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Heiße Liebesnächte in New York

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1. KAPITEL

„Genießen Sie die Aussicht?“

Thia spannte unwillkürlich alle Muskeln an, als sie die tiefe Stimme hörte, die aus dem Dunkel hinter ihr kam. Und als sie sich zu dem Mann umdrehte, dem diese Stimme gehörte, spürte sie, wie ihr langsam ein Schauer über den Rücken lief.

Sie war bis eben allein hier draußen auf der Dachterrasse des Apartments im vierzigsten Stock gewesen, in einem dieser beeindruckenden Wolkenkratzer, die die New Yorker Skyline bildeten. Nur ein paar Meter weiter entdeckte Thia jetzt im Mondschein eine hochgewachsene Gestalt. Aus den weit geöffneten Terrassentüren drang gedämpftes Licht nach draußen, dazu Stimmengewirr und das Gelächter der rund fünfzig Partygäste, die sich in der Wohnung versammelt hatten. Doch die Lichtverhältnisse reichten nicht aus, um mehr zu erkennen, als dass der Mann sehr groß, sehr dunkel und sehr breitschultrig wirkte. Mit einem Wort: beeindruckend.

Und gefährlich?

Allein beim Klang dieser tiefen Stimme summte ein Warnton durch Thias Körper und signalisierte ein klares Ja.

Thia legte die Hände fester um die Balustrade. „Bis eben schon“, gab sie zurück.

„Ah, eine Engländerin“, bemerkte er.

„Londonerin“, präzisierte Thia schroff.

„Eine Londonerin, die versucht, dem Trubel da drin zu entgehen?“, fragte die erotische Stimme trocken und ein wenig belustigt.

Nun, Thia musste zugeben, dass sich bei ihr langsam Abnutzungserscheinungen breitmachten, nachdem sie in den vier Tagen, die sie in New York war, bereits an drei aufeinanderfolgenden Abenden auf ganz ähnlichen Partys gewesen war. Die erste Party hatte durchaus noch einen gewissen Unterhaltungswert gehabt, weil sie berühmten Leuten begegnet war, die sie nur aus dem Kino oder Fernsehen kannte. Inzwischen ging ihr die enorme Oberflächlichkeit, die diese Partys verströmten, allerdings gehörig auf die Nerven.

Ihr Aufenthalt in New York war praktisch eine einzige lange Party, mit dem Nachteil, dass sie kaum Gelegenheit hatte, sich mit Jonathan allein zu unterhalten, obwohl sie seinetwegen nach New York gekommen war.

Jonathan Miller war der männliche Hauptdarsteller von Network, einer neuen US-Fernsehserie, die in New York gedreht wurde. Felix Carew, der Gastgeber des heutigen Abends, führte Regie, während seine junge, sexy Frau Simone die weibliche Hauptrolle spielte.

Die Serie war ein Riesenerfolg, und Jonathan war derzeit der erklärte Liebling der New Yorker Glitzerwelt. Lauter reiche, schöne Menschen, von denen es – wie Thia in den vergangenen vier Tagen entdeckt hatte – bemerkenswert viele gab.

Natürlich freute sie sich für Jonathan, den sie vor zwei Jahren zufällig in dem Londoner Lokal kennengelernt hatte, in dem sie neben ihrem Studium als Kellnerin arbeitete. Er hatte im Theater auf der anderen Straßenseite in einem Stück mitgespielt und war zweimal die Woche nach der Vorstellung zum Essen gekommen. So hatten sie sich kennengelernt. Aber wirklich gefunkt hatte es nie zwischen ihnen, deshalb waren sie schließlich stillschweigend übereingekommen, dass sie einfach nur Freunde waren. Vor vier Monaten hatte Jonathan die Hauptrolle in der amerikanischen Fernsehserie übernommen und lebte seitdem in New York.

Thia war eigentlich davon ausgegangen, dass damit das Ende ihrer Freundschaft eingeläutet war. Doch Jonathan hatte sie mehrmals angerufen, und vor einem Monat war er sogar für ein Wochenende zu Besuch nach London gekommen. Weil sie und London ihm fehlten, wie er gesagt hatte.

Als er ihr zwei Tage nach seiner Rückkehr nach New York ein Flugticket erster Klasse für einen einwöchigen Aufenthalt in New York geschickt hatte, war Thia fast vom Stuhl gefallen vor Überraschung. Natürlich hatte sie ihn sofort angerufen, um ihm zu sagen, dass sie das unmöglich annehmen konnte, aber er hatte sich von seiner Idee nicht abbringen lassen.

Thia war eigentlich zu stolz gewesen, um so ein großzügiges Geschenk von ihm anzunehmen, doch schließlich hatte sie kapituliert – allerdings nur unter der Bedingung, dass er das First-Class-Ticket in ein Business-Class-Ticket umtauschte. So viel Geld für einen Flug auszugeben erschien ihr angesichts ihrer eigenen finanziellen Situation fast obszön.

Sie hatten verabredet, dass sie bei ihm im Gästezimmer schlafen würde, denn schließlich waren sie nur Freunde, und dabei sollte es auch bleiben. Sie wollten nur ein paar nette Tage zusammen verleben, mehr nicht. Thia war sogar losgezogen und hatte sich von ihren mageren Ersparnissen ein paar neue Klamotten gekauft.

Doch dann hatte sich herausgestellt, dass für Jonathan „ein paar nette Tage“ doch ziemlich anders aussahen als für Thia. Sie waren jeden Abend auf einer anderen Party eingeladen. Den Vormittag verschlief Jonathan grundsätzlich, während er den späten Nachmittag und frühen Abend irgendwo mit Simone Carew verbrachte, um mit ihr das Drehbuch durchzugehen.

Und so begann sich Thia langsam zu fragen, warum er sie überhaupt eingeladen hatte. Sogar heute war er gleich nach ihrer Ankunft mit Simone verschwunden, obwohl er vorher noch betont hatte, wie unheimlich wichtig gerade diese Party für ihn wäre, weil hier Lucien Steele, der Eigentümer des Fernsehsenders, der Network produzierte, erwartet wurde.

„Sehr schön.“ Die Stimme des Mannes, der jetzt auf sie zukam, war nur ein heiseres Murmeln.

Thias Herz setzte einen Schlag lang aus. Ihre Nervenenden vibrierten, während sie sich in einen subtilen Zitronenduft eingehüllt fühlte, in den sich ein heimtückisch unterschwelliger Geruch nach Maskulinität mischte, der ihr prompt die Sinne vernebelte.

Als sie den Mann ansehen wollte, musste sie den Kopf in den Nacken legen, so groß ragte er trotz ihrer wolkenkratzerhohen Absätze vor ihr auf. Er hatte dunkle Haare, die bis über den Kragen seines weißen Hemds, über dem er ein schwarzes Abendjackett trug, reichten. Sein kantiges Gesicht mit dem energischen Kinn, dem sinnlichen Mund, der schmalen, leicht gebogenen Nase und den hohen Wangenknochen wirkte im Mondlicht wie gemeißelt. Und dazu diese hellen glitzernden Augen …

Durchdringende Augen, die, wie ihr erst jetzt klar wurde, bewundernd auf ihr ruhten und nicht auf der New Yorker Skyline! Diese Erkenntnis bewirkte, dass Thia erneut heftig erschauerte.

„Hat man da drin inzwischen aufgehört, Lucien Steele die blank geputzten handgenähten italienischen Lederschuhe zu lecken?“, fragte sie nervös, allerdings nur, um sogleich peinlich berührt das Gesicht zu verziehen. „Oh, tut mir leid, das war sehr unhöflich von mir.“ Sie wand sich innerlich, als ihr einfiel, wie wichtig Lucien Steele für Jonathans Erfolg in den USA war. Das hatte Jonathan auf der Fahrt hierher mehrmals betont.

„Aber vielleicht ist es ja die Wahrheit?“, fragte der Mann gedehnt.

„Vielleicht.“ Sie nickte. „Trotzdem bin ich überzeugt, dass Mr Steele die Bewunderung mehr als verdient.“

Die Zähne des Mannes blitzten weiß in der Dunkelheit auf, als er den Mund zu einem humorlosen Lächeln verzog. „Oder niemand wagt es, ihm zu widersprechen.“

„Kann sein“, räumte sie ein und streckte ihm, um etwas mehr Normalität bemüht, die Hand hin. „Cynthia Hammond. Aber alle nennen mich Thia.“

Er ergriff Besitz von ihrer Hand, anders ließ sich nicht beschreiben, wie ihre blassen schmalen Finger in seinen großen, braunen, kräftigen verschwanden. Und den Stromstoß, den sie dabei im Arm spürte, konnte Thia unmöglich ignorieren.

„Ich bin nicht alle“, gab er heiser zurück. „Deshalb werde ich mir erlauben, Sie Cyn zu nennen.“

Als Thia hörte, wie er das mit dieser tiefen, sexy Stimme sagte, bekam sie Gänsehaut. Ihre Brüste begannen zu kribbeln, die Brustwarzen wurden hart und drückten sich gegen den dünnen Stoff ihres langen Abendkleids.

Was zweifellos eine höchst unangemessene Reaktion auf einen wildfremden Mann war, der bis jetzt noch nicht einmal höflich genug gewesen war, sich vorzustellen.

„Und Sie sind …?“

Er verzog den Mund zu einem wölfischen Grinsen, zeigte wieder die weißen Zähne. „Lucien Steele.“

Thia schnaubte verächtlich. „Sehr witzig.“

„Sie glauben mir nicht?“ Er klang belustigt.

„Wie könnte ich.“

Er hob eine dunkle Augenbraue. „Und warum nicht?“

Sie atmete ungeduldig aus. „Weil Sie nicht alt genug sind.“ Sie schätzte ihr Gegenüber auf Anfang bis Mitte dreißig, also zehn bis zwölf Jahre älter als sie selbst, und Jonathan hatte ihr erzählt, dass Lucien Steele seit zehn Jahren der reichste und mächtigste Mann von New York war.

Er zuckte die atemberaubend breiten Schultern. „Tja, was soll ich sagen? Meine Eltern waren ebenfalls reich, und ich habe meine erste Million mit einundzwanzig gemacht.“

„Aber ich habe Mr Steele vorhin gesehen“, beharrte Thia. Sie hatte ihn gar nicht übersehen können. „Er ist Anfang vierzig, etwa einen halben Kopf kleiner als Sie und stämmig, mit rasierter Glatze.“ Tatsächlich hatte sie beim ersten Blick auf den Mann gedacht, dass man ihn eher für einen Türsteher halten könnte.

„Das war wahrscheinlich Dex.“

„Dex?“

„Hm.“ Der Mann neben ihr nickte beiläufig. „Mein Bodyguard. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst und besteht darauf, einen Raum stets vor mir zu betreten. Was ich zwar für übertrieben halte, aber so ticken diese Leute nun mal.“

Thia spürte Verunsicherung in sich aufsteigen, als sie den belustigten Unterton in seiner Stimme hörte. Sie fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen, bevor sie fragte: „Und wo ist dieser Dex jetzt?“

„Wahrscheinlich bewacht er die Terrassentüren.“ Er deutete mit dem Kopf auf dieselben Türen, durch die Thia vor ein paar Minuten gekommen war. Wieder musterte sie den Mann forschend, der jetzt so nah bei ihr stand, dass sie seine Körperwärme spüren konnte. Und diese Aura von Macht und Arroganz, in die er eingehüllt war.

Als wäre er schon sein Leben lang daran gewöhnt, dass ihm die Leute die blank polierten handgenähten italienischen Lederschuhe leckten.

Lucien hielt immer noch Cyns leicht zitternde Hand und wartete schweigend, bis sie sich gefasst hatte. Unter seidigen langen Wimpern hervor sah sie zu ihm auf – sie hatte die geheimnisvollsten kobaltblauen Augen, die er je gesehen hatte.

Und wieder fuhr sie sich mit ihrer rosa Zungenspitze über die glänzenden vollen Lippen. „Derselbe Lucien Steele, dem Steele Technology, Steele Media, Steele Industries und weiß der Teufel was sonst noch alles gehören?“, fragte sie matt.

Er zuckte die Schultern. „Vielseitigkeit zahlt sich aus.“

Entschlossen entzog sie ihm ihre Hand und legte sie auf die Balustrade. „Der Milliardär Lucien Steele?“

„Sie sagten es bereits.“

Sie holte tief Luft, wobei sich der dünne Stoff ihres Kleides spannte und sich die vollen Brüste mit den harten Brustwarzen deutlich abzeichneten. Welche Farbe mochten diese Brustwarzen haben? Schwer zu sagen, aber Lucien war sich sicher, dass sie sehr süß schmeckten. Süß und saftig wie reife Beeren würden sie sein, wenn er sie mit seiner Zunge umschmeichelte, daran knabberte und saugte.

Die Frau, die, wie er inzwischen wusste, Cynthia Hammond hieß, war ihm sofort aufgefallen, als er das Penthouse-Apartment von Felix und Simone Carew betreten hatte. Er hatte unmöglich übersehen können, wie sie da ganz allein am anderen Ende des großen Raums stand, mit dem langen schwarzen Haar, das ihr wie ein glänzender Vorhang aus Seide über die Schultern fiel, und den dunklen – kobaltblauen, wie er jetzt sah – Augen, die groß in ihrem blassen Gesicht standen. Die zarte Haut hatte die Farbe von Elfenbein, angereichert mit einem Hauch Rosé und irgendwie leuchtend. Herrlich samtige Haut, die er rasend gern berührt hätte.

Das Abendkleid, in demselben Blau wie ihre Augen, war von schlichter Eleganz. Es schmiegte sich so eng an ihren formvollendeten Körper, dass Lucien sich gefragt hatte, ob sie darunter überhaupt irgendetwas trug.

Und diese Frage stellte er sich noch immer.

Doch was ihn wirklich neugierig gemacht hatte, war die Tatsache, dass sie sich abseits gehalten hatte und bei erstbester Gelegenheit nach draußen auf die Terrasse verschwunden war. Und Lucien hatte nicht widerstehen können nachzusehen, wo sie abgeblieben war.

Bevor sie sprach, atmete sie wieder tief durch, was seine Blicke erneut auf ihr Dekolleté lenkte.

„Tut mir wirklich leid, Mr Steele. Das ist keine Entschuldigung, aber mein Abend war bisher nicht allzu erfreulich, und jetzt habe ich durch meine Unhöflichkeit alles noch schlimmer gemacht.“ Ihr war sichtlich unbehaglich zumute. „Das haben Sie nicht verdient.“

„Ich glaube kaum, dass Sie mich nach so kurzer Zeit schon gut genug kennen, um einschätzen zu können, was ich verdient oder nicht verdient habe“, gab er spöttisch zurück.

„Na ja … nein … aber …“ Sie schüttelte den Kopf, wobei ihr seidig glattes Haar ihre nackten Schultern und ihr Dekolleté streichelte. „Es war nicht nett von mir, so abfällig über jemanden zu reden, den ich nur aus den Medien kenne.“

„Besonders wo wir doch alle wissen, wie peinlich genau es die Medien mit der Wahrheit nehmen, richtig?“, kam es trocken zurück.

„Stimmt!“ Sie nickte nachdrücklich. Und stutzte, bevor sie ihn wieder verunsichert anschaute. „Apropos Medien, befinden sich nicht ungefähr neunzig Prozent aller Medienunternehmen in Ihrem Besitz?“

„Keine Sorge, das würde das Kartellamt nicht zulassen“, wusste er sie zu beruhigen.

„Schert sich denn ein Milliardär um solche Kleinigkeiten wie Regulierungen?“, scherzte sie.

„Da wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, wenn er nicht Gefahr laufen will, sich mit seinem Hintern auf der Anklagebank wiederzufinden.“

Als sie das heisere Auflachen des Mannes hörte, spürte Thia, wie ihr erneut ein inzwischen schon fast vertrauter Schauer über den Rücken rieselte.

„Ist Ihnen kalt?“

Ohne ihre Antwort abzuwarten, zog Lucien Steele sein Sakko aus und legte es ihr um die nackten Schultern. Das Kleidungsstück reichte ihr fast bis zu den Knien und strömte den gleichen verführerischen Duft aus wie der Mann selbst.

„Nein, wirklich …“

„Lassen Sie.“ Er kam ihr zuvor, als sie die Arme hob, um das Sakko wieder wegzunehmen, und legte ihr beide Hände auf die Schultern.

Thia erschauerte ein weiteres Mal, während sie durch den Stoff die Wärme spürte, die seine großen, eleganten Hände ausstrahlten. Ein Erschauern, das alles mit der überwältigenden Präsenz dieses Mannes und nichts, aber auch gar nichts mit der Lufttemperatur zu tun hatte …

Seine Hände ließen nur widerwillig von ihr ab, als er sich wieder neben sie stellte und sie aus silberhellen Augen forschend musterte. Sein Körper war muskulös und durchtrainiert, was Anlass zu der Vermutung gab, dass er nicht den ganzen Tag am Schreibtisch über seinen Milliarden brütete.

„Warum haben Sie keinen schönen Abend?“, fragte er sanft.

Sie zuckte die Schultern. „Solche Partys sind nicht mein Fall.“

„Warum nicht?“

„Ich weiß nicht. Es ist einfach nicht mein Geschmack, das ist alles.“

„Und was machen Sie dann hier? Sind Sie Schauspielerin?“

„Himmel, nein!“

„Dann sind Sie ein Model?“

Sie lachte spöttisch auf. „Bei meiner Größe wohl kaum.“

„Das ist ja alles nicht sonderlich hilfreich, Cyn.“ In seiner Stimme schwang leise Ungeduld mit. Sie verbuchte es als positiv, weil so wenigstens die Hoffnung bestand, dass er sie bald in Ruhe ließ.

Sie hob entschlossen das Kinn. „Ich bin nur ein ganz kleines Licht, das zu Besuch in New York ist.“

Zumindest dem ersten Teil ihres Satzes widersprach Lucien Steele in Gedanken ganz entschieden. Ein ganz kleines Licht war Cynthia Hammond mit Sicherheit nicht, dafür strahlte ihre Schönheit viel zu hell.

Sie zog die dunklen Augenbrauen hoch. „Verpassen Sie nicht Ihren Einsatz. Sie dürfen sich jetzt entschuldigen und gehen.“

Er kniff die Augen zusammen. „Warum sollte ich?“

Sie zuckte die Schultern. „Weil das bisher alle gemacht haben, sobald sich herausstellte, dass ich ihnen nicht von Nutzen sein kann.“

Tja, das war für die New Yorker Schickeria typisch. Damit hatte Lucien jahrelange Erfahrung. Diese Leute hatten weder Takt- noch Schamgefühl und taten nur das, was ihnen in den Kram passte. „Aber ich bin nicht alle, ich glaube, das sagte ich bereits.“

„Stimmt das wirklich? Ich meine …“ Jetzt stieg ihr eine reizende Röte in die blassen Wangen. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, um ihn gleich darauf zerknirscht anzuschauen. „Ich muss mich schon wieder entschuldigen. Tut mir leid, aber das ist heute einfach nicht mein Tag.“ Sie seufzte.

„Machen Sie sich nichts draus. Möchten Sie gehen? Wir könnten noch irgendwo etwas trinken. Irgendwo, wo es ruhiger ist.“

Cyn blinzelte verdutzt. „Wie bitte …?“

Lucien lächelte schief. „Ich kann solche Partys auch nicht leiden.“

„Aber Sie sind hier der Ehrengast.“

Er verzog angewidert das Gesicht. „Und Partys, auf denen ich der Ehrengast bin, mag ich erst recht nicht.“

Thia musterte ihn, während sie sich fragte, was für ein Spiel er mit ihr spielte. Oder warum er sich überhaupt mit ihr befassen wollte – falls er das wirklich vorhatte.

2. KAPITEL

Thia schüttelte bedauernd den Kopf. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre.“

„Warum nicht?“

„Sind Sie immer so hartnäckig?“

Er ließ sich mit seiner Antwort Zeit. „Wenn ich etwas wirklich will, schon“, antwortete er schließlich leise.

Und Thia konnte in seinen silbernen Augen lesen, dass Lucien Steele im Moment sie wollte.

Dass er sie sehr wollte.

Unbedingt.

Als sie sich ausmalte, wie es sich anfühlen mochte, wenn dieser schöne Mund und diese langen schlanken Hände alle Geheimnisse ihres Körpers erforschten, wurde ihr ein wenig schwindlig.

„Ich glaube, ich sollte wieder reingehen.“ Verlegen zog sie sich sein garantiert sündhaft teures Sakko von den Schultern und hielt es ihm hin. „Bitte“, drängte sie ihn, als er keine Anstalten machte, das Kleidungsstück entgegenzunehmen.

Er musterte sie einige Sekunden lang forschend, bevor er die Hand danach ausstreckte und es achtlos über die Balustrade warf.

„Cyn …“

Thia war wie gebannt von der Art, wie er mit dieser Wahnsinnsstimme den Namen aussprach, den er ihr gegeben hatte. Sie spürte ihren Körper so intensiv wie nie zuvor – ein feines Beben vom Kopf bis in die Zehenspitzen, das bereits bekannte heftige Kribbeln in ihren Brüsten, die ungewohnte Wärme zwischen ihren Beinen.

„Ja …?“, fragte sie atemlos.

„Ich möchte wirklich, dass wir gehen.“

„Ich kann nicht.“

„Warum nicht?“

„Weil ich …“ Thia straffte entschlossen die Schultern. „Ich bin nicht allein hier.“

Seine Augen wurden schmal. „Sondern mit einem Mann?“

„Ja.“

Sein Blick wanderte zu ihrer linken Hand. „Sie tragen keinen Ring.“

Thia schüttelte den Kopf. „Er ist ein Freund.“

„Ein enger Freund?“

„Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht …“

„Und wenn ich finde, dass es mich sehr wohl etwas angeht?“

„Das entscheiden nicht Sie“, gab sie brüsk zurück, nicht ganz sicher, ob das wirklich noch stimmte.

Lucien Steele schüttelte grimmig den Kopf. „Schön, aber ein besonders enger Freund kann er nicht sein, wenn er mit Ihnen hierherkommt und Sie dann einfach stehen lässt.“

„Ich bin erwachsen und komme sehr gut allein zurecht, vielen Dank“, versicherte sie ihm spitz.

Lucien Steele zog die dunklen Augenbrauen hoch. „So gut, dass Sie sich hier draußen verstecken müssen, statt sich wie alle anderen drinnen zu amüsieren?“

Sein spöttischer Tonfall verletzte sie. „Vielleicht wollte ich ja einfach nur diesen Speichelleckern aus dem Weg gehen?“

„Sie meinen, den Leuten, die blank geputzte handgenähte italienische Lederschuhe lecken“, korrigierte er trocken.

„Was auch immer. Aber ich bin mir sicher, dass Sie heute Abend auch nicht allein hier sind …“ Sie erinnerte sich vage, gehört zu haben, dass Lucien Steele derzeit mit dem Supermodel Lyndsey Turner liiert war.

„Zufälligerweise schon. Ich bin allein gekommen und will mit Ihnen gehen“, fügte er entschieden hinzu, wobei ihm bewusst war, dass er sich schon lange nichts mehr so sehr gewünscht hatte, wie Zeit allein mit Cynthia Hammond zu verbringen.

„Aber Sie kennen mich doch gar nicht“, wandte sie verzweifelt ein.

„Richtig, und genau deshalb will ich Sie kennenlernen“, konterte er.

„Hat Ihnen noch niemand gesagt, dass kein Mensch alles bekommt, was er sich wünscht?“

„Nein.“ Luciens Kiefermuskeln zuckten.

„Weil es niemand wagt, Ihnen zu widersprechen?“, vermutete sie betont sanft.

„Gut möglich.“ Und wieder klang es überhaupt nicht bedauernd.

Was für eine bodenlose Arroganz! Thia entschlüpfte ein verzweifeltes Auflachen. So etwas war ihr noch nicht begegnet. „Dann bin ich eben die Erste. Es war … interessant, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mr Steele, aber jetzt muss ich Sie leider alleinlassen … Was machen Sie denn?“

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