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Heiß geliebter Herzensbrecher

1. KAPITEL

Nach einem kurzen Trommelwirbel trat der Moderator Lance Wocek vor. „Und nun unsere schöne Katherine Ransome“, verkündete er und nahm ihre Hand. „Eine talentierte Künstlerin, erfolgreiche Unternehmerin, aufregende Junggesellin.“

Katherine winkte dem Publikum zu und lächelte in die Runde, obwohl sie wegen der grellen Scheinwerfer, die die provisorische Bühne des Oak Hill Country Clubs anstrahlten, kaum etwas sehen konnte. Die Gäste in Smoking oder Abendrobe bildeten den eleganten Rahmen der Benefizgala zugunsten von Waisenkindern. Katherine hatte ein Herz für Kinder, aber sie wünschte zum wiederholten Mal, sie hätte einen Scheck ausgeschrieben, anstatt sich für die Versteigerung zur Verfügung zu stellen.

„Meine Herren, ein Abend mit der charmanten, schönen Miss Ransome – ich höre das Eingangsgebot“, begann Lance.

„Eintausend Dollar!“, rief ein Mann, und die Gäste applaudierten. Katherine versuchte den Bieter im Meer der Gesichter auszumachen.

„Eintausend Dollar, ein guter Start! Wer bietet mehr?“ Lance lächelte auffordernd.

„Zweitausend“, rief ein anderer. Katherine erkannte die Stimme des Anwalts Wes Trentwood. Sie war erleichtert, dass geboten wurde, denn ihre Brüder hatten sie aufgezogen und behauptet, niemand würde sich für sie interessieren, weil sie sich Männern gegenüber immer so abweisend verhielt. Einen Abend mit Wes verbringen zu müssen, wäre nicht einmal so schlimm.

„Zweitausend Dollar“, wiederholte Lance. „Wer bietet dreitausend für einen Abend mit einer der tollsten Frauen im Umkreis?“

„Dreitausend“, kam es von irgendwoher, und sofort wurde auf viertausend erhöht.

„Ich biete fünfhunderttausend.“

Aufgeregtes Raunen ging durch die Menge, und alle sahen sich neugierig um. Katherine, die sich nicht vorstellen konnte, weshalb jemand so viel Geld für einen Abend mit ihr ausgeben sollte, schaute angestrengt in die Richtung, aus der die tiefe Stimme gekommen war.

Ein Mann erhob sich, und begeisterter Applaus begleitete ihn, während er sich zwischen den Tischen hindurchzwängte. Wegen der blendenden Scheinwerfer konnte sie sein Gesicht nicht erkennen, aber etwas an seiner Haltung, den breiten Schultern und dem dunklen Haar kam ihr vertraut vor. Verwundert verfolgte sie das Geschehen. Es ging zwar um einen guten Zweck, aber diese Spende war mehr als großzügig.

Als der Mann sich der Bühne näherte, konnte sie immerhin erkennen, dass er hochgewachsen war und sich mit der Anmut einer Raubkatze bewegte.

Plötzlich begann ihr Herz heftig zu pochen.

Das Blut rauschte ihr in den Ohren, und sie fühlte sich neun Jahre zurückversetzt.

Ihr erster Impuls war, ihm um den Hals zu fallen, doch sie stand genauso regungslos da wie er. Die Atmosphäre schien plötzlich elektrisch aufgeladen zu sein.

Ebenso schnell wie er gekommen war, war der magische Moment vorüber. Das Verlangen verblasste, Überraschung trat an seine Stelle.

„Du bist schöner denn je“, stellte er sachlich fest.

Seine Erscheinung und sein Auftreten waren verändert, doch seine Stimme war ihr noch immer vertraut. Das tiefe, warme Timbre ließ ihr einen Schauer über den Rücken rieseln, als hätte er sie berührt.

Bestürzt stand Katherine da, vor ihren Augen verschwamm alles, und einen Augenblick lang fürchtete sie, ohnmächtig zu werden.

„Cade“, flüsterte sie.

Cade Logan, der Mann, den sie einmal heiraten wollte, stand so dicht vor ihr, dass sie ihn ohne Probleme berühren könnte. Seit neun Jahren hatte sie ihn nicht mehr gesehen, seit er eine Woche vor ihrer Hochzeit verschwunden war.

Der Moderator sagte etwas, doch sie verstand nichts. Jemand rief nach ihm, und Lance entfernte sich.

Katherine war gefangen von Cades Blick. Neun Jahre, und nun stand er ihr plötzlich gegenüber. Oft hatte sie sich diese Situation vorgestellt, hatte sich ausgemalt, wie sie reagieren würde. Jetzt, da es wirklich geschah, war sie völlig unvorbereitet.

Ihr erster Gedanke war – und das beunruhigte sie noch mehr –, dass er unerhört gut aussah. Sie hatte sich eingebildet, Cade längst überwunden zu haben, gegen ihn immun zu sein. Dem war absolut nicht so. Ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt, ihr Puls jagte.

Cade streckte ihr eine Hand hin, und Katherine ergriff sie automatisch. Sie war warm und erstaunlich sanft. Die Berührung durchfuhr sie wie ein Stromstoß.

Wut stieg in ihr auf und löschte alle anderen Emotionen aus. Sie riss ihre Hand zurück und kniff die Augen leicht zusammen. Am liebsten hätte sie Cade angeschrien, ihm mit den Fäusten auf die Brust getrommelt. Doch sie beherrschte sich, hob nur kühl das Kinn und wandte den Blick ab, als hätte sie ihn nicht einmal erkannt.

„Heute ist Freitag. Wenn ich richtig verstanden habe, darf ich dich morgen Abend zum Dinner einladen“, erklärte er.

Wie gern hätte sie ihm eine Absage erteilt. Aber sie hatte sich verpflichtet, und sie konnte den Waisenkindern Cades Spende nicht vorenthalten.

„Was fällt dir ein, hier einfach so aufzutauchen?“, fauchte sie ihn an, unfähig, sich zu beherrschen, obwohl die Scheinwerfer noch auf sie gerichtet waren. „Du glaubst doch wohl nicht, dass ich ausgerechnet mit dir ausgehe?“

„Das glaube ich sehr wohl, denn ich habe soeben eine Menge Geld für einen Abend mit dir bezahlt“, erwiderte er ruhig und musterte sie dabei ausgiebig, was sie noch mehr erzürnte.

„Es gibt sicher viele Frauen, die dich liebend gern begleiten würden. Such dir eine andere.“

„Nein, Katherine. Ich wusste, was ich tat, als ich für einen Abend mit dir geboten habe“, entgegnet Cade eisig.

Trotz ihrer Verärgerung entging Katherine nicht, dass er wesentlich selbstsicherer war als früher. Zudem musste er sehr wohlhabend sein, wenn er ein kleines Vermögen für ein paar Stunden mit ihr ausgeben konnte. Hin und wieder hatte sie von ihm in der Zeitung gelesen und Fotos gesehen. Sie wusste, er war ein erfolgreicher Unternehmer. Aber dass er so reich war, erstaunte sie. Wie hatte er das in den wenigen Jahren geschafft? Und was wollte er jetzt von ihr?

Lance kam zurück und schüttelte Cade die Hand. „Vielen Dank, Sir, für die überaus großzügige Spende. Damit verändern Sie das Leben vieler Kinder zum Besseren, und wir alle werden Sie in guter Erinnerung behalten. Zum Lohn bekommen Sie einen Abend mit einer der schönsten Frauen von Fort Worth, Katherine Ransome.“ Er strahlte Cade an. „Vielleicht darf ich mich vorstellen. Ich bin Lance Wocek. Und soweit ich weiß, hatten wir überhaupt noch nie eine so große Spende.“

„Lance, ihr kennt euch“, warf Katherine unwillig ein. Er und Cade waren in Cedar County aufgewachsen und gemeinsam auf die Rincon Highschool gegangen. Katherine war ihnen im Abstand von vier Jahren gefolgt. „Das ist Cade Logan.“

Lance machte große Augen. „Cade Logan? Aus unserer Highschool? Mann, hast du dich verändert“, stammelte er. „Dich hätte ich nie erkannt.“

Kein Wunder, dachte Katherine, kein Vergleich mit dem ungebärdigen, schlanken Burschen, in den ich damals verliebt war.

Sie sah den schlaksigen Cade noch vor sich mit dem langen Haar, den verwaschenen T-Shirts und abgetragenen Jeans, und sie musste zugeben, dass sie ihn selbst zunächst kaum erkannt hatte. Nun hatte er breite Schultern und wirkte muskulös. Sein dunkles Haar war gut geschnitten und gepflegt, und in seinem Auftreten lag etwas Überlegenes, das früher nicht da gewesen war.

Nur die sexy Augen mit den dichten Wimpern waren dieselben. Sein durchdringender Blick gab Katherine noch immer das Gefühl, er könnte jeden ihrer Gedanken lesen. Und auch seine sinnlichen Lippen hatten sich nicht verändert.

„Ja, es ist eine Weile her“, sagte Cade in lockerem Ton.

„Wer hätte gedacht …“, Lance brach ab, „… dass ihr beide …“ Hilfe suchend warf er Katherine einen Blick zu.

„Ich regele alles Weitere mit Katherine“, erklärte Cade. „Soll ich den Scheck auf die Slade House Children’s Foundation ausstellen?“ Er holte sein Scheckbuch und einen Stift hervor.

„Genau“, sagte Lance und starrte Cade fasziniert an, bis ihn ein Gast ansprach und er sich abwandte.

Katherine konnte es noch immer kaum glauben. Sie hoffte, das Ganze sei nur ein schlechter Traum, und sie würde jeden Moment aufwachen. Doch sie wachte nicht auf, sondern fühlte Cades unergründlichen Blick auf sich gerichtet. Was mochte in seinem Kopf vorgehen?

„Du willst doch nicht wirklich mit mir ausgehen?“

„Und ob ich das will, und dies war der schnellste und einfachste Weg ans Ziel.“

„Und reichlich kostspielig.“

„Ich wollte mit niemandem herumstreiten, und ich wollte dir keine Gelegenheit geben, dich zu weigern. Also, wo soll ich dich morgen abholen, und wie wäre es mit sechs Uhr?“

„Sechs ist viel zu früh“, erklärte sie. Spät aufbrechen und sich früh verabschieden, das war ihre Devise. „Hier ist die Adresse.“ Sie schrieb ihre Privatanschrift auf die Rückseite einer Visitenkarte und reichte sie ihm. Erneut berührten sich ihre Finger, und wieder ging es Katherine durch und durch.

Cade musterte sie so eindringlich, dass sie unruhig wurde. Betont kühl erwiderte sie seinen Blick und hoffte, dass er nicht merkte, wie heftig ihr Herz klopfte und wie unregelmäßig ihr Atem ging. Bisher hatte sie die Frage gequält, wieso Cade die Stadt verlassen hatte. Doch was sie jetzt fast noch mehr interessierte, war der Grund, weshalb er zurückgekehrt war.

„Hast du heute Abend schon gegessen?“, erkundigte er sich.

„Nein, aber wenn wir heute miteinander essen, ist meine Schuld dir gegenüber abgegolten.“

„In Ordnung. Können wir gleich gehen?“

„Gehen? Hier wird ein ausgezeichnetes Dinner serviert, es ist Teil der Gala. Anschließend wird getanzt.“ Allerdings mochte sie nicht daran denken, wie es wäre, sich beim Tanzen in Cades Arme zu schmiegen.

„Ich möchte lieber mit dir allein sein und mich nicht ständig mit anderen unterhalten müssen. Gibt es eine Vorschrift, die besagt, dass du bleiben musst?“

„Nein. Ich sage Beschied, dass ich gehe, und wir treffen uns am Ausgang.“ Einerseits gefiel ihr die Vorstellung, den Abend mit Cade rasch hinter sich zu bringen, andererseits sah sie diesem Essen voller Nervosität entgegen.

Sie hatte angenommen, sie würde ihn hassen, sollte sie ihn jemals wiedersehen. Zwar empfand sie in erster Linie Wut, doch sie reagierte auch wie eine normale Frau auf einen sexy Mann – seine Nähe erregte sie wider Willen.

Im Garderobenraum warf Katherine einen Blick in den Spiegel und begutachtete ihr mit Pailletten besetztes, ärmelloses schwarzes Kleid mit dem tiefen Ausschnitt. Dazu trug sie hochhackige schwarze Pumps.

Sie atmete tief durch, dann machte sie sich auf den Weg. Cade wartete bereits auf sie, und als sie seinen Blick auffing, empfand sie wieder diese Erregung. In ein paar Stunden ist alles überstanden, sagte sie sich, so lange kann ich mich bestimmt zusammenreißen.

Er hielt ihr die Tür auf und legte ihr dann einen Arm um die Taille, während sie in den kühlen Oktoberabend hinaustraten. Die leichte Berührung seiner Schulter und seines Schenkels brannte wie Feuer.

Vor dem Club wartete eine Limousine mit Fahrer. Der Mann hielt Katherine die Tür auf, und Cade setzte sich zu ihr nach hinten.

Plötzlich kam er ihr vor wie ein Fremder. Dies war nicht der wilde Junge von damals.

„Warum bist du hier?“, fragte sie.

„Zum Teil aus Neugier auf dich und auf das, was ich zurückgelassen habe“, erwiderte er. „Außerdem habe ich festgestellt, dass man bei einem Kauf immer das Beste wählen sollte, es zahlt sich aus.“

„Also willst du in Fort Worth etwas kaufen.“

„Richtig. Warum hast du dich für die Auktion zur Verfügung gestellt?“

„Das Kinderheim liegt mir am Herzen. Waisenkinder sollten es gut haben, und deine Spende ist sehr willkommen.“ Ihr fiel ein, dass sie sich noch nicht bei Cade bedankt hatte.

„Trotzdem wäre es dir lieber, ich hätte nicht mitgeboten.“

„Die Spende ist wichtiger als meine Wünsche.“ Ihr Gespräch war merkwürdig nichtssagend, während es zwischen ihnen vor Spannung nur so knisterte.

„Du hättest einfach einen Scheck ausschreiben können. Deshalb frage ich noch einmal, weshalb du dich ersteigern ließest“, beharrte er.

„Das frage ich mich schon den ganzen Abend“, erwiderte sie trocken. Cade war ihr fremd, bis auf seine Stimme. Die war ihr sehr vertraut.

„Dann haben die anderen Mitbieter dir nichts bedeutet?“

„Absolut nicht. Einer von ihnen ist ein Bekannter, mehr nicht. Wo wohnst du jetzt?“ Obwohl sie Cade am liebsten ignoriert hätte, war sie doch neugierig.

„Hauptsächlich in Los Angeles, in Pebble Beach und in der Schweiz. Aber ich baue gerade ein Haus in Houston.“

„Du hast es ja zu etwas gebracht, das habe ich in der Zeitung gelesen“, bemerkte sie. „Du bist ein bedeutender Unternehmer.“ Sie fragte nicht, woher ein Junge aus so armen Verhältnissen und ohne Schulabschluss – Cade hatte früher als Automechaniker gearbeitet – das Startkapital dafür hatte.

Er trug keinen Ehering, stellte sie fest. Es wäre auch ungehörig gewesen, wenn er sich als verheirateter Mann an so einer Auktion beteiligt hätte. Allerdings war Cade schon vor neun Jahren ein böser Bube gewesen. Freunde hatten sie vor ihm gewarnt. Und sie hatten recht behalten.

„Katie …“

„Katherine“, fauchte sie ihn an und erinnerte sich nur zu gut, wie sie es früher genossen hatte, wenn er sie Katie nannte. „Ich lasse mich von niemandem Katie nennen.“

„In Ordnung, Katherine“, entgegnete Cade ungerührt. „Du hast es ebenfalls weit gebracht.“

„Ich liebe meine Arbeit“, entgegnete sie. Woher wusste er überhaupt von ihrer Firma? Inzwischen waren sie im Zentrum von Fort Worth angelangt. Sie sah zu dem Hochhaus hinüber, in dem Ransome Design untergebracht war. Mit ihren sechzig Mitarbeitern belegte sie dort zwei Etagen, und sie träumte davon, demnächst Filialen zu eröffnen. Normalerweise erfüllte sie der Anblick des Gebäudes mit Stolz und Freude, doch nun waren andere Emotionen stärker, denn schließlich war Cade indirekt der Grund dafür, dass sie sich nur noch für ihren Beruf interessierte.

Cade beobachtete sie aus dem Augenwinkel und sagte: „Einen Penny für deine Gedanken.“

„Ich verrate sie dir ganz umsonst. Ich habe an meine Firma gedacht.“

„Ransome Design ist im vergangenen Jahr um eindrucksvolle zwanzig Prozent gewachsen. Du hast dir einen guten Namen gemacht.“

„Meine Arbeit ist mein Leben“, erklärte sie. „Das kannst du mir bestimmt nachfühlen.“

Cade hob lässig die Schultern. „Es gibt Wichtigeres.“ Er suchte Katherines Blick und hielt ihn fest.

„Für mich nicht.“ Sie wandte sich ab, fühlte aber seinen Blick noch immer auf sich gerichtet. Es ärgerte sie, dass sie Cade so attraktiv fand.

Cade schwieg, doch das störte sie nicht, denn sie hatte ohnehin kein Interesse an höflichem Geplauder. In ihr hatte sich zu viel Zorn angestaut. Sie wollte nicht mit ihm allein sein. Sie wollte gar nicht mit ihm zusammen sein. Und zu ihrem Ärger war sie sich seiner körperlichen Nähe nur zu bewusst.

Als sie hielten, sah Katherine, dass Cades Ziel der exklusive, elegante Millington Club sein musste. Ihr Vater war dort Mitglied, ebenso wie im Petroleum Club, und sie wundert sich, dass Cade solche Adressen überhaupt kannte.

Sie fuhren mit dem Lift nach oben in den zwanzigsten Stock und betraten den Empfangsbereich mit dem dicken marineblauen Teppichboden und den Mahagonimöbeln. Zu ihrer Überraschung hatte Cade einen Tisch reserviert. Während er mit dem Oberkellner sprach, musterte sie ihn verstohlen und dachte daran, wie wunderbar sich sein Körper damals angefühlt hatte. Eine Hitzewelle durchströmte sie. Wütend wegen ihres Verlangens, ballte sie die Hände zu Fäusten.

Ihr Blick fiel auf seine Uhr mit dem schlichten Lederarmband. Sie hatte schon im Wagen bemerkt, dass es sich dabei um eine der teuersten Marken handelte. Hatte er nicht gesagt, dass er stets das Beste nahm? Wie mochte dann wohl seine momentane ständige Begleiterin aussehen?

Als Cade nun ihren Arm nahm, wirkte die Berührung ebenso elektrifizierend auf Katherine wie die vorangegangenen an diesem Abend auch schon. Er führte sie zu einem Tisch vor der Fensterfront mit Aussicht auf die Lichter der Stadt. Im Hintergrund spielte leise Musik, und einige Paare tanzten bereits.

Als sie saßen, sagte er: „Wenn ich mich richtig erinnere, isst du gern Steak.“

Katherine war überrascht, dass er das noch wusste.

„Damals tranken wir noch keinen Wein, deshalb weiß ich nicht, was du da magst.“

„Ich nehme schwarzen Kaffee.“ Sie bemerkte einen amüsierten Anflug in seinem Blick, während er für sich Weißwein bestellte, doch sie wollte einen klaren Kopf behalten.

„Du bist also Unternehmer. Und was unternimmst du so?“, begann sie. Es interessierte sie nicht wirklich, sie suchte nur nach einem neutralen Thema.

„Ich habe gerade eine Produktionsfirma für Kinofilme aufgekauft. Gestern stand es in der Zeitung.“

Katherine erinnerte sich an den Artikel. Es handelte sich um eins der ältesten Familienunternehmen der Branche. „Ich habe von dem Verkauf gelesen“, sagte sie, „aber nicht, dass du der Käufer bist. Du gehst also ins Showgeschäft – ist deine Freundin Schauspielerin?“

„Nein, es war einfach eine gute Investition, und die Firma stand vor dem Bankrott. Ich habe zurzeit keine feste Freundin.“

„Das kann ich kaum glauben“, entgegnete sie knapp und sah ihn an. Cade lächelte, und dieses Lächeln raubte ihr den Atem und tat zugleich weh. Es erinnerte sie an wunderschöne Momente. Hastig griff sie nach der Speisekarte.

„Es stimmt aber“, bekräftigte er. „Und wer ist der Mann in deinem Leben, Katherine?“

„Niemand, sonst wäre ich nicht bei der Auktion gewesen. Ich widme meine Zeit dem Job.“

„Darin ähneln wir uns“, bemerkte er. „Wir haben beide keine feste Beziehung.“

„Das ist für mich kein Thema“, sagte sie abweisend.

Cade sah sie durchdringend an, und sie fragte sich, ob er ihren Zorn spürte. Falls er es tat, schien es ihn jedenfalls nicht zu stören, und warum sollte es auch? Als er sie damals nur eine Woche vor der Hochzeit verließ, hatte er auch kein Wort gesagt.

„Was willst du eigentlich in Texas, Cade?“, brach es aus ihr heraus. „Ich empfinde nur Schmerz, Wut und Hass, wenn ich dich sehe.“ Sie wusste jedoch, dass sie noch etwas anderes verspürte – eine starke Anziehung.

In diesem Moment trat der Weinkellner an ihren Tisch, öffnete die Flasche und ließ Cade kosten. Ein anderer Kellner brachte Katherines Kaffee und schenkte Wasser ein.

Als sie wieder allein waren, hob Cade sein Glas. „Auf unser gutes Werk zum Wohl der Waisenkinder.“

Sein intensiver Blick schlug Katherine in den Bann und verstärkte ihr Begehren. Sie musste sich zwingen, ihn nicht anzustarren.

„Darauf stoße ich gern mit dir an.“

Cade sah ihr in die Augen, während sie tranken.

„Wie höflich wir miteinander umgehen.“ Katherine fühlte sich so verspannt, dass sie es kaum noch ertragen konnte. „Dabei würde ich dich am liebsten laut anschreien.“

„Das kann ich verstehen. Wir haben uns gegenseitig sehr wehgetan, Katherine“, entgegnete er ernst.

Was meinte er mit „gegenseitig“, was hatte sie ihm denn angetan? Vermutlich hatte er sich inzwischen seine eigene Version der Geschehnisse zurechtgelegt.

„Warum willst du dann alte Wunden wieder aufreißen?“

„Was vergangen ist, liegt hinter uns, wir sind inzwischen beide ein Stück weiter“, erwiderte er. „Ich dachte, du wärst längst verheiratet und hättest Kinder.“

„Ich bin mit meinem Beruf verheiratet. Und du weichst meiner Frage aus. Weshalb bist du hier und willst einen Abend mit mir verbringen. Also – was ist der wahre Grund?“

2. KAPITEL

„Ich habe Arbeiten von dir gesehen, sie sind großartig“, sagte Cade. „Und ich würde dich gern für ein Projekt engagieren.“

Katherine warf ihm einen kühlen Blick zu. „Ich arbeite nicht für dich, Cade. Du kannst nicht einfach angetanzt kommen und mir einen Auftrag erteilen.“

„Ich hätte jemanden aus meiner Firma schicken können, den du nicht mit mir in Verbindung gebracht hättest, und du hättest nicht abgelehnt. Bis vor ein paar Tagen wollte ich das auch tun. Ich dachte, wir sollten uns besser nie mehr begegnen.“

„Weshalb hast du dich anders entschieden?“

„Ich sagte mir, du würdest den Auftrag hinschmeißen, sobald du erfährst, dass ich dahinterstecke. Natürlich hätte ich dich darüber im Dunkeln lassen können. Du überprüfst wahrscheinlich nicht alle deine Auftraggeber.“

„Stimmt, das war bislang nicht nötig.“

„Über kurz oder lang wäre bekannt geworden, dass du ein Haus in Houston mit deinen Wandgemälden ausstattest, und irgendwelche Reporter hätten nach dem Eigentümer gefahndet. Außerdem kann ich auf diese Weise sicherstellen, dass ich das bekomme, was ich möchte.“

„Cade, ich bin für dich nicht zu haben. Such dir eine andere Agentur. Es gibt sie in Hülle und Fülle.“

„Nicht alle bieten Wandmalerei an, und ich will nicht deine Agentur, sondern dich persönlich beauftragen.“

„Ich sagte Nein.“

„Ich habe in Houston, Los Angeles und Chicago gehört, dass du die Beste bist.“

„Freut mich zu hören.“

„Galeriebesitzer empfehlen dich, Museen und Kunden sind von dir angetan. Ich habe mir einige deiner Werke angesehen, sie sind unübertroffen. Ich sagte ja, ich nehme stets das Beste.“

„Das ist schmeichelhaft, aber es gibt andere, die genauso gut sind. Graham Trevor zum Beispiel. Wandgemälde sind im Grunde ganz einfach zu bewerkstelligen.“ Sie würde sich auf keinen Fall erweichen lassen.

„Ja, wenn man es richtig kann, Katherine.“ Cade lehnte sich lässig zurück. „Ich will keinen Graham Trevor, sondern dich. Was vor neun Jahren geschah, sollte uns doch heute nicht mehr belasten.“

„Mich belastet es aber. Ich hasse dich für dein Verhalten, ich will nicht für dich arbeiten. Muss ich noch deutlicher werden?“ Es schmerzte noch immer. Schlimmer war jedoch, dass sie sich trotz allem danach sehnte, in seinen Armen zu liegen.

„Ich dachte, du hättest die Sache von damals inzwischen überwunden“, sagte er.

Die Worte schnitten ihr ins Herz. Wie konnte er so locker darüber hinweggehen? Aber vielleicht hatte es ihn ja gar nicht so sehr getroffen.

„Ja, für dich ist das längst vergessen. Offenbar war es für dich schon erledigt, bevor du Texas damals verlassen hattest.“

„Wir können eine reine Geschäftsbeziehung haben. Ich zahle gut.“

„Das würde ich voraussetzen, aber ich will weder dein Geld noch einen Auftrag von dir. Ich will überhaupt nichts mit dir zu tun haben.“

Der Ober kam, um ihre Bestellung aufzunehmen. Obwohl Katherine am liebsten Steak aß, gönnte sie Cade nicht die Genugtuung, recht zu behalten. „Ich nehme die Forelle im Pekannussmantel“, sagte sie.

Cade bestellte Hummer. Als der Ober gegangen war, beugte er sich zu Katherine hinüber. „Du magst also nicht mehr am liebsten Steak?“

„Nein. Fast alle meine Vorlieben haben sich geändert.“

Nachdenklich musterte er sie. „Wir wollen uns nicht die ganze Zeit streiten.“ Ohne sie aus den Augen zu lassen, holte er sein Handy hervor und telefonierte leise. Dann steckte er das Handy ein und erhob sich.

„Ich möchte dir etwas zeigen.“

Katherines Neugier war geweckt. Cade nahm ihren Arm und verließ mit ihr das Restaurant, nachdem er den Ober informiert hatte, dass sie später essen würden. Unten angekommen, gingen sie über die Straße in eins der teuersten Hotels von Fort Worth.

„Ich habe hier ein Zimmer. Deshalb essen wir heute im Millington Club. Ich möchte dir etwas zeigen, obwohl ich das eigentlich erst nach dem Dinner eingeplant hatte.“

Abrupt blieb sie stehen. „In deinem Hotelzimmer?“

„Genau. Dort habe ich die Blaupausen der Pläne meines neuen Hauses. Es dauert nicht lange, einen Blick darauf zu werfen. Danach essen wir.“

„Ich will keine Blaupausen ansehen“, protestierte sie. „Wir haben nichts zu besprechen.“

„Doch. Ich möchte mit dir über die Wandgemälde in dem Haus reden.“

„So viel Geld, dass ich meine Meinung ändern könnte, gibt es auf der ganzen Welt nicht.“ Sie stieß ihm mit einem Finger vor die Brust. „Nein, Cade.“ Ihr war heiß vor Zorn.

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