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Guy

One

Ich sah die Faust wie in Zeitlupe auf mich zukommen, aber ich wich nicht aus. Ich wollte den Schlag fühlen, erwartete ihn wie einen Kuss, aber er streifte mich bloß wie ein Hauch. Der Alkohol machte Mick träge und obwohl er schnaufte wie ein Stier, fehlte es ihm an Konzentration und die nötige Kontrolle über seinen Körper. Die Faust, die mein Kinn traf, war kaum spürbar. Die Kraft hinter dem Schlag zu gering, um Wirkung zu zeigen, und ich spürte die alte Wut in mir aufkeimen. Ich war hergekommen, um einen Kampf zu bekommen und jetzt versaute Mick mir mit seiner laschen Darbietung den Abend. Ruckartig zog ich an seiner billigen Plastikjacke und ließ meinen Schädel mit seinem zusammen krachen. Heißer Schmerz explodierte hinter meiner Stirn. Für einen kurzen Moment sah ich Sterne, bunte Lichter, das ganze beschissene Universum. Ich grinste wie ein Irrer und beobachtete, wie Mick stöhnend auf dem Gehsteig zusammenbrach.

Bisher hatten Micks Kumpels amüsiert zugesehen, aber jetzt hörten sie auf zu lachen. Kein Grund einzugreifen, wenn Mick die Schwuchtel, die so blöd gewesen war, ihn anzugraben, vermöbelte. Wieso auch? Ich war nicht wirklich ein Gegner für jemanden von Micks Kaliber. Fast doppelt so viel Körpermasse. Er war Sportler, Football oder etwas ähnlich Wahnsinniges und hatte den Ruf, nicht klein beizugeben. Ich hingegen konnte so viel trainieren wie ich wollte, ohne ein Gramm an Muskelmasse zuzulegen. Ich blieb immer drahtig und schlank. Schmale Schultern, noch schmälere Hüften. Aber ich war wach. Wacher als wach. Kein Alkohol. Keine Drogen. Bloß das Leben. Mein ganzer Körper schien zu vibrieren und in dem Moment hatte ich das Gefühl, es mit alles und jedem aufnehmen zu können.

Ich wünschte Trent wäre jetzt hier, dann hätte ich ihm sagen können, was ich von ihm und seiner Nachricht hielt. Beschissener Hurensohn. Dabei wusste ich es genau; in dem Moment, wo wir uns gegenüberstanden, würde mich allein seine Anwesenheit zurück in einen ängstlichen Jungen verwandeln. Ich würde kein Wort herausbringen.

Nein, nicht nachdenken. Mick war am Boden, aber seine Freunde kamen näher. Im Gegensatz zu Mick bewegten sie sich zielsicher und geradlinig. Nicht genug Alkohol, um diese Fäuste zurückzuhalten. Ich fühlte wieder diese Unruhe, als würden Ameisen meine Arme entlang kribbeln. Der Drang etwas zu tun, etwas zu bewirken, und ich wackelte mit den Fingern, zu aufgedreht, um auch nur eine Sekunde nicht in Bewegung zu sein. Ja. Jetzt. Genau das. Eine Prügelei im Hinterhof. Ein Rausch, der alles andere verschwinden ließ.

Kommt zur mir.

Ich winkte sie näher. Lächelnd. Und ich lächelte immer noch, als die erste Faust sich in meiner Magengrube versenkte.

Kein Schmerz. Der kam erst später. Zu viel Adrenalin, zu lebendig. Das machte mich in einer Prügelei so unberechenbar. Das war der Grund, weshalb ich trotz meiner Statur von vielen als Gefahr eingestuft wurde. Keine Limits. Keine Rücksicht - weder auf mich, noch auf andere. Der Schlag warf mich einen Schritt zurück, aber eine Sekunde später preschte ich wieder vor, mein schmaler Körperbau war plötzlich ein Vorteil, als ich an dem Typen vorbeischlängelte und ihm dabei meinen Ellbogen in den Hals rammte.

Typ Nummer zwei hob beide Fäuste schlagbereit vor sich, das Gesicht rot vor Wut und in seinen Augen die gleiche ruhelose Energie, die mich antrieb. Gutaussehend. Vielleicht würde ich ihm nachher meine Nummer geben, auch wenn ich dafür höchst wahrscheinlich einen weiteren Schlag ins Gesicht erntete.

Ich wappnete mich für den nächsten Angriff, das Gewicht sprungbereit auf dem Vorderbein balanciert, als ich plötzlich von hinten gepackt und zurückgezogen wurde. Ein dritter? Fuck. Damit hatte ich nicht gerechnet. War das gut oder schlecht? Ich überlegte noch, als eine allzu vertraute Stimme mich innehalten ließ.

»Kommt schon. Ihr habt doch sicher besseres zu tun, als den Knirps zu vermöbeln«, sagte Logan, wie immer ruhig, wie immer beherrscht. Ein Fels in der Brandung, aber eines Tages schwor ich mir, ihn mitzureißen.

»Die kleine Schwuchtel soll ihr Maul nicht so weit aufreißen!«, keifte der mit dem intensiven Blick und trat vor, wie um weiter zu machen.

Die Tür vom Hinterausgang wurde geöffnet und Kendra trat hinaus. Eine Kellner-Uniform, die viel zu kurz war und ein strenger Blick, der Männer in die Knie zwingen konnte. »Hey. Ruhe jetzt, oder ich rufe die Bullen.« Sie nickte Logan zu, als sie ihn sah. Logan nickte zurück. Sein Arm löste sich von meiner Taille. Stattdessen verpasste er meiner Schulter einen Stoß. Nicht sehr sanft. »Los, Guy. Lass uns gehen.«

Seine Worte waren streng. Keine Widerrede, das sagte mir ein kurzer Blick in sein Gesicht.

Der Abend war vorbei. Zu viel Energie. Ein Hunger, der sich nicht sättigen ließ. Ich sah zu Mick, der nach wie vor am Boden lag, wach, aber zu betrunken, um sich selbst aufzurappeln. Seine Kumpels knieten sich neben ihn, um ihm hoch zu helfen. In ihren Augen funkelte Hass und ungehaltene Aggressivität. Wäre Logan nicht da gewesen, hätten sie mich wahrscheinlich auseinander genommen. Vielleicht doch gut, dass er gekommen war. Ich wusste oft nicht, wann ich an meine Grenzen stieß und besser den Rückzieher machte.

Ungeduldig zog Logan an meinem Arm. Ich folgte ihm auf den Parkplatz, wo sein Wagen, ein alter Audi, im Kegellicht einer Straßenlaterne stand.

»Ich bin kein Knirps«, sagte ich und vergrub die Hände in den Taschen, während ich eine Bierdose über den Schotter trat.

»Dann benimm dich wie ein Erwachsener. Was sollte der Mist schon wieder?«

»Wieso bist du hier?«, konterte ich.

Logan kam nur noch selten ins Pit, seitdem er und Kendra nicht mehr miteinander schliefen. Nicht seine Szene. Er wirkte fremd hier, in seinem trendigen Jackett und Jeans Outfit, vor dem Hinterausgang einer Bar, wo es nach Bier und Pisse stank. Er war mit Garrett und April ins Kino gegangen, erinnerte ich mich. Und danach in einen schicken Club, wo sie Cocktails und überteuerte Snacks in Glasschalen servierten.

»Kendra hat mich angerufen. Hat gemeint, dass du mit drei Typen nach draußen verschwunden bist und nicht die Art, die für ein Stelldichein zu haben sind.«

»Drei Typen wären auch ein bisschen viel.«

Logan warf mir diesen Blick zu. Die Art, die sagte, dass er genug von meinem Mist hatte und ich besser die Klappe halten sollte. Ich begegnete ihm mit einem Grinsen und stieg auf der Beifahrerseite ein. Logan nahm auf dem Fahrersitz Platz, Schlüssel in die Zündung, aber startete den Motor nicht.

Innerlich seufzte ich. Ich wusste, was jetzt kam. »Hey, sorry, dass ich dich von deinem Date weggerissen habe. Ich war einfach unruhig. Zu viel Energie, du weißt schon.« Eine Textnachricht von jemanden, den ich lieber vergessen wollte.

»Nein. Ich weiß es eben nicht mehr.« Kopfschütteln, dann startete er endlich den Motor und legte den ersten Gang ein. »Das ist jetzt der dritte Vorfall in zwei Wochen und ich bin nicht dein Babysitter. Ich habe ein eigenes Leben und keine Lust, dich ständig aus der Scheiße ziehen zu müssen.«

»Ich kann mich nicht erinnern, dich angerufen zu haben. Ich wäre schon zurecht gekommen.« Eine Lüge, das wussten wir beide und der Grund weshalb Logan das nächste Mal wieder zur Stelle sein würde, wenn Kendra oder jemand anderes ihn wegen mir anrief. Es war nicht, das erste Mal, dass Logan mich vor einer Prügelei rettete, die ich nicht gewinnen konnte. Wir waren gemeinsam auf die High School gegangen und obwohl wir damals nicht wirklich Freunde waren, hatte ich mich drauf verlassen können, dass Logan eingriff, wenn ich es zu weit trieb. Nicht, dass andere es nicht versucht hätten, aber irgendwie war er der einzige, der mich in solchen Situationen erreichte und wirklich runter bringen konnte. Jemand anderen hätte ich einfach ins Gesicht geschlagen und drauf gehofft, dass er mitmachte.

Logan lenkte den Wagen auf die Hauptstraße, Richtung nach Hause, nicht Richtung Innenstadt, wo Garrett und April sich wahrscheinlich noch volllaufen ließen und ihren Abend genossen. Sah so aus, als hätte ich es wieder einmal für ihn versaut.

»Schnall dich an«, sagte er.

Ich ignorierte ihn, trat meine Turnschuhe von den Füßen und lehnte mich mit dem Rücken ans Fenster, die Beine vor mich auf den Sitz gezogen. Ein Bein ließ ich nun langsam nach vorne und über Logans Schoß gleiten. »Bist du sauer?«, fragte ich.

»Ich bin kurz davor deine Seite des Wagens gegen den nächsten Baum zu rammen und- tu deinen Fuß da weg! Ich versuche zu fahren.« Verdammt, ich liebte es, wenn er wütend wurde, seine geliebte Kontrolle verlor. Logan war ein gutaussehender Kerl. Nicht so muskulös wie Mick und seine Kumpels, aber stark gebaut mit einem breiten Kreuz und einer definierten Brust. Stylisch gegelte Haare, ein breiter Kiefer und volle Lippen, über die ich ständig fantasierte, wie sie sich wohl anfühlen mochten, wenn ich sie mit meinen Zähnen bearbeitete.

»Ich dachte, du wolltest einen Baum rammen? Keine Chance einen zu finden, wenn du so geradlinig fährst.« Grinsend schob ich meinen Fuß in seinen Schritt und presste mit der Ferse dagegen.

»Scheiße!« Der Wagen schlingerte tatsächlich, als Logan das Lenkrad kurz losließ, um meinen Fuß wegzustoßen. Er sah aus, als würde er mich am liebsten erwürgen. Ich lachte heiter und presste meinen Hinterkopf gegen das kühle Glas. Mein Schädel pulsierte noch von dem Zusammenstoß mit Mick. Mit einem Knopfdruck ließ ich das Fenster auf halber Höhe nach unten gleiten und hing meinen Kopf nach draußen. Fahrtwind peitschte um meine Ohren und wirbelte meine blond gefärbten Haare durcheinander. Die kalte Novemberluft brannte wie Nadeln auf meinen Wangen, ich sog sie tief ein, spürte wie ich meinen Fokus zurück bekam und etwas anderes. Die gleiche Unruhe wie vorhin auf dem Hinterhof. Ein Kribbeln wie kurz vor einem Sturm, von den Zehen bis in die Fingerspitzen. Ich zog den Kopf wieder zurück und schloss das Fenster.

Logan beobachtete mich misstrauisch von der Seite, als ich näher kam, einen Arm um seine Rückenlehne geschlungen, den Kopf nach vorne geneigt. Diesmal war es meine Hand und nicht mein Fuß in seinem Schritt, während ich hauchte, »Lass mich dir einen blasen.« Von dem vielen Adrenalin während der Prügelei hatte ich einen Ständer, aber darum würde ich mich selbst kümmern müssen. Logan würde ihn nicht anfassen, wenn sein Leben davon abhinge. Dafür hatte er zu große Angst vor Worten. Schwuchtel. Homo. Fruitcake. Schwanzlutscher. Aber manchmal ließ er mich bei sich selbst ran. Meistens an Tagen wie heute, wenn er so genervt von meiner Scheiße war, dass es nur noch zwei Möglichkeiten gab: mich umbringen oder meinen Hals vögeln.

Logan fegte meine Hand beiseite. »Spinnst du?«

Meistens brauchte es dafür aber längere Vorarbeit.

»Die Straße geht noch ewig geradeaus. Ich kann das Lenkrad halten, während du kommst.« Verdammt vernünftig für meine Verhältnisse, aber Logan sah mich an, als hätte ich den Verstand verloren.

»Nein«, sagte er und gab mir einen unsanften Rempler, der mich zurück in meinen Sitz beförderte. Kurz überlegte ich, mir neben ihm einen runter zu holen, aber Logan gehörte das Apartment, in dem wir zu fünft wohnten und ich wollte heute Nacht nicht auf der Straße schlafen. Beleidigt zog ich mich in die Ecke zwischen Fenster und Sitz zurück und richtete den Blick nach draußen. Für den Rest der Fahrt schwiegen wir beide, aber Logans Atmung war etwas lauter geworden und bei dem Gedanken, dass er jetzt wahrscheinlich einen Ständer hatte und an meine Lippen um seinen Schwanz dachte, während er versuchte seinen Wagen parallel zum Straßenrand zu parken, musste ich innerlich grinsen.

Bestens gelaunt ging ich vor ihm die Treppe zum Apartment rauf, wartete dann aber vorm Eingang, weil ich meinen Schlüssel letzte Woche irgendwo verlegt hatte. Logans Blick während er aufschloss war finster, aber er sagte nichts mehr. Wie erwartet waren Garrett und April noch nicht zurück. Benjamin schlief wahrscheinlich längst, nachdem es bereits weit nach Mitternacht war und der kleine Chinese/Koreaner/Irgendwas einen strikten Plan hatte, der vorschrieb, um zehn im Bett zu sein. Und dann sagten die Leute meine Kindheit hätte mich kaputt gemacht. Hah.

Kaum war ich drinnen, zog ich mein ärmelloses Shirt über den Kopf, in dem Vorwand meinen Bauch zu inspizieren, der nach dem heftigen Faustschlag langsam zu schmerzen begann. Logan verschwand in der Küche und warf mir einen Eisbeutel zu, nachdem er wieder zu mir ins Wohnzimmer trat. Ich fing ihn auf und ließ mich rückwärts aufs Sofa fallen - mein Bett in diesem Apartment. Für ein Zimmer auf dem Campus hatte das Geld nicht gereicht, geschweige denn etwas eigenes. Wie immer der Held hatte Logan mir für lächerlich wenig Miete angeboten, das Sofa hier als Schlafmöglichkeit zu nutzen. In einer drei Zimmer Wohnung, die bereits mit vier Leuten maßlos überfüllt war und mit fünf aus allen Nähten platzte. Dennoch hatte ich es irgendwie geschafft, bereits drei Monatsmieten weit hinten zu sein.

Den Eisbeutel gegen die Stirn gepresst entließ ich ein Stöhnen, lauter als für das bisschen Kopfweh eigentlich gerechtfertigt war. Logan schraubte eine Wasserflasche auf, die er sich aus der Küche mitgenommen hatte und leerte sie in wenigen Schlucken bis zur Hälfte. Dass er noch hier war und nicht längst in sein Zimmer verschwunden war, sagte mir alles, was ich wissen musste. Mit zuckenden Mundwinkeln, um ein Grinsen zu unterdrücken deutete ich auf seinen Schritt. »Wenn du dagegen nichts machst, wirst du auch einen von denen brauchten«, sagte ich und hielt den Eisbeutel hoch.

»Nicht deine Angelegenheit«, knurrte Logan.

»Willst du auf April warten? Ich bin mir sicher, sie hilft dir gerne, aber mittlerweile hat Garrett seine Finger wahrscheinlich schon zur Hälfte in ihrer Unterwäsche.«

Logan setzte wieder die Wasserflasche an. Trank nur einen halben Schluck diesmal. Bald hatte ich ihn. Vor Erwartung begann meine eigene Erektion zu wachsen und ich zog den Jeansstoff zurecht, um mir mehr Raum zu verschaffen. »Ich habe deinen Freitagabend versaut. Ich will es nur wieder gut machen.«

Logans Stirn war gerunzelt. Das Plastik quietschte, als er die PET Flasche zu fest packte. Er ging ums Sofa herum.

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