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Heißer Colt in zarter Hand

Heißer Colt in zarter Hand

 

Western von Pete Hackett

 

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author www.Haberl-Peter.de

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

 

 

Es war ein kalter, regnerischer Tag, als sich für Amos Benton das Tor des Staatsgefängnisses in Leavenworth öffnete. Ein bretterharter Wind trieb peitschende Regenschauer vor sich her. Von den Dächern der Häuser und der Vorbauten tropfte und schoss das Wasser. Der Regen hatte die Straßen in Schlammlöcher verwandelt.

Fünf Jahre Zuchthaus lagen hinter Amos Benton. Fünf Jahre knochenbrechende Arbeit im Steinbruch. Er war gedemütigt worden, man hatte seinen Stolz mit Füßen getreten. Aber all die Jahre hatten ihn nicht zerbrochen. Im Gegenteil: Jeder Schlag mit der Peitsche, jede Demütigung, jede Beleidigung hatte seinem Hass Nahrung gegeben – seinem tödlichen Hass auf Milt Lockwood, den Town Marshal von Oakley ...

James Blaine, Joel Elliott, Ben Holladay und John Morgan, einige der alten Kumpane, erwarteten Benton vor dem Zuchthaus. Sie hatten für ihn ein Pferd mitgebracht. Am Sattelhorn hing Bentons Revolvergurt mit dem 45er Remington. Im Scabbard steckte eine Winchester.

Sie schüttelten Benton die Hand. Der hagere Bandit grinste. Seine Haare waren im Zuchthaus grau geworden. Die fünf Jahre hatten ihn vorzeitig altern lassen. Tiefe Linien zerfurchten sein hohlwangiges, ausgemergeltes Gesicht.

Indes er sich den Revolvergurt um die Hüften schwang und ihn schloss, sagte er: "Es ist gut euch zu sehen, Jungs. Ich wusste es doch, dass ihr da sein werdet. Was habt ihr getrieben in all den Jahren?"

Er rückte das Holster zurecht und drückte den Knauf des Sechsschüssers griffgerecht nach außen. Dann zog er. Das Eisen flirrte aus dem Holster und schwang hoch. Gleichzeitig spannte Benton den Hahn. Er war nicht zufrieden. Er war aus der Übung. Der Hahn glitt in die Ruherast zurück. Benton ließ den Colt einmal um den Finger rotieren und versenkte ihn im Holster. "Ich werde üben müssen", murmelte er, dann schaute er von einem zum anderen.

"Wir sind sesshaft geworden, Amos", gab James Blaine zu verstehen. "Ich lebe unten in Great Bend ..."

Eigentlich wollte Amos Benton es gar nicht hören. Er winkte ab und stieg aufs Pferd. Der Braune tänzelte unter ihm und spielte mit den Ohren. "Wir reiten nach Oakley", stieß Benton wild hervor. "Lockwood ist dort doch noch Marshal?"

"Yeah", murmelte Joel Elliott. "Und seinen Sohn Doug hat er zu seinem Vertreter gemacht."

Aus Bentons pulvergrauen Augen brach der Hass wie ein Dämon. Sein glitzernder Blick verlor sich für kurze Zeit in der Ferne, als würde er in bitteren Erinnerungen versinken. "Sehr gut." Seine Stimme war getränkt mit tödlicher Leidenschaft. "In spätestens einer Woche können wir in Oakley sein. Lockwood hat also noch genau eine Woche zu leben ..."

Es klang wie ein Todesurteil, bei dem der Tag der Hinrichtung gleich festgesetzt wurde.

Amos Benton war fest entschlossen, sich blutig zu rächen. Lockwood erschoss damals seinen Bruder Joey. Und ihn brachte er für fünf Jahre ins Zuchthaus. Die fünf Jahre hatten ihn nur der ätzende Hass und der Gedanke an blutige Rache durchstehen lassen.

Sie zerrten die Pferde herum und ruckten in den Sätteln. Fast 300 Meilen lagen zwischen ihnen und Oakley. Aber Amos Benton wäre selbst bis zum Südpol geritten, um Lockwood zu töten ...

 

*

 

Doug Lockwood, der Deputy Marshal von Oakley, machte die Runde. Es war zehn Uhr. In den beiden Saloons der Stadt ging es hoch her. Verworrener Lärm erfüllte die Main Street. Im Westen von Kansas hatte es nicht geregnet. Es war August. Der Abend war noch mit der Wärme des Tages aufgeladen.

Stimmendurcheinander, Gelächter, Geschrei und Gegröle trieben aus dem 'Bluebird Saloon'. Dazwischen waren die hämmernden Takte eines Orchestrions zu vernehmen. Tabakqualm schlierte um die Lampen an den Wänden und über den Tischen, die an Ketten von der Decke hingen. An zwei Tischen im Hintergrund wurde gepokert. Am Tresen standen die Gäste in Zweierreihe. Die Tische waren voll besetzt.

Niemand achtete auf Doug Lockwood, als er den Schankraum betrat. Hinter ihm schlugen die Türpendel knarrend aus. Mit kurzen Schritten ging er zum Tresen. Er trug die Winchester in der linken Hand. An seiner Weste funkelte der Marshalstern.

"Alles klar, Allan?", fragte er den Keeper, der alle Hände voll zu tun hatte und auf dessen Stirn Schweiß perlte. Die Luft im Inn war zum Schneiden schwül.

"An einem der Pokertische gab's vorhin Streit. Noel Gardner bezichtigte Jim Dexter des Falschspiels. Aber die Kerle einigten sich wieder. Und jetzt sieht es aus, als herrsche Ruhe."

Doug stakste zu den Spieltischen. Noel Gardner, dessen Vater eine heruntergewirtschaftete Ranch am Hackberry Creek besaß, war schon leicht angetrunken. Doug bemerkte es an der Rötung seiner Augen. Jim Dexter, ebenfalls ein Ranchersohn, grinste und warf seine fünf Karten mit den Bildern nach oben auf den Tisch. "Fullhouse, Noel. Kannst du das schlagen?"

Fluchend schleuderte Noel Gardner seine Karten auf den Tisch. Mit alkoholschwerer Zunge knurrte er: "Heute scheint der Satan die Karten zu mischen. Und an dir hat er wohl einen Narren gefressen." Er griff nach seinem Glas und kippte den Inhalt in sich hinein. Der scharfe Schnaps trieb ihm das Wasser in die Augen und ließ ihn hüsteln.

Mit beiden Händen holte Jim Dexter den Pott zu sich heran. Er warf einen Dollar in die Tischmitte. "Neuer Einsatz", forderte er im Hochgefühl seiner Glückssträhne.

Einer der Männer am Tisch, die schon aus dem Spiel ausgestiegen waren, als Doug herangetreten war, sagte kehlig in Richtung des Deputy Marshals: "Heute auf den Tag genau vor fünf Jahren hat der Richter Amos Benton nach Leavenworth geschickt, Doug. Hat dein Dad daran gedacht, dass Benton heute Morgen entlassen wurde?"

Doug nickte. "Sicher. Dad rechnet damit, dass Benton in spätestens einer Woche hier aufkreuzt."

Der Sprecher von eben schluckte. "Benton hat damals fürchterliche Rache geschworen. Milt tötete seinen Bruder. Was gedenkt dein Vater zu unternehmen, falls Benton nach Oakley kommt?"

Doug zuckte mit den Achseln. "Wir müssen abwarten. Außerdem ist er ja nicht allein. Er hat mich – und es gibt ja schließlich auch eine Bürgerwehr."

Der Blick des Mannes am Tisch irrte ab. Auch einige der anderen Kerle am Tisch schauten betreten.

Jim Dexter verteilte die Karten. Doug machte kehrt und strebte dem Ausgang entgegen. Tief sog er draußen die frische Luft in seine Lungen. Es war ihm nicht entgangen, dass die Resonanz, als er den Hinweis auf die Bürgerwehr brachte, recht zurückhaltend war.

Seine Schritte tackten rhythmisch auf den Planken des Gehsteigs. Eine halbe Stunde später war die Runde erledigt. Die Mitternachtsrunde wollte sein Vater machen.

Doug schlug sich in eine finstere Gasse. Er betrat einen Hinterhof, zog sich einen Hackklotz, der in einer dunklen Ecke stand, unter einen Schuppen mit einem flachen Dach und stieg hinauf. Ein Fenster warf einen viereckigen Lichtkasten auf das Schuppendach. Doug klopfte leise gegen die Scheibe. Einige Sekunden verstrichen, dann wurde der Vorhang auf die Seite und das Fenster in die Höhe geschoben. Das Holz knirschte etwas in der Führung. Die gertenschlanke Gestalt eines Girls mit langen, leicht gewellten Haaren, die wie ein Schleier über ihre Schultern und ihren Rücken flossen, wurde vom Licht umrissen.

Das Mädchen trug ein Nachthemd. Einige Knöpfe über seiner Brust waren offen. Doug sah die Ansätze fester, runder Brüste. Er beugte sich zu dem Girl hinein und küsste es. Dann stieg er ins Zimmer. Er lehnte das Gewehr weg. Sie schloss das Fenster und schob den Vorhang wieder vor.

"Wenn uns nur eines Tages mein Vater nicht erwischt", lächelte Susan. "Ich glaube, er würde dich mit der Shotgun bis nach Feuerland jagen."

Doug lachte leise. Er nahm Susan Fitzpatrick in die Arme. Seit einigen Wochen war sie seine Geliebte. Ihr Vater war Town Mayor von Oakley. Doug küsste sie. Susan erwiderte seine Küsse und drängte sich an ihn. Er spürte ihren festen, grazilen Körper und ihre Wärme. Der Duft ihrer Haare stieg ihm in die Nase. Seine Männlichkeit meldete sich mit Vehemenz.

Susan zog ihn zum Bett. Sanft machte sie sich von ihm frei. Schnell zog sie das Nachthemd aus. Nackt stand sie vor ihm. Er sah ihre prallen Brüste mit den steifen, kieselsteinharten Knospen, ihren flachen Bauch, das dunkle Dreieck zwischen ihren Oberschenkeln, die langen, schlanken Beine ...

Mit seiner Beherrschung war es vorbei. Sein Revolvergurt fiel, dann Weste, Hemd, Hosen und Stiefel. Eng umschlungen sanken sie auf Susans Bett. Ihre Zungen drohten sich ineinander zu verschlingen. Dann nahm sie ihn auf. Ihr Liebeskanal war feucht und heiß. Sie bäumte sich ihm entgegen und stöhnte leise. Ihre Lippen waren ein wenig geöffnet und eine Reihe weißer, ebenmäßiger Zähne schimmerte dazwischen.

Doug ließ seine Hüften schwingen. Jeder Stoß brachte sie dem Höhepunkt näher. Beider Atem ging bald keuchend. Schweiß drang ihnen aus den Poren. Susan hatte Mühe, die spitzen Schreie der Verzückung zu unterdrücken. Denn unten im Haus, in der Wohnstube, befanden sich ihre Eltern.

Seine Stöße wurden heftiger, besitzergreifender. Er küsste ihren Hals, ihre Brust, ließ die Zunge um den aufgerichteten Nippel kreisen. Und er trieb sie immer tiefer hinein in die sturmflutartige, überschäumende Ekstase.

Den Höhepunkt erlebten sie beinahe gleichzeitig. Er katapultierte sie in die Sphären des höchsten Lustgefühls. Körper und Geist waren der Realität entrückt.

Dann war der Gipfel der Wollust überschritten. Er rollte zur Seite und dann lagen sie schweigend nebeneinander. Der Herzschlag normalisierte sich. Die Atmung wurde wieder regelmäßig. Susan sagte: "Dad sprach heute davon, dass Amos Benton aus dem Zuchthaus entlassen wurde. Er fürchtet, dass der Bandit nach Oakley kommt und sein Versprechen, sich zu rächen, wahr macht."

"Mein Vater ist fest überzeugt davon, dass Benton hier auftaucht", murmelte Doug. "Dad hat damals die Benton-Gang zerschlagen, als sie die Town mit Terror überschüttete. Joey Benton starb. Amos Benton hat blutige Rache geschworen. Ja, er wird kommen. Aber wir sind gewappnet."

Doug erhob sich und zog sich an.

Susan schlüpfte in ihr Nachthemd.

Doug küsste sie zum Abschied noch einmal heiß und innig, nahm sein Gewehr und stieg aus dem Fenster. Ein dumpfer Aufprall verkündete, dass er vom Dach des Schuppens in den Hof gesprungen war.

Voll gemischter Gefühle legte sich Susan ins Bett. Sie war damals 16 Jahre alt, als die Benton-Bande hier für Furore sorgte. Sie konnte sich noch genau erinnern. Seitdem war Marshal Milt Lockwood für das Girl zur Heldenfigur avanciert ...

 

*

 

Amos Benton und sein Anhang waren an diesem Abend in Topeka angelangt. Sie mieteten sich im Hotel Zimmer. Die Gäule standen gut versorgt im Mietstall. Vom nahen Bahnhof war das Stampfen und Rumpeln eines einfahrenden Zuges zu vernehmen. Zischend entwich der Dampf aus den Ventilen der Lokomotive. Es schepperte und kreischte, als der Zug zum Stehen kam. Ein Pfeifsignal ertönte. Beim Depot der Atchison, Topeka & Santa Fé-Bahn erschallte Geschrei, als einige Dutzend Rinder aus den Waggons getrieben wurden. Aus einem Fahrgastwagen stiegen einige Reisende ...

Die Banditen hatten zu Abend gegessen. Jetzt betraten sie 'Nellys Noble House'. Amos Benton hatte das Bedürfnis, sich von dem Druck in seinen Lenden, den er in fünf langen Jahren aufgebaut hatte, zu befreien. Am Tresen lümmelten einige Freier. Hinter dem Tresen stand Nelly, eine fette, aufgetakelte, schon etwas ältliche Hure, und schenkte Getränke aus. Von den Girls, die hier ihren Job versahen, war keines zu sehen.

Nelly wandte sich den Ankömmlingen zu. Ihr rot geschminkter, großer Mund mutete an wie eine frische Wunde in dem feisten Gesicht, in dem sie dick den Puder aufgetragen hatte. Ihre feisten Wangen zitterten, als sie sprach: "Gentleman, hier sind Sie richtig. Sie können alles kriegen, was das Herz begehrt. Rothaarig, dunkel, blond ..."

"Gib uns zunächst mal Whisky!", schnitt Benton ihren Redefluss ab. "Aber keine Pumaspucke. Gib uns Bourbon."

Das Lachen in Nellys Zügen war gefroren. Sie schob ihre Fleischmassen zu einem der Regale hinter der Theke und angelte eine Flasche heraus.

In diesem Moment erklangen auf der Treppe Schritte. Amos Benton drehte den Kopf. Ein rothaariges, hübsches Girl in einem grünen Korselett, das mehr zeigte als es verbarg, kam mit einem Freier die Treppe herunter.

Bentons Mundwinkel sanken nach unten. "Gießt mir schon mal 'nen Drink ein", grollte sein Organ. "Bevor ich mich aber betrinke, will ich bei der Kleinen ein Rohr versenken." Er stieß sich ab und ging der Rothaarigen entgegen.

Einer der Kerle an der Bar rutschte vom Hocker. Seine Lippen hatten sich wütend verkniffen. Mit zwei langen Schritten holte er Benton ein. Schwer legte er seine Hand auf die Schulter des Banditen. Die Stimme des Mannes peitschte: "Immer der Reihe nach, Mister. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und in diesem Fall war ich vor dir da."

Scharf stieß Benton die Luft durch die Nase aus. Abrupt hatte er angehalten. Langsam wandte er sich um. Sein Blick, kalt wie Gletschereis, kreuzte sich mit dem des Mannes. Dessen Hand war von Bentons hagerer Schulter geglitten und hing jetzt schlaff nach unten.

"Wen interessiert es, ob du vor mir da warst, Mister?", dehnte der Bandit.

"Verdammt! Ich ..."

Amos Benton fackelte nicht. Ansatzlos schlug er zu. Seine Muskeln waren vom Schwingen des Vorschlaghammers im Steinbruch gestählt. Er verfügte über eine Kraft, die niemand seinem hageren, ausgezehrt anmutenden Körper zutraute. Außerdem war er brutal und skrupellos.

Seine Faust bohrte sich in den Magen des anderen. Der krümmte sich nach vorn, ein gehetzter Laut quoll über seine auseinander klaffenden Lippen. Er schnappte nach Luft.

Benton donnerte ihm von der Seite die Faust gegen den Kopf. Der Bursche taumelte. Er riss die Arme hoch, um sein Gesicht zu decken. Ein furchtbarer Tritt traf ihn in den Leib. Er quittierte ihn mit einem gellenden Aufschrei. Im nächsten Moment brach er auf die Knie nieder.

Die Rothaarige und ihr Freier waren stehen geblieben und starrten betroffen auf das Bild, das sich ihnen bot.

Die Kerle am Tresen beobachteten den ungleichen Kampf unter zusammengeschobenen Brauen hervor.

Nelly watschelte wie eine kranke Ente um den Schanktisch herum, um den Streit zu schlichten. Das Fleisch ihrer dicken Arme wackelte. Die langen Ohrgehänge, die fast bis auf ihre runden Schultern reichten, klimperten.

Bentons Kumpane hatten die Hände in der Nähe der Coltknäufe und lauerten wie Raubtiere.

Den Burschen am Boden übermannte die Wut. Sein Verstand lag brach. Der Schmerz von dem Tritt tobte bis unter seine Haarwurzeln. Nicht mehr Herr seiner Sinne griff er nach dem Colt.

Amos Benton reagierte. Wie der Kopf einer Klapperschlange stieß seine Rechte nach unten. Das Eisen glitt aus dem Holster, die Mündung stieß auf den Knienden zu. Die Spannfeder knackte, als sie einrastete. Dann brüllte die Waffe auf. Eine ellenlange Mündungsflamme züngelte aus dem Sechskantlauf, eine Pulverdampfwolke trieb vor Bentons Gesicht.

Die Detonation drohte den Raum aus allen Fugen zu sprengen. Der ätzende Geruch verbrannten Pulvers breitete sich aus. Der Bursche am Boden hatte den Colt in der Faust, aber die Mündung wies auf den Boden. Mit dem Ausdruck ungläubigen Staunens starrte er Benton an. Ein dunkler Fleck auf seiner Brust vergrößerte sich zusehends. Und plötzlich senkte sich die Leere des Todes in seine Züge. Er kippte vornüber und fiel aufs Gesicht.

Lastende Stille trat ein. Nelly starrte mit schreckgeweiteten Augen auf den Toten.

Benton nickte seinen Männern zu. Ein hartes Grinsen kerbte seine Mundwinkel nach unten. "Es geht also doch noch", stieß er ohne jede Gemütsregung hervor, dann versenkte er den Sechsschüsser im Holster. "Ein wenig Übung, und ich laufe wieder zu meiner alten Form auf."

Er ging zu der Rothaarigen und packte sie am Handgelenk. "Go on, Süße", knurrte er. Er zog sie hinter sich her die Treppe hinauf. Willenlos folgte ihm das Girl.

Keiner wagte mehr, etwas dagegen einzuwenden.

 

*

 

Es ging auf Mitternacht zu. Im 'Bluebird Saloon' war die Stimmung explosiv. Der zwischenzeitlich stark betrunkene Noel Gardner hatte Jim Dexter erneut als dreckigen Falschspieler bezeichnet. Noel Gardner hatte seinen letzten Cent am Spieltisch verloren.

Die Atmosphäre im Schankraum knisterte regelrecht. Jim Dexter, der auch nicht mehr ganz nüchtern war, hatte sich nach der Anschuldigung mit einem jähen Ruck erhoben. Sein Stuhl war polternd umgekippt. "Jetzt reicht's", grollte sein wütendes Organ. "Ich habe nicht falsch gespielt, verdammt. Du kannst nicht verlieren, Gardner. Das ist alles. Los, steh auf, damit ich dir dein loses Mundwerk stopfe!"

Noel Gardner taumelte in die Höhe. "Du hast den ganzen Abend gewonnen, Dexter. Das ist nicht mit rechten Dingen zugegangen. Zur Hölle mit dir. Ich behaupte es noch einmal: Du bist ein hundsgemeiner Kartentrickser. Du hast falsch gespielt."

Bei Jim Dexter brannte eine Sicherung durch. Er stürmte um den Tisch herum und warf sich auf Noel Gardner. Gardner empfing ihn mit einem Faustschlag, dann rang ihn Dexter zu Boden. Sie schlugen aufeinander ein, stießen mit den Knien. Dexter traf seinen Gegner zweimal im Gesicht. Blut rann aus Gardners Nase.

Um die beiden Kämpfer hatte sich eine Mauer aus Leibern aufgebaut. Die Schaulustigen standen Schulter an Schulter und feuerten die beiden Kontrahenten mit rauen Stimmen an. Die hinteren hatten sich auf Stühle gestellt, um besser sehen zu können.

Dexter riss sich los und kam auf die Beine. Er hatte Mühe, sein Gleichgewicht zu halten. "Komm hoch, Gardner", keuchte er. "Ich schlag dich zu Brei ..."

Noel Gardner kämpfte sich in die Höhe. Seine Augen waren unterlaufen. Das Blut aus seiner Nase sickerte über seine Lippen und sein Kinn hinunter. Seine Züge waren von der Wut verzerrt.

Dexter flog auf ihn zu. Er drosch Gardner die Rechte vor die Brust, die Linke landete krachend an seinem Kinn. Gardner wurde die Luft aus den Lungen gepresst. Die Augen quollen ihm aus den Höhlen. Er japste erstickt und taumelte zurück. Aus der Rotte der Gaffer erhielt er einen derben Stoß in den Rücken, der ihn Dexter entgegentrieb. Und wieder kassierte er zwei empfindliche Faustschläge. Er brach in den Knien ein. Sein Kinn sank auf die Brust. Benommenheit ließ seinen Kopf wackeln.

Dexter stand vor ihm, die Arme angewinkelt, die Lippen in der Anspannung verzogen. "Na, was ist?", grölte er. "Machst du schon schlapp? Wir haben noch gar nicht richtig angefangen. Hoch mit dir, Gardner. Niemand darf mich als Falschspieler beschimpfen."

Gardner schüttelte den Kopf. Die Benommenheit löste sich, der Nebelschleier vor seinen Augen zerriss. In seinen malträtierten Zügen arbeitete es. Tückisch schielte er zu Dexter in die Höhe. Er ahnte, dass ihm Jim Dexter überlegen war. Plötzlich fürchtete er, schmählich verprügelt zu werden. Es überwältigte ihn. Blitzschnell griff er unter seine Weste.

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