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His Dark Soul – Teil 2

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Dark Whisper
  7. Dark Night
  8. Dark Lady I
  9. Dark Lady II
  10. Danksagung
  11. In der nächsten Folge

His Dark Soul – Die Serie

Silvio Spadaro ist jung und attraktiv, doch seine Seele ist pechschwarz. Der Mafia-Boss Stefano Marino ist sofort von ihm fasziniert. Dabei ist er eigentlich glücklich verheiratet. Schwul sein ist eine Todsünde in der Cosa Nostra, aber Silvio kümmert sich nicht um die Regeln.

Ein Angriff der Russenmafia zwingt Stefano, mit Silvio zusammenzuarbeiten – und es gefällt ihm viel mehr, als er sich selbst eingestehen will. Bald sind die beiden gefangen in einem Strudel aus Gewalt, Sex und Leidenschaft …

Was bisher geschah …

Stefano will nichts von Silvios Flirtversuchen wissen, doch der lässt nicht locker. Ein vorgetäuschter nächtlicher Einbruch endet in einem sündigen Abenteuer … und Stefano entdeckt ein Verlangen an sich, das er bisher nicht kannte. Zu allem Überfluss ist er auch noch gezwungen, mit Silvio zusammenzuarbeiten.

Über diese Folge

Stefano wehrt sich verzweifelt gegen sein Begehren nach dem Killer. Er will ein normales Eheleben führen. Doch dann überfallen und entführen ihn die Russen. Silvio ist mit vollem Körpereinsatz zur Stelle, und die Karten werden neu gemischt.

Über den Autor

Aleksandr Voinov ist Deutscher und lebt in der Nähe von London, wo er als Finanzredakteur, Schreibcoach und Heilpraktiker arbeitet. Mit einundvierzig hat er bereits über zwei Dutzend Romane geschrieben. Nach vielen Jahren, die er mit den Genres Horror, Science-Fiction, Cyberpunk und Fantasy zugebracht hat, schreibt er mittlerweile hauptsächlich Queer-Belletristik.

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Dark Whisper

Silvio erstarrte, als das Telefon klingelte, sein Blut gerann im Bruchteil einer Sekunde. Er blickte zu den Gardinen, spürte die Fenster dahinter. Keine Bewegung, kein Anzeichen von Gefahr.

Sich bauschende Gardinen. Draußen Nacht. Telefonläuten in einem düsteren Haus. Es zieht ihn ins Wohnzimmer. Etwas wird ihm über den Kopf geschlagen.

Diego Carbone tritt näher mit seinem Totenschädelgrinsen, klappt sein Handy zu.

Das Telefon klingelte erneut. Genau wie damals floss sein Blut wieder, nur schneller diesmal, denn Diego war tot. Trotzdem überprüfte er die Türen und Fenster und wünschte sich, er hätte eine Kanone, die er ziehen könnte wie einen Talisman. Es gab eine Menge Leute, die nicht mehr lebten, um aus einem Fehler lernen zu können.

Er atmete aus und nahm ab, wobei er sich mit den Schultern an die nächste Wand lehnte, von der aus er die Fenster im Auge behalten konnte. »Ja.«

»Silvio.«

Silvio blinzelte, dann entspannten sich seine Beine, und er ließ den Kopf zurückfallen. Gianbattista. »Was willst du?«

»Mit dir reden.«

Silvio lachte verärgert. Noch so ein Gespenst aus der Vergangenheit. »Nein, was willst du?«

»Hören, wie es dir geht da drüben in Amerika. Es sind jetzt zwei Wochen. Wie kommst du voran?«

Dieses Haus hat zu viele Fenster. »Oder – mit wem komm ich voran?«

Schweigen. Volltreffer. Oder Gianbattista zog ihn auf, stichelte und provozierte, bis Silvio zuließ, dass der kalte Zorn sich entlud. Genauso wie Gianbattista bei Gewitter gern mit langen Metallstangen herumspazierte und nie vom Blitz getroffen wurde, und warum?

Silvio schüttelte den Kopf. »Mir geht’s gut. Wie geht’s dir?«

»So ist es besser.« Silvio hörte Gianbattistas Lächeln, und ihm wurde beinahe warm davon. Er erinnerte sich an die Krähenfüße, die silbergrauen Haare an den Schläfen, die er so oft mit der Nase oder den Lippen weggestrichen hatte, wenn er zu faul war, Gianbattista mit den Händen zu berühren. Erinnerte sich, wie er sich, fest an Gianbattistas Schulter gedrückt, sicher und zu Hause gefühlt hatte und willig, jeden Preis zu zahlen, den es kostete.

»Hier ist es immer derselbe alte Trott«, sagte Gianbattista. »Leute rufen mich an, ich sitze auf der Veranda und lese die Zeitung.«

Und abends sitzt du im Büro, trinkst Wein und beruhigst sachte die Millionen kleiner Zahnrädchen in deinem Gehirn, die sich drehen und drehen und drehen, sogar beim Sex.

»Irgendwas Interessantes?«

»Die Welt geht zum Teufel, natürlich.« Gianbattista gluckste. »Luca hat mir so viel Angst eingejagt, dass sogar ich jetzt Gold gekauft habe.«

Luca, der schmierige Mailänder Banker, der das Geld wusch, indem er es über drei oder vier Offshore-Konten und danach eine Reihe von privaten Schweizer und italienischen Banken laufen ließ, die, wie er sich brüstete, direkte Abkömmlinge der Banken waren, die die Kreuzzüge finanziert hatten. Es schien, als würden mit allem Geld immer nur Waffen und Männer gekauft werden, hatte Gianbattista Silvio eines Nachts zugeflüstert.

»Willst du mir sagen, dass du meine Kreditkarte gesperrt hast?«

»Um Gottes willen, nein, Silvio, natürlich nicht.« Gianbattista kicherte und blätterte in irgendwelchen Papieren. »Obwohl deine Kreditkartenabrechnung eingetroffen ist.«

Aha, der Grund des Anrufs. Silvio ließ sich, immer noch etwas nervös, in einem Sessel nieder, aber nach und nach entspannte ihn das vertraute Spiel. Irgendetwas würde er wegen der Fenster unternehmen müssen. Oder wegen des Telefons. Er brauchte keinen Festnetzanschluss. Das stumm gestellte Handy war Ablenkung genug, ohne dass es ein Köder in einer potenziellen Todesfalle war.

»Mal sehen. Da wäre dein neues Motorrad.«

»Mein altes habe ich in Rom am Flughafen stehen lassen.«

»Ist es noch dort?«

»Wen interessiert das?«

»Das Bike habe ich dir geschenkt.«

»Ja, zu meinem zweiundzwanzigsten Geburtstag«, knurrte Silvio. »Das war fast ein Abschiedsgeschenk, oder?« Also scheiß auf das Bike.

»Du hast das Bike geliebt.«

»Sprich dieses Wort nicht aus.« Dazu hast du kein Recht, verdammte Scheiße!

Erneut Schweigen. Sein Herz klopfte ihm jetzt bis zum Hals und verursachte diesen leeren Schmerz unter dem Kinn. Adrenalin kochte hoch. Diese Phase ihres Disputs war nicht angenehm, oder zumindest machte es ihm keinen Spaß mehr.

»Die Extras kosten mehr als das Bike. Für diesen Preis hättest du dir eins bauen lassen können.«

»So ging es schneller. Ohne einen fahrbaren Untersatz hab ich das Gefühl festzusitzen.«

»Wann wird es geliefert?«

»Ich hol’s in einer Woche oder so ab.«

»Mit der Ledermontur?«

»Und ob!« Silvio bleckte die Zähne. »Mit Kevlarplatten, die zur Lackierung passen.« Er hatte lediglich ersetzt, was er verlor, als er Italien verlassen hatte, mit nichts außer einer Sonnenbrille und dem Anzug, den er am Flughafen gekauft hatte.

»Hmm, und dann das …« Wieder eine Pause, als müsste Gianbattista den Posten auf der Abrechnung suchen. »Ein paar Hundert Dollar in einem Schuppen namens ›Pleasure Dom‹ – ist das ein Druckfehler?«

»Nein.«

»Nicht, dass du es genau sagen könntest …«, frotzelte Gianbattista.

»Reden wir über meine Legasthenie oder über das, was ich gekauft habe? Ich hab den Beutel gleich hier im Wohnzimmer. Mal sehen.« Silvio zog den Beutel zu sich, der neben dem Sofa lag. Er war zu beschäftigt gewesen, um irgendetwas daraus zu benutzen, aber er sorgte dafür, dass das Plastik raschelte, als er die Hand hineinsteckte. »Gleitcreme. Die hatten da ein Zahl-zwei-nimm-drei-Sonderangebot.« Er lachte tonlos; er hätte hören können, wenn da drüben in Italien eine Nadel heruntergefallen wäre.

»Dildos. Einer aus Glas, einer aus Stahl. Ich mag sie ja hart.« Silvio holte eine der Schachteln aus dem Beutel und öffnete sie. Vielleicht mochte er Stahl wegen der Kanonen. Vielleicht hatte Stefanos Nummer ihn deshalb so geplättet. Bei allem, was er sich schon in den Arsch gesteckt hatte, die Desert Eagle war etwas Neues gewesen. Das Einzige außerdem, wofür dieses lächerliche Schießeisen gut war. Wer schoss schon mit so was, abgesehen von Killern in Filmen oder potthässlichen Gangsterrappern?

»Wie damals, als du den Dildo zuerst in kaltes Wasser gelegt hast.« Silvio lehnte sich im Sessel zurück und kostete die Erinnerung eine Weile aus – an den kalten Stahl, der nach langer Vorbereitung in ihn eindrang … dass etwas so kalt und gleichzeitig so geil sein konnte, hatte er bis dahin für unmöglich gehalten.

»Ich hatte nicht den Eindruck, dass das einer deiner Favoriten war.« Gianbattistas Wehmut schmerzte irgendwo in Silvios Brust. Lenkte wenigstens von der Kreditkartenabrechnung ab. Die Gianbattista bezahlen würde. Er würde die Ausgabe nicht mal spüren.

»Abspritzen ist mein Favorit.«

Gianbattista lachte erneut, leise. »In meinem Alter sind andere Dinge dringlicher.«

»Sprich das Wort nicht aus.« Nicht jung, nicht alt, nicht Alter. Leck mich, Battista!

»Was ist noch in dem Beutel?«

»Tittenklemmen, ein paar Cockringe. CBT-Zeug.« Silvio rasselte extra für Gianbattista mit den metallenen Utensilien.

»Hat der Verkäufer mit dir geflirtet?«

Silvio grinste. »Er sagte, er hätte mich nicht für ’nen Maso gehalten.«

»Wie ist er draufgekommen?«

»Offenbar greifen seiner Erfahrung nach die Sados zuerst zu den Peitschen und Rohrstöcken.« Silvio entspannte sich so weit, um auf die Couch zu wechseln, und betrachtete die auf dem Kaffeetisch ausgebreiteten Lustspender. Er ließ eine Hand zwischen seine Beine fallen und fragte sich, wo die von Gianbattista wohl gerade war. »Er hat mir ein paar Adressen von Clubs hier gegeben.«

»Wirst du hingehen?«

»Nein.« Gefesselt und verprügelt zu werden machte nur Spaß, wenn er hundertprozentig sicher sein konnte, dass Diego tot war. Aber manchmal vergaß er es, oder es fiel ihm schwer, sich daran zu erinnern. Gianbattista hatte ihn dazu gebracht, ihm sein Leben anzuvertrauen, selbst nachdem er gelernt hatte, was das bedeutete: wehrlos zu sein in einer Welt, die Männer wie Diego gebar. Zu wissen, dass es einen gab, hieß zu wissen, dass es auch andere geben konnte.

»Wer wird das alles jetzt für dich tun, Silvio?« Silvio überkam eine prickelnde Gänsehaut. Dieselbe sanfte Stimme, mit der Gianbattista sprach, wenn er ihn schlug, fickte oder einfach nur warten und keuchen ließ. Sein Körper reagierte augenblicklich darauf, und seine Nackenhaare sträubten sich. Er konnte nicht fassen, dass Gianbattista ihm dies antat.

»Ich brauche das nicht.«

Aber die zwei Wochen waren nicht leicht gewesen. Es gab zwei Arten der Entspannung in seinem Leben. Drei, das Töten eingerechnet. Die anderen waren Geschwindigkeit und Sex. Er konnte es nicht erwarten, das Bike für eine Tour herauszuholen und die neuen Reifen einzuweihen, und das andere …

»Wie weit bist du bei Marino?«

»Er behandelt mich gut. Hat mich seiner Frau vorgestellt und mir eine Wohnung besorgt.«

»Hat er dich angefasst?«

»Seit damals? Nein. Er möchte allerdings.« Silvio öffnete den Gürtel. »So wie er mich anschaut. Er ist extrem scharf auf mich.«

Gianbattista gab ein leises Geräusch von sich, bei dem Silvio sich gut vorstellen konnte, wo sich die Hand des Alten gerade befand. »Ich frage mich, was er mit mir machen will. Er ist nicht nur gutartig, da ist etwas Wildes in ihm.«

»Er ist ein Boss, er muss Entscheidungen treffen und stark sein, sonst kann er seine Position nicht behaupten.«

»Mir gefällt das.«

»Das weiß ich.«

Silvio öffnete den Reißverschluss seiner Hose. »Das heißt, du stellst dir mich mit ihm zusammen vor?«

»Du nicht?« Gianbattista atmete ihm lachend ins Ohr. »Er ist dein Typ, und er ist dir noch nicht zu Füßen gefallen, er müsste also so ziemlich unwiderstehlich für dich sein.«

Silvio lachte. »Wenn er’s wäre, dann hätte ich ihn schon gehabt.«

Auf gewisse Weise hatte er das allerdings. Er war zu Stefano gegangen, um zu sehen, was der Mann machen würde. Und wäre dieser Gorilla Vince nicht gewesen, wäre Stefano mit seinem Schwanz in Silvios Kehle aufgewacht; Stefano hatte ihn auf den ersten Blick begehrt. Immerhin konnten sich die meisten »Heteros« letztlich doch dazu »überwinden«, Ärsche zu ficken, besonders im Dunkeln.

»Vielleicht bist du heute eher ein Spurensucher und Jäger als früher … und hast gelernt, Befriedigung aufzuschieben.«

»Scheiß aufs Aufschieben.« Silvio zog seinen Hosenschlitz auseinander und zerrte den schwarzen Slip darunter nach unten. »Hast du einen Neuen gefunden? Es muss doch irgendeinen süßen Sechzehnjährigen geben, der nichts dagegen hat, sich von dem ansässigen padrone ficken zu lassen.«

»Nein. Und ich erwarte auch nicht, einen zu finden.« Gianbattista atmete tief ein. »Wenn ich jemanden finden würde, dann müsste er deine Art von Reife haben … und die haben nur wenige Jungen.«

Die zweihundertjährige Seele. Vielleicht hätte er es nicht wieder zur Sprache bringen sollen. Nur ein bisschen billige Rache dafür, dass Gianbattista ihn abserviert hatte, wo sie doch eigentlich schon seit Monaten – okay, seit einem Jahr – auf die Trennung zusteuerten. Gianbattista hatte nichts weiter getan, als den letzten Faden durchzuschneiden, so ähnlich wie wenn man langsam die Finger eines Mannes aufbiegt, der an einer Klippe hängt. Ein quälender Kampf mit unausweichlichem Ausgang. »Aber jetzt im Augenblick … fehle ich dir.«

»Ja, natürlich. Du hast mir immer gefehlt, wenn du losgezogen bist, um einen Krieg zu führen oder in irgendeiner Gasse mit einem Fremden zu ficken.«

Silvio schloss die Augen, stellte sich die Villa vor, die tröstliche Dunkelheit dort, die Nächte, die nie ganz finster waren wegen der Sterne am Himmel. Er hatte es nie fassen können, dass es da draußen so viele Sterne gab. »Du fehlst mir auch, Battista.«

»Ich bin doch hier.« Die Stimme des Verschwörers, die Stimme des Liebhabers, die all die schmutzigen Dinge flüsterte, die Silvio zu hören begehrte. Verdammt, Tausende von minderjährig aussehenden Jungs waren bereit, alles zu tun – für das Geld oder weil Gianbattista toll war und der aufmerksamste Liebhaber, den ein Mann sich nur wünschen konnte – charmant, außerordentlich gebildet und oft sehr witzig.

»Ja, ich auch.« Silvio fuhr sich mit der Hand über den Bauch und hinauf bis zur Brust, um seine Erregung zu steigern. »Hast du deshalb angerufen?«

»Aus vielen Gründen. Aber vor allem, um deine Stimme zu hören.«

Dieses miese Schwein. Silvio presste die Lippen zusammen.

»Deinen Körper kann ich aufgeben, aber das Übrige will ich nicht verlieren. Nicht alles zumindest. Ich möchte dir nahe bleiben.«

Tust du. Silvio hob ein Bein an, dann zog er sich die Schuhe aus und ließ sie fallen. Er konnte immer noch das Beste aus einer verfahrenen Situation machen. Der erregte Unterton in Gianbattistas Stimme befeuerte seine eigene Fantasie. Trotz all seines Geredes übers Alter – scheiß auf ihn dafür, scheiß zwei- und dreimal auf ihn, weil er immer weiter darauf herumritt – war Battista als Lover geduldig und beherrscht, mit viel Ausdauer, wenn es darauf ankam.

»Was gibt es denn sonst noch an mir?«

»Deinen Mut und deine Loyalität, deine Leidenschaft für den Augenblick.«

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