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Happy End im Traumpalast?

Raye Morgan

Happy End im Traumpalast?

1. KAPITEL

Er konnte sie zwar nicht sehen, aber Pellea Marallis kam so dicht an seinem Versteck vorbei, dass er den Duft ihres berauschenden Parfüms wahrnahm. Kronprinz Monte zuckte zusammen, denn es weckte die unterschiedlichsten Erinnerungen in ihm, als würde er ein Buch durchblättern – an eine Gestalt mit weiblichen Rundungen in einem duftigen weißen Kleid, die sich gegen das Sonnenlicht abzeichnete, Wassertropfen, die auf zarter, weicher Haut perlten, das Gefühl von nackter Haut und kühlen Satinlaken, das heißes Verlangen in ihm weckte.

Monte biss sich auf die Lippe, um die erotischen Empfindungen zu unterdrücken, die ihn zu überwältigen drohten. Er war nicht hier, um ihre Romanze wieder aufflammen zu lassen, sondern um Pellea zu entführen. Und diesmal würde er sich nicht von der starken Anziehungskraft zwischen ihnen ablenken lassen.

Wieder kam Pellea an ihm vorbei, und er hörte, wie ihr Morgenmantel raschelte, als dieser die Wand streifte, an der er lehnte. Sie ging in dem Schlosshof auf und ab, in dem sie im Schutz der Bäume die meiste Zeit verbrachte. Die umgebenden Räume, ein Ankleideraum, ein kleines Wohnzimmer und ein daran angrenzendes Büro mit Bücherregalen, die bis zur Decke reichten, sowie ein opulent ausgestattetes Schlafzimmer, hatten alle Flügeltüren, die in diese Oase der Ruhe führten und ihr Leben sowohl drinnen als auch draußen zu einer faszinierenden Komposition aus aufregenden Farben und betörenden Düften machten.

Es war das Leben einer Prinzessin.

Lehnte er das alles ab? Ja, natürlich.

Dies war allerdings nicht der Teil des Schlosses, in dem seine Familie vor dem Staatsstreich gelebt hatte. Diesen hatte man in jener Nacht niedergebrannt, als seine Eltern von den Granvillis ermordet wurden. Dieser ruchlose Clan herrschte immer noch über den kleinen Inselstaat Ambria, sein altes Heimatland. Soweit er wusste, wurde der Teil des Schlosses erst jetzt, fünfundzwanzig Jahre später, wieder aufgebaut.

Und dagegen wehrte er sich innerlich.

Pellea hingegen hatte nichts damit zu tun, dass man seine Familie ihres Geburtsrechts beraubt hatte. Deshalb wollte er sie auch nicht dafür zur Rechenschaft ziehen. Mit ihrem Vater verhielt es sich anders. Da er schon lange als Berater für die Granvillis arbeitete, konnte Pellea ein Leben in Luxus führen – und sein Verrat damals galt als längst vergessen.

Allerdings nicht für mich, dachte Monte. Damit würde er sich jedoch später auseinandersetzen.

Er hatte sie noch nicht gesehen. Gleich nachdem er aus dem Geheimgang gekommen war, hatte er sich im Ankleidezimmer versteckt. Und nun vertrieb er sich nur die Zeit, bevor er sich zu erkennen gab.

Er wollte nichts überstürzen, weil er wider besseres Wissen auf Pellea reagierte wie auf keine andere Frau zuvor. Wenn er nicht wollte, dass die Dinge wieder außer Kontrolle gerieten, musste er es langsam angehen lassen.

Als er plötzlich ihre Stimme hörte, hob er den Kopf und lauschte angestrengt, um herauszufinden, ob jemand bei ihr war. Nein. Sie telefonierte, und als sie sich in seine Richtung wandte, konnte er sie verstehen.

„Kleine Perlen natürlich. Und rosafarbene Rosenblüten. Das müsste gehen.“

Eigentlich achtete er nicht auf ihre Worte, sondern auf den Klang ihrer Stimme. Noch nie war ihm vorher aufgefallen, wie melodisch diese war, fast wie ein Instrument. Eine ganze Weile hatte er sie nicht gehört, und nun ging sie ihm ins Ohr wie das Solo einer Akustikgitarre, süß und kristallklar auf eine Weise, die ihn bis ins Innerste berührte.

Monte lächelte. Sein Bedürfnis, sie zu sehen, wurde immer stärker.

Dafür musste er sich allerdings so hinstellen, dass er durch die Flügeltüren blicken konnte, was nicht ungefährlich war. Unbemerkt ins Ankleidezimmer zu gelangen war kein Problem gewesen. Nun musste er Position in einer Nische neben einem hohen Schrank beziehen, wo er alles überblicken konnte, ohne entdeckt zu werden. Vorsichtig bewegte er sich dorthin.

Und da war sie. Sein Herz klopfte so schnell, dass er kaum atmen konnte.

Das Besondere an Pellea war, dass sie so aristokratisch wirkte, obwohl sie keine Adlige war – und dies machte auch einen Teil ihrer Anziehungskraft aus. Sie war eine klassische Schönheit, wie eine griechische Statue, nur schlanker, wie ein Engel auf einem Renaissancegemälde, eine Tänzerin von Toulouse-Lautrec, nur anmutiger, wie ein Filmstar aus den Dreißigerjahren, nur ätherischer. Sie verkörperte alle Eigenschaften, die ein weibliches Wesen haben konnte.

Auf den ersten Blick wirkte sie wie eine ganz normale Frau. Ihr Gesicht war außergewöhnlich hübsch, aber es gab auch andere, die dunkle, leicht schräg stehende Augen mit langen dichten Wimpern hatten. Ihr blondes Haar erinnerte an gesponnenes Gold, und sie hatte eine sehr weibliche Figur. Ihre vollen roten Lippen luden geradezu zum Küssen ein – der Inbegriff der Perfektion.

Es gab allerdings auch andere Frauen, die diese Vorzüge in sich vereinten. Im Laufe der Jahre waren ihm einige aufgefallen, aber keine hatte ihn gedanklich so beschäftigt und ein derart starkes Verlangen in ihm geweckt wie Pellea.

Und sie hatte noch etwas an sich. Sie strahlte eine gewisse Erhabenheit aus, und gleichzeitig schien sich hinter dem Anflug von Traurigkeit in ihren Augen ein inneres Feuer zu verbergen, eine Entschlusskraft, die sie von anderen Frauen unterschied. Sie konnte sich im einen Moment spielerisch geben, im nächsten aufreizend verführerisch und dann ganz plötzlich vor Wut rasen.

Schon bei ihrer ersten Begegnung hatte er gewusst, dass sie etwas Besonderes war. Und vor zwei Monaten hatte sie für wenige Tage ihm gehört.

„Habe ich Ihnen meine Entwürfe nicht gegeben?“, sagte sie gerade. „Ich neige eher zum Traditionellen. Es soll nicht zu modern sein. Nicht schulterfrei oder so. Das passt nicht zu diesem Anlass.“

Monte runzelte die Stirn und fragte sich, wovon sie reden mochte. Entwarf sie vielleicht ein Ballkleid? Er stellte sie sich auf der Tanzfläche vor, wie sie alle Blicke auf sich zog. Würde er je die Chance bekommen, mit ihr zu tanzen? Nicht in einem Ballsaal, aber vielleicht hier im Hof.

Es war ein wunderschöner Ort. Das letzte Mal war er im Winter hier gewesen, und alles hatte leblos gewirkt. Doch nun war Frühling, und dem Auge bot sich ein Farbenmeer.

In der Mitte plätscherte ein Springbrunnen, und geflieste Wege schlängelten sich zwischen Rosenbüschen und mediterranen Pflanzen und Palmen hindurch.

Ja, sie würden Musik einschalten und tanzen. Fast spürte er Pellea in seinen Armen. Wieder ließ Monte den Blick zu ihr schweifen und beobachtete, wie sie mit der freien Hand gestikulierte, betrachtete ihren langen schlanken Hals und den Ausschnitt ihres Morgenmantels.

„Diamanten?“, fragte sie jetzt. „O nein. Keine Diamanten. Nur den einen natürlich. Das ist so üblich. Ich bin keine Frau, die sich gern mit Juwelen überschütten lässt. Sie wissen, was ich meine, oder?“

Als sie an ihm vorbeiging und er die Hand ausstreckte, konnte er beinah ihren flatternden Ärmel berühren. Unerwartet drehte sie sich um, als hätte sie etwas gemerkt, doch er konnte sich gerade noch rechtzeitig verstecken. Selbstzufrieden lächelte er. Er würde sich zu erkennen geben, wenn er bereit war.

„Wenn ich mich richtig erinnere, ist der Schleier eher elfenbeinfarben und oben auf dem Kopf und an den Säumen mit kleinen Perlen bestickt. Ich glaube, das reicht.“

Schleier? Wieder runzelte er die Stirn. Dann entstand nach und nach ein Bild vor seinen Augen, und ihm wurde klar, wovon sie sprach. Es klang nach einer Hochzeit. Pellea plante ihr Brautkleid.

Sie würde heiraten.

Entsetzt betrachtete er sie. Was fiel ihr eigentlich ein? Hatte sie ihn so schnell vergessen? Zorn wallte in ihm auf, und Monte musste an sich halten, um sein Versteck nicht zu verlassen und sie zur Rede zu stellen.

Sie durfte nicht heiraten. Das würde er nicht zulassen.

Im nächsten Moment meldete sich sein Gewissen. Schließlich hatte er nicht vor, sie selbst zu ehelichen. Natürlich nicht. Er hatte Größeres vor, denn er plante eine Invasion. Außerdem hätte er niemals die Tochter des Mannes geheiratet, der seine Familie verraten hatte – die DeAngelis.

Dennoch quälte ihn die Vorstellung, dass sie so kurz nach ihrer gemeinsamen Zeit mit einem anderen Mann den Bund fürs Leben eingehen wollte.

Verdammt!

Plötzlich ertönte ein leiser Gong, und Monte zuckte zusammen. Das war neu. Vor zwei Monaten hatte es einen Messingklopfer gegeben. Was mochte sich seit seinem letzten Aufenthalt hier noch alles verändert haben?

Von wegen heiraten – offenbar war er gerade noch rechtzeitig gekommen!

Pellea, die gerade das Telefonat mit ihrer Stylistin beendet hatte, blickte auf, als ihr neuer Gong ertönte. Sie seufzte. Nach Gesellschaft stand ihr momentan überhaupt nicht der Sinn, zumal sie sich denken konnte, um wen es sich handelte. Ihren zukünftigen Ehemann. O nein!

„Herein“, rief sie.

Als Nächstes hörte sie, wie das eiserne Tor geöffnet wurde, und dann erklangen Schritte. Ein großer Mann betrat den Hof. Er hatte kurzes blondes Haar, breite Schultern und einen durchtrainierten Körper. Sein Gesicht wäre richtig attraktiv gewesen, wenn er es geschafft hätte, sich das höhnische Dauerlächeln abzugewöhnen, mit dem er seine Überlegenheit ausdrückte.

Leonardo Granvilli war der älteste Sohn von Giorgio Granvilli. Dieser hatte vor fünfundzwanzig Jahren den Umsturz herbeigeführt und herrschte seitdem als Der General über die Inselnation, ein Beiname, der sein wahres Naturell beschönigte, denn er war ein Despot.

„Hallo, mein Schatz“, begrüßte Leonardo sie kühl mit seiner tiefen Stimme. „Du strahlst wie die Sonne an diesem schönen Tag.“

„Erspar mir die Komplimente, Leonardo“, erwiderte Pellea ironisch, ohne ihn beleidigen zu wollen. „Wir kennen uns schließlich seit unserer Kindheit und wissen, woran wir beim anderen sind. Ich kann gut auf diese hohlen Phrasen verzichten.“

Verärgert fasste er sich an die Stirn. „Pellea, warum kannst du nicht wie alle anderen Frauen sein und die Schmeicheleien als das betrachten, was sie sind – höfliche Floskeln, wie Zucker, der der Medizin die Bitterkeit nimmt?“

Sie lachte auf und spielte dann die Rolle, die er von ihr erwartete. „Was führt meinen noblen Ritter an einem Tag wie diesem in meine Privatgemächer?“, erkundigte sie sich trocken, woraufhin er tatsächlich lächelte.

„Das gefällt mir schon besser.“

Ihr Hofknicks ließ ihn strahlen.

„Bravo. Vielleicht wird diese Ehe doch funktionieren.“

Pellea warf ihm einen vernichtenden Blick zu, den er allerdings geflissentlich ignorierte.

„Ich habe Neuigkeiten. Vielleicht müssen wir die Hochzeit verschieben.“

„Was?“ Unwillkürlich fasste sie sich an den Bauch. Als es ihr bewusst wurde, ließ sie die Hände schnell sinken. „Warum?“

„Dieser alte Narr, der letzte Herzog des DeAngelis-Clans, ist gestorben. Das bedeutet, dass es unter den Exil-Ambriern zu Unruhen kommen könnte. Sie müssen versuchen, einen neuen Patriarchen zu finden. Wir müssen also in Alarmbereitschaft sein, um auf jede Art von Bedrohung, die sich stellen könnte, sofort zu reagieren.“

„Rechnest du mit etwas Bestimmtem?“

Leonardo schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht. Nur mit den üblichen leeren Drohungen. Damit werden wir ohne Weiteres fertig.“

Sie krauste die Stirn. „Und warum sollen wir dann die Hochzeit verschieben? Wir könnten sie doch vorverlegen.“

Nun streckte er die Hand aus und strich ihr übers Haar. „Meine Süße. So versessen aufs Heiraten.“

Nachdem sie seine Hand weggestoßen hatte, wandte Pellea sich ab und zuckte die Schultern. „Ich möchte es so schnell wie möglich hinter mich bringen“, sagte sie.

„Wie bitte, meine Süße?“ Er folgte ihr in die Sonne.

„Nichts.“ Sie drehte sich wieder zu ihm um. „Natürlich werde ich deinen Wünschen entsprechen. Aber ich würde es vorziehen, bald zu heiraten.“

Leonardo nickte, einen unergründlichen Ausdruck in den Augen. „Verstehe. Der Zustand deines Vaters und all das.“ Dann zuckte er die Schultern. „Ich rede mit meinem Vater. Sicher können wir uns auf ein Datum einigen.“ Er betrachtete sie und lächelte. „Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich endlich die Frau meiner Träume heirate, nachdem du mich so lange zurückgewiesen hast.“ Fast schien er den Tränen nahe. „Das lässt einen wieder glauben, stimmt’s?“

„Absolut.“ Jetzt musste sie auch lächeln. „O Leonardo, manchmal denke ich, es wäre besser, wenn du eine Frau finden würdest, die du lieben kannst.“

Leonardo wirkte schockierte. „Was redest du da? Du weißt genau, dass du immer meine Wahl warst.“

„Ich habe lieben gesagt, nicht besitzen, konterte sie.

Erneut zuckte er die Schultern. „Jedem das Seine.“

Pellea seufzte, lächelte aber immer noch.

Unbändiger Zorn wallte in ihm auf und drohte sich seiner zu bemächtigen, als Monte den Austausch zwischen den beiden verfolgte. Und dennoch stand er regungslos da, während seine Gedanken sich überschlugen.

Genauso groß wie seine Wut war sein Hass. Er hasste Leonardo, hasste dessen Vater und dessen ganze Familie.

Allmählich beruhigte er sich wieder, denn er wusste aus Erfahrung, wie schnell man im Zorn Fehler machte. Er würde keine Fehler machen. Er brauchte einen klaren Kopf und musste seine Gefühle unterdrücken, denn er musste den richtigen Zeitpunkt abpassen, um zuzuschlagen. Und es würde nicht mehr lange dauern.

Mit dem hier hatte er nicht gerechnet. Die Tage, die Pellea und er vor wenigen Wochen gemeinsam verbracht hatten, waren magisch gewesen. Er hatte sich danach gesehnt, sie wiederzusehen, zu berühren und die Lippen auf ihre zu pressen und erneut jene Faszination zu empfinden. Er hatte sich vorgenommen, sich diesmal nicht abzulenken, indem er mit ihr schlief. Doch sobald er sie sah, war ihm klar geworden, dass er sich etwas vorgemacht hatte. Er musste sie wieder in den Armen haben.

Das war alles. Nichts Ernstes, nichts von Dauer. Im tiefsten Inneren hatte er gewusst, dass sie einen anderen würde heiraten müssen – irgendwann. Aber die Vorstellung, dass sie ausgerechnet diesen … diesen …

Ihm fiel keine passende Bezeichnung für diesen Mann ein.

„Komm bitte mit in die Bibliothek. Wir müssen uns die Route für die Fahrt in der vergoldeten Kutsche nach der Trauung ansehen“, sagte Leonardo.

„Keine Flitterwochen.“ Pellea unterstrich ihre Worte mit einer abwehrenden Geste. „Das habe ich von Anfang an deutlich gemacht.“

Er wirkte erschrocken, doch bevor er protestieren konnte, fuhr sie fort: „Solange mein Vater krank ist, werde ich Ambria nicht verlassen.“

Er seufzte und verzog das Gesicht, schien ihre Entscheidung aber hinzunehmen. „Die Leute werden es merkwürdig finden“, meinte er.

„Sollen sie.“

Sie wusste, dass er enttäuscht war, konnte es allerdings nicht ändern. Momentan war ihr Vater ihr am wichtigsten. Er war immer ihr Fels in der Brandung gewesen, der einzige Mensch auf der Welt, an den sie glauben und dem sie bedingungslos vertrauen konnte. Und deshalb würde sie ihn jetzt nicht im Stich lassen.

Trotzdem musste sie diese Ehe eingehen. Leonardo kannte ihre Beweggründe und war bereit, ihre Bedingungen zu akzeptieren. Und nun war alles in die Wege geleitet, und es gab kein Zurück mehr. Wenn alles gut ging, würde sie nächste Woche heiraten. Bis dahin konnte sie nur hoffen, dass nichts passierte.

„Ich komme mit“, erwiderte Pellea. „Gib mir nur ein paar Minuten, damit ich etwas Passendes anziehen kann.“

Dann wandte sie sich ab und ging in ihr Ankleidezimmer, wo sie die Flügeltüren hinter sich schloss. Schnell öffnete sie den Gürtel ihres Morgenmantels und begann, ihr Spitzenkleid aufzuknöpfen. In dem Moment sah sie seine Stiefel. Sie verharrte mitten in der Bewegung und hob den Kopf. Sobald sie Montes Blick begegnete, erstarrte sie.

Sie war nicht nur schockiert, sondern entsetzt. Als ihr klar wurde, was seine Anwesenheit bedeutete, schlug sie sich die Hand vor dem Mund, um nicht zu schreien. Ihr wurde schwindelig, und sie hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten.

Während sie ihn starr ansah, gingen ihr tausend Gedanken durch den Kopf, und die widersprüchlichsten Gefühle überkamen sie – Wut, Reue, Bitterkeit, Freude, sogar Liebe.

Ein Teil von ihr war versucht, aus dem Zimmer zu stürmen und Leonardo zu holen. Denn sie war fest davon überzeugt, dass es nicht gut ausgehen würde.

Für Monte war kein Platz in ihrem Leben. Niemand hier im Schloss durfte erfahren, dass sie ihn kannte. Sie brauchte nur Leonardo zu bitten, die Wachen zu holen, und es wäre vorbei. Man würde ihn wegschaffen, und sie würde ihn nie wiedersehen. Würde nie wieder an ihn denken und seinetwegen nie wieder eine Träne vergießen müssen.

Doch ihr war klar, dass sie es nicht fertigbringen würde. Niemals würde sie Monte bewusst Schaden zufügen.

Nun lächelte er schief, als wollte er sie fragen, ob sie denn nicht gewusst habe, dass er zurückkommen würde.

Nein, das hatte sie nicht. Und sie wollte es immer noch nicht glauben.

Dann wandte sie sich um und blickte in den Hof, wo Leonardo geduldig auf sie wartete. Leise pfeifend blickte er zum Brunnen. Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, öffnete sie die Flügeltüren und ging auf ihn zu. Sie merkte selbst, wie unsicher ihre Schritte waren.

„Was ist los?“ Alarmiert kam er auf sie zu und umfasste ihre Schultern. „Ist alles in Ordnung?“

„Nein!“ Fieberhaft suchte sie nach einer Ausrede. „Ich habe Migräne.“

„O nein!“

Pellea befreite sich aus seinem Griff und riss sich zusammen. „Es … tut mir leid, aber ich kann dich jetzt nicht begleiten. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen.“

„Gerade eben ging es dir doch noch gut“, bemerkte er, anscheinend ratlos.

„Migräne entsteht manchmal innerhalb weniger Minuten.“ Sie verzog das Gesicht und fasste sich an die Schläfe. „Aber wenn ich mich hinlege, geht es mir bestimmt bald besser. Was hältst du davon, wenn wir … heute Nachmittag hinfahren?“ Ernst sah ihn an. „Sagen wir, um fünf?“

Leonardo runzelte die Stirn, nickte jedoch. „Na gut. Um drei spiele ich Tennis. Es passt also gut.“ Besorgt und mit einem Anflug von Misstrauen betrachtete er sie.

„Hoffentlich kannst du heute Abend trotzdem auf den Ball gehen.“

„Oh, ja, natürlich.“

„Alle rechnen damit, dass wir dann unsere Verlobung bekannt geben. Und du trägst das Diadem, ja?“

Pellea winkte ihn fort. „Keine Angst, Leonardo. Ich werde es tragen, und alles wird wie geplant laufen. Heute Abend bin ich wieder fit.“

„Gut.“ Noch immer wirkte er argwöhnisch. „Trotzdem sollte Dr. Dracken dich untersuchen. Ich lasse ihn kommen.“

„Nein!“ Energisch schüttelte sie den Kopf. „Ich brauche nur Ruhe.“

Nachdem er sie einen Moment lang betrachtet hatte, zuckte er die Schultern. „Wie du willst.“ Galant beugte er sich über ihre Hand. „Bis später, meine geliebte Verlobte.“

Sie nickte nur und schob ihn in Richtung Tor. „Dito“, meinte sie leise.

Sobald das Außentor ins Schloss gefallen war, wirbelte sie herum und marschierte zurück ins Ankleidezimmer. Dort sah sie Monte mit einem Ausdruck in den Augen an, bei dem ihm eigentlich das Blut in den Adern hätte gefrieren müssen.

„Wie kannst du es wagen, hier einfach aufzutauchen?“

Pelleas Ausbruch brachte ihn etwas aus dem Konzept. Er hatte damit gerechnet, dass sie sich freute. Er tat es jedenfalls. Warum empfand sie nicht dasselbe?

„Wie kannst du es wagen, mir das wieder anzutun?“

„Es ist nicht dasselbe“, protestierte er. „Das hier ist etwas ganz anderes.“

„Wirklich? Du kommst heimlich in mein Land, genau wie neulich. Du versteckst dich wieder in meinen Gemächern. Genau wie vorher.“

Monte lächelte gewinnend. „Aber diesmal kommst du mit, wenn ich gehe.“

Starr blickte Pellea ihn an. Sie liebte und hasste ihn gleichzeitig. Mit ihm gehen! Das war unmöglich.

Nur für einen Moment erlaubte sie sich, ihren Gefühlen nachzugeben. Wenn die Dinge nur anders gewesen wären! Wie gern hätte sie sich ihm in die Arme geworfen und sich an ihn geschmiegt, sein Gesicht an ihrem gespürt, seinen Herzschlag, wenn sein Verlangen erwachte …

Aber das konnte sie nicht. Sie durfte nicht einmal daran denken. Zu viele Nächte hatte sie damit verbracht, von ihm und seinen Zärtlichkeiten zu träumen. Sie musste das alles vergessen. Zu viele Menschenleben hingen von ihr ab. Er durfte ihr nicht die geringste Schwäche anmerken.

Und vor allem durfte er nicht von dem Baby erfahren.

„Wie bist du hier reingekommen?“, erkundigte Pellea sich betont eisig. „Oh, warte. Sag lieber nichts. Du würdest mich sowieso nur belügen.“

Der herausfordernde Ausdruck in seinen Augen wich einem kalten Funkeln.

„Ich bin kein Lügner, Pellea“, erklärte Monte. „Ich werde es dir sagen oder auch nicht, aber es wird die Wahrheit sein, verlass dich darauf.“

Ärgerlich blickten sie sich an. Pellea war wütend auf Monte, weil er einfach hier aufgetaucht war, ihr Probleme machte und sie beide in Gefahr brachte. Dennoch war ihr bewusst, dass es reiner Selbstschutz war. Sobald Monte sie berührte, würde sie dahinschmelzen. Allein ihn anzusehen brachte sie aus der Fassung.

Warum musste er nur so überwältigend attraktiv sein? Mit dem schwarzen Haar und den strahlend blauen Augen sah er aus wie ein Filmstar, aber das war nicht alles. Groß und durchtrainiert, machte er jede Frau schwach. Er strahlte eine enorme Stärke aus, ohne dabei überheblich zu sein. Seine natürliche Selbstsicherheit deutete darauf hin, dass er sich jeder körperlichen oder geistigen Herausforderung stellte.

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