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Heiß brennt mein Begehren

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1. KAPITEL

Humorvoll.

Durchtrainiert.

Sexy.

Klug. Wirklich klug.

Höflich, attraktiv, selbstbewusst.

Er war alles, was eine Frau sich für eine heiße Liebesnacht wünschen konnte. Und Brodie Stewart wusste, dass es Millionen Frauen gab, die sie für verrückt erklären würden für das, was sie gleich tun würde.

„Brodie? Hast du gehört, was ich gesagt habe? Ich habe dich gefragt, ob du mit nach oben kommen willst“, flüsterte Kade ihr ins Ohr und streichelte die Unterseite ihrer rechten Brust.

Sie leckte sich die Lippen und schmeckte ihn noch auf der Zunge, sog den Duft seiner Haut nach würziger Zitrusseife ein und legte den Kopf schief, um an seinem sehnigen Hals zu knabbern. Mann, ist er gut.

Sie musste unbedingt aufhören.

Das sagte sie sich nun schon seit drei Wochen. Sie hätte nicht jeden Morgen auf ihrer Joggingrunde auf Kade warten sollen, hätte keine Schmetterlinge im Bauch bekommen sollen, wenn er auf sie zugelaufen kam: ein hochgewachsener muskulöser Star. Sie hätte nicht über seine Witze lachen oder auf seine Flirtversuche reagieren sollen. Und sie hätte ganz bestimmt nicht seine Einladung annehmen sollen, ihn an diesem Samstagmorgen auf eine Tasse Kaffee nach Hause zu begleiten, nachdem sie ihre zehn Kilometer um den Stanley Park gelaufen waren.

Vor allem hätte sie ihn nicht küssen sollen.

Sie hatte geglaubt, sich alles gut überlegt zu haben und der Situation gewachsen zu sein. Ihm gewachsen zu sein. Es war ja nicht so, als ob sie seit Jay keinen Sex mehr gehabt hätte. Seit dem Unfall vor zehn Jahren hatte sie mit ein paar Männern geschlafen – na gut, mit zweien. Auf den ersten Blick war Kade perfekt. Der Ex-Eishockeyspieler, der jetzt Manager der Vancouver Mavericks war, galt als eingefleischter Single. Stolz darauf, nicht zu haben zu sein. Anders als die meisten Frauen in ihrem Alter hatte Brodie kein Interesse daran, ihn zu ändern. Sie hatte seine Einladung auch deshalb angenommen, weil sie wusste, was er wollte: keine ewige Liebe.

Na gut, es war eine Weile her, und sie war aus der Übung, aber warum konnte sie sich nicht einfach überwinden und auf eine heiße Nummer mit dem hinreißenden und sehr erfahrenen Kade Webb einlassen?

Vielleicht lag es daran, dass etwas an ihm eine Saite in ihr zum Klingen brachte. Er war mehr als nur ein attraktiver Mann. Seine Küsse waren leidenschaftlich und berauschend. Er erinnerte sie an Liebe, Intimität und Gefühle.

Daran wollte sie wirklich nicht erinnert werden.

Brodie löste sich von Kades breiter Brust. Sie küsste ihn zur Entschuldigung schnell aufs Kinn und spürte die goldenen Bartstoppeln an den Lippen. Dann stand sie vom Ledersofa auf und ging zu der Schiebetür, die auf den weitläufigen Balkon führte. Sie legte die Hand auf die kühle Glasscheibe. Von diesem Penthouse-Loft hatte man eine wunderbare Aussicht auf den False Creek, die Granville Bridge und die Burrard Bridge. Solch einen Blick konnte man sich nur leisten, wenn man viel Geld hatte. Sie ließ ihn auf sich wirken und dachte in aller Ruhe darüber nach, wie sie Kades Frage beantworten sollte.

Widerstrebend drehte sie sich um und lehnte sich an die Scheibe. Ihr Herz riet ihr, in seine Umarmung zurückzukehren, seine straffen Muskeln zu streicheln, an seiner olivbraunen Haut zu knabbern, ihm durchs zerzauste blonde Haar zu fahren und zu beobachten, wie seine braunen Augen vor Leidenschaft fast schwarz wurden. Aber ihr Gehirn behielt die Oberhand und befahl ihr davonzulaufen, bevor sie die Situation nicht mehr im Griff hatte.

Oh Gott. Er würde denken, dass sie nur mit ihm gespielt hatte. Aber so war es nicht. Sie schützte sich nur selbst.

Emotional. Psychisch. So gut sie konnte.

Brodie spürte, dass sein Blick auf ihr ruhte, starrte aber weiter ihre Sneakers an und wünschte sich, nicht nur das knappe Kapuzenshirt und die enge Laufhose anzuhaben. Sie wusste, dass er auf eine Erklärung dafür wartete, dass sie ihn bis zur Besinnungslosigkeit geküsst hatte, nur um jetzt einen Rückzieher zu machen. Sie konnte es ihm nicht sagen. Schließlich kannte sie ihn kaum. Sie waren bisher nur miteinander gejoggt, und er kannte nur ihren Namen und wusste, dass sie gern lief. Sie war wahnsinnig scharf auf ihn, aber der Gedanke an Sex mit ihm erinnerte sie an Intimität, und davor hatte sie entsetzliche Angst.

Es hätte alles Spaß machen sollen – nur eine schnelle Affäre. Aber Kade Webb weckte in ihr Gefühle, von denen sie geglaubt hatte, sie längst abgetötet zu haben. Warum ausgerechnet er von allen Männern in Vancouver? Er war ein wandelndes Klischee: gutaussehend, reich, charmant. In einem Jane-Austen-Roman wäre er als „Lebemann“ beschrieben worden, und auch zweihundert Jahre später klang der Ausdruck noch treffend.

Brodie seufzte und wünschte, sie hätte es anders angefangen. Jeder wusste, dass er ein Fitnessfanatiker war und morgens immer im Stanley Park joggte. Sie hatte nur feststellen wollen, ob sie mit ihm Schritt halten konnte. Statt im Morgengrauen mit ihm zu laufen, hätte sie auf Abstand bleiben sollen. Zuerst hatte er darüber gelacht, dass sie glaubte, seinem Tempo gewachsen zu sein. Aber auf dem College war sie Leichtathletin gewesen. Sie war schnell und ausdauernd. Als er festgestellt hatte, dass er sie nicht abschütteln konnte, hatte er angefangen, mir ihr herumzualbern. Viele Joggingrunden später hatte er sie zum Kaffee eingeladen – und zum Sex.

Die beiläufigen Gespräche hatten ihr so viel Spaß gemacht, dass sie oft vergessen hatte, dass sie mit dem begehrtesten Junggesellen der Stadt joggte. Für sie war er nur ein Mann mit viel Sinn für Humor, einem klugen Kopf und einem sehr attraktiven Körper. Es hatte Spaß gemacht, mit ihm zu laufen. Sie hatte seine Bewunderung genossen.

So sehr, dass sie geglaubt hatte, stark und tapfer genug für schnellen Sex am Samstagmorgen zu sein, wie jede selbstbewusste moderne Frau. Na klar.

„Du hast es dir anders überlegt, oder?“ Seine Stimme war so warm wie die Sonnenstrahlen, die über den Holzfußboden tanzten. Sie schaute auf und sah ihm in die Augen. Zu ihrer Erleichterung entdeckte sie keinen Ärger, nur Bedauern.

„Es tut mir so leid. Ich dachte, ich könnte es.“ Brodie hob ratlos die Hände.

„Liegt es an mir? Habe ich etwas getan, was dir nicht gefällt?“

Wie lieb von ihm …

Brodie wurde rot. „Nein, du bist großartig. Du weißt doch sicher, dass du wirklich toll küsst, und du bist sicher …“ Sie lief noch dunkler an. „Bestimmt kannst du alles richtig gut.“

Kade setzte sich auf und schlug die Beine übereinander. Er lehnte sich zurück. Seine Armmuskeln traten hervor, als er die Hände hinter dem Kopf verschränkte. Sein teures Laufshirt straffte sich über der Brust.

Hör auf, über seinen Körper nachzudenken, seine Bauchmuskeln, diese straffen Oberschenkel …

„Vielleicht beruhigt es dich zu wissen, dass du hier das Sagen hast. Wenn du Nein sagst – wann auch immer –, höre ich sofort auf“, versprach Kade leise.

Das war ein perfektes Beispiel dafür, warum sie sich so zu ihm hingezogen fühlte. Hinter dem Charme und dem sexy Körper verbarg sich ein Mann, den die Öffentlichkeit nie zu Gesicht bekam: jemand, der rücksichtsvoll genug war, sie zu beruhigen. Jemand, der ihre Ängste beschwichtigte. Sie war nahe daran, sich ein bisschen zu öffnen.

Kade erinnerte sie an Jay, und das wiederum erinnerte sie an die Person, die sie gewesen war, bevor ihr Leben völlig aus den Fugen geraten war: das aufgeschlossene, immer fröhliche Mädchen voller Lebenslust. Eine junge Frau, der die Welt zu Füßen gelegen hatte.

Das machte ihr an ihm am meisten Angst. Er rief ihr ins Gedächtnis, wer sie früher gewesen war.

Mit Sex konnte sie umgehen, aber sie hatte Angst davor, sich wohlzufühlen und zufrieden zu sein. Mit Glück kam sie nicht zurecht.

Sie wusste schließlich, wie schnell es einem genommen werden konnte.

Brodie biss sich auf die Unterlippe und hob noch einmal die Hände.

Sie sah, dass Kade leicht frustriert wirkte.

„Also das verstehe ich wirklich nicht. Ich dachte, du bist so scharf auf mich wie ich auf dich.“

Brodie rieb sich den Nacken. „Ja. Ich bin blöd. Es ist schwer zu erklären, aber es liegt wirklich nur an mir, nicht an dir.“

Kade nickte. „Ich weiß. Wenn es nach mir ginge, wärst du schon nackt.“

Dazu fiel ihr nichts ein. Sie hätte einfach gehen sollen. „Es war sehr dumm von mir.“ Brodie löste sich vom Fenster und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. „Tut mir leid, dass ich dir falsche Hoffnungen gemacht habe.“

Kade stand auf und fuhr sich durchs Haar. „Kein Problem. Davon geht die Welt nicht unter.“

Für ihn bestimmt nicht. Seit er mit achtzehn bei den Mavericks angefangen hatte, war er mit vielen Frauen zusammen gewesen. In sechzehn Jahren hatte er viele kennengelernt, und wahrscheinlich würde es ihn nur einen Anruf oder eine SMS kosten, binnen zehn Minuten für Ersatz zu sorgen.

Also hatte diese ganze Katastrophe auch etwas Gutes: Sie würde nie zu „Webbs Frauen“ gehören.

Als sie zur Tür ging, summte Kades Handy. Er hob es vom Sofatisch auf, wischte über das Display und runzelte die Stirn, als er die SMS las.

„Quinn und Mac sind auf dem Weg hierher“, sagte er.

Quinn Rayne und Mac McCaskill waren Kades beste Freunde, seine ehemaligen Mannschaftskameraden und jetzigen Geschäftspartner. Wie jeder andere Mavericks – Fan las Brodie in der Zeitung und online alles über die drei. Die Affären, die verrückten Abenteuer (besonders bei Quinn), die Skandale (wieder Quinn) … Mittlerweile war es überwiegend Quinn, der den Medien Stoff für neue Schlagzeilen lieferte.

Brodie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. Es war kurz nach halb acht am Samstagmorgen. „So früh?“

„Ja, komisch.“ Kade stand auf und ging durch das weitläufige Loft zur Küchenecke. Er öffnete den riesigen Kühlschrank, zog zwei Flaschen Wasser daraus hervor und hielt ihr eine hin. „Möchtest du eine?“

Brodie nickte und fing mühelos die Flasche auf, die er ihr zuwarf. „Danke.“ Sie zeigte auf die Tür. „Ich sollte wohl gehen.“

Kade nickte, sah, dass sie Schwierigkeiten hatte, die Flasche zu öffnen, und kam auf sie zu. Er nahm ihr die Flasche ab, öffnete den Deckel und reichte sie ihr wieder. „Bitte.“

„Danke“, sagte Brodie und deutete aufs Sofa. „Entschuldige … Es tut mir leid.“

Kades Miene war nur nachdenklich. „Vielleicht verrätst du mir irgendwann, warum.“ Sie hörten Schritte vor der Tür. „Da sind die Jungs ja schon.“

„Ich bin gleich aus dem Weg.“

Kade ging an ihr vorbei und öffnete seinen Freunden die Tür. Brodie setzte dazu an, die beiden zu begrüßen, verstummte aber, als sie ihre Gesichter sah. Beide waren blass und hatten rot unterlaufene Augen.

„Was ist los?“, fragte Kade.

Brodie sah, wie die beiden Kade jeweils eine Hand auf die Schulter legten. Ihr sackte das Herz in die Hose. Sie kannte diesen Blick: Sie brachten schlechte Nachrichten.

Denselben Gesichtsausdruck hatte ihre Großtante Poppy gehabt, als sie ihr damals die furchtbare Nachricht überbrachte. Brodies Eltern, ihre beste Freundin Chelsea und Jay, mit dem sie erst seit kurzer Zeit zusammen war – auch wenn sie ihn schon lange kannte –, waren an den Unfallfolgen gestorben. Sie waren zusammen auf dem Weg zu einem Restaurant gewesen, um dort Brodies zwanzigsten Geburtstag zu feiern. Anscheinend hatte das Leben geglaubt, es sei ein passendes Geschenk, sie als Einzige die Massenkarambolage überleben zu lassen.

Warum ist mir nichts passiert?

„Nun sagt schon.“ Kades Stimme holte sie zurück zu den drei Männern, die alle wirkten, als wäre der Boden unter ihren Füßen ins Wanken geraten.

„Kade, Vernon hatte heute Morgen einen Herzinfarkt“, sagte Quinn steif. „Er hat es leider nicht geschafft.“

Sie sah Kade an, dass er es nicht fassen konnte, und schlich leise hinaus. Trauer war eine sehr private und persönliche Emotion. Das Letzte, was er jetzt brauchte, war eine Fremde in seiner Wohnung. Außerdem hatte sie ihren eigenen Kummer noch nicht überwunden. Sie war bis heute nicht darüber hinweg, dass sie ihre Familie, ihre engste Freundin und den Mann, den sie hatte heiraten wollen, verloren hatte.

Tut mir leid, Kade, tut mir wirklich leid.

Früher war sie mutig und unkonventionell gewesen. Sie hoffte, dass die Nachricht vom Tod seines Freundes Kade nicht so verändern würde, wie der Tod ihrer Lieben sie verändert hatte.

Sie kehrte in dem Wissen in die Realität zurück, dass sie ganz bestimmt keine Frau war, die es ertragen konnte, sich von einem sexy Millionär zu einem Abenteuer verführen zu lassen.

Sechs Monate später

Brodie tippte die Antwort ihres Kunden in ihr Tablet, drückte Enter und schaute auf. Verdammt. Sofort hatte sie das Interesse in seinem Blick erkannt. Dieser Termin dauerte ohnehin schon zu lange, und sie wollte sich nicht auch noch gegen Zudringlichkeiten zur Wehr setzen müssen.

Das war die Schattenseite daran, als Partnervermittlerin für männliche Kunden zu arbeiten. Weil sie attraktiv war, beschlossen viele, die anstrengende Suche nach einer Partnerin zu überspringen und stattdessen mit ihr zu flirten.

„Nach was für einer Frau suchen Sie?“, fragte sie und spielte absichtlich mit dem großen Ring an ihrer linken Hand, der mit falschen Diamanten und Smaragden besetzt war.

„Eigentlich nach einer zierlichen Blondine, aber ich bin für alles offen. Vielleicht auch für Sie. Ich habe Karten für die Oper. Gehen Sie gern in die Oper?“

Sie hasste Opern und ging nicht mit Kunden aus. Nie. Sie ging überhaupt nicht mit Männern aus. Brodie lächelte verkniffen und hob die Hand, um ihm ihren Ring zu zeigen.

„Sosehr mir das schmeichelt: Ich bin verlobt. Tom ist Soldat bei einer Spezialeinheit und derzeit in Übersee im Einsatz.“

Letzte Woche war Tom noch Mike der Polizist gewesen, vorletzte Woche Jake der Abenteurer. Sie hatte gern Abwechslung bei ihren imaginären Verlobten.

Brodie gab die restlichen Informationen ein, ignorierte alle weiteren Flirtversuche und bestand darauf, ihren Kaffee selbst zu bezahlen. Sie sah ihm nach, als er das Café verließ und in einen tiefergelegten japanischen Sportwagen stieg. Als er außer Sichtweite war, ließ sie die Stirn auf den Tisch sinken.

„Schon wieder einer, der auf ein Date aus war?“ Jan, die Besitzerin des Cafés, ließ sich Brodie gegenüber auf einen Stuhl fallen und tätschelte ihr den Kopf. Obwohl Brodie immer versuchte, Distanz zu der überschwänglichen Wirtin zu wahren, war Jan irgendwie ihre Freundin geworden. Sie vertraute sich selten jemandem an – über die Vergangenheit zu reden, änderte schließlich nichts –, aber davon ließ Jan sich genauso wenig abschrecken wie Großtante Poppy.

Komisch. Mit Kade hatte Brodie in drei Wochen öfter geredet als mit sonst irgendjemandem in den letzten zehn Jahren, einschließlich Jan und Poppy.

Wieso kam ihr plötzlich dieser Gedanke? Tagsüber dachte Brodie so gut wie nie an Kade Webb. Die Erinnerungen an ihn, seinen Kuss, seinen straffen Körper unter ihren Händen, waren kleine Geschenke, die sie sich nachts im Schutze der Dunkelheit machte.

„Berufsrisiko.“ Brodie streckte sich, um ihre verspannten Schultern zu lockern.

Jan schob ihr einen hübschen rosafarbenen Teller mit einem Schokoladencookie über den Tisch. „Vielleicht hilft der dir.“

Er würde helfen, aber Brodie wusste, dass nicht nur Mitgefühl hinter Jans Geste steckte. „Was willst du?“

„Meine Cousine ist über dreißig und überlegt, ob sie sich an eine Partnervermittlung wenden soll. Ich habe dich vorgeschlagen.“

Brodie brach ein Stück vom Keks ab, um es sich in den Mund zu schieben. Der Geschmack explodierte auf ihrer Zunge. Sie schloss wohlig die Augen. „Das ist besser als Sex!“

„Süße, wenn meine Kekse besser als Sex sind, dann machst du etwas falsch“, bemerkte Jan trocken. Sie beugte sich neugierig vor. Ihre blauen Augen funkelten. „Hattest du Sex und hast mir gar nichts davon erzählt, Brodie?“

Schön wär’s. Kade Webbs heißer Kuss vor sechs Monaten war nahe dran gewesen, aber richtiger Sex? Sie versuchte, sich zu erinnern. Vor drei Jahren oder so?

Wie erbärmlich.

Sie biss noch ein Stück vom Cookie ab und verdrängte ihren Besuch beim Manager der Mavericks. „Du weißt, dass ich nur Männer als Kunden nehme, Jan.“

„Schön dumm von dir. Der Markt ist doppelt so groß!“

Aber Brodies Geschäftsmodell funktionierte: Sie war für die Männer zuständig, während ihr Partner Colin nur Frauen als Kunden hatte. Sie teilten sich ihre Datenbanken und das Büro. Damit kamen sie ganz gut zurecht. Im hektischen einundzwanzigsten Jahrhundert – dem Zeitalter von Internet, schrecklichen Krankheiten und vielen Idioten – konnten Singles ihre Hilfe gut gebrauchen.

„Frauen sind zu emotional und zu wählerisch. Zu viel Theater“, erklärte Brodie Jan nicht zum ersten Mal.

Sie brach sich noch ein Stück ab und zog die Nase kraus, als ihr klar wurde, dass sie schon einen Großteil verputzt hatte. Schokolade konnte sie einfach nicht widerstehen. Gott sei Dank hatte sie einen guten Stoffwechsel und ging immer noch jeden Tag joggen, wenn auch nicht mehr morgens.

„Die Männer wollen gar nicht wirklich ein Date mit mir. Sie genießen nur die Aufmerksamkeit und vergessen, dass sie mich dafür bezahlen.“

Eine Benachrichtigung auf ihrem Tablet verriet ihr, dass sie eine neue Mail bekommen hatte.

Jan stand auf. „Dann geh mal wieder an die Arbeit. Möchtest du noch eine Tasse Kaffee?“

Brodie hatte eigentlich schon genug Koffein im Blut, aber das spielte keine Rolle. „Ja, bitte.“

Sie öffnete den Posteingang. Während sie sich mit ihrem aufdringlichen Kunden befasst hatte, waren einige Mails eingetroffen, aber nur von einer bekam sie Herzklopfen. Der Betreff lautete: Ihre Spende für den Wohltätigkeitsball der Mavericks

Ihr Mund wurde schlagartig trocken. Verdammt. Das mit Kade war Monate her! Hätte sie ihn nicht längst vergessen haben sollen?

Leider war Kade nicht der Typ Mann, den man so leicht vergaß. Und ehrlich gesagt vermisste sie das Laufen am frühen Morgen, wenn sie den Park für sich allein hatten. Sie vermisste das Herzklopfen, das sie bekam, wenn sie ihn sah, vermisste auch, wie er sie anspornte, mehr zu trainieren. Sie hatte die Zeit mit ihm genossen.

Brodie rieb sich das Gesicht und verpasste sich innerlich eine Ohrfeige. Sie war fast dreißig, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die als Partnervermittlerin von einigen der heißesten, attraktivsten und reichsten Junggesellen der Stadt gebucht wurde. Sie hätte nicht ausgerechnet an den allerheißesten, allerattraktivsten und allerreichsten von ihnen denken sollen.

Absolut erbärmlich. Brodie schüttelte den Kopf und öffnete die Mail.

Sehr geehrte Ms. Stewart,

im Namen des Managers der Vancouver Mavericks, Kade Webb, danke ich Ihnen herzlich für Ihre Spende für die Auktion der Mavericks am 19. Juni.

Anbei Ihre Einladung zu einem Lunch, den wir am selben Tag für unsere geschätzten Sponsoren geben. Auch auf dem Wohltätigkeitsball sind Sie selbstverständlich herzlich willkommen.

Wir freuen uns darauf, Sie am 19. Juni begrüßen zu können. Ort und Zeit entnehmen Sie bitte dem Anhang.

Mit freundlichen Grüßen

Wren Bayliss

Leiterin PR

Vancouver Mavericks

Nein danke. Sie würde nicht teilnehmen. Es war Colins Idee gewesen, etwas für die Wohltätigkeitsauktion zu spenden. Er konnte ja hingehen. Sie war sich ohnehin nicht sicher, ob jemand auf ihre Spende bieten würde. Wer gab schon gern in einem Saal voller Freunde und Kollegen zu, dass er die Dienste einer Partnervermittlung in Anspruch nehmen wollte? Diskretion war in ihrem Geschäft das oberste Gebot. Ihre Kunden wurden überwiegend durch Mundpropaganda auf sie aufmerksam. Aber Wren und Colin hatten Brodies Bedenken nicht ernst genommen. Die beiden glaubten, dass die Gäste für ihre Geschwister oder Freunde bieten würden. Außerdem konnte man auch anonym per Smartphone ein Gebot abgeben.

Colin war überzeugt, dass sie ihre Position als Partnervermittler der oberen Zehntausend von Vancouver festigen mussten, um der Konkurrenz durch Online-Dating-Portale zu begegnen. Die Auktion der Mavericks war die perfekte Werbung für ihre Zielgruppe. Da Colin der Marketingexperte war, hatte sie ihm schon gesagt, dass er sie bei der Veranstaltung vertreten sollte.

Ihr Widerwille hing auch damit zusammen, dass Kade vielleicht da sein würde. Auch nach Monaten war ihr alles noch äußerst peinlich. Wenn sie mit Kade im selben Raum war, würde sie nicht wissen, ob sie sich unter dem Tisch verstecken oder über ihn herfallen sollte. In ihren sexuellen Fantasien spielte er immer noch die Hauptrolle.

Eine neue Mail poppte auf.

Hallo, Brodes,

du hast doch sicher auch eine Einladung zum Sponsorenlunch bei den Mavericks bekommen? Ich kann nicht. Kay und ich haben genau dann einen Termin wegen der künstlichen Befruchtung. Kannst du für uns beide hingehen?

Danke!

Col

Brodie stöhnte. Bitte lieber Gott, lass Kade nicht da sein.

2. KAPITEL

„Wer hatte denn die dumme Idee?“

Kade Webb sah seine beiden besten Freunde finster an, rollte die Schultern unter der Anzugjacke und wünschte sich, er wäre irgendwo anders als ausgerechnet im überfüllten Barbereich des Taste, eines der besten Restaurants von Vancouver. Er hatte einen Großteil des letzten Abends damit verbracht, Gewinn-und-Verlust-Rechnungen zu lesen. Heute Morgen hatte er stundenlang mit Josh Logans knallhartem Agenten verhandelt, um den aufstrebenden Flügelspieler zu kaufen. Nun wollte er sich eigentlich nur noch an seinen chaotischen Schreibtisch setzen, um endlich mit dem Papierkram voranzukommen. Wenn die Partnerschaft zwischen ihm, Mac, Quinn und Wrens Großvater endlich in trockenen Tüchern war, konnten sie zu viert ein tragfähiges Angebot machen, die Mavericks zu kaufen. Sonst würde Vernons Witwe sie an Boris Chenko verschachern, einen russischen Milliardär, dem schon mehrere Sportvereine gehörten. Alle waren mittlerweile gesichtslos und austauschbar.

Kade hatte keine Zeit für Nettigkeiten.

Obwohl es erst Mittag war, träumte er von einem kalten Bier, einer heißen Dusche und Sex. Oder, um Zeit zu sparen, Sex unter der Dusche. Aber eigentlich sehnte er sich vor allem danach, acht Stunden am Stück zu schlafen.

Er war einem Burnout nahe.

„Hörst du bitte sofort auf, so böse vor dich hinzustarren?“

Kade sah ins Gesicht seiner neuen PR-Leiterin und fragte sich nicht zum ersten Mal, warum Wren ihn sexuell nicht erregte. Sie war wunderschön, gertenschlank, lebhaft und klug, aber sie zog ihn einfach nicht an. Er sie auch nicht. Sie waren Freunde, genau wie er und Macs Verlobte Rory. Zum ersten Mal in seinem Leben kam Kade in den Genuss eines unbefangenen Umgangs mit Frauen.

Gegen unkomplizierten Sex hätte er trotzdem nichts gehabt.

„Konzentrier dich.“ Wren rammte ihm den Ellenbogen in die Rippen. „Die Hauptsponsoren treffen jede Minute ein.“

„Wer war das noch einmal?“

Wren warf ihm einen frustrierten Blick zu.

Kade hob entschuldigend die Hände. „Wren, ich hatte so viel um die Ohren, dass ich keine Zeit hatte, mich näher damit zu befassen.“

„Hast du überhaupt eines der Memos gelesen, die ich dir geschickt habe?“

Kade zuckte die Schultern. „Nein. Tut mir leid. Aber du kannst es mir ja jetzt sagen, dann merke ich es mir.“

Er hatte ein hervorragendes Gedächtnis. Die Fähigkeit hatte sich entwickelt, als er als Kind mit seinem Künstlervater ständig den Wohnort und damit auch die Schule wechseln musste. Binnen eines Tages hatte er immer einen Stadtplan aufgetrieben und die Straßennamen auswendig gelernt, um genau zu wissen, wo er war. Seelisch hatte er sich so oft verloren gefühlt, dass er sich zumindest äußerlich nicht hatte verlaufen wollen.

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