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Heidelberg im Mittelalter - Ein heimatkundliches Projekt

HEIDELBERG IM MITTELALTER -

Ein heimatkundliches Projekt

Dieses Filmbegleitheft wurde in der ersten Auflage 1986 zusammengestellt von:

• Harald Hammer

• Detlef Zeiler

Die fachliche Bratung hatten:

• Dr. Jochen Goetze

• Ludwig Merz (*1908 - † 2003)

• Wolfgang Wanek (_____-_____)

• Dr. Karl-Harald Kischka (*1924 - † 2019)

Die Neuauflage von 2019 wurde überarbeitet von:

Detlef Zeiler

Dr. Jochen Goetze

Inhaltsverzeichnis:

1. Beteiligte Schüler und Unterstützer des Projektes

2. Praktische Heimatkunde

3. Luftbild der Altstadt von Heidelberg

4. Von oben gegründet…

5. Der Zölibat wird „Pflicht“…

6. Der Name „Heidelberg“

7. Tore und Türme von Heidelberg

8. Der Stadtaufbau von Heidelberg

9. Strafrecht und Strafvollzug im Mittelalter

10. Sittenstrafordnung für Dirnen…

11. Universität und Studenten …

12. Juden im mittelalterlichen Heidelberg

13. Badehausszene

14. Das älteste Gewerbe im alten Heidelberg

15. Hexenglauben und Hexenprozesse

16. Armenpflege und soziale Einrichtungen

17. Freizeit und Spiele…

18. Markt und Handel

19. Handwerk und Gewerbe

20. Klöster in Heidelberg

21. Der Wandel im Rittertum des Hochmittelalters

22. Medienpädagogik und Heimatkunde

23. Projektvorschlag: Geschichte des Betons

24. Literaturverzeichnis

Folgende Schülerinnen und Schüler des Bunsen-Gymnasiums waren an dem Projekt aktiv beteiligt:

Axel Baumgartl

Andrea Doll

Christian Ott

Ralph Bechtel

Eva Eckert

Sabine Pendl

Christian Braun

Susanne Eisenlohr

Katherina Poustka

Denise Buchenau

Steffen Fein

Oliver Seifert

Christian Bürgy

Florian Neumayer

Alessandra Zielke

Das Projekt wurde unterstützt durch

den Klassenlehrer Dr. Reinhard Riese,

den Direktor des Bunsen-Gymnasiums, Dr. Helmut Jendreiek,

Frau Heidi Scheidt von der Städtischen Bühne,

Schreinermeister Dieter Hornung,

Dr. Susanne Himmelheber

Annette Drees

Amely Hölzer

Stephan Machner

der Heidelberger Zement AG

Und den Gasthäusern:            - Backmulde

Güldenes Schaf

Spanferkelhof

Aufbau und Sprechertexte des Filmes „Szenen aus dem Heidelberger Mittelalter“ liegen gesondert vor und können demnächst bei „MOPAED“ (Mobile Pädagogen) als PDF-Datei abgerufen werden.

Praktische Heimatkunde in Heidelberg

Heidelberg im Mittelalter

Im Frühjahr 1986 haben wir, die Lehrer der Gruppe MOPÄD, den im Jahr zuvor fertiggestellten Schüler-Videofilm ("Zeitensprung") über die Geschichte des Heiligenbergs in mehreren Heidelberger Schulen vorgeführt. Eine achte Klasse im Bunsen-Gymnasium wollte daraufhin ebenfalls einen Film zu einem lokalgeschichtlichen Thema drehen. Vom Lehrplan her bot sich das Thema Mittelalter an. Die meisten Schüler setzten als Maßstab für ihre Filmpläne sofort eigene Film- und Fernseherlebnisse an und malten sich gruselige Henkerszenen über das ach so finstere Mittelalter aus. Und perfekt wie im Kino sollte alles werden. Wir mussten erst einmal gegensteuern, um die Erwartungen dann nicht zu enttäuschen.

Schon die ersten Einführungen in die Bedienung der Kamera und des Videorecorders an zwei Nachmittagen machten deutlich, dass wir kaum mit Vorerfahrungen rechnen konnten.

Die erste Phase unserer Arbeit bestand in der historischen Recherche. Dafür hatten wir die denkbar besten Voraussetzungen, da für den Herbst des Jahres 1986 die 600-Jahr-Feier der Universität angekündigt war und überall die Vorbereitungen auf Hochtouren liefen (Teile der während des 30-jährigen Krieges entführten „Bibliotheca Palatina“ sollten vorübergehend in die Stadt zurückkommen). Zudem war das Mittelalter über das Buchereignis "Der Name der Rose" von Umberto Eco, das gerade verfilmt worden war, zu einem öffentlichen Gesprächsthema ersten Ranges geworden. Öffentliche Ereignisse erleichtern Medienprojekte in der Schule: Kaum ein Experte, der uns nicht gerne unterstützt hätte, das Stadtarchiv stand uns offen - und im Keller der Friedrich-Ebert-Schule fanden wir sogar ein Modell des mittelalterlichen Heidelbergs, das der ehemalige Leiter der Ebertschule, Wolfgang Wanek, aus Lego-Teilen erbaut hatte. Hier ließen sich die räumlichen Verhältnisse und der Aufbau der alten Stadt darstellen, und zusätzlich konnten die Schüler Kameraführung, Arbeit mit Bildausschnitten und dergleichen schon ein wenig einüben.

Wichtig für die Projektarbeit mit Schülern ist die richtige Aufteilung in Gruppen. Einige Schüler sind besser bei der Recherche, bei der Befragung der Experten und dem Sammeln von Informationen. Andere sind besser bei der technischen Arbeit: Filmen, begleitende Fotoaufnahmen, Tonaufnahmen. Wieder andere können besser Spielszenen inszenieren und umsetzen. Und genau hier liegt eine wichtige Aufgabe für Lehrer oder Medienpädagogen, die historische Unterrichtsprojekte leiten: Die eher fachlichen Arbeiten (,die natürlich schon durch das Verlassen der Lernwelt Schule reizvoll werden) müssen ergänzt werden durch unterhaltsame Passagen, die sich ins Fachliche einfügen lassen.

Wie schon beim Film zur Geschichte des Heiligenberges haben wir auch hier wieder Spielszenen gefunden, welche die Aussagen der Experten sowohl verstärken oder kontrastieren, als auch zur Auflockerung der Arbeit und des späteren Filmes dienen. Dabei musste das Schulgebäude bisweilen verlassen werden, um in alten Hinterhöfen, in Kellergewölben, auf dem Marktplatz oder kleinen Seitengassen zu spielen und zu filmen.

Begonnen haben wir mit einer Szene auf dem Marktplatz, auf dem sich damals ein großer Teil des öffentlichen Lebens abspielte. Auch Bestrafungen bei kleineren Vergehen, für die ein städtisches Gericht zuständig war, wurden damals hier zur Abschreckung vorgenommen. Wir haben einige Originalinstrumente zur Drangsalierung der Verurteilten nachgebaut: Einen Drehkäfig ("Triller"), einen "Fußstock" und eine "Halsgeige" ("Zankgeige") - alles Gegenstände, die Herr Wanek, der ehemalige Leiter der Ebertschule, und einer unserer beratenden Experten in einem Modell nachgebaut hatten.

Die öffentliche Vorführung der "Schandstrafen", die wir auf dem Marktplatz filmten, lockte viele sensationsgierige Zuschauer an. Der "Pranger" scheint seinen Reiz zu haben. Die Schadenfreude der früheren Zuschauer konnten wir selbst aber nur mit Mühe nachvollziehen. In einigen anderen Ländern, z.B. in den USA ("shaming punishments") oder etlichen "Entwicklungsländern" scheint es ähnliche Schandstrafen auch heute noch zu geben. Mit dem Blick zurück auf eine weit zurückliegende fremde Kultur in der eigenen Stadt sieht man eventuell auch genauer noch bestehende Unterschiede im Hinblick auf fremde Kulturen in unserer Zeit.