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Härter als Stahl: Western

Pete Hackett

Härter als Stahl: Western

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Härter als Stahl

Western von Pete Hackett

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

 

 

Steve McKinney schaute zum Himmel. Die Sonne hatte ihren höchsten Stand noch nicht erreicht. Trotzdem brannte sie erbarmungslos auf Pferd und Reiter herunter. Steve zog den Hut tiefer in die Stirn, um die Augen vor dem gleißenden Sonnenlicht zu schützen.

Er konzentrierte sich wieder darauf, die grauen, verfallenen Gebäude der Ranch zu beobachten, die am Ende der Senke im Sonnenglast lag. Dort unten rührte sich nichts. Doch Steve ahnte, dass sie alles andere als verlassen war, dass Ben Nichol und Tom Burnett, die beiden Pferdediebe, bereits auf ihn warteten.

Nachdenklich schob Steve die Unterlippe vor. Dann fasste er einen Entschluss.

Er zog seinen Rappen nach rechts herum und ließ ihn laufen. Im Schutze der Hügel umging er die Ranch, auf der die beiden Sattelstrolche hausten. Und als er die rückwärtige Front der Gebäude vor Augen hatte, saß er ab. Hinter einigen verstaubten Büschen leinte er sein Pferd an, angelte sich die Winchester und schlich geduckt los.

Unbemerkt erreichte er die Rückfront des Haupthauses und lehnte sich gegen die Holzwand. McKinney lauschte aufmerksam — keine verdächtigen Geräusche. Er bewegte sich an der Hauswand entlang, äugte um die Ecke und konnte einen Teil des Ranchhofes einsehen. Im Stall stampfte ein Pferd. Eine Kette klirrte. Steve presste die Lippen hart aufeinander. Scharf traten seine Backenknochen hervor. Das Stampfen hatte seine letzten Zweifel beseitigt. Die beiden hatten sich tatsächlich auf ihrer abgewirtschafteten, heruntergekommenen Ranch verkrochen.

Steve stieß sich von der Wand ab, lief gebückt hinüber zum Pferdestall, ging im Schatten auf die Hacken nieder. Von den Fenstern des Haupthauses aus war er hier nicht zu entdecken. Er befand sich im toten Winkel.

So verharrte Steve fast fünf Minuten lang. Er konnte aus dieser Position heraus nahezu den ganzen Ranchhof überblicken.

Alles blieb ruhig. Und so huschte er um die Ecke des Pferdestalles, zog das Gatter gerade soweit auf, dass er sich durch den Spalt zwängen konnte, schlüpfte hinein und schloss das Tor wieder. Düsternis und der Geruch von Pferdeausdünstung sowie Heu umgaben ihn. Nur durch die Ritzen in den Bretterwänden fielen schmale, schräge Lichtbahnen, in denen winzige Staubpartikel tanzten.

In vier der Boxen standen Pferde. Zwei davon unter den Sätteln. Sie waren verschwitzt, ihre Flanken zitterten. Die Tiere waren hart geritten worden. Und die Banditen hatten sich nicht die Mühe gemacht, die abgetriebenen Tiere zu versorgen.

Sie haben es mächtig eilig, sagte sich Steve. Und wenn sie ihre Habseligkeiten zusammengepackt haben, werden sie kommen.

Er zog sich in den hinteren Teil des Stalles zurück, ging in einer leeren Box in Deckung. Vorsichtshalber hebelte er eine Patrone in den Lauf.

Verdächtigt hatte man Ben Nichol und Tom Burnett schon von Anfang an. Aber nachzuweisen war den beiden Strolchen nie etwas.

Steve hatte ihnen auf der Hackmesser Ranch eine Falle gestellt. Durch eine Unachtsamkeit McKinneys waren die beiden Burschen entkommen. Aber er hatte sie erkannt und die Verfolgung aufgenommen.

Eine Viertelstunde verging.

Endlich kamen Schritte über den Hof. Der Staub dämpfte sie zwar, aber das Rasseln großer Sternradsporen war unüberhörbar. Steve machte sich bereit.

Das Tor wurde geöffnet. Licht flutete durch das hohe Rechteck, kroch bis zur Stallmitte und endete abrupt. Wie mit einem Lineal gezogen, verliefen die Grenzen zwischen Helligkeit und Schatten.

»Wahrscheinlich hat er aufgegeben und Angst vor seiner eigenen Courage bekommen, der Deputy«, sagte einer der beiden mit hämischer Stimme und lachte.

»Wird wohl so sein«, erwiderte ein zweiter Mann. »Aber das ändert nichts daran, dass wir verduften müssen. Der Hundesohn hat uns erkannt. Er wird mit einer Posse antanzen und uns hochnehmen. Für Pferdediebstahl wandert man gut und gern für fünf Jahre hinter Zuchthausmauern. Ohne mich.«

Die beiden Männer kamen tiefer in den Stall. Das hereinfallende Sonnenlicht zeichnete klar ihre Konturen nach. Es waren große, hagere und sehr geschmeidige Burschen, und sie waren gewiss höllisch gefährlich. Links trugen sie ihre Packen, rechts ihre Gewehre. Und tief an der Hüfte eines jeden hing ein schwerer Colt. Sie hatten das Licht im Rücken, und so konnte Steve ihre Gesichter nur verschwommen ausmachen.

»Wir nehmen die frischen Gäule.« Steve konnte erkennen, dass Ben Nichol sprach.

»Klar. Möglich, dass wir auf die Schnelligkeit der Viecher angewiesen sind. Die beiden anderen lassen wir aber auch nicht zurück.«

Da trat Steve aus seinem Versteck. Die beiden Banditen wurden steif. Die Mündung der Winchester pendelte langsam und bedrohlich zwischen ihnen hin und her. Ben Nichol sperrte den Mund auf. Ein erschrecktes, heiseres Krächzen drang aus seinem Hals. Tom Burnett stieß zischend die Luft aus. Er ließ seinen Packen fallen und führte die Linke unauffällig zum Colt.

»Halt deine Hand still, du verdammter Pferdedieb!«, kommandierte Steve in unmissverständlichem Befehlston. »Und das gilt auch für dich, Ben.«

Burnett schob sein kantiges Kinn vor. »Was willst du, McKinney?«

»Das weißt du ganz genau, mein Freund.« Steve grinste fast freundlich. »Ihr klaut seit einem halben Jahr die Gäule der Rancher. Für euch mag das ja in Ordnung sein. Das Gesetz allerdings hat eine ganze Menge dagegen einzuwenden.«

Jetzt fiel auch von Ben Nichol die Erstarrung ab. Sein Packen klatschte ebenfalls auf den Stallboden.

»Und du siehst dich als den Hüter des Gesetzes?«, fragte er hohnvoll.

»Yeah. Oder kannst du den Stern an meinem Hemd nicht sehen?«

Burnett lachte zynisch auf. »Du bist Deputy Town Marshal. Außerhalb der Stadt ist dein Stern keinen Pfifferling wert.«

Steve nickte bedächtig. Sein Lächeln verschwand. »Das mag schon sein. Aber um den Distriktsheriff einzuschalten, hatte ich keine Zeit. Und dem Stern kann ich überall Geltung verschaffen. Geht das in dein Fliegenhirn, Tom?«

»Zum Henker mit dir, Steve!« Burnett trat einen halben Schritt vor, aber eine ruckartige Bewegung Steves mit der Winchester stoppte ihn. Die Stimme des Banditen war voller Groll, als er sagte: »Früher sind wir zusammen geritten. Wir haben so manche Flasche miteinander getrunken. Und jetzt willst du …«

»Jetzt bin ich Hilfsmarshal«, schnitt ihm Steve schroff das Wort ab. »Und dazu stehe ich. Also weg mit den Gewehren und Revolvern. Und dann hebt die Flossen.«

»Du möchtest uns also verhaften und einsperren wie wilde Tiere?«, sprudelte es aus Nichol heraus.

»So sieht's aus.« Steve nickte ernst.

»Dann bist du verrückt!« rief Nichol, ließ die Winchester los und zog. Der scheppernde Aufschlag des Gewehres ging unter im Krachen der Schüsse, denn einen Lidschlag nach Nichol hatte Burnett nach dem Eisen gegriffen.

Der dröhnende, ohrenbetäubende Knall der ineinander verschmelzenden Detonationen staute sich im Stall. Die Pferde stiegen und keilten aus. Die beiden Pferdediebe wankten. Ungläubiges Staunen zeichnete ihre Gesichter. Tom Burnett versuchte noch einmal, den Revolver anzuschlagen. Jäh verließ ihn die Kraft. Er fiel aufs Gesicht und erschlaffte. Ben Nichol hielt sich noch zwei Sekunden länger auf den Beinen. Dann kippte er über seinen toten Partner und stöhnte lang gezogen.

Steve beugte sich über Nichol und sah dessen eingefallenes, stoppelbärtiges Gesicht. »Verdammt, Ben, warum musstet ihr ziehen? Ich hätte euch nach Altuda gebracht, ihr wärt für einige Jahre in den Bau gewandert, und alles hätte seine Ordnung gehabt. Aber so …« Die Bitternis ließ ihn verstummen.

»Wir - haben dich - zu sehr auf die leichte Schulter genommen, Steve«, flüsterte Nichol stockend. »Mach dir keine Gedanken, Deputy. Wir hätten dich – getötet …« Nichol schloss die Augen und starb.

 

*

 

Anderthalb Stunden später kam Steve McKinney in die Stadt zurück. Er zog vier Pferde hinter sich her. Über den Rücken zweier hingen die beiden Toten. Er lenkte seinen Rappen vor das Marshals Office.

Flint Swanson, Steves Vorgesetzter, trat auf den Vorbau.

Swanson war ein hochgewachsener, hagerer Mann um die fünfzig Jahre. Seine Brauen schoben sich zusammen wie dunkle Raupen.

»Sie wollten es nicht wahrhaben, Flint«, erklärte Steve und saß ab. »Ich habe sie auf ihrer Ranch gestellt. Und ich forderte sie auf, sich zu ergeben. Aber sie griffen zu den Colts.«

Swansons prüfender Blick hatte in Steves Miene tiefes Bedauern entdeckt.

»Denk nicht allzu viel darüber nach, Steve«, murmelte Swanson beruhigend. »Die beiden hätten dich eiskalt umgelegt, nur um ihre Haut zu retten.«

In diesem Moment donnerte die Postkutsche mit ratternden Rädern am Office vorbei. Die Peitsche knallte, der Kutscher schrie heiser. Vor dem Postoffice zerrte er an den Zügeln, die Gespannpferde brachen hinten ein, wieherten und rissen die schaumtropfenden Mäuler auf.

»Altuda!«, brüllte der Kutscher. »Eine Stunde Aufenthalt. Seid pünktlich, Leute. In einer Stunde geht's weiter!« Er sprang vom Bock und verschwand in der Staubwolke, die das Gespann aufgewirbelt hatte.

Zwei Männer und eine Frau stiegen aus der Kutsche. Einer der Männer war wie ein Cowboy gekleidet. Aber für einen Weidereiter wirkte er zu ungelenk, zu grobschlächtig, viel zu schwer. Und als er den ersten Schritt machte, torkelte er ein wenig. Angewidert beobachteten ihn die beiden anderen Passagiere.

Er orientierte sich, dann wankte er auf den erstbesten Saloon zu. Die Frau und der Mann begaben sich ins Postoffice.

Hastig kam der Kutscher über die Straße. Er drängte sich durch die Neugierigen vor dem Marshal's Office, streifte mit einem Blick die beiden Toten auf den Pferden, dann rief er: »Heh, Marshal, haben Sie den Kerl eben aussteigen sehen? Der Mister ist randvoll. Hat sich in Marathon eine Pulle Brandy in die Kutsche geholt und sie bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken. Und jetzt ist er in den Lonesome Rider Saloon, um seinen Durst zu löschen, wie er sagte. Ich schätze, Marshal, der Mister macht Ärger.«

»Schon gut, Benbow!« rief Flint Swanson. »Wenn er Radau macht, fliegt er bis zur Abfahrt der Kutsche ins Jail.«

»Ich sehe mal nach«, knurrte Steve.

»All right«, meinte Swanson. »Aber danach solltest du dich aufs Ohr hauen, Steve. Wenn ich mich nicht irre, bist du seit zwanzig Stunden auf der Achse.«

Steve grinste matt. »Yeah. Nichol und Burnett haben ganz schön auf sich warten lassen. Gibst du dem Coroner Bescheid, Flint?«

»Sicher. Geh nur.«

Flints wohlwollender Blick folgte McKinney.

Von weitem hörte McKinney schon eine grölende Bassstimme. »Was denn, du elender Giftmischer. Du weigerst dich, mir einen Brandy zu geben? Ich zähle jetzt bis drei. Und wenn das Glas dann nicht randvoll ist, zerlege ich deinen schönen Laden in tausend Trümmer.«

Steve beschleunigte seinen Schritt.

»Sie sind sturzbetrunken, Mister!«, hörte er. »Und an Betrunkene wird nichts ausgeschenkt. Kaffee können Sie haben, soviel Sie wollen. Aber keinen Tropfen Alkohol.«

Steve erreichte die Pendeltür. Über die geschwungenen Ränder hinweg schaute er in den Schankraum. Der Betrunkene hatte sich am Tresen aufgebaut. »Eins!«, röhrte er, die Arme auf den Tresen gestemmt.

Steve betrat den Saloon. »Das reicht, Stranger!«, rief er schneidend.

Der Bursche drehte sich behäbig um, schwankte, gab sich einen Ruck und stand fest. Steve sah ein gerötetes Säufergesicht und wässerige Augen. Der Betrunkene stierte ihn sekundenlang an, dann sagte er mit schwerer Zunge: »Du trägst zwar einen Stern, Mister, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, dich hier einzumischen. Ich will einen Brandy trinken, und in einer Stunde fahre ich weiter. Okay, Sheriff?«

»Sie haben genug getrunken«, antwortete Steve und verlieh seiner Stimme einen ruhigen Tonfall. Es war nicht seine Absicht, den Trunkenbold zu reizen oder herauszufordern. Der Mister mochte ja, wenn er nüchtern war, ganz in Ordnung sein.

»Ich trinke soviel ich will!«, gab der Bursche vorlaut zurück.

Er kehrte Steve den Rücken und knurrte: »Zwei!«

Der hilfesuchende Blick des Keepers traf McKinney. Der war mit einigen Schritten bei dem vierschrötigen Unruhestifter, legte ihm die Linke auf die Schulter und zog ihn zu sich herum. »Wenn Sie jetzt nicht auf der Stelle den Saloon verlassen, mein Freund«, gab er gedehnt von sich, »dann werfe ich Sie eigenhändig hinaus. Sie kriegen hier keinen Brandy. Schreiben Sie sich das hinter Ihre Ohren. Und nun gehen Sie.«

»Um Laredo Bull auf die Straße zu werfen, mein Junge, bist du wohl nicht hart gesotten genug«, versetzte der Betrunkene mit Überzeugung in der Stimme und warf sich in die Brust.

Steve hatte plötzlich das Gefühl, dass der Bursche bei weitem nicht so stark betrunken war, wie es ein Mann nach einer Flasche Brandy sein müsste. Und das Gefühl wurde zur Gewissheit, als er das zornige Flackern in den Augen des Anderen sah. Schnell wich er zwei Schritte zurück und nahm seine Hand von der ausladenden Schulter Laredo Bulls.

Und Steve hatte keinen Sekundenbruchteil zu spät reagiert. Denn Laredo Bulls rechte Faust kam nahezu ansatzlos aus der Hüfte, und der Schwinger, der sicherlich Steves Kinn zertrümmert hätte, zischte ins Leere. Es war eine hundsgemeine, völlig unerwartete Attacke. In Steve flammte brennende Wut hoch. Und als die Wucht des Hakens den schwergewichtigen Trinker nach vorn torkeln ließ, explodierte Steve. Er vollführte eine halbe Körperdrehung, riss den Colt heraus, und als Laredo Bull noch um sein Gleichgewicht rang, ließ er den Lauf auf den kantigen Schädel niedersausen. Auf einen Faustkampf konnte er sich mit diesem wandelnden Berg aus Fleisch, Knochen und Muskeln nicht einlassen.

Laredo Bull verdrehte die Augen, die Luft entwich seiner Brust wie der Überdruck aus einem Dampfkessel. Steve schlug ein zweites Mal zu.

Und dieser Hieb fällte den Schläger. Er fiel auf die Knie. Seine Hände sanken kraftlos nach unten, die Schultern sackten nach vorn. Sein Kopf begann vor der Brust zu pendeln.

Steve trat hinter ihn, rammte ihm die Mündung zwischen die Schulterblätter, und sagte »Sorry, Laredo Bull, wenn es auch nicht gerade die feine Art war, so habe ich dich dennoch auf die Knie gezwungen. Wirst du dich jetzt gesittet benehmen und mit Kaffee begnügen, oder willst du die Stunde bis zur Abfahrt der Kutsche hinter Gittern verbringen?«

Laredo Bull kämpfte sich ächzend auf die Beine. Abwehrend hob er die Hände, fand nach wenigen Minuten seine Sprache wieder. »Schon gut, Deputy, schon gut. Du hast mich geheilt.« Verstört blinzelte er. »Du bist der erste, der mich von den Beinen geholt hat, Amigo. Du bist härter als Stahl, mein Junge. Und weil das so ist, werde ich den Mund halten und eine Kanne Kaffee trinken. Ist das in Ordnung?«

»Sicher.« Steve grinste und halfterte den Colt.

»Dann wirst du auch nichts dagegen haben, wenn ich dich zu einer Tasse einlade?«

»Danke, Laredo Bull. Aber ich bin hundemüde. Ich bin seit zwanzig Stunden auf den Beinen und muss schlafen. Du wirst ja meinen Schlaf nicht stören, schätze ich?«

»Worauf du dich verlassen kannst.« Jetzt grinste auch der Bulle. »Die zwei Dinger, die du mir auf die Nuss gegeben hast, haben meinen Verstand wieder wachgerüttelt. Und der sagt mir nun, dass ich in dieser Stadt nichts herausfordern darf.«

Steve ging an Laredo Bull vorbei nach draußen. Der große schwere Mann schüttelte den Kopf und murmelte: »Seit zwanzig Stunden auf den Beinen, müde und ausgelaugt, und haut mich um wie einen nassen Sack. Ich schätze, der Bursche ist explosiv wie ein Fass voll Pulver und giftiger als ein Schwarm Hornissen.«


*

 

Der Tag neigte sich seinem Ende zu. Die Sonne stand über den schroffen Gipfeln der Del Norte Mountains und ließ ihr rotes Licht über die Bergkämme hinweg weit ins Tal hineinfließen. Über den Class Mountains im Osten schlugen bereits die Schleier der Dämmerung zusammen. Die tief eingeschnittenen Canyons waren schon dunkel und wirkten wie riesige, schwarze Schlünde.

Obwohl der Abend nahte, war die Luft nach dem glühendheißen Tag noch immer stickig und drückend, und jede Bewegung presste den Menschen den Schweiß aus allen Poren.

Die Main Street von Altuda lag verlassen, wie ausgestorben.

Die Bewohner hatten sich vor der lastenden Schwüle in ihre Behausungen verkrochen. Der laue Wind, der wie ein glühender Atem von Süden herauf wehte, trieb den feinen Staub, den das letzte Licht des Tages vergoldete, in kleinen Spiralen vor sich her.

Ein Bild des Friedens und der Ruhe.

Marshal Flint Swanson rekelte sich im Schaukelstuhl, den er auf den Vorbau seines Office gestellt hatte, öffnete kurz die Augen, blinzelte und döste dann weiter. Seine Brust hob und senkte sich unter ruhigen Atemzügen. Matt glänzte von seinem Hemd das Abzeichen mit dem Lone Star, dem fünfzackigen Texasstern.

Swanson dachte nicht im Traum daran, dass sich das Unheil auf Altuda zuschob wie ein Gewitter.

Ein Rudel Reiter näherte sich der Stadt von Osten her. Sie ritten im Galopp, und der Reitwind bog die Krempen ihrer Hüte nach oben. Staub wölkte unter den trommelnden Hufen ihrer Pferde in die Hohe und schien dem Pulk wie eine Rauchfahne anzuhängen.

Flint vernahm das hämmernde Stakkato und schreckte aus seinem Halbschlaf. Es dauerte einige Herzschläge lang, bis er begriffen hatte, dass eine wilde Horde eine Attacke auf Altuda ritt.

Der Marshal kniff ein Auge zu und horchte. Der prasselnde Hufschlag brandete heran und wurde von Sekunde zu Sekunde deutlicher.

Flint Swanson erhob sich mit einem Ruck, trat an das Vorbaugeländer heran und beugte sich ein wenig darüber, um besser die Straße entlang blicken zu können.

Dumpfes Brausen hing zwischen den Häusern.

Und schließlich kam die Horde in Flint Swansons Blickfeld.

Sie preschte in stürmischer Karriere hinter der Methodistenkirche mit dem hölzernen Glockenturm hervor, bei der die Main Street einen scharfen Knick machte. Wie ein Wirbelwind donnerte sie heran.

Der Marshal zerkaute eine böse Verwünschung.

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