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Happy End für drei

Cathy Gillen Thacker

Happy End für drei

1. KAPITEL

„Sie sind also die Kompetenteste, die liebefuerimmer.com zu bieten hat“, begrüßte Grady McCabe Alexis Graham mit sonorer Stimme, sobald sich die wuchtige Mahagonitür seines Büros hinter ihr geschlossen hatte.

„Und Sie müssen Mr McCabe sein“, entgegnete Alexis und trat mit ausgestreckter Hand näher. Es war ihr immer noch nicht klar, warum der älteste Sohn von Josie und Wade McCabe, beide weithin bekannte Unternehmer, die Dienste einer Ehevermittlung in Anspruch nahm.

Der 35-jährige Texaner war eine Berühmtheit im südwestlichen Teil der Vereinigten Staaten. Er baute sehr erfolgreich Hochhäuser und vermietete sie an Firmen. Außerdem sah er verdammt gut aus: Mit seinen ein Meter fünfundachtzig, dem athletischen Körperbau und einem ausdrucksstarken Gesicht, das alle Blicke auf sich zog, konnte er es mit jedem Hollywoodstar aufnehmen. Er hatte kurzes, dunkelbraunes Haar, das im Moment sehr zerzaust wirkte, was seine Attraktivität nicht im Geringsten minderte. Die Krawatte hatte er gelockert, die obersten zwei Knöpfe seines hellblauen Hemdes geöffnet und die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, sodass seine muskulösen Unterarme sichtbar waren. Dazu kamen ein Waschbrettbauch und schmale Hüften. Das alles hatte Alexis innerhalb weniger Sekunden registriert.

Er lächelte. „Nennen Sie mich Grady.“ Sein Händedruck war kräftig. „Lassen Sie uns sofort zur Sache kommen, einverstanden?“

Alexis spürte noch die Wärme seiner Berührung auf ihrer Haut, als sie sich hinsetzte und einen Notizblock und einen Bleistift aus ihrer Handtasche holte.

Grady ging um seinen Schreibtisch herum und setzte sich in den hohen Ledersessel.

„Ich brauche eine Mommy für meine fünfjährige Tochter Savannah. Sie ist der Grund, warum ich wieder heiraten möchte.“

Alexis machte sich ein paar Notizen, ehe sie in seine tiefblauen Augen schaute. „Ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, dass dies nicht gerade die beste Methode für einen Mann ist, um bei der ersten Verabredung zu punkten.“

Das schien Grady McCabe völlig egal zu sein. „Ich sage es, wie es ist“, erwiderte er unverblümt. „Und jetzt sind Sie am Zug.“

Alexis wurde ein wenig mulmig zumute. Die Einstellung ihres Gegenübers gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie arbeitete bei einer Ehevermittlung, weil sie tief in ihrem Inneren an die lebenslange Liebe glaubte. Sie wusste, wie kurz das Leben war und wie grausam das Schicksal sein konnte. Und sie wollte Menschen, die eine Partnerschaft ernst meinten, dabei helfen, einander kennenzulernen. Aber mit Beziehungen, in denen Liebe keine Rolle spielte oder von vornherein ausgeschlossen wurde, wollte sie eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. Leider waren ihre Vorgesetzten nicht so romantisch veranlagt. Den vier Eigentümern von liebefuerimmer.com ging es in erster Linie darum, dass ihre Kunden irgendwie miteinander klarkamen und die Bilanzen stimmten.

Grady McCabe war ein wichtiger Klient. Der Multimillionär gehörte nicht nur zum berühmten McCabe-Clan aus Laramie, Texas. Er war auch einer der einflussreichsten Geschäftsleute von Fort Worth. Seine Bürogebäude, die von Firmen im gesamten Südwesten angemietet wurden, galten als architektonische Glanzstücke im Stadtzentrum.

Alexis’ Auftrag bestand darin, unter allen Umständen eine Traumfrau für ihn zu finden. Von ihrem Erfolg hing eine Menge ab.

Grady musterte sie durchdringend. Offenbar war ihm bewusst, dass seine Forderung höchst ungewöhnlich war. Dennoch meinte er sie sehr ernst.

„Ich hatte bereits die beste Frau, die man sich vorstellen kann. Kurz nach der Geburt unserer Tochter habe ich sie verloren. Ein paar Tage, nachdem sie mit dem Baby aus dem Krankenhaus gekommen war, hatte sie eine Gehirnblutung, an deren Folgen sie gestorben ist.“

Alexis erinnerte sich an die Nachrufe in der Zeitung. Grady war nach der Arbeit nach Hause gekommen und hatte seine Frau bewusstlos vorgefunden, aber es war bereits zu spät. Viel Prominenz war zur Beerdigung nach Fort Worth gekommen. Gradys Kummer, der tragische Tod einer frischgebackenen Mutter und das Baby, das nun ohne sie aufwachsen musste, waren eine Zeit lang Stadtgespräch gewesen. „Das tut mir leid.“

Grady nickte grimmig. „Seitdem habe ich Kinderfrauen eingestellt. Eine ganze Menge. Die achte hat gerade gekündigt.“

„Oh je.“ Die Worte waren Alexis unwillkürlich herausgerutscht.

Seufzend rollte Grady mit seinem Stuhl zurück. „Es überrascht mich nicht wirklich. Savannah braucht keine Kinderfrau. Sondern eine Mutter.“ Er schaute Alexis an. „Deshalb sind Sie jetzt hier.“

Alexis war bereit, alles Menschenmögliche für Grady zu unternehmen. „Ich soll also eine Frau für Sie finden, die Sie kennenlernen möchte und die Sie unter Umständen heiraten werden?“

Er schüttelte den Kopf. „Es geht hier nicht um mich. Sie sollen eine Frau finden, die Savannah eine gute Mutter ist.“

„Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe bei liebefuerimmer.com“, gab Alexis zu bedenken.

„Ich habe mit Ihrer Chefin gesprochen. Holly Anne Kirkland hat mir versichert, dass sich das Unternehmen nach besten Kräften bemüht und dass Sie die Richtige für diese Aufgabe sind.“ Missbilligend schaute er sie mit seinen blauen Augen an. „Sollte sie sich geirrt haben?“

Eigentlich eine einfache Frage, dachte Grady. Auf die sein Gegenüber eilends versichern sollte, dass man sich bemühen werde, all seine Wünsche zu seiner Zufriedenheit und umgehend zu erfüllen.

Stattdessen sah Alexis Graham ihn nur nachdenklich an.

Ihr Schweigen verschaffte ihm die Gelegenheit, sie in aller Ruhe einzuschätzen und sich zu überlegen, ob sie wirklich die richtige Frau für diesen Auftrag war.

Nach außen hin machte sie ganz den Eindruck.

Sie war etwa Anfang dreißig und das Abbild einer eleganten, selbstbewussten und kompetenten Karrierefrau. Genauso hatte man sie ihm beschrieben. Ihr hellgelber Hosenanzug saß perfekt. Ein Hauch von Make-up unterstrich ihre femininen Gesichtszüge mit den hohen Wangenknochen, den vollen Lippen und den langen Wimpern, die ihre blaugrünen Augen umrahmten. Ihr schulterlanges honigblondes Haar vervollständigte das vollkommene Erscheinungsbild. Wäre er auf der Suche nach einer Affäre mit einer intelligenten und bezaubernden Frau, hätte er sein Ziel erreicht.

Doch das war noch lange nicht der Fall. Fürs Erste wollte er nur die Lösung für sein Problem.

Je schneller Alexis Graham das kapierte, desto besser.

„Meinen Sie, eine Ihrer Kolleginnen könnte das besser?“, fragte er gedehnt.

„Nein. Natürlich nicht.“ Alexis atmete tief aus. „Man hat mich mit dieser Aufgabe betraut. Also werde ich sie auch erledigen.“

„Gut. Dann erzähle ich Ihnen, was mir vorschwebt.“

Sie griff nach ihrem Notizblock und ihrem Kugelschreiber und begann zu schreiben. Plötzlich wirkte sie ein wenig enttäuscht, wie Grady feststellte.

„Das Wichtigste ist, dass meine Tochter diese Frau mag. Sie muss für Savannah eine Traummutter sein.“

„Was will Savannah denn?“, erkundigte Alexis sich kühl.

Wenn er das nur wüsste! Dann bräuchte er sich nicht diese Umstände zu machen. „Da müssen Sie sie schon selbst fragen.“ Seine kleine Tochter war ihm überhaupt keine Hilfe.

Mit stoischer Miene fuhr Alexis fort, sich Notizen zu machen.

Grady wurde noch ernster, als er weitersprach. „Zweitens, und das ist ebenso wichtig, müssen die Kandidatinnen, mit denen Sie uns bekannt machen, sich darüber im Klaren sein, dass es eine reine Vernunftehe ist. Es wird weder Romantik noch Sex oder sonst irgendwelche Gefühle geben. Also nicht wie in einer normalen Familie. Und ich sage Ihnen gleich, dass es dabei bleiben wird.“

Fast unmerklich zog Alexis die Augenbrauen hoch.

„Haben Sie damit ein Problem?“, hakte er nach.

„Ich bezweifle, dass eine selbstbewusste Frau mit diesen Bedingungen einverstanden ist. Es sei denn …“ Alexis’ Wangen röteten sich ein wenig, „… Sie geben Ihr Einverständnis, dass sie sich anderweitig nach … Gesellschaft umsehen kann.“

Grady runzelte die Stirn. „Das kommt überhaupt nicht infrage! Die Frau, die mich heiratet, muss mir und meiner Familie vollkommen treu sein. Alles andere wäre viel zu verwirrend für Savannah.“

Alexis seufzte. „Sie müsste also für den Rest ihres Lebens auf Sex und Romantik verzichten?“

Allmählich begann sie, ihn zu nerven. „Das ist durchaus möglich.“ Seit dem Tod seiner Frau hatte er ebenfalls wie ein Mönch gelebt und war damit durchaus klargekommen. „Vor allem, wenn man mit der Zuneigung einer Familie und einem Leben in Luxus entschädigt wird.“ Da Alexis noch immer nicht überzeugt zu sein schien, fügte er lakonisch hinzu: „Ich bin sicher, dass es Frauen gibt, die dazu bereit sind.“

Sie nickte und kritzelte etwas in ihr Notizbuch. „Oh, ich bezweifle nicht, dass Sie recht haben.“

„Also dann …?“

Alexis schaute ihn nachdenklich an. „Wenn ich noch etwas sagen dürfte …?“

Grady hatte das Gefühl, dass er es bereuen könnte. Nicht zu wissen, was sie sagen wollte, konnte allerdings noch schlimmer sein. „Nur zu.“

Sie hob ihre zarten Schultern. „Ich denke, Sie verkaufen sich unter Wert. Nicht nur eine Frau verdient mehr. Sie ganz gewiss ebenfalls, Grady.“

„Wie war’s?“, wollte Holly Anne wissen, als Alexis das Büro im Stadtzentrum von Fort Worth betrat.

Alexis betrachtete ihre Vorgesetzte. Die vierzigjährige Unternehmerin hatte das Ehevermittlungsinstitut vor fünfzehn Jahren gegründet. Als Einzige der vier Teilhaber kam sie täglich ins Büro. Die anderen tauchten nur sporadisch auf, wenn ihnen ihre anderen Verpflichtungen Zeit dafür ließen.

Holly Anne hatte ein Händchen dafür, die wohlhabendsten Kunden zu angeln. Um dem Ruf ihres Instituts gerecht zu werden, verlangte sie von ihren siebenundzwanzig Angestellten vollen Einsatz. Bestimmt hatte sie lange darüber nachgedacht, wen sie zu Grady McCabe schicken sollte.

Alexis folgte ihr in ihr Büro. „Sie wussten, was er von mir erwartet, nicht wahr?“

Ihre Chefin fuhr sich mit der Hand durch ihre schwarze Pagenfrisur, fasste sich ans Ohrläppchen, um einen Diamantstecker zu richten, und ließ sich in ihren Ledersessel fallen. „Kann sein, dass er sein ungewöhnliches Anliegen erwähnt hat.“

Alexis schaute aus dem Fenster auf die Skyline von Fort Worth. Plötzlich wurde sie ganz melancholisch. „Ungewöhnlich oder unromantisch?“

Holly Anne bedeutete ihr, Platz zu nehmen. „Er hat sehr viel Geld.“

Zögernd setzte Alexis sich hin und schlug die Beine übereinander. „Ganz zu schweigen vom berühmten Namen.“

„Seine Familie ist legendär“, gab Holly Anne zu.

Und bekannt für den warmherzigen Umgang mit ihren Mitmenschen. Das jedenfalls hatte Alexis gehört. Wie gerne wäre sie selbst Mitglied eines solchen Clans gewesen. Leider war sie ein Einzelkind und hatte ihre Eltern bei einem Autounfall verloren. Sie stieß einen tiefen Seufzer aus. „Ob seine Verwandten wissen, was er plant?“

Holly Anne legte den Kopf schräg. „Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihn gerne wieder verheiratet sähen.“

„Aber doch nicht auf diese Weise!“

„Vielleicht ist ihnen die Art der Verbindung egal. Seine verstorbene Frau hat er jedenfalls über alles geliebt.“

Alexis kannte dieses Gefühl. Genauso hatte sie ihrem verstorbenen Mann gegenüber empfunden. Sie schluckte hart und konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart und das moralische Problem, das in gewisser Weise zu ihrem geworden war. „Das hat er mir erzählt.“

Ihre Chefin zögerte kurz, ehe sie fortfuhr: „Ich habe Sie ausgesucht, Alexis, weil ich glaube, dass Sie Gradys Beweggründe besser verstehen können als Ihre Kollegen.“

Ja und nein, überlegte Alexis.

Verständnisvoll beugte Holly Anne sich vor. „Ich weiß, dass es ein ziemlich schwieriger Auftrag ist, aber Sie sind genau die Richtige für diesen Job. Es sei denn, Sie sind nicht mit ganzem Herzen dabei.“

Das hatte Alexis sich in letzter Zeit schon öfters gefragt. Arbeitete sie schon zu lange in diesem Gewerbe? Hatte sie ihren Idealismus verloren? Oder war das nur die übliche Melancholie, die sie in der ersten Juniwoche immer überfiel, wenn sie sich all ihren schmerzlichen Erinnerungen stellen musste? Sie sah ihre Vorgesetzte gerade an. „Glauben Sie das? Haben Sie das Gefühl, dass ich ausgebrannt bin?“

„Denken Sie an Ihre Beförderung. Wenn Sie nicht nur Grady McCabe, sondern auch seine Tochter glücklich machen können, stehen Sie ganz oben auf der Liste der Anwärterinnen für die Leitung der neuen Filiale in Galveston.“ Holly Anne machte eine Pause. „Ein Umzug an die Küste wäre für Sie ein Neuanfang. Und die Gehaltserhöhung ist auch nicht zu verachten.“

Geld wäre schon wichtig, um endlich die Schulden bezahlen zu können, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und sich eine größere Wohnung leisten zu können. Das winzige Apartment in dieser unattraktiven Gegend war wirklich nichts auf Dauer, fand Alexis. Außerdem hatte Holly recht. Im Mittelpunkt dieses merkwürdigen Auftrags stand ein kleines Mädchen, das seine Mutter nie richtig kennengelernt hatte und das sich, wie jedes Kind, nichts sehnlicher wünschte als eine liebevolle Mom. Wenn Alexis die passende Kandidatin finden könnte, käme irgendwann vielleicht sogar wahre Liebe ins Spiel. Grady McCabe könnte mehr bekommen, als er erwartete. Er könnte das Gleiche tun, was sie derzeit selbst versuchte – wieder ins Leben zurückzukehren.

Alexis lächelte. „Dann werde ich mich anstrengen.“ Und Grady McCabe vielleicht davon überzeugen, dass es verrückt war, auf die Liebe zu verzichten.

Grady wunderte sich, warum die schulischen Leistungen seiner Tochter in den vergangenen zwei Monaten so dramatisch nachgelassen hatten. Sie erledigte kaum noch ihre Hausaufgaben. Auf die wurde in „Miss Chiltons Vorschule für kleine Mädchen“, einem angesehenen Institut für die höheren Töchter der Stadt, großer Wert gelegt.

Ein intelligentes Mädchen wie Savannah hätte sie eigentlich im Handumdrehen erledigen können.

Stattdessen lümmelte sie sich auf dem Ledersofa in seinem Arbeitszimmer – das typische Bild einer schmollenden Fünfjährigen. „Daddy, ich habe keine Lust, meine Hausaufgaben zu machen.“

Grady musste sich zusammennehmen. „Darüber diskutieren wir nicht, Savannah“, wies er sie freundlich zurecht.

„Ich möchte im Garten schaukeln“, maulte sie.

„Sobald du deine Hausaufgaben gemacht hast“, versprach er.

Savannah zog eine Schnute. Tränen traten ihr in die Augen.

Es läutete an der Tür.

Seufzend verließ Grady das Zimmer.

Alexis Graham stand auf der Schwelle. Sie sah genauso umwerfend aus wie ein paar Tage zuvor in seinem Büro. Die Aktentasche in ihrer Hand verlieh ihr ein sehr geschäftsmäßiges Aussehen. „Kommen Sie herein.“ Er trat beiseite. „Ich möchte Ihnen jemanden vorstellen.“

Doch als er in sein Arbeitszimmer zurückkehrte, war seine Tochter verschwunden. „Savannah!“, rief er streng. Er schaute hinter dem Sofa und dem Schreibtisch nach und in den Wandschrank.

Sie war wie vom Erdboden verschluckt.

Das Hausaufgabenheft lag auf ihrem Arbeitstisch, der Stuhl war halb zurückgeschoben. Grady wusste natürlich, wohin sie gegangen war. „Sie werden sie draußen antreffen“, brummte er.

Fragend zog Alexis die Augenbrauen hoch.

„Savannah muss mit der Frau, die ich heirate, einverstanden sein“, erklärte er, während er sie durch das weitläufige Parterre seiner prächtigen Villa und hinaus in den Garten führte. „Deshalb sollten wir als Erstes herausfinden, was sie von einer Mutter erwartet.“

Seine ungehorsame Tochter saß tatsächlich auf der Schaukel. Ihrer Miene war anzusehen, dass sie sich durchaus bewusst war, etwas Verbotenes zu tun. „Guck mal, wie hoch ich komme, Daddy!“, rief sie, während sie mit den Beinen strampelte.

Grady verzichtete auf weitere Ermahnungen. Stattdessen sagte er: „Savannah, das ist Miss Graham. Sie sucht jemanden für uns, der auf dich aufpassen kann.“

Savannahs Augen wurden schmal. „Ich will keine Nanny mehr.“

„Das weiß ich.“ Er hielt die Schaukel an und hockte sich vor sie hin, sodass er ihr in die Augen schauen konnte. „Deshalb suchen wir ja eine Mommy.“

So hätte es Alexis zwar nicht ausgedrückt. Aber da es nun einmal ausgesprochen war, würde sie damit zurechtkommen müssen.

„Dein Daddy“, nahm sie Gradys Faden auf, „möchte wieder heiraten. Seine neue Frau wird deine Mommy sein, und deshalb möchte er wissen, was für eine Mommy du dir wünschst, ehe ich mit der Suche beginne.“

Nachdenklich verzog Savannah McCabe das Gesicht. Die Fünfjährige war ausgesprochen hübsch. Wilde blonde Locken umrahmten ihr reizendes Gesicht. Sie hatte blaue Augen und lange Wimpern. Die pausbäckigen Wangen, die Stupsnase und das runde Kinn erinnerten an einen störrischen Engel. Für ihr Alter war sie recht groß und stark. Ganz wie ihr Daddy. Und dennoch sehr mädchenhaft.

Sie trug ein rosafarbenes Rüschenkleid mit roten und gelben Punkten und dazu limonengrüne Cowgirlstiefel. Eine rot-weiß-gestreifte Spange, die wie eine Zuckerstange aussah, steckte in ihrem ungekämmten Haar. Und sie konnte Grady McCabe um den Finger wickeln. Das erkannte Alexis sofort.

Obwohl er es bestimmt nicht so sieht, dachte Alexis.

„Ich will auch keine Mommy“, erklärte Savannah. „Ich will nur meinen Daddy.“ Sie sprang von der Schaukel und kuschelte sich an ihn.

Grady schloss sie fest in die Arme. Über ihren Kopf hinweg sah er Alexis an.

Alexis musste lächeln. Kein Mädchen, das die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Vaters bekommt, möchte, dass sich jemand in ihr Leben drängt.

„Schatz, du weißt, dass du eine Mommy brauchst“, beharrte er.

„Meine Mommy ist im Himmel.“

„Das stimmt. Und genau deshalb möchte sie, dass du jetzt eine neue Mommy bekommst. Jemand, der bei dir sein und dir helfen kann.“

„Wobei?“

„Na zum Beispiel … beim Einkaufen, beim Kuchenbacken, bei Spaziergängen in den Park … und die dir auch die Haare kämmt.“

„Das können wir auch alleine.“ Savannah löste sich von Grady und setzte sich wieder auf die Schaukel.

Er trat einen Schritt beiseite, als sie mit trotziger Miene wie wild zu schaukeln begann.

Alexis legte die Hand auf Gradys Arm, ehe er etwas erwidern konnte. Die Anspannung seines Bizeps ließ sie erschauern. In ihrem Blick lag die stumme Bitte, sie machen zu lassen.

Sie nahm die Hand von seinem Arm und wandte sich an Savannah. „Tun wir doch mal so, als wäre ich deine gute Fee …“

Interessiert schaute sie Alexis an. „Wie bei Aschenputtel?“

„Zum Beispiel.“ Alexis lächelte. „Aber statt dich in eine Prinzessin zu verwandeln, helfe ich deinem Daddy, eine richtige Prinzessin zu finden, die deine neue Mommy wird. Was hältst du davon?“

„Eine Prinzessin würde meine Mommy sein?“

Angesichts von Gradys luxuriösem Lebensstil konnte Alexis sich durchaus vorstellen, dass er einer Frau, die an ihm interessiert war, ein Leben wie in einem Königspalast bieten konnte.

Sie nickte. „Natürlich sähe sie aus wie alle Mommys.“ Sie stellte ihre Aktentasche auf den Rasen und setzte sich in die Schaukel neben Savannah. Mit einem Kopfnicken forderte sie Grady auf, ihrem Beispiel zu folgen.

Zögernd zwängte er sich in die dritte Schaukel neben seiner Tochter.

Alexis begann zu schaukeln, wobei sie sich Savannahs Tempo anpasste. „Und sie wäre freundlich und lieb … und man könnte eine Menge Spaß mit ihr haben.“

„Würde sie auch mit mir spielen?“

„Aber sicher!“

„Und sich mit mir verkleiden?“

„Natürlich.“

„Außerdem würde sie dir bei deinen Hausaufgaben helfen“, schaltete Grady sich ein. Das war ein Fehler.

„Dann will ich keine“, verkündete das kleine Mädchen. „Ich will nämlich nie mehr Hausaufgaben machen.“ Sie sprang von der Schaukel und stapfte ins Haus.

Alexis lächelte verständnisvoll. „Wollen Sie ihr folgen?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich lass ihr ein wenig Zeit, um sich zu beruhigen.“

Der Mann tat ihr leid. Er liebte seine Tochter zwar abgöttisch, wusste jedoch offensichtlich nicht, wie er mit ihr umgehen sollte. In solchen Momenten wäre eine Mutter in der Tat sehr hilfreich. „Die Hausaufgaben sind wohl ein Problem?“

„Seit Kurzem, ja. Weiß der Himmel, wieso. Savannah kann alle Buchstaben und Ziffern schreiben. In der Schule klappt das immer wunderbar.“ Hilflos zuckte er mit den Schultern. „Aber zu Hause will sie nichts machen.“

„Haben Sie mit ihrer Lehrerin gesprochen?“

„Sie versteht Savannahs bockige Art auch nicht. Aber wenn das so weitergeht, muss sie das Jahr wiederholen. Das wäre ziemlich schlimm. Vom Verstand her ist sie mit Sicherheit fit fürs erste Schuljahr. Und was die Reife angeht … nun ja, ich glaube, allmählich spürt sie, was es heißt, keine Mutter zu haben. Deshalb hoffe ich ja, beide Probleme auf einmal lösen zu können.“

Allmählich wurde Alexis klar, worauf Grady hinaus wollte. „Und deshalb möchten Sie so schnell wie möglich heiraten?“

Er nickte entschlossen. „Bis zum vierten Juli.“

Verwundert fragte Alexis: „Warum so schnell?“

„Savannah wird am dreißigsten Juni aus der Vorschule entlassen. Die Schule beginnt am ersten August. Es wäre bestimmt gut für sie, sich einen Monat lang an ihre neue Mutter gewöhnen zu können.“

Offenbar glaubte Grady, solche Dinge ließen sich genauso rasch unter Dach und Fach bringen wie ein geschäftlicher Auftrag. „Überstürzen Sie nichts“, warnte sie ihn. Innerhalb eines Monats eine passende Frau zu finden, war praktisch unmöglich.

Seine Kinnmuskeln verspannten sich. „Ich denke schon, dass es in diesem Zeitrahmen erledigt werden kann.“

Der Kunde hatte immer recht. Dennoch musste sie ihn auf die Realitäten aufmerksam machen. „Wenn Savannah Ihnen wirklich wichtig ist, sollten Sie sich damit Zeit lassen“, entgegnete sie verbindlich.

Gereizt sah er sie an. „Was schlagen Sie denn vor?“ Offenbar schien er doch gewillt, auf ihren Rat zu hören. „Wie können wir es vernünftig und trotzdem schnell regeln?“

Alexis holte tief Luft. „Zunächst einmal würde ich gern ein wenig Zeit mit Savannah verbringen. Wenn ich jemanden finden soll, der zu Ihnen beiden passt, muss ich mehr erfahren. Was wünschen Sie, was wünscht Ihre Tochter? Sie können den Fragebogen des Instituts ausfüllen – im Gegensatz zu Savannah.“

Grady verstand, worauf sie hinauswollte. „Fangen wir doch damit an, dass Sie heute Abend mit uns zusammen essen.“

Er ist nur ein Kunde. Wenn auch ein sehr gut aussehender! „Na gut.“ Alexis bemühte sich, so geschäftsmäßig wie möglich zu bleiben. „Wenn es die Sache erleichtert.“

„Bestimmt.“

Die Gartentür des Wohnzimmers flog aur, und Savannah stapfte ins Freie. Sie trug eine violette Federboa und einen roten Cowboyhut. Es war ihr förmlich anzusehen, dass sie um Aufmerksamkeit bettelte. „Warum schaukelt ihr immer noch, wenn ich sauer bin?“ Sie stemmte die Hände in die Hüften und funkelte die beiden böse an.

Grady reagierte gelassen. „Wir haben gerade darüber gesprochen, was wir als Nächstes tun wollen“, entgegnete er besänftigend.

„Dein Dad hat mich zum Abendessen eingeladen“, fügte sie hinzu. Und um Savannah einzuschließen, fragte sie: „Ist das in Ordnung für dich?“

Das Mädchen senkte den Kopf und schrammte mit der Stiefelspitze über die geflieste Terrasse. „Na ja …“, sagte sie gedehnt. Dann hob sie mit einer dramatischen Geste ihre Hände. „Wenn es sein muss …“

„Prima.“ Grady zwinkerte Alexis zu. „Während ich etwas in den Ofen schiebe, könnt ihr beiden Mädchen euch besser kennenlernen.“

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