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Happy End in Hollywood?

Emily McKay

Happy End in Hollywood?

PROLOG

Drei Jahre zuvor

Eines war Jack Hudson klar: Wenn seine Cousins Dev, Max und Luc ihn jetzt sehen könnten, würden sie ihm das nie verzeihen. Aber ein Blick auf die Frau neben ihm genügte, und schon war ihm alles andere egal.

Cece Cassidy lümmelte in ihrem Kinosessel, die Beine gegen den Vordersitz gelehnt. Auf ihren Knien balancierte sie einen großen Becher Popcorn.

„Ich kann einfach nicht glauben, dass du das Zeug isst.“

„Und ich kann nicht glauben, dass du es nicht einmal probieren willst“, gab sie zurück. „Das Crest hat das beste Popcorn in ganz Los Angeles. Die stellen das noch selbst her, das ist kein Industriezeug.“

Um ihre Aussage zu unterstreichen, steckte sie sich eine Handvoll in den Mund und schloss genießerisch die Augen. Sein Puls raste.

Cece war nicht besonders groß und recht kurvenreich. Ihr Gesicht empfand er als hübsch, wenn auch nicht als wunderschön. Oder war sie doch schön? Er konnte sich nie so recht entscheiden, was sie anging. Man sah ihr an, dass sie väterlicherseits italienische Vorfahren hatte, ihren üppigen, sinnlichen Mund hingegen hatte sie eindeutig von ihrer Mutter geerbt. Da sie weder blond noch langbeinig, noch dumm war, entsprach sie so gar nicht seinem Beuteschema. Vielleicht war er gerade deshalb so versessen auf sie.

Dass er plötzlich so überaus angetan von ihr war, kam für ihn selbst überraschend. Cece war das Patenkind seiner Großmutter, sie waren praktisch zusammen aufgewachsen. Und dann hatte er sie nach längerer Zeit zum ersten Mal wiedergesehen – auf der traditionellen Valentinstagsparty der Hudsons –, und es war um ihn geschehen. Er versuchte dagegen anzukämpfen, aber das war nicht leicht, weil Cece ihn komplett mit Beschlag belegte und entschlossen schien, ihm alle Sehenswürdigkeiten von Los Angeles zu zeigen.

Sie war wirklich süß. Mit ihren vierundzwanzig Jahren kam sie ihm unglaublich jung vor, obwohl er gerade mal eben drei Jahre älter war als sie. Viel bedenklicher war allerdings die Tatsache, dass sie Lillians Patenkind war und alle in der Familie sie liebten. Wenn er mit ihr schlafen würde, würde er diesem unschuldigen kleinen Geschöpf über kurz oder lang sicher das Herz brechen. Und dann würde die gesamte Familie über ihn herfallen und ihn fertigmachen. Diesen Ärger konnte er nun wirklich nicht brauchen.

Da er der großen Versuchung nicht nachgeben durfte, gab er wenigstens der kleineren nach und nahm sich eine Handvoll Popcorn. „Sag mir noch mal, warum wir eigentlich hier sind.“

„Na, zuerst einmal ist das ein tolles altes Kino.“

Er ließ seinen Blick durch den Saal schweifen. Das Gebäude stammte aus den 40er-Jahren und war liebevoll restauriert worden, ohne die Grundsubstanz zu verändern. Die Kinosessel waren bequem, die Gänge mit dicken Teppichen ausgelegt. Alles wirkte auf angenehme Weise altmodisch, ja fast klassisch. „Stimmt schon, so ein Flair haben moderne Kinos nicht zu bieten“, gab er zu und fügte dann an: „Aber ich glaube, selbst der Vorführraum im Herrenhaus unserer Familie hat eine größere Leinwand.“

„Genau“, erwiderte Cece lächelnd. „Und das bringt uns zum zweiten Punkt. Du gehst einfach nie ins Kino.“ Er wollte protestieren, aber sie fuhr fort: „Ich weiß schon, Mister ‚Meine-Familie-hat-ein-Filmstudio‘. Natürlich siehst du dir jede Menge Filme an. Aber du gehst nie ins Kino. Dies hier …“ Sie machte eine ausholende Handbewegung. „… ist doch einfach ein ganz anderes Erlebnis.“

Widerwillig löste er seinen Blick von ihrem begeisterten Gesicht und blickte sich um, um zu sehen, wer denn noch so zu dieser Mitternachtsvorstellung von „Star Wars“ erschienen war. Ein paar Reihen hinter ihnen saßen zwei Zuschauer, die sich als Jedi-Ritter und Wookie verkleidet hatten. Das war in der Tat ein Erlebnis der besonderen Art.

„Und außerdem ist das die beste Fortsetzung, die je gedreht wurde.“ Offenbar entdeckte sie leise Zweifel in seinem Blick, denn plötzlich formte sie mit ihren Händen einen Trichter vor ihrem Mund, senkte ihre Stimme und imitierte Darth Vader. „‚Luke … ich bin dein Vater.‘ Gib’s zu, das ist doch großartig, einfach unerreicht.“

Hätte er im Vater-Sohn-Konflikt zwischen Darth Vader und Luke Skywalker Parallelen zu seinem eigenen Leben sehen sollen? Ach, am liebsten wollte er gar nicht an seinen Vater denken. Was sollte man von einem Mann halten, der seine Kinder sitzen ließ, um sich nur um seine eigenen Lebensziele zu kümmern?

Er wischte den Gedanken beiseite und sagte: „Was Fortsetzungen angeht, würde ich immer noch den zweiten Teil des ‚Paten‘ …“

„Ach nein, der kommt da bei Weitem nicht ran. Allein schon die Liebesgeschichte zwischen Prinzessin Leia und Han Solo …“

Überrascht sah er sie an. „Das gefällt dir? Ich hätte dich eher als ‚Harry und Sally‘-Fan eingestuft.“

Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. „Geh mir weg mit diesem Weichei Harry. Ich stehe mehr auf den sarkastischen Han Solo.“

„Ruhe da vorne!“, schimpfte der Jedi-Ritter wütend von hinten.

Jack beachtete den verkleideten Mann nicht weiter und rutschte etwas näher an Cece heran. Ihm wurde ganz heiß vor Erregung, aber sie schien es nicht zu bemerken.

Dieses Geplauder über Filme war ja ganz nett, aber er wollte etwas anderes von ihr. Er wollte sie. Nackt. In seinem Bett. Und zwar noch heute.

„Sag mal, Cece …“ Sie wandte den Blick von der Leinwand ab und sah ihn an. „Was machen wir hier eigentlich?“

Die Frage kam ihr komisch vor. „Wir sehen uns ‚Das Imperium schlägt zurück‘ an, schon vergessen?“

„Nein, das meine ich nicht. Ich meine … warum machen wir das hier?“

Sie lächelte, aber nicht so fröhlich und unbeschwert wie sonst. Im Gegenteil, sie sah fast traurig aus. „Als wir uns auf der Party wiedergetroffen haben, hast du so einsam gewirkt. Als ob du eine gute Freundin gebrauchen könntest.“

War es, weil sie ihn ausgerechnet in Star Wars geschleppt hatte oder weil sie ihn für einsam hielt? Was auch immer der Grund war – er wollte nicht mehr länger warten.

Stürmisch umfasste er ihr Gesicht mit beiden Händen und küsste sie. Sie schmeckte nach Butter und Salz vom Popcorn. Erst ließ sie es nur mit sich geschehen, aber dann erwiderte sie seinen Kuss leidenschaftlich. Schlagartig war er aufs Höchste erregt.

Langsam zog er sich zurück und sah ihr in die Augen. „Cece, was ich brauche, ist keine ‚gute Freundin‘.“

Es dauerte einige Sekunden, bis sie verstand. Dann nickte sie wortlos.

„Komm, lass uns gehen“, stieß er hervor. Sie stand so schnell auf, dass der Becher mit dem Popcorn umfiel und sein Inhalt sich auf dem Boden verteilte.

Und vier Monate später – genau wie er es vorausgesagt hatte – brach er ihr das Herz.

1. KAPITEL

Lillian Hudson wollte die Liebesbeziehung zwischen sich und ihrem verstorbenen Mann vom familieneigenen Studio verfilmen lassen – die inzwischen fast legendäre Geschichte, wie sie sich im Zweiten Weltkrieg unter abenteuerlichen Umständen kennengelernt und später das Filmstudio aufgebaut hatten. Der Arbeitstitel für das Projekt lautete „Ehre“.

Jack hörte die Neuigkeit auf der alljährlichen Valentinsfeier der Familie im Herrenhaus der Hudsons, wo Lillian sie offiziell verkündete. Das gibt Ärger, dachte er. Eine Woche zuvor hatte er seine Großmutter kurz besucht, und sie hatte sich gerade den Film „Tödliche Flut“ angesehen, für den Cece das Drehbuch verfasst hatte. Jetzt wusste er, warum. Sicher wollte sie, dass er Cece als Autorin für „Ehre“ verpflichtete. Aber das würde schwierig werden. Schließlich sprach Cece nicht einmal mit ihm.

Kaum hatte er die Nachricht vernommen, kippte er den sündteuren Champagner aus seinem Glas in einem Zug herunter. Aber das reichte nicht, er brauchte etwas Stärkeres. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch die Schar der Gäste; er wollte zur Bar und einen Tequila trinken, bevor Lillian mit ihrem Anliegen auf ihn zukam. Doch er war zu langsam. Plötzlich hörte er von hinten die Stimme seiner Großmutter.

„Meine Ankündigung scheint dich nicht gerade begeistert zu haben.“

Er drehte sich um. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters besaß seine Großmutter immer noch diese unnachahmliche Eleganz, die sie zu einer Legende der Leinwand gemacht hatte. Ihre kristallblauen Augen funkelten schelmisch. Sie schien genau zu wissen, warum er ihr aus dem Weg gehen wollte.

„Im Gegenteil, Grandma, das ist eine grandiose Idee.“ Verlegen gab er ihr einen Kuss auf die Wange. „Deine Liebesgeschichte bietet Stoff für einen tollen Film.“

„Genau das hat Charles auch immer gedacht. Das Projekt wurde schon jahrelang immer mal wieder angedacht. Aber als Charles dann starb, hatte ich lange Zeit nicht den Mut, es auch umzusetzen.“

Einen Augenblick lang klang die Stimme seiner sonst so lebhaften Großmutter traurig und schwach. Fast hätte er es nicht gewagt, seine Bedenken zu äußern. „Ich freue mich, dass wir das Projekt jetzt in Angriff nehmen wollen. Aber du hast gesagt, dass der Film schon zum sechzigjährigen Jubiläum des Studios herauskommen soll. Warum sollen wir uns diesem Termindruck aussetzen? Gut Ding will Weile haben. Der Film soll schließlich brillant werden.“

Lillians Niedergeschlagenheit legte sich schlagartig, und ihr bekanntes Temperament gewann wieder die Oberhand. „Wann sollten wir den Film denn dann rausbringen, Jack? Zum fünfundsiebzigsten Jahrestag? Oder zum hundertsten? Nein, nein, ich habe mich entschieden. Wenn wir das Projekt nicht jetzt verwirklichen, wird vielleicht nie was draus.“

Gegen die alte Dame kam er einfach nicht an. Resigniert zuckte er mit den Schultern. „Dann soll ich mich sicher um einen geeigneten Drehbuchautoren kümmern.“

Sie lächelte. Trotz ihrer neunundachtzig Jahre strahlte sie immer noch einen unwiderstehlichen Charme aus. „Wie gut du mich kennst, mein Junge.“

„Na schön“, sagte er und räusperte sich. „Gleich Montag früh rufe ich Robert Rodat an.“ Er gab dem Barkeeper ein Zeichen. Der Mann schien ihn noch von früheren Partys zu kennen, denn ohne Nachfrage brachte er ihm sofort einen Tequila. „Rodat hat für Spielberg das Drehbuch zu ‚Der Soldat James Ryan‘ geschrieben.“

Lillian winkte ab. „Nein, nein. Ein guter Mann, sicherlich, aber ich möchte niemanden, der schon so einen Kriegsfilm geschrieben hat. Die Liebesgeschichte zwischen deinem Großvater und mir ist etwas ganz Besonderes. Wir brauchen jemanden, der dem Projekt eine ganz besondere Note verleiht. Jemanden mit einer ganz eigenen Handschrift.“

Ihre Augen funkelten listig. Das kannte er noch aus seiner Kindheit. Nach dem Tod seiner Mutter hatten Lillian und Charles ihn großgezogen. Daher durchschaute sie ihn immer sofort.

„Du brauchst dich gar nicht erst auf Autorensuche zu machen. Ich weiß schon, wer das Drehbuch schreiben soll.“

Genau das hatte er befürchtet.

„Erinnerst du dich an mein Patenkind Cheryl Cassidy?“

Wie hätte er Cece vergessen können? Cece mit ihrem messerscharfen Verstand und ihrem beißenden Witz? Mit ihren vollen sinnlichen Lippen und den warmen braunen Augen? Mit ihrem dunkelbraunen Haar?

„Natürlich erinnere ich mich an sie.“

Und er würde sie auch nie vergessen können. Als Lillians Patenkind war sie während seiner Kindheit oft im Herrenhaus der Hudsons zu Besuch gewesen. Als sie sich dann vor drei Jahren wiedergetroffen hatten, hatte er bemerkt, dass sich das lästige Kind, das ihm früher ständig nachgelaufen war, zu einer unwiderstehlichen, betörenden Frau entwickelt hatte.

Nein, ihre kurze, aber leidenschaftliche Affäre würde er niemals vergessen. Und auch nicht ihren unrühmlichen Ausgang.

„Leider“, fuhr Lillian fort, „haben wir Cece in letzter Zeit viel zu selten zu Gesicht bekommen.“

„Da hast du recht.“ Kein Wunder, denn seit er ihr das Herz gebrochen hatte, hielt sie sich vom gesamten Hudson-Clan fern. Nicht einmal die Partys der Familie besuchte sie mehr. Deshalb kam ihm auch diese Party so langweilig vor.

„Sie ist einfach ideal dafür. Sie kennt die Familie und wird dem Projekt gerecht werden. Talent hat sie sowieso, wie ich höre. Ihre bisherigen Projekte sind alle gut gelaufen.“

Oh ja, die kleine Cece hatte ihr Talent nicht nur im Bett, sondern auch in der Filmindustrie unter Beweis gestellt. Mit ihren flotten und geistreichen Drehbüchern traf sie genau den Nerv des Kinopublikums.

„Die Filme, für die sie die Drehbücher geliefert hat, haben zusammengerechnet zweihundert Millionen Dollar eingespielt“, kommentierte er trocken.

„Warum arbeitet sie dann nicht für Hudson Pictures?“, fragte Lillian vorwurfsvoll. „Warum verhilft sie uns nicht zu solchen Gewinnen? Dieses Projekt bietet uns die ideale Gelegenheit, sie wieder zu uns zurückzuholen.“

„Also ich weiß nicht recht, ob dieses Projekt für sie das Richtige wäre.“

„Unsinn. Als Kind hat sie sich immer gern Charles’ Kriegsgeschichten angehört. Sie gehört doch praktisch zur Familie.“

„Grandma …“

Weiter kam er nicht. „Ich lasse mir da nicht reinreden, Jonathan.“

Er lächelte gequält. „Wenn du mich schon mit meinem vollen Vornamen anredest, muss es dir wirklich ernst sein.“

„Allerdings, mein Junge. Gleich morgen früh suchst du Cece auf. Wenn es jemanden gibt, der sie von diesem Projekt überzeugen kann, bist du es. Ich zähle auf dich.“

Als sie sich von ihm abwandte und davonstolzierte, verbeugte er sich instinktiv ein wenig. Er konnte sich nicht helfen, seine Großmutter hatte etwas Königliches an sich.

Und sie hatte ihren Erlass verkündet. Seine Aufgabe bestand nun darin, Cece zu Hudson Pictures zurückzuholen. Was Lillian nicht wusste, war, dass er es gewesen war, der sie vertrieben hatte.

Cece Cassidy blickte angestrengt auf den Computerbildschirm und hielt einen Fluch zurück. Ihr Sohn Theo saß auf dem Teppich ihres Arbeitszimmers, blätterte in einem Bilderbuch und brabbelte vor sich hin. Obwohl er noch nicht einmal zwei Jahre alt war, besaß er schon einen bemerkenswert großen Wortschatz. Wenn sie laut fluchte, merkte er sich das Schimpfwort sofort und wiederholte es ständig.

„Mist“, murmelte sie vor sich hin.

„Mist“, krähte er vergnügt. „Mist, Mist, Mist.“

Sie musste lachen, obwohl sie mit dem Schluss ihres neuen Drehbuchs total unzufrieden war. Nachdenklich nahm sie eine Pfefferminzpastille aus einer Dose auf ihrem Schreibtisch und sinnierte. Der Bösewicht war besiegt, die Bombe entschärft, der Held hatte die Welt gerettet. „Irgendwas fehlt noch, aber was?“

Theo sah von seinem Bilderbuch auf. „Teddybär.“

„Nein, das ist es nicht.“

Angespannt wartete sie auf eine Eingebung, aber sie kam nicht. Da klingelte es an der Tür. Cece sprang auf.

Natürlich hätte sie das Kindermädchen an die Tür schicken können, aber sie war froh über die Ablenkung. Im Flur stieß sie fast mit Maria zusammen. „Ich gehe schon, Maria. Pass du bitte solange auf Theo auf.“

Maria freute sich darüber. Sie war zwar den ganzen Tag da, hatte aber wenig zu tun, weil Cece zu Hause arbeitete und Theo meist bei sich im Arbeitszimmer hatte.

Cece öffnete die Tür. Jeder Besuch wäre ihr recht gewesen, schließlich erlöste er sie von der Qual, über Verbesserungen am Drehbuch nachzudenken. Aber dann sah sie, dass es Jack Hudson war.

Ganz locker und entspannt stand er da. Als wäre es ganz normal, dass er sie in ihrem Häuschen in Santa Barbara aufsuchte. Als ob er ihr nicht vor knapp drei Jahren das Herz gebrochen hätte.

Ihr wurde schwindelig. Bis auf ein Jahr, das sie in Frankreich gelebt hatte, hatte sie ihr ganzes Leben in Kalifornien zugebracht und daher schon so manches kleinere Erdbeben miterlebt. Aber keines davon hatte sie so erschüttert wie der Anblick von Jack auf ihrer Türschwelle.

„Darf ich reinkommen?“

Panik stieg in ihr auf, aber sie riss sich zusammen. Wenn er die Wahrheit kannte – wenn er hinter ihr Geheimnis gekommen war –, würde er hier bestimmt nicht so ruhig stehen und höflich um Einlass bitten.

Sie blieb im Türrahmen stehen und machte keine Anstalten, ihn hereinzulassen. „Na, wenn das nicht Jack Hudson ist. Der Schurke im Film meines Lebens.“ Es sollte polizeilich verboten sein, dass Exliebhaber einfach so unangemeldet vor der Haustür auftauchen, dachte sie. Und wenn das nicht geht, dann sollten sie wenigstens vorher durch dramatische Musik angekündigt werden. Die Melodie aus „Der weiße Hai“ wäre passend.

„Jetzt sei doch nicht so melodramatisch, Cece.“

„Ich habe mal für einen Film die gesamte Ostküste der USA durch einen Tsunami zerstören lassen. Glaub mir, ich weiß, wann Drama angesagt ist.“

In diesem Augenblick fühlte sie sich genau, wie sie es sich für ihre Hauptdarsteller vorgestellt hatte, als die große Flut über sie hereinbrach: verängstigt und hilflos. Jack hatte die Macht, sie völlig zu vernichten. Er wusste es nur nicht. Das hoffte sie jedenfalls.

„Lässt du mich jetzt rein oder nicht?“

„Ich glaube eher nicht. Ich habe dir nichts zu sagen.“

Das war natürlich nicht die Wahrheit. In Wirklichkeit hatte sie ihm eine Menge zu sagen. Vor allem über ihren Sohn, der nur wenige Meter entfernt in ihrem Arbeitszimmer spielte. Ihren gemeinsamen Sohn.

Jeden Tag in den vergangenen zweieinhalb Jahren hatte sie sich vor diesem Moment gefürchtet: dass Jack vor ihrer Tür auftauchte – und dass er unangenehme Fragen stellte. Fragen über das Kind, das sie angeblich während ihres Auslandsaufenthalts adoptiert hatte, kurz nachdem sie sich getrennt hatten.

Was sollte sie tun? Ihn hereinlassen und sich dem stellen, was kommen würde? Die Tür zuknallen und ihren Anwalt anrufen? Weglaufen?

„Es geht um nichts Persönliches“, sagte er.

Sein Gesicht war ausdruckslos. Nichts war mehr von der Begierde zu sehen, mit der er sie früher angeschaut hatte. Aber Jack hatte seine Gefühle schon immer gut verbergen können.

Andererseits war auch kein Anflug von Verärgerung zu erkennen, der darauf hingewiesen hätte, dass er ihr Geheimnis gelüftet hatte. Das machte sie mutig.

„Nichts Persönliches?“, spottete sie. „Das glaube ich dir fast sogar.“

Wenn er ihr Geheimnis nicht kannte, wollte sie ihn erst recht nicht hereinlassen. Er sollte Theo nicht mit eigenen Augen sehen.

Schon wollte sie die Tür schließen, als er plötzlich sagte: „Lillian hat mich geschickt.“

Sie erschrak. War Lillian vielleicht krank? Hatte er deshalb die weite Fahrt von seinem Haus in Malibu auf sich genommen? „Geht es ihr gut?“

„Ja, alles in Ordnung. Aber sie vermisst dich.“

Cece war erleichtert. Sie hatte Lillian immer sehr gemocht. Es tat ihr in der Seele weh, dass sie so lange keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt hatte.

Aber das war der Preis, den sie zahlen musste. Sie hatte sich entschlossen, Jack nichts von Theo zu sagen, und das bedeutete, dass sie sich auch von den anderen Hudsons fernhalten musste. Trotzdem vermisste sie Lillian sehr.

Jack musste ihre Unsicherheit gespürt haben, denn plötzlich trat er näher und legte die Hand auf den Türrahmen. Seine Nähe raubte ihr fast den Atem. Hätte ich nur vorher gewusst, dass er kommt, schoss es ihr durch den Kopf. Dann hätte ich mich seelisch darauf einstellen können. Oder wenigstens etwas Make-up aufgelegt.

So war sie ungeschminkt und trug ihre ältesten Jeans und ihr Glücks-T-Shirt mit einem Led-Zeppelin-Aufdruck, das sie ihrem Vater vor über fünfzehn Jahren aus dem Kleiderschrank gemopst hatte.

Auch Jack trug Jeans, nur dass sie wesentlich neuer waren, und dazu ein weißes Leinenhemd, das seine Sonnenbräune betonte. Er sah verboten gut aus. Wie war es überhaupt möglich, dass ein Mann so anziehend wirkte? Eigentlich war es eine Verschwendung, dass er hinter der Kamera arbeitete und nicht davor.

„Jetzt lass mich schon rein, damit wir reden können. Du solltest dir wenigstens anhören, was ich zu sagen habe … nach all dem, was wir zusammen erlebt haben. Ich finde, das bist du mir schuldig.“

Ich verdanke ihm wirklich etwas, dachte sie, etwas Wunderschönes. Aber das weiß er ja nicht. „Na los, komm schon rein.“

Sie führte Jack durch den Flur in den hinteren Teil des Hauses, wo sich das Wohnzimmer befand. Dabei hoffte sie, dass er nichts von Theo und Maria hören würde, die sich in ihrem Arbeitszimmer aufhielten. Falls er Stimmen wahrnahm, äußerte er sich jedenfalls nicht dazu. Hoffentlich hält Maria Theo ruhig, dachte sie.

Im Wohnzimmer ließ sie sich in ihren Lieblingsledersessel fallen und versuchte ihre Nervosität zu überspielen. „Was möchte Lillian denn? Ich nehme mal an, sie hat dich nicht nur hergeschickt, um mich zum nächsten Thanksgiving-Dinner einzuladen.“

„Das wäre wohl etwas zu früh im Jahr.“

„Sie plant doch gern im Voraus.“

„Am Samstag war doch die Valentinsfeier. Da hat Lillian verkündet, dass unser Studio die Liebesgeschichte zwischen ihr und Charles verfilmen soll. Du weißt schon … wie sie sich im Zweiten Weltkrieg kennengelernt haben.“

Charles hatte während der Besatzungszeit in Frankreich verdeckt für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst OSS gearbeitet, den Vorläufer der CIA. Während er sich in Marseille aufhielt, lernte er die Nachtklubsängerin Lillian kennen, von der er insgeheim befürchtete, sie würde mit den Besatzern kollaborieren. In Wirklichkeit arbeitete Lillian jedoch als Spionin für die französische Widerstandsbewegung. Trotz des Krieges, trotz der Gefahr und des Misstrauens verliebten sich die beiden ineinander, und ihre Liebe sollte ihr ganzes Leben halten. Nach dem Krieg nahm Charles seine Braut mit nach Amerika und baute ein Filmstudio auf; sie übernahm die Hauptrollen in den von ihm produzierten Filmen. Diese Filme und ihre immerwährende Liebe bildeten die Basis für die heutigen Hudson Studios und die Firma Hudson Pictures.

Nervös spielte Cece an ihren Haaren herum. „Das hört sich nach einer guten Idee an. Die Geschichte hat doch alles: Action, Romantik, Drama und Spannung – und obendrein ist sie wahr. Wie eine Mischung aus den Filmen ‚Abbitte‘ und ‚Casablanca‘ … aber mit Happyend. Das Projekt könnte euch Millionen einbringen, vielleicht sogar Hunderte von Millionen.“

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