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Heiße Nächte im Hotel - Zwischen Sehnsucht und seidenen Laken

Maisey Yates, Lynn Raye Harris, India Grey, Penny Roberts

Heiße Nächte im Hotel - Zwischen Sehnsucht und seidenen Laken

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1. KAPITEL

Wie magnetisch wurde Rachels Blick zum Nachttisch gezogen. Zu dem Ring, der im Schein der Nachttischlampe schimmerte. Langsam hob sie die Hand und blickte auf den Finger, an dem er noch vor wenigen Stunden gesteckt hatte.

Komisch, wie nackt er wirkte, nachdem sie den Ring so lange getragen hatte!

Aber irgendwie war es ihr nicht richtig erschienen, ihn aufzubehalten.

Rachel tastete danach und hielt ihn hoch, sodass er im Lampenlicht funkelte. Dann drehte sie sich zu dem Mann um, der neben ihr schlief. Er hatte einen Arm halb übers Gesicht gelegt, die dunklen Locken fielen ihm in die Stirn. Wie ein Engel sah er aus.

Ein gefallener Engel, der sie himmlisch sündige Dinge gelehrt hatte.

Aber er war nicht der Mann, der ihr den Ring an den Finger gesteckt hatte. Nächsten Monat sollte sie ihren Verlobten heiraten …

Das war das Problem.

Doch ihr Bettgefährte sah so fantastisch aus, dass es ihr schwerfiel, ihn als Problem zu sehen: Alex mit den elektrisierenden blauen Augen und der gebräunten Haut, den sie am Nachmittag kennengelernt hatte. Im Hafen. Meine Güte, sie kannte diesen Traummann noch nicht einmal vierundzwanzig Stunden!

Rachel blickte auf die Uhr. Genau genommen sogar erst acht! Acht Stunden, in denen sie alle Hemmungen bedenkenlos über Bord geworfen und den Verlobungsring abgelegt hatte, um ihrem … Herzen zu folgen. Na ja, mit Herz hatte es wohl weniger zu tun. Mit ihr waren schlichtweg die Hormone durchgegangen.

So etwas war ihr noch nie passiert! Jahrelang war sie so vernünftig und brav gewesen und nie in Versuchung geraten, sich von Gefühlen oder gar Leidenschaft zu etwas Unüberlegtem hinreißen zu lassen.

Aber von vernünftig oder brav konnte hier beim besten Willen nicht die Rede sein!

Bei diesem Mann hatte es sie aus heiterem Himmel erwischt … wie er sich bewegt hatte, das Spiel seiner Muskeln beim Deckschrubben …

Rachel schloss die Augen und hatte die wahnwitzigen Augenblicke wieder vor sich. Es fiel ihr nicht schwer, sich zu erinnern, wie sie um den letzten Funken Verstand und ihre Kleidung gekommen war …

Seit der Ankunft auf Korfu hätten die Freundinnen sich kein schöneres Wetter wünschen können. Es war noch nicht zu heiß, und vom Meer her wehte eine sanfte Brise.

Sie hatten zu Mittag gegessen, und Alana musste später zum Flughafen, um nach New York zurückzufliegen. Rachel würde noch länger auf der Insel bleiben, um die Familie Holt auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu vertreten.

Der Urlaub war so etwas wie ihr letzter Soloflug vor der Hochzeit, die im kommenden Monat stattfinden sollte. Die letzte Gelegenheit, sich noch einmal auszutoben – natürlich auf anständige Weise –, ehe sie sich für immer an ihren Verlobten band.

„Noch ein Paar High Heels?“ Alana deutete zu der kleinen Boutique auf der anderen Seite der kopfsteingepflasterten Straße.

„Ich werde Nein sagen.“ Geistesabwesend blickte Rachel auf die Schiffe und Jachten, die im Hafen ankerten.

„Bist du krank?“ Besorgt betrachtete Alana ihre Freundin.

Rachel trat an die Küstenmauer und stützte sich lachend darauf. „Vielleicht.“

„Dir macht die Hochzeit zu schaffen, stimmt’s?“

„Ja … aber das dürfte es eigentlich nicht. Schließlich hatte ich lange genug Zeit, mich darauf einzustellen. Seit sechs Jahren sind wir zusammen und seit einer Ewigkeit verlobt. Vor elf Monaten haben wir den Hochzeitstermin festgesetzt, da …“

„… kannst du es dir immer noch anders überlegen“, erinnerte Alana sie.

„Nein. Unvorstellbar! Die Hochzeit ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres. Jax kann endlich Holt übernehmen. Mein Vater will seinem Schwiegersohn die Firma übertragen – wie es sich beide wünschen.“

„Und was willst du?“

Das hatte Rachel sich lange nicht mehr gefragt.

„Ich … mag Jax.“

„Liebst du ihn?“

Ein Mann auf einer Jacht erregte ihre Aufmerksamkeit. Er schrubbte das Deck, sein Oberkörper war nackt, und er trug nur verwaschene Jeans. Im Schein der Abendsonne konnte Rachel das Muskelspiel seines durchtrainierten Körpers deutlich erkennen.

Der Anblick verschlug ihr den Atem.

Auf einmal verspürte sie Leidenschaft, ein Verlangen, das sie bisher vermisst hatte. Wie eine Brandungswelle riss der Anblick des Mannes sie aus ihrem Langweilerdasein.

„Nein.“ Sie konnte den Blick nicht von dem Muskelmann abwenden. „Nein, ich liebe Jax nicht. Jedenfalls nicht, wie du denkst. Ich mag ihn, aber mehr ist da nicht.“

Hatte sie das nicht längst gewusst? Doch nach der atemberaubenden Entdeckung beunruhigte Rachel die Erkenntnis mehr, als sie wahrhaben wollte.

Irgendwie hatte sie gedacht, es läge an ihr. Oder weil sie und Ajax zu verschieden waren. Er war nun mal kein leidenschaftlicher Mann und bestürmte sie nie. Im Gegenteil. Er rührte sie kaum an. Nach all den Jahren ging er nie weiter, als sie zu küssen. Lieb, gelegentlich auch innig. In seinem Penthaus dauerte ein Kuss auf der Couch manchmal sogar länger. Aber da wurde nichts ausgezogen. Es war keine erderschütternde Angelegenheit. Aufzuhören fiel Ajax nie schwer.

Und weil er ein fabelhaft aussehender Mann war, hatte Rachael angenommen, dass sie sich nach den Jahren der Zurückhaltung geändert und nach den wilden Ausrutschern gerade noch rechtzeitig den Absprung geschafft hätte.

Seitdem hatte sie sich eisern gezügelt und sich und Ajax für ein ideales Paar gehalten.

Doch das waren sie nicht. Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

In ihr schlummerte Leidenschaft. Sie war immer noch da. Und sie sehnte sich danach …

„Und was willst du nun tun, Rachel?“, fragte Alana besorgt.

Ihr schoss das Blut ins Gesicht. „Tun?“

„Nachdem du erkannt hast, dass du Ajax nicht liebst.“

„Ach …“ Sie wedelte mit der Hand. „Das weiß ich schon lange.“

Alana konnte nicht ahnen, dass Rachels Welt soeben von einem nur vierzig Meter entfernten Herkules aus den Angeln gehoben worden war.

„Was blickst du so fasziniert zu dem Typ auf der Jacht da drüben?“

Rachel riss sich zusammen. „Tue ich das?“

„Ja.“