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HISTORICAL COLLECTION, BAND 2

Christine Merrill, Michelle Willingham, Melanie Hilton, Theresa S. Brisbin, Diane Perkins

HISTORICAL COLLECTION, BAND 2

CHRISTINE MERRILL

Wenn aus Sünde Liebe wird

Er kann der Verlockung nicht widerstehen: Tom verbringt eine verruchte Nacht mit Victoria – und ahnt nicht, dass die sündige Verführung sein Untergang sein könnte …

MICHELLE WILLINGHAM

Entführt von einem Wikinger

So sinnlich und schön Aisling ist, so starrköpfig ist sie auch. Tharand muss die geraubte Irin zähmen, denn er hat besondere Pläne mit der Widerspenstigen …

MELANIE HILTON

Der Fremde mit der Maske

Jonathan begegnet der schönsten Frau, die er je gesehen hat – und sie macht ihm auch noch ein amouröses Angebot: Er soll Sarah die Jungfräulichkeit nehmen …

THERESA S. BRISBIN

Sinnliche Verführung in der Hochzeitsnacht

Klopfenden Herzens folgt Elise ihm in sein Schlafgemach. Sie ist unerfahren und Lord Simon ein Mann, der keine Rücksicht nimmt! Wie wird ihre Hochzeitsnacht enden?

DIANE PERKINS

Ein erotisches Angebot

Der Krieg hat nicht nur körperliche Narben hinterlassen, auch die Seele von Captain Graham Veall hat gelitten. Kann Margarets sinnliche Hingabe ihn heilen?

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1. KAPITEL

Die Besitzerin des Freudenhauses nahm sie wortlos an der Tür in Empfang, fragte auch nicht nach ihrem Namen oder warum sie hier nach einem ganz bestimmten Mann suchte. Sie zeigte sich weder unterwürfig, noch wirkte sie sonderlich interessiert. Offensichtlich ist es ihr gleichgültig, was ich mit meiner Zeit oder meinem Ruf in diesem Etablissement anzufangen gedenke, dachte Victoria. Sie nahm an, dass der Earl of Stanton der Frau genug gezahlt hatte, um ihren Mangel an Neugier zu gewährleisten.

Und was machte es schon, dass sie, um die Wahrheit zu erfahren, eine Hure spielen musste? Wenn das Ergebnis war, dass sie mit dem Tod ihres Gatten abschließen konnte, lohnte sich jedes Opfer. Denn was wäre, wenn der ihr angetraute Mann durch den Verrat eines Untergebenen umgekommen war, und sie blieb tatenlos, obwohl sie es wusste? Dann hätte sie ihn als Witwe ebenso enttäuscht wie zuvor als Ehefrau. Bis sie sicher war, dass der arme Charles sanft ruhen konnte, würde sie selbst keine Ruhe finden.

Die Bordellwirtin führte sie durch den Empfangssalon und dann einen mit obszönen Bildern und roten Draperien geschmückten Gang entlang. Schließlich öffnete sie ihr eine der vielen Türen. „Ich kenne den Mann, den Sie suchen, und ich kenne seinen Geschmack.“ Kritisch musterte sie Victoria, wie eine Ware, die sie ausstellen wollte. „Er wird Sie bestimmt wählen, wenn Sie denn den Mut haben, ihn zu empfangen.“ Einen Moment wartete sie, wie um ihre Besucherin empört oder zögernd zu sehen. Als das nicht eintrat, fuhr sie fort: „Tom Godfrey ist bei unseren Mädchen hier bekannt, er gilt als reinlich, fein und freundlich. Einen Abend in seiner Gesellschaft zu verbringen bedeutet keinerlei Gefahr für Sie.“ Mit einem befriedigten Lächeln ergänzte sie: „Im Gegenteil, die eine oder andere wird Sie um Ihr Glück beneiden.“

Obwohl Victoria das ehrlich bezweifelte, schwieg sie still.

Mit einer Geste lud die Frau sie in das kleine Zimmer direkt vor ihnen ein, wo sie auf einen Seidenvorhang neben der Tür zeigte und ihn dann ein Stück zur Seite zog. Dahinter befand sich ein messinggefasster Spion. Sie gab keine weitere Erklärung ab, doch Victoria war klar, was von ihr erwartet wurde. Wenn Lieutenant Godfrey hergeführt wurde, würde man draußen auf dem Gang für ihn eine Draperie oder ein Bild zur Seite schieben, um ihm einen ersten Blick auf die Frau zu gestatten, die drinnen wartete. Die wiederum sollte ihn ihrerseits mit Gesten und Bewegungen verführen, wobei sie vorgeben würde, nicht zu wissen, dass sie beobachtet wurde. Victoria nickte verstehend.

Die Besitzerin des Freudenhauses erwiderte das Nicken. „Bleiben Sie hier, ich sorge dafür, dass er sie findet.“ Damit ging sie hinaus und schloss die Tür hinter sich.

Victoria schaute sich in dem Zimmer um, verwundert, dass es sich kaum von einem gewöhnlichen Schlafraum unterschied. Die Wände waren schlicht mit cremefarbener Seide bespannt, es gab keine Bilder oder sonstige schmückende Dinge. Das Mobiliar bestand aus einem Garderobenschrank mit seitlichen Kleiderhaken, einem kleinen Frisiertisch mit Spiegel und einem großen, in jungfräulichem Weiß bezogenen Bett.

Sie fragte sich, ob dieser Raum dem Verlust der Unschuld vorbehalten war. Sicherlich war das nicht der richtige Ort für sie. Das hatte sie längst hinter sich. Und dennoch … Während sie ihren Umhang ablegte, überlief sie ein Schauer, der nichts mit der Temperatur im Zimmer zu tun hatte.

Als sie mit ihrer ungewöhnlichen Bitte an den Earl of Stanton, einen Freund ihres Gatten, herangetreten war, hatte der sie zuerst als närrisch abgewiesen. Vielleicht habe ihr Gatte den Verdacht gehegt, dass es einen Spion in seiner Kompanie gab. Allerdings sei sein Tod kein Beweis dafür. Soldaten müssten mit dem Tod rechnen, das wisse sie doch sicher. Immerhin sei sie ihrem Gemahl doch nach Spanien gefolgt, habe die Folgen der Schlachten gesehen, nicht wahr?

Sie hatte eingewendet, dass ihr Charles nicht in der Schlacht gestorben war, sondern wegen falscher Informationen. Er und seine Männer waren völlig ahnungslos auf dem Marsch in einen Hinterhalt geraten. Des Öfteren hatte ihr Gemahl das merkwürdige Verhalten Lieutenant Godfreys erwähnt und die Überzeugung geäußert, dass mit ihm etwas nicht ganz geheuer sei. Ihr schien es kein Zufall, dass der Mann, den ihr Gatte verdächtigte, als Einziger völlig unbeschadet dem Massaker entkommen war.

Stanton hatte angeführt, dass sie keinerlei Beweise hatte, dass der Mann in bestem Ruf stand und dass er zudem nicht mehr der Gerichtsbarkeit der Armee unterstand, da er in einem späteren Kampf schwer verwundet worden, aus dem Dienst ausgeschieden und nach London zurückgekehrt war. Dann hatte Stanton ihr im Spott den Vorschlag gemacht, sie möge den Mann doch aufsuchen und ihn persönlich befragen.

Als sie sich mit Eifer auf diese Idee stürzte, schlug er andere Töne an und versuchte, ihr Angst zu machen. Er erklärte, Godfrey verkehre an Orten, die eine ehrbare Lady nicht betreten könne. Ob sie etwa, um ihn zu finden, übel beleumdete, unsittliche Häuser besuchen wolle?

Da hatte sie die Schultern gestrafft und gesagt: „Wenn es sich als notwendig erweist, auch das.“

Und eben diese Notwendigkeit hatte sie nun hierher geführt.

Victoria suchte nach dem Rückenverschluss ihres Kleides und begann es zu öffnen. Für den Besuch hier hatte sie ihre Trauerkleidung abgelegt, denn obwohl Schwarz zu ihrer Stimmung passte, passte es doch nicht zu dem, was sie hier darstellen wollte. Rot allerdings hatte sie zu offensichtlich gefunden, also war sie auf Grün ausgewichen. Sie mochte die Farbe, hatte allerdings seit ihrer Eheschließung nichts so geradezu Frivoles mehr getragen. Sie zog es aus und hängte es an einen Haken des Garderobenschrankes.

Nun stand sie da in Unterröcken und Hemd und starrte im Spiegel ihr bleiches Gesicht an. Sie konnte unmöglich Angst zeigen, wenn er sie aufsuchte! Stanton hatte angeführt, dass sie entsetzt über das sein würde, was von einer Frau an einem solchen Ort erwartet wurde.

Entschlossen hob sie das Kinn und musterte sich noch einmal im Spiegel. Sie kniff sich in die Wangen, um ihnen Farbe zu verleihen. Stanton hatte sie entgegnet, dass sie kein Schulmädchen mehr sei und sich nicht vor etwas fürchte, das sie als Ehefrau viele Male schon getan habe.

Derartig offene Worte hatten den armen Mann erröten lassen. Er hatte gefleht, sie möge von ihrem Vorhaben ablassen und alles vergessen, was er ihr diesbezüglich gesagt hatte.

Natürlich war sie bei ihrem Entschluss geblieben. In Anbetracht der verdächtigen Umstände seines Todes hätte ihr Gemahl erwartet, dass sie entsprechende Maßnahmen ergriff. Obwohl Charles ein guter Ehemann gewesen war, hatte er sie doch manchmal nicht anders behandelt als seine Soldaten, hatte nicht nur Ergebenheit, sondern Loyalität, Gehorsam und Mut verlangt. Wenn der Earl of Stanton dieser Angelegenheit nicht nachzugehen gedachte, musste sie selbst handeln. Und mit seinem Rat würde ihr das besser gelingen als auf sich gestellt.

Als er sah, dass er sie nicht umstimmen konnte, hatte er ihr, unter bedenklichem Kopfschütteln zwar, die Adresse dieses Hauses gegeben und ihr versprochen, alles zu arrangieren, so sehr es ihm auch widerstrebte.

Sie erstarrte. Wie ein Lufthauch strich es über ihre bloßen Arme. Es schien von der Wand hinter ihr zu kommen. Er war da, beobachtete sie.

Sie wandte sich um, sodass sie dem vermuteten Beobachter den Rücken zukehrte, und fuhr sich mit einer Hand über den Nacken. Mit fast zärtlicher Geste ließ sie ihre Finger hoch zu ihrem Haar gleiten und zog eine nach der anderen die Nadeln aus ihrer Frisur. Dann nahm sie die Bürste vom Frisiertisch und fuhr damit glättend durch ihre Locken, als ob sie sich zum Schlafengehen bereit machte.

Nun, da sie wieder in London weilte, war ihr Haar ihr ganzer Stolz. Sie hatte geweint, als sie es hatte abschneiden müssen. Denn Charles hatte gesagt, es werde, wenn sie ihn nach Portugal begleitete, keine Zeit für weiblichen Schnickschnack geben. Aber inzwischen war es so dicht und üppig nachgewachsen wie vor ihrer Heirat. Sie fragte sich, ob der Mann dort hinter der Wand überhaupt darauf achtete. Sie wog die dichten Strähnen in der Hand, breitete sie aus und ließ sie über ihren Rücken fallen.

Wieder musterte sie sich im Spiegel. Wenn sie zu lange herumtrödelte, würde er wissen, dass es mit Absicht geschah. Sie sog tief den Atem ein, dann löste sie ihre Unterröcke, ließ sie zu Boden fallen, stieg daraus hervor und hob sie auf. Geruhsam strich sie sie glatt, ehe sie sie neben ihrem Kleid aufhängte. Auf eine Korsage hatte sie bewusst verzichtet, denn angesichts dessen, was sie zu tun vorhatte, war ihr das unnütz erschienen. Nun kam ihr der Gedanke, ob es aufzuschnüren wohl zu dem Ritual des Entkleidens gehörte, oder ob es ihm lieber war, ihren Körper durch das feine Hemdchen zu erahnen. Das Wissen um den anonymen Beobachter und was er über sie denken mochte, gab ihr ein Gefühl, als glitte ein Stückchen Eis über ihre erhitzte Haut und steigere ihre Empfindsamkeit.

Sie setzte sich auf das Bett, ohne darauf zu achten, dass ihr Hemd hoch über ihre Beine hinaufrutschte. Dann streifte sie ihre leichten Schuhe ab und ließ sie zu Boden fallen. Endlich löste sie ihre Strumpfbänder und rollte langsam die Strümpfe hinab, wobei sie ihre Beine demonstrativ streckte. Sie setzte sich aufs Bett, rückte höher auf der Matratze, bis sie mit dem Rücken am Kopfende lehnte. Ihr Hemd rutschte noch höher, beinahe bis zur Taille. Da verspürte sie zum ersten Mal echte Furcht, fühlte sich entblößt und verletzlich.

Doch sie verbarg das Gefühl hinter einem künstlichen Lächeln. Sie wusste, was sie vermutlich tun musste, wenn erst ihr Opfer hereinkam. Im Vergleich dazu konnte doch ihre augenblickliche Aufgabe kaum furchterregend sein. Noch war sie allein.

Nicht dass sie sich je, wenn sie allein war, zügellos betragen hätte. Das war ungehörig. Aber hier war wohl der letzte Ort, an dem sie sich um Anstand Gedanken machen musste.

Zögernd zuerst hob sie die Hände und berührte ihre Brüste über dem feinen Leinen des Hemdes. Erschreckt ob der sinnlichen Empfindung, schloss sie die Augen, um die Umgebung auszublenden. Ihre Brustwarzen richteten sich auf unter der Lust spendenden Berührung. Sie umfing ihre Brüste mit den Händen, erfreute sich an der weichen Fülle und presste sie zusammen, sodass sie fast über den Ausschnitt des Hemdes quollen.

Nach einer Weile ließ sie ihre Hände sinken und griff nach dem Hemdsaum. Langsam schob sie ihn weiter nach oben. Sie verdrängte ihre Furcht und biss sich, wie von Begehren erfasst, auf die Unterlippe. Dann öffnete sie ihre Schenkel, sodass sie sich jedem, der sie beobachten mochte, völlig entblößte.

Von irgendwoher drang ein scharfes Keuchen an ihr Ohr.

Das Geräusch ließ sie erbeben. War der Mann auf der anderen Seite des Vorhangs der, den sie suchte? Vielleicht war es ein völlig Fremder? Wer immer ihr zusah, erwartete jedenfalls, dass sie weitermachte.

Und jäh erbebte sie erneut und wollte es ebenfalls. Sie schob eine Hand zu ihrem Schoß, tastete mit den Fingern nach der Perle ihrer Lust und begann sie zu reiben.

Tom Godfrey betrachtet die Frau auf dem Bett, bemüht, seinen Schock nicht zu zeigen, sondern nur Erwartung oder Begierde.

Die Bordellwirtin berührte seinen Arm, eine stumme Frage, ob das der Typ Frau war, den er gesucht hatte.

Er legte eine Hand auf die ihre und nickte. Nicht nur sah er vor sich das kastanienbraune Haar, wie er es gewünscht hatte, und die strahlend grünen Augen, sondern auch die Form des Gesichts war die gleiche. Die zierliche Nase, die sanft gerundeten Wangen und das kleine Grübchen im Kinn.

Ihre Figur war auf der Miniatur, die sein Captain bei sich getragen hatte, nicht abgebildet gewesen, doch er hatte sie vor sich gesehen: helle Haut, von der Sonne Portugals golden überhaucht, schlanke Beine, hoch angesetzte Brüste, eine schmale Taille und sanft gerundete Hüften. Seine Vorstellungskraft war dieser Frau nicht gerecht geworden.

Die Besitzerin des Etablissements lächelte, nickte und drückte ihm, auf die Tür zu seiner Rechten weisend, einen Schlüssel in die Hand. Nachdem er ihr eine Münze zugesteckt hatte, zog sie sich zurück.

Eine Weile stand er da, starrte durch das Guckloch und genoss den verstohlenen Blick, den es gewährte. Die Frau dort drin sah der ungemein ähnlich, nach der es ihn verlangte, doch mit seiner Begierde kam auch ein vages Schuldgefühl, obwohl er nicht wusste, warum er sich wegen Fantasien, die immer unausgesprochen geblieben waren, schuldig fühlen sollte. Es war nicht so, als ob er Victoria Paget je mit seinen Empfindungen belästigt hätte. Er hatte sie niemals getroffen. Als er ihr die persönliche Habe ihres Gatten schickte, hatte er ihr nicht einmal in kürzester Form sein Beileid ausgesprochen, aus Angst, er könnte etwas äußern, wodurch sie die Wahrheit erriete. Er hatte nichts getan, dessen er sich schämen müsste.

Aber obwohl er untadelig gehandelt hatte, bedauerte er seine unzähmbaren Gedanken. Captain Pagets Äußerungen über den hohen Geist seiner Gemahlin, ihre unwandelbare Treue und Beherztheit, hatten Neid in ihm erweckt. Im Vergleich schien ihm damals die Ergebenheit seiner eigenen Verlobten, die in London auf ihn wartete, nur lau. Und dann hatte Paget, der das kleine Bild seiner Gattin oft betrachtete, ihm einen Blick auf dasselbe gegönnt.

Da hatte sich in ihm leichte Eifersucht geregt, vielleicht, weil er bezweifelte, dass Paget eine solche Frau verdiente. Der Mann sprach manchmal über sie, als wäre sie ein guter Soldat und nicht eine Frau, der Respekt und Zartgefühl gebührten. Und obwohl der Captain große Worte darüber verlor, dass er sie sehr gern habe, hatte er dennoch, als der Krieg sie trennte, nicht sonderlich danach verlangt, ihr so treu zu sein, wie er es von ihr zu wissen schwor.

Vielleicht war es nur heftigstes Sehnen. Tom hatte gesehen, dass Paget Ruhe und Frieden fand, wenn er vor einer Schlacht ihr Porträt betrachtete. Und er hatte für sich selbst diesen Frieden gewünscht. Er hatte das Wissen ersehnt, dass jemand auf ihn wartete, auf seine Rückkehr hoffte. Die wenigen mageren Briefe, die er von seiner Verlobten erhielt, ließen ihn an ihrer gemeinsamen Zukunft zweifeln. Und seine Befürchtungen hatten sich kurz nach seiner Heimkehr bewahrheitet.

Am schlimmsten aber war die Begierde. Seit er das Porträt gesehen hatte, begehrte er die Frau, die darauf abgebildet war. Nach dem Tod des Captains hatte Tom dessen Taschen nach der Miniatur durchsucht, aus dem plötzlichen, beschämenden Bedürfnis heraus, es besitzen zu wollen, um es jede Nacht ansehen zu können, ehe er sich schlafen legte. Und sich seiner Fantasie zu ergeben.

Solche Gedanken über die Witwe zu hegen, deren Gatte gerade das Zeitliche gesegnet hatte, hatte ihn angewidert. Also hatte er das Bild zusammen mit den übrigen Sachen seines Captains in seinen Tornister gestopft, um sie vor plündernden Soldaten in Sicherheit zu bringen, und hatte sie mit dem nächsten Kurier zum Lager geschickt.

Als er einen Monat später selbst dort anlangte, auf einer Bahre, nachdem ihm in einem weiteren Scharmützel ein Bein zerschlagen worden war und damit auch seine militärische Karriere, hatte er Mrs Paget aufsuchen wollen, doch da war sie schon nach London zurückgekehrt. Den Schmerzen seiner Verletzung gesellte sich Enttäuschung zu, doch auch Erleichterung. Trauer nämlich war ein Luxus, den sich nicht alle Frauen, die ihren Männern in den Krieg gefolgt waren, leisten konnten. Obwohl es bei Offiziersgattinnen nur selten vorkam, so gab es doch viele Frauen, die dem Ehestand an sich mehr Bedeutung beimaßen als der Person ihres Ehemannes. Ein unglücklicher Tod in der Schlacht bedeutete häufig, dass eine Eheschließung im Felde mit einem anderen Soldaten folgte, wenn die Kompanie zurückkehrte.

Hätte sich die Gelegenheit ergeben, hätte er nicht widerstehen können, sie zu fragen. Dabei hätte er nicht einmal um ihre Hand anhalten können, da er zu dem Zeitpunkt nicht frei war. Schlimmer noch aber war der Gedanke, dass sie möglicherweise schon einen anderen geheiratet hatte.

Doch nein. Sie würde zu Tode betrübt sein, da war er sich sicher. Sie würde ihn für geschmacklos halten, wenn er ihr antrug, so bald wieder zu heiraten.

Jetzt aber, da er frei war, würde er sie vielleicht, nach einer schicklichen Zeitspanne, aufsuchen.

Während er auf diese Gelegenheit wartete, war das Verlangen nach ihr jedoch ins Unermessliche gestiegen, deshalb war er in ein Freudenhaus gegangen, um sich Erleichterung zu verschaffen. Und nun fand er sich hier an diesem Guckloch und lugte in das Boudoir einer Kokotte, die leicht die Doppelgängerin jener jungen Frau auf dem Porträt sein könnte.

Nicht jedoch in Person. Nicht einmal in seinen wildesten Träumen hatte er sie so vor sich gesehen. Sie berührte sich … umfing ihre Brüste … lehnte sich zurück … spreizte die Beine und schob ihre Finger zwischen ihre Schenkel … begann zu reiben …

Tom schluckte schwer und bemühte sich, seinen Atem zu beruhigen. Sie musste wissen, dass sie beobachtet wurde. Um ihre Lippen spielte ein verstohlenes Lächeln, so, als könne sie sich vorstellen, welche Wirkung sie auf ihn hatte. Und dann war das vergessen, und er keuchte auf, da sie jäh erschauerte und ein leises Ächzen erlöster Lust von sich gab.

Und welche Wirkung es auf ihn hatte! Er war so hart, so erregt, dass es fast schmerzte. Als er sah, wie sie sich leicht aufbäumte und unter ihrer Hand erneut vor Wonne erbebte, wäre er beinahe selbst gekommen.

Rasch ging er zu der Tür, öffnete sie, trat ein und verschloss sie sofort wieder fest hinter sich.

2. KAPITEL

Triumphierend lächelte Victoria, als ein Mann in das Zimmer kame, denn offensichtlich hatte sie recht gehabt. Er hatte sie beobachtet. Sie sah es ihm an. Und es war klar ersichtlich, dass das, was sie getan hatte, ihn erregte.

Seine Wangen waren gerötet wie von zu viel Wein. Doch es war nicht der Alkohol. Sondern natürlich Begehren. Das hatte sie erwartet. Aber Verlegenheit? Ihr zuzusehen und zu wissen, dass sie es wusste? Man hatte ihr gesagt, dass er in Häusern wie diesem nicht unbekannt war. Doch vielleicht war er normalerweise kein Voyeur. Er war jünger, als sie gedacht hatte, nur wenig älter als sie selbst, und mindestens zehn Jahre jünger als Charles. Und obwohl sie sich hätte fürchten sollen, als er die Tür verschloss, ähnelte er doch nicht dem finsteren Schuft, den sie erwartet hatte. Tom Godfrey hatte braunes Haar, goldgesprenkelt von südlicher Sonne, und während er sie anschaute, fiel ihm eine Strähne über die Augen, die er mit der Hand zurückschob.

„Fürchten Sie, man könnte stören?“, fragte sie mit einem sprechenden Blick zum Türschloss.

Er steckte den Schlüssel in seine Tasche. „Jedenfalls wünsche ich es nicht.“ Seine Stimme war angenehm, und ungewollt gefiel ihr der Klang. Als er leicht hinkend ans Bett trat, musste sie sich zwingen, die Beine nicht zu schließen. Stattdessen lehnte sie sich zurück in die Kissen, hob die Arme über den Kopf und verschränkte die Hände, sodass ihre Brüste gegen den dünnen Stoff des Hemdes drängten.

Eilig, als wäre keine Zeit zu verlieren, legte er seine Kleider ab. Und angesichts seines Zustandes mochte es wirklich so sein. Bei dem Anblick verspürte sie, völlig unpassend, wie sie selbst vor Verlangen leicht erschauerte. Er war Soldat gewesen, sein Körper hart und straff, mit einer langen Narbe am Oberschenkel. Daher also sein Hinken.

Doch ansonsten schien er bei bester Gesundheit zu sein. Und fast erschreckend groß in seiner Erregung.

Du warst schon lange nicht mehr mit einem Mann zusammen, rief sie sich ins Gedächtnis und versuchte nicht hinzustarren. Und obwohl sie ausgerechnet diesen Mann nicht begehren sollte, war ihre Reaktion auf den Anblick seines Körpers bestimmt nur normal und ganz bestimmt kein Verrat an ihrem verstorbenen Gatten. Solange sie sich nicht darauf einließ …

Er lächelte sie an und stieg auf das Bett. Als er sie in seine Arme zog, überlief sie bei der Berührung seiner nackten Haut ein scharfes Prickeln, und unwillkürlich schlang sie ihre Arme um seinen Nacken. Hitze stieg in ihr auf, und sie kämpfte gegen das Gefühl von Schuld an. Was hier geschehen sollte, war völlig bedeutungslos. Sie durfte ihre körperliche Reaktion nicht mit zärtlicheren Empfindungen verwechseln. Sie würde sich hinlegen und die Augen schließen, und es würde in kürzester Zeit vorbei sein.

Und dann drückte er seine Lippen auf die ihren.

Hastig wandte sie den Kopf ab. Der Mann mochte sicherlich erwarten, dass sie sich gegen den Akt an sich nicht wehrte, doch wenn sie sich küssen ließ, würde sie unmöglich vor ihm verbergen können, was wirklich in ihr vorging.

Er hob den Kopf. „Es tut mir leid“, sagte er leicht verwirrt. „Ist das ein Missverständnis? Denn wenn du nicht willst …“ Sie spürte ihn hart und pulsierend an ihrem Schenkel, doch er lag sehr still, als wartete er auf ihre Erlaubnis, weiterzumachen.

Das überraschte sie. Er war stark, und sie hatte befürchtete, er würde sie zwingen, wenn sie nicht nachgab. „Doch, ich will es“, flüsterte sie, „nur keine Küsse. Zumindest nicht auf den Mund.“

Lächelnd fragte er: „Warum das nicht?“

Ja, warum nicht? „Manches sollte nur zwischen wahren Liebenden geschehen. Ein kleines Stück von mir möchte ich mir dafür bewahren.“

Er schien verwundert, und sie fragte sich, ob er sich einreden musste, dass eine Begegnung in einem solchen Haus mehr bedeutete, als es wirklich der Fall war. Das ließ auf ein romantisches Gemüt schließen, eine Schwäche, die sie während der letzten Jahre unter all den Beschwernissen und selbst in den glücklichsten Momenten längst hinter sich gelassen hatte. Um ihn zu beruhigen, setzte sie hinzu: „Aber ich versichere dir, es gibt andere, sehr erfreuliche Dinge, die ich gern tun will.“ Langsam ließ sie eine Hand über seinen Körper gleiten, über Brust und Bauch und tiefer hinab, der Linie weichen Haares folgend, bis sie ihn mit der Hand umfangen konnte.

Mehr brauchte es nicht, um ihn von weiteren Fragen abzuhalten. Seine verwirrte Miene wich einem benommenen Lächeln; er schloss die Augen und seufzte. Sie hatte mit einer raschen, fast schon brutalen Vereinigung gerechnet, doch wie es aussah, war er es zufrieden, dass sie den aktiven Part übernahm.

Es war seltsam und erregend, diese Macht zu besitzen. Sie konnte bestimmen, was und wann es geschah; vielleicht konnte sie gar den Akt an sich völlig umgehen.

Victoria drückte sanft gegen seine Schulter, sodass er zur Seite rollte, bis er auf dem Rücken lag. Dann kniete sie sich zwischen seine Beine und massierte ihn, spürte seine Hitze und Härte, spürte das Pulsieren und in Antwort darauf ein verlangendes Pochen in ihrem eigenen Leib. Aufstöhnend legte er seine Hand auf die ihre. „Deine Hände sind himmlisch.“

Ihr kam ein sündiger Gedanke. Während sie ihn streichelte, wurde ihre Neugier unersättlich. Wo, wenn nicht hier, könnte sie je einer solchen Anwandlung nachgeben? Sie beugte sich tiefer über ihn. „Was hältst du denn dann hiervon?“ Und sie gab ihm den Kuss, dem kein Mann widerstehen konnte, nahm ihn zwischen die Lippen, fuhr mit der Zunge über die empfindliche Spitze, genoss die seidige Glätte.

Jäh krallte er die Hände in das Laken, als wolle er sich zwingen, nicht nach ihr zu greifen, aus Angst, dass sie sonst aufhören würde. Tiefer nahm sie ihn in den Mund, und sein Rücken bäumte sich leicht. Sie spürte, wie er die Muskeln in wachsender Erregung anspannte. Scharf stieß er die Luft aus. „Bitte …“, sagte er undeutlich, keuchte es fast. „Oh, ja …“ Er zitterte, und sie merkte, wie seine Beherrschung schwand, spürte, wie sie als Reaktion darauf selbst ein Beben durchrann, ehe sie sich erinnerte, dass das, was hier zwischen ihnen geschah, nichts, gar nichts bedeutete.

Mit einen verzweifelten kleinen Lachen stieß er hervor: „Wir sind uns noch nicht vorgestellt worden. Mein Name ist Tom Godfrey.“

Kurz ließ sie von ihm ab und schnurrte an seiner Haut: „Thomas …“

Er stöhnte, als ob seinen Namen von ihren Lippen zu hören, ebenso erregend wäre wie ihr Kuss. Dann legte er eine Hand auf ihr Haar und strich sanft darüber. Eine merkwürdig zärtliche Geste. „Sag mir deinen Namen … ich muss ihn wissen …“

Noch einmal ließ sie ihre Zunge um seine Spitze kreisen und erwiderte: „Victoria.“

Wie im Krampf fast erschauerte er, rollte jäh zur Seite und verströmte sich in die Laken.

Für einen seltsamen Augenblick fühlte sie sich wie beraubt. Ihr fehlte seine Haut an ihrer Wange, die Wärme seines an sie geschmiegten Körpers. War sie schon so lange einsam, dass ihr selbst die Berührung eines Feindes willkommen war?

Er lag auf der Seite, den Rücken ihr zugewandt, und seine Schultern bebten wie in stummem Gelächter.

Zu denken, dass er sich über sie amüsierte, verärgerte sie. War sie wirklich so ungeschickt gewesen, dass es ihn zum Lachen brachte? Doch sie verbarg ihren Ärger und tastete zaghaft, wie in Sorge, nach seiner Schulter. „Stimmt etwas nicht?“

Er lachte wahrhaftig. „Eigentlich hat eine alte Flinte keinen so empfindlichen Abzug.“

„Alt?“ Zuerst verstand sie nicht, dann wurde ihr klar, dass er sich selbst meinte. „Du bist gewiss kaum dreißig.“

Immer noch lächelnd drehte er sich ihr zu und strich ihr über die Wange. „Das ist alt genug, um sich beherrschen zu können. Aber du hast mich ziemlich überwältigt. Wie ein grüner Junge bei seinem ersten Bordellbesuch habe ich mich blamiert. Nicht viele sind so nett wie du und schweigen darüber.“

Wäre sie tatsächlich eine Hure gewesen, hätte sie vielleicht die richtige Entgegnung darauf gewusst. Sollte sie über seinen Witz lachen, damit er unbefangen blieb? Wenn sie von ihm etwas erfahren wollte, musste sie sich rasch etwas einfallen lassen, ehe er sich anzog und wegging. „Wir könnten es noch einmal versuchen.“

„Genau das dachte ich auch.“ Damit beugte er sich vor, um sie zu küssen. Ohne zu überlegen, wandte sie kurz den Kopf ab, sodass auch er sich zurückzog.

„Du bist eine sehr merkwürdige Frau, Victoria.“ Er sah sie so forschend an, als wäre er derjenige, der hier nach der Wahrheit suchte. „Ich weiß nicht, was mich mehr erregt – was du tust, oder was du nicht tust.“

„Das war nicht meine Absicht.“

Mit dem Daumen folgte er der Kontur ihrer Wange, fuhr über ihre Unterlippe und dann ihre Kehle entlang. „Lügnerin. Ich glaube, du bist dafür geschaffen, Männer rasend zu machen“, murmelte er und küsste ihre Kehle dort, wo sein Daumen sie berührt hatte.

Erregung durchzuckte sie. „Bitte nicht.“

„Magst du das nicht?“

Lügen hatte wohl keinen Zweck. „Schon, aber …“

Wieder küsste er sie dort. „Es wird einen Moment dauern, bis ich wieder bereit bin. Wenn wir die Zeit nicht mit Küssen hinbringen können, muss ich mir bis dahin etwas anderes einfallen lassen.“

Nun knabberte er mit Lippen und Zähnen an ihrer Kehle, während seine Hände ihre Brüste streichelten, zuerst sanft, dann hart und besitzergreifend, wie nun auch sein Mund an ihrer Haut. Doch anderes wurde ebenfalls hart; sie fühlte, wie seine Männlichkeit sich aufrichtete, begierig, sich mit ihr zu vereinigen. Leise lachte sie auf. „Lieber Sir, mir scheint, Sie sind schon weit genug.“

„Meinst du?“ Er rückte tiefer und sog durch den Stoff der Chemise ihre knospende Brustspitze in den Mund. „Aber ich möchte, dass auch du bereit bist.“

„Ich strebe nicht nach Befriedigung.“ Sie keuchte auf, denn er spreizte ihre Schenkel und begann, ihren Schoß zu erkunden. „Zumindest nicht so.“

„Es verletzt mich, Schätzchen, wenn ich denken muss, dass dir nur mein Geld wichtig ist. Du magst das hier nicht ersehnen, aber nach dem, was du eben für mich getan hast, verdienst du es jedenfalls.“ Während er seinen Mund über ihren Körper gleiten ließ, hatte sie das vage Gefühl, dass das, was er hier tat, ebenso mit Macht zu tun hatte wie zuvor bei dem, was sie getan hatte. Und sie merkte, wie ihr die Herrschaft entglitt, als er näher und näher der Stelle kam, an der ihr Körper ihn haben wollte. Sie wollte sich ihm entziehen, doch er umfing ihre Hüften und hielt sie fest.

„Bitte, Sir. Nein.“

„Du willst dich nicht auf den Mund küssen lassen.“ Er seufzte, ließ sie aber nicht los. „Dann musst du gestatten, dass ich mir vorstelle, wie es sein könnte.“ Leicht tauchte er seine Zunge in ihren Nabel. Dann drückte er Küsse auf ihren Bauch und ihren Venushügel und tiefer … „Bis meine Lippen, die deinen finden …“ Er rückte sich zwischen ihren Beine zurecht, berührte sie jedoch nur zart mit der Zunge. „Sanft zuerst nur, ganz sanft, wie ein Hauch.“

Das intensive Gefühl war beinahe zu viel für sie, erneut erschauerte sie. Was hatte die Bordellwirtin gesagt? Dass die anderen Mädchen neidisch sein könnten? Wenn er immer so mit ihnen umging, verstand sie das nun. Nun küsste er härter, und während er mit der Zunge in sie eindrang, streichelte er mit den Fingern die Stelle, wo er ihr die größten Wonnen bereiten konnte.

Victoria hob ihre Finger an den Mund und biss zu, um den Schrei zu unterdrücken, der in ihrer Kehle lauerte. Doch der Schmerz steigerte ihre Empfindungen, die seine kreisenden Finger, seine geschickte Zunge in ihr entfachten, und sie bäumte sich auf in einem Feuerwerk der Lust.

Doch er hörte nicht auf, sie dort zu küssen. Einen Moment wehrte sie sich. Dann überwältigten sie die Gefühle, und sie konnte vor Verlangen nicht mehr denken.

Erst als sie glaubte, völlig verausgabt zu sein, hörte er auf und schob sich höher. „Und nun denke ich, dass du bereit bist. Oder nicht?“ Einen Augenblick wartete er, ehe er behutsam in sie eindrang. Dann hielt er inne. „Außer du möchtest nicht.“

Sein Zögern war fast schmerzhaft für sie, so sehr sehnte sie sich nach Erfüllung. „Bitte …“ Zum Bedauern war später noch Zeit genug. Jetzt war sie so nahe am Höhepunkt, dass sie nur um mehr bitten konnte. „Bitte, ja, bitte …“

Mit einem jähen, harten Stoß drang er vollends in sie ein, und sie keuchte auf. Sie hatte nicht erwartet, dass es so …

Er zog sich ein wenig zurück und nahm sie erneut.

… so anders war. Der Akt war vertraut und doch völlig neu für sie, denn ihr Liebhaber war ein anderer. Die intensive Lust, die sie erglühen ließ, rührte daher, dass alles neu war. Sagte sie sich jedenfalls, während sie ihre Finger in seine Schultern grub und sich ihm entgegendrängte, um seinem harten Rhythmus zu begegnen, ihn tief in sich zu spüren.

Da er ihr Verlangen wahrnahm, war er nicht sanft. Mit rauem Griff umfing er sie, packte ihr Gesäß und stieß mit solcher Kraft in sie hinein, dass nichts anderes als völlige Kapitulation infrage kam. Gierig presste er seinen Mund an ihren Hals, und als sie spürte, wie seine Zähne über ihre Haut schrammten, seufzte sie voller Lust.

Davon angespornt, rollte er herum und zog sie mit sich, sodass sie auf ihm lag.

Sie setzte sich auf. Und dann ritt sie ihn, ihre Beine um ihn geschlungen, und spannte ihre Muskeln, um zu spüren, wie unglaublich hart er in ihr war, bis er in Antwort darauf stöhnte und sich aufbäumte. Als er sich nicht mehr zurückhalten konnte, tastete er nach ihrer Lustperle und rieb sie, um seine Liebhaberin mit sich zu reißen in ein tosendes Crescendo der Ekstase.

Erschöpft sank sie über ihm zusammen, die Wange an seine Brust gedrückt. Während die Leidenschaft verebbte, ihre Vernunft zurückkehrte und sie reglos und still dalag, schien es ihr, als ob sie endlich wieder lebte. Er war größer, als sie geglaubt hatte, sein Körper unter ihr – und in ihr – hart und kraftvoll und unleugbar männlich.

Es tat so gut, begehrt zu werden. Und nicht allein zu sein.

Er legte eine Hand um ihre Taille, zuerst nur mit schwachem Griff, wie von der Lust erschöpft. Dann fasste er fester zu, besitzergreifend, und streichelte schließlich mit zärtlicher Geste ihren Rücken.

Zwar konnte sie sein Gesicht nicht sehen, doch der Klang seiner Stimme sagte ihr, dass er nicht mehr lächelte. „Ich weiß, wer du bist“, erklärte er.

3. KAPITEL

Wie früher in seinen Fantasien lag Victoria Paget in seinen Armen, schlaff vom Liebesspiel. Es hätte traumhaft sein sollen, doch nun, da der Akt vollzogen war, erwies es sich mehr und mehr als Albtraum.

Warum nur habe ich sie nach ihrem Namen gefragt, dachte er gequält. Er hätte in seliger Unkenntnis verbleiben sollen, überzeugt davon, dass er mit einem der vielen namenlosen lockeren Mädchen zusammen war. Oder vielleicht hätte er in dem Moment gehen sollen, als ihm, noch draußen vor der Tür, der vage Verdacht kam.

Das hätte sie natürlich der Gnade des nächstbesten Mannes ausgeliefert, und die Vorstellung quälte ihn noch viel mehr. Sie war das Objekt seiner Sehnsucht, einer Sehnsucht, die während der Monate seiner Rekonvaleszenz fast schon zur Besessenheit geworden war. Er hatte gehofft, den Dämon der Erinnerung mit den harmlosen Spielchen des ‚So-tun-als-ob‘ austreiben zu können. Eine erfahrene Frau würde ihn klaglos nehmen, wie er war, mit seinen Narben und allem anderen. Und die Bordellwirtin hatte ihm versichert, dass in dem dämmrigen Licht das Mädchen, dass sie für ihn gefunden hatte, als die durchgehen würde, von der er träumte.

Ganz still lag sie neben ihm, als warte sie darauf, dass er etwas sagte. „Ich weiß, wer du bist.“ Da. Es war heraus.

„Was … was meinst du?“ Nur ein kaum merkliches Zögern, dann hatte sie ihre Miene wieder unter Kontrolle. Er hatte sie erschreckt, doch sie spielte die Unwissende.

Dass sie dachte, sie könnte ihn weiterhin täuschen, ärgerte ihn. „Du bist die Witwe von Captain Charles Paget, nicht wahr?“

Sie sagte nichts, doch ihr Blick huschte zur Tür. Hatte sie so viel Angst vor ihm, dass sie ausreißen wollte?

„Dein Name … ich habe deinen Namen erkannt“, erklärte er, ohne ihre Angst zu beachten, hielt sie aber ein wenig fester, damit sie ihm nicht entfloh.

„Der ist so ungewöhnlich nicht“, wandte sie ein, ohne sich sonderlich zu sträuben. „Und ich hatte den Nachnamen nicht genannt.“

„Mag sein. Aber das heißt nichts. Du bist Victoria Paget.“

„Ich glaubte nicht, dass du … dass irgendjemand es entdecken würde.“

Er spürte, wie ihr aufflackernder Widerstand nachließ. Sie schlug die Augen nieder, vielleicht vor Scham über das, was aus ihr geworden war.

„Ich habe unter ihm gedient. Er sprach oft von dir, voller Stolz und Zuneigung.“ Wie hatte es geschehen können, dass sie in einem Freudenhaus landete? Tom versuchte nicht, seine Enttäuschung zu verbergen. „Er zeigte mir die Miniatur von dir, die er bei sich trug. Als er starb, war ich mit ihm auf dem Marsch. Ich war es, der seine Wertsachen an sich nahm und dir zukommen ließ.“

„Warum hast du dir die Mühe gemacht?“ Auch sie klang bitter, genau wie er.

„Es war das Mindeste, das ich tun konnte. Retten konnte ich ihn nicht, genauso wenig wie die anderen.“ Und nun fühlte er Scham. Was war er für ein Ungeheuer, hier, im Bett eines Bordells, Worte des Beileids anzubieten? Er rückte ein wenig zur Seite, damit sie einander nicht mehr berührten. „Wenn es dich tröstet, lass dir sagen, dass er schnell starb. Er hat nicht gelitten. Wenn er einen letzten Gedanken hatte, war es der an dich. Ich wollte nicht, dass seine Habseligkeiten Plünderern in die Hände fielen. Sie gehörten dir.“

„Und was hatte ich davon?“ Sie rückte noch weiter von ihm ab und zerrte an der Decke, fast als wollte sie sich nach dem, was sie getan hatten, vor ihm verstecken.

„Warum bist du hier?“ Hatte Paget ihr nichts als dieses verdammte Porträt hinterlassen, sodass sie sich zu dem hier genötigt sah? „Die Madame sagte, du seiest neu hier. Aber eine solche Lüge ist nicht ungewöhnlich.“

„In diesem Fall stimmt es. Nur heute, diese eine Nacht. Für Geld“, sagte sie schlicht, als erklärte das alles.

Und so war es auch. Allerdings hätte er gedacht, dass nach all den Worten über sein treues, tapferes Weib der Captain seine Witwe finanziell abgesichert hätte. Aber manche Männer glaubten, sie würden ewig leben und könnten das Finanzielle nach dem Krieg regeln. Er griff nach ihrer Hand. „Charles konnte ich nicht retten. Aber dich will ich vor dem hier bewahren, wenn du es zulässt.“

„Wie willst du das anstellen?“ Als schätzte sie seine Absichten ab, sah sie ihn mit katzenhaftem Blick misstrauisch aus den Augenwinkeln an.

„Komm mit mir, weg von hier. Jetzt, noch heute Abend. Vor der Bordellwirtin braucht du keine Angst zu haben, sie wird nicht wagen, mir in die Quere zu kommen. Wenn wir erst in meiner Wohnung sind, kannst du nach deinen Sachen schicken. Oder ich kaufe, was du brauchst.“ Der Himmel wusste, wovon. Er konnte keine Frau aushalten, wenn sie sich als extravagant erwies.

Einen Moment dachte sie nach, dann nickte sie. „Ich habe nichts hier außer den Kleidern, die ich am Leibe trage. Sobald ich angezogen bin, können wir gehen.“

Dass sie keinerlei Emotionen zeigte, wunderte ihn. Er hatte irgendeine Gefühlsregung erwartet, Begeisterung oder Auflehnung oder vielleicht eine verlegene Erklärung, dass so etwas wie hier eigentlich nicht ihre Art wäre. Aber sie schien über das, was sie vorhin getan hatten, nicht sonderlich aufgewühlt. Auch schien sie nicht erleichtert oder aufgebracht über sein Angebot, so wenig, wie es sie bekümmert hatte, von einem Fremden beobachtet zu werden, während sie sich intim berührte. Vielleicht hatte sie die ganze Zeit einen Beschützer gesucht.

Was war er für ein Narr gewesen mit seiner Annahme, dass die Witwe seines Captains sich in tiefem Gram und Anstand erging! Die echte Victoria Paget war käuflich. Und sehr geschäftsmäßig. Ihre Kaltblütigkeit schockierte ihn beinahe ebenso, wie es ihn zuvor schockiert hatte, ihre Identität herauszufinden.

Sie zog sich an. Seltsamerweise erregte es ihn noch mehr, ihr beim Ankleiden zuzusehen, als zuvor ihre Nacktheit. Am liebsten hätte er ihr die Kleider wieder heruntergerissen, ihre Haut gestreichelt, um sich zu versichern, dass sie das vorhin wirklich getan hatten. Rasch wandte er sich von ihr ab. „Hast du wirklich keinerlei Besitz hier?“

„Nein, nichts.“

Er nahm ihre Pelisse, die an einem Haken hing, und half ihr hinein, dann geleitete er sie aus dem Zimmer. Als sie das Haus verließen, sah sie sich nicht um.

Schweigend fuhren sie in einer Mietdroschke zu seiner Wohnung, während er sich fragte, ob sie irgendwann wärmer für ihn empfinden würde. Würde sie ihre Meinung bezüglich des Küssens ändern? Im Moment sah es nicht so aus. Nachdem der Wagenschlag geschlossen worden war, hatte er ihr Kinn umfasst und ihr Gesicht zu sich gedreht, in dem erneuten Versuch, sie zu küssen, doch wieder hatte sie sich abgewandt.

Was machte es schon, dass sie nichts für ihn empfand? Sie war mit ihm gekommen, und was das bedeutete, wusste sie. Er könnte sie bald schon wieder besitzen. Heute Nacht vielleicht. Und danach, so oft er wollte.

Gekauft und bezahlt.

Die Worte hallten in seinem Kopf, als die Kutsche anhielt und er Victoria hinaus- und die wenigen Stufen zu seiner Wohnung hinaufhalf. In Gesellschaft heimzukommen, brachte ihm von seinem Diener einen erstaunten Blick ein, doch als er kaum merklich den Kopf schüttelte, um anzudeuten, dass er sich später dazu äußern werde, ging der Mann, ohne sich weiter etwas anmerken zu lassen, wieder seiner Arbeit nach.

Ein wenig verlegen äußerte Tom: „Es tut mir leid, dass die Wohnung so klein ist, nur der Salon und ein Schlafzimmer. Toby, mein Diener, schläft in der Küche beim Feuer. Ich kann dir nicht einmal ein Feldbett bieten. Aber demnächst sollst du dein eigenes Zimmer bekommen. Oder eine kleine Wohnung, wenn du möchtest.“

Wie dumm. Natürlich würde sie wollen. Welcher Narr bot einer Frau carte blanche, die auszuhalten er sich nicht leisten konnte?

„Du sollst eine Zofe haben, Kleider … was du möchtest. Aber es ist ziemlich spät. Morgen früh dann …“ Überstürzte Versprechen, und er wusste nicht, wie er sie halten sollte, aber er würde ihr alles geben, was sie verlangte, wenn er sie nur wieder berühren durfte.

„Sicher“, erwiderte sie, „ich verstehe.“ Und dann verfiel sie in Schweigen.

Es war ihm unangenehm, dass er nichts zu sagen wusste, außer seine jämmerlichen Versprechen zu wiederholen. Es gab so viel mehr zu sagen, so vieles, das sie verstehen sollte. Und umgekehrt gab es Dinge, auf die er Antworten von ihr wünschte. Aber er bezweifelte, dass sie beide die Wahrheit hören wollten. Vorerst einmal, beschloss er, würde er seinen Körper sprechen lassen. Er trat auf sie zu und streckte ihr die Arme entgegen.

Sie zog sich kaum merklich zurück, als wäre er ihr nicht willkommen, nachdem sie bekommen hatte, was sie wollte. „Wann hast du mich erkannt?“

Verdutzt blieb er stehen. Wollte sie vielleicht den letzten Rest ihrer Ehre verteidigen, nun, da sie sein bescheidenes Quartier gesehen hatte? Ein harscher, unfreundlicher Gedanke, und er wollte das von ihr nicht glauben. Aber er sollte sich besser nicht wie ein völlig betörter Narr aufführen.

Also zog er sich auf die Rolle des Gastgebers zurück, nahm ihr die Pelisse ab und führte sie zu einem Sessel beim Kamin, ehe er seinen Diener anwies, ihnen einen Brandy zu bringen. Nachdem der Mann wieder in der Küche verschwunden war, erklärte Tom: „Nein, ich habe dich nicht sofort erkannt …

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