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Gut bestückt

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses eBook
  3. Über den Autor
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Ist die Katze aus dem Haus
  7. Vergangenheit
  8. Kleider machen Leute
  9. Eingeritten
  10. Beim Hautarzt
  11. Abgefaxt
  12. Liebe geht durch den Magen
  13. Das Minjan
  14. Hänsel & Gretel & Gerd
  15. Die Einhörner scheu machen
  16. Danksagung

Über dieses eBook

Zehn schwule Sex-Geschichten, die mehr als nur heiß sind!

Dich langweilen Geschichten, die von nichts außer Sex handeln? Lawrence Schimel hat heiße, explizite Stories geschrieben, in denen es um mehr geht! Er erzählt von Monogamie, offenen Beziehungen, Safe Sex und vielen weiteren Facetten des schwulen Lebens – und zur Sache geht’s trotzdem immer!

Die Stories in »Gut bestückt« sind Klassiker der schwulen Erotik-Literatur – jetzt endlich wieder zu haben und nur als eBook bei Bastei Entertainment!

Über den Autor

Lawrence Schimel hat über 100 Bücher als Autor oder Herausgeber veröffentlicht, darunter »Gut bestückt«, »Zwei verliebte Jungs« und »I love you – Schwule Paare über ihr Liebe«. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Lambda Literary Award (zweimal), dem Spectrum Award und der Siegessäule-Auszeichnung für das Buch des Jahres. Er lebt in Madrid und arbeitet dort als Literaturübersetzer.

Ist die Katze aus dem Haus

Mein Freund war für zwei Wochen geschäftlich nach Los Angeles gefahren, und schon am Mittwoch der ersten Woche war ich entsetzlich einsam und vermisste ihn. Und ich war extrem rollig.

Wir wohnten zusammen, und wenn wir auch nicht jede Nacht Sex miteinander hatten, so waren wir doch tagtäglich auf jene häusliche, unaufgeregte Weise intim: Wir hielten uns beim Nachrichtengucken im Arm, kuschelten uns in unserem gemeinsamen Bett aneinander, ja selbst die bloße Tatsache, dass wir ständig umeinander herum waren, gehörte dazu. Jetzt, da er nicht da war, fiel mir auf, wie sehr ich es vermisste, ihm hinterherzuräumen, denn das beinhaltete ja schließlich, dass er hier oder da gewesen war, damit ich ihm hinterherräumen konnte, selbst wenn ich ihn persönlich in dem Moment gar nicht zu sehen bekam. Während der wenigen Tage, die Kevin jetzt in Los Angeles war, hatte ich schon längst alle unauffälligen Anzeichen seiner Anwesenheit weggeräumt; natürlich war sein ganzes Zeug immer noch hier, aber es war alles zu ordentlich – eben so, wie ich es weggeräumt hatte; Kevin war nämlich äußerst ungezwungen, was sein häusliches Umfeld betraf-, und ich vermisste die kleinen Unordentlichkeiten, die er hinterließ, um seine Anwesenheit deutlich zu machen, wie zum Beispiel die Zahnseide-Fäden, die im Klo herumschwammen und darauf warteten, runtergespült zu werden.

Aber ich vermisste nicht nur seine Anwesenheit und ständige Gesellschaft. Ich vermisste auch seinen Körper. Ich vermisste es, neben ihm aufzuwachen und zu spüren, wie sich seine Morgenlatte beim Wachwerden im Bett gegen meinen Schenkel presste. Ich vermisste es, vor ihm aufzuwachen und die Bettdecke zurückzuschlagen, um mich mit der Zunge über seine flachen Bauchmuskeln zu dieser Morgenlatte, die geradezu nach Entladung schrie, hinunterzuarbeiten und ihn wach zu blasen. Und manchmal morgens, nachdem ich sein Sperma geschluckt hatte, behielt ich seinen Schwanz im Mund, bis er wieder schlaff wurde und gab ihn nicht eher wieder her, bevor er mir nicht seinen Morgenurin die Kehle runterrinnen lassen und den süßlichen Geschmack seines Samens mit der Schärfe seiner Pisse weggespült hatte.

Sein Körper war eben immer da. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, zog er sich gerne bis auf sein T-Shirt aus und ließ seinen Anzug, sein Hemd und die Krawatte zerknittert auf dem Boden liegen, egal wohin sie auch gerade gefallen waren. Er zog sich sogar die Unterhose aus, diese kindischen Schlüpfer, die er immer noch aus Gewohnheit trug, obwohl er ganz bestimmt kein kleiner Junge mehr war. Dafür zeugte sein dicker, elastischer Schwanz, und ich bekam ihn den ganzen Abend lang zu sehen, wie er tief herunterbaumelte und unter dem Rand seiner dünnen T-Shirts hervorlugte, die über die Jahre schon ganz durchgescheuert und verschlissen waren. Ich konnte einfach nicht genug von ihm bekommen, davon, ihn zu beobachten, ihn zu fühlen, und das sogar noch nach vier Jahren des Zusammenlebens.

Wie scheinbar alle verheirateten Paare hatten auch wir uns damit abgefunden, nicht ständig Sex miteinander zu haben, sondern die erotische Spannung, den Druck und die Lust anwachsen zu lassen, um den Sex intensiver zu machen. Ihn dabei zu beobachten, wie er in seiner nachlässigen Nacktheit in der Wohnung herumlungerte, ließ mir aber noch immer die Eier anschwellen. Kevin war äußerst unbekümmert, was seinen Körper anging, und das war auch eine der Eigenschaften, die ich an ihm immer am anziehendsten fand. Natürlich hatte er einen wohlgeformten Körper, geschmeidig und schlank, durch das Laufen in der Highschool-Zeit ausgebildet und durch regelmäßiges Training im Sportstudio verfeinert. Ich kannte viele Typen mit scheinbar perfekten Körpern; sie alle hatten aber nicht die Unbefangenheit und Natürlichkeit in Bezug auf den eigenen Körper und die Sexualität. Ich selbst fühlte mich mit Sicherheit nicht annähernd so wohl mit mir selbst, obwohl ich zusammen mit Kevin ganz ungezwungen nackt sein konnte und auch versuchte, es zu sein, wann immer es ging. Deshalb konnte es zu jeder Tages- und Nachtzeit und in jedem beliebigen Zimmer zum Sex kommen. Jetzt aber brachte ich jeden Abend allein auf der Couch zu und wollte ihn neben mir liegen spüren, und obwohl ich auf den Fernseher starrte, sah ich die Nachrichten nicht einmal.

Stattdessen liefen in meiner Erinnerung Wiederholungen unserer gemeinsamen Sexerlebnisse ab.

Einmal abends, als er am Herd stand und Zwiebeln und anderes Gemüse für eine Sauce schmorte, trat ich von hinten an ihn heran, legte ihm die Hände auf die Arschbacken und fuhr mit den Fingern über die kurzen, festen Härchen, die die Rundungen bedeckten. Ich kniete mich hinter ihn, drückte mein Gesicht gegen seine Spalte und atmete den leichten Schweißgeruch ein, den ihm die Hitze des Herdes auf die Haut getrieben hatte. Ich zog ihm mit den Händen die Hinterbacken auseinander und stieß mit meiner Zunge in sein Loch vor. Während ich auf und ab leckte, kitzelte meine Zunge die empfindliche Knospe seines Arschlochs und drang weiter vor, machte die ganze Körperregion schön nass, bevor ich schließlich mein Ziel in Angriff nahm. Unfreiwillig kniff er seinen Arsch zusammen, als ich meinen Treffer landete; er stieß mit dem Becken vorwärts und schob sich näher an den Herd heran.

»Pass auf, heiß«, murmelte ich in seinen Arsch, wusste aber nicht genau, ob er mich hörte.

Dann schlängelte sich meine Zunge wieder in sein Arschloch hinein und arbeitete sich tiefer und tiefer vor, während sich seine Muskeln entspannten und der Lust nachgaben.

»Mmmh«, stöhnte er und presste sich mit dem ganzen Körper gegen meine Zunge, als wollte er versuchen, sich mit ihr zu pfählen.

Nachdem ich ihn eine Weile so bearbeitet hatte, stand ich auf und griff an ihm vorbei nach der Flasche mit dem Olivenöl. Ich sprenkelte mir etwas davon auf den Schwanz, der längst erwartungsvoll bereitstand, seit ich gesehen hatte, wie sein nackter Arsch beim Kochen nach mir gerufen hatte. Ich drückte meinen glitschigen Schwanz gegen seinen Hintern, rieb ihn an seiner Spalte und seinem Arschloch auf und ab und verteilte so das Öl. Kevin stellte die Flamme unter dem Gemüse kleiner, rührte aber weiter um, während er sich vorbeugte und mir seinen Arsch entgegenstreckte. Ich zielte und drang mit meinem Schwanz langsam in ihn ein, schob ihn weiter hinein, bis er schließlich ganz verschwunden war. Eine ganze Weile standen wir so regungslos da, Kevin machte sich eng und hielt meinen Schwanz mit den Muskeln seiner Arschbacken fest. Dann ließ er wieder locker, und ich zog ihn raus, immer noch langsam, so dass er jeden Zentimeter und jede Bewegung meines Schwanzes spüren konnte und auch die Leere, die er hinterließ, und das Verlangen danach, wieder von mir gestopft zu werden.

Was ich selbstverständlich tat. Schon bald hielt sich Kevin am Rand des Herdes fest, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren, während ich, jetzt schnell und härter, zustieß. Manchmal zog ich meinen Schwanz fast ganz raus und drang nur mit meiner prallen Eichel ein, so dass sein Loch meine empfindliche Kuppe geil umschloss. Und dann stieß ich wieder tief in ihn hinein, bis zum Anschlag, bis wir ein Wesen wurden, meine Brust gegen seinen Rücken gepresst, unsere beiden Körper nass geschwitzt vom Ficken und der Hitze vom Kochen. Mein Ding steckte tief in ihm drin, und ich ließ es gerne dort; kein Stoßen mehr, keine Reibung, nur der feste Griff seines Arschlochs um meinen Schaft. Mit einer Hand griff ich seinen Schwanz und quetschte ihn fest zusammen, mit der anderen kitzelte ich ihn an den Eiern. Unsere Becken verschmolzen in einem langsamen, behutsamen Kreisen, das mir nochmal einen ganz andersartigen Schauer durch den Schwanz fahren ließ, als es die geschmeidigen Stöße getan hatten.

Ich spürte, wie Kevins Eier sich zusammenzogen, umfasste seinen Schwanz noch fester und massierte seinen Schaft. Mit der anderen Hand schlug ich ihm von unten leicht gegen die Eier, die jetzt ganz hochgezogen zu beiden Seiten seines Schwanzes saßen. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, schob meinen Schwanz in ihm in Position, so als wollte ich ihn damit vom Boden heben. Das war zu viel für ihn, er fing an abzuspritzen. Die erste Ladung flog in hohem Bogen auf den Herd und fing sofort an, zischend zu verdampfen. Ich zielte mit seinem Schwanz und richtete die nächsten Spritzer gegen die Ofentür und auf den Fußboden, weg von der gefährlichen Hitze. Doch irgendetwas – es musste mit dem brutzelnden Sperma zu tun gehabt haben oder mit dem Geruch seines Samens, der sich jetzt mit den Essensgerüchen vermischte, oder aber mit dem Pulsieren in seinem Arsch, als er kam –, irgendetwas hatte zur Folge, dass auch ich es nicht mehr zurückhalten konnte: Meine Eier entleerten sich in Kevin und schössen lange, ausgiebige und ekstatische Samenschlieren aus meinem Körper in seinen.

»Das war aber echt heiß«, sagte Kevin und wand sich, um mich zu küssen, halb zu mir um, so dass mein Schwanz noch immer in ihm stecken blieb. Erst dann löste er sich von mir, drehte sich richtig zu mir um, küsste mich nochmals und sagte, dass ich jetzt wohl besser einen Lieferservice anrufen sollte. Während wir fickten, war nämlich das Essen angebrannt. Echt heiß, allerdings!

Wie sehr ich Kevin jetzt hier haben wollte! Wie mein Schwanz Kevin jetzt hier haben wollte!

Ich machte den Fernseher aus. Beiläufig hatte ich meinen Schwanz in der Trainingshose massiert. Ohne Kevin und seine selbstverständliche Nacktheit war ich wieder dazu übergegangen, beim Herumgammeln im Haus legere Kleidung zu tragen.

Als ich aufstand, beulte mir mein Ständer die Trainingshose aus. Er hatte keine Zweifel, was ich jetzt tun sollte, sei es mit oder ohne Kevin. Aber ich hatte das Wichsen satt. Ich hatte mir seit Kevins Abreise am Wochenende zwei- bis dreimal täglich einen runtergeholt. Jetzt war mir nach dem Kontakt mit einem anderen Körper, und den konnte nur Sex herstellen.

Als Kevin und ich zusammengezogen waren und unsere Beziehung sich allmählich verfestigte, hatten wir bestimmte Grundregeln vereinbart. Sex mit anderen war erlaubt – mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Wir mussten es immer safe machen, und das schloss ein, dass wir auch niemandem ohne Kondom einen blasen durften, auch wenn ungeschützer Oralverkehr als äußerst risikoarm galt. Wir beide hatten negative Testergebnisse gehabt, bevor wir zusammenzogen, und nochmals ein halbes Jahr später; diese Grundregeln waren unsere Art, das nötige Vertrauen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, das es uns gestattete, miteinander ungeschützten Sex zu haben.

Wenn wir mit anderen Sex hatten, mussten wir es sofort sagen, insbesondere, wenn wir unachtsam gewesen waren und etwas Unsafes gemacht hatten. Es war ein heikles Thema gewesen, aber notwendig.

Einmal hatte ich einfach nicht anders gekonnt: Ich hatte mit einem Typen herumgemacht, der mir plötzlich seinen Schwanz in den Arsch schob, und ich genoss es in dem Moment so sehr, dass ich nichts dagegen unternahm. Natürlich ließ ich in nicht in mir abspritzen, aber es stellte dennoch ein gewisses Risiko dar, besonders, weil der Schwanz des Typen von Vorflüssigkeit nur so troff. Ich hatte hin und her überlegt, ob ich es Kevin beichten sollte, aber dann wurde mir klar, dass ich es unmöglich nicht tun konnte. Es wäre nicht fair gewesen, vor allem, wenn ich mir etwas eingefangen hätte, das ich ihm dann hätte anhängen können. Wir hatten einen unglaublichen Streit, was letztendlich aber nur gut für uns war, denn dadurch wurden unsere Gefühle füreinander nochmals sichtbar. Wenn wir es nicht okay gefunden hätten, außerhalb unserer Beziehung Sex haben zu dürfen, dann hätten wir es auch nicht erlauben dürfen; wir hatten jedoch beide an gelegentlichen One night stands unseren Spaß – sie belebten unser gemeinsames Sexleben. Wir stritten nicht so sehr wegen meines Fehltritts, sondern wegen der Konsequenzen, die er für unser Sexleben in den nächsten Monaten haben sollte. Ein halbes Jahr lang sollten wir nämlich jetzt vor Körperflüssigkeiten Angst haben. Kein gedankenloses 69 mehr. Auch keine ungezügelten, leidenschaftlichen Spontanficks. Jetzt musste alles geplanter vonstatten gehen: Wir mussten Kondome bereithalten und Gleitmittel auf Wasserbasis.

Und so praktizierten Kevin und ich die folgenden sechs Monate lang safer Sex. Ich konnte ihm immer noch einen blasen und sogar sein Sperma schlucken, denn Kevin war ja artig gewesen. Aber meinen Immunstatus kannten wir nicht, also wurde alles, was mit mir zu tun hatte, in Latex eingehüllt. Als ich nach sechs Monaten wiederum ein negatives Testergebnis hatte, beschlossen wir, dass es sicher genug war, nun wieder zum Ficken ohne Kondom zurückzukehren. Ich weiß nicht, was ich in jener Nacht mehr genoss: das Gefühl von Kevins Zunge an meinem von seiner Spucke glitschigen Schwanz, oder das Gefühl von meinem Schwanz ohne Kondom in seinem Arsch. Beides war himmlisch. Und ich war fest entschlossen, dieses Vergnügen nie wieder aufs Spiel zu setzen.

Ich hatte noch nie besonders auf anonymen Sex gestanden. Natürlich hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt – es ging ja fast nicht anders, wenn man in Bars mit Darkrooms ging, wo die Neugier, es selbst einmal auszuprobieren, einfach zu groß war, als dass man hätte widerstehen können –, aber ich hatte nie das Gefühl, es sonderlich zu brauchen. Typen aufzugabeln war mir nie schwergefallen, doch das war viel zu aufwendig für mein momentanes Bedürfnis. Ich suchte keine Affäre. Ich wollte einfach nur einen Körper neben mir spüren, einen Schwanz in der Hand haben. Liebend gerne hätte ich einen Schwanz in den Mund genommen, doch das kam nicht in Frage, nicht heute Abend, soviel wusste ich.

Ich knotete das Bändchen meiner Trainingshose auf und ließ sie runterrutschen. Sie glitt aber nur bis zu meinem Ständer hinab, der sie vorne festhielt; nur mein Arsch war entblößt. Ich musste lachen, befreite mich und stieg komplett aus der Hose. Meine Eier lagen schon fest an meinem Körper an und schrien förmlich nach Entladung. Ich zog mir eine Jeans über, ohne mich um Unterhosen zu scheren und verstaute meinen steifen Schwanz im linken Hosenbein. Dann knöpfte ich die Jeans zu und strich mir über meine Beule. Ich war so aufgegeilt, dass ich mich fragte, ob mein Schwanz womöglich vor lauter Vorfreude während der ganzen langen U-Bahnfahrt zu den Bars steif bleiben würde.

Ich streifte mir ein weißes T-Shirt und meine Lederjacke über, die ich an der Garderobe abzugeben gedachte, sobald ich mein Ziel erreicht hatte. Kevin und ich zogen für gewöhnlich nicht durch die Bars, weil wir beide nicht sonderlich trinkfest waren – Wein zum Abendessen, das schon, und auch in Gesellschaft, aber nicht um des Sich-Besaufens willen, und Bier sowieso so gut wie nie. Aber wir hatten Freunde, die Singles waren, aus eigener Entscheidung oder anderen Gründen, und die hielten uns auf dem Laufenden, welche Bars angesagt waren und welche man vergessen konnte; zudem gab es natürlich auch die einschlägigen Anzeigenblätter. Besonders ein Laden wurde wegen seines Darkrooms im Keller heiß gehandelt: ein ganzes Kellergeschoss, das ausschließlich der anonymen Fleischeslust gewidmet war.

Die U-Bahn schien vor gutaussehenden Männern nur so zu wimmeln. Das lag natürlich bloß daran, dass ich so spitz war, also konzentrierte ich mich bei jedem Typen darauf, was es war, das ihn mir so attraktiv erscheinen ließ. Es konnte so etwas Banales sein wie die Beule in seiner Hose, oder etwas so Subtiles wie die Art und Weise, in der er seine Hände im Schoß gefaltet hatte – und die zur Folge hatte, dass ich eben diese Hände auf meiner Haut spüren wollte. Mit einigen flirtete ich, nur um mir die Zeit zu vertreiben, aber ich hatte es nicht ernstlich auf einen von ihnen abgesehen. Daran hatte ich im Moment kein Interesse, so sehr ich auch danach hungerte, zur Sache zu kommen. Mir war nicht nach dem ganzen Aufwand zumute, jemanden kennenzulernen, mich mit jemandem als Person abzugeben. Alles was ich wollte, war ein warmer, williger Körper.

In der Bar jedoch baggerte ich heftig und suchte jemanden, den ich mit nach unten nehmen und ausziehen konnte. Aber meine Jagd blieb ohne Erfolg. In der Ü-Bahn oder auf der Straße jemanden anzubaggern, an Orten also, die nicht ausdrücklich für sexuelle Anmache geschaffen sind, ist irgendwie etwas anderes. An solchen Orten ist das Baggern amüsant. Selbst wenn ich hochmütig zurückgewiesen werde oder von jemanden angemacht werde, der mich nicht interessiert, gibt es doch immer jenen Moment des gegenseitigen sexuellen Erkennens, den ich so beruhigend finde. Auf eine bestimmte Weise ist es wie eine Art Homo-Radar, und doch hat das Baggern eine geringfügig aktivere Komponente, einen Überschwall von Energie, von Umgänglichkeit, von sexualisierendem Drang und gegenseitiger Wertschätzung. In einer Bar hingegen ist das Cruisen verzweifelter. Es herrscht eine Eindeutigkeit, die ich abtörnend finde. Abgesehen davon fand ich einfach niemanden, den ich aufreißen wollte.

Ich schlenderte in den Keller. Am Fuß der Treppe lag ein kurzer Gang, von dem links die Toiletten und rechts ein Durchgang abging. Vor dem Durchgang hing ein schwarzer Vorhang. Ich schob ihn beiseite und trat hindurch. Dahinter erstreckte sich ein äußerst dürftig beleuchteter Raum mit schwarz gestrichenen Wänden. Ich blieb kurz hinter der Eingangsschwelle stehen und wartete, bis sich meine Augen an das Pseudo-Licht gewöhnt hatten. Von hinten streifte mich jemand; er war wie ich gerade frisch hereingekommen und hatte sich noch nicht an das Dunkel gewöhnt. Trotzdem reagierte er instinktiv, als sich unsere Körper berührten und streckte die Hand nach mir aus, um erst meinen Rücken und dann meinen Bizeps abzutasten. Dann ließ er die Hand zu meinem Arsch hinuntergleiten.

Ich ging weg und ließ ihn links liegen. Er kam nicht hinterher. Ich ging auf eine Wand zu, und wieder griff eine Hand nach mir und berührte mich. Ich spähte ins Dunkel hinein und bemerkte, dass mehrere Typen in einer Reihe an der Wand standen: dunkle Gestalten vor einem noch dunkleren Hintergrund. Auch von dieser zweiten Hand zog ich mich zurück und hielt nach einer freien Stelle Ausschau, wo ich mich anlehnen konnte. Zweimal streifte ich versehentlich einen Körper, der sich mir sofort zuwandte wie eine Blume der Sonne, darauf aus, mich zum Sex zu bewegen. Aber jedes Mal wich ich zurück, ich war noch nicht soweit.

Ich bin nicht sicher, was mich zurückhielt. Vielleicht war es die Tatsache, dass ich die Leute oben gesehen hatte und wusste, dass sich die Männer hier unten aus ähnlichen Typen rekrutieren mussten. Ich bin nicht auf perfekte Körper fixiert; es gibt die verschiedensten Typen, die ich anziehend finde, doch im Großen und Ganzen bin ich, glaube ich, ein ziemlich visueller Typ, der den Mann gerne auch sieht, mit dem er Sex hat. Die Vorstellung, einen Schwanz zu blasen, den ich nicht zunächst einmal bewundern, in der Hand halten und wohlwollend betrachten konnte, war einfach nicht nach meinem Geschmack. Was aber auch keine Rolle spielte, denn ich wollte ja ohnehin niemandem einen blasen. Aber ich wollte einen Schwanz in meiner Hand spüren, wollte die Hand eines anderen Mannes an meinem eigenen Schwanz spüren, wie sich seine Finger an mein Arschloch pressten, eindrangen oder mir die Brustwarzen bearbeiteten.

Langsam gewöhnten sich meine Augen an das schummrige Licht, und ich konnte allmählich die Männer um mich herum erkennen. Wie ich standen sie zumeist am Rand herum wie ein Haufen schüchterner Mauerblümchen. Ein oder zwei hatten mir den Rücken zugewandt. Ich bemerkte, wie ich zwei Männer anstarrte, die gerade aneinander rummachten. Ich beobachtete, wie Becken gegen die Wand stießen und fragte mich, wie sich der Typ, der mit dem Rücken zur Mauer stand, wohl fühlte, wie es sich anfühlen würde, wenn jemand vor mir stehen und sein Becken gegen meins pressen würde, für alle sichtbar. Ich glaube, das war teilweise mit dafür verantwortlich, dass ich noch immer keinen richtigen Ständer hatte: die Vorstellung, dass andere Leute mir zusahen und sich daran aufgeilten, wie ich Sex hatte. Ich habe schon Orgien mitgefeiert, aber da war jeder beteiligt gewesen, und man konnte alles sehen, was vor sich ging. Das soll auch so sein, das exhibitionistische Element gehört einfach dazu. Der Sex aber, der hier um mich herum ablief, hatte eine andere Qualität; es kam mir vor, als wären ganz viele dieser Männer nicht nur hier, um Sex zu haben, obwohl es natürlich genau das war, worauf wir alle hofften, sondern um einfach bloß in der Nähe von Sex zu sein. Und ich war einer von ihnen. Ich hatte das verzweifelte Verlangen, am Sex teilzuhaben, doch im Moment blieb mir nichts anderes übrig, als in der Nähe von Sex zu sein, was eine ganz eigene Faszination in sich barg.

Ich sah, wie Männer die Mauerblümchen anbaggerten; manche liefen mit heraushängendem Schwanz umher und spielten an sich herum. Auch unter den Mauerblümchen konnte ich rubbelnde Bewegungen wahrnehmen: Typen, die sich in der Nähe von Sex einen runterholten und sich solange steif und bereit hielten, bis vielleicht eine interessierte Hand oder ein Mund sich näherte, oder einfach, um jemanden mit ihrer Rubbelei anzulocken. Jede Form von Sex zog Aufmerksamkeit auf sich. Als einer der baggernden Männer plötzlich mit einem der Mauerblümchen in meiner Nähe Kontakt aufnahm, ging eine Bewegung durch die gesamte umstehende Gruppe.

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