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HISTORICAL COLLECTION BAND 4

Joanne Rock, Louise Allen, Michelle Willingham, Amanda McCabe, Bronwyn Scott

HISTORICAL COLLECTION BAND 4

Im Rausch der Versuchung

JOANNE ROCK

DIE GEFANGENE DES RITTERS

Wenn Emma nicht mehr unberührt ist, fällt ihre Zwangsheirat aus. Doch bevor sie mit einem Mann das Lager teilen kann, wird sie entführt! Ritter Gareth könnte ihr das Leben nehmen. Oder ihre Unschuld …

LOUISE ALLEN

SKLAVENMARKT DER LEIDENSCHAFT

„Zum ersten, zum zweiten – verkauft!“ Privatdetektiv Patrick Jago ersteigert die schöne Jungfrau. Wie nur ist Laurel, seine zarte Sommerromanze, in das berüchtigte Bordell geraten?

MICHELLE WILLINGHAM

SINNLICHE NÄCHTE IM TOPKAPI-PALAST

Istanbul, 1565: Prinz Khadin ist fasziniert von der feurigen Schönheit, die auf dem Basar als Sklavin feilgeboten wird. Er muss sie retten – kein anderer darf diese stolze Beduinenprinzessin besitzen!

AMANDA MCCABE

DIE ENTFÜHRUNG DER FALSCHEN BRAUT

Wie kann Lady Elisabeth Gilbert nur so anziehend auf ihn wirken? Sie ist schließlich eine Anstandsdame! Und wie konnte Lord Hartley nur der Fehler unterlaufen, sie zu entführen – statt die Braut seines Feindes?

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DIE GEFANGENE DES RITTERS

1. KAPITEL

Im Norden Londons, 1169

Lady Emma Westleigh schob ihren noch vollen Teller beiseite und musterte die in der Großen Halle sitzenden Ritter derart freimütig und abschätzend, dass ihre verstorbene Mutter peinlich berührt zusammengezuckt wäre.

Emma ließ den Blick über die Fülle an Schultern und Armen, kräftigen Oberkörpern und mehr oder weniger sauberen Surcots schweifen und begutachtete die dreißig versammelten Krieger mit einem Interesse, das sich für eine Jungfrau ganz gewiss nicht ziemte. Doch da kein ehrenhafter Vormund zur Stelle war, ihr bei der Wahl eines geeigneten Gatten zu helfen, sollte sie wohl nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen.

Das Mahl auf Edenrock näherte sich dem Ende. Einst hatte die Burg ihrem Vater gehört, doch nach dessen Tod hatte sich Emmas verhasster Cousin Edward zum Lehnsherrn aufgeschwungen. Seitdem war Emma hier nicht mehr zu Hause, sondern ein schlecht gelittener Gast.

„Was ist mit jenem Ritter dort, dem das halbe Essen im Bart klebt?“, flüsterte Rowena, die Kammerfrau, die in Emmas geheimes Ansinnen eingeweiht war. Sie wies auf einen tumben Kerl, der seine besten Jahre eindeutig hinter sich hatte und dessen gerötetes Gesicht von Trunksucht sprach. Er nagte am Ende eines dicken Knochens und legte dabei weniger Manieren an den Tag als Edwards stinkende Köter.

Fast hätte Emma sich angewidert geschüttelt, unterdrückte den Drang jedoch geflissentlich. Sie wusste, dass Rowena es nur darauf anlegte, sie von ihrer verstohlenen Begutachtung abzubringen. Edward du Bois war kaum zu Emmas Vormund ernannt worden, da hatte er auch schon angekündigt, sie so rasch als möglich zu verheiraten – an den erstbesten seiner schurkischen Kumpanen, der bereit war, über ihre fehlende Mitgift hinwegzusehen. Zwei Tage darauf hatte er erklärt, er habe jemanden gefunden und die Vermählung finde in zwei Wochen statt. Emma war einem furchterregenden Tyrannen versprochen worden, dessen erste Gemahlin sich gleich nach der Hochzeitsnacht von den Zinnen gestürzt hatte.

Anstatt das gleiche Ungemach zu durchleiden wie jene bedauernswerte Maid, hatte Emma vor, die Hochzeitspläne zu durchkreuzen, indem sie den angeblich einzigen Vorzug veräußerte, den ihr Bräutigam an ihr sah.

Ihre Unschuld.

„Ich finde, der Bursche ist ein wenig zu stattlich gebaut für das erste Mal einer Jungfrau“, entgegnete Emma ruhig, wohl wissend, dass Rowena sie von ihrem Vorhaben abzubringen suchte, indem sie auf die reizlosesten Gestalten unter den anwesenden Rittern verwies. Glücklicherweise war der Mann, der ihr Gemahl werden sollte, heute nicht zugegen. „Wie wäre es mit jemandem, der weniger wiegt als ein Pferd?“

Rowena funkelte sie aufgebracht an, während der Lärm in der Halle zunahm. Heute Abend floss der Wein in Strömen, weil Edward seinen zweifelhaften Anspruch auf Edenrock gegenüber den hiesigen Adeligen zu festigen hoffte. Edward hatte sich in Abwesenheit des eigentlichen Lords – Hugh de Montagne – auf der Burg eingenistet, der wiederum ein gemeinsamer Cousin von Emma und Edward war. Hugh hatte die Burg vor zwei Monaten verlassen und war seitdem wie vom Erdboden verschluckt. Um sich die Besitzungen unter den Nagel zu reißen, hatte Edward überall Gerüchte über angebliche Gräueltaten des rechtmäßigen Herrn über Edenrock verbreitet – Gräueltaten, die Edward selbst an den Nachbarn verübt hatte.

Nun beköstigte er seine neuen Freunde, als handele es sich bei diesen um hohen Besuch aus dem Königshause. Er hatte so viel Braten auftragen lassen, dass Emma fürchtete, er habe den Wald bis auf das letzte Tier geplündert. In einem Rauchfass am jenseitigen Ende der Halle glomm Räucherwerk, mit dem man bemüht war, die Ausdünstungen so vieler Menschen auf engem Raum zu bekämpfen. Die Hunde hielten sich in der Nähe der Tafelnden, begierig auf die übrig bleibenden Knochen lauernd.

„Ein jeder, der nicht Euer Gemahl ist, ist der Falsche für Euer erstes Mal.“ Rowena hatte aufgrund des Gesprächsstoffs die Stimme gesenkt, obgleich sie am Ende einer aufgebockten Tafel fernab der herrschaftlichen Empore saßen. Der nächste Gast befand sich zwei Armeslängen entfernt.

Rowena war ein Jahr älter als Emma und in einer wohlhabenden Familie zur Welt gekommen, die einer Seuche zum Opfer gefallen war. Zurückgeblieben waren ein heruntergewirtschaftetes Anwesen und ein Haufen Schulden, den zu erlassen König Henry sich geweigert hatte.

„Wäre es dir lieber, wenn ich mich widerspruchslos in die Ehe mit einem Kerl fügte, der, so munkelt man, ein ganzes Dorf in seinen persönlichen Harem verwandelt hat?“ Emma hatte jemanden dies im Scherz sagen hören, im Anschluss an eine besonders blutige Jagd vor einer Woche.

„Mir wäre es lieber, wenn Ihr gründlich über die Folgen nachdenken würdet, die Euer Plan nach sich ziehen könnte.“ Rowena zupfte Emma am Ärmel und neigte ihr den Kopf zu, während zwei Ritter neben ihnen in Streit gerieten und handgreiflich wurden. „Anstatt ins Kloster verbannt zu werden, wie Ihr hofft, könnte Edward Euch gnadenlos züchtigen. Schlimmer noch – er könnte Euch gnadenlos züchtigen und Euch anschließend einem noch ärgeren Wüstling überlassen, der in der Hochzeitsnacht sein Mütchen an Euch kühlt.“

Die Streithähne wurden von einem dritten Burschen getrennt. Einer der beiden Zänker hielt sich das Auge und schrie Zeter und Mordio, während der andere vor seinen Kumpanen mit seinem Sieg prahlte.

„Nay.“ Eine solche Zukunft mochte Emma sich nicht ausmalen. Ihre Eltern hatten sie Lesen und Schreiben gelehrt und sie ermuntert, ihr Köpfchen zu gebrauchen. Wie sollte sie es ertragen, zur Zielscheibe für die Fäuste eines Unholds zu werden? „Edward ist zu stolz, um die Demütigung zu riskieren, die damit einherginge. Er ist hinterlistig, zugegeben, aber in seinem Dünkel würde er eine befleckte Frau niemals als Jungfrau ausgeben. Dadurch nämlich würde er sich in den Ruch stellen, Schutzbefohlene nicht schützen zu können.“

Dessen war sie gewiss, aber wehtun mochte Edward ihr durchaus. Sollte es ihr tatsächlich gelingen, sich entjungfern zu lassen, musste sie immer noch auf eine List sinnen, um ins Kloster zu gelangen.

„Erinnert Ihr Euch an diesen zerstreuten Bengel, den Ihr mit der gefährlichen Aufgabe betraut habt, sich über die Verlobte eines anderen herzumachen?“ Rowena schaute sich in der Halle um. Sie ließ den Blick auf niemand Bestimmtem verweilen, sondern streifte einen jeden nur flüchtig. „Was, wenn der Mann, den Ihr Euch ins Bett holt, Euch selbst zur Frau nehmen will? Damit wäret Ihr dem Kloster keinen Schritt näher, sondern würdet nur einem weit härteren Los als Eurem jetzigen Tür und Tor öffnen.“

Emma konnte nicht leugnen, dass das Gesagte ihr einen bangen Schauer über den Rücken jagte. „Ich werde darauf achten, für das Unterfangen einen Mann zu wählen, der nicht darauf aus ist, mich zu ehelichen.“ Die Liste an möglichen Gefahren wurde umfangreicher, je länger Emma über ihre Taktik nachgrübelte.

„Und zudem sollte es ein Mann sein, der so mächtig ist, dass Edward ihn nicht aus Rachedurst umbringen kann.“

Die Worte lagen Emma im Magen wie saures Bier. Das hatte sie nicht bedacht. So sehr war sie auf ihr Ziel ausgerichtet gewesen, einen Galan zu finden, der sich dem Annäherungsversuch einer Edelfrau nicht entziehen würde, dass ihr gar nicht in den Sinn gekommen war, sie könne damit sein Schicksal besiegeln. Edward war im Norden Londons für seine Grausamkeit berüchtigt.

Ringsum begannen Musikanten aufzuspielen, eine ungewöhnlich extravagante Vergnügung, die auf Edenrock erst mit Edward Einzug gehalten hatte. War auch dies eine seiner Methoden, Befürworter zu heischen? Doch als die Schellen einen glockenhellen Rhythmus anschlugen, erkannte Emma, welchem Zweck sie dienten. Marketenderinnen und leichte Damen aus dem Dorf waren geladen worden, vor den Gästen zu tanzen, und der plötzliche Aufruhr unter den Männern kündete davon, dass die Stimmung in der Halle hitziger wurde.

Vielleicht sollte sie sich heute Nacht nicht, wie von Edward gewünscht, in ihrer Kammer einschließen, sondern in einem schummrigen Winkel des Hofes herumtreiben und einem lüsternen Ritter auflauern.

Der Gedanke ließ eine Idee in ihr aufkeimen.

„Ich werde mich als Magd verkleiden.“ Sie erhob sich von der Bank, zog ihre Freundin auf die Füße und hakte sich bei ihr unter. „Auf diese Weise wird der, den ich mir aussuche, mich nicht heiraten wollen, da er mich für weit unter seinem Stand halten wird.“

„Emma, Ihr könnt doch nicht …“

„Und so wird er sich auch nicht sorgen müssen, dass Edward Rache nehmen könnte – mein namenloser Liebhaber wird schlicht nicht wissen, mit wem er sich eingelassen hat.“ Sie eilte auf den nur spärlich beleuchteten Gang zu, der zu ihrem Gemach führte, und hoffte, auf eine Magd zu stoßen, von der sie sich Kleider borgen konnte, falls Rowena ihr dies verweigerte. „Denn wie will man ihm einen Verstoß anlasten, von dem er nicht einmal weiß, dass er ihn begangen hat? Und ich werde meinerseits seinen Namen nicht preisgeben.“

So abscheulich es vermutlich werden würde, ihre Unschuld draußen auf dem Hof an einen bezechten Ritter zu verlieren, so konnte sie sich immerhin damit trösten, dass die Tortur rasch vorüber sein würde. Denn welcher Ritter verweilte in den Armen einer Milchmagd, wenn an der Tafel seines Herrn das Bier auf ihn wartete? Der Bursche würde sie hastig erobern und danach in Ruhe lassen, um zu seinen Gefährten zurückzueilen.

Emma tauchte in den dunklen Gang ein, von dem aus sich eine Treppe hinauf zu ihrer Turmkammer wand. Sie schritt schneller aus, denn sie musste ihr Vorhaben heute Nacht in die Tat umsetzen – aus Gründen, die sie Rowena verheimlicht hatte.

In der Annahme, Emma sei eine ausgenommen wissbegierige Braut, hatte die Amme ihr verraten, an welchen Tagen die Empfängnis eines Kindes besonders wahrscheinlich war. In Wahrheit hatte Emma andächtig gelauscht, um zu ermitteln, wann eine Empfängnis besonders unwahrscheinlich war. Dieser Abend war der letzte geeignete in der kurzen Zeit, die ihr noch bis zur Hochzeit blieb.

„Beeil dich“, zischte sie über die Schulter nach hinten, doch jäh verstärkte Rowena ihren Griff, sodass Emma stehen bleiben musste.

Entschlossen, ihren Plan notfalls ohne ihre Kammerfrau durchzuführen, wirbelte Emma herum, um ihr dies zu bescheiden – nur um zu sehen, dass Rowena von einem stämmigen Krieger umklammert wurde, der ihr eine Klinge an die Kehle hielt.

Ehe Emma schreien konnte, trat ein riesenhafter, in Schwarz gewandeter Ritter aus einem Seitengang und kam auf sie zu. Vor Furcht brachte sie keinen Ton heraus, obgleich sie verzweifelt die Lippen bewegte. Der Hüne wirkte düster und bedrohlich, und sein Gesicht war von Narben übersät, die so ebenmäßig gezogen waren, dass sie ein vorsätzliches Werk darstellen mussten.

„Lady Emma?“, fragte der Ritter mit solch gelassener Höflichkeit, als biete er ihr eine gezuckerte Feige an.

Ihr stockte das Herz, und ihr Puls flatterte. Noch immer unfähig zu sprechen, schüttelte sie den Kopf in der Hoffnung, den Koloss damit zum Gehen zu bewegen.

Doch der wandte sich stattdessen an Rowena.

„Dann nehme ich an, dass Ihr die Dame seid, nach der ich suche.“ Er streckte die Hand nach Emmas Vertrauter aus. Überzeugt, dass er bestenfalls unehrenhafte und schlimmstenfalls tödliche Absichten hegte, fand Emma endlich ihre Stimme wieder.

„Herr, ich flehe Euch an.“ Sie griff nach seiner Tunika, als könne sie ihn dadurch aufhalten. „Lasst meine Kammerfrau gehen, und im Gegenzug biete ich Euch …“ Sie zauderte. Was sie ihm zu bieten hatte, konnte sie unmöglich in Worte fassen. „Ich biete Euch, was immer Ihr wollt.“

2. KAPITEL

Gareth of Domingart sann auf Rache.

Er war in die Burg seines Feindes eingedrungen und hatte sich erfolgreich dessen Anverwandter bemächtigt. Ihm stand nicht der Sinn danach, seine Vormachtstellung einzubüßen, indem er sich auf einen Handel mit Edward du Bois’ bildhübschem jungem Mündel einließ. Die Frau schien ihm ebenso durchtrieben zu sein wie ihr verschlagener Lehnsherr.

„Was immer ich will, nehme ich mir ohnehin“, beschied er ihr und hielt ihr den Mund zu. „Aber die Chancen darauf, dass Eure Kammerfrau die Nacht überlebt, steigen beträchtlich, wenn Ihr Euch willfährig gebt.“

Er zog sie mit dem Rücken voran an seine Brust, um sie bewegungsunfähig zu machen, und spürte, dass sie zitterte. Während er sie vor sich her die Treppe hinabführte, überschattete eine Erinnerung sein Gemüt und erstickte jeden Anflug von Gewissensbissen ob der Angst dieser Frau.

„Bei allen Heiligen!“, fluchte Bronson, sein Gefährte, einige Stufen unter ihm. Er rang darum, die Kammerfrau festzuhalten. „Diese hier ist glatt in Ohnmacht gefallen.“

Er warf Gareth einen unmutigen Blick zu, hob die dunkelhaarige Bedienstete hoch und schlang ihr die Röcke um die Beine, damit sie nicht über den Boden schleiften und ihn stolpern ließen. Die Kammerfrau war auffallend liebreizend. Ihre sahneweiße Haut war von keinerlei Pockennarben verschandelt, und ihre Lippen waren voll und weich. Das kastanienbraune Haar fiel ihr in langen Wellen über die Schultern und wurde nur von einem hauchzarten Schleier bedeckt. Ihre Augen hatten einen leicht exotischen Zug. Etwas an ihrer Form sowie die dichten Wimpern gemahnten Gareth an das Nomadenvolk in der Wüste, bei dem er das Jahr seiner Genesung verbracht hatte.

„Vorwärts“, befahl er, denn er wollte sich vor der Cousine seines Feindes nicht mit Bronson streiten. Bronson hielt nichts von seinem Plan, aber sich an Edward du Bois zu rächen, erforderte nun einmal eine harte Hand.

Und seine Gefangene einzuschüchtern war immer noch besser, als ihr körperlichen Schaden zuzufügen.

„Musstet Ihr unbedingt sagen, dass sie die Nacht vielleicht nicht überlebt?“, fragte der vierschrötige Bronson unwirsch. Er trug die zierliche Magd quer vor sich auf den Armen und tastete sich, den Oberkörper seitwärts gedreht, die enge, gewundene Treppe hinab.

Wer immer Edenrock errichtet hatte, hatte sich nicht damit aufgehalten, die Stufen einheitlich hoch zu gestalten, was Eindringlingen den Aufstieg erschwerte. Gareth war sich unsicher, ob nicht vielleicht Absicht dahintersteckte – jedenfalls konnte er sich vorstellen, dass eine die Treppe erstürmende feindliche Armee ein paar gebrochene Hälse zu beklagen haben würde.

„Sollen wir sie etwa zurücklassen, auf dass Edward sie ausquetschen kann, sobald er feststellt, dass Lady Emma verschwunden ist?“, wandte er sich an Bronson. Er sprach leise, obwohl ein jedes Geräusch, das sie verursachten, gewiss in dem Tumult in der Großen Halle unterging.

Bei seinen Worten versteifte sich die Dame in seinen Armen, ehe sie hinter seiner vorgehaltenen Hand einen Protestlaut ausstieß. Lady Emma, nahm Gareth an, wusste ebenso gut wie er, dass ihre Kammerfrau bestraft würde, wenn sie zurückblieb. Denn man würde annehmen, sie habe ihrer Herrin zur Flucht verholfen. Edward du Bois kannte keine Gnade.

Während er auf das Erdgeschoss zusteuerte, ging ihm durch den Kopf, dass es anständig von Emma gewesen war, für eine Bedienstete einzustehen. Das sprach für sie. Offenkundig war sie ein redlicherer Mensch als ihr Cousin.

Oder?

Als er am Eingang zur Großen Halle vorbeischlich, schoss ihm ihr aufreizendes Angebot, zu tun, was immer er wollte, durch den Sinn. Hatte diese behütet aufgewachsene Maid etwa angedeutet, dass sie bereit war, ihre Unschuld zu opfern, um das Leben ihrer Kammerfrau zu retten? Oder war Lady Emma Westleigh weniger behütet aufgewachsen, als er angenommen hatte? In ihren Augen hatte etwas Wissendes geglommen, als sie ihm das Angebot unterbreitet hatte. Wobei Gareth – so verführerisch die Dame auch war – keineswegs die Absicht hegte, die Anverwandte seines Widersachers anzurühren. Bei der Entführung der Braut ging es ihm um Rache an Edward du Bois und nicht etwa darum, eine Unschuldige zu schänden.

Er würde sie in ihrem Entgegenkommen bestärken, um zu gewährleisten, dass sie sich seinen Forderungen beugte. Aber er wollte ihr die Gefangenschaft nicht unangenehmer als nötig machen.

„Glaubt ja nicht, ich würde Euer Angebot vergessen“, zischte er ihr ins Ohr, während er einen Seiteneingang öffnete. Die Tür knarrte, und Gareth stieg über eine besinnungslose Gestalt hinweg. Es war der Wachposten, der versucht hatte, sie am Eindringen zu hindern. Gareth hob Emma höher, um zu verhindern, dass ihre baumelnden Füße den Liegenden streiften.

Oder hatte er sie nur hochgehoben, um ihr dralles Hinterteil an seinen Lenden zu spüren? Er schluckte gegen das plötzlich aufwallende Begehren an, das ihn nur abgelenkt hätte. Er musste einen kühlen Kopf bewahren. Vielleicht hatte Lady Emma ihm mit ihrem aufreizenden Anerbieten den Verstand stärker vernebelt, als ihm bewusst war.

„Mpf!“, machte seine Gefangene gedämpft, die weichen Lippen an seine Handfläche gedrückt.

Draußen schob ein Greis einen Krämerkarren auf sie zu. Bronson eilte ihm, ihrem Fluchtplan folgend, entgegen. Ohne ein Wort zu sagen, legte er die Kammerfrau auf die Ladefläche zu den Seidenballen, mit denen der grauhaarige Händler vor einigen Tagen in das umfriedete Gehöft gekommen war, um sie feilzubieten. Das Tor war unbewacht, dafür hatten seine Männer gesorgt, aber sie würden weniger Verdacht erregen, wenn sie Edenrock auf dem Wagen des Händlers verließen.

Offenbar erkannte Lady Emma, was ihr blühte, denn sie rammte Gareth den Ellbogen mit mehr Kraft in die Brust, als er ihr zugetraut hätte, bedachte man, dass sie für den Stoß nicht hatte ausholen können. Er schlang ihr die Arme fester um den Leib und hob sie auf den niedrigen Karren.

„Keine Angst, Lady Emma“, raunte er kaum hörbar, denn jemand mochte im Schatten lauern und sie belauschen. Wenigstens stand kein Mond am Himmel, sodass ihre Umtriebe allen, die sich in der Nähe aufhalten mochten, verborgen blieben. Allerdings sah er niemanden außer ein paar alten Weibern, die sich vor der hinter dem Wohnturm gelegenen Küche um ein Feuer drängten. „Ich werde mich neben Euch legen, um sicherzustellen, dass Euch nichts geschieht.“

Er kletterte zu ihr auf den Karren, zog sie mit sich auf den Boden der Ladefläche und hielt sie fest umklammert, wobei ihm der köstliche Duft ihres Haars in die Nase stieg. Das Gefährt rollte an, und Bronson schlug eine raue Plane über Seide und Gestalten. Sie hatten vereinbart, die Gefangenen zum nahe gelegenen Lager zu bringen und dort festzuhalten, solange Gareth mit Edward du Bois verhandelte. Doch während er so zwischen den Seidenballen lag, die zappelnde Lady Emma an sich gepresst, ging Gareth auf, dass eine andere Vorgehensweise angebracht war.

Gareth wollte dieser feurigen Edeldame nicht vor seinen Männern die Stirn bieten – dazu waren die wenigen Worte, die zwischen ihnen gefallen waren, zu brisant gewesen. Statt zum Lager würde er sie zu seiner Burg bringen und unter vier Augen mit ihr reden.

In der Abgeschiedenheit seiner Kammer, hinter verrammelter Tür.

Er würde sich ihr nicht aufdrängen – wenn sie darauf beharrte, sich ihm hinzugeben, um ihn um den Finger zu wickeln, täte er besser daran, sie wegzusperren, auf dass sie vor ihm sicher war. Auf dass er sie nicht anrühren konnte. Er würde bei seinen Rittern nächtigen und ihr sein Gemach überlassen. Er würde sich nicht von der Cousine seines Feindes ködern lassen, selbst wenn sie ihn ohne den Abscheu anschaute, den er in den Augen anderer Frauen las.

Einige Fuß entfernt lag Lady Emmas Kammerfrau reglos da. Bronson hatte ihr die Hände gefesselt und den Mund mit dem Ärmel seiner Tunika geknebelt. Bronson würde den Karren schieben helfen, bis sie am Torhaus vorbei waren und die im Wald wartenden Pferde erreicht hatten. Sobald sie so weit von Edenrock entfernt waren, dass niemand sie mehr hören konnte, würde Gareth den Gefangenen die Fesseln abnehmen.

Im Augenblick allerdings hatte er alle Hände voll damit zu tun, Lady Emma neben sich zu bändigen. Seit er sie auf die Ladefläche des Karrens gelegt hatte, setzte sie sich mit aller Macht zur Wehr. Sie war keine Herausforderung für ihn, denn sie war sehr viel schwächer als er, aber er bedauerte, ihr Unannehmlichkeiten bereiten zu müssen, denn schließlich hatte nicht sie ihn verraten. Nicht sie hatte ihn vor fünf Jahren an jenen orientalischen Sklavenhändler verschachert, um ihn aus dem Weg zu schaffen und seine Burg plündern zu können.

Nay, verraten hatte ihn ihr Vormund. Lady Emmas einziges Vergehen bestand darin, Gareth vor Augen zu führen, wie lange er schon keine lieblich duftende Edeldame mehr in den Armen gehalten hatte.

Er verfluchte seine Gedanken, die eine solch unangemessene Richtung nahmen.

„Verhaltet Euch ganz still, dann wird Euch nichts geschehen“, ermahnte er sie, während sie, nach den langsamer werdenden quietschenden Rädern zu urteilen, den Torbogen passierten.

So plötzlich biss sie ihn in die Handfläche, dass er einen Moment lang unwillkürlich seinen Griff lockerte. Doch dieser eine Moment hätte ihr genügen müssen, um zu schreien, sofern sie denn hätte Alarm schlagen wollen.

„Lasst mich los, dann wird Euch nichts geschehen“, zischte sie zurück, verhielt sich aber seiner Weisung gemäß still.

Der Wagen fuhr wieder schneller, was hieß, dass sie das Torhaus und Edwards Wachen auf den abweisenden Mauern von Edenrock unbeschadet hinter sich gelassen hatten.

Erst jetzt ging Gareth die volle Bedeutung von Lady Emmas Worten auf. Sie würde sich gehorsam ruhig verhalten und zulassen, dass er sie ihrem Zuhause und ihrem Beschützer entriss.

Er hatte dafür gesorgt, dass ein Mann bereitstand, Edward du Bois über Lady Emmas Entschwinden in Kenntnis zu setzen. Der Bote würde sich auf den Weg machen, sobald sie ihn auf der Straße passierten.

Es würde dauern, bis Gareth Kunde von seinem Widersacher erhielt. Edward würde Zeit brauchen, die Tragweite seiner Schurkentaten zu begreifen.

Derweil bot sich Gareth eine verlockende Gelegenheit, über die er nachsann, während er sich mit dem Daumen über die schmerzende Bisswunde strich. Da hielt er also eine betörende Frau in den Armen, die ihm auf Wohl und Wehe ausgeliefert war und die – aus unerfindlichen Gründen – geneigt schien, mit ihm zu verhandeln.

Würde sie ihn anflehen und mit ihrem Charme zu umgarnen versuchen, sobald sie seine Burg erreichten? Es war ewig her, dass er das Bett mit einer Edeldame geteilt hatte. Wie schwer würde es ihm in Anbetracht dieses Umstands fallen, der temperamentvollen Lady Emma zu widerstehen, wenn sie denn partout ihre Gunst zu veräußern gedachte?

3. KAPITEL

Ein Mann ohne Skrupel hätte Rowena kaltblütig umgebracht.

Das jedenfalls sagte sich Emma, wann immer die Angst sich ihrer zu bemächtigen drohte, während sie vor ihrem Entführer auf einem edlen, leichtfüßigen Ross saß, das sie beide durch die nächtliche Landschaft trug. Der Karren hatte sie zu einem kleinen Trupp von Reitern gebracht, der ein Stück von Edenrock entfernt gewartet hatte. Die Gruppe hatte sich geteilt, um eine etwaige Verfolgung zu erschweren. Rowena war bei dem vierschrötigen Krieger namens Bronson geblieben, der sich mit ihr nach Westen gewandt hatte. Der narbige Krieger, den sie Gareth nannten, war hingegen mit Emma gen Osten geritten. Einige der Reiter hatten sich Bronson und Rowena an die Fersen geheftet, und Emma spürte, dass auch ihnen Männer folgten, wenngleich sie im Dunkeln keine Spur von ihnen ausmachen konnte.

Im Gegenteil – sie fühlte sich vollkommen allein mit ihrem ernst dreinblickenden Häscher. Es war ihr leichter gefallen, ihm zu trotzen, als es noch Rowena zu verteidigen galt. Nun wurde sie von seinen geflüsterten Worten bezüglich des Handels heimgesucht, den sie ihm vorgeschlagen hatte.

Er werde ihr Angebot nicht vergessen, hatte er geraunt.

Trotz des dunklen Wollumhangs, den er ihr um die Schultern gelegt hatte, zitterte sie.

„Weshalb habt Ihr mich entführt?“, fragte sie, nachdem sie viele Meilen in eisigem Schweigen dahingeritten waren.

Vielleicht war es töricht, mit ihm zu sprechen. Aber man hatte ihr beigebracht, ihren Verstand zu benutzen und auf ihre Meinung zu vertrauen. Und mochte dieser fremde Ritter sie auch ihrer Heimstatt entrissen und ihr Gewalt angedroht haben, spürte sie doch, dass er ihr nichts zuleide tun wollte. Daher würde sie zumindest versuchen, in Erfahrung zu bringen, was ihn zu seinem Tun bewogen hatte.

„Euch zu entführen ist meine Rache an Edward du Bois.“

Er fügte dem offenherzigen Eingeständnis keine Erklärung an und zeigte auch keinerlei Reue.

Emma bedauerte die Rolle, die sie bei der Vergeltung dieses Mannes spielte, bezweifelte jedoch keinen Augenblick lang, dass Edward verdient hatte, was er bekam. Zu gut wusste sie selbst, wozu ihr Cousin fähig war.

„Hat er Euch verletzt?“, hakte sie nach, weil sie an die tiefen Narben denken musste, die sein Gesicht entstellten.

Er zügelte sein Pferd, um einen Fluss zu queren, und es dauerte einen Moment, bis er antwortete. Sie setzten über den kleinen Strom und erklommen das jenseitige Ufer, und endlich vernahm Emma seine ebenso raue wie sanfte Stimme an ihrem Ohr.

„Vor fünf Jahren hat Euer Cousin Söldner gedungen und mich und zwei meiner Männer ergreifen lassen, als wir im Freien an einer Straße nächtigten.“ Er lenkte das Pferd auf ein dichtes Wäldchen zu und überließ es dem Tier, sich einen Weg durchs Dickicht zu bahnen. „Man legte uns in Ketten und schaffte uns auf ein Schiff, wo wir mit anderen Gefangenen und zwielichtigen Händlern zusammengepfercht wurden. Nach der Überfahrt brachte uns eine Karawane ins Heilige Land, wo wir Frondienst für einen Sarazenenfürsten leisten mussten.“

Er sprach so leidenschaftslos, als zähle er den Inhalt seines Kellers oder seines Vorratsspeichers auf. Doch was er erzählte, ergab in Emmas Augen keinen Sinn. Wieso hatte Edward ihn nicht einfach meucheln lassen?

Sie schüttelte den Kopf. „Ich verstehe nicht …“

„Du Bois hat nach meinen Besitzungen gegiert und in den Söldnern einen Weg gesehen, sich meiner zu entledigen. Er hat ein hübsches Sümmchen dafür eingestrichen, dass er jenem Kapitän Männer mit starken Armen zugespielt hat. Aber das Gold war nur eine Dreingabe zu seiner eigentlichen Beute. Denn nun war meine Burg ohne Herrn, sodass es ihm ein Leichtes war, sie zu plündern. Er hat Männer, Waffen und Vorräte an sich gerissen.“

Ein Verdacht beschlich sie und ließ sie frösteln. War es möglich, dass Edward auf ähnliche Weise für das Verschwinden ihres Cousins Hugh gesorgt hatte? Plötzlich bangte sie um den rechtmäßigen Herrn von Edenrock – einen redlichen, ehrbaren Mann. Sie erschauerte.

„Aber Ihr seid aus der Gefangenschaft geflohen“, stellte sie das Offensichtliche fest, und sei es nur, um sich vor Augen zu halten, dass Flucht möglich war. „Und als Ihr auf Eure Burg zurückgekehrt seid, war diese ausgeraubt?“

Das Pferd fand den Weg im Dunkeln mühelos, was Emma vermuten ließ, dass es bis zur Burg nicht mehr weit war. Ihr tat alles weh, denn sie saß nun schon seit Stunden auf dem Pferderücken.

Aye. Nun werde ich Edward damit drohen, meinerseits Euch in sarazenische Gefangenschaft zu verkaufen und dem gleichen Schicksal anheimfallen zu lassen.“

Ihr war, als habe ihr ein Fausthieb gegen die Brust den Atem verschlagen. War es falsch gewesen, im Hinblick auf diesen Mann auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen?

„Ich bitte Euch, Sir …“

„Was ich natürlich niemals tun würde“, fuhr er leichthin fort. Sie hatten das Wäldchen hinter sich gelassen, und im Schatten der Dunkelheit ließ sich voraus eine Ansiedlung erahnen. „Aber das weiß du Bois ja nicht.“

Erleichterung durchbrandete sie so jäh, dass ihr schwindelte. „Ich bin Euch dankbar für Eure christliche Barmherzigkeit, muss Euch jedoch sagen …“

„Was ich tue, hat nichts mit Barmherzigkeit zu tun, sei sie nun christlicher oder anderweitiger Natur.“ Im bläulichen Dunst der mondlosen Nacht blickte er auf sie herab. „Ich habe schlicht nichts davon, Euch etwas anzutun. Du Bois ist derjenige, der zahlen soll.“

„Ihr solltet wissen, dass mein Cousin mir eine Mitgift vorenthält und mich so rasch als möglich loszuwerden gedenkt. Ich fürchte, Ihr habt ihm lediglich in die Hände gespielt dadurch, dass Ihr mich verschleppt habt.“

„Ihr wisst es also nicht“, sagte er. Ihr war schleierhaft, was er damit meinte. Der Sinn der Worte wollte sich ihr nicht erschließen.

Jenseits der Dächer des schlummernden Dorfes sah Emma die Mauern einer kleinen, aus Stein errichteten Burg. Um den Wohnturm herum brannten mehrere Feuer, und während sie näher ritten, hörte Emma im Burghof Männer lachen und schwatzen. Kurz wunderte sie sich darüber, dass sie es vorzogen, sich draußen um die Feuer zu scharen, wo doch gleich nebenan die Große Halle lockte. Doch als Gareth auf den Wohnturm zuhielt, erkannte sie, dass dieser sich noch im Bau befand. Die neue Steinburg entstand um eine alte Holzburg herum, die offenbar gleichzeitig abgerissen wurde. Das ehrgeizige Bauprojekt war es wohl, das die Männer veranlasst hatte, unter den Sternen zu sitzen.

„Was weiß ich nicht?“, bohrte sie nach in der Hoffnung auf eine Erläuterung von diesem seltsamen Burschen, der die Gefangenschaft in der Fremde überlebt hatte, um sich, kaum zurückgekehrt, sogleich an den Bau einer neuen Heimstatt zu machen. Widerwillig zollte sie ihm Bewunderung dafür, dass er zunächst seine Feste instand setzte, ehe er auf Rache sann.

Ringsumher erhoben sich die Männer, um ihren Lehnsherrn zu begrüßen. Ein Knappe lief herbei und nahm ihm das Pferd ab, nachdem er abgestiegen war und Emma aus dem Sattel geholfen hatte. Zwei Frauen öffneten die Türflügel des einzigen bereits vollendet wirkenden Wohnturmabschnitts. Eine von ihnen reichte Gareth eine Fackel, und er hielt sie in die Höhe und schwenkte sie kurz, ein Signal an seine Männer.

„Der Kerl, dem Edward du Bois Euch geben will, hat es nicht auf eine Mitgift abgesehen“, erklärte er Emma, während er sie durch die noch unfertige Halle zu den Gemächern führte, in denen die Familie des Burgherrn wohnen würde. „Er will Euch einem Kerl geben, der berüchtigt dafür ist, Geschmack an Grausamkeiten zu haben, und soll im Gegenzug ein großzügiges Brautgeld erhalten.“

Emma stolperte über die Schwelle zu einem kleinen Privatgemach, in dem sich außer einem Stuhl und einem Tisch keinerlei Möbel befanden. Im Kamin prasselte ein Feuer und tauchte die spärlich eingerichtete Kammer in einen rotgoldenen Schein.

„Ihr irrt.“ Derlei Gerüchte waren ihr nicht zu Ohren gekommen – und auf Edenrock wurde viel gemunkelt, seit Edward dort das Zepter schwang. Wenn er solch üble Ränke geschmiedet hätte, wäre ihr das doch gewiss zugetragen worden.

Mit einem Mal waren ihre Knie butterweich, und sie stützte sich am Tisch ab. Von einem Fremden ihrem Zuhause entrissen zu werden hatte sie nicht so verschreckt, wie diese Neuigkeiten es taten.

„Keineswegs“, entgegnete er.

Zum ersten Mal gestattete Emma sich, ihren Entführer eingehend zu betrachten. Im Laufe des Abends hatte sie erfahren, dass andere ihm mit Respekt begegneten. Seine Rache folgte keineswegs dem biblischen Grundsatz „Auge um Auge“. Stattdessen ließ er Milde walten, ohne sich damit zu brüsten.

Und mochte er auch behaupten, sie allein für seine eigenen Zwecke geraubt zu haben, hatte er sie doch im Grunde vor dem Unhold gerettet, mit dem Edward sie gewaltsam vermählen wollte. Denn so gern sie etwas anderes geglaubt hätte, wusste sie, dass ihr Entführer hinsichtlich des Brautgeldes die Wahrheit sagte. Das Gefeilsche um ihre Hand war von Anfang an in aller Hast und Heimlichkeit geschehen.

Sie durfte nicht zulassen, dass Edward seinen Plan verwirklichte. Mehr denn je wollte sie das Komplott ihres Cousins durchkreuzen, und der mächtige Ritter hier vor ihr mochte ihr die geeigneten Mittel in die Hand geben.

„Ich glaube Euch.“ Sie fuhr mit den Fingern über die Maserung des frischen Holzes der Tischplatte. Die Oberfläche war noch kaum benutzt und dementsprechend rau. Mit dem Alter würde das Holz härter werden und eine feine, schimmernde Glätte erhalten. Emma zog Kraft aus dem Eichenholz – ihr Entschluss stand fest. „Ich wüsste etwas, womit Ihr Euren Feind noch härter treffen könntet.“

Ihr Vorhaben würde sie beide in Gefahr bringen. Aber wenn sie es nicht riskierte, würde sie letzten Endes womöglich doch an jenes Scheusal gebunden und misshandelt werden.

„Ich höre.“ Die flackernden Flammen im Kamin tauchten sein Gesicht in Schatten. Das Netz aus Narben, das seine Wangen verunzierte, kündete von einer Pein, die Emma sich nicht einmal vorzustellen wagte.

Sie atmete tief durch, ihr Herz pochte wie wild. Mit bebenden Fingern griff sie nach der Spange des Umhangs, den Gareth ihr gegen die Kälte gegeben hatte. Sie öffnete sie, ließ den Umhang zu Boden gleiten und streifte sich den Surcot – die langärmelige Tunika – ab. Danach machte sie sich eilig daran, die Schnürung der Cotte zu lösen, ehe sie der Mut verließ.

Sie hörte Gareth scharf Luft holen und schaute auf. Ihre Blicke trafen sich, und sie erkannte Überraschung in dem seinen. In seine Fassungslosigkeit mischte sich noch etwas anderes – etwas Ungezähmtes, Begieriges glomm in seinen Augen.

Emma wappnete sich für das, was sie würde tun müssen, und wickelte sich die Bänder ihrer Tunika um den Zeigefinger.

„Ihr müsst mir die Unschuld rauben.“

4. KAPITEL

Unzählige Fragen schwirrten Gareth durch den Kopf.

Wieso nur unterbreitete Lady Emma ihm ein solches Angebot? Glaubte sie ernsthaft, dass es ihren liederlichen Cousin scherte, ob sie ihre Unschuld behielt oder nicht? Gareth argwöhnte, dass diese hinterhältige Schlange sie so oder so verkaufen würde – ob sie nun unbefleckt war oder nicht.

Doch keine dieser Fragen kam ihm über die Lippen. Wie gebannt sah er Lady Emma mit geschickten Fingern die Schnürung ihrer verschlissenen roten Cotte lösen. Während sie diese abstreifte, spannte sich der Stoff um ihren schlanken Leib. Als sie sich so wand, präsentierte sie ihm ihre weichen, üppigen Rundungen, an die er sich noch zu gut erinnerte. Immerhin hatte er Lady Emma während der Flucht fest an sich gedrückt gehalten.

„Wollt Ihr mich?“ Sie hielt mitten in ihrem Tun inne. Die Cotte glitt ihr über die Schultern bis auf die Hüften hinab, sodass ihre Brüste nur noch von einem betörend fadenscheinigen Leibchen bedeckt waren.

Der Anblick verschlug Gareth den Atem, als sei er vom Pferd gestürzt. Es traf ihn wie ein Schlag, dass sie sich ausgerechnet ihm anbot – ihm, einem narbenübersäten Mann, von dessen Gesicht die meisten sich abwandten, sobald er sich näherte. Lady Emma jedoch schreckte nicht vor ihm zurück, und es war lange her, seit er eine Frau getroffen hatte, die nicht etwa seinen Makel, sondern ihn sah. Allein schon dieser Umstand hätte beinahe genügt, ihn ins Verderben zu führen.

Er merkte, dass er sie voller Begehren anstarrte, wusste sich aber nicht zu beherrschen. Wie verzaubert hielt er den Blick auf die Kontur ihres Körpers und die nackte Haut gerichtet, die ihr Leibchen preisgab. Lady Emma hatte das Kaminfeuer im Rücken, vor dem sich ihre Silhouette deutlich abhob. Gareth versuchte sich dazu zu bringen, den Blick zu heben und ihr in die Augen zu schauen, doch sein Mund gierte bereits danach, die Dame zu kosten.

„Ich bin versucht“, räumte er ein, wohl wissend, dass ihr Ruf durch diese Entführung ohnehin so gut wie ruiniert war. Ihre Ehrbarkeit würde künftig als zweifelhaft gelten, ob Gareth die Dame nun anrührte oder nicht. Warum sich also nicht nehmen, was sie so freizügig darbot? „Aber ich würde gern wissen, warum Ihr mich für etwas erkoren habt, auf das eigentlich nur der Gemahl ein Anrecht hat.“

Es juckte ihn in den Fingern, in den Stoff zu greifen, der sich um ihre Taille bauschte, und ihn ihr über die langen Beine bis hinab zu den Füßen zu streifen. Er wollte die Hände um ihren Körper legen, diesen unter dem Leibchen erspüren, eine jede Kurve und Senke erkunden, bis Lady Emma lautstark um sinnlichere Liebkosungen bettelte. In seiner Brust wallte Hitze auf, und er riss sich den Surcot vom Leib, um sein inneres Feuer zu lindern.

Hinter ihnen knisterte und knackte es im Kamin, und der Duft von Kiefern- und Eichenholz lag in der Luft.

„Meinen Bräutigam verlangt es nach einer Jungfrau.“ Er sah die Finger an ihren Seiten ruhelos zucken, als wisse sie nicht, wohin mit ihnen. Sie umklammerte ihre Unterarme, legte sich schützend die Hände auf die Schultern, um schließlich die hinabgeglittene Cotte wie einen Schutzschild zu ergreifen, unsicher, ob sie sich dahinter verschanzen sollte oder nicht. „Wenn ich diese Voraussetzung nicht erfülle, wird man mir vermutlich erlauben, ins Kloster zu gehen. Mein Cousin jedenfalls kann es gar nicht erwarten zu sehen, wie ich Edenrock den Rücken kehre.“

Gareth wusste, dass sie in vielerlei Hinsicht falsch lag. Aber es war zu spät, die Dinge richtigzustellen. Er hatte sie aus ihrem Zuhause entführt und sie damit gewissermaßen an sich gebunden. Er war zu ihrem Beschützer geworden, sie unterlag nun seiner Verantwortung.

Sie gehörte ihm.

Ein Teil von ihm wollte ihr dies sagen; wollte ihr sagen, dass ihre Zukunft kein Kloster bereithielt, dass ihr Angebot sie beide unwiderruflich aneinanderkettete. Doch der Gedanke war zerronnen, kaum dass er aufgestiegen war, und wurde erstickt von dem übermächtigen Drang, Emma zu besitzen.

Gareth trat zu ihr, wobei er mit den Stiefeln die frische Streu aufwühlte, von der der Duft nach Heu aufstieg. Er fasste Emma bei der Taille und zog sie an sich. Sie fühlte sich noch weicher an als in seiner Erinnerung, weil sie nun bereitwillig an ihn sank, während sie sich ihm zuvor widersetzt hatte.

Ihre Kapitulation bedingte seine eigene.

Mit den Händen fuhr er ihr über den Rücken und blickte auf sie hinab. Sie hatte den Kopf gehoben, in ihren Augen blitzten ebenso Fragen wie die ersten Regungen der Lust. Dieser Ausdruck faszinierte ihn und gemahnte ihn daran, dass er noch nie eine Jungfrau angerührt hatte. Nie hatte er einer Frau beigelegen, die sich derart arglos auf das einließ, was folgen würde.

„Ich werde Euch nicht wehtun.“ Das sollte sie wissen, und er hoffte, dass sie ihm dies abnahm. Um nichts auf der Welt wollte er, dass das unschuldige Verlangen in ihrem Blick der Angst wich – nicht einen Herzschlag lang.

„Ich glaube Euch.“ Sie nickte und berührte ihn federleicht an den Schultern. „Ihr habt Rowena nichts zuleide getan, obgleich es leichter für Euch gewesen wäre, sie einfach zurückzulassen.“

Ihr bebten die Lippen, als er ihr Schleier und Schapel vom Haar nahm und den straff geflochtenen Zopf löste. Seidenweiche kastanienbraune Flechten, die nach Frühlingsblumen dufteten, ergossen sich über ihre Schultern. Gareth neigte sich vor, um Emmas Aroma einzuatmen, so lieblich und rein.

„Ich werde etwas weit Besseres tun, als Euch lediglich nicht wehzutun.“ Er spürte, wie die Spitzen ihrer Brüste an seinem Oberkörper hart wurden, und das setzte seiner Selbstbeherrschung arg zu. Sein Atem ging abgehackt. „Ich werde Euch Wonnen bereiten, von denen Ihr nicht einmal zu träumen wagt. Wonnen, die so herrlich sind, dass Ihr Euch das Kloster aus dem Kopf schlagen werdet.“

Er hatte kein Recht, derart große Töne zu spucken, schon gar nicht in Anbetracht des Umstands, dass sie eine unerfahrene Maid war, die der Schmerz des ersten Mals sehr wohl schrecken mochte. Doch das zarte Rosa ihrer Wangen sprach von nichts als hinreißender Verwirrung und nicht eben wenig Begehren, so wie auch die harten Brustspitzen unter ihrem Hemd von einem alles andere als sittsamem Interesse kündeten.

Ehe sie etwas einwenden konnte, küsste er sie. Sanft ließ er seine Lippen über die ihren gleiten, spürte diese prall und weich unter sich und liebkoste sie. Ganz bedächtig kostete er sie und ließ Emma Zeit, sich an das Gefühl seines Mundes auf dem ihren zu gewöhnen. Ihm pochte der Schädel – verdammt, ihm pochte der gesamte Leib! –, weil er krampfhaft bemüht war, sich zurückzuhalten. Endlich wurde er damit belohnt, dass Emma kaum merklich das Kinn hob, sich ihm entgegenbog und sich seinem Kuss öffnete.

Sie würde es nicht bereuen.

Emma drehte sich der Kopf. Was sie empfand, war zu verwirrend und berauschend, als dass sie klug daraus geworden wäre. Gareth derart eng an sich gepresst zu fühlen, seine Zunge über die ihre gleiten zu spüren, ließ Hitze in ihr auflodern. Sie hatte es durchaus darauf angelegt, ihn zu verführen, indem sie sich auszog – allerdings mit dem einzigen Hintergedanken, sich ihrer lästigen Unschuld zu entledigen.

Nicht gerechnet hatte sie mit diesem warmen Flattern, das sich vom Bauch aus im ganzen Körper ausbreitete. Nie hätte sie gedacht, dass ein vom Krieg gezeichneter Recke sie mit solch ehrfürchtiger Behutsamkeit anfassen könnte; dass er ihre Empfindungen über die eigenen stellen könnte.

Nun umspielte er mit der Zunge geschmeidig die ihre, sodass sie innerlich zu schmelzen meinte. Ihr drohten die Knie nachzugeben, und sie ließ sich an ihn sinken, von ihm vereinnahmt, ihm hilflos ausgeliefert. Sie krallte die Finger in seine Tunika, verzweifelt um Halt ringend in einer Welt, die plötzlich nur noch aus Empfindungen bestand. Dabei atmete sie den Duft nach Rauch ein, der im Stoff seiner Kleider sowie in seinem dunklen Haar hing. Sein Körper wärmte sie, als brenne auch in ihm ein Feuer. Unter der Tunika spürte sie seine glühende Haut und sein festes Fleisch.

Und – mochte der Himmel ihr beistehen! – sie fühlte einen jeden köstlichen Zoll seines Leibes, während ihr die Cotte bis hinab zu den Knien glitt. Ihr Leibchen bot wenig Schutz vor seiner stattlichen Gestalt. Sie spürte die Härte seiner Lenden an ihrem Bauch, was in ihr das Verlangen entfachte, sich an ihm zu reiben.

Schlagartig traf sie die Erkenntnis, wie schamlos sie sich gebärdete. Und dennoch konnte sie nicht anders, als sich auf die Zehenspitzen zu stellen und sich an seine unnachgiebig pralle Männlichkeit zu drängen.

Gareth stöhnte leise, ließ von ihren Lippen ab und blickte unter halb geschlossenen Lidern hervor auf sie herab.

„Ihr habt mich verhext“, raunte er und schob Emma vor sich her aus dem Gemach in die angrenzende Schlafkammer. „Verzaubert.“

Der Vorwurf barg keinen Stachel. Vielmehr kamen ihr die Worte wie eine Anerkennung vor, und dass ein gestandener Krieger von demselben Sinnenrausch wie sie gepackt werden konnte, ließ sie forscher werden.

„Bitte, ich möchte Euch anfassen“, flehte sie und strich ihm mit den Händen über die breite, muskulöse Brust. Über den Bauch. Über die Hüften. „Ich möchte mehr von Euch spüren.“

Im Dunkel der Schlafkammer zerrte sie an seiner Tunika. Das Kaminfeuer im Gemach nebenan warf seinen Schein durch die offene Tür und hüllte ihre Beine in goldenes Licht, wohingegen die Liegestatt in Schatten getaucht war.

Die rote Cotte war Emma längst auf die Füße geglitten. Sie stieg heraus und folgte Gareth zum Bett, wobei sie am ganzen Leib bebte, neugierig und erregt zugleich. Wie mochte diese Vereinigung, die purer Notwendigkeit entsprang, verlaufen?

Wie hatte so viel mehr daraus werden können?

Scheppernd landete Gareths Schwertgürtel auf dem Boden, und Emma ging auf, dass er dabei war, sie beim Wort zu nehmen. Mit einer fließenden Bewegung streifte er sich die Tunika ab und entblößte seine Brust Emmas begierigem Blick.

Er war schön. Nie hätte sie ihm dies ins Gesicht gesagt, aber sie konnte den Blick nicht abwenden von den Muskelsträngen, die an Armen und Schultern hervortraten, von seinem wie gemeißelt wirkenden straffen Bauch, von der Narbe, die quer über seinen Oberkörper verlief und von einer Wunde stammen musste, die nur ein wahrhaft starker Mann überleben konnte.

Im Zwielicht streckte er die Hände aus und grub sie in den Stoff von Emmas dünnem Unterkleid. Dabei hob er den Saum, und sie spürte Zugluft über ihre Fußknöchel streichen. Das gemahnte sie daran, dass sie nun jeden Augenblick vollkommen hüllenlos sein würde, Gareth ganz und gar ausgeliefert. Bei dem Gedanken durchrieselte sie abermals köstliche Hitze und ließ sie schier zerfließen.

„Habt keine Angst“, flüsterte er, während er den Saum stetig höher zog.

„Habe ich nicht“, gab sie zurück und fuhr ihm mit gespreizten Fingern über die Brust. „Ich wüsste nur gern, was als Nächstes kommt. Nie hätte ich gedacht, dass das Ganze derart … überwältigend sein könnte.“

Wie nahe sie ihm auch kam, wie innig sie ihn auch berührte – sie wollte mehr. Immer größer wurde ihr Verlangen, machte ihr den Mund wässerig und sandte ihr ein Prickeln über die Oberschenkel.

Im Nu hatte er ihr das Unterkleid ausgezogen und sie damit des letzten Kleidungsstücks beraubt, das sie beide voneinander getrennt hatte. Nun war sie seinem Blick preisgegeben, und sie spürte diesen wie eine Liebkosung über sich gleiten, wie eine Flamme – so eindringlich musterte er sie.

Bei allen Heiligen! Unwillkürlich warf sie sich ihm in die Arme, ja, sie konnte gar nicht anders. Er fing sie auf und hob sie mühelos hoch, wobei ihre Brüste seinen Oberkörper streiften und die Stelle, an der ihre Oberschenkel sich trafen, gegen seine Männlichkeit drückte.

Emma seufzte leise, und berauscht von der Wonne presste sie ihm die Lippen auf den Hals, um ihn abermals zu kosten. Sie ahnte, dass er sich um ihretwillen zurückgenommen hatte. Aber nun, da das Verlangen ihren ganzen Körper erfasst hatte, sehnte sie sich nach nichts so sehr wie danach, dass Gareth ihr zeigte, was sie erwartete.

Würde er das verlockende Versprechen erfüllen, das seinen Küssen gerade innegewohnt hatte?

Er ließ die Hände über ihr Gesäß wandern, packte sie bei den Hüften und hielt sie fest. Sie glaubte, schier aus der Haut zu fahren, so sehr prickelte ihr Leib vor Verlangen. Allein ihrem Bauchgefühl folgend, neckte Emma ihn mit Zähnen und Zunge am Hals, so wie Gareth es vorhin bei ihr getan hatte. Er drehte sich mit ihr um, schob sie gegen das Bett und drückte sie sachte in die Kissen nieder, wobei er ihren Fall mit seinen Armen abfederte. Dann ließ er sich zu ihr in die weichen, sauberen Laken gleiten und achtete darauf, ihr nicht sein Gewicht aufzubürden.

Sie fuhr ihm mit den Fingern durchs Haar, zog ihn auf sich, gierte nach seiner Berührung. Er senkte den Kopf und schloss die Lippen um eine ihrer prallen Brustwarzen, um daran zu saugen.

Wogen der Wollust durchbrandeten sie, ausgehend von der Stelle, die er liebkoste.

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