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Heißer als jede Flamme

1. KAPITEL

„Ich warne dich, Marco. Keine Skandale mehr! Wenn deine Familie weiterhin in der Klatschpresse für Schlagzeilen sorgt, müssen wir uns leider einen anderen Vertragspartner suchen. Bis Italien sind die Berichte bereits gedrungen! Sogar Ariana liest sie, meine eigene Tochter.“

Marco Dante senkte den Kopf. „Schon gut, Vittorio. Wir wissen leider auch nicht, wieso sich der Snitch so auf uns Dantes eingeschossen hat. Aber ich verspreche dir, ich werde dem ein Ende setzen. Koste es, was es wolle. Du und Vater, ihr wart gute Freunde, privat und geschäftlich. Und jetzt, da wir unseren Schmuck wieder verstärkt auf dem europäischen Markt anbieten wollen, hoffen wir natürlich auf deinen Beistand.“

Bedauernd zuckte Vittorio mit den Schultern. „Natürlich würde ich mich über eine neuerliche Verbindung von Dante und Romano sehr freuen. Aber wir sind sehr eigen und suchen uns unsere Geschäftspartner mit großer Sorgfalt aus. Wenn wir eure Expansionspläne in Europa unterstützen sollen, müsst ihr erst einmal das Problem mit der Presse in den Griff bekommen.“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, war er ins Italienische gewechselt.

Leider bestand die Zusammenarbeit mit den Romanos schon seit vielen Jahren nicht mehr. Damals, nach dem Tod von Marcos Vater, hatte Dante, der erfolgreiche Schmuckhersteller, kurz vor dem Ruin gestanden, wäre da nicht Severo, Marcos Bruder, gewesen. Er hatte, frisch vom College, seinen Verstand und Geschäftssinn eingesetzt und so den Familienbetrieb gerettet. Hierfür hatte er fürs Erste die Firma stärker verkleinern müssen, als ihm lieb war – bis auf das Hauptgeschäft.

Doch in den letzten zehn Jahren war es Sev dank seines hervorragenden Führungsstils gelungen, Dante wieder zu dem Unternehmen zu machen, das es einmal gewesen war. Um wieder zu den Schmuckfirmen von Weltrang zu gehören, fehlte nur noch die Wiedererschließung des europäischen Marktes. Und genau darum kämpfte Marco.

Und dazu war es dringend erforderlich, die Beziehungen zu den Romanos wiederaufzunehmen. Denn in eingeweihten Kreisen kursierte seit mehreren Generationen das geflügelte Wort: „Wohin die Romanos auch gehen – Europa wird es ihnen gleichtun.“ Sie galten beinahe als italienische Aristokraten, und waren Vittorio und Ariana erst für die Dantes gewonnen, dann würde Europa nicht lange auf sich warten lassen. Eine Chance, die Marco zum Greifen nahe vor sich sah.

Die Romanos schätzten das herrliche Design der Kreationen von Dante, für die nur die allerreinsten Edelsteine verwendet wurden: zum Beispiel die legendären Feuerdiamanten, die in den Auslagen keines anderen Juweliers zu finden waren. Doch Vittorio wollte nicht in Skandale verwickelt werden. Wegen der geschmacklosen Artikel im Wochenblatt Snitch über die vier Dante-Brüder kam Marco mit seinen Verhandlungen nicht mehr weiter.

Er klopfte Vittorio auf die Schulter. „Ist schon so gut wie erledigt. Wir werden mit den Presseleuten reden und dich danach mit allem beliefern, was dein Herz begehrt.“ Er streckte ihm die Hand entgegen. „Danke, dass du nach San Francisco gekommen bist. Diesmal hat dich Ariana ja leider nicht begleitet. Meine Familie hätte sich gefreut, sie zu sehen.“

Lachend gab Vittorio ihm die Hand. „Sie ist hübsch, meine Ariana, stimmt’s? Beim nächsten Mal werden wir zu zweit kommen.“

„Oh ja, dann veranstalten wir ein Familientreffen.“

Eccellente. Ich freue mich schon darauf. Wie ich gehört habe, ist Severo mit Francesca Sommers, eurer neuen Designerin, liiert. Bitte übermittle dem jungen Paar meine besten Wünsche.“

Dann wandte Vittorio sich um und ging rasch auf die große mit Ornamenten verzierte Glastür zu, um das Bürogebäude der Dantes zu verlassen. Galant hielt er einer jungen Frau die Tür auf. Dann war er auch schon weg. Was Marco allerdings nicht mehr mitbekam, da er nur noch Augen für diese Frau hatte. Wie angewurzelt stand er da, und plötzlich beherrschte ihn ein einziger Gedanke: Ich muss diese Frau kennenlernen. Sie soll mir gehören, mir allein.

Ohne zu zögern, gehorchte er diesem inneren Befehl und ging wie unter Zwang auf sie zu. Die Sonne schien durch die getönten Fensterscheiben in die dreigeschossige Eingangshalle, deren stilvolle Dekoration neben der schönen Unbekannten im Lichtkegel zu verblassen schien. Ihr schwarzes Haar glänzte wie Ebenholz, und ihr Teint schimmerte hell und rein.

Um die Glasskulptur zu betrachten, die von der Decke herunterhing und lodernde Flammen darstellte, legte sie den Kopf in den Nacken. Dabei fiel ihr das Haar in schweren Wellen über den Rücken, und Marco musste seine ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um sie nicht auf der Stelle in die Arme zu nehmen und mit ihr von hier zu verschwinden.

Sie ging zum Empfangsbereich und fragte etwas. Der Portier warf Marco einen Blick zu und runzelte verwirrt die Stirn. Offenbar war er sich nicht sicher, mit welchem der Zwillinge er es zu tun hatte – worüber sich Marco immer wieder amüsierte. Dann deutete der Mann zu ihm hinüber.

Nach kurzem dankbarem Nicken wandte sich die Frau in Marcos Richtung. Als Marco hocherfreut lachte, bemerkte der Portier, dass er sich getäuscht hatte, und versuchte gestikulierend, die Unbekannte auf den Irrtum aufmerksam zu machen – bis er schulterzuckend aufgab.

Marco konnte den Blick nicht von ihr wenden. Diese oder keine!, dachte er. Wie durch ein Wunder schienen alle seine Idealvorstellungen in ihr verwirklicht. Weder klein noch groß stand sie vor ihm, mit vollen Lippen, die zum Küssen förmlich einluden. Sie lächelte ihn an. Die elfenbeinfarbene Haut, die edlen Gesichtszüge, ihre gerade Nase, das entschlossene Kinn und hohe Wangenknochen wirkten nicht nur klassisch schön, sondern enthoben sie geradezu in das Reich der Poesie. Er runzelte die Stirn. Seit wann verfügte er über eine dichterische Ader?

Während er auf sie zuging, fiel ihm ihre feminine Figur auf, und er wäre fast gestolpert. Sie trug einen dunkelblauen maßgeschneiderten Hosenanzug, doch kein Kleidungsstück der Welt konnte verbergen, dass ihr Körper wie für die Liebe gemacht schien.

Deutlich zeichneten sich ihre vollen Brüste ab. Die eng geschnittene Jacke betonte die schmale Taille, und Marco träumte davon, sie mit beiden Händen zu umfassen. Und dann würde er sich mit den vollkommenen Rundungen beschäftigen … Was für eine Versuchung!

Offenbar hatte er einen Laut von sich gegeben – ein Stöhnen, wie er fürchtete –, denn die Schöne betrachtete ihn nun neugierig. Ihre tiefblauen Augen bildeten einen ungewöhnlichen Kontrast zu ihrem dunklen Haar. Bevor er sich vorstellen konnte, hielt sie ihm bereits die Hand hin. „Ah, Mr. Dante“, sagte sie. „Sie sind der Mann, den ich suche. Freut mich sehr, Sie endlich kennenzulernen. Ich bin Caitlyn Vaughn.“

Sie sagte das so, als ob er sie kennen sollte, aber er konnte sich nicht erinnern, ihren Namen schon einmal gehört zu haben. Vielleicht liegt es daran, dass ich so verwirrt bin, dachte er. Zugeben allerdings würde er das nicht. „Natürlich“, erwiderte er mit charmantem Lächeln. „Ist mir ein Vergnügen.“

Als er ihre Hand nahm, passierte es. Deutlich spürte Marco einen elektrischen Schlag, der ihm durch Mark und Bein fuhr. So etwas hatte er noch nie erlebt. Es tat nicht wirklich weh, aber es überraschte ihn und war unangenehm. Caitlyn zuckte zurück, offenbar ebenso erschrocken wie er.

„Oh! Was war das?“, fragte sie.

„Weiß ich nicht genau.“

Doch er hatte einen Verdacht. Verglich er seine Reaktion auf Caitlyn mit dem, was sein ältester Bruder Sev ihm beschrieben hatte, dann konnte es sich nur um das Inferno handeln. Ein merkwürdiger Segen – oder Fluch? – der Dantes, der die Männer der Familie unwiderruflich mit der Frau ihres Lebens verband. Bis vor Kurzem hatten Marco und seine Brüder die nette Geschichte ins Reich der Fabel verwiesen. Doch seit Sev das Inferno am eigenen Leib verspürt hatte, fragte sich Marco, ob er selbst es wohl auch eines Tages erleben würde. Irgendwie hoffte er es.

Er war ein Mann, der Frauen anbetete. Jede auf ihre Art fand er einzigartig. Er liebte alles an ihnen, den Klang ihrer Stimmen, die individuellen Düfte, die verschiedenen Hauttönungen … Für ihn war jede Frau etwas Besonderes, faszinierend und schön. Ihm war der Gedanke fremd, eine Bestimmte aus der Vielzahl auszuwählen. Und nun …

Gedankenversunken betrachtete er Caitlyn. Sie ruhte in sich. Hinter ihrer geheimnisvollen Schönheit schienen tiefe Gefühle verborgen. Marcos Lebenszeit würde kaum ausreichen, um alles an ihr zu ergründen. Während sein Zwillingsbruder Lazzaro die Dinge hinterfragte und analysierte, Sev auf seine entschlossene Art kämpfte und Nicolò, um Probleme zu vermeiden, von vornherein manches ablehnte, akzeptierte Marco seine romantischen Gefühle. Er nahm das Göttergeschenk an.

„Ich habe auf Sie gewartet“, sagte er zu ihr.

Er hatte auf sie gewartet? Caitlyn, die versuchte, nach dieser ungewöhnlichen Reaktion einen klaren Gedanken zu fassen, hielt den Blick wie hypnotisiert auf Lazzaro Dante gerichtet.

Bereits bei ihrem Vorstellungsgespräch war mehrmals sein Name gefallen. Als neue Finanzchefin für die Inlandsgeschäfte würde sie zwar nicht unmittelbar mit ihm, der für den bedeutend komplexeren Bereich der Auslandsfinanzen verantwortlich war, zusammenarbeiten. Doch sie würden bei ihrer Arbeit regelmäßig miteinander Kontakt haben.

Man hatte ihr angekündigt, sie ihm gleich an ihrem ersten Tag bei Dante vorzustellen. Allerdings hatte sie es sich nicht träumen lassen, dass er sie in der Eingangshalle abholen würde – bis der Portier in seine Richtung gezeigt hatte.

„Sehr freundlich von Ihnen, dass Sie mir entgegengekommen sind, Mr. Dante, aber …“ Von der elektrischen Entladung prickelte ihr noch immer die Handfläche, und sie rieb sie mit dem Daumen. Belustigt merkte sie, dass Mr. Dante die Geste nachzuahmen schien, und war etwas verwirrt. „Okay, ich möchte zuerst wissen, was das gerade war.“

„Habe ich Ihnen wehgetan, cara? Tut mir leid.“

„Wehgetan? Nein, das eigentlich nicht. Es kam nur so … unerwartet.“

Irgendwie hatte das seltsame Ereignis dazu geführt, dass sie ihm nun größere Beachtung schenkte. Als sie ihn letzte Woche beim Einstellungsgespräch zum ersten Mal gesehen hatte, war ihr bereits sein gutes Aussehen aufgefallen. Er war so attraktiv, dass er einer Frau durchaus gefährlich werden konnte. Aber heute …!

Sie verspürte eine leichte Unruhe. Die kurze Berührung hatte ihr lebhaftes Interesse geweckt, und die verblüffende Anziehungskraft zwischen ihnen war nicht zu leugnen. Mit einem Mal sah sich Caitlyn ihr völlig unbekannten Gefühlen und Gedanken ausgesetzt. Sie verstand nicht, was mit ihr los war, und weigerte sich, sich damit auseinanderzusetzen.

Sie war achtundzwanzig Jahre alt und würde für keinen noch so charmanten Mann ihre Karriere gefährden. Wie oft hatte ihre Großmutter sie mit dem Hinweis auf ihre eigenen Erfahrungen davor gewarnt? Caitlyn hatte gut zugehört und kannte die Spielregeln.

Der Beruf hatte Vorrang vor einem kurzen, trügerischen Glück. Eines Tages würde sie eine feste Beziehung zu einem Mann mit ernsten Absichten und Durchhaltevermögen aufbauen. Einem Partner, der ihre Anschauungen und Grundsätze teilte. Eine zeitweilige Affäre kam für sie nicht infrage. Aber dennoch …

Alles um sie herum schien sich aufzulösen, die Geräusche zu einem Murmeln zu werden. Nur sie und Marco standen im Sonnenlicht und fühlten sich mit jedem Herzschlag mehr zueinander hingezogen, bis ihre Sehnsucht stärker war als alles andere.

„Caitlyn“, flüsterte er. Obwohl Marco akzentfrei sprach, ließ sie der melodiöse Klang seiner Stimme an das Mittelmeer denken, an Wein und Poesie.

Er bot ihr seine Hand, und fast …, fast hätte Caitlyn sie genommen und wäre ihm auf der Stelle gefolgt, egal wohin, um das Glück mit ihm zu genießen.

Doch sie besann sich gerade noch eines Besseren und blickte etwas umständlich auf ihre Uhr. „Ich werde in fünf Minuten im Personalbüro erwartet.“ Beinahe hätte sie sich per Handschlag von ihm verabschiedet, aber im letzten Moment unterließ sie es und ging Richtung Aufzug. Nach einigen Schritten konnte sie dem Impuls nicht widerstehen, drehte sich nochmals um und nickte zum Abschied. „Bis gleich, Mr. Dante. Wir sehen uns um zehn.“

Marco strahlte. „Davon weiß ich ja gar nichts. Meine Sekretärin muss vergessen haben, mir den Termin mitzuteilen.“ Er ging auf sie zu. „Aber warum warten? Verlegen wir unsere Verabredung doch einfach vor.“

Zum Glück öffneten sich die Aufzugtüren, denn Caitlyn hätte nicht mehr länger Marcos Vorschlag widerstehen können. Wer weiß, was dann geschehen wäre! Und das an ihrem ersten Arbeitstag. „Zehn Uhr“, wiederholte sie. „Ich freue mich schon darauf.“

Schnell betrat sie den Fahrstuhl und bemühte sich, möglichst unbeteiligt zu wirken, während die Türen leise zuglitten. Zu ihrer Erleichterung folgte Marco ihr nicht, sondern blieb mit interessiertem Gesichtsausdruck zurück und beobachtete ihren Rückzug. Und genau das war es auch: ein offener Rückzug auf der ganzen Linie.

Kaum waren die Türen zu, lehnte Caitlyn sich gegen die Rückwand und schloss die Augen. Seit nicht einmal einer Minute bin ich hier, und was habe ich schon aufs Spiel gesetzt. Und das alles wegen eines gewöhnlichen Händedrucks! Was ist nur in mich gefahren? Und in Lazzaro Dante? Egal, für solche Dummheiten ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Ich muss meine Aufmerksamkeit auf die Arbeit richten, dachte sie.

Eine halbe Stunde später musste sie sich eingestehen, dass sie an nichts anderes denken konnte als an diese einfache Berührung, die sie irgendwie verändert hatte.

Sie füllte den Personalbogen aus und versuchte, sich zu konzentrieren. Auf ihre Aufgabenliste und die Betriebseinrichtungen und Abteilungen, durch die sie geführt wurde. Ich bekomme hier wichtige Informationen, ermahnte sie sich. Doch ihre Spannung wuchs ständig, denn sie konnte es kaum erwarten, Lazz wiederzusehen.

Als es endlich so weit war, begrüßte sie ihn geschäftsmäßig, um sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen. „Schön, Sie wiederzusehen.“ Ihr entging nicht, dass sein Gang einen Moment lang unregelmäßig wurde und eine kleine Falte auf seiner Stirn erschien, als er ihr die Hand hinhielt. Caitlyn zögerte. „Sehr mutig von Ihnen, nach dem, was beim letzten Mal passiert ist. Ich mache mit, wenn Sie es auch tun.“

„Ich bin dabei“, erwiderte er nach kurzem Zögern.

Zu Caitlyns Erleichterung entstand diesmal kein elektrischer Schlag – oder war sie darüber enttäuscht? Hatte sie sich vielleicht alles nur eingebildet? Obwohl sie Wärme und Sympathie spürte, war es doch kein Vergleich zu der alles verzehrenden Sehnsucht, die sie vorhin empfunden hatte. Auf jeden Fall ließ sie sich nichts anmerken.

Lazz betrachtete sie ebenso interessiert wie bei ihrer ersten Begegnung, und in seinen Augen schien ein Funken Begierde zu glimmen. „Willkommen bei Dante. Ich freue mich darauf, Sie besser kennenzulernen.“

Wie zuvor gab es kaum einen Zweifel an seinen Absichten. Klingt wie eine Einladung, dachte sie. Fasziniert erkannte sie, dass er ihr eine Beziehung in Aussicht stellte, die über das rein Geschäftliche hinausging. Diese Vorstellung reizte Caitlyn.

Nun war sie am Zug. Entweder nicht auf das Angebot eingehen und damit eine weitere Entwicklung im Keim ersticken. Oder vorsichtig den nächsten Schritt tun und dann weitersehen. Viel Zeit zum Überlegen blieb ihr nicht.

Sie konnte nicht sicher sein, dass das, was sie in der Eingangshalle erlebt hatte, irgendetwas mit Liebe zu tun hatte. Auf jeden Fall gehörte sie nicht zu den Frauen, die vor Herausforderungen zurückschrecken, sonst wäre sie beruflich nie so weit gekommen. Die Möglichkeit, die sich nun für sie ergab, war sicher eine solche Herausforderung. Doch die Voraussetzungen, die laut ihrer Großmutter für den Aufbau einer festen Beziehung erforderlich waren, lagen vor.

Er war gut aussehend, erfolgreich und vor allen Dingen kultiviert: jemand, auf den Verlass war. Und das Prickeln von vorhin? Ein zusätzliches Glück.

Sie lächelte Lazz strahlend an und ergab sich in das, was da kommen sollte. Auch wenn diese zweite Begegnung nicht so aufregend war wie die erste: Nun hieß es abwarten, wie sich die Dinge entwickelten. Im Grund ging es ihr nur um eines: Von dem, was in der Halle passiert war – was auch immer es war –, wollte sie mehr erleben.

„Mir geht es ebenso“, antwortete sie.

2. KAPITEL

Sechs Wochen später

Caitlyn zog ihren Stuhl an den großen Rauchglastisch und setzte sich zu den beiden Frauen, mit denen sie sich angefreundet hatte, seitdem sie bei Dante arbeitete. Immer in der Mittagspause trafen sie sich, wofür Lazz dankenswerterweise das kleine Besprechungszimmer neben seinem Büro zur Verfügung gestellt hatte.

Kaum hatten sie alle drei Platz genommen, präsentierte Britt ihnen stolz ein Paar wunderschöner Ohrringe. „Schaut mal. Aus der Dante-Topkollektion. Sind sie nicht herrlich?“

„Von wem hast du sie? Und wo finde ich einen Mann, der mir auch so etwas schenkt?“, wollte Angie wissen.

„Ich habe sie mir selbst gekauft“, klärte Britt die beiden betont munter auf. „Sonst hätte ich womöglich nie welche bekommen.“

„Auf wessen Kosten?“ Als Britt lediglich ein Gesicht schnitt, verstummte Angie und betrachtete aufgeregt die Freundinnen. „Wisst ihr schon das Neueste? Ihr werdet es nicht glauben.“ Sie blickte kurz zur Tür, die auf den Flur hinausführte – sie war geschlossen –, und dann auf den offenen Durchgang zum Büro von Lazz. „Vielleicht sollte ich hier lieber nichts davon erzählen.“

„Lazz ist mit seinem Bruder Nicolò zum Essen gegangen,

falls dich das beruhigt. Ich selbst habe den Tisch reservieren lassen“, versicherte Britt. „Wir sind unter uns.“ „Also gut.“ Dennoch senkte Angie die Stimme. „Bei Dante-Exklusiv habe ich etwas sehr Interessantes gehört.“

Wie Caitlyn wusste, war Dante-Exklusiv eine regelmäßig stattfindende Schmuckpräsentation für ein gehobenes Publikum, zu der nur geladene Gäste Zutritt hatten. Vor über zwanzig Jahren hatte Angie hier als Verkäuferin angefangen und bekleidete in der Zwischenzeit eine Führungsposition in diesem Bereich.

„Wer war denn diesmal alles da?“, fragte Caitlyn. Wie so oft hatte sie vergessen, ihre Lesebrille am Arbeitsplatz zu lassen, und schob sie jetzt nach oben ins Haar. „Aus dem Showbusiness, der Finanzwelt oder der Aristokratie?“

Britt lachte. „Ich glaube, ich kann mir schon denken, wen du meinst.“

Angie lachte ebenfalls. „Du als seine Sekretärin musst es ja wissen.“

Überrascht blinzelte Caitlyn. „Redet ihr von Lazz?“ Sie hob die Brauen und fragte: „Was ist so ungewöhnlich daran, dass er dort war?“

Nach kurzem Zögern verkündete sie: „Vielleicht hat er sich nach Verlobungsringen umgesehen?“

Beide Frauen lächelten ihr zu, während Caitlyn verdutzt dasaß und ihre Handfläche rieb. „Nein. Ihr denkt doch nicht wirklich …?“

„Denken? Ich wette um ein Dinner im Le Premier.“

„Jetzt ist mir alles klar“, sagte Britt. „Lazz und du, ihr habt euch auf Anhieb gut verstanden und seid euch sehr ähnlich. Beide seid ihr praktisch veranlagt und denkt nüchtern. Nicht zu vergessen eure Begabung, was finanzielle Dinge angeht. Ich kann da oft nicht mit Lazz mithalten, aber ihr zwei … Wenn ihr zusammen seid, versteht ihr euch ohne große Worte, fast schon wie ein altes Ehepaar.“

„Wie langweilig das klingt! Stimmt’s, so ist es nicht, Caitlyn? Es ist aufregend und romantisch, oder?“ Angie machte ein betrübtes Gesicht. „Komm schon, nimm mir nicht alle Hoffnungen!“, drängte sie.

Caitlyn spürte, wie sie rot wurde. „Natürlich sind Romantik und Aufregung dabei“, murmelte sie. Irgendwie …

„Mit Marco wäre es abwechslungsreicher“, meinte Britt. „Das garantiere ich dir. Bist du ihm inzwischen begegnet?“ Bevor Caitlyn antworten konnte, fuhr Britt auch schon fort: „Kann ja gar nicht sein, er ist ja erst heute aus Europa zurückgekehrt. Und zuvor war er nur zweimal zu Hause, soviel ich weiß. Einmal vor ungefähr einem Monat, als Sev bei einer Feier zu Ehren Francescas die neue Kollektion Dantes Herz der Öffentlichkeit vorstellte.“

„Zu der Zeit war ich in New York“, erinnerte sich Caitlyn.

„Ja, stimmt. Und danach war Marco nur noch ein Mal hier, nämlich zu Sevs Hochzeit.“

„Da war ich ebenfalls in New York. Aber Sev habe ich letzte Woche getroffen“, sagte sie. Aus irgendeinem Grund hatte Lazz bisher gezögert, sie seinen Verwandten vorzustellen. „Er ist bisher der Einzige aus der Dante-Familie, den ich kenne.“

„Hm. Sieht so aus, als wollte Lazz dich ganz für sich allein haben. Vielleicht hat er Angst, einer seiner Brüder könnte dir besser gefallen, vor allem sein Zw…“

„Lächerlich.“ Caitlyn fiel Britt ins Wort. „Vom ersten Handschlag an habe ich mich zu Lazz hingezogen gefühlt.“ Dass seitdem nichts mehr so Atemberaubendes passiert war, bedeutete nicht, dass die tiefe Verbundenheit zwischen ihnen nicht mehr existierte. „Bestimmt werde ich heute Abend seine Brüder treffen, bei der Feier zum Hochzeitstag seiner Großeltern.“

„Nichts gegen Lazz, aber …“ Mit einem verträumten Gesichtsausdruck lehnte sich Britt auf ihrem Stuhl zurück.

„Sehnst du dich nie danach, dass Zorro angesprengt kommt und mit dir fortreitet?“

„Und er dich dann mit umwerfendem Sex verwöhnt?“, fügte Angie hinzu.

„Statt alles bis ins kleinste Detail vorauszuplanen?“, fragte Britt neugierig. „Ist Lazz in der Liebe auch so?“ Als die beiden anderen verblüfft schwiegen, lachte sie verschmitzt. „Ach, komm, Angie, gib doch zu, dass es dich ebenso interessiert wie mich. Ich möchte doch nur wissen, ob er im Bett genauso systematisch vorgeht wie bei der Arbeit. Oder ist er doch ein bisschen kreativer?“

„Britt Jones!“

Da merkte sie, dass sie zu weit gegangen war. Hastig murmelte sie eine Entschuldigung, bevor sie das Thema wechselte. Sie stellte eine Frage zu der neuen Kollektion Dantes Herz, die erst vor fünf Wochen auf den Markt gekommen war, kurz bevor Sev Dante die Designerin Francesca Sommers geheiratet hatte.

Mit leisem Unbehagen betrachtete Caitlyn die Freundinnen, die sich angeregt über die Blitzhochzeit des ältesten der Dante-Brüder unterhielten. Leider musste sie sich eingestehen, dass sie Britts freche Frage nicht hätte beantworten können, selbst wenn sie gewollt hätte. Denn sie hatte keine Ahnung, wie Lazz sich im Bett verhielt. So weit hatten sich die Dinge zwischen ihnen noch nicht entwickelt. Aber warum eigentlich nicht?

Weil wir beide damit beschäftigt sind, alle Voraussetzungen für eine stabile Beziehung zu schaffen, dachte Caitlyn. Fast alle. Denn bevor sie den nächsten Schritt unternahm, wollte sie sich erst ihrer Sache ganz sicher sein. Doch so vernünftig sich das auch anhörte, als Antwort genügte es ihr irgendwie nicht.

Beim Essen hing sie weiter ihren Gedanken nach. Nach der ersten aufregenden Begegnung mit Lazz in der Eingangshalle war die starke körperliche Anziehungskraft zwischen ihnen zu einem bloßen angenehmen Nähegefühl geworden. Seit dem ersten Händedruck war der Funke zwischen ihnen nicht mehr übergesprungen, egal ob sie einander berührten oder küssten. Dabei sehnte sie sich so danach. Hatte sie es sich beim ersten Mal nur eingebildet?

Ihre Treffen waren stets erfreulich verlaufen. Nein, mehr als das. Natürlich fühlten sie sich zueinander hingezogen, und Lazz machte keinen Hehl aus seinen Gefühlen für sie. Er hatte ihr deutlich zu verstehen gegeben, dass er sie begehrte und es kaum erwarten konnte, den nächsten Schritt zu tun. Eher war sie es, die das Tempo verlangsamt hatte, und Lazz hatte sich widerwillig gefügt.

Während sie in ihrem Salat stocherte, fragte sie sich, was der Grund für ihr Zögern sein könnte.

Sie seufzte tief.

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