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Heisse Küsse

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Widmung
  5. Erstes Kapitel
  6. Zweites Kapitel
  7. Drittes Kapitel
  8. Viertes Kapitel
  9. Fünftes Kapitel
  10. Sechstes Kapitel
  11. Siebtes Kapitel
  12. Achtes Kapitel
  13. Neuntes Kapitel
  14. Zehntes Kapitel
  15. Elftes Kapitel
  16. Zwölftes Kapitel
  17. Dreizehntes Kapitel
  18. Vierzehntes Kapitel
  19. Fünfzehntes Kapitel
  20. Sechzehntes Kapitel
  21. Siebzehntes Kapitel
  22. Achtzehntes Kapitel

 

Dies ist für Bella Michelle Buonfiglio mit vielen, vielen Grüßen für ihre Freundschaft, für ihre nette Art und ihre begeisterte Unterstützung meiner Arbeit.

Erstes Kapitel

»Verdammt! Oh, verdammt!«

Jay warf sich aufs Bett, knirschte mit den Zähnen und ritt auf dem Schmerz. Wann, zum Teufel, würde der Schmerz abklingen? Seit über einem Jahr wurde er jetzt von ihm gepeinigt. Als ob jemand rot glühende Speere in seine Gelenke und Knochen stieß, wann immer er es übertrieb. Seit Monaten kämpfte er mit hochgradigen Schmerzkillern dagegen an. Eines Tages konnte er bestimmt wieder laufen, ohne dass er das Gefühl hatte, durch einen Fleischwolf gedreht zu werden.

Er zog das ›schlimmere‹ Bein an seinen Brustkorb, spannte sich und entspannte dann, und wartete ungeduldig auf die übernatürlichen Dienste seines Masseurs, auch wenn er wusste, dass solcher Luxus zurzeit gestrichen war.

Einer der vielen Preise, die er dafür zu zahlen hatte, dass er Geschäft mit dem Verfolgen eines jugendlichen Traums verwechselte.

Er hob sich wieder hoch und schaute sich um. Er befand sich in einem altmodischen Zimmer, ein bisschen zu verspielt und zu plüschig für seinen Geschmack, aber sonst tadellos. Das Waverley Grange war schon ein sonderbares Hotel, aber es lag in der Gegend, deshalb wollte er hier absteigen und herausfinden, um was es bei dem Ärger eigentlich ging. Er hatte seinen Vater noch nie so angesäuert gesehen wie im vergangenen Jahr, als er in der Gegend gewesen war.

Der alte Herr hatte das Waverley im Blick gehabt, um dort zu übernachten, aber er musste erfahren, dass alle Zimmer belegt waren. Es hatte eine Zeit gegeben, da wäre Jay über eine solche Nachricht erfreut gewesen. Seit längerer Zeit hatte er sich mit seinem Vater nicht gut verstanden.

Aber in den letzten Jahren hatten sie endlich begonnen, zusammenzuarbeiten. Das Waverley lag ideal für Jays Auftrag, die Gegend zu erkunden. Hinzu kam, dass der lokale Porno-Sender zum Verkauf anstand, ein Kabelkanal, den Jay als heiß und erstklassig beurteilt hatte. Er hatte solche kosmopolitischen Perversionen nicht in einem Landhausstil erwartet, aber es handelte sich wohl um eine Besonderheit des Waverley.

Kein Wunder, dass der alte Herr verärgert war, so pauschal abgewiesen worden zu sein.

Der Gedanke an Porno, Sex und Frauen ließ Jay die Stirnfalten runzeln. Zurück zu dem riesigen Rätsel. Er schüttelte sich, als hätte jemand Schnee auf seinem Grab abgeladen.

Ich bin völlig abgefuckt. Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich will. Oder mit wem.

Und doch war er hier. Rannte einer Phantasie nach. Wahrscheinlich seinem eigenen Phantasieprodukt. Aber dieses ließ seinen Schwanz wieder lebendig werden, obwohl alles um ihn herum für Verwirrung sorgte.

Er griff nach seiner Brieftasche. Sie enthielt einen geheimen Schatz, von dem nur er wusste; ein kleiner Zeitungsausschnitt mit einem Foto. Der winzige Papierfetzen stellte eine Brücke zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit her.

Du Arsch! Schmachtest nach ihr wie ein schwachsinniger Teenager! Hat das dieser Unfall in einem Aston Martin aus dir gemacht? Du hängst kranken Masturbationsphantasien einer idealisierten Erinnerung nach, während du Mühe hast, einen hochzukriegen, wenn du mit einer echten attraktiven Frau konfrontiert bist.

Jüngste Erinnerungen an Demütigungen und Enttäuschungen stiegen in ihm hoch und schmeckten nach Galle, aber mit großer Mühe verbannte er sie und kehrte zum Reich seiner Träume zurück, in dem er die Kontrolle hatte, wo sein Körper ihm gehorchte.

Ehrerbietig faltete er den Zeitungsausschnitt auseinander. Er hatte ihn zufällig in einem lokalen Magazin gefunden, das zu den Unterlagen seines Vaters gehörte, und der Gedanke, dass er den Ausschnitt leicht hätte übersehen können, ließ das Blut in seinen Adern gefrieren.

Mit der Fingerspitze strich er über das herzförmige Gesicht und über das wuschelige wilde rote Haar einer lächelnden Frau. Sie sah noch genauso aus wie vor fünfzehn Jahren, wenn man die Kratzer und Flecken in ihrem Gesicht und den entsetzten, betäubten Ausdruck von damals vergaß.

Du warst bis über beide Ohren verliebt.

Aber er konnte sich noch an das zarte Gewicht ihres Körpers erinnern, als er sie getragen hatte, an den Duft ihres frischen mädchenhaften Parfums, an die süßen nachgiebigen Lippen bei diesem kurzen Kuss.

Küss es besser.

Er hatte es als Trost gedacht, während sie auf den Krankenwagen warteten, aber selbst jetzt noch schämte er sich, denn er spürte heute noch, wie geil er damals gewesen war, trotz seiner Arbeit als Samariter. Er fühlte sich so schlecht oder noch schlechter als der Bastard, der sie zu Boden geschlagen hatte.

Er legte sich wieder aufs Bett zurück und hielt den kurzen Zeitungsausschnitt wie eine religiöse Reliquie hoch. Sein Penis wurde spontan härter.

Hiesige Café-Besitzerin erhält Auszeichnung wegen frischer Zutaten bei ihren Menu-Angeboten.

»Alexandra … Alexandra …«, krächzte er und ließ ihren Namen auf der Zunge zergehen. Seine angestrengte Stimme klang rauer als vorher, weil er so erschöpft war.

Sein verbittertes Lachen zerschnitt die Luft. Sie würde ihm wahrscheinlich sagen, er sollte abhauen. Sie hatte Grund genug für ihre ablehnende Haltung. Manchmal waren die Irrungen und Wirrungen eines Lebens unglaublich, aber diese Fügung brachte vielleicht Erleichterung.

»Du wirst nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, Alexandra. Und doch bist du jetzt die einzige Frau, bei der er stehen würde. Willst du mir lieber zuschauen, wie ich mir einen runterhole?« Er schüttelte den Kopf. Erschöpfung und Schmerzen führten bei ihm zur Demenz. Er war überzeugt, dass das Gesicht auf dem Foto ihn anlächelte.

»Also gut, dann willst du es also.«

Er hauchte einen Kuss auf das Foto und legte den Zeitungsausschnitt vorsichtig auf den Nachtschrank. Dann, ohne Stöhnen und ohne Flüche, hob er seinen schmerzenden Körper an und drückte den Rücken in die Kissen. Er hatte perfekte Sicht auf ihr Lächeln, auf die wilden Haare und auf die süß gerundeten Brüste unter dem weißen T-Shirt.

Er sog tief die Luft ein und stieß sie als Seufzer wieder aus. Er glitt mit einer Hand in seine Jogginghose und legte die Finger um seinen Penis. Er gab sich einer vertrauten Phantasie hin.

Prinzessin.

So nannte er sie in diesen geheimen privaten Momenten. Denn mit ihren langen roten Locken und den großen grünen Augen sah sie wie eine Prinzessin aus dem Märchen aus. Und ihre zierlichen Hände umfassten seinen Penis, als gefiele ihr das.

Langsam bearbeitete sie ihn. Ihre Hand war kühl und federleicht, und sie bewegte verführerisch die Haut seines Organs über den harten Stamm. Sie neckte ihn ein bisschen und drehte den Stab fast bedrohlich. Ah, genauso wollte er von einer Frauenhand berührt werden. Ihre Fingerspitzen ritten ihn auf eine delikate Weise, sie schmeichelten ihm in dieser Sekunde, und in der nächsten pumpten sie ihn gnadenlos.

Oh, Himmel, ja, Prinzessin!

Aber nein, keine Prinzessin mehr da. Jetzt hatte sie einen Namen, und es wurde Zeit, sich daran zu gewöhnen.

»Alexandra.«

Er schloss die Augen und rutschte auf seinem Bett hinunter. Er brauchte das kleine Foto nicht mehr, denn in seinem Kopf setzte sich das Produkt seiner fünfzehnjährigen Phantasie, Spekulation und Begierde fest.

In seiner Phantasie zog Alexandra Jackson ihr weißes T-Shirt über den Kopf und enthüllte ihre bewundernswerten Brüste. In seiner Vorstellung trug sie einen Spitzen-BH, genau die Art, die er gern bei einer Frau sah. Er war weiß und durchsichtig, sodass er ihre Nippel wie dunkle Beeren durch den Stoff sehen konnte. Sie schlängelte sich aus ihren engen Jeans, und darunter erkannte er einen winzigen Stringtanga; ein Fetzen Stoff, der die Sicht auf ihre Pussy eher verstärkte als behinderte.

Keine Balletttänzerin und keine Athletin hätte sich anmutiger bewegen können, als Alexandra über ihn stieg und ihn mit den schlanken langen Fingern einfädelte, nachdem sie die Spitze des Tangas zur Seite gezogen hatte. Sein Verstand sagte ihm natürlich, dass es immer noch seine Hand war, die ihm diese Freude bescherte, aber seit wann hatte sein Verstand etwas mit dieser Beziehung zu tun? Er hatte fünfzehn Jahre lang Zeit gehabt, Ähnlichkeiten zu entwerfen.

Oh, Himmel, du bist aber eng! Und so heiß! So umschlingend.

In seinem Kopf sah er ihren verführerischen Ausdruck. Ihre Lippen waren süß und weich und voll, sie bogen sich zu einem gierigen und delikat lasziven Lächeln. Sie strömte puren Sex aus, war zugleich aber auch frisch und zart.

Trotz seiner geheimnisvollen Vorstellung - wenn sie sich ihm hingab, blieb sie ein Rätsel für ihn. Und es war dieses Gefühl des Heimlichen und die umschlingende heiße und völlig illusionäre Pussy, was ihn schließlich überwältigte.

Glühendheiße Lust ergoss sich über sein Rückgrat, von den Hoden bis zum sprühenden Penis. Im Hinterkopf registrierte er, dass er sich reinigen musste, sobald er fertig war, aber er verdrängte diesen Gedanken und gab sich dem Glück und der blinden Sensation hin. Er war ein Opfer seines Orgasmus, sogar ein williger Sklave.

Er brauchte eine Weile, bis er auf die Erde zurückfand. Er schwebte zwischen Bewusstsein und Schlaf, nicht erregt, aber auch nicht uninteressiert. Undeutliche Szenarien wehten durch sein Gehirn.

Er sah sich mit der Prinzessin aus dem Märchen im Bett. Er nahm perverse Szenen aus dem erstklassigen Pornokanal von Waverley wahr. Er erlebte Erinnerungen wieder, die ihm lieb geworden waren, sexuelle Abenteuer, an die er sich bis zu dem Tag erinnern konnte, an dem er im Streckverband wach geworden war, den ganzen Kopf bandagiert.

Schließlich richtete er sich auf, schüttelte sich die Phantasien aus dem Kopf und versuchte, wieder in die Wirklichkeit zurückzufinden.

Es war Zeit für eine Dusche. Er musste seinen Bart trimmen und sich ordentlich präsentieren, wenigstens so gut, wie das heutzutage möglich war. Am Nachmittag würde er zum Little Teapot Café gehen.

Zweites Kapitel

In ihrem Nacken kribbelte es wieder.

Sandy Jackson fuhr auf dem Absatz herum, und richtig, da stand er, der Mann vom Teapot. Der Fremde mit der heiseren Stimme, dem militärisch geschorenen Kopf und dem lustigen Ziegenbärtchen. Der Mann, der sie am Nachmittag bei Tee und Scones unermüdlich angestarrt hatte.

Sie war nicht sicher, was er heute Abend hier suchte, aber sie wusste genau, dass er der Mann war, der nicht aufhörte, sie zu beobachten. Er starrte sie selbst dann an, wenn sie ihm den Rücken zuwandte, hatte Kat ihr gesagt.

Jetzt sah er sie nicht an. Oder wenn doch, mussten seine Augen wie Kugelblitze sein. Im Moment unterhielt er sich mit einer netten Frau im besten Alter. Sein strenger Ausdruck wurde durch ein aufmerksames Lächeln gemildert. Seine dunklen Augen zwinkerten fröhlich und richteten sich schmeichelnd auf seine Begleiterin.

Mist, Mann, ich dachte, du wärst mein Stalker!

Es war völlig idiotisch, aber sie empfand Eifersucht und drehte dem aufreizenden Mann den Rücken zu. Sie bemühte sich, unbemerkt das Ende des Raums zu erreichen. Bei dieser Soiree der Handelskammer fühlte sie sich ausgesprochen unwohl. Sie war nur gekommen, um die letzten Neuigkeiten über das Baugebiet rund um den alten Bradbury's Supermarket zu hören. Wenn man der erstaunlich zuverlässigen Gerüchteküche glauben konnte, wollte Forbes Enterprises aus dem ehemaligen Supermarkt ein ganztägig geöffnetes Restaurant mit Kinderspielplatz machen, und das konnte das Ende des Little Teapot Café bedeuten.

Forbes Enterprises! Noch mehr Mist!

Sie setzte ein betoniertes Lächeln auf und beteiligte sich an den Gesprächen mit ein paar anderen Gästen. Bla-bla-bla, war es nicht heiß? Ist dies kein attraktives Lokal? Hast du gewusst, dass es einen nicht sehr guten Ruf hat?

Ein Kellner huschte mit einem Tablett mit Häppchen vorbei, und ohne es wirklich zu wollen, nahm sie sich eins.

Mm, nicht schlecht. Irgendein Tomatengeschmack, auf Käse gebacken. Bevor der jugendliche Kellner verschwinden konnte, griff sie nach einem weiteren Häppchen; eine Miniaturtorte, mit Garnelen in Minze und Kräutermayonnaise gefüllt. Auch diesmal nicht schlecht. Sie hoffte, dass Kat, ihre Köchin, sich alles merkte. Es war wichtig, im Little Teapot immer wieder mal frische Sachen mit einem ganz neuen Geschmack vorzustellen, statt bei dem üblichen Kuchen und den schlichten Grillgerichten um die Mittagszeit zu bleiben.

Wenn sie sich einen Ruf erwerben könnten, dass ihre Snacks nach mehr verlangten, half es ihnen vielleicht, dem Angriff des neuen Restaurants zu widerstehen.

In ihrem Nacken kribbelte es wieder, und bevor sie sich daran hindern konnte, drehte sie sich um und suchte Mr. Stalker mit dem sexy Ziegenbärtchen.

Und da war er natürlich auch, und diesmal verbarg er nicht die Tatsache, dass er sie anstarrte. Im Gegenteil, er nickte, tippte an sein Glas und bedachte sie mit einem rätselhaften geheimen Lächeln.

Sandy erwiderte das Lächeln vage, denn sie wollte nicht, dass er es als ermutigend auffasste. Aus irgendeinem Grund - sie konnte nicht genau sagen, warum - war sie nicht sicher, dass sie überhaupt mit ihm reden wollte.

Er sah wie ein brutal attraktiver Serienmörder aus, und er hatte etwas an sich, was sie ängstigte. Ihre Nerven spannten sich. Wenn man ihn genauer kennen lernte, war er wahrscheinlich ein sympathischer Mann, aber wenn sie ihn jetzt anschaute, war ihr, als schritte er direkt durch ihre Seele.

Nicht mein Typ. Überhaupt nicht. Zu mitgenommen. Zu sehr Macho. Wahrscheinlich viel zu kompliziert.

Der Wein in ihrem Glas taugte nicht viel, aber sie nippte trotzdem daran. Er war nicht schwer genug, um davon narkotisiert zu werden, aber sie musste irgendwas unternehmen, um ihre Gedanken von diesem Mann abzulenken.

Und ihre Füße! Verdammt, warum hatte sie sich von Kat überreden lassen, diese verrückten hohen Absätze zu tragen? Sie sahen hervorragend aus und streckten ihre Beine auf wunderbare Weise. Aber sie brachten sie um, und man musste Oscar-reife Leistungen bringen, um das nicht zu zeigen. Schweiß perlte auf ihrer Stirn, als sie einem Stammkunden des Little Teapot zulächelte. Wenn sie mal rasch wegrennen musste, würde ihr das heute Abend nicht gelingen.

Schnell wegrennen?

Eine mächtige Faust schien ihre Innereien fest zu pressen.

Was? Nach all dieser Zeit? Warum musste sie gerade jetzt an eine uralte Geschichte denken?

Eine Erinnerung, scharf und zugleich auch nur schemenhaft sichtbar, brachte kalte Angst und auch ein warmes schwebendes Image eines Gesichts mit. Es war ein glattes, junges, männliches Gesicht. Fast engelhaft. Langes, dichtes, dunkles Haar, ein wenig zerzaust. Eine sanfte Stimme und weiche Lippen auf ihren, dann ihr leises Flüstern: »Küss es besser.«

Aber so schnell der Eindruck auftauchte, so schnell begann er zu schwinden und ließ sie kopfschüttelnd zurück. Sie fand sich in der Gegenwart wieder und sah sich um.

Sie zuckte einige Male die Achseln und verlor allmählich ihre Desorientierung. Sie richtete den Fokus auf ihre Umgebung.

Dies war das erste Mal, dass sie zum Waverley Grange Hotel gegangen war, und ihr ging es nicht anders als den meisten Gästen auch: Sie fragte sich, was an den Gerüchten über dieses Hotel wahr war. Das Hotel sollte unter dem feinen Luxus und dem alten Charme eine Lasterhöhle sein, und einige Drucke an den Wänden der Lawns Bar schienen die heimlichen Einflüsterungen zu bestätigen.

Sandy fächerte sich mit den Fingern Luft zu. Teufel, es war heiß an diesem Abend. Und das war noch vor dem Betrachten der schlüpfrigen Kunstwerke.

Vor sich sah sie ein stilisiertes Foto eines nackten Paares, verbunden in einem komplizierten System von Gliedmaßen, Schweiß und Sinnlichkeit. Sandy hoffte, dass die ziemlich prüde Bürgermeisterfrau es übersehen würde, denn die strahlende Offenheit trieb sogar ihren eigenen Puls an.

Die Hand des Mannes hatte sich zwischen die Schenkel der Frau geschoben, und obwohl nicht genau zu sehen war, was sie dort trieb, war es Sandy so, als berührten die Finger sie selbst. Sie schienen in die Ritze ihrer Pussy vorzustoßen, zu streicheln, zu quaddeln und zu spielen.

Plötzlich wirbelte sie herum, denn sie stellte sich vor, dass der Mann aus dem Café hinter ihr stand. Oder vielleicht ein anderer Mann aus einem Traum.

Die Gefühle brachten ihr Schwindelattacken, und das klaustrophobische Gedränge echter Körper brachte ihr Herz ins Stocken. Sie entschuldigte sich und glitt zwischen zwei anderen Kunstfreunden vorbei, die ebenfalls das Foto betrachteten. Jemand benutzte offenbar kein kräftiges Deo, und Sandy rümpfte die Nase und ging weiter auf die Suche nach frischer Luft.

Neben einem offenen Fenster fand sie ein anderes kunstvolles Foto an der Wand. Es zeigte einen gut aussehenden Mann mit langen dunklen Haaren, der in dramatischen Schatten am Fenster stand. Mit einem nachdenklichen Ausdruck starrte er hinaus, und wie das andere Paar war auch er nackt.

Nicht mein Typ. Aber du kommst mir irgendwie bekannt vor.

Sie verengte die Augen zu Schlitzen und beugte sich dem Foto etwas weiter entgegen. Als sie den sexy Eigentümer oder Manager des Hotels erkannte, der ihr erst vor kurzem vorgestellt worden war, musste sie kichern.

»Er ist also Ihr Typ?«

Sandy knickte auf ihren albernen hohen Absätzen fast um. Sie wusste genau, wer hinter ihr stand, und die tiefe, eigenartig raue Stimme schien zu ihm zu passen. Im Teapot hatte sie ihn selten sprechen gehört, denn Kat bediente ihn, aber es war eine unüberhörbare Stimme, die man nicht so schnell vergaß.

Sie zwang sich zur Ruhe und wandte sich langsam dem Mann mit dem Bart zu, der sie die ganze Zeit beobachtet hatte und nun nur ein paar Schritte von ihr entfernt stand.

»Nicht wirklich.« Sie traute sich, zu ihm aufzuschauen. Seine Augen blickten wach und intelligent; sie waren dunkelgrau und glitzerten in einem beunruhigenden Licht. Verunsichert wandte sie sich wieder dem Mann auf dem Foto zu, dem glamourösen Signor Guidetti. »Aber ich glaube, er ist unser ehrenwerter Gastgeber, der Hotelmanager.«

»Ja, das ist er.«

Ein paar Sekunden lang starrten sie schweigend auf das Foto, dann sahen sie sich zusammen den Raum an, als hofften sie, den höflichen, ein wenig eitlen italienischen Hotelbesitzer irgendwo zu sehen.

»Warum ist er nicht Ihr Typ?«

Sandys Stirn legte sich in Falten. Was ging ihn das an? Aber der Geist aus der Vergangenheit tauchte wieder auf.

»Er ist zu perfekt, zu eitel, zu glatt.«

Im Gegensatz zu dir.

Sie kämpfte dagegen an, vor ihm zurückzuschrecken. Aus der Nähe sah der raue Bursche noch viel rauer aus. Er war groß und überragte sie wie ein Turm. Seine Schultern waren breit, und die muskulösen Gliedmaßen unter dem attraktiven, leichten mitternachtsgrauen Anzug wirkten kräftig. Der Bürstenhaarschnitt seiner dunklen Haare lag wie eine Welle aus Samt über seinem Schädel. Er sah aus wie ein römischer Imperator, zivilisiert und doch wild.

Aber es war in erster Linie sein Gesicht, das sie schlucken ließ. Sie war fasziniert von ihm und auch ein wenig verängstigt. Seine Züge waren gleichmäßig, wie aus Stein gehauen und sehr männlich. Aber das Netzwerk der feinen weißen und rosa Narben, die sich über die hohen Wangenknochen zogen, der Mund und das Kinn, verziert von einem kurzen dunklen Bart, sprachen beredt von Schmerz und Leid.

»Im Gegensatz zu mir.«

Das stark verletzte Gesicht verzog sich zu einem milden Lächeln, als er ihren Gedanken aussprach, und Sandy hätte beinahe ein Keuchen ausgestoßen. Wieder wurde sie von einer Erinnerung gepackt, die sie fast umgerissen hätte.

»Es ist nicht schlimm, so auszusehen, als hätte man schon einiges durchgemacht im Leben«, sagte sie und war froh, dass sie sich wieder gefasst hatte. Trotz all seiner Narben hatte der Mann Charisma. Und sein kräftiger Körper wirkte auf sie und beschleunigte ihren Herzschlag. Trug er überall diese Narben? Waren auch seine Arme und Beine mit Narben übersät? Plötzlich schien es ihr wichtig, das herauszufinden.

»Nun, das ist gut zu wissen.« Sein tiefes Lachen war so rau wie seine Stimme. Sandy fühlte, dass es nach ihr griff und wie mit einer Phantomhand berührte. Hormonale Reaktionen schossen durch ihren Körper, und ihre Haut prickelte überall. Ein feiner Schweißfilm bildete sich. Ihr war schon öfter heiß gewesen, aber jetzt brannte sie.

»Noch einen Drink?«

Ihr Begleiter wies auf ihr Glas, und Sandy sah erst jetzt, dass es leer war. Sie konnte sich nicht erinnern, den Wein getrunken zu haben, aber offenbar hatte sie ihn nervös gebechert, ohne es zu bemerken. Noch ein Glas würde ihr guttun und den trockenen Mund ölen, auch wenn es ein eher schlaffer, durchschnittlicher Wein war.

»Ja, großartig. Sehr gern, danke.«

Sie hielt ihm das leere Glas hin, und als der geheimnisvolle Mann es in die Hand nahm, berührten sich ihre Finger für einen Moment. Elektrizität schien Funken zwischen ihnen zu sprühen und erhöhte noch die sensationellen Gefühle. Sie unterdrückte ein Keuchen, und seine dunklen Augen weiteten sich. Er fühlte auch, was sich zwischen ihnen abspielte.

»Ich bin gleich wieder zurück. Laufen Sie nicht weg.«

Der Drang, ihm zu trotzen und wie der Wind wegzufliegen, stieg in ihr hoch, und wenn ihre Schuhe nicht so verdammt unbequem gewesen wären, hätte sie dem Drang vielleicht nachgegeben. Irgendwas an seinem breiten Rücken, als er sich von ihr entfernte, wirkte sehr beunruhigend auf sie. Bedrohend. Alles an ihm ließ ihre Sinne hüpfen, und wenn sie damit fertig werden wollte, brauchte sie vorher frische Luft. Falls er wirklich interessiert war an ihr, würde er ihr nach draußen folgen, oder nicht?

Es war eine Weile her, dass sie ein so spontanes Verlangen in sich spürte, und es für einen vernarbten und bedrohlichen Fremden zu fühlen, war so verwirrend wie der Mann selbst. Aber sie konnte es nicht ignorieren oder verdrängen. Sie war da, diese Lust, die sie schmecken konnte; sie spürte sie tief in ihrem Schoß wie ein schweres, aber nicht unangenehmes Gewicht.

Ich sollte gehen. Ich sollte wirklich verschwinden.

Wo war Kat? Sie waren zusammen mit dem Taxi gekommen. Sie musste ihrer Freundin sagen, dass sie gehen wollte.

Sie will sich wahrscheinlich mit Greg treffen.

Ein plötzliches Bild, in dem sie sich sah, wie sie sich auf Sex einließ, trieb die sinnliche Spirale noch an. Sie schwankte leicht hin und her, als diese Bilder sie wieder verfolgten, aber es waren nicht die sonst weich gezeichneten Bilder ihrer geheimnisvollen Rettung und des Prinzen, der ihr vor diesen vielen Jahren aus großer Not geholfen hatte.

Und es war auch kein Filmstar, mit dem sie sich schon mal in ihren Träumen sah. Nein, diesmal war ihr vernarbter, bärtiger Fremder, der gerade gegangen war, der Kern ihrer Vorstellung. Er berührte sie auf eine Weise, wie noch kein Geliebter - ob echt oder eingebildet - sie berührt hatte. Ihre Köchin hatte ihr Dinge beschrieben, die sie mit ihrem sexuell abenteuerlustigen Freund - er arbeitete zeitweilig im Waverley - erlebt hatte. Und solche Dinge konnte sie sich auch mit dem Fremden vorstellen.

Sie bewegte sich flugs weg vom Foto des Signor Guidetti und schritt in die Richtung des Ausgangs zu. Ihre Füße hätten laut geschrien, wenn sie eine Stimme gehabt hätten, denn jeder Schritt brachte Schmerzen.

»So schnell schon weg?«, fragte eine Stimme, als sie zur Seite treten musste, weil eine kleine plaudernde Gruppe ihren Weg versperrte.

Ihr geheimnisvoller Mann hielt ihr ein Glas hin. Der Wein im Glas moussierte und leuchtete blass golden. Sie hatte das Gefühl, dass diese Flüssigkeit nicht aus dem Fass Chardonnay kam, den alle tranken. Sie glaubte eher, dass der Fremde ihr ein Glas Champagner gebracht hatte.

»Danke.« Sie nahm das Glas entgegen und achtete diesmal darauf, ihn nicht mit ihren Fingern zu berühren. Sie wollte ihm nicht aus Versehen den Schampus über seinen Anzug kippen. »Nein, ich wollte nicht weg. Ich wollte nur ein bisschen frische Luft schnappen.«

Augen so grau wie gebürsteter Stahl verengten sich, als könnte er ihre Ausrede nicht glauben. Der kontrollierende Ausdruck veranlasste sie, zurück in die Mitte des Raums zu gehen. »Und Sie haben geglaubt, ich wäre Ihnen gefolgt und hätte Sie gefunden?« Er stieß mit ihrem Glas an, dann trank er einen Schluck. »Mm«, sagte er, »der ist besser. Probieren Sie mal.«

Sandy nippte, dann stieß sie einen spontanen Seufzer aus. Ah, was für ein Genuss! Der Champagner war ausgezeichnet, trocken und knackig, er ging runter wie Butter. Die ganze Magie der französischen Kultur in einem Glas.

»Danke«, sagte sie wieder, aber jetzt mit großem Nachdruck. »Er schmeckt köstlich. Ich danke Ihnen sehr.«

»Sie können sich richtig bei mir bedanken, indem Sie mir Ihren Namen nennen.«

Die stählernen Augen forderten sie heraus. Sandy fühlte einen Salto in ihrem Bauch. Wenn sie jetzt Namen austauschten, wurde das Spiel ernst. Dann konnte sie nicht einfach gehen. Dann war ihre Begegnung nicht mehr der lässige Moment.

»Ich bin Alexandra Jackson. Es freut mich, Sie kennen zu lernen.« Sie hob den Träger ihrer Tasche auf die Schulter und tauschte ihr Glas in die andere Hand, während sie ihm die rechte Hand hinhielt. Auch er musste die Hand mit dem Glas wechseln, aber bei ihm sah das viel eleganter aus. Er streckte eine große gebräunte Hand aus, in der ihre blasse Hand ganz klein wirkte. Selbst auf seinen Knöcheln sah sie Narben.

»Ich bin Jay Bentley. Und die Freude liegt ganz bei mir.« In den tief gemurmelten Worten lag eine Menge Bedeutung, und Sandy unterdrückte ein Stöhnen, als sie spürte, wie zwischen ihren Schenkeln ihre Pussy zuckte.

»Steht das ›J‹ für die Abkürzung des Vornamens?« Es war der erste Gedanke, der ihr in den Kopf kam.

Jay lachte. Seine Augen verengten sich wieder. »Entweder oder. Ich habe noch nie darüber nachgedacht. Sie können es sich aussuchen.«

Aber du musst doch deinen eigenen Namen kennen?

»Dann nenne ich Sie Jay.«

»Sehr gern, Alexandra. Er streckte seine Hand etwas weiter aus und griff nun ihre.

Seine Haut war warm und glatt und trocken, und Sandy spürte sofort, dass ihre eigene Handfläche vom nervösen Schwitzen glitschig geworden war. Sie wollte sie zurückziehen, aber Jay hielt sie fest und starrte ihr in die Augen, als läge er mit ihr in einem Wettstreit.

»Sandy«, sagte sie. »Meine Freunde nennen mich Sandy.«

»Dann bin ich also Ihr Freund, Sandy?« Er legte den Kopf ein wenig schief, hielt immer noch ihre Hand und strömte weiterhin Elektrizität über ihren Körper aus, die sich sofort über ihren Schoß ergoss. »Ich hatte ein Gefühl, dass Sie mich nicht besonders mögen.«

Blut schoss in Sandys Gesicht. Auf eine Weise hatte er Recht. Sie fühlte sich eingeschüchtert von ihm, auch jetzt noch. Sogar noch stärker.

»Ich … nun, ich kenne Sie ja kaum.« Beinahe hätte sie den köstlichen Champagner in einem raschen Zug gekippt, aber das wäre eine Beleidigung für diese phantastische Qualität gewesen.

»Und doch wollen Sie mich als Freund haben?«

Wieder hörte sie das raue sexy Lachen, das ihre zarten empfindlichen Teile zu berühren schien. Der Mann stachelte sie an, provozierte sie. Mochte sie ihn? Sie war sich noch nicht sicher. Vor allem weil immer noch die Möglichkeit bestand, dass er ein Stalker war.

Aber du willst ihn doch, Sandy, nicht wahr? Himmel, wie sehr du nach ihm lechzt!

»Sie wissen, was ich meine. Kommen Sie mir nicht auf die perverse Tour.«

Sein Grinsen sah plötzlich jungenhaft aus, und Lichter tanzten auf den grauen Nordseeaugen.

»Ich und pervers?« Er nahm einen kräftigen Schluck Wein, und sein Adamsapfel hüpfte gegen den offenen Kragen seines dunklen Hemds. Dann verharrte er und leckte einen Tropfen Wein von der Unterlippe. »Nun, nicht auf diese Weise«, sagte er und leerte sein Glas mit einem weiteren kräftigen Schluck. »Ich bin ein einfacher Mann, Sandy, aber wenn ich etwas sehe, was ich haben möchte, bemühe ich mich.«

»Wie mich?«

Was, um alles in der Welt, hatte sie sich dabei gedacht? Was hatte sie gesagt? Es konnte reiner Zufall sein, dass sie sich hier getroffen hatten. Aber dann zauderte sie wieder. Was hatte ein Fremder, den sie an diesem Tag das erste Mal gesehen hatte, auf einer Cocktailparty der lokalen Handelskammer zu tun? Sie machte jede Wette, dass er uneingeladen gekommen war - und wenn ja, war er dann wegen ihr hier?

Sein Lachen perlte heraus, ein raues, sexy Geräusch, nach dem sich die Umstehenden umsahen, meistens die Frauen. Man sah ihnen an, dass die Narben und sein wildes Auftreten sie nicht davon abhielten, ihn für sehr attraktiv zu halten. Im Gegenteil, dachte Sandy, die hungrigen Blicke verrieten ihr, dass sein Aussehen ihn erst richtig interessant machte. Begehrenswert wie ein stolzer Pirat.

»Sie sind sehr direkt. Meistens bin ich das auch.« Einen Moment lang senkten sich die langen dunklen Wimpern. »Ich halte mich ein paar Tage hier im Hotel auf. Haben Sie Lust, mich auf meinem Zimmer zu besuchen, Sandy Jackson?«

»Nein.« Ja! »Natürlich nicht.«

Sie fluchte still in sich hinein und fühlte, dass sie knallrot wurde. Verdammt, sie kannte den Mann nicht besser als Stammvater Adam, und doch wollte sie plötzlich mit ihm auf sein Zimmer gehen. Völlig verrückt. Es war gefährlich, und es war nuttig, aber der Fremde hatte etwas. Trotz der Narben sah er gut aus, und sein großer Körper sprach ihren Körper direkt an. Sie begehrte ihn.

»Warum nicht?«

»Weil ich Sie nicht kenne. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich Sie mag. Und ganz gewiss gehe ich nicht mit einem Fremden ins Bett, den ich erst kurz zuvor kennen gelernt habe.«

Jay trat von einem Bein aufs andere. Er fühlte ihre Augen auf sich, doch sie bewegte keinen Muskel.

Aber ihre Augen bewegten sich. Sie konnte nicht verhindern, seinen Körper von oben bis unten zu betrachten. Sie sah sein weißes, neckendes Lächeln, seinen kompromisslosen Haarschnitt und die langen muskulösen Linien unter dem gut geschnittenen Anzug.

Und dann gewahrte sie auch, und ihr Herz begann laut zu pochen, dass er eine Erektion bekam.

Sie schaute hoch, das Gesicht kirschrot, und sah, dass er sie anstarrte. Rasch senkte sie den Blick und konzentrierte sich auf ihr Glas, dessen sinnlose Leere sie zwischen den Fingern drehte.

»Mehr Champagner?«

Er lachte sie aus, diese Bestie, er lachte sich seinen arroganten Kopf weg.

»Nein … nein, danke. Ich muss jetzt an die frische Luft. Es war nett, Sie kennen zu lernen, Jay. Wir sehen uns bestimmt noch, nehme ich an.«

Sie hielt sich immer noch am Glas fest, fuhr herum und stürzte auf die Tür zu. Sie verfluchte die albernen Schuhe wieder, die sie davon abhielten, so schnell wie möglich ins Freie zu laufen. Eine Sekunde später war Jay an ihrer Seite.

»Gute Idee«, sagte er. »Hier drinnen ist es zu heiß. Ich leiste Ihnen Gesellschaft.« Er griff nach ihrem leeren Glas und deponierte es auf dem Tablett eines vorbeieilenden Kellners. »Gehen wir hierher.« Er legte seine Hand unter ihren Ellenbogen und führte sie zu den offen stehenden Terrassentüren zu den Waverley Gärten.

Sie wusste nicht, wo sie war und kämpfte gegen Jay und ihre Schuhe, und plötzlich geriet sie ins Stolpern. Er fing sie auf, hielt sie an den Hüften fest und richtete sie wieder auf, als wäre sie weniger als ein Leichtgewicht.

Ein eindringliches déjà vu Erlebnis schoss durch ihren Körper, und sie schwankte unsicher. Jay ließ ihr keine Zeit zum Protestieren, er fing sie auf, hob sie auf seine Arme und trug sie zu den offenen Türen in den Garten.

»Hören Sie auf! Lassen Sie mich hinunter! Es liegt nur an meinen Schuhen!«, zischte sie in sein Ohr, aber sein Griff verstärkte sich nur noch, und sein Lächeln machte sie wütend, weil es so ein schreckliches Macho-Lächeln war.

»Umso wichtiger, dass ich Sie trage. Nun stellen Sie sich nicht so an, Frau.«

Sandys Gehirn schickte Botschaften zu ihren Händen und Armen, und sie begann Jay zu schlagen. Sie wand ihren Körper hin und her, um sich von ihm zu lösen. Ihre kleine Abendtasche schwang an der Kette hin und her. Sie überlegte, die Tasche als Waffe einzusetzen und ihm um den Kopf zu schlagen. Aber irgendwie wurden ihre Nervenimpulse fehlgeleitet, nicht nur durch ihn und seine rohe Gewalt, sondern auch wegen der tief sitzenden Erinnerung.

Sie fühlte sich durch die Zeit getragen und entspannte; sie fügte sich und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie lebte plötzlich in der Welt von vor fünfzehn Jahren, als sie gerettet wurde und ihr perfekter Ritter sie in Sicherheit trug. Die Gestalt eines Prinzen aus dem Märchen, noch sehr jung, ein rauer Geselle, groß und wunderbar mit seiner Kraft und Freundlichkeit, mit dem Gesicht eines Engels und mit langen dunklen Haaren, die bis auf seine Schultern hingen. Sie schien sogar wieder seinen Geruch von männlichem Schweiß wahrzunehmen, gemischt mit einem moschusähnlichen Duft.

Die Ausrufe des Erstaunens und der Neugier um sie herum drang wie durch einen Filter zu ihr. Die Cocktailparty war eine Million Meilen entfernt. Alles, was es noch gab, war der warme Hafen seiner beschützenden Arme, die sie nach ihrem Trauma sicher und bequem hielten.

Aber die kühlere Nachtluft in den Waverley Gärten weckte sie rüde auf und erinnerte sie daran, dass sie eine erwachsene Frau war. Sie war nicht gerade überfallen worden, und dies war ganz bestimmt nicht der romantische Märchenprinz ihrer Träume. Seine große Hand hatte er sinnlich auf ihren Oberschenkel gelegt. Das war ungezogen und frech. Der Mann mochte krankhaft auf sie fixiert sein. Er hatte sie vor den vielen angesehenen Leuten des Städtchens und vor all den Freunden und Bekannten blamiert und ins Lächerliche gezogen.

»Was, zur Hölle, erlauben Sie sich?«

Sie wehrte sich voller Wut in seinen Armen, aber sie erreichte nichts. Sie wollte jetzt mit dem Schwingen der Fäuste beginnen, aber dann blieb Jay plötzlich vor einer Bank in einem tiefen, mit einer Hecke umgebenen Alkoven stehen. Er setzte sie behutsam auf die Bank. Er sank vor ihr auf die Knie und zog erst den einen ihrer Schuhe aus, dann den anderen.

»Ihre Füße haben geschmerzt, deshalb habe ich Sie getragen«, sagte er. »Weiß der Himmel, warum ihr Frauen solche albernen Dinger tragt.« Er warf die geborgten Schuhe mit deutlicher Verachtung nach hinten.

»Wenn es Sie schon interessiert - sie gehören mir nicht. Ich bin überredet worden, sie zu tragen, weil sie angeblich gut zu diesem Kleid passen.« Es sollte sich wie eine Erklärung anhören, aber die süße Erleichterung, diese Schuhe los zu sein, beeinflusste ihr Gehirn. Sie konnte sich nur noch auf der Bank zurücklehnen, mit den befreiten Zehen zucken und versuchen herauszufinden, wo sie sich befand.

»Genagelte Schuhe würden zu diesem Kleid passen, solange Sie es sind, die so angezogen ist.«

Sandy hatte die Augen vor Glückseligkeit geschlossen, weil ihre Zehen nicht mehr schmerzten, aber nun riss sie die Augen weit auf.

Perfekte ritterliche Komplimente auch noch?

Sie öffnete den Mund, aber ihr fiel keine angemessene Antwort ein. Jays Augen glänzten mit einer seltsamen, verwirrenden Intensität. Er wollte sie, das war deutlich zu erkennen, aber in diesen Augen sah sie mehr als nur Begehren. Etwas Undefinierbares, Rätselhaftes sah sie in seinem Blick, und es hatte vielleicht gar nichts mit Sex zu tun.

»Lassen Sie mich Ihre Füße massieren.«

Seine raue Stimme war leise und tief, und noch bevor sie antworten konnte, nahm er ihren rechten Fuß in beide Hände. Er wiegte ihn hin und her, als wäre er aus Porzellan geformt. Dann begann er mit der Massage, delikat und doch mit der Sicherheit eines Fachmanns. Was sie bisher als Glückseligkeit empfunden hatte, wuchs sich zu einem Atem raubenden Vergnügen aus. Die Sensation seiner kühlen Hände auf ihrer heißen Haut fühlte sich wie ein Orgasmus an, eben dort in ihrem Fuß. Sie konnte sich nicht länger zurückhalten und machte ein Geräusch, aus dem er ihren Zustand schließen konnte.

»Gut?«

»Himmel, ja.«

Was, zum Teufel, tue ich hier eigentlich?

Sie versuchte, ihre Zehen aus seinem Griff zu befreien, aber er hielt sie fest. Der Druck seiner Hände gab nicht nach, doch er achtete darauf, den geschundenen Fuß nicht zu verletzen.

»Ganz ruhig«, sagte er leise. »Warum sträuben Sie sich? Es gefällt Ihnen doch, oder?«

Seine Finger bewegten sich wieder, sie drückten und kreisten, sie lösten Verspannungen und massierten Knoten weg.

Was war das? Eine Reflexmassage?

Sie hatte für alternative Heilmethoden nie was übrig gehabt, aber jetzt fand sich Sandy spontan bekehrt. Sein empfindsames Kneten des Mittelfußes zeigte Wirkungen an den höchst unerwarteten Stellen.

In ihrem Schoß zum Beispiel. Es war, als berührte er ihre Pussy. Wie er sie streichelte, wie er drückte und forschte. Der bevorstehende Orgasmus war nicht mehr nur auf ihren Fuß beschränkt.

»Nein«, murmelte sie und schloss wieder ihre Augen. Ihr Gesicht stand in Flammen. Sie wollte sich erneut zur Wehr setzen, aber eher nur halbherzig. Nur zum Schein.

»Ja«, hielt er entgegen, und seine Finger bewegten sich und kreisten weiter.

Sandy rutschte auf ihrem Sitz hinunter, und ihre Schenkel öffneten sich. Es war, als würde sie durch Berühren hypnotisiert, gebannt von den Gefühlen, die er bei ihr auslöste. Alle ihre negativen Reaktionen auf ihn lösten sich auf wie der Dunst in der Hitze einer köstlichen Nacht. Übrig blieb nur das Lechzen einer Frau nach seiner Kraft.

Er war auf ihren Fuß fixiert und betrachtete ihn genau, während er ihn bearbeitete. Sandy fühlte sich wie im Traum. Ihr Körper fühlte sich wohlig und entspannt; die Pussy war weich, offen und bereit. Eine seidene Erregung tränkte ihr Höschen.

Es ist eine Phantasie … nur eine Phantasie. Das kann nicht real sein.

Das setzte sich in ihren Gedanken fest, auch als ihre Hüften noch weiter über die Bank rutschten. Ihr Kleid bündelte sich unter ihr, und Jay setzte die Massage ihres Fußes fort. Sie wurde von der Euphorie ergriffen und sah auf ihn hinunter.

Sie liebte den dunklen Haarteppich und die Ernsthaftigkeit seines Gesichts. In seinem Ausdruck schien es nichts Sexuelles zu geben, aber in ihrer Magengrube brodelte es, und sie spürte, dass er genau wusste, was er bei ihr anrichtete. Die Fußmassage war ein wohl überlegter Anschlag, eine berechnende Strategie zur Verführung.

Und verdammt, wie erfolgreich er damit war! Ihre Pussy öffnete sich immer weiter. Bestimmt konnte er ihre Erregung riechen. Er war dicht dran, und ihr Kleid war dünn und seiden, und ihr Höschen war winzig.

Als hätte er ihre Gedanken gehört, schaute er auf zu ihr, und mit einem letzten Drücken ihrer Zehen verließ er ihren Fuß und strich mit den langen Fingern ihre Waden bis zum Knie hinauf. Er legte seine Hand auf die Rückseite des Knies, und die Finger bewegten sich über den hinteren Schenkel. Er griff härter zu und schob ihr Bein ein wenig zur Seite der Bank, als wollte er zusätzlichen Raum gewinnen. Er rutschte ein wenig näher, noch ein bisschen näher, und dann war er am Kern dessen, was er suchte.

Er schien mit seiner Position zufrieden zu sein und legte die Hände flach auf ihre Schenkel und streichelte unter dem Kleid die frisch enthaarten Beine. Das Kleid war dunkelgrün und schimmerte bei bestimmtem Lichteinfall smaragdfarben. In der Dämmerung schien es wie ein magnetisches Feld zu leuchten - oder auch nur in Jays Gegenwart.

Er schaute ihr direkt in die Augen und schob das Seidenkleid hoch zu ihrem Schoß, auf eine Höhe mit ihrem Höschen. Sein Ausdruck war völlig anders als vorher; heiß und hungrig, aber mit wehenden Schatten in den dunkelgrauen Tiefen seiner Augen. Er schien sie besitzen zu wollen, aber nicht wie ein normaler Mann. In seinem Gesicht sah sie eine eigenartige Note - als ob er nicht glauben könnte, was geschah.

Dann stieß er einen Seufzer aus und schob ihr Kleid als Bündel noch höher. Jetzt hatte er ihr Höschen entblößt.

Sandy fühlte sich matt, aber zugleich auch stark. Plötzlich empfand sie sich als erotische Göttin, die sich ihm zeigte, damit er Lust an ihr gewinnen konnte. Sie sackte gegen den Rücken der Bank, als hätte ihr Körper keine Knochen.

Lass geschehen, was geschehen soll. Sandy ließ sich nicht mehr von Anständigkeit einschränken und wollte sich auch nicht mehr von der Natur leiten lassen. Es störte sie nicht, dass sie den ungewöhnlichen Mann mit den Narben kaum kannte. Nur eins war wichtig - die Art, wie er sie anschaute. Die Art, welche Gefühle er in ihr auslöste.

Sie konnte sich jetzt selbst riechen. Warmer Moschuswind wehte vom Schoß zu ihr hoch, vom durchtränkten Schritt ihres feinen Höschens. Es war dünn und mit Spitze besetzt, nicht eines ihrer üblichen Baumwollhöschen. Die kleinen rötlichen Schamhaare lugten an den Beinöffnungen heraus. Sie schätzte, sie hätte sich auch da rasieren sollen, aber sie hatte nicht genug Zeit dafür gehabt. Ein kleines Café am Rand der Wirtschaftlichkeit zu führen, war immer zeitintensiv, und sie war ein praktisches Mädchen und keine Modepuppe.

Zwei lange, konisch zulaufende Finger strichen über die Spitze und übten sanften Druck aus. Die Berührung war fast nicht wahrnehmbar, und doch fand Sandy, dass es der wunderbarste sexuelle Kontakt war, den sie je erfahren hatte.

Er hatte hingesehen, hatte alle seine Bewegungen verfolgt, und plötzlich schaute er wieder hoch, eine angespannte Frage in den Augen.

Willst du das?, schien er zu fragen. Du brauchst nur zu sagen, dass ich aufhören soll, und ich höre sofort auf.

Sie brauchte keine zwei Sekunden darüber nachzudenken. Sie nickte.

Seine grauen Augen weiteten sich. Sein ganzes Gesicht schien zu glühen. Er wirkte auf einmal wie ein Gott auf sie, trotz Bart und Narben. Was immer nun geschah, war richtig. War gut.

Seine biegsamen Finger hakten sich ins Gummiband ihres Höschens. Er brauchte auch die zweite Hand, um die Winzigkeit aus Seide und Spitze nach unten zu ziehen. Er schob das Wäschestück über ihre Schenkel, und instinktiv hob sie den Po an, um ihm zu helfen.

Als er das Höschen zur Seite geworfen hatte, stieß er zischend die Luft aus, als wäre er von einem Blitz gefällt worden. Er war schlicht atemlos vom Anblick ihrer duftenden rostfarbenen Pussy geworden. Bevor sie auf seine Reaktion antworten konnte, auf diesen unerwarteten Ausdruck von Ehrfurcht, beugte er sich über sie und presste sein Gesicht auf ihre Scham.

Es schien völlig natürlich zu sein, seinen Schädel in ihren Händen zu wiegen, und sie stöhnte entzückt auf, als sie über seine Haare strich. Die Bürstenhaare fühlten sich wie Wildleder an, wie heißes Wildleder. Als hätte er Fieber.

Er küsste ihre Schamhaare, wischte mit den Lippen über ihre empfindliche Haut und murmelte schnurrende Geräusche von Zauber und Entzücken.

Sie öffnete die Beine weiter für ihn und liebte die kräftige Form seines Schädels unter ihren Fingerspitzen. Er presste sich tiefer in sie hinein, und sie spürte, wie er etwas gegen ihre Haut murmelte. Ein einziges Wort, leise und ergriffen.

Was hatte er gesagt? Sie konnte es kaum wiedergeben, aber es hörte sich nach Prinzessin an.

Drittes Kapitel

Wie im Paradies. Er war im Paradies. Sie war alles, was er sich von ihr erträumt hatte. Und mehr.

Er inhalierte ihren Duft, schmeckte die Essenz ihres Geschlechts auf den weichen Härchen ihrer Pussy und fühlte sich schwindlig. Seine Knie schrien auf, der feuchte, harte Boden war nicht gut für seine Gelenke, aber der Schmerz fühlte sich an wie aus einem anderen Universum. Ihn berührten nur ihre Düfte, ihre Hitze, ihre totale Weiblichkeit.

Er presste die Lippen fester gegen sie, wühlte mit Nase und Mund und saugte noch mehr ihres berauschenden Bouquets ein.

Wie war es so schnell dazu gekommen? Er konnte es kaum glauben. Sie hatten sich bisher nicht einmal auf den Mund geküsst. Aber er wollte sich nicht beklagen. Er konnte sich nicht zurückhalten. Er konnte nur fühlen.

Und hören. Sie atmete schwer, sie keuchte, sie war nicht weniger erregt als er. Sie bewegte sich hin und her, aber diesmal nicht, um sich von ihm zu lösen, sondern um mehr von ihm zu spüren. Sie erhob sich zu ihm, öffnete ihre Schenkel und hieß ihn im Herz ihrer Weiblichkeit willkommen.

Vielleicht bin ich im Aston gestorben, und dies ist der Himmel.

Er küsste immer noch ihre Scham, legte seine Hände flach auf ihren Bauch und begann die roten Härchen mit den Daumen zu teilen. Sie wuchsen dicht und fühlten sich seidenweich an, und darunter legte er sie bloß, ergötzte sich am rosa Zentrum ihres Geschlechts, an den vollen Lippen, dem Glanz ihrer Säfte und ihrer Klitoris, die sich stolz erhob und unter der Kapuze hervorschaute.

Er rang um Kontrolle und wurde von seinen Emotionen geschüttelt, während er die Zunge spitzte und sie delikat zu lecken begann.

»Oh, Mann. Oh, Himmel.«

Ihre Stimme klang schwach und schockiert, und er hob besorgt den Kopf.

Oh, verdammt. Was war los mit ihm? Er hatte gerade mal vor einer halben Stunde die ersten Worte mit ihr gewechselt, und jetzt lag er schon mit dem Gesicht zwischen ihren Beinen. Er wollte sich von ihr erheben, aber ihre kleinen Hände hielten seinen Kopf fest. Verwundert nahm er die Kraft ihrer Finger wahr.

»Nein, bitte … nicht aufhören.«

Ihre Augen glänzten, als er sie anschaute, ein wildes Grün, aber dunkler als vorher.

Dein Wunsch ist mir Befehl, Prinzessin, sagte er ihr stumm, und begann sie zärtlich zu lecken. Er labte sich an ihrem prächtigen Geschmack, der ihm sagte, dass sie ihn wollte, auch wenn sie ihn nicht kannte.

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