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Heißer Flirt mit dem Feind

Kate Carlisle

Heißer Flirt mit dem Feind

1. KAPITEL

„Betrachte das als letzte Warnung. Halte die Augen offen, oder du bist geliefert. Garantiert.“

„Ach, blas die ganze Sache doch nicht so auf“, erwiderte Adam Duke, während er seinen schwarzen Ferrari auf seinen Parkplatz in der Nähe des VIP-Eingangs von Duke Development International fuhr.

„So siehst du das also!“ Durch das Hightech-Soundsystem von Adams Sportwagen wirkte es fast so, als würde sein Bruder Brandon direkt neben ihm sitzen. „Ich werde dich an deine Naivität erinnern, wenn du die Frau aus Moms Träumen geheiratet hast!“

„Jetzt entspann dich mal“, murmelte Adam, stellte den Motor ab und schnappte sich seine Aktentasche.

„Wie du meinst. Es ist deine Beerdigung“, murrte Brandon. „Beziehungsweise Hochzeit. Aber tu ja nicht überrascht, wenn du dich plötzlich in den Flitterwochen wiederfindest – neben einer Frau, die unsere diabolische Mutter dir untergejubelt hat.“

Adam lachte und stellte sein Handy auf Headset um. Dann rückte er sich die Krawatte zurecht, stieg aus und betrat das ultramoderne Gebäude, in dem sich der Hauptsitz der Firma befand, die er mit seinen Brüdern Brandon und Cameron gegründet hatte. „Ich glaube nicht, dass ich etwas zu befürchten habe. Die Chancen, dass Mom mir eine Frau unterjubelt, ohne dass ich es merke, stehen nicht gerade günstig. Immerhin arbeite ich im Moment zweiundzwanzig Stunden am Tag an diesem Abschluss.“

Jetzt mischte sich noch Cameron, der dritte Teilnehmer der Konferenzschaltung, ein. „Auch wenn Brandon wie immer maßlos übertreibt, solltest du Mom nicht unterschätzen. Du kennst sie doch. Sie ist gnadenlos, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, und sie findet nun mal, dass wir alle heiraten sollten. Mom kämpft mit harten Bandagen.“

„Genau das meine ich“, rief Brandon, der anscheinend froh war, dass wenigstens einer seiner Brüder ihn verstand.

„In jedem Fall sollten wir wachsam bleiben“, meinte Cameron.

„Wachsam bleiben zu Mutters Leiden“, reimte Brandon, was seinen Brüdern ein leises Lachen entlockte.

„Wir sehen uns später. Dann können wir weiterreden“, sagte Adam und beendete damit das Telefonat.

Noch immer lachend, legte er auf und winkte dem Sicherheitsmann zu, der neben dem breiten Marmorempfangstisch in der luxuriösen Lobby Wache hielt. Dann betrat er den Lift und fuhr nach oben ins Penthouse.

Dass seine Mutter versuchte, ihn und seine Brüder unter die Haube zu bringen, war nichts Neues. Bei mehr als einer Gelegenheit hatte sie deutlich gemacht, dass sie sich Enkelkinder wünschte. Aber Brandon übertrieb ganz eindeutig.

„Versuch’s nur, Mom“, murmelte Adam, während er aus dem Lift trat. Er liebte Sally Duke, die Frau, die ihn adoptiert hatte, als er acht Jahre alt gewesen war, von ganzem Herzen. Aber wenn es um die Ehe ging, blieb er hart.

Leise vor sich hin pfeifend, lief er an dem Schreibtisch seiner Assistentin vorbei. Aus dem Augenwinkel registrierte er, dass ihr Computer nicht hochgefahren war. Adam wunderte sich, dass er ausnahmsweise vor ihr im Büro erschienen war. Cheryl Hardy war ein noch größerer Workaholic als er, was vor allem im Augenblick Gold wert war. Denn bis Ende des Monats würden sie Tag und Nacht arbeiten müssen, um die Eröffnungsgala des neuen Duke-Hotels in Fantasy Mountain zu stemmen.

„Was soll das heißen: Sie hat gekündigt?“, rief Adam eine Stunde später. „Meine Angestellten kündigen nicht einfach!“

„Diese schon“, erwiderte Marjorie Wallace, die Leiterin der Personalabteilung, gelassen.

„Unmöglich. Wir stehen kurz davor, ein Milliardengeschäft abzuschließen!“ Adam stieß sich vom Mahagonischreibtisch ab und begann, unruhig vor der Fensterfront auf und ab zu laufen, die den Blick auf die Küste und den Ozean freigab. Er hatte ein atemberaubendes Panorama der kalifornischen Küste vor sich, doch im Moment hatte Adam keinen Sinn für Schönheit. „Sie darf nicht einfach gehen.“

„Doch, das darf sie. Schließlich war sie nicht deine Leibeigene“, konterte die ältere Dame. „Sie ist weg, Adam. Finde dich damit ab, und lass uns eine Lösung suchen.“

„Hat sie gesagt, warum?“ Adam fuhr sich durchs Haar. „Egal. Sag ihr, ich verdopple ihr Gehalt, dann wird sie schon zurückkommen.“

Marjorie lachte sarkastisch auf. „Das glaubst du doch wohl nicht im Ernst! Wie oft hat sie dich darauf aufmerksam gemacht, dass sie Urlaub braucht? Und wie oft hast du sie ignoriert? Du hast ja nicht einmal mitbekommen, dass sie geheiratet hat!“

„Das hat sie nie erwähnt.“

„Nein, mein Junge, nur ungefähr hundert Mal.“

„Hat sie nicht“, wiederholte Adam stur, obwohl sich leise Erinnerungen in ihm regten. Irgendetwas in die Richtung hatte Cheryl erwähnt, aber es war ihm in dem Moment nicht wichtig vorgekommen.

„Sie hat“, erklärte Marjorie. „Ende der Diskussion.“

Adam umrundete seinen Schreibtisch und baute sich vor seiner anmaßenden Mitarbeiterin auf. „Es gehört sich nicht, dem Chef zu widersprechen.“

Diesmal klang Marjories Lachen richtiggehend amüsiert. „Ach, Adam.“

„Warum habe ich dich noch mal nie wegen Aufmüpfigkeit gefeuert?“, fragte er ärgerlich und runzelte die Stirn.

„Lass mich mal überlegen.“ Grinsend verschränkte Marjorie die Arme vor der Brust. „Vielleicht, weil ich so verdammt gute Arbeit leiste? Oder weil ich die beste Freundin deiner Mutter bin und dich kenne, seit du acht Jahre alt warst? Oder vielleicht, weil ich deiner Mom nie verraten habe, wer damals das Fenster zerbrochen hat und durch ihre Zuchttulpen getrampelt ist? Ach ja, und wo ich schon mal dabei bin: Erinnerst du dich noch, dass ich dich damals nachts aufgelesen habe, nachdem du …“

„Schon gut, schon gut“, unterbrach Adam sie barsch, doch mittlerweile umspielte ein belustigtes Lächeln seine Lippen. „Für solche Geschichten sollte es wirklich eine Verjährungsfrist geben.“

„Tut mir leid“, erwiderte Marjorie grinsend, „aber meine Wenigkeit hat das Gedächtnis eines Elefanten.“

„Kann man wohl sagen“, murmelte Adam. „Wie auch immer, das ist doch alles lächerlich. Lass uns Cheryl einfach anrufen.“

„Sie hat gekündigt, Adam“, wiederholte Marjorie und betonte dabei jede Silbe. „Sie wird nicht wiederkommen. Cheryl ist im dritten Monat schwanger, aber vermutlich hast du auch das nicht mitbekommen.“

Erschrocken hielt Adam inne und fuhr herum. „Schwanger?“, wiederholte er ungläubig.

Schweigend nickte Marjorie.

Erschrocken hob er die Hände. „Sie hat mir immer erzählt, wie sehr sie das Business liebt, dass sie eine Kämpfernatur ist! So jemand wird doch nicht plötzlich schwanger und rennt mitten in einem wichtigen Abschluss davon!“

Marjorie zuckte die Schultern. „Vermutlich war sie doch weniger Wolf als Lamm.“

„Sehr witzig!“ Adam wandte sich ab. „Auf niemanden ist mehr Verlass.“

„Hör auf, dich selbst zu bemitleiden“, ermahnte Marjorie ihn streng, doch Adam ignorierte sie. „Was für ein Glück, dass ich vorgesorgt habe“, fuhr die Personalleiterin, noch immer grinsend, fort.

„Wehe, das ist wieder jemand, der plötzlich schwanger wird und verschwindet. Oder eines von diesen austauschbaren Püppchen, die den ganzen Tag Kaugummi kauen und am Telefon hängen.“ Inzwischen hatte er sich richtig in Rage geredet. „Ich will eine Projektleiterin mit Erfahrung. Jemanden, der das verdammte Alphabet beherrscht, damit er die Akten richtig einsortiert. Und ich will auf keinen Fall …“

„Ich weiß, was du willst“, besänftigte Marjorie ihn. „Und ich habe genau die Richtige für dich. Alle, die hier im Haus mit ihr zusammengearbeitet haben, überschlagen sich vor Lob, ihre Qualifikationen sind überwältigend, und sie ist eine der besten Assistentinnen, von denen ich je …“

„Eine Assistentin?“, unterbrach Adam sie ungläubig. „Willst du mich auf den Arm nehmen?“

„Die beste“, wiederholte Marjorie stur, doch Adam wischte ihren Einwand beiseite.

„Ich arbeite nicht mit irgendeiner dahergelaufenen Assistentin. Dieses Projekt ist viel zu wichtig, um …“

„Aber wir haben keine Wahl!“, warf Marjorie in scharfem Ton ein. Dann fuhr sie etwas sanfter fort: „Ihr Lebenslauf ist ausgezeichnet, sie war auf einem der besten Colleges und hat ihren MBA mit Auszeichnung abgeschlossen. Außerdem ist sie blitzgescheit. Meiner bescheidenen Meinung nach ist sie genau das, was du brauchst.“

„Wie gescheit kann jemand sein, der es noch nicht weiter als bis zur Assistenz gebracht hat?“

Marjorie richtete sich auf und durchbohrte ihn mit einem vernichtenden Blick. „In diesem Haus werden sogar die Assistenten sorgfältig ausgesucht, und das weißt du ganz genau.“

„Natürlich.“ Sie hatte ja recht: Die freundlich als Assistenten bezeichneten Aushilfen, die bei Duke Development International herumgereicht und immer dort eingesetzt wurden, wo gerade Not am Mann war, waren normalerweise hoch motiviert und gut ausgebildet. Aber trotzdem …

„Und jetzt würde ich vorschlagen, dass du endlich anfängst, dich zu benehmen“, fuhr Marjorie streng fort. Sofort fühlte Adam sich wieder wie ein Zwölfjähriger, der beim Kirschenklauen erwischt worden war.

„Kann sie wenigstens tippen?“, murmelte er noch, auch wenn er sich schon längst geschlagen gegeben hatte.

Trish James hatte genug von Adam Duke gehört. Offenbar war ihm überhaupt nicht aufgefallen, dass sie bereits seit fünf Minuten an der offenen Tür gestanden und jedes Wort mitbekommen hatte.

It’s Showtime! dachte sie, sammelte sich kurz und trat dann in den geräumigen, elegant möblierten Raum, um sich vorzustellen.

„Mein Anschlag liegt bei 120 Worten pro Minute, Mr Duke“, war das Erste, was ihr einfiel, während sie ihm die Hand entgegenstreckte. „Es freut mich, Sie kennenzulernen. Ich bin Trish James, Ihre neue Assistentin.“

Als sich ihre Hände berührten, breitete sich ein irritierend angenehmes Kribbeln in Trishs Arm aus. Überrascht sah sie zu ihrem neuen Vorgesetzten auf. Natürlich war ihr klar gewesen, dass der Geschäftsführer von Duke Development ein Gegner war, den man nicht unterschätzen durfte. Doch dass er dermaßen beeindruckend und einschüchternd sein würde, hatte sie nicht erwartet. Und noch viel weniger, dass er so attraktiv war – jedenfalls wenn man ein Faible für Männer hatte, die Selbstsicherheit und Souveränität ausstrahlten. Kurz gesagt: die Sorte Mann, der Frauen in der Regel zu Füßen lagen. Als sie in seine dunkelblauen Augen sah, spürte sie ein ausgesprochen unwillkommenes Kribbeln in der Magengegend. Selbst jetzt, wo Adam Duke vor Wut kochte, strahlte jeder Millimeter seiner hochgewachsenen, muskulösen Erscheinung reinen Sex-Appeal aus. Am liebsten hätte Trish auf dem Absatz kehrtgemacht und wäre aus diesem Raum, nein, am besten gleich aus dem Gebäude geflüchtet.

Aber Grandma Anna hatte keinen Feigling großgezogen, und deshalb blieb Trish in der Höhle des Löwen.

„Trish, meine Liebe“, sagte Marjorie und zwinkerte ihr zu. Wenigstens der Personalchefin schien klar zu sein, dass Trish fast das ganze Gespräch mitbekommen hatte. „Das hier ist Adam Duke, mit dem Sie die kommenden Wochen zusammenarbeiten werden. Rufen Sie mich an, wenn Sie irgendwelche Fragen haben. Ich bin mir sicher, dass Sie trotz dieses unglücklichen Anfangs ausgesprochen gut miteinander auskommen werden.“

Mit diesen Worten warf Marjorie dem Boss von Duke Development einen letzten warnenden Blick zu und verließ das Büro.

Fast hätte Trish laut gelacht. Na klar, als ob man mit jemandem wie Adam Duke gut auskommen könnte. Nachdem die Tür leise hinter Marjorie ins Schloss gefallen war, sah Trish wieder zu ihrem neuen Chef auf. Dem Mann, der das gesamte letzte Jahr über der Hauptdarsteller in ihren Albträumen gewesen war. Dem Mann, der keinen blassen Schimmer hatte, wer sie war und welches Ziel sie verfolgte.

„Willkommen“, sagte Adam Duke mürrisch.

„Danke“, erwiderte Trish so liebenswürdig, wie sie nur konnte. Fest entschlossen, die Situation etwas aufzulockern, räusperte sie sich und fuhr fort: „Mir ist klar, dass Sie lieber nicht mit einer Aushilfe zusammenarbeiten würden, Mr Duke. Aber Sie können sich darauf verlassen, dass ich weiß, was ich tue.“

Mit einem tadelnden Blick bemerkte er: „Aushilfen gibt es hier nicht. Wir bevorzugen die Bezeichnung Assistenten, Miss James.“

Sie brauchte einen Augenblick, bis sie merkte, dass er scherzte. „Natürlich, wie konnte ich nur.“

„Schon besser.“ Und dann lächelte er.

In Trish schrillten die Alarmsirenen. Was für ein Lächeln … Ignorier es, ignorier es! ermahnte sie sich. Kein Wunder, dass sich seine letzte Assistentin für ihn aufgeopfert hatte, bis sie kurz vor dem Burn-out gestanden hatte.

Trish wandte entschlossen den Blick ab und straffte die Schultern. Adam Duke war ein Haifisch, ein Raubtier. Daran konnten auch seine muskulöse Brust, seine atemberaubende Ausstrahlung und sein entwaffnendes Lächeln nichts ändern. Dieser Mann hatte alles zerstört, was sie jemals geliebt hatte, und jetzt würde sie es ihm heimzahlen. Nur deswegen war sie hier.

„Miss James?“

„Ja, bitte?“ Trish blinzelte. Sie musste sich konzentrieren.

„Ich muss gleich zu einem Meeting, aber vorher würde ich Ihnen gerne Ihren neuen Arbeitsplatz zeigen. Hier befindet sich die Hausbar.“ Wieder lächelte er und zeigte auf ein Sideboard, auf dem eine Kaffeemaschine sowie diverse Kaltgetränke standen. „Bedienen Sie sich jederzeit.“

„Danke, das weiß ich sehr zu schätzen“, murmelte Trish, während sie verzweifelt versuchte, sein Lächeln zu ignorieren. Wieso nur musste er sich so charmant und entgegenkommend zeigen? Je schlechter er sie behandelte, desto leichter würde es ihr fallen, ihn zu vernichten! Doch nun, da sie sich dem Mann gegenübersah, der ganz nebenbei ihr Leben zerstört hatte, fühlte sie sich beunruhigend stark zu ihm hingezogen. Aber ganz egal wie attraktiv und freundlich er auf den ersten Blick auch wirken mochte: Adam Duke hatte ihr das Zuhause und die Großmutter weggenommen, und dafür würde er bezahlen.

Leicht benommen folgte sie ihm durch eine Tür am hinteren Ende seines Büros in eine geräumige Fensternische, in der sich das Vorzimmer befand. Hinter dem Schreibtisch ragte eine hohe Aktenwand empor, in der alle Informationen über seine Kunden sowie die aktuellen Projekte abgelegt waren.

„Das hier ist Ihr Reich“, erklärte er und wies auf den imposanten Schreibtisch. „Die Akten sind alphabetisch sortiert.“

„Nun ja, mit dem Alphabet bin ich zum Glück bestens vertraut“, erwiderte Trish in Anspielung auf Adams Bemerkung gegenüber Marjorie.

Er lachte leise in sich hinein und murmelte: „Das will ich doch schwer hoffen.“

In den nächsten zehn Minuten diktierte er Trish eine Liste mit Namen von Personen, deren Anrufe sie immer direkt zu ihm durchstellen sollte, und erklärte ihr kurz und bündig das Wichtigste über alle laufenden Vorgänge. „Während ich weg bin, bringen Sie bitte diese Kostenanalyse und die übrigen Briefe und Dokumente auf Ihrem Schreibtisch in Form“, meinte er am Ende. „Wenn Sie danach noch Zeit haben, können Sie anfangen, die Akten durchzugehen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Bei meiner Rückkehr brauche ich dann alle Unterlagen zum Mansfield-Projekt.“

Trish, die eifrig mitgeschrieben hatte, lächelte ihn an. „Selbstverständlich, Mr Duke. Sie werden es nicht bereuen, dass Sie mir eine Chance gegeben haben.“

Sein Blick verriet, dass er es schon jetzt bereute, doch er sagte nur höflich: „Bitte nennen Sie mich doch Adam.“

„Gerne, ich bin Trish“, erwiderte sie.

Er warf ihr einen kurzen, nachdenklichen Blick zu. „Vergessen Sie die Mansfield-Akten nicht, Trish.“

Wenige Sekunden später war sie allein. Und sie atmete erst einmal tief durch.

„Na, das ist ja toll gelaufen“, murmelte Adam, während er auf den Aufzugknopf drückte. „Du Vollidiot.“

Insgesamt gab es drei Dinge, die ihn an seiner attraktiven neuen Assistentin störten. Zum einen hatte sie ihn belauscht, ohne dass er etwas davon mitbekommen hatte. Wie hatte er nur so unaufmerksam sein können? Ihrem schelmischen Lächeln und ihren Anspielungen zufolge hatte sie jedes Wort seiner Tirade über Cheryl und das Assistentinnenproblem mitbekommen. Womit er bei Punkt zwei angekommen war: Er mochte es nicht, wenn jemand mitkriegte, wie er die Fassung verlor. Tatsächlich hatte außerhalb eines sehr kleinen Kreises von Vertrauten, der eigentlich nur seine Familie und Marjorie einschloss, seit Jahren niemand erlebt, dass Adam Duke wütend wurde. Seine Selbstbeherrschung war legendär. Aber jetzt hatte diese Trish James mitangesehen, wie er die Fassung verloren hatte, und das war ganz sicher kein guter Start für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Nicht dass sie lange währen würde, wie er in Gedanken hastig hinzufügte. Diese Trish war eine Notlösung, und sobald er Zeit hatte, würde er sich jemanden mit mehr Berufserfahrung suchen, keine Aushilfe, wie qualifiziert sie auch sein mochte.

Und dieser Gedanke führte ihn schnurstracks zu seinem dritten Problem: Trish James wirkte überhaupt nicht wie die typische Aushilfe! Nicht nur, dass sie souverän auftrat und laut Marjories Schilderung vollkommen überqualifiziert für ihre Tätigkeit war. Sie war auch viel zu … anziehend. Sofort musste er an ihre vollen Lippen denken, an ihre mandelförmigen dunkelgrünen Augen, aus denen sie ihn so wissend gemustert hatte. Und dann ihre selbstbewusste Haltung, die feste Entschlossenheit, sich zu beweisen … Widerwillig musste er sich eingestehen, dass er seine neue Assistentin fast ein wenig bewunderte.

Ihr glänzendes kastanienfarbenes Haar hatte sie zu einem klassischen Knoten hochgesteckt, und ihr Nadelstreifenanzug saß wie angegossen. Eigentlich mochte Adam keine Hosenanzüge, doch in diesem Fall war er bereit, eine Ausnahme zu machen. Zumal er glaubte, unter dem weichen Stoff eine atemberaubende Figur ausgemacht zu haben.

Bei dem bloßen Gedanken war er schmerzhaft erregt. In dem kurzen Augenblick, in dem er Trish James’ Hand berührt hatte, hatte seine Haut zu prickeln begonnen, und sein Puls war unwillkürlich in die Höhe geschossen. Was ebenfalls keine gute Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit war.

„Und dann bist du Idiot auch noch aus deinem Büro geflüchtet, als wäre der Teufel hinter dir her“, murmelte er leise und betrat die Fahrstuhlkabine. Die beiden Haustechniker, die ihm wegen seiner Selbstgespräche irritierte Blicke zuwarfen, ignorierte er einfach.

Frustriert rieb er sich das Kinn. Was war nur los mit ihm, verdammt noch mal? Er war doch kein hormongesteuerter Teenager mehr! Adam Duke ließ sich nicht von seinem Verlangen irritieren. So einfach war das.

Als er das Gebäude verließ und auf seinen Wagen zuging, begriff er endlich, was gerade geschehen war, woher dieser plötzliche Anfall von Erregung rührte: Monatelang hatte er Tag und Nacht an dem Vertragsabschluss für die Ferienanlage in Fantasy Mountain geackert. Er brauchte einfach einen Ausgleich. Aber nicht mit meiner Assistentin, fügte er in Gedanken hinzu. Er brauchte unverfänglichen Sex, der keine Konsequenzen nach sich zog. Sobald er diesen Vertrag unter Dach und Fach hatte, würde er das Projekt „Ausgleich schaffen“ in Angriff nehmen.

Als er sich auf den Fahrersitz seines Ferraris gleiten ließ, musste er an sein Telefonat mit Cameron und Brandon denken, und an seine Mutter, der laut Brandon momentan jedes Mittel recht war, um ihre Söhne unter die Haube zu bringen.

Im nächsten Moment schoss ihm der Anblick von Trish James durch den Sinn. Missmutig runzelte Adam die Stirn. Ach, das war doch lächerlich! Auf keinen Fall konnte seine Mutter bei Trishs Anstellung die Finger im Spiel gehabt haben. Andererseits waren an diesem Morgen beachtlich viele Zufälle aufeinandergetroffen, und an Zufälle glaubte Adam nicht.

Dass seine Mutter so weit gehen würde, war trotzdem eine verrückte Idee. Er war dabei, sich von Brandons Verfolgungswahn anstecken zu lassen. Und das kam überhaupt nicht infrage.

Auf jeden Fall würde er aber versuchen, seiner neuen Assistentin aus dem Weg zu gehen. Jedenfalls soweit das möglich war, wenn man Tag für Tag nur wenige Schritte voneinander entfernt saß. Adam Duke würde sein geregeltes, ruhiges Leben nicht von einer Frau durcheinanderbringen lassen. Nicht mal von einer, die sogar im Hosenanzug umwerfend aussah.

Nachdem sie ein Glas Wasser hinuntergestürzt und eine Minute lang einfach nur dagesessen und versucht hatte, ruhig zu atmen, machte Trish sich an die Arbeit. Dass sie Adam Duke letzten Endes vernichten wollte, hieß noch lange nicht, dass sie ihre Pflichten vernachlässigen würde, solange sie in seinen Diensten stand.

Ihr helles, geräumiges Büro grenzte direkt an das von Adam, mit dem es durch eine große Flügeltür verbunden war. Der Sekretär aus Kirschholz war fast so groß wie ihr gesamtes Wohnzimmer, und neben ihrem Arbeitsplatz ragten deckenhohe Fenster empor, die ihr denselben Blick auf die Küste gewährten, den auch Adam von seinem Büro aus hatte. Wenn sie nicht aufpasste, würde sie sich nur allzu schnell an diesen Luxus gewöhnen.

Aber du wirst aufpassen, ermahnte sie sich streng. Schließlich war sie nicht hier, um sich wohlzufühlen. Genauso wenig, wie sie hier war, um Adam Duke anzuhimmeln wie ein verknallter Backfisch.

Konnte dieser verdammte Mann nicht einfach aussehen wie ein Troll?

Hör auf damit, Trish! schalt sie sich erneut und verdrehte die Augen.

Vierzig Minuten später hatte sie Adams Korrespondenz erledigt und die Kostenanalyse vervollständigt. Nun wandte sie sich der Aktenwand zu. Eigentlich wusste sie gar nicht genau, wonach sie suchte. Aber irgendwie musste sich doch beweisen lassen, dass ihr neuer Chef Dreck am Stecken hatte! Je schneller sie etwas Belastendes fand, desto eher konnte sie ihren Scheinjob aufgeben und aus dem irritierend angenehmen Dunstkreis von Adam Duke verschwinden.

„Er riecht sogar gut“, murmelte sie düster, als sie sich an den unaufdringlichen Duft nach Wald und Herbstregen erinnerte, den er verströmte.

Dann zog sie mit einer resoluten Geste die oberste Schublade auf und begann, die Akten systematisch durchzugehen. Eine Stunde später hatte sie sich zwar die Namen aller Klienten von A bis M eingeprägt, aber rein gar nichts gefunden, woraus sie Adam Duke einen Strick hätte drehen können. Seufzend zog sie die Mansfield-Akte hervor, die er angefordert hatte, überprüfte kurz, ob sie vollständig war, und legte sie ihrem neuen Chef auf den Schreibtisch.

Sie würde ein Traum von Assistentin sein, eine unentbehrliche Stütze, der Adam Duke blind vertraute.

Bis sie ihn vernichtete.

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