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Himmelthor und Hondo: Fantasy

Himmelthor und Hondo

Fantasy von Rolf Ronck

© Digitalausgabe by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

HIMMELTHOR UND HONDO, Roman, Rolf Ronck,2014

Cover: Steve Mayer, 2014

Der Umfang dieses Ebook entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Stellen Sie sich vor, Sie lesen in einer Zeitung einen Artikel über die jüngste Ausstellung der Werke eines stadtbekannten Fotografen, und ihr Blick fällt auf ein Foto, auf dem der Meister abgelichtet ist.

In diesem Augenblick wissen Sie, das ist genau der Mensch, mit dem Sie zukünftig zusammenleben wollen.

Und nun will es das Schicksal, dass Sie eben diesen Menschen, an einem sonnigen Frühlingstag auf einer Parkbank sitzend, entdecken.

Sie setzen sich zu ihm und warten auf eine Gelegenheit, ihn von Ihren Zukunftsplänen zu überzeugen.

Er kennt Sie zwar nicht, aber Sie wissen bereits einiges über das Ziel Ihrer Begierde: Er ist ledig, finanziell unabhängig und lebt alleine in einem großen Haus. Auch verfügt er über genügend freie Zeit…was diesen Menschen für Sie besonders attraktiv macht ist, dass Sie davon ausgehen können, dass er über einen gefüllten Kühlschrank, ein Sofa und ein Fernsehgerät verfügt.

Und was will man mehr, wenn man ein Hund ist?

Kapitel 1: Himmelthor trifft Hondo

Wer glaubt, alles gesehen zu haben, vergeudet die Hälfte seines Lebens.

Nach diesem Grundsatz lebte Hilmar von Himmelthor, letzter Spross einer wohlhabenden Familie niederen Adels. Der Endvierziger lebte allein in einer Villa im Jugendstil am Rande einer kleinen Stadt.

Mit offenen Augen durchs Leben gehen und für alles Neue und Ungewöhnliche aufgeschlossen sein, war ein weiterer Aspekt seiner Lebenseinstellung. Und eines Tages war es so weit - Neues und Ungewöhnliches trat mit einer bizarren Vitalität in sein Leben, sodass Hilmars Aufgeschlossenheit auf eine harte Probe gestellt wurde.

Bei einem seiner täglichen Spaziergänge im Stadtpark, bei denen er noch vor dem Frühstück auf einer Bank seine Zeitung las, geschah etwas, das sein bisher in ruhigen Wassern leicht dahin segelndes Lebensschiff, mit einer frischen Brise erfasste und ihn auf einen turbulenten Kurs beförderte.

Hilmar steckte an jenem Tag die Nase in seine Zeitung. Nicht ohne Genugtuung las er einen Artikel über die vielbeachtete Foto-Ausstellung „Der Mensch und seine Stadt“. Denn es waren seine Fotos. Hilmar von Himmelthor war ein von vielen Kritikern hochgelobter Fotograf, und die Ausstellung im ersten Hotel am Platze, war der jüngste Höhepunkt seiner Fotografenkarriere.

Genau in diesen Minuten langte das Schicksal mit einem verschlagenen Grinsen in seine unerschöpfliche Trickkiste.

Während die schmeichelnden Worte des Artikels wie Balsam seine Seele streichelten, merkte er nicht, dass ein struppig behaartes Etwas auf vier Beinen auf die Parkbank geklettert war. Es hatte sich ohne einen Laut neben ihm niedergelassen und genoss die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne.

Dieses Wesen war etwa einen Meter lang und ungefähr vierzig Zentimeter hoch. Hatte eine breite Schnauze und zwei große Ohren, von denen das eine gerade in Betrieb war und das andere nicht. Anders ausgedrückt: das eine stand, das andere hing. Das Komische dabei war, dass sich die Ohren die Arbeit zu teilen schienen, also beide konnten abwechselnd stehen und hängen - je nach Bedarf.

Am Ende des Wesens fiel dem Betrachter ein buschiger Schwanz auf, der in Farbe und Haarlänge irgendwie nicht zum vorderen Teil der Kreatur passte. So, als sei er eher zufällig dahin gelangt. Er war rostrot mit einer hellgrauen Spitze am Ende. Beinahe wie der Schwanz eines Fuchses. Wohingegen der restliche Teil des Felles kurzhaarig und schwarz war. Bis auf zwei helle Flecken - einer im Nacken und einer am Bauch.

Alles in allem aber schien es ein Hund zu sein. Wenngleich ein recht magerer, heruntergekommener, bunter Hund. Aber einer mit hellwachen, intelligenten Augen, der nun selbstbewusst seinen Platz auf der Bank beanspruchte.

Er lag mit dem Rücken zur Banklehne und mit dem Kopf am Ende der Bank, die breite Schnauze in seine Brusthaare gedrückt. Seine dunkelbraunen Augen fixierten Hilmar, und es sah so aus, als warte er auf eine Reaktion des Zweibeiners.

Es war einer jener sonnig warmen Frühlingstage, die man als sommerliches Appetithäppchen bezeichnen konnte. An einem fast wolkenlosen Himmel ließ die Sonne ihre Muskeln spielen.

Und so blieb es nicht aus, dass sich Hilmar von Himmelthor in seinem hellgrauen Übergangsmantel unbehaglich fühlte. Er legte, mit den Gedanken noch in den gedruckten Lobeshymnen schwebend, die Zeitung zur Seite und versuchte, den Mantel auszuziehen ohne dabei aufzustehen.

„Hab das Käseblatt schon gelesen. Strotzt wieder nur so von Druckfehlern“, drang eine kehlige Stimme an Hilmars Ohr.

Verdutzt drehte sich von Himmelthor zur Seite, mit einem Arm immer noch im Mantel steckend.

„Oh! Pardon!“, sagte er ohne sich in diesem Moment bewusst zu sein, was da gerade vor sich ging. Er hatte nur erkannt, dass er jemandem versehentlich seine Zeitung aufgedrängt hatte. Dass dieser Jemand ein Hund war, und dass der offensichtlich reden konnte, war nicht gleich in seinen Denkapparat eingedrungen.

„Is’ schon o.k.“, sagte der Hund und gähnte.

Als er begriff, dass er mit einem Hund gesprochen hatte, schaute sich Hilmar verlegen um, schob den bereits mantellosen Arm in den Ärmel zurück, faltete seine Zeitung nachdenklich zusammen, und stand wortlos auf. Dann blickte er, die Stirn in Falten, auf das Tier und setzte seinen Spaziergang fort. Es liegt bestimmt daran, dass ich hungrig bin, dachte er. Andererseits hat Gott viele seltsame Geschöpfe erschaffen, warum nicht auch einen sprechenden Hund?

Nach ein paar Schritten bemerkte er neben seinem rechten Fuß einen Schatten. Er schaute nicht hin, sondern blickte über die linke Schulter zurück auf die leere Bank.

„Wunderst du dich nicht, dass ich sprechen kann?“, fragte der Schatten.

Von Himmelthor zögerte. Es waren an diesem Morgen viele Besucher im Park. Jogger, Radfahrer, Spaziergänger. Ein älteres Ehepaar kam den beiden entgegen und ging an ihnen vorbei. Völlig unaufgeregt. Völlig normal.

„Nein“, antwortete Hilmar von Himmelthor, als die beiden Alten ein paar Schritte entfernt waren.

„Ich schon!“, sagte der Hund. Und nach einigen Metern Schweigen: „Hast du schon gefrühstückt?“

„Nein“, sagte Hilmar und hoffte, dass der Spuk bald vorüber sein würde.

„Ich auch nicht. Mein Magen hängt mir auf den Pfoten. Lass uns im Postcafé etwas essen. Die haben super lecker Wurstbrötchen.“

Hilmar von Himmelthor mag zwar manchmal in seinen Reaktionen etwas bedächtig gewesen sein, aber wenn er ein Problem hatte, fackelte er nicht lange und packte es bei den Hörnern. Sie kamen gerade an einer dicken Buche vorbei. Er bog vom Weg ab und stellte sich hinter den Baum. Der Hund blieb verwundert auf dem asphaltierten Weg stehen.

„Komm her! Ich hab mit dir zu reden”, flüsterte Hilmar und schaute sich sicherheitshalber noch mal um. Der Hund trottete heran, setzte sich vor Hilmars Füße und sah ihn mit halb heraushängender Zunge fragend an. Von Himmelthor atmete tief durch und blickte der Nervensäge in die Augen.

„Ich weiß nicht warum, wieso und weshalb“, begann er mit leiser Stimme. „Aber wenn die Natur es für richtig hält, dass du reden kannst, muss ich das akzeptieren. Aber bitte nicht mit mir.“

Der Hund schien sehr aufmerksam zuzuhören, denn er hatte beide Ohren aufgestellt. Nur für die Ohrspitzen reichte es nicht ganz. Die waren leicht nach vorne geklappt.

Hilmar war von Natur aus ein Tierfreund, zog es aber vor, sich die Verantwortung für ein Haustier nicht aufbürden zu wollen. Außerdem schien ihm dieser Hund doch etwas zu heruntergekommen, um es sich jetzt noch anders zu überlegen.

„Ich mag zwar Tiere, ganz besonders Hunde“, fuhr er fort. „Aber ich lebe allein und bin dabei glücklich, und ich möchte diesen Zustand nicht ändern. Schon gar nicht mit einem sprechenden Tier. Wenn ich diesbezüglich jemals ein Bedürfnis verspürt hätte, hätte ich mir einen Papagei gekauft.“

„Macht es dir Spaß, mich zu beleidigen?“, fragte der Hund und stellte sich wieder auf seine vier Pfoten.

„Das lag nicht in meiner Absicht“, antwortete von Himmelthor. „Inwiefern habe ich das getan?“

„Bla, bla, bla… hätte ich mir einen Papagei gekauft“, imitierte ihn der Hund, lief zwei Schritte auf die Buche zu und hob das Bein.

„Jedenfalls uriniert ein Papagei nicht in öffentlichen Anlagen an die Bäume“, sagte Hilmar und ging einen Schritt vom Baum weg.

Der Hund ignorierte diesen Einwand und setzte sich wieder.

„Vorhin auf der Bank, als du mich noch nicht bemerkt hattest, wurde mir klar, dass du der richtige Mensch für mich bist. Dein Geruch sagte mir, dass du charakterlich perfekt zu mir passt. Wie ein Hundehaufen auf ein großes, faulendes Eichenblatt. Und mein Geruchssinn hat mich noch nie getrogen. Also, warum wehrst du dich gegen etwas Gesellschaft? Noch dazu, wenn sie so intelligent und weltläufig ist wie die meine.“

Zum ersten Mal an diesem Tag musste Hilmar von Himmelthor lachen. Erschrocken über seinen Gefühlsausbruch, schaute er sich wieder um, um sicher zu gehen, dass niemand was davon mitbekam. Er bückte sich zu dem Tier und streichelte ihm zaghaft über den struppigen Schädel.

„Na, gut“, sagte er. „Weil du mich zum Lachen gebracht hast, spendiere ich uns ein Frühstück. Ich hoffe nur, du benimmst dich, wenn wir jetzt ins Café zur Post gehen. Dabei weiß ich gar nicht, ob Hunde dort erlaubt sind.“

Der Hund sprang auf und wedelte mit seinem Fuchsschwanz.

„Die haben vorhin schon Stühle und Tische rausgestellt“, freute er sich. „Draußen sind Hunde erlaubt.“

„Aber eines sage ich dir, wenn wir gefrühstückt haben, trennen sich unsere Wege. Ich gehe nach Hause, und du gehst dahin, wo du hingehörst.“

„Damit kann ich leben“, sagte der Hund.

Daraufhin machten sich die beiden auf den Weg. Als sie beim Postcafé ankamen, stellte Hilmar fest, dass der Hund Recht hatte. Vor der Tür standen vier Tische mit Stühlen. An zwei Tischen hatten sich schon Gäste niedergelassen und tranken gut gelaunt ihren Kaffee. Hilmar wählte unter den freien Tischen einen der Äußeren. Er ging unbewusst auf Nummer sicher. Er bestellte sich ein Croissant, etwas Himbeermarmelade und Schwarzen Tee. Für den Hund orderte er eine Schüssel Wasser und ein Brötchen mit warmem Fleischkäse. Wenige Schritte vor ihrem Ziel, hatte ihm sein Begleiter diesen speziellen Wunsch mitgeteilt.

Der Hund stürzte sich auf sein Futter, das die Bedienung neben Hilmars Stuhl auf den Boden gestellt hatte, und kämpfte mit dem Brötchen. Hilmar bemerkte, dass das Tier Schwierigkeiten hatte, sein Fressen zu zerkleinern. Er bückte sich und teilte das Brot in zwei Hälften, dabei flüsterte er: „Denk dran! Hier sind fremde Leute. Es wäre gut, wenn sie von deinen besonderen Fähigkeiten nichts mitbekämen.“

„Keine Angst. Das werden sie nicht“, bekam er zur Antwort. Jedenfalls glaubte er, diese Worte zwischen den Schmatzlauten verstanden zu haben.

Nachdem der Hund den Teller abgeleckt und seinen Durst gestillt hatte, machte er sich lang und schlief ein. Hilmar von Himmelthor, der die ganze Zeit über befürchtet hatte, dass ein Gast, ein Passant, oder die Bedienung ihm an der Nasenspitze ansehen könnte, welch außergewöhnlichen Begleiter er mit sich führte, sah es mit Erleichterung und genoss seinen Tee.

„Guten Morgen, Herr von Himmelthor“, flötete plötzlich die Stimme der Caféchefin neben ihm und riss ihn aus seinen Gedanken. Er hatte sich gerade ausgemalt, was geschehen würde, wenn jemand von der Presse Wind von dieser Sensation eines sprechenden Hundes bekäme.

„Haben Sie sich einen Hund zugelegt?“, fragte die Flöte, noch bevor er ihren Gruß erwidern konnte. „Ein schönes Tier“, log sie.

„Guten Morgen, Frau Schmittkötter“, sagte Hilmar. Weiter kam er nicht. Die Inhaberin hatte sich bereits den Gästen am Nebentisch zugewandt. Er schaute sie mit einem leichten Anflug von Verzweiflung an und glaubte gesehen zu haben, dass sie, als sie sich entfernte, den Kopf geschüttelt hatte. Mit diesem ratlosen Blick schaute er auf den schlafenden Hund. Der öffnete ein Auge und sagte leise:

„Die Alte ist nicht ganz echt. Aber mach dir nix draus.“

War die Situation für Hilmar bisher ungewöhnlich und abenteuerlich, so beschlich ihn nun ein stärker werdendes, unbehagliches Gefühl, und er rief nach der Bedienung. Er zahlte seine Rechnung und machte sich auf den Weg zurück zum Park. Der Hund stand auf und folgte ihm. Gerade, als von Himmelthor ihn an die Abmachung erinnern wollte, dass nach dem Frühstück jeder seiner Wege geht, bemerkte er, dass das Tier hinkte. Als sie wieder auf den Parkweg gelangten und Hilmar niemanden in Hörweite entdecken konnte, fragte er: „Sag mal, hast du vor dem Frühstück auch schon gehinkt?“

„Das tu ich nur, wenn ich längere Zeit gelegen habe. Ist wohl Rheumatismus, oder so. Wenn ich ein paar Schritte gelaufen bin, geht‘s wieder.“ Dabei schaute er Hilmar ins Gesicht und der hatte den Eindruck, als hätte das Tier Tränen in den Augen.

Hilmar fühlte plötzlich einen Druck auf der Brust und er musste schlucken. Er kniff den Mund zusammen und nickte.

„Gut“, sagte er. „Also, gut. Ich nehme dich vorerst mit nach Hause. Wenn das so ist, muss sich ein Tierarzt um dich kümmern. Das kriegen wir wieder hin.“

Er bückte sich und mit zitternder Hand versuchte er, dem Tier tröstend über den Kopf zu streicheln. Doch der Hund wandte sich ab. „Nicht!“, kam es aus seiner Schnauze. „Ich mag es nicht, wenn mir jemand an die Lauscher kommt.“

Wie an einer Feder gespannt, richtete sich Hilmar wieder auf. „Oh! Na, ja. Dann hast du bestimmt Milben in den Ohren. So was führt unbehandelt leicht zu einer Entzündung.“

„Milben, Herr Doktor? Ich bin doch keine Matratze!“

Hilmar wusste im Moment nicht, ob er lachen, oder verärgert sein sollte. „Du bist frech und hast keine Manieren“, lächelte er schließlich. „Aber ich glaube, es könnte mir Spaß machen, das zu ändern.“

„Worauf du einen lassen kannst“, murmelte der Hund und trabte los.

Als sie in der Lindenallee, vor von Himmelthors Haus angekommen waren, und Hilmar die Haustür aufschloss, bemerkte er, dass sein Begleiter auf dem Bürgersteig saß und durch die Zähne pfiff. Das Tier schaute mit großen Augen auf die rötliche Sandsteinfassade und sagte: „Krasse Hütte!“

Hilmar legte verärgert den Zeigefinger auf die Lippen und zischte: „Psst! Wenn dich jemand hört!“ Der Hund kletterte gemächlich die sechs Stufen bis zur Tür hoch.

„Ich verrat dir ein Geheimnis. Außer dir kann mich keiner hören.“

Und als Hilmar verwirrt mit dem Aufschließen innehielt fuhr er fort: „Nu mach schon, Alter. Zeig mir dein Schloss!“

Hilmar schüttelte stumm den Kopf und beide gingen ins Haus. Der Hund rannte sofort los und inspizierte sämtliche Räume im Erdgeschoss. Von Himmelthor kam plötzlich ein schlimmer Gedanke und er rief: „Dass du mir ja nirgendwo im Haus das Bein hebst!“

Er hing seinen Mantel und sein Sakko an der Garderobe auf. Gerade als er die alte, dunkelgrüne Strickjacke, die schon sein Vater getragen hatte, anziehen wollte, hörte er ein böses Knurren. Der Hund stand keine zwei Meter von ihm entfernt und fletschte die Zähne.

„Jetzt hast du`s geschafft. Du bist keine Minute in deiner, zugegeben, großartigen Hütte und schon beleidigst du mich wieder. Du hältst mich wohl für einen asozialen, versifften Straßenköter, der auf jedes Silbertablett scheißt, das ihm unterkommt. Du enttäuschst mich Hilmar von Himmelthor!“

Hilmar hatte sich dermaßen erschrocken, dass ihm die fadenscheinige Strickjacke auf den Boden glitt. Er stand mit erhobenen Händen mit dem Rücken zur Wand, als hielte ihm jemand eine Pistole unter die Nase. Er sah, wie der Hund abdrehte und mit hängenden Ohren und zwischen den Hinterbeinen eingeklemmten Schwanz, davon trottete. Gerade wollte Hilmar sagen, dass er es missbilligt, dass man ihn in seinem eigenen Hause anknurrt, als der Hund stehen blieb und ihn ansah.

„Übrigens“, hörte er ihn mit freundlichem Ton und aufgestellten Ohren sagen, „Du besorgst mir am besten heute noch ein Katzenklo und einen Beutel vom besten Katzenstreu. Ich habe nachts eine schwache Blase und es wäre doch schade, wenn ich meine Notdurft auf einem deiner sicherlich sauteuren orientalischen Teppiche verrichten müsste. Ich bin schließlich, entgegen deiner Meinung, kein Punk und weiß, was sich gehört!“

Ich bin nicht sicher, dachte Hilmar von Himmelthor, ob ich heute einen neuen Freund dazu gewonnen, oder ob ich mir die größte Laus des Universums in den Pelz gesetzt habe. Und die Laus kennt meinen Namen und hat selbst keinen. Aber einen Namen zu haben ist bei Läusen, denke ich, wohl auch eher unüblich.

Er ging ins Wohnzimmer und dachte darüber nach, ob er so früh am Morgen einen Sherry genießen könnte. Der Hund lag vorm Fernseher und schnarchte. Er hatte sich eingerollt, sodass sich die hellen Haare seiner Schwanzspitze beim Ausatmen hin und her bewegten, wie Ähren im Sommerwind. Bei diesem Anblick vergaß er den Sherry, setzte sich auf das Sofa und dachte über die vergangenen Stunden nach.

Sein bisheriges Leben verlief in geordneten, überschaubaren Bahnen. Er hatte von seinen Eltern eine nicht unerhebliche Summe Bargeld, Fonds und Wertpapiere geerbt. Dazu diese großzügige Villa aus Jugendstiltagen. Zwei weitere Häuser in der Stadt, deren Mieteinnahmen allein ihm schon ein Einkommen sicherten, das andere, schwerarbeitende Menschen, nur in Ausnahmefällen erreichen konnten.

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