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Der Ruf des Verlangens

Margaret Moore, Marguerite Kaye, Amanda McCabe, Linda Skye, Jeannie Lin

Der Ruf des Verlangens

MARGARET MOORE

Die Küsse des walisischen Kriegers

Die Pflicht verlangt von Trefor, Lord of Pontyrmwr, dass er eine standesgemäße, reiche Edelfrau heiratet. Doch mehr als jede andere weckt ausgerechnet die betörende Dienstmagd Bron sein Begehren …

MARGUERITE KAYE

Hinter der Maske der Kurtisane

Als Troy Templeton, Earl of Ettrick, sie für ihre sündige Zwillingsschwester hält, spürt die brave Constance überraschend heiße Erregung – und lässt Troy in dem Glauben, sie sei die berühmte Kurtisane …

AMANDA MCCABE

Gestade Der Leidenschaft

Carlos de Alameda fühlt sich unwiderstehlich angezogen von der schönen jungen Contessa de Valadez, die als Einzige einen Schiffbruch überlebt hat. Doch er spürt auch, dass sie Geheimnisse verbirgt …

LINDA SKYE

Hingabe auf Befehl des Seigneurs

Bei der abenteuerlichen Suche nach dem Tagebuch einer berühmten Kurtisane tauchen die Musikerin Jia und der Scholar Luo Cheng immer tiefer ein in eine ungeahnte Welt der Sinnlichkeit …

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Die Küsse des walisischen Kriegers

1. KAPITEL

Llanpowell, Wales, 1205.

Als Bron den großen stattlichen Mann in der Großen Halle von Llanpowell stehen sah, schlug ihr das Herz bis zum Hals. Sie hätte ihn mit Sicherheit überall wiedererkannt, obwohl er sich stark verändert hatte.

Trefor ap Gruffydd, der verstoßene Sohn des verstorbenen Herrn von Llanpowell, war heimgekehrt, denn die Fehde mit seinem jüngeren Bruder Madoc war endlich beigelegt.

„Bron, führe Owain in die Küche. Ich glaube, er hätte gern etwas Brot oder Suppe“, befahl Madoc, der neue Herr von Llanpowell. Das war der zweite Schock an diesem Tag gewesen – dass nämlich der kleine Junge neben Trefor gar nicht Madocs Sohn war, sondern Trefors. Dieses Geheimnis hatte Madoc für sich behalten, seit die Mutter des Kindes bei der Geburt ihres Sohnes verstorben war. „Oder Honigkuchen?“, fragte der fünfjährige Owain mit klarer und selbstbewusster Stimme, wie es sich für den Sohn eines Edelmannes geziemte.

„Ja, gewiss“, antwortete Bron pflichtbewusst und lächelte, obwohl sie lieber in der Halle geblieben wäre, um Trefors veränderte Gesichtszüge genauer zu betrachten. Früher hatten seine blauen Augen mit den schwarzen Wimpern fast immer einen Ausdruck von ruhiger Fröhlichkeit gehabt. Heute jedoch wirkte sein Blick kühl und zurückhaltend. Trefors Körper war noch immer muskulös und breitschultrig, aber er war sehniger und härter geworden. Sein Gesicht war nun kantig und schmal und zeugte davon, dass der ehemals verwöhnte Sohn des verstorbenen Herrn von Llanpowell sich in der Zwischenzeit in vielen Schlachten als Krieger bewährt hatte.

„Ich danke dir, Bron“, sagte Trefor. „Du hast dich überhaupt nicht verändert.“

Sie errötete und sagte nichts, aber sie fand den Gedanken aufregend, dass der vornehme Sohn des Hauses sich noch an sie, einfache Dienstmagd, erinnerte. Damals, als er verbannt wurde, war sie fast noch ein Kind gewesen. Mit einem Mal fühlte sie sich so beschwingt, als könne sie bis an die Deckenbalken der Halle fliegen.

Vielleicht wollte er mir aber auch nur ein Kompliment machen wie jeder anderen Frau, dachte Bron und ging mit Owain in die Küche. Ihre Aufregung legte sich so schnell, wie sie gekommen war. Trefor war schon immer ein liebenswürdiger Mann gewesen. Früher war er als Ältester der Lieblingssohn des Lords gewesen, und vor ihm schien ein glückliches, gesegnetes Leben zu liegen. Dann aber war Trefor zu seiner eigenen Hochzeit betrunken aus einem Freudenhaus gekommen. Die Verwandten der Braut waren darüber so erbost, dass sie mit einem sofortigen Ende der seit drei Generationen bestehenden Verbindung zwischen den Familien drohten. Um das zu verhindern, hatte Trefors jüngerer Bruder Madoc die Braut geheiratet und war zum Erben seines Vaters bestimmt worden. Trefor hingegen bekam von seinem Vater nur ein kleines Landgut übereignet. Die beiden Brüder blieben erbitterte Feinde, bis Madoc heute endlich die Wahrheit über Owains Vaterschaft enthüllt und so Frieden zwischen ihnen geschlossen hatte.

„Ist es wirklich wahr?“, fragte der Koch Hywel, als Bron und Owain die Küche betraten. „Der Junge ist nicht Madocs Sohn, sondern Trefors?“

„Es scheint so“, erwiderte Bron ruhig. Sie stellte fest, dass auch die übrigen Bediensteten untätig in der Küche herumstanden.

„Genau seine Augen!“, rief Rhonwen aus. Ihre Hände waren mit Mehl bedeckt, aber die Brotschüssel stand unbeachtet neben ihr.

Owain klammerte sich fest an Brons Hand, und sie wollte ihn schnell beruhigen.

„Haben wir noch Honigkuchen?“, erkundigte sie sich und führte den Jungen zu einer Sitzbank an einem der Arbeitstische in der großen, warmen Küche.

„Oh ja“, meinte Lowri, eine ältere Frau, die gerade dabei war, Lauch für ein Schmorgericht in Stücke zu schneiden. „Ich hole ihn.“

Auf dem Weg in die Vorratskammer hielt Lowri kurz an und tuschelte mit Rhonwen. Sie schauten auffällig herüber zu Bron, die Trefors Namen auffing und errötete. Damals hätte sie zurückhaltender sein sollen, aber sie hatte ihre Bewunderung für den Sohn des Lords wohl zu deutlich gezeigt. Jedermann wusste, wie betrübt sie gewesen war, als er verstoßen wurde. Die Vergangenheit war nicht mehr zu ändern, aber von nun an würde sie vorsichtiger sein und ihre Gefühle für sich behalten.

Lowri kehrte mit zwei kleinen Honigkuchen zurück, die der Junge verschlang, als wäre er am Verhungern.

„Bleibt Trefor heute eigentlich hier?“, fragte Rhonwen. „Oder reist er nach Pontyrmwr zurück, bevor es dunkel wird?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Bron wahrheitsgemäß. Es gelang ihr, zu klingen, als würde es sie nicht besonders interessieren.

„Geh und erkundige dich“, befahl Hywel. „Ich muss es wissen, damit ich …“

Der Koch verstummte, als Trefor persönlich in die Küche trat. „Hywel, auch noch hier, wie ich sehe“, bemerkte er mit seiner tiefen Stimme, die so klangvoll und melodisch war wie die eines Hofsängers.

„Die Stimme der Versuchung“ hatten ihn früher die Frauen genannt, und das gewiss zu Recht. Jedoch hatte er damals nicht versucht, Bron zu verführen, noch ihr jemals besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Hywel nickte zur Begrüßung und wischte seine Hände an der Schürze ab, die um seine ausladende Mitte gebunden war.

„Und Rhonwen und Lowri auch. Wie in alten Zeiten, was?“

Also erinnerte er sich noch an alle. Sie war eine Närrin gewesen, es für bedeutsam zu halten, dass er ihren Namen noch kannte. Offensichtlich war er auch immer noch genauso charmant wie einst und dadurch bei vornehmen wie einfachen Leuten gleichermaßen beliebt.

„Hast du genug gegessen, damit du bis zum Abendessen durchhältst, mein Sohn?“, fragte er Owain, und man konnte deutlich seinen Stolz hören, als er den Jungen seinen Sohn nannte.

Es musste ihm sehr viel bedeuten, ein Kind von der Frau zu haben, die er geliebt hatte – obwohl er Gwendolyn zuerst an Madoc verloren hatte und sie dann auch noch im Kindbett verstorben war.

Owain nickte und musterte misstrauisch den Mann, dessen Augen den seinen so ähnlich waren.

„Führst du mich auf der Burg herum, Owain?“, fragte Trefor. „Ich bin seit vielen Jahren nicht mehr auf Llanpowell gewesen, höchstens einmal im Innenhof. Madoc hat mir erzählt, dass er einiges hier umgebaut hat.“ Der Junge schaute hilfesuchend zu Bron. „Ich bin auch schon lange nicht mehr hier gewesen, nicht wahr, Bron?“, sagte er. „Vielleicht solltest du ihm alles zeigen.“

Trefor zog die dunklen Augenbrauen hoch. „Du denkst, ich sollte mit Bron gehen?“

Der Vorschlag des Kindes war völlig unschuldig gemeint gewesen, aber als Trefor ap Gruffydd die Worte mit dieser Stimme und diesem Gesichtsausdruck wiederholte, bekamen sie eine völlig andere Bedeutung. Auch die übrigen Bediensteten in der Küche hatten das sehr wohl bemerkt, wie ein hastiger Blick von Bron in die Runde bestätigte.

„Wie ist es, Bron, soll ich meinem Sohn nachgeben?“, fragte Trefor herausfordernd.

Noch nie war es in der Küche so still gewesen.

Welche Wahl hatte sie schon? Trefor war der Herr von Pontyrmwr, wenn auch nicht von Llanpowell, und sie war nur eine Dienstmagd. „Gewiss, wenn es Euer Wunsch ist, Herr.“

„Mein Bruder ist umtriebig gewesen“, meinte Trefor, als er neben Bron auf dem Wehrgang stand und über die Außenmauer von Llanpowell blickte. „Es war mir bekannt, dass er die äußeren Befestigungen verstärkt und neue Gebäude errichtet hat, aber mir war nicht bewusst, dass er so viel umgebaut hat.“ Er lehnte sich mit dem Rücken an eine der Zinnen. „Aber die Halle ist wenigstens unverändert geblieben, sonst würde ich hier gar nichts mehr wiedererkennen.“

Bron nickte zustimmend und schaute weiter über die Mauer hinweg nach draußen, weg von Trefor, seinen breiten Schultern und den kräftigen Armen, die er vor dem muskulösen Oberkörper verschränkte. Er war einfach gekleidet mit einer Ledertunika, Reithosen und Stiefeln, und sein Schwert war tief um die schmalen Hüften gegürtet, aber dennoch wirkte er so majestätisch wie ein König. Das war schon immer so gewesen und würde vermutlich auch so bleiben, gleichgültig, welchen Schwierigkeiten er sich ausgesetzt sah.

„Ich gebe zu, ich bin überrascht, dich noch hier zu sehen, Bron“, fuhr er fort. „Ich war sicher, du wärst inzwischen verheiratet und hättest eine Schar Kinder. Du bist jetzt ungefähr neunzehn, nicht?“

Er wusste noch ihr Alter? „Gewiss, Herr.“

„Ein hübsches Mädchen wie du hat doch sicher Heiratsanträge bekommen.“

Ja, hatte sie, aber nicht von dem Mann aus ihren Träumen, in denen sie eine Lady und damit eine würdige Braut für Trefor war und sein Leben mit ihm teilen konnte.

Und sein Bett.

In ihren Fantasien hatten sie sich schon unzählige Male geliebt. Manchmal war er zärtlich und flüsterte ihr mit seiner wundervollen Stimme Koseworte ins Ohr, küsste sie und streichelte ihren Körper. Manchmal näherte er sich ihr in lustvoller Entschiedenheit. Stets erwiderte sie seine feurige Leidenschaft, denn in ihren Träumen blieb es ohne Konsequenzen, wenn sie sich dem Mann hingab, den sie schon seit ihrer Kindheit anhimmelte.

„Madoc hat dir hoffentlich nicht verboten zu heiraten, oder doch?“

„Es gab niemanden, den ich hätte heiraten wollen, Herr.“ Sie klang bedrückt und errötete tief. Außer dir, und das kann niemals sein.

„Ich mag es kaum glauben, dass du in all der Zeit, während ich fort war, keinen passenden Mann zum Heiraten gefunden haben willst.“

Seine Worte versetzten ihr einen Stich ins Herz. „Ich bin keine Lady und habe keinen reichen Vater“, gab sie zu bedenken. „Einem Ehemann habe ich nicht viel zu bieten.“

„Das würde ich nicht sagen, Bron“, erwiderte er mit einem anerkennenden Blick auf ihren Körper.

Auch andere Männer hatten sie schon begehrlich angesehen. Mehr als einer hatte seine gierigen Hände an sie gelegt, nur um von ihr zurückgewiesen und von Madoc streng getadelt zu werden, der nicht wollte, dass seine Mägde zum Vergnügen ausgenutzt wurden.

Doch bei Trefor war es anders. Verwirrend, aber auch erregend.

Was würde sie tun, wenn er mehr wollte, als sie nur anzusehen? Wenn er sie jetzt in seine Arme nähme, sie küsste und über ihren Körper streichelte? Wenn er sie gegen die Steinmauer drängen und ihre Röcke anheben würde und …

Ihre eigenen Gedanken erschreckten sie, und so sagte sie schnell das Erste, das ihr in den Sinn kam: „Ihr seid auch nicht verheiratet, Herr, obwohl Lady Gwendolyn schon seit einigen Jahren tot ist.“

Trefor wich zurück, als hätte sie ihn geohrfeigt.

„Ich habe lange genug hier herumgetrödelt“, stieß er rau hervor und ging schnell zu den Stufen, die zum Innenhof führten.

Bron sah ihn fortgehen. Wieder einmal. Stumm tadelte sie sich, weil sie seine verlorene Geliebte erwähnt hatte.

2. KAPITEL

Llanpowell, zehn Monate später

Da bist du ja, Bron.“

Sie fuhr erschrocken herum und sah Trefor ap Gruffydd in der Tür zum Vorratsraum stehen, wo Bron ein Dutzend getrocknete Äpfel für Hywel holen sollte. Trefors Stimme klang so ruhig und beiläufig, als würden sie tagtäglich miteinander sprechen, obwohl seit ihrer Runde auf den Burgmauern etliche Monate vergangen waren. Wenn er seither nach Llanpowell gekommen war, hatte er sie gemieden und in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal das Wort an sie gerichtet.

Bron hielt den Apfelkorb vor ihren Körper wie einen Schild. „Herr?“, antwortete sie mit kaum vernehmbarer Stimme, obwohl sie eigentlich gar nicht so zurückhaltend sein wollte.

„Ich möchte dich um eine Gefälligkeit bitten, Bron.“

Was mochte er von ihr wollen, wenn er so einen fast verlegen klingenden Ton anschlug? Zumindest musste er ihr verziehen haben, dass sie ihn an Gwendolyn erinnert hatte. „Ja, Herr?“

„Hast du schon gehört, dass Elidan und Idwal abgereist sind, um ihre Tochter in Caerpowys zu besuchen?“ Er sprach von Owains Pflegeeltern, die den Jungen zu Trefor nach Pontyrmwr begleitet hatten.

„Gewiss, Herr.“

„Seit sie fort sind, benimmt sich Owain wie ein …“ Trefor zögerte und fuhr dann offensichtlich unmutig fort: „Er tut nicht, was man ihm sagt, und ist ungezogen und vorlaut. Deine Brüder konnten früher auch ganz schön frech sein, aber auf dich haben sie immer gehört. Darum habe ich Madoc gefragt, ob du wohl für eine Weile nach Pontyrmwr kommen könntest, um mir bei der Erziehung meines Sohnes zu helfen. Madocs Frau ist zu Besuch bei ihren Eltern und hat ihren Kleinen mitgenommen, darum war er einverstanden.“

Trefor ap Gruffydd brauchte ihre Hilfe? „Ich würde mich freuen, Euch von Nutzen zu sein, Herr.“

Trefor sah jedoch gar nicht erleichtert aus, sondern machte ein finsteres Gesicht und trat von einem Fuß auf den anderen. „Es ist sehr wichtig, dass Owains Benehmen sich schnellstens verbessert. Ich werde nämlich in zwei Wochen heiraten.“

Heiraten. Er heiratet in zwei Wochen!

Der Korb rutschte aus ihren plötzlich kraftlosen Armen. Die getrockneten Äpfel fielen auf den Boden von gestampftem Lehm, und ihr fruchtiger Geruch erfüllte die Luft. Bron kauerte sich hin, um alles aufzusammeln.

Trefor kam ihr zu Hilfe und hockte sich neben sie, sodass sie einander plötzlich sehr nahe waren.

Sie wagte jedoch nicht, ihn anzuschauen, denn sie wollte seinem Blick nicht begegnen. Wie oft hatte sie sich schon in ihrer Fantasie vorgestellt, wie es wäre, mit ihm ungestört allein zu sein. In ihren Träumen sprach er jedoch immer von seiner Liebe zu ihr, und nicht von seinem Sohn, der eine Amme brauchte – oder von seiner Hochzeit mit einer anderen Frau.

„Du zitterst ja“, bemerkte Trefor. „Geht es dir nicht gut?“

Sie schüttelte den Kopf und erhob sich. Er durfte nichts von ihren Gefühlen ahnen. „Ich wünsche Euch viel Glück, Herr.“

„Es ist an der Zeit, dass ich mich um meinen Besitz kümmere, damit er so stattlich und ertragreich wie möglich wird, für Owain, aber auch für meine Gefolgsleute. Dazu brauche ich viel Geld“, sagte er, obwohl er ihr keine Erklärung schuldete. „Isabelle ist die Tochter eines reichen Kaufmanns. Sie wird mit ihrem Vater einige Tage vor der Hochzeit in Pontyrmwr anreisen, und bis dahin muss sich Owains Benehmen unbedingt bessern. Ich will nicht, dass sie denken, mein Sohn sei schlecht erzogen.“

Bron nickte.

„Außerdem brauche ich Unterstützung bei den Hochzeitsvorbereitungen, damit die Große Halle festlich aussieht und die Speisen angemessen zubereitet werden. Von Madoc habe ich gehört, dass du viel Erfahrung in solchen Dingen hast.“

„Gewiss, Herr.“

Seine Miene sah jetzt nicht mehr so hart aus, und er sprach mit sanfter Stimme, die ihr das Herz zu brechen drohte. „Du musst aber nicht mit mir nach Pontyrmwr kommen, wenn du nicht möchtest. Ich finde sicher auch ohne dich einen Weg, mit meinem Sohn und dem Haushalt fertig zu werden.“

Sie hätte eigentlich gern abgelehnt, doch dann dachte sie an den kleinen Owain, der im vergangenen Jahr so viele Veränderungen hatte verkraften müssen. Bald würde es eine weitere Veränderung für ihn geben, nämlich die neue Frau seines Vaters. „Wenn Lord Madoc und Lady Roslynn ohne mich auskommen können, bin ich einverstanden und werde tun, worum Ihr mich bittet. Wann brechen wir auf?“

Seine Haltung entspannte sich. „Sobald du bereit bist.“

„Dann bringe ich schnell diese Äpfel zu Hywel und gehe danach gleich meine Sachen packen.“

Sie wollte an ihm vorbeigehen, aber Trefor legte ihr die Hand auf den Arm, um sie zurückzuhalten. Seine Berührung verstärkte noch ihren Kummer. „Ich schulde dir meinen Dank, Bron.“

Sie kämpfte mit ihren dummen, sinnlosen Tränen. Er war ein Lord und sie nur eine Dienstmagd im Haushalt seines Bruders. „Hywel wartet auf diese Äpfel, Herr.“

„Ich bringe sie selbst zu ihm“, sagte Trefor und nahm ihr den Korb aus den Händen. „Und du holst deine Sachen, denn ich will so schnell wie möglich aufbrechen.“

„Wie Ihr wünscht, Herr“, antwortete sie gehorsam.

Ungeduldig marschierte Trefor auf dem Podest in Madocs Halle hin und her. Wie lange brauchte eine Frau eigentlich, um ein paar Sachen zu packen? Es schien ihm, als wäre mindestens ein halber Tag vergangen, seit er Bron um Hilfe mit seinem Sohn gebeten hatte.

Gott sei dank hatte sie eingewilligt, denn wäre sie nicht einverstanden gewesen, hätte er nach Owains Pflegeeltern schicken müssen. Es war erheblich bequemer für ihn, Bron um Hilfe zu bitten, weil sie in der Nähe wohnte, und es kostete weniger Zeit und Mühe, sie zu holen. Allerdings erinnerte sie ihn schmerzlich an seine unbeschwerte Jugendzeit, bevor er so furchtbare Fehler gemacht hatte.

„Um Himmels willen, setze dich doch bitte endlich hin und trinke ein Glas Wein“, befahl Madoc von seinem Platz neben der Feuerstelle aus. „Wenn du wie ein Wolf im Käfig auf und ab läufst, wird Bron auch nicht schneller fertig.“

„Das weiß ich selbst“, brummte Trefor und ließ sich in den anderen mit Eichenschnitzereien verzierten Lehnstuhl fallen. „Aber je früher wir nach Pontyrmwr kommen, desto eher kann sie Owains Erziehung in die Hand nehmen. Ich sage dir, Madoc, bei diesem Kind bin ich mit meiner Weisheit am Ende.“

„Was hast du denn erwartet?“ Madoc reichte seinem Bruder einen Kelch mit Wein. „Er ist eben genau wie du.“

Trefor warf Madoc einen misstrauischen Blick zu, weil er fand, dass Owain seinem Onkel Madoc viel ähnlicher war als ihm. „Willst du etwa einen neuen Streit beginnen?“

Madoc schüttelte den Kopf. „Bei allen Heiligen, nein! Ich weiß ja selbst, dass der Junge schwierig ist.“ Er stieß einen tiefen Seufzer aus. „Ich hätte von Anfang an ehrlich zu dir sein sollen.“

„Für das, was zwischen uns passiert ist, trägst du nicht mehr Verantwortung als ich“, erwiderte Trefor, der es bereute, an die Vergangenheit gerührt zu haben. Am besten sprachen sie nie mehr darüber … auch nicht über Gwendolyn. „Ich brauche aber Unterstützung bei seiner Erziehung, bevor Isabelle mit ihrer Mitgift ankommt. Wenn es Bron gelingt, Owain zur Vernunft und zu einem besseren Benehmen zu bringen, wird alles gut.“

Jedenfalls hoffte er das von ganzem Herzen.

„Ja gewiss, Bron kann gut mit Kindern umgehen, und auch mit Säuglingen. Ich weiß nicht, was Roslynn ohne sie machen würde. Es ist ganz gut, dass sie gerade nicht hier ist, sonst hättest du weit mehr Überredungskunst aufbringen müssen.“

Schließlich stellte Trefor die Frage, über die er seit Monaten nachdachte: „Ist das der Grund dafür, dass Bron nicht geheiratet hat? Weil Roslynn sie braucht?“

„Ganz und gar nicht“, antwortete Madoc, ohne zu zögern. „Wir wären beide glücklich, wenn sie einen guten Ehemann finden würde. Aber sie scheint an keinem der Männer interessiert zu sein, die um sie werben. Jeden Bewerber lässt sie mit ihrem kalten, abweisenden Blick erstarren, ja, wahrlich!“

Trefor konnte kaum glauben, dass sie von derselben Person sprachen.

„Wohlgemerkt“, fuhr Madoc mit ironischem Grinsen fort, „hat das ein paar Männer dennoch nicht davon abgehalten, bei mir um ihre Hand anzuhalten, einschließlich unseres Onkels Lloyd.“

Trefor verschluckte sich beinahe an seinem Wein. „Onkel Lloyd?“

„Natürlich war es von seiner Seite aus nicht ganz ernst gemeint, und wahrscheinlich wollte er sie nur necken. Allerdings sagte sie darauf etwas Merkwürdiges zu ihm – nämlich, dass sie schon jemanden liebe und es zwecklos sei, sie noch einmal zu fragen. Ich vermute, sie wollte ihm nur die Neckerei zurückzahlen.“

Madoc hatte zweifellos recht, dennoch verspürte Trefor plötzlich den dringenden Wunsch, sofort zu Bron zu gehen und sie zu fragen, ob sie tatsächlich in jemanden verliebt war. Obwohl er natürlich kein Recht hatte, ihr diese Frage zu stellen.

„Du musst sehr gut auf sie aufpassen, Trefor“, warnte Madoc. „Roslynn macht uns beide einen Kopf kürzer, wenn ihr etwas zustößt.“

Trefor rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Gleichgültig, ob sein Sohn Brons lenkende Hand brauchte oder nicht, vielleicht beging er einen großen Fehler, sie nach Pontyrmwr zu holen. Hier in Llanpowell konnte er sie ignorieren und die Gefühle nicht beachten, die sie in ihm wachrief, aber in Pontyrmwr …?

Noch einmal würde er allerdings nicht seinem Begehren nachgeben. Er wusste ja, was für ein Unheil dadurch bereits einmal ausgelöst worden war. Heute konnte er seine drängenden Bedürfnisse besser kontrollieren als früher.

Andererseits erregte Bron sein Verlangen wie keine andere Frau, einschließlich Gwendolyn und seiner künftigen Braut. „Ich sorge dafür, dass niemand sie anrührt“, versprach er und schloss im Stillen sich selbst in dieses Versprechen mit ein.

3. KAPITEL

Owain, komm sofort zurück!“, rief Bron ein paar Tage später und lief eilig die Treppe hinauf, die zu Trefors Privatgemächern führte.

„Ich will aber nicht!“, rief der kleine Junge übermütig, und rannte vor ihr davon, immer weiter nach oben. „Du hast mir gar nichts zu befehlen! Ich bin der Sohn des Lords!“

Als er auf dem obersten Treppenabsatz des alten Wohnturms ankam, stieß Owain beinahe mit seinem Vater zusammen, der aus seinem Schlafgemach getreten war.

Bron blieb einige Stufen tiefer stehen. Ihre Hand lag auf dem wackligen Holzgeländer, und sie atmete tief ein und aus, um wieder Luft zu bekommen.

„Was ist das für ein Höllenlärm?“, fragte Trefor und stemmte die Hände in die Hüften. Seine Stimme hörte sich ärgerlich an, aber er hatte ein Funkeln in den Augen, als er seinen Sohn ansah, der exakt die gleiche Haltung einnahm wie er.

„Bron hat gesagt, ich darf Tom nicht helfen, dein Pferd zu striegeln!“

„Das hat sie gesagt?“, erwiderte Trefor. Er zog eine dunkle Augenbraue hoch und schaute an Owain vorbei zu Bron. „Und warum nicht?“

„Weil Gwylit wild ist, wie sein Name schon sagt“, gab Bron zurück. Sie war so sehr außer sich, dass sie nicht mit dem gebührenden Respekt sprechen konnte.

Es hatte sie vermutlich Jahre ihres Lebens gekostet, als sie den kleinen Jungen so dicht bei dem riesigen schwarzen Untier hatte stehen sehen. Madoc hatte seinem Bruder das gewaltige Pferd geschenkt. Trefor sah prachtvoll auf dem Rücken des Hengstes aus, denn er verfügte über die nötige Kraft, um ihn zu beherrschen, aber ein einziger Tritt von einem Huf dieses Tieres wäre mit Sicherheit tödlich für ein Kind.

„Außerdem ist es spät, und er muss sich vor dem Abendessen noch waschen. Er stinkt wie ein ganzer Stall, der dringend ausgemistet werden müsste.“

„Er riecht wie ein Junge“, antwortete Trefor lächelnd und strich dem Kind zärtlich über die dichten dunklen Haare, die seinen so ähnlich waren.

Owain warf Bron einen triumphierenden Blick zu und grinste breit.

Trefor schaute das Kind tadelnd an. „Das heißt aber nicht, dass du dich nicht waschen musst, mein Sohn, besonders hinter den Ohren. In dem Schmutz dahinter könnte man Gemüse anpflanzen. Und was Gwylit angeht, gebe ich Bron recht. Er ist zu groß und stark für einen Dreikäsehoch wie dich. Wenn du mal größer bist, darfst du versuchen, auf ihm zu reiten, und wenn er dich dann nicht abwirft, werde ich stolz auf dich sein.“

„Ich bin doch schon groß! Außerdem will ich ihn doch nur striegeln.“

Trefor hockte sich hin, sodass er auf Augenhöhe mit dem Kind war. „Wir werden sehen. Vielleicht irgendwann einmal, wenn ich dabei bin. Aber bis dahin wirst du dich von Gwylit fernhalten. Das ist ein Befehl, mein Sohn. Ich könnte es nicht ertragen, wenn er dich verletzen würde.“ Trefor erhob sich und tätschelte seinem Sohn den Kopf. „Ab mit dir! Wir sehen uns gleich unten in der Halle.“

Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern drehte Owain sich um und stieg die Treppe hinunter. An Bron ging er vorbei, ohne sie zu beachten. Sie wollte ihm nachgehen, aber Trefor hielt sie zurück. „Ich möchte kurz mit dir sprechen, Bron, in meinen Privatgemächern.“

Sie fragte sich, was er von ihr wollte, und folgte ihm in den kleinen Raum neben der Schlafkammer. Dort traf er gewöhnlich mit seinen Hauptleuten zusammen, außerdem bewahrte er die Dokumente und Urkunden seiner Besitztümer dort auf. Die einzigen Einrichtungsgegenstände waren ein abgenutzter Tisch, ein alter Stuhl und eine Truhe zur Aufbewahrung von Schriftstücken. Eine Feuerschale für Kohle oder Torf standen auch da, aber es brannte kein Feuer darin, das den Raum wärmen würde.

Sie wartete an der geöffneten Tür, während Trefor sich auf den einzigen Stuhl setzte.

„Wie macht sich mein Sohn eigentlich?“, fragte er.

Bron dachte einen Augenblick nach, bevor sie antwortete, denn Owain war tatsächlich ein schwieriges Kind und musste dringend Disziplin lernen. Er hörte nur auf Trefor und stolzierte auf der Burg herum wie ein kleiner König.

Sie entschied sich, besser etwas zu sagen, das seinen Vater nicht beunruhigen würde. „Er ist ein sehr gesundes Kind.“

Trefor stieß ein raues Lachen aus. „Das ist wahr. Er war noch keinen Tag krank, seit er hier ist, Gott sei Dank.“ Doch sofort wurde er wieder ernst. „Das habe ich aber nicht gemeint. Was hältst du von seinen Manieren?“

Bron wünschte, er hätte nicht gefragt, und schwieg.

Mit verdrossenem Gesicht erhob Trefor sich aus dem Stuhl. „Dein Schweigen ist mir Antwort genug“, sagte er in grimmig und schritt zu einem der schmalen Gucklöcher, durch die ein wenig Tageslicht in die Kammer fiel. „Owain ist mehr als nur schwierig.“

„Ihr verwöhnt ihn, Herr … und das kann ich gut verstehen“, fügte sie eilig hinzu. „Aber Ihr gebt ihm zu oft nach. Immer wieder kann er sich vor Euch herausreden, wenn er bestraft werden müsste. Wenn er sich bei Euch erfolgreich vor einer Arbeit drückt, zeigt Ihr ihm damit, dass er tun und lassen kann, was er will.“

„Ich gebe doch gar nicht immer nach“, erwiderte Trefor. „Gerade eben zum Beispiel. Da habe ich ihm gesagt, dass er sich von Gwylit fernhalten soll.“

„Aber meine begründete Sorge habt Ihr heruntergespielt. Aus Eurem Mund hörte es sich so an, als würde ich die Gefahr aufbauschen, obgleich Ihr wohl wisst, das ist nicht so. Ihr missachtet all meine Bedenken, also tut Owain es auch. Von Tag zu Tag gehorcht er weniger, und wenn er seinen Willen nicht bekommt, wird er trotzig und schmollt. Ich fürchte, dass es bald zu spät ist und Eure Braut einen übellaunigen, ungezogenen Stiefsohn bekommt.“

Trefors Gesichtsausdruck wurde noch finsterer, und er verschränkte die Arme vor der breiten Brust. „Er ist doch erst sechs Jahre alt.“

Bron trat ein paar Schritte auf ihn zu. Sie war entschlossen, Trefor klarzumachen, dass er Owain keinen Gefallen tat, wenn er ihm alles durchgehen ließ. „Er hat das Zeug zu einem großartigen Jungen – einem prächtigen Mann. Er ist kühn und mutig, und er kann gutherzig und großzügig sein. Einem Dorfjungen hat er zum Beispiel einen Welpen geschenkt, weil der Junge traurig war, dass sein Hund gestorben war.“

„Ich erinnere mich.“

„Dennoch muss er lernen, Respekt vor Älteren zu haben und zu tun, was man ihm aufträgt, zumindest bis er alt genug ist, um seine eigenen Entscheidungen zu treffen.“

Trefor nickte zögernd. „Ich verstehe. Und ich weiß auch, dass du recht hast. Wenn man mir in meinem Leben nicht immer wieder meinen Willen gelassen hätte, wäre mein Leben – und sicher auch das meiner Familie – wahrscheinlich ganz anders verlaufen. Vermutlich sehr viel besser.“

Als er mit dieser offensichtlich von Herzen kommenden Reue sprach, wie konnte ihr eigenes Herz ihm da nicht entgegenfliegen? Wie konnte sie nicht wünschen, seine Qual zu lindern? Aber das stand ihr nicht zu. Dazu würde sie niemals das Recht haben.

Er schaute sie wehmütig an. „Wie bist du eigentlich so weise geworden, Bron?“

Sie musste ruhig bleiben. Gelassen. Gehorsam. Bescheiden. „Ich habe drei jüngere Brüder, Herr.“

„Ja, richtig. Allesamt Lausbuben. Sind sie alle noch in Llanpowell?“

„Ja, Herr. Gareth und Gawain gehören zu der Garnison, und Ifan geht in die Lehre beim Schmied.“

„Und deine Eltern?“

„Die sind gestorben, als Ihr … fort wart, Herr.“

„Fort …“, wiederholte er leise und schaute zu Boden. „So kann man es vermutlich auch ausdrücken.“

Es tat ihr leid, ihn an seine schmerzvolle Vergangenheit erinnert zu haben. Sie wünschte wieder, sie könnte etwas tun oder sagen, um seine Gedanken leichter zu machen. Und sein Herz. „Es tut mir so leid, dass Ihr fortgeschickt wurdet.“

Er schaute wieder vom Boden auf und neigte den Kopf, um sie genau zu betrachten. „Hast du eigentlich jemals an mich gedacht, als ich fort war, Bron?“

Was sollte sie dazu sagen? Etwa die Wahrheit? Dass sie jeden einzelnen Tag an ihn gedacht hatte? Wenn sie Madoc an der Spitze seiner Gefolgsmänner sah – dass sie dann gemeint hatte, es müsste eigentlich Trefor an seiner Stelle sein? Dass sie es kaum ertragen konnte, Lady Gwendolyn anzuschauen, geschweige denn zu bedienen, weil sie Madoc statt Trefor geheiratet hatte?

Sollte sie lügen? Oder lieber nichts sagen?

Sie entschloss sich zu schweigen.

„Wärst du erstaunt, Bron, wenn ich dir sagte, dass ich sehr oft an dich gedacht habe?“ Seine Stimme und sein Blick ließen ihr Herz rasen, als würde sie verfolgt.

„Es ist wirklich so“, fuhr er fort. „Ein paar Monate vor meiner geplanten Hochzeit mit Gwendolyn sah ich dich am Flussufer entlang durch den Wald wandern. Ich hatte geangelt und war kurz eingeschlafen, darum lag ich auf dem Boden und du hast mich nicht bemerkt. Du trugst einen Korb in der Hand, den du beim Gehen geschwenkt hast. Und du hast gesungen, Bron, ein Lied über Schafe und den Frühling. Du hast eine wunderschöne Stimme. Du dachtest, du wärst allein im Wald, und warst deshalb ganz ohne Scheu.“

Er kam näher, und seine Worte waren wie ein Zauber, der sie in seinen Bann zog. „Du warst immer so ein schüchternes Mädchen, Bron, und ich hatte dich bis dahin kaum wahrgenommen. An jenem Tag habe ich dich jedoch ganz bewusst angeschaut. Du hast den Korb getragen, deine Haare wehten offen im Wind, und du hast dieses Liedchen gesungen. Danach habe ich überall Ausschau nach dir gehalten, jedes Mal, wenn ein Hauch von Waldduft in der Luft lag oder wenn ich einen Korb sah oder Schafe blöken hörte. Und ganz besonders, wenn eine Frau ein Lied sang, dann dachte ich an dich.“

Er trat noch näher an sie heran, und als sie den zärtlichen Ausdruck in seinen Augen sah, schnellte ihr Puls noch weiter in die Höhe. „In Wales weht immer ein Lüftchen, Bron, und es gibt überall Schafe. Und viele Körbe und singende Frauen. Also ist wahrscheinlich kein Tag vergangen, an dem ich nicht auf die eine oder andere Weise an dich erinnert worden bin.“

Sie konnte kaum atmen, und das Denken fiel ihr schwer. So oft hatte er an sie gedacht? Und mit solcher … was? Zuneigung? Oder war es etwas anderes?

„Weil ich Euch an die Heimat erinnert habe“, flüsterte Bron, als er ihr immer näher kam.

„Möglicherweise. Aber ich habe dich wirklich vermisst, Bron.“ Er legte ihr die Hände auf die Schultern, und ihr wurden die Knie weich, weil das Gefühl seiner warmen Hände so ein starkes Verlangen in ihr auslöste. „Ich war so froh, dass Madoc dich mit mir gehen ließ, um mir hier beizustehen. Niemand anderen wollte ich so gern wie dich hier bei mir haben.“

So wie sie ihn wollte. Ihn immer gewollt hatte.

Sie schaute hinauf in seine Augen. Sie waren blau, mit einem dunklen Rand, und sie erkannte darin die gleiche Sehnsucht, die in ihr brannte.

„Ich dürfte dich nicht begehren, Bron“, sagte er leise. „Ich bin einer anderen versprochen und werde sie heiraten. Ich hätte dich nicht hierherkommen lassen dürfen, und jetzt müsste ich dir befehlen, wieder zu gehen.“

Gehen? Sie wollte nicht gehen. Nicht jetzt und nie wieder, wenn er bei ihr war.

Dann nahm er sie in die Arme, und es war, als hätte sie ihr ganzes Leben auf diesen Augenblick gewartet. Er küsste sie leidenschaftlich, genau wie in ihren Träumen, und sie erwiderte seinen stürmischen Kuss mit der gleichen Inbrunst. Sie presste ihren Körper an seinen, drückte ihre Brüste an seinen muskulösen Oberkörper. Er strich mit den Händen über ihren Körper, liebkoste sie und entfachte ihre Leidenschaft immer mehr. Den Beweis seiner Erregung konnte sie durch seine Kleider hindurch fühlen, während ihr Körper schwach und willenlos vor Verlangen wurde.

Wie oft hatte sie sich das schon erträumt? Aber kein Traum, keine Fantasie war je so intensiv gewesen wie die flammende Lust, von der sie jetzt erfüllt war. Nicht einmal der Gedanke an Sünde – oder an Schande und Verderben – war so stark wie die Sehnsucht ihres Herzens und die Hitze, die ihren Körper durchströmte.

Trefor ging es offenbar ebenso. Er hob sie auf seine Arme und trug sie durch die offene Tür bis in die innere Kammer, wo er sie auf seinem breiten Bett absetzte. Er trat einen Schritt zurück und schaute auf sie herab. Er atmete schwer, seine Lippen glänzten von ihren Küssen, so wie ihre noch von den seinen prickelten.

Sie fühlte, dass es genau so sein musste, als wäre dies schon ihre Bestimmung gewesen, als sie noch ein Mädchen an der Schwelle zur Frau war. Damals war sie zum ersten Mal von diesem warmen Gefühl durchlutet worden, wenn sie ihn ansah, und er war der einzige Mann, bei dem es ihr jemals so ergangen war.

Daher streckte sie ihm wortlos die Arme entgegen – wie eine Bitte, sie zu lieben.

Einer weiteren Einladung bedurfte er nicht. Er legte sich zu ihr auf das Bett und bedeckte ihre Lippen, Wangen, Augenlider und sogar ihre Nasenspitze mit vielen kleinen, federleichten Küssen. Nachdem er sein Gewicht auf den linken Ellenbogen verlagert hatte, öffnete er langsam mit der rechten Hand die Verschnürung ihres Kleides. Sie erschauerte vor Erwartung, als er den Knoten des Bandes löste, und stöhnte leise auf, als er seine Hand unter den Leinenstoff schob. Nur ihr dünnes Unterkleid befand sich noch zwischen ihrer Haut und seiner Hand. Er umfasste eine ihrer vollen Brüste, und rieb sanft mit dem Daumen über die pralle Knospe.

Bron bewegte sich unter ihm und spreizte die Beine. Sie fühlte seine Erregung hart und fest an ihrer intimsten Stelle. Nun wollte, brauchte sie dringend mehr von ihm! Fordernd streichelte sie seinen muskulösen Rücken und glitt mit den Händen unter sein Hemd, um endlich seine warme nackte Haut fühlen zu können.

Er bedeckte ihre Lippen mit seinem Mund und küsste sie noch leidenschaftlicher, während sie ihn weiter streichelte. Mit einer Hand strich sie bis zu seinem Hosenbund und lockerte das Zugband, bis sie endlich ihre Finger darunterschieben konnte.

Seine Lippen berührten die ihren, und er stöhnte auf, als sie seine pulsierende Männlichkeit berührte. Er murmelte zärtliche Worte und strich ihr das Unterkleid vom Körper. Endlich konnte er ihre entblößten Brüste anschauen, seinen Mund darauf pressen und seine Zunge mit den rosa Knospen spielen lassen.

Sie stöhnte. Immer leidenschaftlicher wurde ihr Wunsch, ihn in sich zu spüren.

Von draußen war plötzlich ein Ruf zu vernehmen, der laut genug war, um den Nebel ihres Verlangens zu durchdringen.

Trefor zog sich sofort zurück und eilte ans Fenster, von dem aus er den Innenhof überblicken konnte, um den Grund für die Störung festzustellen. Er stieß einen erschrockenen Laut aus, brachte seine Kleidung hastig in Ordnung und eilte aus dem Zimmer.

4. KAPITEL

Bron richtete ebenfalls ihre Kleider und lief dann die Treppe hinab in die Halle. Umgeben von Stallburschen, einigen Wachen und Dienern, trug Trefor seinen Sohn zu der Lagerstatt, die sich im wärmsten Winkel der Halle hinter einem bunt bemalten, hölzernen Wandschirm befand.

„Was ist passiert?“, rief Bron und befürchtete das Schlimmste, als sie zu ihnen eilte.

„Mir geht es gut, Bron“, sagte Owain. Er hob den Kopf und lächelte sie an, obwohl er einen Bluterguss und eine dicke Beule an der Stirn hatte.

„Es war Gwylit“, sagte Trefor und legte seinen Sohn auf das Lager. Die übrigen Zuschauer schickte er an ihre Arbeit zurück. „Ich habe bereits nach dem Arzt rufen lassen.“

„Ich habe ihn nicht gestriegelt, wirklich nicht“, erklärte Owain. „Ich habe ihn nur angesehen. Aber auf einmal hat er sich bewegt, und ich bin nach hinten gesprungen. Und dann bin ich über einen Eimer gestolpert und mit dem Kopf gegen den Pfosten geknallt.“

Bei näherem Hinsehen glaubte Bron jetzt nicht mehr, dass Owain schwer verletzt war. Sie hatte als Kind auch einmal so eine Beule gehabt, als Gareth beim Spielen mit ihr zusammengestoßen war. Trotzdem war sie froh, dass Trefor nach dem Arzt geschickt hatte.

„Du kannst auch gehen, Bron“, sagte Trefor.

Seine Stimme klang kalt und abweisend trotz allem, was gerade zwischen ihnen geschehen war. Bron fühlte sich, als hätte er sie geohrfeigt.

Vermutlich war es seine Absicht, sie zu verletzen, weil er bereits bereute, was sie getan hatten oder beinahe getan hatten, und vielleicht wollte er sie nicht in der Nähe haben.

„Ich will aber, dass Bron bei mir bleibt“, protestierte Owain und griff ängstlich nach ihrer Hand. „Ich mag es nicht, wenn der Arzt kommt.“

„Na gut, dann soll sie bleiben.“

Bron sagte sich, dass sie Trefors Tonfall keine Beachtung schenken sollte. Owain brauchte sie jetzt.

„Es tut doch gar nicht so weh, oder?“, fragte sie und setzte sich zu Owain auf das Bett.

„Doch, es tut ganz schlimm weh“, erklärte der Junge. „Aber ich glaube, ein paar Honigkuchen würden helfen.“

„Dann könntest du aber auch noch Bauchweh dazubekommen. Dir ist doch wohl nicht schlecht, oder?“

„Kein bisschen“, erklärte er.

Wenn sein Kopf schwer verletzt wäre, würde er auch unter Übelkeit leiden, dachte sie erleichtert. „Dann warten wir einfach mal ab, was der Arzt sagt.“

Owain zog eine Schnute. „Er gibt mir bestimmt was Ekliges zu trinken.“

„Dann ist Honigkuchen vielleicht das Richtige, um danach den üblen Geschmack zu vertreiben.“

Das zauberte ein Lächeln auf Owains Gesicht, und er kuschelte sich in das Kissen, als wäre er nun mit der Welt wieder im Reinen.

Bron wünschte sich, sie könnte auch so zufrieden sein, aber sie befürchtete, sie würde nie wieder glücklich werden. Dem Mann, den sie so lange aus der Ferne verehrt hatte, endlich so nahe zu kommen war eine berauschende, aber auch gefährliche Erfahrung. Wenn Owain nicht verletzt worden wäre, hätte sie ihre Unschuld heute verloren. Und was dann? Was würde die Zukunft für sie und Trefor ap Gruffydd, Lord of Pontyrmwr, bereithalten? Keine Heirat, so viel stand fest.

Sie erhob sich. „Ein Breiwickel könnte die Beule abschwellen lassen. Ich gehe sofort und bereite einen.“

Owain fasste nach ihrer Hand. „Kann das nicht jemand anders machen?“, fragte er und schaute von ihr zu seinem Vater.

„Nicht so gut wie Bron“, sagte Trefor. „Ihre Mutter hatte viel Erfahrung in diesen Dingen, darum bin ich sicher, dass sie es auch besonders gut kann. Ich bleibe hier bei dir.“

„Ich will aber Bron, nicht dich.“

Trotz der kalten, abweisenden Art, die Trefor ihr gegenüber plötzlich an den Tag legte, wäre Bron froh gewesen, wenn ihm diese Zurückweisung seines Sohnes erspart geblieben wäre.

„Dein Vater sollte bei dir sein, wenn der Arzt kommt, und ich brauche nicht lange“, sagte sie. „Lass dir von deinem Vater die Geschichte erzählen, wie er von einem Baum gefallen ist. Er wäre auf dem Kopf gelandet, wenn seine Hose sich nicht an einem Ast verfangen hätte. Und so haben sie ihn gefunden – in der Luft hängend, mit dem Kopf nach unten – wie ein abgehangener Fasan.“

Owain grinste seinen Vater an. „Wirklich?“

„Ja, mein Sohn, wirklich. Aber mein Stolz war am meisten verletzt“, sagte Trefor, während Bron davoneilte.

Stunden später, nachdem der Arzt Owain gründlich untersucht und ihnen versichert hatte, dass er nicht ernsthaft verletzt war und nachdem das Nachtmahl serviert worden war, schlief Owain endlich ein. Bron hatte die ganze Zeit an seinem Lager gesessen und stand nun auf. Sie reckte sich und drückte den Rücken durch, der vom langen Stillsitzen schmerzte, und ging um den Wandschirm herum. Trefor saß an der Feuerstelle und starrte in die Flammen. Sie hätte sich eigentlich lieber wortlos zurückgezogen, aber er hatte sie gebeten, ihm Bescheid zu sagen, wenn Owain eingeschlafen war.

Woran Trefor wohl gerade dachte?

Daran, wie knapp Owain heute mit dem Leben davongekommen war? Wie ungehorsam sein Sohn gewesen war und was er als sein Vater dagegen tun könnte?

Oder dachte er an sie und an das, was sie beinahe getan hätten? Und wenn ja – war er froh über die Unterbrechung, oder tat es ihm leid?

Oder dachte er über seine Braut nach? War es für ihn unerträglich, auf die Hochzeitsnacht zu warten, und hatte er deshalb eine andere Frau besitzen wollen, um seine Bedürfnisse zu stillen? War sie lediglich ein bequemer, allzu williger Ersatz gewesen?

Oder waren seine Gedanken bei Gwendolyn, die bei Owains Geburt gestorben war? Oder bei Madocs großer Lüge, Owain als seinen eigenen Sohn auszugeben, obwohl er Trefors Kind war? Dachte er an die Vergangenheit und an seine lange Abwesenheit von der Heimat?

„Herr“, sagte sie leise, als sie nah genug war, dass er ihr Flüstern vernehmen konnte. Sie wollte keinen der Wachen und Diener stören, die in der Nähe auf ihren Nachtlagern schliefen.

Trefor hob den Kopf und schaute sie fragend an.

„Owain schläft jetzt. Der Arzt hat mir aufgetragen, ihn holen zu lassen, wenn etwas passiert, ansonsten brauchen wir nichts zu tun.“

Trefor nickte. „Ich danke dir, Bron. Wenn Owain gestorben wäre, weiß ich nicht, was ich …“ Er stieß einen tiefen Seufzer aus und wandte sich wieder den tanzenden Flammen zu.

Bron holte tief Luft, damit ihr Entschluss nicht ins Wanken geriet. „Herr, ich bitte um Erlaubnis, nach Llanpowell zurückkehren zu dürfen.“

Er setzte sich aufrecht hin und sah sie scharf von der Seite an. „Was?“

„Euer Haushalt ist auf die Gäste vorbereitet. Für Owain habe ich getan, was ich konnte, und Euch habe ich gesagt, was Ihr tun solltet. Also halte ich es für das Beste, wenn ich jetzt gehe.“

Trefor stand mit finsterer Miene auf. „Das ist es aber nicht. Owain gehorcht immer noch nicht, wie dieser Unfall deutlich bewiesen hat.“

Bron dachte an die Menschen ringsherum und trat vorsichtig einen Schritt zurück. „Ich muss aber gehen, Herr. Ich besitze nicht viel außer meiner Tugend, und wenn ich bleibe …“, sie atmete noch einmal tief durch, „… dann habe ich die wahrscheinlich auch nicht mehr lange.“

Ein besorgter Ausdruck trat in seine Augen und traf sie sofort mitten ins Herz.

Was, wenn Trefor ihr befahl zu bleiben? Was sollte sie dann tun?

„Nun gut, Bron“, sagte er und wandte sein Gesicht wieder dem Feuer zu. „Geh zurück nach Llanpowell.“

Ich sollte froh sein, oder wenigstens erleichtert, sagte sie zu sich selbst. Also murmelte sie leise ihren Dank und verließ ihn mit erhobenem Haupt und gestrafften Schultern.

Und einem gebrochenen Herzen.

„Ich will aber nicht, dass sie geht!“, schrie Owain und warf seine hölzerne Breischale auf den Boden, wo sich der Inhalt auf die Steinplatten ergoss. „Sie soll hierbleiben! Ich brauche sie!“

Ich auch! Trefor hätte auch gern wie ein Kind herumgeschrien. Aber Bron hatte recht. Wenn sie blieb, war ihre Tugend in Gefahr. Nach dem, was gestern geschehen war, würde er nicht die Kraft haben, sich ständig von ihr fernzuhalten.

So weit durfte es nicht kommen. Obwohl er sich nicht von dem Gefühl frei machen konnte, dass von allen Frauen auf der Welt sie die eine war, die mit ihrer Geduld und Güte sein Herz zu heilen vermochte. Besonders weil sie ihm deutlich zu verstehen gegeben hatte, wie begehrenswert sie ihn fand.

Ganz besonders aus diesem Grund.

Ihre Tugend, aber auch ihre Leidenschaft sollten für einen würdigeren Mann bewahrt werden, der sie zu seiner rechtmäßigen Gemahlin machte. Das konnte er nicht. Es wäre ein weiterer Beweis seiner sündigen Selbstsucht, wenn er alles nähme, was sie zu bieten hatte, um ihr so wenig dafür zurückzugeben.

Aber trotz seiner Entschlossenheit zerriss es ihm fast das Herz in der Brust, und er fühlte den bekannten Schmerz des Verlusts. Bron trat zu dem Lager hinter den Wandschirm. Sie trug einen wollenen Reiseumhang um die Schultern und hielt ein kleines Bündel in den Händen.

Owain schaute zu ihr auf, als er sie bemerkte. „Du darfst nicht weggehen, Bron! Ich lasse dich nicht!“

„Willst du dich so von ihr verabschieden?“, sagte Trefor zu seinem Sohn, obwohl er ihr selbst nur allzu gern befohlen hätte, zu bleiben.

Owain dreht sich um und verbarg das Gesicht in den Kissen, um sein Schluchzen zu unterdrücken.

Bron kniete sich neben das Lager und streichelte dem Jungen über den Rücken. „Ich komme dich bald besuchen“, versprach sie. „Eidan und Idwal sind auch schneller zurück, als du denkst. Du freust dich doch bestimmt, sie wiederzusehen, oder?“

„Nein!“, kam die gedämpfte, aber heftige Antwort. „Sie behandeln mich wie ein Kleinkind!.“

„Willst du mir nicht wenigstens eine gute Reise wünschen, Owain?“, bat Bron. „Und mir einen Abschiedskuss geben? Mich küsst doch sonst keiner.“

Das hoffte Trefor doch sehr, obwohl sie nicht seine angetraute Gemahlin oder seine Verlobte war und es niemals sein konnte. Sie war nicht einmal seine eigene Magd, sondern die von Madoc.

Owains Kopf tauchte aus den Kissen auf. Seine Stirn sah durch die Beule etwas entstellt aus. „Und wenn ich dir keinen Kuss gebe, bleibst du dann hier?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Das geht leider nicht“, antwortete sie mit Nachdruck. „Lady Roslynn braucht mich in Llanpowell für ihr Söhnchen. Du bist doch schon ein großer Junge und brauchst keine Amme mehr, aber der kleine Mascen schon. Also gib mir einen Kuss zum Abschied.“

Der Kleine fiel ihr um den Hals und gab ihr einen dicken Schmatzer. „Kommst du denn zu der Hochzeitsfeier zurück?“, fragte er. „Vater sagt, es wird ein großes Fest.“

Das würde es gewiss, aber Trefor würde keinen Augenblick davon genießen können.

„Wenn Lady Roslynn mich dabei braucht“, antwortete Bron. Sie stand auf und lächelte Owain noch einmal zu, bevor sie ging.

Wenigstens regnet es nicht, dachte Bron, als sie Richtung Llanpowell ritten. Es war ein Versuch, doch noch etwas Tröstliches in dieser trübseligen Situation zu finden. Sie vermied es, zu Trefor zu blicken, der vor ihr herritt, weil sie nicht sehen wollte, wie seine Hüften sich beim Reiten wiegten oder wie breit seine Schultern waren. Sie wollte nicht daran erinnert werden, was sie beinahe getan hätten, oder welches Vergnügen sie in seinen Armen empfunden hatte.

Vielleicht würde sie Lady Roslynn und Lord Madoc bitten, sie freizugeben, damit sie Llanpowell verlassen und sich anderswo eine Anstellung suchen konnte. Andererseits waren sie so freundliche und großherzige Herrschaften, dass sie sich nicht vorstellen konnte, bessere zu finden. Aber sie würde auf jeden Fall Trefors Vermählungsfeier meiden. Lieber verbrachte sie den Tag damit, auf den Knien den schmutzigsten Vorratsraum in Llanpowell zu schrubben, als ihm dabei zuzusehen, wie er eine andere zur Frau nahm.

Trefor hob jäh die Hand als Zeichen zum Anhalten. „Reitet zurück nach Pontyrmwr!“, befahl er seinen Männern. „Ich werde von hier aus mit Bron allein weiterreiten.“

Sie waren schon sehr nah bei Madocs Burg. Vermutlich fürchtete er nach den vielen Jahren der Feindschaft mit seinem Bruder, dass man eine bewaffnete Eskorte falsch auslegen könnte. Seine Männer gehorchten, ohne Fragen zu stellen.

Und schon ritt der Herr von Pontyrmwr weiter voran. Er drückte seine Absätze in Gwylits Flanken. Dann lenkte er den Hengst von der Straße auf einen Pfad, der zum Fluss hin führte, der an Pontyrmwr und Llanpowell vorbeifloss.

„Wollt Ihr die Pferde tränken?“, fragte Bron und folgte ihm auf der Stute, die er ihr für die Reise zur Verfügung gestellt hatte.

„Ja – und nein“, antwortete er, glitt von Gwylits Rücken herunter und band die Zügel an einen niedrigen Strauch am Ufer. „Ich wollte noch einmal mit dir allein sprechen, bevor wir in Llanpowell ankommen.“

Sprechen? Worüber? Owain? Oder … etwas anderes?

Plötzlich bekam sie Angst vor dem, was er sagen würde – und was nicht.

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