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Gruselig

C. S. Bradley

Gruselig

Unheimliche Geschichten nach zum Teil wahren Begebenheiten





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Die sardische Hochzeitsnacht

In Sardinien ist es Brauch, dass Freunde und Verwandte einem Paar am Tag der Hochzeit das Bett machen. Es werden Blüten darauf verteilt und Kerzen rundherum aufgestellt. Jeder bringt etwas dar, das den zukünftigen Eheleuten ein Geschenk sein soll. Doch manchmal ist es etwas was sie gar nicht haben wollen.

Samugheo 1966

Luana und Roberto waren seit einem Monat verheiratet. Sie waren glücklich miteinander. Alles war so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Fast alles. Denn Luana fühlte sich seit der Hochzeitsnacht zunehmend unwohl. Obwohl sie aß, hatte sie, seit ihrer ersten Nacht als Ehefrau, erschreckend an Gewicht verloren. Sie war immer schon eine schlanke Frau gewesen, doch jetzt befand sie sich auf einem gefährlichen Weg. Jeder sprach sie deswegen an. Schließlich suchte sie einen Arzt auf. Der aber, konnte nichts finden. Sie war kerngesund, trotzdem verringerte sich ihr Leibesumfang stetig. Sie ging zu einem anderen Arzt. Auch er konnte ihr nichts anderes sagen, als der erste. Allmählich wurde sie schwächer und schwächer. Ihr Körper war im Begriff zu versagen. Würde sie nicht bald zunehmen, wäre das ihr Ende.

Völlig verzweifelt wandte sie sich an ihre Mutter. Diese ging mit ihr zur Manka, einer Medizinfrau. Sie legte ihre Hand auf Luanas Schopf und schloss die Augen. Ein Raunen ging durch das Zimmer, ein Windhauch durchfuhr Luana und die Manka. Dann blickte die Medizinfrau auf. Sie hatte den Grund für Luanas Qualen gesehen und befahl sofort die Matratze, vom Ehebett der beiden, zu verbrennen.

Für Sarden war dies nicht absonderlich. Man lebte seit Jahrhunderten mit dem Glauben an das böse Auge. Sie holten also, wie die Manka es ihnen gesagt hatte, jene Matratze und schleppten sie auf ein offenes Feld. Dort wurde sie angezündet. Rasch war sie von Flammen umschlossen, und als nur noch ein schäbiger Rest von ihr übrig war, stiegen aus ihr die dunklen Schatten eines bösartigen Fluches empor. Mit einem tiefen, unheimlichen Seufzer lösten sie sich in Luft auf.

Luana und Roberto beschafften sich eine neue Matratze und so, wie Luana darauf ihre erste Nacht verbracht hatte, ging es ihr besser. Sie nahm wieder an Gewicht zu. Das böse Auge war besiegt. Zumindest für den Moment.

Nie hat sie erfahren, wer derjenige gewesen war, der sie mit dem bösen Auge angesehen hatte und damit den Fluch über sie verhängt hatte. Eines aber wusste sie sicher: Es musste jemand gewesen sein, der an ihrem Hochzeitstag ihr Bett gemacht hatte.

Tetjeba

Tetjeba folgte der Gestalt in die Scheune. Es war eine finstere Nacht. Der Himmel verschleierte jegliches Licht, das der Mond zu spenden versuchte. Knarrend öffnete sich die Holztür. Tetjeba blickte sich zitternd um. Sie suchte mit ihren Augen alles nach der Gestalt ab. Plötzlich erschien ein Mann vor ihr. Er war ganz in schwarz gekleidet. Den Hut trug er tief in seinem Gesicht. Langsam schaute er auf. Sie erschrak, als sie seine roten Augen unter dem Hut hervorblitzen sah. Sie wich zurück, wollte fliehen vor diesem seltsamen Herrn, doch die Tür hinter ihr war verschlossen. Sie konnte nirgendwo hin. Verheißungsvoll streckte er die Hand nach ihr aus und wie durch eine unsichtbare Macht, zog er sie an sich, ohne sie auch nur zu berühren. Tetjeba versuchte zu schreien, aber ihre Stimme brachte nichts hervor. Der Mann lachte hämisch. Dies war kein Mensch, das war ihr nun bewusst. Das dämonische Lachen erfüllte ihre Ohren, die sie mit beiden Händen schützend umklammerte.

 Ein Buch schwebte vor ihr, wie durch Geisterhand geführt. Mit einem Donnerschlag erschien ein hässlicher Rabe. Anstelle von Federn tropfte schwarzer Teer von seinen knorpeligen Flügeln. Tetjeba versuchte erneut vor dem Grauen, welches sich ihr bot, zu fliehen, aber sie war wie gelähmt. Es war der Teufel persönlich, der sie um ihre Seele ersuchte. Er bat nicht um sie, er warb nicht um sie. Sie musste sie ihm geben, sie hatte keine Wahl. Er nahm ihren Arm, riss ruckartig den Ärmel ihres Kleides herab. Der Rabe setzte sich auf ihr Handgelenk und vergrub seinen spitzen Schnabel tief in ihr Fleisch. Sie schrie vor Schmerz auf. Niemand hörte sie. Sie war in Gesellschaft des Teufels und er dirigierte diesen Moment. Als der Rabe gierig einen Bissen von ihr hinunterschlang und sie ihrem Tode ins Auge blickte, erschien das Buch erneut direkt vor ihrem Gesicht. Es leuchtete auf und verlangte ihre Unterschrift. Es drängte sie mit ihrem Blut zu unterschreiben, und damit dem Teufel die Treue zu schwören. Sie weigerte sich, doch der Rabe hackte wiederum seinen Schnabel in ihren Arm, der Schmerz war unerträglich. Mit ihrer freien Hand tauchte sie hinein in ihr eigenes Blut und unterzeichnete. Sogleich verschwand der Rabe. Der Teufel lachte laut auf. Tetjebas Wunde verschloss sich und eine fremde Macht erfüllte ihren Körper sowie ihren Geist. Von jetzt an war sie kein Mensch mehr. Sie war eine Gespielin des Teufels. Nach Rache sinnend. Sie würde diejenigen aufspüren, die im Namen der Kirche Gräueltaten begehen. Als eine Teufelsbraut würde sie die Heuchelei der Menschen beenden. Die Tetjeba die alle kannten und mochten war fort. Das kleine, schwache Indianermädchen, das einst von den weißen Männern ihres Stammes beraubt, geschändet und missbraucht worden war, existierte nicht mehr. Jene Männer hatten sie dazu verdammt, des Teufels Hand zu ergreifen und dem Fürst der Finsternis zu folgen. Die weißen Männer hatten ihr den Weg zu ihm bereitet, als sie die Reinheit ihrer Seele zerstörten, sie immerzu mit Füßen traten, bis nichts mehr von ihr übrig war, als ein verkohlter, übelriechender Haufen. Etwas dessen Seele für alle Zeiten besudelt war. Womöglich hatte sie sich gewünscht, dass der Teufel zu ihr kommt und sie in seine Unendlichkeit aufnahm. Vielleicht hatte sie ihn sogar gerufen. Immer dann, wenn Stadtrat Burgh des Nachts über sie herfiel und sich an ihr schändlich verging. Wenn er sie seinen Freunden übergab. Wenn er sie ihnen ausborgte, weil er wieder einmal beim Kartenspiel nichts anderes einzusetzen wusste, als seine kleine rothäutige Sklavin. So oft hatte sie ihr Flehen dem Gott der Weißen zugesprochen, doch nie wurde sie erhört. Irgendwann verstummte der Glaube an das Gute und sie öffnete sich für all ihre finsteren Gedanken, für die Dunkelheit und für die Vergeltung. Lechzend nach Rache begab sie sich zurück ins Haus. Burgh lauerte bereits hinter der Tür, er packte sie und zog sie an den Haaren quer durch das Zimmer, dann warf er sie unsanft auf sein Bett. Sie wand sich, floh vor ihm bis an den äußersten Rand und klammerte sich an dessen Pfosten. Hastig zog er seine dreckige Hose aus. Sie verzog angeekelt das Gesicht, als er sich ihr mit stinkendem Atem näherte. Eine üble Mischung aus Schweiß und Wein trat ihr entgegen, während er sie mit seinen schmutzigen Händen anfasste. Zunächst loderte nur langsam die Wut in ihr auf, sie stieg hoch und glitt allmählich ihre Kehle entlang. Ein Brennen durchzog ihre Augen. Der stechende Schmerz ließ sie aufschreien.

„Was ist denn mit dir?", fragte Burgh, der sie unaufhörlich mit seinen nassen Küssen bedeckte. „Du willst das doch!"

 Tetjeba seufzte erleichtert. Das Brennen war vorüber, ihre Wandlung damit vollständig abgeschlossen. Ihre Augen waren nun erfüllt von einem blutigen Rot, sie glühten in der Dunkelheit. Einem Rauschzustand gleich, biss sie in Burghs Arm wie in einen saftigen Apfel.

 „Du bist ja eine ganz Wilde!", sagte er und betatschte sie nur noch heftiger. Sanft umfasste Tetjeba seine Schultern, um ihn dazu zu bringen ihr ins Gesicht zu sehen.

 „Was ist denn?", fragte er genervt, doch dann weitete sich sein Blick. Erschrocken fiel er rücklings vom Bett.

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