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Heroes Reborn - Folge 4

Inhalt

  1. Cover
  2. Heroes Reborn – Event Serie
  3. Folge 4: Hetzjagd
  4. Der Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. Hetzjagd
  8. LESEPROBE – Heroes Reborn – Folge 5

Heroes Reborn – Event Serie

Die vierte Folge der neuen eBook-Serie »Heroes Reborn«, die auf den faszinierenden Charakteren und der reichhaltigen Mythologie der weltweit erfolgreichen NBC-Serie »Heroes« sowie der lang erwarteten Fortsetzung »Heroes Reborn« basiert.

Die neue Staffel setzt fünf Jahre nach dem Finale der vierten Staffel ein, in einer Welt, in der Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gefürchtet, verfolgt und angegriffen werden.

Die eBook-Folgen 2-6 erzählen abgeschlossene Geschichten von Menschen und Evos und erweitern somit das Heroes Reborn Universum. Die einzelnen Folgen können unabhängig und in beliebiger Reihenfolge gelesen werden.

Folge 4: Hetzjagd

Die Tragödie, die das ganze Land erfasst hat, nahm ihnen auch ihren Sohn, und jetzt reisen sie auf der Suche nach jenen, denen sie die Schuld an seinem Tod geben, durch das Land. Ihr Ziel lässt sich mit einfachen Worten beschreiben: Sie wollen sie alle umbringen.

Der vierte Teil der »Heroes Reborn«-eBook-Serie aus sechs kurzen Thrillern, die auf den faszinierenden Charakteren und der umfangreichen Geschichte der weltweit erfolgreichen NBC-Fernsehserie »Heroes« sowie der mit Spannung erwarteten Fortsetzung »Heroes Reborn« basiert. Die neue Staffel beginnt fünf Jahre nach dem Finale der Originalserie und dreht sich erneut um Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die in einer unsicheren und gefährlichen Welt leben, in der sie gefürchtet, gejagt und angegriffen werde.

Der Autor

Duane Swierczynski hat zahlreiche Krimis geschrieben, darunter auch »Fun and Games«, den ersten Teil der Charlie-Hardie-Trilogie (in Deutschland als »Der Bewacher« erschienen), der mit dem »Shamus Award« ausgezeichnet wurde, sowie den Roman »Expiration Date« (deutsch: »Alte Feinde«), der für den »Edgar« nominiert und mit dem »Anthony Award« ausgezeichnet wurde. Ferner stamen aus seiner Feder zahlreiche Comics, darunter »Judge Dredd«, »The Punisher«, »Godzilla Birds of Prey«, »Godzilla« und »Black Widow«. Er hat außerdem zusammen mit dem CSI-Schöpfer Anthony E. Zuiker eine Reihe von erfolgreichen »Digi-Novels« veröffentlicht, wie z.B. »Level 26: Dark Origins«, »Dark Prophecy« und »Dark Revelations«.

 

Eine Familie, die zusammen mordet, bleibt zusammen.

Volkstümliches Sprichwort

 

LUKE
ist stinksauer, weil der Verkehr die Hölle ist. Vor ihnen erstreckt sich ein schimmerndes Meer aus Autos, die ganze I-75 entlang bis zum Horizont, als wollten alle direkt in die Sonne fahren.

Das ist unerwartet, so viel sollte eigentlich nicht los sein, zumindest nicht zu dieser Tageszeit. Luke kneift die Augen zusammen und versucht zu erkennen, wo das Problem liegt. Haben sie eine Spur wegen Bauarbeiten gesperrt? Gab es einen Unfall? Oder ist gar etwas noch Schlimmeres passiert?

Luke sitzt nur am Steuer, weil Joanne immer noch der Unterkiefer wehtut. Normalerweise fährt sie lieber selbst. Aber Luke fand das unklug, wenn sie das Lenkrad nur mit einer Hand festhalten kann, während sie sich mit der anderen den Eisbeutel gegen das Gesicht drückt.

»Ist alles okay?«, erkundigt er sich.

»Kannst du dieses Chaos nicht umfahren?«, fragt sie. »Wir sollten hier nicht festsitzen.«

»Ich komme hier aber nicht raus.«

Luke wünscht sich aus mehreren Gründen, dass sich der Verkehr wieder in Bewegung setzt. Einerseits müssen sie wirklich so schnell wie möglich nach Atlanta kommen. Andererseits hätte er dann auch etwas zu tun und müsste die Szene nicht immer wieder vor seinem inneren Auge sehen und sich fragen, ob ihnen irgendetwas entgangen ist.

Das Gedächtnis ist manchmal trügerisch. Nach einer Weile kann man sich nicht mehr sicher sein, ob man einige Details hinzudichtet und andere weglässt. Schon jetzt sind seine Erinnerungen an diese verrückten zehn Minuten im Haus der Shelbys uneinheitlich.

Die davon hervorgerufene Unsicherheit bewirkt, dass er wie besessen von jedem noch so winzigen forensischen Detail ist. Er kann einfach nicht anders, Details bedeuten ihm nun einmal alles. So war es schon immer gewesen. Die kleinen Dinge zu sehen, die allen anderen entgehen, darauf baut sein Erfolg nun einmal seit jeher auf. Einige seiner Patienten kommen lieber zu ihm, als zu einem Hausarzt zu gehen, haben sie ihm erzählt. Falls im restlichen Körper irgendetwas nicht in Ordnung ist, kann Luke es schon anhand der ersten Anzeichen im Mund erkennen. Er ist gewissermaßen ein moderner Zeichendeuter mit Lastschrifteinzug. Ein Zahndeuter sozusagen.

Aber wie hilft ihm sein Auge fürs Detail jetzt weiter? Denk nach, Kumpel! Du kannst das besser. Du steckst im Verkehr fest.

Die Frau – hat sie einen von ihnen gebissen? Ihn mit ihren Fingernägeln am Arm gekratzt?

Ist Luke in die Essensreste getreten und hat einen Stiefelabdruck hinterlassen?

Gut, sie hatten alles in Brand gesteckt. Aber würde das Feuer ausreichen, um all die Spuren jener, die sie zurückgelassen haben, zu verwischen?

Der Wagen ruckt ein Stück weit nach vorn und bleibt dann wieder stehen. Danach geht es einige Meter weiter und kurz darauf noch ein paar, als würde die Kolonne langsam wieder an Fahrt gewinnen. Luke schöpft Hoffnung. Es geht weiter. Endlich. Aber ohne Vorwarnung werden die Bremslichter des Autos vor ihm wieder rot, und Luke tritt etwas zu fest auf die Bremse. Joanne wird auf ihrem Sitz herumgeschüttelt und reißt automatisch eine Hand hoch zu ihrem Mund.

»Au!«

»Entschuldige.«

Sie kriechen einige Meter weiter, bevor sie wieder zum Stillstand kommen. Das ist doch verrückt. Das Fegefeuer auf dem Asphalt. Luke hat langsam das Gefühl, dass es niemals enden wird.

»Ich habe nachgedacht«, sagt er langsam.

»Worüber denn?«

»Ob wir etwas vergessen haben. Im Haus der Shelbys, meine ich.«

»Was meinst du mit ›vergessen‹?«

Luke hört ihr deutlich an, dass sie genervt ist. Sie hasst es, wenn er um den heißen Brei herumredet. Also kommt er direkt auf den Punkt und spricht es einfach aus.

»Ich meine, ob wir forensische Beweise hinterlassen haben. Beispielsweise ein Haar oder Haut unter den Fingernägeln.«

»Die Schlampe hat mich nicht gekratzt. Sie hat nur einen Glückstreffer hinbekommen.«

Diese Minuten waren der reinste Irrsinn gewesen, so viel steht fest. Sie hatten ursprünglich vorgehabt, die Shelbys direkt vor dem Abendessen zu erwischen. Wenn uns jemand umbringen wollte, wann würde er das dann tun, hatte Joanne gefragt, und Luke hatte sofort gewusst, worauf sie hinauswollte. Der beste Moment, um ein abgelenktes, kinderloses Paar umzubringen, ist in der abgehetzten Zeitspanne zwischen ihrer Heimkehr von der Arbeit und dem Zubereiten des Essens.

Daher hatten sie die Shelbys mehrere Tage lang beobachtet, bis sie deren genauen Tagesablauf kannten. Beide kamen zwischen 17:45 und 18 Uhr nach Hause. Die Frau machte dann immer eine Flasche Wein auf oder mixte Martinis, während sich der Mann um das Essen kümmerte, was bedeutete, dass er entweder was aus der Tiefkühltruhe holte und in der Mikrowelle aufwärmte oder online etwas bestellte. Das alles hieß wiederum, dass das Essen entweder innerhalb von zehn Minuten fertig war oder frühestens um 18:30 Uhr geliefert wurde. Somit hatten sie ein großzügiges Zeitfenster, vor allem, wenn man bedachte, dass die meisten Morde selten länger als zehn Sekunden dauerten.

Früher an diesem Abend hatten sie festgestellt, dass heute Wein und Mikrowellenessen auf dem Programm standen. Joanne hatte an die Haustür geklopft und sich die größte Mühe geben, wie eine besorgte Nachbarin auszusehen, während Luke zur Terrasse ging, die sich zwischen dem Poolbereich und der Küche erstreckte. Erst die Ablenkung und dann der Mord.

Der Mann war der Evo. Gerüchten zufolge konnte er die Strahlung von Mikrowellen, Handys und Drahtlossignalen beeinflussen. Er beeindruckte gern andere auf Cocktail- und Grillpartys mit seiner Fähigkeit, und so hatten Luke und Joanne auch davon erfahren. (Protipp: Wenn du ein Evo bist, dann gib nicht vor deinen Freunden an, die ein Facebook-Konto haben, auch wenn du dich für unglaublich cool hältst.)

Und da stand er dann vor seiner hochmodernen Küchenzeile und hielt die Hände über ein gefrorenes Fertiggericht, das auf der Arbeitsplatte lag. Er sah mit seinen geschlossenen Augen und den leicht zitternden Händen aus wie ein Wunderheiler, der seinem Essen Dämonen austreiben wollte. Das Unheimliche dabei war, dass das Essen unter seinen Händen kochte. Die Plastikabdeckung bebte, die Soße blubberte. Luke konnte den duftenden Käse sogar durch das geschlossene Fenster hindurch riechen. Er sah auch die Packung auf der Arbeitsplatte liegen und bemerkte, dass es an diesem Abend etwas Vegetarisches gab. Nudeln, Brie und Spargel. Vermutlich wollten sie nicht dicker werden, schätzte er. Tja, diesen Kampf würden sie gewinnen und kein einziges Gramm mehr zunehmen. Schließlich würden sie gleich tot sein.

Anfangs war alles so gelaufen wie geplant. Joanne hatte angeklopft und die Frau abgelenkt, die zur Haustür gekommen war. In dem Augenblick, in dem sie losging, schlich Luke zur Terrassentür und erschreckte Mr. Mikrowelle, dessen Hände vom Tiefkühlgericht zu einem anderen Teil der Arbeitsplatte wanderten, dessen Oberfläche sich sofort kräuselte.

Luke hob seine Waffe und feuerte zwei Mal auf die Brust des Mannes, bevor dieser überhaupt daran denken konnte, seine Hände hochzuheben und die Hitze in Lukes Richtung zu leiten.

Der doppelte Einschlag der Kugeln ließ den Mann nach hinten taumeln. Er griff nach seinem halb garen Abendessen, als könne es ihn retten. Seine Finger erwischten den Rand der Plastikschale und zogen sie herunter, sodass die kalten Nudeln und der geronnene Brie durch die Luft segelten. Derweil schlug er sich im Fallen den Kopf am Rand der Resopalarbeitsplatte an und landete dann in den Überresten seines geplanten Abendessens.

Das Essen ist fertig, Schatz.

Mrs. Shelby war jedoch geistesgegenwärtiger als ihr Mann. Sie hatte die Haustür gerade geöffnet, als die Schüsse fielen. Sie hatten eigentlich geplant, dass Joanne der Frau ebenfalls zwei Schüsse in den Oberkörper jagte. Doch bevor Joanne auch nur die Waffe heben konnte, knallte die Frau ihr die Tür vor der Nase zu. Joanne drückte trotzdem den Abzug und schoss durch die Tür, obwohl sie nicht wusste, ob sie ihr Ziel überhaupt traf.

Dann senkte sie die Waffe, zerstörte das Türschloss und trat die Tür ein.

Mrs. Shelby erwartete sie bereits.

Sie schlug Joanne die Waffe mit einer Hand aus den Fingern und landete danach einen Glückstreffer auf Joannes linker Wange. Die wurde dadurch erst so richtig wütend und wollte diese Evos-schützende Schlampe jetzt um jeden Preis umlegen.

Aber Luke hatte die Entfernung zwischen Küche und Wohnzimmer bereits zurückgelegt und Mrs. Shelby mit einem Schuss in die Brust und einem weiteren in den Kopf – nur, um ganz sicherzugehen – ausgeschaltet. Soweit sie wussten, besaß Mrs. Shelby keine Fähigkeiten. Das konnte aber auch nur bedeuten, dass sie besser darin war, diese zu verbergen.

Fünf Minuten später stand das Haus in Flammen, und Luke und Joanne entfernten sich vom Tatort … um im Stop-and-go-Verkehr auf der I-75 zu landen.

Daher hat Luke den Doppelmord noch genau im Kopf, als sie sich im Schneckentempo über den Highway bewegen. Er spürt wegen der Shelbys keine Reue. Selbst wenn sie sehr nette Menschen waren, ändert das nichts an der Tatsache, dass sie eine viel zu große Gefahr darstellten und nicht am Leben bleiben durften.

Doch da das Ganze nicht so abgelaufen ist wie geplant, geht er jeden Moment immer wieder durch. Ist er in seiner Eile in die Brie- und Nudelpampe auf dem Linoleumboden getreten, als er versucht hat, schnell zu der Frau zu kommen? Hat er möglicherweise einen auswertbaren Schuhabdruck hinterlassen, der die Polizei zu ihm führen kann?

(Nein, das Feuer hätte doch alle Spuren beseitigt … oder etwa nicht?)

Wieder und wieder geht er alles durch, bis ihn die Panik in Joannes Stimme plötzlich aus seinen Gedanken reißt.

»Ach, verdammt«, sagt sie.

»Was ist denn?«

Er reckt den Hals, um weiter die Straße entlangsehen zu können, aber seine Sicht wird durch einen Lieferwagen versperrt.

»Was ist? Ich kann nichts …«

»Eine Polizeikontrolle.«

»Scheiße. Jetzt schon? Wie ist das möglich?«

»Beruhige dich«, meint sie. »Wir wissen doch noch gar nicht, ob sie nach uns suchen.«

»Soll ich versuchen, eine Ausfahrt zu nehmen?«

Joanne sieht ihn spöttisch an. »Hier gibt es keine Ausfahrt. Außerdem würde uns das doch nur verdächtig machen, denkst du nicht auch? Wir können nicht einfach panisch zur nächstbesten Ausfahrt rasen.«

»Aber wenn einer von uns aufs Klo muss … Ach, verdammt. Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut.«

»Würdest du dich bitte beruhigen?«

Als die dem Kontrollpunkt langsam näher kommen, den Luke inzwischen auch sehen kann, gelingt es ihm beim besten Willen nicht, ruhig zu bleiben. Das Positive daran ist, dass er nicht länger wie ein Besessener an den Tatort denkt.

Stattdessen grübelt er darüber nach, wie er der Überprüfung entrinnen kann. Es gibt natürlich immer die Möglichkeit, einfach aufs Gaspedal zu treten und sich den Weg freizurammen, in der Hoffnung, dass keine Nagelsperre auf dem Boden liegt. Man kann auch versuchen, mit Waffengewalt hindurchzugelangen, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Polizei mehr und besser bewaffnete Männer vor Ort hat.

Oder er ergibt sich einfach und lässt sich verhaften. Aber das ist eigentlich keine Option, denn so würde er zugeben, dass alles – eingeschlossen seiner Ehe – endgültig vorbei ist. Dieser Road Trip ist ohnehin schon das Einzige, was sie noch zusammenhält.

»Wir müssen irgendetwas tun«, sagt Luke.

»Warte, bis wir näher dran sind«, erwiderte Joanne. »Dann wissen wir, womit wir es zu tun haben.«

»Wir haben es mit der Polizei zu tun, falls du das noch nicht gemerkt hast.«

Aber als sie näher kommen, stellen sie fest, dass dem nicht so ist. Okay, im Grunde genommen ist es das Atlanta PD, das den Verkehr anhält und jeden dritten oder vierten Wagen unter die Lupe nimmt. Man kann es nicht genau vorhersagen, welchen es erwischt, da die Auswahl offenbar zufällig getroffen wird.

Aber jeder Polizist wird von einem Arbeiter begleitet, der wie ein Laborassistent gekleidet ist und einen Behälter mit sterilen Wattestäbchen in der Hand hält. Der Fahrer kurbelt das Fenster herunter, der Laborassistent reicht ihm und allen weiteren Passagieren das Wattestäbchen, bekommt es kurz darauf zurück und sieht sich das Ergebnis an. Der Test ist schnell ausgewertet.

Sie wollen herausfinden, ob einer der Menschen, die gerade auf dem Highway unterwegs sind, ein Evo ist.

»Was machen die da?«, will Joanne wissen.

»Darüber habe ich schon mal was gelesen«, erwidert Luke. »Sie haben in Großstädten damit angefangen, aufs Geratewohl nach Evos zu suchen.«

»Das können sie jetzt schon rausfinden, indem sie dir ein Wattestäbchen in den Mund stecken?«

»Ja. Ich wünschte, wir könnten uns eins dieser Testkits unter den Nagel reißen. Das würde unseren Job deutlich erleichtern.«

Er sagt Job, als würden sie sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Auf gewisse Weise tun sie das auch.

Sie fahren weiter, immer drei Wagenlängen vorwärts, dann eine, dann wieder drei, da die Polizei einige Wagen weiterfahren lässt. Vermutlich sollen sie nach dem Zufallsprinzip vorgehen, aber Luke erkennt bereits, dass sie in ein bestimmtes Muster fallen. Rasch zählt er die Wagen vor ihnen und begreift, dass sie höchstwahrscheinlich gar nicht überprüft werden.

Genauso kommt es auch. Sie dürfen weiterfahren, ohne den Test mit dem Wattestäbchen zu machen oder auch nur prüfenden Blicken ausgesetzt zu sein. Niemand schöpft Verdacht. Ein Polizist winkt sie einfach weiter. Luke starrt die Schachteln mit den Evo-Tests an, die am Straßenrand gestapelt sind, und wünscht sich, er könnte eine oder zwei davon mitnehmen.

Sie fahren weiter den Highway entlang, und Luke hat sich ganz umsonst Sorgen gemacht, dass sie verhaftet werden könnten.

Aber es geht ja nicht nur darum, frei zu bleiben.

Sie brauchen ihre Freiheit vielmehr, um ihr nächstes Ziel zu finden.

DIE ZIELPERSON
kommt zu spät zur Arbeit.

Wieder einmal.

Sie weiß nicht, dass sie die Zielperson ist. Ihrer Meinung nach ist sie nur eine weitere 16-jährige Highschoolschülerin, die, wenn sie nicht innerhalb der nächsten paar Minuten ein Wunder bewirkt, sich in absehbarer Zukunft einen neuen Job suchen muss, um sich nach der Schule etwas hinzuzuverdienen.

Mr. Baraniuk hat das bei ihrer letzten »Mitarbeiterbesprechung« ganz klar zum Ausdruck gebracht. (Anmerkung: Irgendwie scheint sie alle sechs Wochen zu einer »Mitarbeiterbesprechung« zitiert zu werden.) Wenn sie noch ein Mal zu spät kommt, und sei es auch nur eine Minute, dann ist sie gefeuert. Und eine Empfehlung kann sie sich dann auch an den Hut stecken.

Jetzt sind es genau sechzig Sekunden, bis Mr. Baraniuk sie vor sich stehen sehen will, bereit, sich die Schürze umzubinden und den Arbeitern und Touristen, die an der Euclid Avenue entlangkommen und Lust auf Süßigkeiten haben, Bonbons zu verkaufen.

Baraniuks Süßwarengeschäft liegt im berühmten Arcade Building von Cleveland, das 1890 als erstes Einkaufszentrum Amerikas gebaut wurde. (Das stimmt sogar, denn die Zielperson hat im letzten Jahr in der Schule einen Aufsatz darüber geschrieben.) Die Arcade gehört zu den Dingen, die ihr an der Stadt am besten gefallen – allerdings nicht, wenn sie mal wieder spät dran ist. Das vierstöckige prunkvolle viktorianische Gebäude mit den vier Balkonen und dem Oberlicht kann man eigentlich nur bestaunen. Es ist einer der wenigen wunderschönen Orte in Cleveland.

Das einzige Problem, das dieses jahrhundertealte Wunder hat, ist, dass es nur zwei Eingänge gibt, einen an der Euclid und den anderen an der Superior.

Genau in diesem Moment, fünfundfünfzig Sekunden, bevor sie offiziell zu spät zur Arbeit erscheint und deswegen gefeuert wird, ist die Zielperson von beiden Eingängen gleich weit entfernt.

Sie sitzt in der Tinte.

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