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Herrin meines Herzens

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PROLOG

Die Insel Bitterlee in der Nordsee Herbst 1299

„Nein, Penyngton“, sagte Adam Sutton, während er rastlos mit großen Schritten das Turmgemach durchmaß. „Ich werde nicht wieder heiraten. Und gewiss keine Schottin.“

„Aber, Mylord“, widersprach Sir Charles Penyngton. Er durfte es sich herausnehmen, in dieser Weise mit seinem Herrn zu sprechen, denn er bekleidete seit Jahren das Amt des Seneschalls auf Bitterlee Castle. „Ihr seid noch ein junger Mann. Gerade mal einunddreißig Jahre alt. Und Ihr habt keinen Erben. Als Graf von Bitterlee ist es Eure Pflicht, dafür zu sorgen ...“

Adam blieb vor einer der langen Schießscharten stehen und starrte wie abwesend auf die See. Bitterlee war ein trostloser, abgeschiedener Ort. Der Legende nach hatte einer seiner Vorfahren die Insel „das Eiland des bitteren Lebens“ genannt, nachdem seine Gemahlin hier den Freitod gewählt hatte. Über die Jahre, so hieß es, habe der Name sich geändert und sei zu Bitterlee verfremdet worden.

Diese Schottin ist vollkommen“, fuhr Charles fort. „Cristiane von St. Oln. Sie ist an ein raues Klima wie dieses gewöhnt, und man sagt, sie sei eine gesunde junge Frau.“

„Im Gegensatz zu Rosamund“, sagte Adam barsch. Er wusste, was Charles und die anderen dachten. Dass er den Tod seiner Gemahlin Rosamund immer noch nicht verwunden hatte, und in gewisser Hinsicht war diese Vermutung gerechtfertigt.

Seine engsten Berater wussten jedoch nicht, dass er für seine Frau nie viel empfunden hatte; zudem trauerte er nicht, sie verloren zu haben. Gewiss, er bedauerte ihren Tod, so wie er jeden Todesfall in seiner Burg bedauert hätte.

Aber Rosamund hatte nie einen Platz in seinem Herzen eingenommen. Adam wollte erst gar nicht darüber nachdenken, welch tiefen Schmerz er heute empfinden würde, wenn sie ihm mehr bedeutet hätte.

Er hatte nie verstanden, warum Rosamunds Vater sie ihm überhaupt zur Gemahlin gegeben hatte. Rosamund war eine zierliche junge Edelfrau gewesen, und sie hätte besser einen Adligen aus südlichen Gefilden ehelichen sollen. Wie viel besser wäre es ihr ergangen, wenn sie die Frau eines Mannes geworden wäre, der Beziehungen zu London gehabt hätte. Ein Gemahl mit Ambitionen am Hofe.

Stattdessen war sie auf diese gottverlassene Insel gekommen. Fast fünf Jahre hatte sie gelitten. Denn sie hatte den Ort verabscheut.

„Mylord“, setzte Charles erneut an, doch er wurde von einem Hustenanfall unterbrochen. Als Adam zu ihm eilen wollte, winkte der Seneschall ab und bestand darauf, keine Hilfe zu benötigen. „Es gibt noch andere Dinge zu bedenken“, sagte er, nachdem er wieder zu Atem gekommen war. „Eure Tochter, Mylord, sie braucht dringend ...“

Der Graf runzelte die Stirn und schien Sir Charles mit seinen stahlgrauen Augen zu durchbohren.

„Ich meine ... Margaret braucht ... ich wollte sagen, Lady Margaret scheint sich nicht anzupassen, Mylord.“

Adam musste zugeben, dass sein Seneschall die Wahrheit sagte. Obwohl sich jeder in Bitterlee über Rosamunds Tod ausschwieg, hatte Margaret den Verlust ihrer Mutter nicht verwunden. Das Kind sah wie ein Gespenst aus. Sie ähnelte überhaupt nicht den Suttons und war so schwächlich und schmächtig wie ihre Mutter. Seit Rosamunds Tod hatte Margaret sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen. Nie sprach sie ein Wort, und sie zeigte wenig Interesse für die Dinge, die für gewöhnlich die Aufmerksamkeit eines Kindes auf sich ziehen.

Falls Adam nichts gegen Margarets Teilnahmslosigkeit unternahm, würde sie nicht mehr lange leben.

Aber eine Schottin zur Frau nehmen?

„Erzählt mir mehr über diese ... Cristiane von St. Oln“, sagte er, doch aus seinen Worten und seiner Haltung sprach wenig Zuversicht. Vor kurzem hatten ihm die Schotten bittere Verluste zugefügt, und so konnte er sich nicht vorstellen, jemanden aus diesem Volk auf die Insel zu holen. „Aber glaubt nicht, dass ich mich auf Euer Vorhaben einlassen werde.“

1. KAPITEL

Das Dorf St. Oln, Schottland 1300

Cristiane inghean Domhnall, die Tochter des Domhnall Mac Dhiubh und einer Engländerin, saß auf einem Felsvorsprung mit Blick auf die wilden, schwarzen Wellen der Nordsee. Der Wind hatte zugenommen, und dunkle Wolken zogen auf. Cristiane wusste, dass es bald heftig regnen würde.

Doch es war ihr egal. In der Nähe gab es eine Höhle, in der sie sich zur Not unterstellen könnte. Am liebsten würde sie gar nicht ins Dorf zurückkehren. Bei Gott, seit dem Tod ihrer Eltern war sie in St. Oln kaum noch geduldet.

Cristiane streckte einen Arm aus und öffnete die Hand. Schon bald kam ein Paar Dreizehenmöwen näher, die eine zögerlicher als die andere. Die mutigere Möwe hielt inne und sah zu der jungen Frau, hüpfte näher heran, beäugte die ausgestreckte Hand, legte den Kopf von einer Seite auf die andere und betrachtete die Brotkrumen in der Handfläche.

Cristiane lächelte wehmütig. Seit Jahren spielte sie dieses Spiel, mit den Trottellummen, den Krähenscharben und den Papageientauchern, die den Küstenstreifen bewohnten. Die Vögel hatten keine Angst vor ihr, obwohl sie argwöhnisch blieben. Von den Tieren war auch nichts anderes zu erwarten.

Doch bald schon würde sie die Vögel nicht mehr sehen. Denn ihre Mutter hatte alles in die Wege geleitet, damit ihre Tochter sicher nach York geleitet würde, zum Sitz ihres Onkels. Elizabeth von York hatte immer gewusst, dass Cristiane hier in St. Oln keine Zukunft beschieden war. Als Mac Dhiubh, der Vater des Mädchens, in einem Gefecht mit einem benachbarten Clan ums Leben gekommen war, hatte Elizabeth damit begonnen, für Cristiane ein neues Zuhause zu suchen.

Und vielleicht wartete in York ein zukünftiger Gemahl auf sie. In St. Oln gab es niemanden, der sie zur Frau nehmen wollte, vor allem jetzt nicht, da ihr Vater tot war. Kein Schotte würde aus freien Stücken eine Frau ehelichen, in deren Adern englisches Blut floss.

Auch für Cristiane gab es niemanden, den sie gerne geheiratet hätte, obwohl sie sich nach einem Gemahl und einer Familie sehnte. Mit zweiundzwanzig Jahren waren alle jungen Frauen des Dorfes längst verheiratet, und viele von ihnen hatten bereits Babys und kleine Kinder, die zu ihren Füßen spielten. Cristiane schmerzte die Gewissheit, dass ihr diese Freuden wohl niemals vergönnt wären.

Sie wusste, dass sie anders als die übrigen jungen Frauen war. Abgesehen davon, dass ihre Mutter Engländerin war, war sie getrennt von den Dorfkindern aufgewachsen. Ihr Vater hatte sie in Französisch und Latein unterrichtet, und sie konnte lesen. Sie hatte sogar Stunden für sich allein gehabt, in denen sie die Klippen erforscht und die Lebensweise der Tiere an der Küste kennen gelernt hatte.

Es wunderte sie daher nicht, dass sie keinem der Männer aus St. Oln gefiel.

Die tapfere Möwe kam näher, und mit ihrem langen, scharfen Schnabel stahl sie sich rasch die kleinen Brotstückchen aus Cristianes Hand. Sofort hüpfte sie davon, pickte an ihrer Mahlzeit und musste sich mit ihrer schüchternen Gefährtin um die Bissen streiten. Cristiane schloss die Hand. Sie zog die Knie bis an die Brust und schlang die Arme um die Beine.

Sie dachte daran, dass ihr nur noch ein oder zwei Tage in St. Oln blieben, bevor die Männer des Grafen sie abholten. Es war der innigste Wunsch ihrer Mutter gewesen, dass Cristiane jenem armen, unfreundlichen Land den Rücken kehrte, in das Elizabeth vor so vielen Jahren von ihrem eigenen Vater verbannt worden war. Jetzt, da ihre Mutter tot und begraben war, sah sie sich gezwungen, ihren letzten Willen zu erfüllen.

Es waren bittersüße Aussichten. Cristiane bedauerte es keinesfalls, das Dorf St. Oln verlassen zu müssen, dennoch würde sie in den unbekannten Landstrichen im Süden die tröstliche Gegenwart der vertrauten Seevögel und den Anblick ihrer Brutplätze auf den geliebten Klippen vermissen.

Aber sie hatte keine Wahl. Ihre aus England stammende Mutter war die Gemahlin des Mac Dhiubh gewesen, und daher hatte man sie so lange geduldet, wie Frieden im Land herrschte und ihr Ehemann lebte. Doch das einst so blühende St. Oln hatte schlechte Zeiten erlebt. Bedingt durch den Krieg gegen den englischen König und zahlreiche Gefechte mit benachbarten Clans, betrachteten die Dorfbewohner alle Fremden mit Argwohn, selbst Lady Elizabeth und ihre Tochter Cristiane inghean Domhnall. Auf den Einfluss ihres verstorbenen Vaters war nicht länger Verlass.

Cristiane hatte stets gewusst, dass sie Verbindungen nach England besaß. Der ältere Bruder ihrer Mutter war der Graf von Learick, mit Besitztümern südlich von York, und es entsprach dem letzten Willen der Verstorbenen, dass Cristiane sich zu ihrem Onkel begeben sollte. An ihrem Sterbebett hatte sie ihrer Mutter das Versprechen geben müssen, den Männern des Grafen zu folgen, die sie aus St. Oln abholen würden.

In welcher Beziehung Lady Elizabeth zu dem Grafen von Bitterlee gestanden hatte und warum es Getreue aus Bitterlee waren, die sie mitnehmen sollten, wusste Cristiane allerdings nicht. Als ihre Mutter dieses Vorhaben angesprochen hatte, war sie bereits zu schwach gewesen, um auf einzelne Fragen eingehen zu können. Es kam Cristiane allerdings immer noch merkwürdig vor, dass sie nicht sofort von ihrem Onkel abgeholt wurde, um auf direktem Wege nach York zu gelangen.

Jetzt war es zu spät, Genaueres zu erfahren. Vor ihrem Tode hatte Elizabeth nur sehr selten über ihre Familie gesprochen, und daher wusste Cristiane wenig von ihren Verwandten. Sie hatte lediglich gehört, dass ihre Mutter vor Jahren von ihrem Vater verstoßen und nach St. Oln geschickt worden war, um die Frau von Domhnall Mac Dhiubh zu werden. Die Wahl war auf Domhnall gefallen, da Cristianes Onkel aus York den Schotten Jahre zuvor in Paris kennen gelernt hatte.

Cristiane seufzte, als die ersten Regentropfen ihr Gesicht benetzten. Es war ein milder Frühlingstag, doch der Regen, der ihr ins Gesicht schlug, war kalt. Sie raffte ihren dünnen, verblichenen Rock und kletterte zu der kleinen Höhle, in der sie einige ihrer kostbaren Habseligkeiten aufbewahrte. Da niemand je auf diese Klippen kam, waren ihre Sachen dort sicher.

Eine sonderbare Vereinbarung, dachte Adam, dass es der jungen Schottin gestattet war, sich an Bitterlee zu gewöhnen, bevor er sie zu seiner Frau machte. Dennoch hatte er Sir Charles aufgetragen, in dem Schreiben an Elizabeth Mac Dhiubh der Bedingung zuzustimmen. Schließlich entsprach die vorzeitige Ankunft von Mac Dhiubhs Tochter genau Adams Vorstellungen. Denn auf diese Weise wäre er nicht gezwungen, eine Frau zu ehelichen, die ihm nicht zusagte.

Nein, es war geradezu von Vorteil für ihn, dass ihre Mutter darauf bestanden hatte, Cristiane Zeit zu lassen, um sich auf Bitterlee einzugewöhnen, bevor überhaupt von Heirat die Rede war. Auf diese Weise bliebe auch ihm Zeit, abzuwägen und sich auf sie einzustellen.

Adam bezweifelte ohnehin, dass die junge Frau infrage käme. Selbst wenn sie zur Hälfte Engländerin war, so war sie dennoch bei den Schotten aufgewachsen, bei wilden, ungehobelten Menschen, die allem Englischen mit entschiedenem Misstrauen begegneten. Der Clan des Mac Dhiubh trug vermutlich sogar die Verantwortung für die Plünderungen der englischen Besitztümer, die entlang der schottischen Grenze lagen.

Adam hatte kein Verlangen nach einer blutrünstigen, schottischen Gemahlin.

St. Oln ist ein armes Dorf, dachte er, als er und seine Begleiter vor der baufälligen Steinkirche abstiegen. Sein Bein, das in der Schlacht von Falkirk übel zugerichtet worden war, schmerzte von dem langen Sitzen im Sattel. Zudem setzte ihm der kalte Regen zu. Für einen Moment hielt er inne, während seine beiden Begleiter sich zu ihrem Herrn gesellten, dann humpelte er zu den Stufen am Kircheneingang und ließ den Blick über das Dorf schweifen.

Hier leben die wahren Opfer der Kriege, dachte er, Menschen, die nach den Schlachten übrig blieben, in Lumpen, hungrig und jeder Hoffnung beraubt. Als die drei gepanzerten englischen Ritter Ehrfurcht gebietend in das Dorf geritten waren, hatten die Bewohner ihre Kinder genommen und waren in ihren Behausungen verschwunden.

„Ihr seid demnach der englische Herr?“ erscholl eine tiefe, männliche Stimme von der geöffneten Kirchentür am oberen Treppenabsatz.

Der Blick des Grafen fiel auf einen alten, grauhaarigen Dorfpriester, der vom Kirchenportal auf ihn herabschaute. Adam nickte kurz und erklomm die Stufen.

„Ich hatte Euch früher erwartet“, sagte der alte Mann und zog sich ein kleines Stück zurück, um sich vor dem Regen zu schützen.

Adam war dankbar, dass er und seine Begleiter die vergleichsweise warme Kirche betreten durften. „Wenn Ihr meinen Getreuen mitteilt, wo sich Lady Elizabeth aufhält“, erwiderte er, „werden sie die Dame und ihre Tochter hierher bringen.“

Sie waren an einer verfallenen Burg aus Stein und Holz vorbeigeritten, die gewiss niemandem mehr eine sichere Bleibe bot. Nicht einmal einer Schottin. Demnach musste Lady Elizabeth in einer der erbärmlichen Hütten untergebracht sein, die den schmalen Weg säumten. Adam hoffte, dass die Edelfrau nicht zu schwach für die Reise war und sich der Aufbruch von diesem unangenehmen Ort dadurch vielleicht noch verzögerte.

„Ihr braucht Eure Männer nicht loszuschicken“, antwortete der Priester. „Jeder in St. Oln hat Euch kommen sehen – es dauert nicht lange, bis das Mädchen erscheint.“

„Was ist mit ihrer Mutter?“ erkundigte sich Adam.

„Sie starb vor vierzehn Tagen, möge Gott ihrer Seele Frieden geben“, entgegnete der Geistliche und bekreuzigte sich bei seinen Worten. „Das Mädchen ist nun allein ... ganz allein.“

Die Worte des Kirchenmannes ließen Adam erneut frösteln, obwohl ihm die Kälte ohnehin bereits durch die Kleidung gedrungen war. Was nun? Die Vereinbarung besagte, dass Adam Lady Elizabeth gemeinsam mit ihrer Tochter nach Bitterlee bringen sollte, wo sie den Sommer verbringen würden. Wenn alles zufrieden stellend verlief, sollte die junge Frau seine Braut werden. Würden sich in ihm aber Zweifel regen, müsste er dafür sorgen, dass die beiden Damen nach York gelangten.

Erwartete man auch jetzt noch von ihm, Lady Cristiane allein nach Bitterlee zu bringen? Galt die Vereinbarung noch immer?

„Kommt“, sagte der Priester und wich dem herabtropfenden Regenwasser aus, das durch das undichte Dach in die Kirche drang. „Wärmt Euch ein wenig auf.“ Er führte die drei Männer zu einer Kohlenpfanne nahe dem Altar und hielt die Hände über die Glut. Adam und seine Getreuen taten es ihm gleich. „Cristiane kann unter keinen Umständen länger in St. Oln bleiben. Jetzt, da ihr Vater und ihre Mutter von uns gegangen sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dem Mädchen etwas zustößt. Ich habe ihrer Mutter auf dem Sterbebett versprochen, dass die Vereinbarung eingehalten wird. Nehmt sie mit zu Eurer Burg auf dem Eiland, mein englischer Herr. Es ist das Beste für das Mädchen und für ihre Sicherheit, wenn Ihr sie mit nach Bitterlee nehmt.“

Der Graf dachte im Stillen über die Worte des Geistlichen nach. Er fragte sich, welche schrecklichen Dinge Lady Cristiane bevorstehen mochten, wenn sie in St. Oln bliebe. Sicher würde ihr nichts Ernsthaftes zustoßen, wenn man in Betracht zog, dass sie hier aufgewachsen war. Ihr Vater war der Anführer des Clans gewesen. Die Tatsache, dass sie zur Hälfte Engländerin war, würde man schnell vergessen, jetzt, da ihre Mutter gestorben war.

Laute Stimmen außerhalb der Kirche rissen Adam aus seinen Gedanken, und er humpelte zum Eingang, um zu sehen, was vor sich ging. Es hatte aufgehört zu regnen, doch ein salziger Küstennebel hing noch in der Luft. Die Dorfbewohner, überwiegend Frauen, waren aus ihren Behausungen gekommen und beschimpften eine Gestalt in zerschlissener Kleidung, die sich ihren Weg durch die aufgebrachte Menge bahnte.

„Ah, es ist Cristiane“, sagte der Geistliche, als er den Kopf durch die Tür steckte.

Adam zog die Brauen zusammen. Die junge Frau war in einen schäbigen braunen Rock gehüllt, den selbst die einfachsten Bauern nicht tragen würden. In der Hand hielt sie einen kleinen Beutel und schritt rasch durch die feindselige Menge. Die Dorfbewohner schrien sie in schottischer Sprache an, und obwohl Adam nicht verstand, was gesagt wurde, blieb ihm die Absicht der Meute nicht verborgen.

Offenbar hatte man in St. Oln nicht vergessen, dass diese Frau zur Hälfte Engländerin war.

Trotz der Schmährufe bahnte Lady Cristiane sich erhobenen Hauptes ihren Weg. Mit ihren strahlenden Augen schien sie durch den Pöbel hindurchzublicken. Ihr Haar war eine herrliche Pracht aus leuchtenden roten Locken, ihre Haut war blass wie der Mond im Winter, abgesehen von der zarten Rötung, die sich auf ihren Wangen abzeichnete. Ihre äußere Erscheinung war nicht besonders hervorstechend, aber alles in allem war Cristiane Mac Dhiubh eine schöne Frau.

Sie sah so ganz anders aus, als er sie sich vorgestellt hatte. Adam hatte nicht erwartet, so empfänglich für diese Frau und ihre missliche Lage zu sein.

„Warum begegnet man ihr mit so viel Hass?“ fragte er entrüstet. Er konnte sich kaum zurückhalten, zu der Menge zu eilen und der Frau zu Hilfe zu kommen.

Der Priester zuckte mit den Schultern. „Wer vermag es zu sagen?“ erwiderte er. „Liegt es daran, dass sie englisches Blut in sich hat? Dass sie die Tochter des Anführers ist, der versagt hat, uns vor dem plündernden, blutrünstigen Armstrong-Clan zu beschützen?“

Plötzlich taumelte Cristiane kaum merklich. Jemand hatte nach ihr geworfen. Es war vermutlich ein Stein gewesen, der sie getroffen hatte. Ihre Wangen röteten sich, doch sie schritt unbeirrt weiter.

Adam konnte nicht länger an sich halten. Zorn wallte in ihm hoch, als er die Stufen hinabstieg und sich dabei schneller fortbewegte, als seine Verletzung sonst zuließ. Er zwängte sich durch die aufgebrachte Menge und drang endlich bis zu der Edelfrau vor, um ihr seinen Arm anzubieten. Das aufgebrachte Geschrei verstummte, und die Dorfbewohner wichen zurück. Es war sein finsterer Gesichtsausdruck, der jeden davon abhielt, noch einmal den Arm zum Wurf zu erheben.

Rasch warf er der Edelfrau einen Blick zu und sah, wie sich eine kristallene Träne in ihren dichten, hellbraunen Wimpern verfing. Ihr Kinn zitterte kaum wahrnehmbar, doch Adam spürte ihren unbeugsamen Stolz, der wie eine feste Mauer war, hinter der sie ihre Gefühlsregungen zurückhielt, um sich ihre Verletzbarkeit nicht anmerken zu lassen.

Er schloss seine rechte Hand um die ihre, zog ihren Arm eng an sich und schritt mit ihr auf die Kirche zu.

Unter anderen Umständen wäre Cristiane von dem Anblick des Ritters, der ihr vor der Hütte der einäugigen Mòrag zu Hilfe eilte, mehr als beeindruckt gewesen. Die bloße Berührung durch seine unbedeckte Hand reichte aus, um sie in Ehrfurcht erzittern zu lassen. Angesichts der ungemeinen Feindseligkeit der Dorfbewohner wollte sie sich jedoch keine Blöße geben.

Im Grunde konnte sie den Leuten aus dem Clan ihres Vaters ihre Boshaftigkeit nicht übel nehmen. Denn es waren englische Plünderer gewesen, die ihnen geschadet hatten, und diese Schwäche hatte der Clan der Armstrongs ausgenutzt, um die Mac Dhiubhs anzugreifen und viele von ihnen zu töten, darunter auch ihren Vater. Die Leute aus St. Oln hatten also allen Grund, die Tochter einer englischen Frau abzulehnen.

Auch wenn Cristiane sich wünschte, anerkannt und geachtet zu werden, ihr Leben in dem kleinen Dorf würde sich nie ändern. Sie war die Tochter einer Engländerin, und daher würden die Bewohner von St. Oln sie niemals annehmen. Wieder rief sie sich in Erinnerung, dass sie sich immerhin glücklich schätzen durfte, das Dorf aus freien Stücken verlassen zu können.

Erst als sie und ihr ritterlicher Retter gemeinsam die Treppe erklommen, bemerkte sie, dass er das Bein nachzog. Sie warf ihm einen flüchtigen Blick zu und sah, dass er bei jeder Stufe die Zähne zusammenbiss. Schließlich erreichten sie das Portal, ohne dass es zu weiteren Zwischenfällen gekommen war, und der Ritter geleitete sie ins Innere.

„Cristy“, sagte Pater Walter freundlich und nahm ihre Hand, als der Ritter ihren Arm losließ. „Bist du verletzt, mein Mädchen?“

„Nein, Pater“, erwiderte sie leise und berührte ihre Wange. „Bloß eine Prellung, denke ich.“

Cristianes Ritter – nichts Geringeres sah sie in ihm – nahm ein Tuch, tupfte sachte über ihre Wange und entfernte den Schmutz und das Blut, das aus der Wunde gesickert war.

Sie hielt still und betrachtete das Gesicht des Mannes. Seine Augen waren dunkelgrau, wie der wilde Himmel über der aufgewühlten See. Seine dunklen Brauen trafen sich beinahe in der Mitte, als er die Stirn in Falten zog und sich ihrer kleinen Verletzung widmete. Seine Nase war gerade, seine Lippen voll und wohlgeformt. Eine auffällige Narbe zog sich über seine Wange, und Cristiane fragte sich, welcher Schlacht das sonst so vollkommene Gesicht die fürchterliche Wunde wohl zu verdanken hatte.

Wenn ihr Onkel aus York jemals einen Gemahl für sie wählen sollte, so hoffte sie, dass er diesem hoch gewachsenen und breitschultrigen Mann ähnelte. Wie oft hatte sie von einem solchen Mann geträumt, der kräftige, doch sanfte Hände hatte und durchdringende, faszinierende Augen? Ein Mann, der die Tapferkeit besaß, sie zu beschützen ... Cristiane hatte nie daran geglaubt, dass ihr Traum Wirklichkeit werden könnte.

Bis zu diesem Zeitpunkt.

„Mylady“, sagte Pater Walter förmlich, „diese Herren sind gekommen, um dich nach Bitterlee zu geleiten, so, wie es deine Mutter wünschte.“

„Ja, Pater“, erwiderte Cristiane. Es war ihr unangenehm, dass ihre Gedanken abgeschweift waren. „Das nahm ich an.“

Nun wandte sich der Geistliche an den Fremden. „Mylord Bitterlee“, sagte Pater Walter. „Dies ist Lady Cristiane Mac Dhiubh.“

Er war der Edelmann? Dieser Mann, zu dem sie sich hingezogen fühlte, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte? Cristiane schluckte überrascht, da ihr Hals ganz trocken geworden war.

Sie zügelte ihre eigensinnigen Gedanken und wusste in diesem Augenblick nicht, ob sie sich geehrt fühlen sollte oder ob es sie eher beunruhigen müsste, dass der englische Edle selbst gekommen war, um sie abzuholen. Nie zuvor war sie einem bedeutenden Anführer begegnet. Sie hatte bislang niemanden kennen gelernt, der mehr Macht oder Einfluss besaß als ihr verstorbener Vater. Und Domhnall war nur der Mac Dhiubh gewesen, der Anführer eines kleinen Clans. Zudem war er eher ein Gelehrter gewesen und kein Krieger, obwohl er alles daran gesetzt hatte, seine Tochter und den Clan zu verteidigen.

Cristiane zuckte innerlich zusammen, als sie sich nun ihrer äußeren Erscheinung bewusst wurde. Ihr Haar war nicht zurückgebunden und unbedeckt, sie trug keine Schuhe, und ihr ärmlicher Rock bestand aus Resten groben Streichgarns. Ihre Mutter hatte die eigenen, feinen Gewänder eingetauscht und dafür einfache Kleidung, Nahrung und eine dürftige Unterkunft erhalten.

Schmerzlich erinnerte sie sich an die feinen Stoffe, die Lady Elizabeth vor Jahren getragen hatte, als sie selbst noch ein kleines Kind gewesen war. Und sie dachte zurück an die wenigen Momente, in denen ihre Mutter etwas von ihrem Zuhause in York und von ihrem einzigen Aufenthalt am englischen Hof erzählt hatte.

Cristiane wusste genau, dass sie keineswegs der „Edelfrau“ entsprach, die Graf Bitterlee vorzufinden hoffte.

Sie rechnete es ihm hoch an, dass er sie nicht geringschätzig behandelte – obgleich sie sich vorstellen konnte, was er von ihrer Erscheinung hielt. Verlegen zog sie die Zehen ein und versuchte, ihre aufgerissenen und zerschundenen Füße unter dem Rocksaum zu verbergen.

„Lady Cristiane“, sagte Graf Bitterlee und neigte leicht den Kopf zur Seite. „Wir gedenken, St. Oln in der nächsten Stunde zu verlassen. Bitte bereitet Euch auf die Abreise vor.“

„Ja, Mylord“, erwiderte sie. „Ich bin schon bereit.“

Bei diesen Worten schob sie selbstbewusst das Kinn vor, obwohl sie wusste, wie töricht eine barfüßige Edelfrau in seinen Augen aussehen musste, die ihre ganzen Habseligkeiten in einem kleinen Beutel trug. Seine Meinung durfte ihr jedoch in diesem Moment nichts ausmachen. Sie hatte ihren geliebten Klippen Lebewohl gesagt, und jetzt war es an der Zeit, aufzubrechen.

Trotzdem brachte sie es nicht über sich, weitere Fragen zu stellen, denn sie war zu beschämt, um noch länger die Aufmerksamkeit des Grafen auf sich zu ziehen.

„Wie gedenkt Ihr vorzugehen, Mylord?“ fragte Pater Walter.

„Noch vor Anbruch der Nacht sollten wir den Tweed überquert haben, dann werden wir weiter südlich ein Lager aufschlagen.“

Der alte Geistliche nickte. „Ja, Ihr tut gut daran, so schnell wie möglich englischen Boden zu erreichen“, sagte er. „Aber wie soll Cristiane die Reise antreten? Es ist Euch vermutlich nicht entgangen, dass wir hier in St. Oln keine Pferde haben.“

2. KAPITEL

Adam hatte geglaubt, dass er es schaffen würde, doch jetzt erschien es ihm unmöglich, eine ungehobelte Schottin zur Frau zu nehmen. Seine Erlebnisse im Schlachtengetümmel von Falkirk, zusammen mit Cristianes augenfälliger Unzulänglichkeit – ihr Haar, ihre Kleidung, ihre Sprache – nein, es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich eine englische Gemahlin zu suchen.

Dennoch lag es ihm fern, Lady Cristiane auf dem Pferd eines seiner Gefährten mitreiten zu lassen. Daher saß sie vor ihm auf seinem Schlachtross. Er spürte ihre Hüften an seinen Lenden, und ihr Rücken stieß bei jeder Unebenheit an seine Brust.

Mehrere Stunden ritten sie in dieser Weise und suchten, wo es möglich war, die Nähe der Küste, obwohl das Gelände die Reiter mitunter weiter ins Landesinnere zwang.

Nach einiger Zeit gab Cristiane ihre starre Haltung auf und lehnte sich bei Adam an. Ohne nachzudenken, schlang er die Arme enger um sie, damit sie nicht vom Pferd fallen konnte. Er hatte nichts dagegen, dass sie während des Ritts ein wenig schlief, aber er wollte unter allen Umständen verhindern, dass sie vom Pferd glitt.

Sie war warm und weich, und ihr Duft erinnerte ihn an das weite Land und die See. Helle Sommersprossen bedeckten Nase und Wangen, aber sie ließen ihre makellose Haut noch vollkommener erscheinen.

Ihr geschmeidiger Leib und der anmutige Hals waren zu verlockend und übten einen größeren Reiz auf ihn aus, als ihm lieb war.

Im Schlaf war ihr Mund leicht geöffnet, ihre vollen Lippen zitterten leicht bei jedem Atemzug. Ihr ungebändigtes Haar streifte sein Gesicht und entlockte ihm ein Verlangen, das er seit der Zeit vor Falkirk nicht mehr verspürt hatte. Er wollte sie haben.

Doch es war nicht möglich. Sie wäre genauso wenig eine annehmbare Gemahlin wie eine barbarische, ungläubige Frau aus dem Osten. Cristiane Mac Dhiubh erinnerte nicht im Entferntesten an eine liebenswürdige englische Dame, obwohl sie edler Herkunft war. Adam gedachte sie nach Bitterlee zu bringen und dafür Sorge zu tragen, dass sie gemäß ihres Standes passender ausgestattet würde, um sie dann mit einem Begleitschutz zu ihrem Onkel nach York zu bringen.

Es war bedauerlich, dass Cristianes schottisches Blut unleugbar war, denn sonst hätte er vielleicht in Betracht gezogen, sie zu ehelichen. Doch ihr feuerrotes Haar und ihre sommersprossige Haut waren unverwechselbare Anzeichen ihrer schottischen Abstammung. Obgleich ihre Aussprache nicht so rau war wie die der übrigen Bewohner von St. Oln, kleidete sie sich wie eine Wilde und lief mit bloßen Füßen herum, wie der niedrigste Leibeigene im Dorf.

Zudem schien Cristiane keineswegs eine demütige, fromme Frau zu sein. So sehr er auch die innere Kraft und Beherztheit bewunderte, die sie inmitten des feindseligen Pöbels von St. Oln an den Tag gelegt hatte – diese Eigenschaften waren für eine Gemahlin weder wünschenswert noch notwendig. Er konnte sich kaum vorstellen, dass man sie über die Verhaltensweisen einer Dame unterrichtet hatte, und fragte sich daher, was für eine Mutter sie für seine kleine Tochter abgeben würde. Was wäre sie für ein Vorbild?

Ein schlechtes, ohne Zweifel.

Es sprach allerdings für sie, dass sie nicht dumm oder unwissend wirkte. Sie war höflich und bewegte sich mit der stolzen Haltung eines edlen Engländers. Ihre blauen Augen sprühten vor Verstand und Wissbegier, obwohl eine gewisse Traurigkeit, die Heimat verlassen zu müssen, ihren Blick trübte. Adam hielt es jedoch für wahrscheinlicher, dass der kürzlich erlittene Verlust der Eltern sie bedrückte.

Cristiane murmelte etwas im Schlaf, fuhr mit der Zunge über die Lippen und sprach leise vor sich hin. Obwohl er nicht genau verstehen konnte, was sie sagte, vernahm er ihre letzten Worte. „... in vacuo.“

Latein?

Er schüttelte den Kopf, um klarer denken zu können. Gewiss sprach keine ungebildete Schottin lateinische Worte im Schlaf. Er musste sich verhört haben.

Dennoch übersetzte er die Worte für sich: Allein, abgeschieden. Seit dem Tod des Vaters und dem Hinscheiden ihrer Mutter war Lady Cristiane vermutlich einsamer als je zuvor in ihrem Leben.

„Der Fluss, Mylord“, rief Sir Elwin über die Schulter. Der Ritter zügelte das Pferd, damit Adam ihn einholen konnte. „Sollten wir ihn jetzt überqueren oder noch bis zum Morgen warten?“

Der Graf sah, dass es nicht mehr weit bis zum Tweed war. Die Dämmerung brach herein, und er hatte den Wunsch, den Fuß so rasch wie möglich auf englischen Boden zu setzen. In unmittelbarer Nähe des Flussufers gab es keine größeren Siedlungen oder Weiler, und daher müssten sie in den Wäldern jenseits des Stromes Schutz finden. Adam beschloss, für die Nacht in der Nähe des Flusses zu lagern und dann am nächsten Morgen weiterzureiten.

„Wir überqueren den Fluss.“

Sir Elwin trieb sein Pferd an und ritt mit Sir Raynauld voraus. Adam war nun mit Cristiane allein, die nach wie vor fest schlief. Für einen weiteren Moment genoss er ihren weichen Körper, wiegte sie in seinen Armen und ging sogar so weit, ihre Taille mit beiden Händen zu umfassen und mit den Fingern über ihren Bauch zu streichen.

Leise stöhnte sie auf im Schlaf, und Adam wurde unweigerlich an körperliche Freuden erinnert. Doch das starke Verlangen, das in ihm aufloderte, würde er mit dieser Frau niemals ausleben können. Gedankenverloren trieb er sein Ross zum Flussufer.

Cristiane wusste, dass sie nur geträumt haben konnte. Gewiss hatte sie sich lediglich eingebildet, dass Graf Bitterlees Hände ihren Leib liebkosten, zumal er sich eine derartige Freiheit nicht herausnehmen durfte. Es lag sicher nur an ihren törichten Gedanken bei der ersten Begegnung in St. Oln, dass sie sich zu der Vorstellung hinreißen ließ, wie es sich wohl anfühlen würde, von einem solchen Mann begehrt zu werden.

Seit sie den Fluss überquert hatten, war Graf Bitterlee ihr gegenüber sehr besorgt und höflich, kümmerte sich darum, dass sie es bequem hatte, und half seinen Gefährten, ein Zelt für sie aufzuschlagen. Doch er hielt Abstand von ihr. Bei Gott, sie stellte nichts von dem dar, was er von einer Engländerin edler Herkunft erwartete.

Sie konnte ihm seine Zurückhaltung nicht vorwerfen. Statt einer echten Edelfrau kam sie sich eher wie eine gewöhnliche Bäuerin vor. Und nicht einmal das. In St. Oln besaßen noch die niedrigsten Frauen Schuhe.

Nach dem Tod ihres Vaters hatte sich das Leben für sie nachdrücklich verändert. Domhnall war nicht so wohlhabend gewesen wie manch ein anderer Clanführer, aber Cristiane und ihre Mutter hatten ein angenehmes Leben führen können, auch wenn sie von der Dorfgemeinschaft nie ganz akzeptiert worden waren. Sie waren geduldet worden, aber nicht mehr.

Deshalb war es nicht verwunderlich, dass Elizabeth binnen weniger Monate erkrankt und gestorben war, nachdem sie Domhnalls Schutz verloren hatte.

Cristiane schaute sich um. Sie bedauerte es, die meiste Zeit des Ritts geschlafen zu haben, und nahm sich vor, den morgigen Tag bewusster wahrzunehmen. Schließlich würde sie diesen Weg kein zweites Mal einschlagen, und sie wollte möglichst alles von der Gegend, die sie durchquerten, in sich aufnehmen. Wenn sie erst einmal York und das Anwesen ihres Onkels erreicht hatte, war es unwahrscheinlich, dass sie jemals wieder eine Reise antreten würde.

Während die Ritter ein paar Fische für die Abendmahlzeit fingen, ging Cristiane zum Flussufer hinunter und watete durch das flache Wasser, um sich zu erfrischen. Dann ließ sie sich an einem abgeschiedenen Platz nieder und beobachtete die Wasservögel. Sie sah viele ihr vertraute Vögel – die stolzen Tordalken, die ihre üppige weiße Brust herausstreckten, ein paar Trottellummen und einige kreischende Silbermöwen.

Aber die Vögel, die sie am meisten faszinierten, gehörten zu einer Gattung, die sie nie zuvor gesehen hatte. Es waren große weiße Wasservögel mit langen, anmutigen Hälsen. Vorneweg schwammen die Elterntiere, gefolgt von einer Schar kleinerer Tiere. Es war eine Familie, zumindest kam es Cristiane so vor. Der König und die Königin des Flusses. Da sie nicht an ihre unsichere Zukunft denken wollte, lehnte sie sich zurück und beobachtete, wie die majestätischen Vögel stromabwärts schwammen.

„Ihr solltet Euch nicht so weit vom Lager entfernen, Lady Cristiane“, sagte Graf Bitterlee und riss sie aus ihren Gedanken. Er hatte sein Kettenhemd abgelegt und trug einen einfachen, blauen Umhang über dunklen Beinkleidern. Trotz seiner zwanglosen Kleidung wirkte er nach wie vor sehr eindrucksvoll und anziehend. Seinem Tonfall war zu entnehmen, dass er verärgert war.

Cristiane zog ihren Rocksaum über die bloßen Füße und schaute auf den Fluss. Die Gefühle, die er in ihr hervorrief, machten sie rastlos, selbst wenn er nicht in der Nähe war.

„Ja, Mylord“, sagte sie reumütig, „es soll nicht noch einmal vorkommen, wenn es Euch unangenehm ist.“

„Es geht um Eure eigene Sicherheit“, sagte er schroff, „und nicht darum, ob es mir etwas ausmacht. Sir Raynauld ist zum Lager zurückgekehrt. Er und Sir Elwin braten die Forellen, die sie gefangen haben.“

„Dann sollte ich wohl mit Euch zurückgehen“, erwiderte Cristiane, während sie sich erhob und sorgsam darauf achtete, ihre bloßen Füße bedeckt zu halten. Graf Bitterlee reichte ihr die Hand und half ihr beim Aufstehen. Die Hitze, die seine Berührung bei ihr auslöste, ließ sie zusammenfahren, doch sie tat alles, um den unwillkommenen Schauer zu verdrängen, den sie verspürte.

„Mylord“, sagte sie in der Absicht, die törichten Gedanken zu verbannen, die ihr durch den Kopf gingen. „Wisst Ihr, wie man diese hübschen weißen Vögel nennt?“ Sie machte sich von seiner Hand frei und deutete flussabwärts.

Er wandte sich dem Wasser zu und schaute auf die Vögel. Die Art und Weise, wie er sie dann ansah, erinnerte Cristiane an den Gesichtsausdruck ihres Vaters, wenn sie etwas äußerst Törichtes von sich gegeben hatte. „Nun, es sind Schwäne“, sagte Graf Bitterlee, als sei das nichts Besonderes. „Die Eltern, gefolgt von ihren Jungen.“

„Eltern?“ fragte Cristiane. Sie durchquerten das bewaldete Ufer und gingen zurück zum Nachtlager. „Ihr meint, die Vögel ziehen ihre Jungen groß? Gemeinsam?“

„Ich denke schon“. Er zuckte mit den Schultern. „Ich habe darüber noch nicht länger nachgedacht.“

Neugierig schaute sie sich noch einmal zu den Schwänen um. Sie nahm sich vor, die Vögel genau in Erinnerung zu behalten, denn sie glaubte nicht, dass dies gewöhnliche Tiere waren.

Cristiane merkte, wie hungrig sie war, als ihr der herrliche Duft der gebratenen Forellen in die Nase stieg. Schon wollte sie den Pfad hinaufeilen, der zum Lager führte, doch sie trat auf einen scharfen Stein, der sie straucheln ließ. Rasch schlang Graf Bitterlee einen Arm um ihre Taille, um sie aufzufangen.

„Ist alles in Ordnung?“ fragte er mit einer tiefen und besorgten Stimme.

„Ja“, erwiderte sie, und sie klang atemloser, als ihr lieb war. Erneut löste sie sich von ihm und rannte beinahe das letzte Stück des Weges.

Adam konnte es gar nicht glauben, dass diese Frau bislang nichts von Schwänen gehört hatte. Sie musste demnach in größerer Abgeschiedenheit gelebt haben, als er zunächst angenommen hatte. Für diese Annahme sprachen auch die grobe Kleidung und die unbedeckten Füße, ebenso ihr ungebändigter Haarschopf – obwohl ihre Locken eine wahre Pracht waren.

Er beobachtete Cristiane, als sie mit den Fingern geschickt das zarte Fleisch von den Gräten löste und es genüsslich verspeiste. Dann nahm sie einen Schluck aus ihrem Krug. Schließlich senkte er den Blick, um nicht länger die Frau anzustarren, der offenbar nicht bewusst war, wie reizvoll sie war. Er bemühte sich zu verdrängen, wie sehr sein Körper auf ihre weiblichen Reize ansprach, und konzentrierte sich ganz auf seine eigene Mahlzeit.

Diese zügellosen Reaktionen mussten ein Ende haben. Es würden gewiss noch zwei Tage vergehen, bevor sie Bitterlee erreichten, und in dieser Zeit würden sie eng beieinander lagern. Sehr eng sogar. Er hatte es ihrer Mutter hoch und heilig versprochen, Cristiane entweder zu ehelichen oder dafür zu sorgen, sie sicher zu ihrem Onkel nach York zu bringen. Da er bereits beschlossen hatte, sie nicht zu heiraten, war jegliche Begierde fehl am Platze.

Als er Cristiane Mac Dhiubh erneut anschaute, war sie schon aufgestanden. Sie hatte Raynauld und Elwin die Blechteller abgenommen und kam nun auf ihn zu.

Ihre anmutigen Bewegungen und ihre Beine, die sich unter dem groben Stoff ihres Rocks abzeichneten, erregten ihn in einer Weise, die er nicht wahrhaben wollte. Er machte sich klar, dass sie noch eine junge Frau war, unerfahren und unbedarft. Seine begehrlichen Regungen mochten sich plötzlich ungebeten eingestellt haben, doch Adam wusste, dass er sich nicht auf die Reize von Cristiane Mac Dhiubh einlassen durfte. Sie war keinesfalls die Art von Frau, die er brauchte oder wollte. Aber sie war auch keine dahergelaufene Dirne ...

Sobald er wieder in Bitterlee wäre, würde er Charles Penyngton damit beauftragen, eine passende Frau für ihn zu finden – eine englische Edelfrau.

„Euren Teller, Mylord?“ fragte Cristiane leise. „Ich werde sie unten am Fluss abwaschen.“

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne erleuchteten ihre Augen, während sie sprach. Obwohl ihre dichten Wimpern eher dunkel waren, ließ die Sonne die Wimpernspitzen golden erstrahlen. Während sie seine Antwort erwartete, suchte sie seinen Blick, obschon sie ihn eher schüchtern ansah, als wüsste sie, dass er sie für unzureichend befand.

Adam stand auf und reichte ihr seinen Teller. Dann humpelte er langsam Richtung Wald. Er musste sich wichtigeren Dingen zuwenden als Cristianes langen Wimpern oder ihren weichen, zartroten Lippen.

Penyngton hatte in den vergangenen Wochen wiederholt geäußert, dass in Bitterlee eine Burgherrin fehlen würde. Die kleine Margaret brauchte außerdem eine Mutter. Adam war bewusst, dass in diesem Punkt niemand seine Gemahlin ersetzen konnte, obwohl Rosamund sich nicht besonders um ihr Kind gekümmert hatte.

Wie dem auch sei, sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass seine kleine Tochter eine Person brauchte, die sich wie eine Mutter um sie kümmerte – die ihre Fehler hinnahm und sie mit Güte und Nachsicht erzog. Und solange es die richtige Person noch nicht gab, wollte er sich selbst um sein Kind kümmern.

Wusste er doch, dass Margarets Leben von seiner Zuwendung abhing.

Seit Rosamunds Tod war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst, mit großen, hohlen Augen. Der Amme Mathilde war es offenbar nicht gelungen, das Mädchen aus seiner lähmenden Trauer zu befreien, in die es sich ganz zurückgezogen hatte. Die kleine Margaret verließ nur dann ihre Kammer, wenn sie die Burgkapelle aufsuchte, um sich dort in stundenlangen Gebeten zu verlieren.

Man musste nicht viel über Kinder wissen, um zu verstehen, dass das Gebaren nicht dem gewöhnlichen Verhalten eines fünfjährigen Kindes entsprach. Sobald er wieder in Bitterlee war, würde er versuchen, vieles zu ändern.

In Gedanken versunken, humpelte Adam zurück ins Lager, wo seine Gefährten gerade ihre Decken in der Nähe des Feuers ausrollten.

„Ist Lady Cristiane schon vom Fluss zurückgekehrt?“

„Nein, Mylord“, erwiderte Sir Raynauld. „Ich wollte gerade zum Ufer gehen, um mich zu vergewissern, dass ihr nichts zugestoßen ist.“

„Bemüht Euch nicht“, sagte Adam. „Ich werde selber nachsehen.“

Während er den Pfad hinunterging, der zum Fluss führte, kreisten seine Gedanken erneut um seine Tochter und um Cristiane Mac Dhiubh, zu der er sich ungewollt hingezogen fühlte. Plötzlich entdeckte er sie unweit des Flussufers. Sie stand reglos da und blickte in die untergehende Sonne, ihr Rock wehte leicht im Abendwind. Mit einer Hand hielt sie ihr Haar zurück, die andere Hand hatte sie ausgestreckt.

Unmittelbar vor ihr stand ein Rotwild, das ihre Fingerspitzen mit seiner Nase berührte.

3. KAPITEL

Adam rührte sich nicht.

Gebannt von dem Anblick, stand er still da und sah, wie das Reh an Cristianes Hand schnupperte und ihre Finger ableckte. Die junge Frau sprach leise auf das Tier ein, doch Adam verstand ihre Worte nicht. Dann drehte sie die Hand und kraulte das Reh sanft am Kinn.

Plötzlich hob das Tier den Kopf und entdeckte Adam. Er sah, wie ein heftiger Schrecken das Reh durchzuckte, bevor es davonlief.

Erst jetzt fiel ihm auf, dass er den Atem angehalten hatte.

„Ah, Mylord“, sagte Cristiane, als sie sich umdrehte, um zu sehen, warum das Tier verscheucht worden war. „Ich war gerade im Begriff ...“

„Lady Cristiane“, sagte er verblüfft, „das war eben ein Reh. Ein Reh, das vor Euch stand und Eure Hand berührte ...“

„Ja.“ Cristiane ging in die Hocke, um ihre Hände im Fluss zu waschen. „Es war noch ein junges, zutrauliches Tier und ein ausgesprochen hübsches dazu.“

Adam war wie vom Donner gerührt. Das Tier hatte doch die Flucht ergriffen, als es ihn gesehen hatte. Ob nun jung oder alt, er hatte noch nie gehört, dass ein wildes Reh sich einem Menschen in dieser Weise näherte. Wie hatte Cristiane das Tier nur angelockt?

„Mylady“, sagte er. Doch in diesem Augenblick stand sie auf und sah ihn mit ihren klaren blauen Augen an. Und er vergaß, was er eigentlich sagen oder fragen wollte.

Sie empfand es als äußerst angenehm, von einem gut aussehenden, wohl erzogenen Mann zurück zum Lager gebracht zu werden. Die Ritter hatten ihr ein behagliches, geräumiges Zelt aufgestellt, und Graf Bitterlee erklärte, dass sie ursprünglich davon ausgegangen waren, sie und ihre Mutter nach Bitterlee und später nach York zu bringen.

Cristiane machte es sich in ihrer Unterkunft für die Nacht bequem. Sie dachte an ihre Mutter und hoffte inständig auf bessere Zeiten.

Am nächsten Morgen war es warm und sonnig. Wie am Tag zuvor ritt die kleine Schar weiter nach Süden, und Cristiane saß wieder im Damensitz vor Graf Bitterlee auf dem Pferd. Immer wenn er nach unten schaute, war sie sich sicher, dass er ihre bloßen Füße bemerkte, die unter ihrem Rocksaum zum Vorschein kamen. Zumindest sind sie jetzt sauber, dachte sie, doch sie schämte sich nach wie vor, kein Schuhwerk zu haben.

Selbst die Schuhe hatte man ihr in St. Oln genommen, zusammen mit anderen dürftigen Habseligkeiten. Es hätte ihr nicht viel ausgemacht, doch nun würde sie in Bitterlee ankommen und nicht viel besser aussehen als eine arme Leibeigene. Sie war nie sonderlich stolz gewesen, aber nun litt sie unter dem ärmlichen Aussehen. Allerdings wusste sie keinen Weg, sich Schuhe zu besorgen.

Der Tag verlief ohne Zwischenfälle, obwohl der Regen den Reitern zusetzte, als sie weiter nach Süden kamen. Ab und zu ritten sie entlang der Steilküste und blickten auf die offene See. Dann wiederum führte der Weg sie durch bewaldete Landstriche, in denen Cristiane sich an dem frischen Frühlingsgrün erfreute und die Tiere beobachtete, die vor den menschlichen Eindringlingen flüchteten.

Als die Dämmerung anbrach, hoffte sie, dass die Ritter bald halten würden, um ein Lager aufzuschlagen, denn sie war müde, und es regnete erneut. Ihr Rücken und ihre Beine schmerzten von dem langen Tag hoch zu Ross. Schließlich erreichten sie ein Wirtshaus mit einer Ansammlung von Hütten.

Sie hoffte, dass Graf Bitterlee beabsichtigte, die Nacht hier zu verbringen. Als sie in den kleinen Hof ritten, sahen sie, dass bereits eine Anzahl Pferde dort festgebunden war. Den Stimmen aus der Schenke nach zu urteilen, musste das Wirtshaus gut besucht sein. Der Graf stieg ab und half Cristiane vom Pferd.

„Soll ich mich nach einer Unterkunft erkundigen, Mylord?“ fragte Sir Elwin, als er sein Reittier an einem Pfosten anband.

Sein Herr nickte ihm zu. „Bleibt dicht bei mir“, sagte er zu Cristiane. „Hier im Grenzgebiet ist es gefährlich. Besonders für Euch, aber auch für uns.“

Die junge Frau nickte. Entlang der Grenze nach Schottland waren feindselige Auseinandersetzungen an der Tagesordnung, und obwohl sie sich auf englischem Boden befanden, mussten sie davon ausgehen, dass niemandem zu trauen war. Jetzt wünschte sie sich, dass sie unterwegs im Freien Halt gemacht hätten, mit der Aussicht auf eine weitere, ruhige Nacht im Zelt. Unter freiem Himmel hätte sie sich sehr viel sicherer gefühlt.

Doch sie fand sich damit ab, die Nacht hier zu verbringen, und hielt sich dicht hinter Graf Bitterlee, als die Ritter das Wirtshaus betraten, aus dem raue Stimmen drangen.

Unwillkürlich fröstelte Cristiane. Beschützend legte Adam ihr den Arm um die Schultern und zog sie näher an sich. Das engmaschige Kettenhemd hätte sich kalt anfühlen müssen, doch sie spürte die Wärme des Grafen selbst durch die Rüstung.

Es war lange her, dass sie sich derart beschützt gefühlt hatte. Seit dem plötzlichen und gewaltsamen Tod ihres Vaters hatte ihr niemand mehr in schwierigen Lebenslagen beigestanden. Und als ihre Mutter erkrankt war, hatte sie ganz allein dagestanden. Schnell blinzelte sie die Tränen weg, die ihr in die Augen getreten waren, als sie an früher dachte. Jetzt fühlte sie sich in dem kraftvollen Arm des zuvorkommenden Grafen geborgen.

„Mylord“, sagte Sir Elwin, „hier sind eine Menge rauer Gesellen. Ich halte es nicht für klug, Lady Cristiane in die Schenke zu bringen.“

„Sind Kammern für die Nacht zu haben?“ fragte er und warf seiner Begleiterin einen raschen Blick zu. Sie war durchnässt und zitterte.

„Nur eine“, erwiderte der Ritter mit einem Seufzer. „Ich bat den Wirt, die Kammer für uns zurückzuhalten.“

Graf Bitterlee nickte. „Gibt es hier einen Hintereingang?“

„Durch die Küche, Mylord“, antwortete Sir Elwin. „Es müsste uns gelingen, Lady Cristiane ins Haus zu bringen, ohne dass es jemand mitbekommt.“

Mit einem sanften Druck seiner Hand gab der Graf ihr zu verstehen, Sir Elwin zu folgen. Er selbst ging hinter ihr her, während Sir Raynauld sich um die Pferde kümmerte.

Die Küche war verräuchert, und verschiedenste Gerüche hingen in der Luft. Der Rauch vermengte sich mit dem Duft von Speisen, altem Bratfett und Bierdunst. Eine lärmende Horde hatte sich in der Schankstube breit gemacht. Betrunken klingende Männerstimmen riefen aufgeregt zu einem bevorstehenden Beutezug auf.

„Wir müssen die Treppe bei der Schankstube nehmen, Mylord“, erklärte Elwin mit gedämpfter Stimme. „Das ist die einzige Stelle, wo Lady Cristiane den Blicken der Gesellen ausgesetzt ist. Aber es gibt keine andere Möglichkeit, um nach oben zu gelangen.“

„Wir halten sie in unserer Mitte, damit sie niemand sehen kann“, sagte Graf Bitterlee. „Rasch, Mylady.“

Er schirmte sie gegen die johlende Menge ab, aber irgendjemand hatte sie bemerkt und verkündete sofort lauthals die Neuigkeit. Cristiane verspürte Angst, als Adam sie auf den letzten Stufen zu äußerster Eile antrieb. Dann drehten Elwin und er sich auf der Treppe um und zogen die Schwerter.

Vier Männer stürzten sich mit gezückten Klingen auf sie, aber der Graf versetzte dem ersten Angreifer einen heftigen Tritt gegen die Brust und beförderte ihn zusammen mit zwei anderen die Treppe hinunter. Er wollte gerade die Stufen hinaufeilen, als weitere Zecher sie angriffen.

Elwin und Adam zückten die Schwerter. Die Männer stöhnten auf und fluchten, als Blut floss.

Cristiane stand wie gelähmt am oberen Treppenabsatz. Sie konnte weder vorwärts noch rückwärts gehen, denn vor ihren Augen schien sich der Kampf zu wiederholen, in dem ihr Vater einst sein Leben gelassen hatte. Sie fühlte sich schwach und schwindelig. In ihren Ohren summte und brummte es, und der Lärm des Kampfgeschehens unter ihr schwand aus ihrer Wahrnehmung.

Sie war gelähmt vor Angst und fühlte nichts mehr.

Damals hatte sie in der elterlichen Burg von einem dunklen Winkel des Treppenaufgangs aus beobachtet, wie ihr Vater verzweifelt versucht ...

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