothek. „Was soll das, Sherbourne?“

„Was das soll, ist, dass ich keine Geduld mehr habe, Sophia. Und wenn du mich noch einmal so herablassend Sherbourne nennst, werde ich wohl gezwungen sein, dich hier und jetzt zu küssen, vor allen Leuten. Jeder, der will, kann uns zugucken!“ Er biss die Zähne zusammen.

Da all die vielen Menschen, die sich momentan im großzügigen Vorzimmer aufhielten und sich Drinks servieren ließen, vermutlich wirklich zuschauen würden, hielt Sophia es für vernünftig, ihn nicht noch weiter aufzubringen – bei seiner Laune würde er die Drohung sonst noch wahr machen! „Sie erregen schon genug Aufsehen, indem Sie mich auf so unhöfliche Weise durch die Gegend zerren“, sagte sie stattdessen pikiert.

Er stöhnte. „Wäre es dir lieber, ich würde meinem Begehren hier und jetzt nachgeben? Dich hier auf den Boden werfen, deinen Rock heben und dich zwischen den Beinen mit meinen Lippen und meiner Zunge gierig verwöhnen?“

„Dante!“ Sophia keuchte atemlos, zu schockiert – zu erregt und erhitzt von den erotischen Fantasien, die seine Worte in ihr heraufbeschworen –, um mehr als halbherzig zu protestieren.

Seine Augen glitzerten. „Ja, mein Name ist Dante“, versicherte er ihr mit warmer Stimme. „Und mein größter Wunsch ist es, dich diesen Namen erneut sagen zu hören, noch bevor der heutige Abend vorbei ist – und zwar ekstatisch stöhnend“, flehte er sie heiser an. Er öffnete die Tür zur Bibliothek, schob Sophia ohne Umstände in den Raum und schloss die Tür hinter sich. Nur ihrer beider lauten Atemzüge waren jetzt noch zu hören, um sie herum Dunkelheit und Stille.

Sophia war sich mehr als bewusst, dass sie die Kontrolle über die Situation komplett verloren hatte. Dante war nun dafür verantwortlich, was als Nächstes passierte oder nicht passierte.

Seit Jahren – seit zehn Jahren, um genau zu sein – hatte sie versucht, Dante mit reifem und maßvollem Desinteresse zu behandeln. Sie hatte sich nicht einmal eingestehen wollen, dass er versucht hatte, sie zu küssen, geschweige denn dass sie das Begehren in seinen hellen grünen Augen zur Kenntnis nehmen wollte, das sie dort so häufig sah, wenn sie sich zufällig über den Weg liefen.

Nicht nur, weil sie mit einem anderen Mann verheiratet war, sondern auch, weil sie sich noch zu gut an den Skandal erinnerte, der damals dazu geführt hatte, dass ihr Vater aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurde. Und daran, dass nur der Antrag von Simon Rowlands, dem Duke of Claybourne, sie vor demselben Schicksal bewahrt hatte. Sie wagte kaum darüber nachzudenken, was die bösen Zungen in ihren Kreisen sagen und für einen Skandal heraufbeschwören würden, wenn sie wüssten, dass sich Sophia heimlich zu Lord Dante Carfax, Earl of Sherbourne, hingezogen fühlte. Schon seitdem er sie vor all den Jahren so unverschämt leidenschaftlich geküsst hatte.

Sophia war schließlich eine respektable Witwe und deshalb noch immer fest entschlossen, der Sehnsucht zu widerstehen, die sie überfiel, sobald sich Dante irgendwo in der Nähe aufhielt.

„Sie …“

„Wirst du wohl endlich aufhören, dich immer noch zur Wehr zu setzen, Sophia“, sagte Dante mit belegter Stimme, während er seinen Körper an ihren presste und sie sanft gegen die Bücherregale drängte. Er war sich nur zu bewusst, dass er Gefahr lief, bald die Beherrschung zu verlieren. Und wenn das geschah, würde Sophia seinen Namen auf eine Weise rufen, die nichts mit dem zu tun hatte, was er sich wünschte. „Vorhin habe ich dich sagen gehört, dass du vorhast, dir einen Liebhaber zu nehmen, noch bevor die Saison zu Ende ist.“

Sie blickte leicht benommen. „Das war wohl eher Genevieve, die Duchess of Woollerton, die Sie so etwas haben sagen hören.“

„Und wenn du auch nur einen Moment denkst“, fuhr Dante leise fort, „jemand anderen als mich zum Liebhaber zu nehmen, dann bist du es, die hier den Verstand verloren hat. Ich würde jeden anderen in die Flucht schlagen.“

Sophias Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf seine pulsierende Erregung, die sich so verlockend gegen ihre weiblichste Stelle drängte.

Sie hatte sich inzwischen an das Mondlicht gewöhnt, das durch die zwei Panoramafenster schwach den Raum erhellte. Dantes Gesicht, seine kräftigen kantigen Züge, lagen halb im Schatten. In diesem Augenblick ähnelte er seinem arroganten und lässig-charmanten Selbst so wenig, dass Sophia kaum den erregten Schauder unterdrücken konnte, der ihr über den Rücken lief.

Und sie musste sich eingestehen, dass sie nicht wusste, ob dieser Schauder aus Angst vor der Hitze in seinem glühenden Blick oder aber aus dem Begehren entstand, das nun durch ihre Adern floss. Ihre Brüste waren heiß und schwer, und zwischen den Schenkeln fühlte sie plötzlich Feuchtigkeit, genau dort, wo er sie, wie er es ausgedrückt hatte, gierig verschlingen wollte.

Natürlich war sie entrüstet über diese Intimität, die Dante in Worte zu fassen wagte, aber allein der Gedanke, diese festen und doch sinnlichen Lippen eng gegen diesen privatesten Teil ihres Körpers gedrückt zu fühlen, seine Zunge die verborgensten Stellen erforschen zu lassen … Der Atem blieb ihr in der Kehle stecken.

Sie schüttelte halbherzig den Kopf. „Ich glaube nicht, dass es mein Verstand ist, der hier angezweifelt werden kann.“

„Meiner jedenfalls hat sich schon vor langer Zeit davongemacht, wenn es um dich geht, Sophia“, beteuerte Dante ernsthaft. „Genauer gesagt: schon vor zehn Jahren.“

„Sie wollen mir doch nicht wirklich weismachen, dass diese Küsse Ihnen so viel bedeutet haben. Sie waren ein Kind.“

„Meine Absichten dir gegenüber konnten damals, und können bis heute, nur auf eine Weise in die Tat umgesetzt werden, meine liebe Sophia.“ Seine Stimme wurde tiefer. „Und deswegen wirst du mir jetzt bitte erlauben, dich noch einmal zu küssen – bevor du mir noch den letzten Funken Urteilsvermögen raubst!“

Sophia wusste, dass sie ihn zurückweisen sollte – noch bestimmter, als sie es in den vergangenen zehn Jahren immer wieder getan hatte. Doch gerade weil sie ihr Begehren für diesen Mann so lange unterdrückt und geleugnet hatte, konnte sie in diesem Moment kaum die erforderliche Gefühlskälte aufbringen.

Sie atmete tief ein, was nur dazu führte, dass Dante sich zu ihr hinunterbeugte und ihre leicht geöffneten Lippen mit seinen eigenen verschloss.

Dante stöhnte auf, als er Sophias weichen Mund berührte. Hungrig begann er, seine köstliche Beute zu genießen. Ihre Lippen waren genauso üppig und sinnlich, wie er sie in Erinnerung hatte. Er schien endgültig die Kontrolle zu verlieren, die Zügel entglitten ihm.

Sophia griff nach seinen breiten Schultern, als er eine Hand hob, um ihren Kopf ein Stück nach hinten zu beugen. Der Kuss wurde noch intensiver, lustvoll liebkoste er ihre Zunge mit seiner eigenen. Wilder und wilder …

Dante spürte die Enge in seiner Hose, als er nun seine Hüfte rhythmisch gegen die Hitze zwischen Sophias Schenkeln presste.

Doch das war nicht genug!

Es war niemals genug, wenn es um Sophia ging. Er musste sie verschlingen, sie besitzen, er spürte seine Begierde brodelnd und unaufhaltsam in sich aufsteigen, wie ein Vulkan, der kurz davorstand, seine brennend heiße Lava auszustoßen.

Er zwang sich, seine Lippen von ihren zu lösen, sein Atem rau und abgehackt in der Stille, als er in die Hitze ihrer Augen hinabblickte und diesen Blick nicht löste, während er langsam den Rock ihres Kleides hob und mit den Händen die langen Beine in seidenweichen Strümpfen hinaufstrich.

„Dante …?“

„Mir gefällt es nicht, dass du Unterwäsche trägst, Sophia.“ Dante runzelte die Stirn, als seine Finger das seidene Hindernis spürten, das intimere Liebkosungen verhinderte.

Sie keuchte. „Natürlich trage ich Unterwäsche!“

„Lass sie nächstes Mal weg“, erwiderte er bestimmt. „Für mich.“

„Nächstes Mal?“

„Oh, es wird garantiert ein nächstes Mal geben, Sophia“, versprach er. „Ich beabsichtige, dass diese Verführung eine lange und angenehme Erfahrung für uns beide wird.“

„Verführung …?“ Vor Unsicherheit zitterte ihre Stimme.

Dante lachte leise. „Merkst du etwa nicht, wie du mich verführst, nur weil du hier bei mir bist?“

Sophia merkte nur zu gut, wie er seine Erregung gegen sie drängte. „Dante …?“ Sie keuchte erneut, als seine Finger unter den Saum ihrer Pantalettes glitten und nacktes Fleisch berührten. „Dante, du musst sofort damit aufhören!“

„Muss ich das?“ Er klang enttäuscht. Sanft knabberte er an ihrer empfindlichen Kehle.

„Ja, du musst!“ Die Lust, die ihr seine zärtlichen Finger verschafften, ließ sie aufstöhnen.

Aber Dante hörte die Furcht in Sophias Stimme. Trotz der unbändigen Freude darüber, sie endlich in seinen Armen halten zu können, wurde ihm klar, dass alles für sie viel zu schnell ging. Er durfte sie auf keinen Fall verschrecken.

Zehn unendlich lange Jahre hatte er auf diese einzigartige Frau gewartet. Neun Jahre davon war sie mit einem anderen Mann verheiratet gewesen. Die letzten zwölf Monate hatte sie dann um ihn getrauert. Wenn Dante nun zu stürmisch war, so kurz davor, sein Ziel endlich zu erreichen, lief er tatsächlich Gefahr, dass Sophia ihm niemals gehören würde …

4. KAPITEL

Zwar hatte Sophia den Vorschlag ihrer Freundin Genevieve, sich einen – oder mehrere – Liebhaber zu nehmen, noch bevor die Saison vorbei war, vernommen und darauf reagiert, doch sie hatte ihn nicht wirklich ernst genommen.

Und nichts in Sophias bislang sehr behütetem Leben hatte sie darauf vorbereitet, wie sie sich nun verhalten sollte, nachdem Dante ihr solch immense Lust verschafft hatte.

„Dante …?“ Sie blickte hinauf in sein Gesicht und hoffte, dass er wusste, wie sie diese peinliche Situation auflösen könnten.

Dante hielt kurz inne, schloss die Augen und atmete tief ein, um noch einmal Sophias Duft aufzunehmen. Dann blickte er sie widerstrebend an. Im Halbdunkel des Zimmers erkannte er, dass die Röte auf ihren Wangen Verlegenheit widerspiegelte, nicht die Leidenschaft, die er sich erhofft hatte. Dass sie krampfhaft versuchte, seinem Blick auszuweichen, bestätigte seine Vermutung. In ihren tiefgrünen Augen schwammen sogar Tränen, als sie hastig versuchte, ihr Kleid zurechtzuzupfen.

Sie wandte ihr Gesicht ab, aber im Mondlicht glänzten die Tränen in den langen dunklen Wimpern. „Ich – das ist wirklich mehr als peinlich, Sherbourne.“ Sie befeuchtete ihre Lippen. „I-ich weiß nicht einmal, was ich sagen soll.“

Bei dieser wieder so formellen Anrede seufzte Dante innerlich auf. „Das ist auch nicht nötig, Sophia“, sagte er sanft.

Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und wandte sich wieder von ihm ab. Ihre Wangen wurden noch röter. „Ich – diese Intimität darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

„Nun, sie wird sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit wohl doch wiederholen, Sophia“, versicherte Dante ihr leise.

„Nein.“

„Einmal.“ Er nickte. „Und noch einmal. Und noch einmal.“

Sie starrte ihn an. „Nicht, wenn ich es nicht will.“

„Aber warum solltest du es nicht wollen?“, fragte er heiser. „Du warst doch gerade genauso erregt wie ich, oder etwa nicht? Bitte lüge mich jetzt nicht an, Sophia.“

Noch einmal befeuchtete sie ihre Lippen mit der Zunge. „Ich …“

„Bitte, Sophia“, drängte er sie.

Widerwillig zog sie die Brauen zusammen. „Ich kann wohl das allzu Offensichtliche nicht verleugnen.“

Dante entspannte sich ein wenig. „Es darf zwischen uns keine Hindernisse mehr geben, Sophia. Nur Genuss. Genuss, den du in Zukunft nur mit mir zusammen erleben sollst“, fügte er hinzu. Der Gedanke, dass ein anderer Mann seine wunderschöne Sophia auch nur anfasste, machte ihn wütend.

Sophias schluckte heftig und antwortete: „Aber …“

„Nur mit mir, Sophia“, wiederholte Dante bestimmt und kam einen weiteren Schritt auf sie zu, sodass er sie fast wieder berührte.

So nah stand er, dass Sophia das Glitzern in seinen grünen Augen nicht übersehen oder die Wärme ignorieren konnte, die von seinem muskulösen Körper ausging.

Ebenso wenig ließ sich der Beweis ihrer hitzigen Küsse auf seinen sinnlichen und leicht geschwollenen Lippen verleugnen. Ob ihre eigenen Lippen auch so … geküsst aussahen?

Was hatte sie nur getan? Und wie würde sie es nur jemals schaffen, wieder eine distanzierte Beziehung zu Dante herzustellen, wie es die Regeln des Anstands verlangten? All die Jahre, in denen sie sich ihm gegenüber kühl benommen, ihre eigenen Wünsche verleugnet hatte, hatten sich durch ihre heftige Reaktion in Luft aufgelöst!

Das wilde Verlangen in Dantes faszinierendem Gesicht, sein Blick, dessen Intensität Sophia erneut erzittern ließ, verdeutlichten ihr, dass er ganz sicher nicht die Absicht hatte, ihr dabei zu helfen, wieder Distanz – weder körperlich noch gefühlsmäßig – zwischen ihnen aufzubauen

Sie schüttelte entschieden den Kopf und hob das Kinn. „Nachdem ich neun Jahre lang als Ehefrau und ein Jahr als Witwe gelebt habe, möchte ich mich nun bestimmt nicht wieder mit einem einzigen Liebhaber begnügen.“

„Wenn du glaubst, dass ich all die Jahre gewartet habe, bis du frei wirst, nur um dich dann mit anderen Männern zu teilen, machst du einen großen Fehler.“ Ein Nerv pulsierte, als er die Zähne zusammenbiss. „Sophia, das sage ich dir ganz gerade heraus: Es wird niemanden für dich geben, außer mir – in deinem Leben und in deinem Bett!“

Sophia starrte ihn wütend an. „Und wie genau willst du das erreichen?“

Dante lächelte freudlos, ganz und gar nicht zufrieden damit, wie sich dieses Gespräch entwickelte. Aber das war Sophia. Die stets genauso schön wie stur und entschlossen war. Es wäre wohl übermäßig optimistisch gewesen, hätte er nach diesem erneuten Kuss erwartet, dass sie sich ihm an den Hals warf.

Er lächelte noch breiter, als er sich die Jagd ausmalte, die er, da war er ganz sicher, am Ende gewinnen würde. Sie würde ihm gehören – etwas anderes konnte und wollte er sich nicht vorstellen. „Ich werde zu deinem Schatten“, informierte er sie fröhlich. „Wo auch immer du in Zukunft hingehst, was auch immer du tust – ich folge dir.“

Sie starrte ihn höhnisch an. „Du folgst mir also wie das unverschämte kleine Hündchen, als das ich dich vorhin schon bezeichnet habe?“

„Wuff“, entgegnete Dante trocken.

Verärgert, dass ihr Spott sein erhofftes Ziel nicht erreichte, riss sie die Augen auf. „Das wird ja ein schöner Anblick sein. Dante Carfax, der unverheiratete Earl of Sherbourne, schnüffelt um den Rock einer älteren Frau, einer Witwe, herum, die auch noch ganz deutlich kein Interesse an ihm hat.“

„Soll ich dir, liebste Sophia, noch einmal zeigen, wie wenig Interesse du an mir hast?“ Seine Stimme war hart.

Sophia blickte ihn ungeduldig an, auch wenn sie merkte, wie sich ihre Wangen vor Scham röteten. „Du hättest in der Dunkelheit doch irgendein beliebiger Mann sein können. – Dante!“, rief sie atemlos, als er sie erneut in seine Arme riss und eng an die Brust drückte.

„Es war Dante, der dich gerade geküsst hat, Sophia“, presste er heraus. „Der dich so intim berührt hat. Der deine Feuchtigkeit an seinen Fingern gefühlt hat.“

Sophia konnte ein leises Stöhnen nicht unterdrücken. Dantes Worte füllten sie erneut mit Begierde. Sie war neun Jahre lang verheiratet gewesen, aber nie, niemals, hatte sie erlebt, was vor einigen Minuten zwischen Dante und ihr geschehen war. Es war so viel mehr als das, was sie als Intimität zwischen Mann und Frau kannte.

Als sie Simon Rowlands, den achten Duke of Claybourne, geheiratet hatte, war sie zweiundzwanzig und regelrecht weltfremd, vollkommen unerfahren gewesen. Sie hatte nicht gewusst, wie ein Mann seiner Ehefrau seine Zuneigung zeigte. Ihr eigener Vater war bei Sophias Geburt zum Witwer geworden und hatte solche Dinge natürlich niemals mit ihr besprochen. Er war einige Zeit vor Sophias Hochzeit mit Simon verstorben. Und auch die alleinstehende Tante, die während Sophias Kindheit bei ihnen gewohnt hatte und plötzlich an der Grippe starb, als Sophia fünfzehn war, hätte ein solch heikles Thema niemals auch nur erwähnt.

Simon Rowlands war ein Freund von Sophias Vater gewesen, einer der wenigen, die ihm treu blieben, auch nachdem die gute Gesellschaft ihm den Rücken gekehrt hatte. Simons Antrag nach dem Tod seines etwa gleich alten Freundes war Zeichen seiner Loyalität und seines Pflichtgefühls, da Sophia damals plötzlich ganz allein auf der Welt war.

Ihre Ehe hatte auf Zuneigung und Respekt beruht, gleicher Intelligenz und gleichen Interessen, nicht aber auf Liebe und körperlicher Leidenschaft.

Empfindungen, die Dante in ihr umso stärker weckte und die sie vor einigen Minuten fast vollständig die Kontrolle hatten verlieren lassen …

Sie hob das Kinn und blickte ihn hochmütig an. „Du kannst dir noch so viel vornehmen, Dante, aber du solltest wissen, dass ich mir genauso hartnäckig vornehme, dass du niemals Erfolg haben wirst!“

Er blickte sie forschend an, die Augen zusammengekniffen. „Du leugnest also nicht, wie du vorhin auf mich reagiert hast?“

Sie presste die Lippen zusammen, in Gedanken an die Leidenschaft, die sie bei seinen verruchten Liebkosungen verspürt hatte. „Unter den gegebenen Umständen wäre Leugnen wohl zwecklos.“

„Und dass du es genossen hättest, diese Erfahrung weiterzuverfolgen?“

Ihr Atem stockte, als sie sich ausmalte, wie Dantes Lippen sich an den Stellen anfühlen würden, die er vorhin beschrieben hatte. „Das kann ich wohl auch nicht leugnen“, gab sie mit belegter Stimme zu.

Verblüfft schüttelte er den Kopf. „Aber warum kämpfst du dann immer noch dagegen an?“

Dante würde es nicht verstehen. Nein, er hatte schließlich nicht erlebt, wie die ganze Gesellschaft ihren Vater ausgestoßen hatte und wie schmerzhaft das gewesen sein musste. Sophia selbst hatte seinen Schmerz erst nachempfinden können, als sie alt genug war. Die Einstellung der anderen ihr gegenüber hatte sich erst geändert, als der respektable und sehr geschätzte Simon Rowlands, Duke of Claybourne, sie zur Frau genommen und ihr mit seinem Einfluss wieder gesellschaftliches Ansehen verschafft hatte.

Wenn Sophia sich nun in eine Affäre mit dem Earl of Sherbourne stürzen würde – zugegebenermaßen einem äußerst attraktiven Gentleman, der vier Jahre jünger war als sie und auf dem Heiratsmarkt hoch gehandelt wurde – und diese Tatsache auch nur einem einzigen Mitglied des ton zu Ohren kommen sollte, würde das Ergebnis ein Skandal gigantischen Ausmaßes sein. Und davon würde Sophia sich nie wieder erholen.

Sie straffte die Schultern. „So ist es nun einmal. Und das muss dir als Erklärung reichen.“

Dante atmete tief ein, frustriert über Sophias ungebrochene Sturheit. „Ich muss dich warnen, ich gebe mich im Ring nicht so leicht geschlagen.“

Sophia lächelte leicht. „Wir sind aber doch gar nicht im Ring.“

Er hob spöttisch die Augenbrauen. „Ach nein?“

Ihr Lächeln verschwand. „Was mich angeht, nein.“

Doch Dante schien es, als stünden sie genau in der Mitte der Kampfarena. „Du musst aber zugeben, dass ich zumindest die erste Runde gewonnen habe.“

Sophias zarte Wangen überzogen sich wieder mit einer feinen Röte, aber dieses Mal vor Wut. Sie blitzte ihn mit ihren tiefgrünen Augen ärgerlich an. „Sie haben vielleicht eine lächerliche kleine Schlacht, ein kurzes Gefecht gewonnen, Sherbourne. Aber den Krieg, das sage ich Ihnen, den gewinne ich!“

Dante nickte anerkennend. „Wenn das so ist, liebe Sophia, dann verkündige ich hiermit Folgendes: Der Krieg hat begonnen!“

5. KAPITEL

Dante machte seine Drohung wahr und schaffte es, in der folgenden Woche überall dort aufzutauchen, wo Sophia hinging.

Wenn sie mit ihrem Dienstmädchen einkaufen ging, fand sie sich ganz schnell in Begleitung eines attraktiven Weggefährten, der für sie Taschen und Kartons trug und allen, denen sie begegneten, charmant zulächelte. Wenn sie mit der Kutsche im Park unterwegs war, erschien schon bald ein Reiter auf einem prächtigen kastanienbraunen Jagdpferd vor dem Kutschenfenster. Bei jeder einzelnen Abendveranstaltung, an der sie teilnahm, wurde kurz nach ihrer Ankunft auch der Earl of Sherbourne angekündigt, ganz egal, ob er eine Einladung hatte oder nicht. Denn welche vernünftige Gastgeberin würde es wagen, den begehrten Dante Carfax abzuweisen?

Sophia schaffte es in dieser Woche noch nicht einmal, mit Genevieve oder Pandora zu sprechen, da Dantes ständige Gegenwart ein Treffen, geschweige denn eine private Unterhaltung mit ihren zwei besten Freundinnen, unmöglich machte.

An einem dieser Abende war Sophia bei Lord und Lady Chumsford eingeladen, deren Tochter Clarissa ihre musikalischen Künste vorführte. Nur Minuten, nachdem Sophia angekommen war, wurde auch Dante angekündigt. Sofort eilte er zu ihr und nahm neben ihr Platz.

„Du scheinst der Darbietung nicht die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken, meine Liebe.“ Dante hatte sich vorgebeugt und flüsterte in Sophias Ohr, da er hoffte, der Grund für ihre Ablenkung zu sein.

Für ihn war es eine lange schwierige Woche gewesen, denn schließlich war er meist mehrfach täglich in Sophias Nähe gewesen und durfte doch seiner stetig größer werdenden Begierde, sie zu besitzen, nicht nachgeben. Die zehn Jahre des Wartens auf diese Frau waren seiner Geduld nicht gerade zuträglich gewesen, und nun, da sie frei war und fast, ja fast in seiner Reichweite, musste er eine nahezu übermenschliche ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Historical Collection Band 7" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen