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Gut Böckel

Günther Butkus (Hg.)

Gut Böckel

Mit Erinnerungen
von Hertha Koenig

und ergänzenden Texten
von Eike Birck

PENDRAGON

Inhalt

Gut Böckel – damals und heute

Ein verzauberter Ort

Die Geschichte von Gut Böckel

Ein Gartenparadies

Kunst im Park

Konzerte im Kuhstall

Begegnungen damals

Begegnungen heute

Die Hertha Koenig-Gesellschaft

Hertha Koenig und Gut Böckel

Ein Ort der Ruhe

Tod

Anhang

Bildübersicht

Fotonachweis

Anmerkungen

Hertha Koenig – Leben und Werk

Bibliographie

 

Gut Böckel – damals und heute

Wasserschlössern haftet stets etwas Romantisches an. Gut Böckel ist ein Ort, der verzaubert und der das in sich ruhende Westfalen verkörpert. Zugleich ist der Herrensitz ein Ort der Kultur. Schon immer gewesen. Ein Ort, an dem Rainer Maria Rilke schrieb, Martin Heidegger philosophierte und der Bundespräsident Theodor Heuss seinerzeit Hertha Koenig, die Gutsherrin, Mäzenin und Schriftstellerin, besuchte. Die Gutsherrin, die Gut Böckel nach dem Tod ihres Vaters verwaltete, gehörte in den 1920er Jahren zu den bekannteren deutschen Lyrikerinnen. Die Erinnerungen der westfälischen Dichterin an ihre Heimat zeichnen ein lebendiges Bild vom Leben auf dem Herrensitz. Sie sind Spiegel der wechselvollen Geschichte des Gutshofes und nicht zuletzt ein Teil der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Ein verzauberter Ort

Gut Böckel liegt eingebettet in die hügelige Landschaft Ostwestfalens am Fuß des Wiehengebirges bei Bieren in der Gemeinde Rödinghausen. Nach dem Tod der Gutsbesitzerin Hertha Koenig 1976 erbte der Norweger Halvor Jørgensen, der Sohn einer Nichte von Hertha Koenig, das Gut.

Um das Erbe ranken sich viele Geschichten, denn in ihren letzten Lebensjahren hatte Hertha Koenig ihr Testament mehrfach geändert. Die Gutsfrau war für ihre Großherzigkeit bekannt und wahrscheinlich war es nur ihrer Bediensteten Maria, die ihr jahrzehntelang treu zur Seite gestanden hatte und zu einer Vertrauten der Dichterin geworden war, zu verdanken, dass Hertha Koenig in ihren letzten Lebensjahren nicht einen Großteil ihres Besitzes verschenkte. Es hieß, dass Maria dafür gesorgt hatte, dass ein Hund an der Kette die Gutseinfahrt so gut bewachte, dass man zwar auf den Hof kam, aber eben nicht wieder hinaus. Wer eine solche Erfahrung hinter sich gebracht hatte, mied Böckel künftig. Und Maria war froh, dass die Zahl der Bittsteller somit ordentlich schrumpfte.

Eine andere Legende besagt, dass Hertha Koenig kurz vor ihrem Tode immer recht unruhig schlief. Einmal meinte sie, Stimmen zu hören, und rief nach ihrer Vertrauten. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Erbe an die von Bodelschwinghschen Anstalten gehen. Es wurde gemunkelt, dass Maria jedoch nicht den Eindruck hatte, dass das Gut dort in gute Hände käme.

Als ihre Herrin fragte, woher die Stimmen kämen, soll die katholische Maria geantwortet haben, es seien die Herren aus Bethel. „Können die denn nicht warten, bis ich tot bin!“, hätte Hertha Koenig daraufhin empört gerufen und das Testament zu Gunsten von Halvor Jørgensen geändert.