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Heiße Affäre in Cornwall

Heidi Rice

Heiße Affäre in Cornwall

1. KAPITEL

„Dieser Typ muss der schlechteste Surfer der Welt sein“, sagte Maddy Westmore fassungslos und zitterte unter ihrer Jacke mit der Aufschrift „Rettungsschwimmer“. Der heftige Regen an diesem Oktobertag behinderte ihre Sicht, doch sie konnte den Blick nicht von dem großen, durchtrainierten Mann abwenden, der etwa sechzig Meter vom Strand entfernt im aufgewühlten Meer mit den Elementen kämpfte. Fasziniert und schuldbewusst zugleich sah sie zu, wie er sich auf sein Surfbrett zog, das Gleichgewicht wiederfand und sich dann aufrichtete. Als er heftig schwankte, hielt sie den Atem an.

Seit über einer Stunde versuchte der arme Kerl nun schon, bei jenem für Cornwall typischen miesen Wetter zu surfen, das der Wildwater Bay im siebzehnten Jahrhundert ihren Namen gegeben hatte. Und Maddy hatte ihm fast die gesamte Zeit dabei zugesehen: wie er hinausschwamm, die größte Welle abwartete und dann auf sein Surfbrett stieg. Doch noch war es ihm kein einziges Mal gelungen, sich auf einer großen Welle länger als ein paar Sekunden auf dem Brett aufrecht zu halten.

Einerseits beeindruckte es Maddy, wie ausdauernd er war, andererseits begann sie langsam an seiner Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln. Er musste doch schon völlig durchgefroren und trotz seines muskulösen Körpers total erschöpft sein, zumal die Unterströmungen an diesem Teil des Strandes berüchtigt waren.

„Immerhin ist er ziemlich fit“, gab Maddys Kollege Luke in seinem breiten australischen Akzent zu bedenken. „Und er kommt immer wieder problemlos aufs Brett.“

Maddy atmete heftig aus, als der Surfer erneut rückwärts vom Brett fiel.

„Tja, sein Gleichgewichtssinn lässt allerdings zu wünschen übrig“, stellte Luke ungerührt fest. „Wollen wir Feierabend machen? In zehn Minuten machen wir den Strand sowieso dicht, und außerdem kann jetzt jederzeit die vorhergesagte Gewitterfront eintreffen.“

Maddy ließ sie den Blick über den von den Rettungsschwimmern bewachten Bereich gleiten: Bis auf ein paar vereinzelte Leute mit Boogieboards war der Strand leer. Sogar die abgehärtetsten Surfer waren schon vor Stunden nach Hause gegangen – bis auf einen.

„Ist gut“, stimmte sie zu. „Wir sollten ihn erlösen.“ Sie nahm das Megafon von der Ladefläche des Transporters und freute sich dabei schon auf die heiße Spezialschokolade, die sie ihrem Chef Phil zu Beginn ihrer Nachmittagsschicht im Wildwater Bay Café abschwatzen wollte.

Noch immer war das schwarze Surfbrett mit dem unverkennbaren gelben Zickzackmuster zwischen den hohen Wellen zu sehen.

„Der muss völlig verrückt sein.“ Maddy betrachtete die Gewitterwolken, die sich in einiger Entfernung zusammenzogen. Auch der Wind wurde stärker. In einem derart aufgewühlten Meer wäre es sogar für einen erfahrenen Surfer schwer gewesen, sich oben zu halten. Sie sagte ins Megafon: „Die Rettungsschwimmer beenden ihre Schicht und raten allen, sofort aus dem Wasser zu kommen.“

Doch auch nachdem sie die Ansage wiederholt hatte, reagierte der Surfer nicht.

„Hat er uns vielleicht nicht gehört?“, überlegte Maddy.

„Der Kerl ist schließlich erwachsen, und wenn er sich unbedingt umbringen will, werden wir ihn nicht davon abhalten können“, erwiderte Luke, rieb die Hände aneinander und fing an, die Flaggen einzusammeln, mit denen der bewachte Strandabschnitt markiert war.

Als er damit fertig war, nahm er Maddy das Megafon aus den vor Kälte gefühllosen Händen und legte es auf die Ladefläche. „Ich habe in einer Stunde ein Date mit Jack, der mir heißen Sex zum Nachtisch versprochen hat.“ Jack war Lukes neuer Freund.

Besorgt sah Maddy, wie der Surfer sich ein wenig schleppend wieder aufs Brett zog. Dann zwang sie sich, den Blick abzuwenden. „Du bist wirklich ein echter Romantiker“, stellte sie ironisch fest.

Er lachte. „Heißer Sex kann durchaus romantisch sein, wenn man es richtig anstellt.“

Maddy half ihm, die Fahnen auf die Ladefläche zu hieven. „Ach ja?“, fragte sie ein wenig wehmütig. Seit einem Jahr wohnte sie im Cottage ihrer Großmutter und arbeitete als Rettungsschwimmerin und Kellnerin. Die Abende waren fast immer ihrem Hobby Seidenmalerei gewidmet, sodass Maddy wirklich keine Zeit für Romantik hatte. Und heißen Sex hatte sie noch nie in ihrem Leben gehabt. Eher lauwarmen, dachte sie stirnrunzelnd, als sie die letzte Fahne auf den Wagen hoben.

Letzten Sommer hatte Steve sie verlassen, weil Maddy ihre Seidenmalerei angeblich wichtiger war als er. Und so ganz unrecht hatte er damit nicht gehabt. Denn obwohl sie fast jede freie Minute in ihrer provisorischen Werkstatt gewesen war, hatte die Seidenmalerei sie weniger angestrengt als Steve. Zugegeben, zum Höhepunkt war Maddy durch ihr künstlerisches Hobby nicht gelangt, aber in dieser Hinsicht war auf Steve auch kein Verlass gewesen. Warum hatte sie es nur so lange mit ihm ausgehalten und sich dann noch mehrere Monate wegen der Trennung gequält?

Zitternd schob Maddy sich die Hände in die Jackentaschen. Zumindest hatte sie zum ersten Mal auf ihren Bruder Callum gehört und nicht den Fehler begangen, sich wieder mit Steve zu versöhnen. Auch das Geld, um das er sie angebettelt hatte – und das sie mit Sicherheit nie wiedergesehen hätte –, hatte sie ihm nicht geliehen.

Zwar hatte sie auf Sex und einen warmen Körper verzichten müssen, an den sie sich nachts anschmiegen konnte, doch das war ein geringer Preis dafür gewesen, Achtung vor sich selbst zu bekommen. Sie musste aufhören, „menschliches Treibgut“ – wie Callum es ausdrückte – bei sich aufzunehmen und zu versuchen, diese Gestrandeten zu therapieren. In dieser Hinsicht lag Cal absolut richtig, auch wenn er in Bezug auf Beziehungen nicht gerade eine Autorität war. Er hatte noch nie eine gehabt, die länger als eine Nanosekunde gedauert hätte. Als die Beziehung ihrer Eltern in die Brüche gegangen war, hatte er sich zu einem Casanova erster Güte entwickelt, während Maddy ihren Helferkomplex ausgelebt hatte.

Angefangen hatte es vor vielen Jahren mit Eddie Mayer, der Maddy in der Schuldisco geküsst und ihr dann das Geld für die Schulkantine abgeluchst hatte. Steve war eigentlich nur der Letzte in einer Reihe von Nichtsnutzen gewesen, die alles von Maddy bekommen, aber nichts zurückgegeben hatten. Im vergangenen Winter hatte sie beschlossen, ein neues Leben anzufangen. Seit zwei Wochen war sie vierundzwanzig. Es war also höchste Zeit aufzuhören, immer wieder dieselben Fehler zu machen.

Von nun an würde sie nicht mehr ständig viel zu nett sein und versuchen, allen zu helfen. Nein, in diesem Jahr würde sie die Dinge selbst in die Hand nehmen und bekommen, was sie wollte. Von nun an würde sie andere benutzen statt umgekehrt. Leider waren bereits zehn Monate ins Land gegangen, ohne dass auch nur ein einziger Kandidat auf der Bildfläche erschienen wäre, der sich gern hätte benutzen lassen.

„Merkwürdig“, sagte Luke jetzt. „Ist der Typ an uns vorbeigekommen?“

Maddy verdrängte die Gedanken an den bedauernswerten Zustand ihres Liebeslebens. Als sie sah, wie Luke mit zusammengekniffenen Augen aufs Meer hinausblickte, zog sich ihr vor Angst der Magen zusammen. Ohne weiter zu überlegen, streifte sie sich die Jacke ab, griff nach dem Rettungsbrett und rannte los.

„Nein, ist er nicht“, rief sie ihm über die Schulter zu, während sie aufs Wasser zurannte und angstvoll den Blick umherwandern ließ.

Wenige Augenblicke später hatte Luke sie eingeholt, ausgerüstet mit Funkgerät und Brett. „Ich rufe einen Hubschrauber.“

„Nein, warte, da drüben ist er!“ Maddy hatte das Surfbrett mit dem leuchtend gelben Zickzackstreifen entdeckt. Als sie sah, dass die dunkle Gestalt darauf sich nicht bewegte, erfasste sie Panik.

Lukes Antwort ging im Rauschen unter, als sie sich ins kalte, aufgewühlte Wasser warf. Es war unglaublich anstrengend, gegen die hohen Wellen anzukämpfen, doch zum Glück trieb der verletzte Surfer nicht sehr weit entfernt, da die Wellen sein Brett in Richtung Strand trugen. Schwer atmend versuchte Maddy, sich ihre Kraft gut einzuteilen. Als der Surfer den Kopf bewegte, sah sie auf seiner aschfahlen Wange etwas Tiefrotes. Er blutet! dachte sie und kämpfte sich so entschlossen durch das kalte Wasser, dass ihr Arme und Schultern wehtaten.

Endlich erreichte sie ihn und schob das Rettungsbrett unter ihn. „Keine Sorge, ich bin bei dir!“, rief sie.

Als sie sich mit dem Klettband abmühte, mit dem das Surfbrett des Mannes an seinem Knöchel befestigt war, türmte sich eine mannshohe Welle hinter ihnen auf. Der Surfer stöhnte leise, und etwas Blut rann ihm vom Haaransatz über die Wange.

Konzentrier dich, schärfte Maddy sich innerlich ein. Mach das Band los. Einen Moment nachdem sie den Mann befreit und aufs Rettungsbrett gezogen hatte, brach sich die riesige Welle über ihnen.

Eine Sekunde lang war Maddy wie erstarrt, dann handelte sie genau, wie sie es in der Ausbildung gelernt hatte: Sie umfasste das Rettungsbrett fest, trat heftig Wasser und brachte so sich und den Mann inmitten der tosenden Wellen an die Wasseroberfläche. Der Strand schien unendlich weit weg und all ihre Kraft aufgebraucht zu sein. Doch sie zwang sich, die Panik zu verdrängen und das Rettungsbrett Stück für Stück näher in Richtung Strand zu bewegen.

Nach einer Zeit, die ihr wie eine kleine Ewigkeit vorkam, wurde Maddy von einer großen Hand gepackt und auf die Füße gezogen. Mit vom Salzwasser brennenden Augen sah sie Luke an, dem das dunkelblonde Haar nass an der Stirn klebte.

„Ist gut, ich habe ihn!“, rief er. „Von hier aus kannst du zum Strand gehen.“

Maddys Beine zitterten heftig, als sie losging, während Luke das Rettungsbrett mit dem verletzten Surfer auf den Strand zog. Vor Erschöpfung ganz benommen, sah sie zu, wie er den Mann untersuchte. Dann zog er ihn auf ein Wirbelsäulenbrett und fixierte ihn mit Klettbändern.

„Er atmet und muss nicht wiederbelebt werden“, sagte Luke. „Bestimmt ist er gleich wieder bei Bewusstsein. Ich vermute, dass er heftig mit dem Kopf gegen sein Brett gestoßen ist. Am besten sehen die Sanitäter ihn sich gleich in Ruhe an, wenn sie da sind.“ Er stand auf und fügte hinzu: „Und jetzt hole ich euch beiden eine Decke.“

Obwohl Maddy noch immer Panik die Kehle zuschnürte und ihre Augen vom Salz brannten, spürte sie tief in ihrem Innern etwas heiß werden, als sie wie gebannt den Mann betrachtete, den sie gerettet hatte.

Er war nicht im klassischen Sinne attraktiv wie Luke, doch seine geschwungenen dunklen Brauen und die markanten Züge, die die dunklen Bartstoppeln noch betonten, ließen ihr den Atem stocken. Maddys Blick glitt über seine breiten Schultern, den flachen Bauch und die schlanken, muskulösen Beine, die sich unter dem Neoprenanzug abzeichneten, und sie spürte, wie die Hitze in ihrem Innern zunahm.

Obwohl ihr gar nicht mehr kalt war, erschauerte Maddy. Sie hatte gerade den leicht bläulichen Schimmer um seine sinnlichen Lippen bemerkt, als der Mann ein tiefes Stöhnen von sich gab und sich gegen den Widerstand der Bänder wehrte, die ihn auf dem Brett hielten.

Wie, um alles in der Welt, konnte sie einfach hier herumstehen und den verletzten Fremden begaffen, als wäre er ein Stripper bei einem Junggesellinnenabend? Immerhin war der arme Kerl verletzt und fror sicher erbärmlich! Sie kniete sich neben ihn und legte eine Hand auf seine Wange. Als sie die Bartstoppeln an ihrer Haut spürte, schien eine Art Stromstoß sie zu durchzucken. Maddy zwang sich, ihre heftige Reaktion zu ignorieren.

„Es ist alles in Ordnung“, flüsterte sie so atemlos, dass es ihr fast peinlich war. Du meine Güte, mein Liebesleben muss wirklich dringend angekurbelt werden, wenn mich jetzt schon die Gegenwart von bewusstlosen fremden Männern so durcheinanderbringt! dachte sie. „Bleib ganz ruhig liegen.“

Vorsichtig schob sie ihm das dichte, wellige Haar aus der Stirn. Aus einer klaffenden Wunde sickerte Blut. Als Maddy den Daumen daraufdrückte, öffnete der Mann die Augen. Sofort schlug ihr Herz wie verrückt, denn so tiefblaue Augen wie seine hatte sie noch nie gesehen. Die intensive, fast türkise Farbe erinnerte Maddy an Postkarten aus der Karibik.

Er versuchte sich aufzusetzen, doch die Gurte hielten ihn zurück. „Was zum …“, keuchte er leise, aber schroff.

Um ihn zu beruhigen, legte Maddy ihm die Hand auf den Arm. Leider hatte das Gefühl seiner harten Muskeln unter ihren Fingern auf sie die gegenteilige Wirkung …

„Ich habe dich festgebunden – zu deiner eigenen Sicherheit.“

Der Mann kniff die faszinierenden blauen Augen zusammen. „Und wer, verdammt noch mal, bist du?“

Trotz der Kälte stieg Maddy eine heiße Röte ins Gesicht. „Ich bin eine der Rettungsschwimmerinnen in der Wildwater Bay. Du hast dir den Kopf gestoßen, sodass wir dich an den Strand zurückbringen mussten.“ Sie wusste später selbst nicht, warum sie den Mann von Anfang an geduzt hatte.

„Super“, sagte er und ließ sich zurücksinken. Sein Blick drückte Bitterkeit aus. „Vielen Dank“, fügte er hinzu, was nicht sehr überzeugend klang. „Und jetzt wirst du mich losbinden.“

Maddy versuchte, sich nicht über seinen Befehlston zu ärgern. „Nein“, erwiderte sie höflich, aber bestimmt. „Du darfst dich nicht bewegen, bis die Sanitäter hier sind.“

„Ich brauche keine Sanitäter. Und wenn du mich nicht losbindest, werde ich das eben selbst tun.“

Erstaunt beobachtete sie, wie der Fremde sich geschickt und mit einer kraftvollen Bewegung auf die Seite drehte und den Gurt löste. Dann setzte er sich auf und presste sich stöhnend die Hand an den Kopf.

„Selbst schuld“, bemerkte Maddy nicht mehr ganz so höflich.

Leise fluchend ließ der Mann die Hand sinken. Das Blut an seinen Fingern beachtete er kaum. Als er Anstalten machte aufzustehen, wollte Maddy nach seinem Arm greifen, doch sein eiskalter Blick hielt sie davon ab.

„Ich entscheide selbst, was ich brauche und was nicht“, erklärte er rau.

Mit aller Macht versuchte sie, gelassen zu bleiben. Warum war er nur so stur? „Aber vielleicht hast du Verletzungen, die dir gar nicht bewusst sind“, wandte sie ein.

Als der Mann den Blick zu ihrer Brust gleiten ließ, richteten sich ihre Brustspitzen auf und rieben von innen am Neoprenanzug.

„Das Risiko gehe ich ein.“ Seine Stimme klang sarkastisch, doch um seinen Mund zuckte es leicht, als müsste er ein Lächeln unterdrücken. Und auch seine Augen wirkten plötzlich ganz und gar nicht mehr kühl.

Das konnte doch nicht wahr sein! Versuchte der Albtraum aller Rettungsschwimmer etwa, sie anzumachen? Oder bildete sie sich das nur ein?

„He, Kumpel, wo willst du denn hin?“, fragte Luke, der mit einem Arm voller Rettungsdecken zu ihnen kam.

„Ich gehe.“ Langsam stand der Surfer auf.

Als er leicht schwankte, stützte Luke ihn. „Hältst du das wirklich für schlau? Du hast dir ganz schön den Kopf angeschlagen!“

„Ich weiß“, erwiderte der Mann kühl.

Doch Luke schien das unhöfliche Verhalten nicht zu stören. „Dann nimm wenigstens eine Decke, du musst ja völlig durchgefroren sein.“

Nach kurzem Zögern nahm der Mann eine Decke und wickelte sich unbeholfen und mit zitternden Händen darin ein. „Danke.“

„Wo wohnst du?“, fragte Luke. „Können wir dich irgendwohin mitnehmen?“

Eine Minute lang hörte Maddy nur den tosenden Wind und das heftige Schlagen ihres Herzens. Dann schüttelte der Surfer den Kopf. „Ich wohne in Trewan Manor.“ Er wies mit dem Kinn auf das abweisend wirkende Herrenhaus oben auf den Klippen, von dem aus man über die Bucht blicken konnte. „Ich kann den Weg entlang der Klippen nehmen.“

Das große alte Gebäude faszinierte Maddy schon lange, denn es erinnerte sie an historische Romane wie „Sturmhöhe“. Und irgendwie schien der Fremde mit seinen markanten, leicht rauen, aber äußerst attraktiven Zügen genau zu dem Haus zu passen.

Als er sich umwandte, wollte Maddy ihn aufhalten, doch Luke hielt sie zurück.

„Aber er könnte schwer verletzt sein!“, flüsterte sie und wusste selbst nicht so recht, warum der attraktive Unbekannte ihr so wichtig war.

„Man kann nicht alle retten.“ Lukes wehmütiges Lächeln erinnerte sie an Cal. Er legte ihr eine Decke um die Schultern und sagte tröstend: „Komm, wir fahren ins Café. Die erste Spezialschokolade geht auf mich.“

„Er humpelt“, stellte sie leise und voller Sorge fest.

„Sieht nach einer alten Verletzung aus“, erwiderte Luke. „Wahrscheinlich ist er deshalb immer vom Surfbrett gefallen.“

Maddy war verwirrt, besorgt und verärgert zugleich. Wie konnte man nur so ein Macho sein, dass man den ganzen Nachmittag lang etwas versuchte, zu dem man nicht in der Lage war – und sich dabei auch noch halb umbringen?

„Aber er hat ein ziemlich nettes Hinterteil“, stellte Luke fröhlich fest, woraufhin auch Maddys Blick zu dem muskulösen Po des Surfers wanderte, den dessen hautenger Anzug noch betonte.

Sofort schlug ihr Herz wieder rasend schnell. Widerstrebend musste sie zugeben, dass Luke recht hatte. „Ich fürchte allerdings, du bist nicht ganz sein Typ“, bemerkte sie.

Luke lachte. „Wahrscheinlich nicht – er hat ziemlich eingehend deine Brüste betrachtet …“

Ohne auf Lukes Bemerkung einzugehen, wandte sie bewusst den Blick von dem Fremden ab. Ja, er hatte einen ziemlich scharfen Hintern, aber offensichtlich auch zu viel Testosteron. Sie erwartete zwar keinen Dank dafür, dass sie ihm das Leben gerettet hatte, doch ein Mindestmaß an Respekt wäre sicher nicht zu viel verlangt gewesen.

Als Maddy zu Luke in den Wagen stieg, spürte sie noch immer ein Prickeln in den Brüsten und ein erotisches Ziehen tief in ihrem Innern. Na super, dachte sie ironisch. Ausgerechnet jetzt musste ihre Sinnlichkeit aus dem Winterschlaf erwachen – als Reaktion auf einen Mann, der eigentlich ein Warnschild mit der Aufschrift „Für Frauen auf eigene Gefahr“ mit sich herumtragen müsste …

Ryan King fluchte, als er sich eine weitere Stufe hinaufschleppte. Dann blieb er stehen. Während er bis zehn zählte, versuchte er, die heftige Übelkeit zu unterdrücken – nicht gerade leicht angesichts seines schmerzenden Kopfes und des ausgekühlten Körpers.

„Du verdammter Idiot. Was wolltest du dir vorhin eigentlich beweisen?“, schimpfte er leise. Super, dachte er dann. Jetzt führe ich auch noch Selbstgespräche.

Mit vor Kälte steifen Händen umfasste er seinen Oberschenkel und stieg mühsam die letzte Stufe hinauf. Ein stechender Schmerz durchzuckte sein Knie, sodass sich alles in ihm anspannte. Schweiß trat ihm auf die Stirn und ließ die offene Wunde brennen. Ryan konnte nur dastehen und abwarten, bis die Schmerzen etwas nachließen. Leider hatte er dadurch viel Zeit, um darüber nachzudenken, wie idiotisch er sich verhalten hatte.

Zwei Stunden hatte er damit verbracht, eindrucksvoll zu belegen, dass er nie wieder würde surfen können. Dazu war er auch noch fast vollständig ausgekühlt und hatte sich den Kopf so heftig an seinem Surfbrett angeschlagen, dass er zu allem Übel von einer Rettungsschwimmerin aus dem Meer hatte gefischt werden müssen.

Dass er trotz ihrer sinnlichen smaragdgrünen Augen und ihrer überraschend weiblichen Figur zu nichts als einem Wutausbruch in der Lage gewesen war, machte das Erlebnis zu einem der Tiefpunkte seines bisherigen Lebens.

Allerdings war es nicht ganz so schlimm gewesen wie die ersten Wochen im Krankenhaus, als er, vollgepumpt mit Medikamenten, vor lauter Schmerzen kaum etwas wahrgenommen hatte und ans Bett gefesselt gewesen war. Und auch nicht so schlimm wie der Tag drei Monate später, als Ryan festgestellt hatte, dass nicht nur sein Bein und sein Selbstwertgefühl bei dem Motorradunfall irreparablen Schaden genommen hatten.

In den sechs Monaten danach war es noch weiter bergab gegangen.

Als er dann endlich wieder das ihm fremd gewordene Gefühl von Begehren verspürt und sich kaum eine Sekunde über das heiße Verlangen hatte freuen können, traf ihn die harte, demütigende Wahrheit nur Sekunden später umso heftiger und mit voller Wucht.

Nach eingehenden Untersuchungen hatten die Ärzte gesagt, die Impotenz habe psychosomatische Ursachen und sei nur vorübergehend. Ryan hatte ihnen geglaubt – bis zu jenem Sommerabend in seinem Penthouse in Kensington, als Martas ungläubiger und zugleich mitleidiger Blick ihn gezwungen hatte, der Realität ins Auge zu sehen.

Und was die splitternackte Marta mit ihrem Topmodel-Körper und ihrem „Ich gehöre ganz dir“-Blick nicht schaffte, würde einem Mädchen mit Elfengesicht, sinnlichen Augen und Ganzkörper-Neoprenanzug erst recht nicht gelingen.

Ryan verdrängte das erniedrigende Erlebnis und konzentrierte sich auf die schwierige Aufgabe, heil und gesund nach Hause zu kommen. Sein geschädigtes Bein hatte sich inzwischen völlig verkrampft, sodass er es über den steinigen, schlammigen Boden ziehen musste. Jede noch so leichte Erschütterung jagte einen heftigen Schmerz durch Knie und Oberschenkel. Wütend betrachtete er die dunklen Wolken. Der strömende Regen und der heftige Wind schienen perfekt zu seiner düsteren Stimmung zu passen.

Als er endlich den schweren Messingknauf der Tür umfasste, seufzte er erleichtert. Er stieß sie mit der Schulter auf und schleppte sich über die Marmorfliesen zu den Räumen im Haus seines Großvaters, die er bewohnte.

In einer der unzähligen Moralpredigten, die der alte Mann Ryan als rebellischem Teenager gehalten hatte, hatte er prophezeit, er werde eines Tages für seine Sünden bezahlen müssen. Wer hätte gedacht, dass der längst verstorbene Charles King damit recht behalten würde?

„Phil, kann ich den Rest meiner Schicht freibekommen?“, zwang Maddy sich zu fragen und ging durch das leere Café. Den ganzen Nachmittag über hatten sie nur drei Gäste gehabt. Inzwischen regnete es zwar nicht mehr, doch noch immer hing der Himmel voller grauer Gewitterwolken.

„Ich muss etwas erledigen“, fügte sie hinzu, stellte das Tablett auf den Tresen und setzte sich auf einen der Barhocker.

Der rotwangige Phil lächelte gutmütig. „Du weißt doch, dass ich dir niemals irgendeine Bitte abschlagen könnte. Dein Wunsch ist mir Befehl.“

„Super. Heißt das, ich bekomme eine Lohnerhöhung?“

Maddy flirtete nur zum Spaß mit Phil, der ohnehin nur auf oberflächliche große Frauen mit langen Beinen stand. Außerdem war der Grundsatz, niemals mit dem eigenen Chef ins Bett zu gehen, eins der wenigen Überbleibsel aus ihrer chaotischen Kindheit, mit denen Maddy ganz gut umgehen konnte.

„Sobald du mit mir ausgehst, können wir auch über eine Lohnerhöhung sprechen“, scherzte Phil.

„Ja, ja.“ Maddy lachte. „Wenn du möchtest, hole ich die Arbeitsstunden morgen nach. Heute war für diese Saison nämlich mein letzter Einsatz als Rettungsschwimmerin.“

Während er ein paar Gläser in die Spülmaschine räumte, sah Phil auf die Uhr. „Du brauchst die Stunden nicht nachzuholen“, erwiderte er – wie sie erwartet hatte. „Das ist schon in Ordnung.“ Zwar flirtete er immer hemmungslos, doch in jeder anderen Hinsicht war er ein toller Chef.

„Danke!“ Maddy glitt vom Hocker, band sich die Schürze ab und zog die Klemmen aus ihrem Haar. Dann schüttelte sie den Kopf, um ihre mittellangen kastanienbraunen Locken aufzulockern.

„Luke hat mir erzählt, dass du zum ersten Mal einen Menschen gerettet hast, noch dazu wie ein echter Profi. Herzlichen Glückwunsch!“

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