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Herausforderung Liebe

Herausforderung Liebe

Ich saß im 69. Wie so oft. Von dieser Kneipe hatte mir mein Freund Markus erzählt. Hier fand man noch anständige Kerle hatte er gesagt, weil er dachte, ich wäre auch so einer: ein anständiger Kerl. Der eben auch einen ähnlich anständigen Kerl suchte. Dabei hatte ich meine Anständigkeit schon lange irgendwo in diversen Betten diverser Männer verloren. Ich war zu einem Abenteurer geworden, der nichts anbrennen ließ. Ich war charmant, witzig, redegewandt – das kam bei den Männern gut. Im Flirten hätte ich jeden Preis gewonnen, wenn es einen Wettbewerb hierzu gegeben hätte. Deswegen war es auch egal, dass meine rein optischen Qualitäten zu wünschen übrig ließen. Als Model für den nächsten Schwulenkalender hätte ich nicht posieren können. Meinen Eltern gab ich die Schuld daran, genauer: ihren Genen. Beide waren sehr hager und groß gewesen. Zu Schulzeiten hatten mir die süßen, unschuldigen Jungs und Mädels immer Suppenkasper hinterhergerufen, gefolgt von schallendem Gruppengelächter. Dabei hatte ich immer viel gegessen, aber mein Stoffwechsel arbeitete auf Hochtouren, da kam ich mit dem Essen gar nicht hinterher.

Kein Wunder also, dass es mich immer zu gegensätzlichen Männern hinzog. Genau zu solchen, die so aussahen, wie ich aussehen wollte. Bernd war mir ins Auge gefallen. Zum dritten Mal war ich heute hier, in dieser Kneipe, die sich von jeder Schwulenbar, die ich kannte, deutlich unterschied. Die Einrichtung war alt und nicht hip, die Sitzflächen der hölzernen Barhocker abgewetzt, an den Wänden hingen Bilder von alten Musiklegenden. Die Musik, die gespielt wurde, war eine Mischung aus Hip-Hop und Jazz, immer melodisch, außergewöhnlich atmosphärisch und beinahe nostalgisch.

Hier tummelte sich alles und jeder: homo, hetero oder noch unentschlossen. Ich gehörte zur ersten Gruppe, denn ich war schwul. Hundertprozentig. Das wusste ich schon seit …

Seit immer vermutlich.

Mein Blick wanderte auf das Glas, das vor mir auf dem Tresen stand. Ich trank gerne einen guten Rotwein, so auch heute. Ich nahm einen Schluck und ließ meinen Blick wieder zu Bernd wandern. Bernd war der Traum jedes schwulen Mannes: groß, dunkelhaarig, muskulös, markantes, männliches Kinn, gepflegte Haut, gepflegte Kleidung – es reichte mir schon, ihn mir nur anzusehen. Und genau deswegen war ich hier: ich wollte ihn aus der Ferne bewundern. Wie immer saß ich gut fünf Meter entfernt von ihm und genoss es, in Tagträumen zu versinken. Normalerweise endete der Abend dann damit, dass ich irgendeinen Kerl anquatschte, zu ihm nach Hause oder ins Hotel ging, die Nacht mit ihm verbrachte und mir dabei vorstellte, es wäre Bernd. Ziemlich erbärmlich, aber dafür war die menschliche Vorstellungskraft doch da, oder nicht? Wenn irgendein Gesichtsloser über mir lag und es mir anständig besorgte, während ich meine Arme um seine Schultern schlang, oder wenn ich auf dem Bett kniete, während er von hinten in mich eindrang … da stellte ich mir immer vor, es wäre Bernd, der mich fickte. Seine starken Arme würden meine Hüften umfassen, sein heißer Atem würde mir in den Nacken …

Bernd sah zu mir her. Nicht zum ersten Mal. Und sofort blickte ich zur Seite. Wurde ich rot? Das war doch gar nicht meine Art! Aber es war mir ein wenig peinlich, mit einem Mann im Geiste zu ficken, ohne mit ihm je zuvor ein Wort gewechselt zu haben. Und das hatte ich tatsächlich noch nie getan, weil ich ein ziemlich aufgeblasener Typ war. Und Bernd war wie die Nadel, die mein aufgeblasenes Ego sofort zum Zerplatzen bringen konnte. Einer wie Bernd würde von jemandem wie mir nämlich nichts wollen, da war ich mir sicher. Schließlich hatte er schon etliche Männer abblitzen lassen, die bei Weitem besser ausgesehen hatten als ich. Als schwuler Mann musste man schon sehr auf sein Äußeres achten, da war die Konkurrenz groß, da durfte man sich nicht gehen lassen. Ich hatte schon oft heterosexuelle Männer bewundert, die sich nicht einmal regelmäßig die Zähne putzten, geschweige denn sich rasierten. Einer meiner heterosexuellen Freunde hatte mir vor kurzem eher zufällig verraten, dass er seine Unterwäsche nur jeden zweiten Tag wechselte! Die Frauen taten mir leid, aber sie waren wohl nichts Besseres gewohnt.

Seit zwei Jahren besuchte ich sogar regelmäßig das Fitnessstudio. Ein paar Gewichte heben, das bringt's sicher, hatte ich mir gedacht. Viel hatte es nicht gebracht, ich war immer noch dünn, aber wenigstens machten meine Arme einen recht stählernen Eindruck.

Seufzend starrte ich wieder zu Bernd, der sich auf sein Guinness konzentriert hatte. Er trank immer dasselbe. Dieses dunkle, herb schmeckende Bier. Wieder sah er auf und ich schluckte. Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, erhob mich, ging mit klopfendem Herzen und meinem halbausgetrunkenen Glas zu ihm hin und setzte mich neben ihn.

»Hey«, sagte ich sehr einfallslos.

Bernd musterte mich interessiert. Das war ein guter Anfang, aber versprach noch keinen Erfolg. Er unterhielt sich in der Regel nämlich mit allen Kerlen, die ihn ansprachen. Er scherzte mit ihnen, lachte, aber am Ende verließ er die Bar immer alleine.

»Ich bin Phil«, sagte ich rasch. »Aber alle nennen mich Phillis.« Ich errötete sofort. Wie konnte man nur so dämlich sein und seinen so verhassten Spitznamen verraten? Phillis war ein Frauenname und jeder nannte mich so, weil ich gerne kochte und backte und auch immer aufräumte und auch ansonsten die perfekte Hausfrau war – wie meine Mutter nie müde wurde anzumerken. Es täten ihr all die Frauen leid, denen ein so toller Kerl, wie ich einer war, entgehen würde! Einer, der das dreckige Geschirr sofort in den Geschirrspüler packte und nie seine Wohnung unaufgeräumt verließ!

»Phillis?«, fragte Bernd. Dann lächelte er, dabei entblößte er zwei weiße Zahnreihen, die Hollywood-Zahnärzte nicht besser hätten hinkriegen können. Ob er mal als Model gearbeitet hatte? Der Durchschnittstyp war doch nicht so attraktiv! ICH war nicht so attraktiv. Mein Herz sank mir bis zu den Knien. Ich war es nicht gewohnt, eine Abfuhr zu kriegen und eine solche würde ich auch sehr, sehr schwer verkraften.

»Ähm, ja, ist ein blöder Spitzname. Und du bist?«

»Du weißt doch sicher, wie ich heiße. Du beobachtest mich seit einem Monat.«

Jetzt wurde ich wieder rot. Und noch ein wenig röter. Dann räusperte ich mich rasch und sagte: »Du bist mir eben aufgefallen.«

»Ich falle jedem Mann hier auf. Und jeder will mich in seinem Bett haben. Ich weiß.«

Noch röter …

»Du bist ziemlich direkt«, sagte ich.

Bernd lächelte und zuckte nur mit den Schultern. »Ich gebe auch jedem eine Chance.

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