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Grundlagen tiergestützter Dienstleistungen

Katharina Ameli, Anja S. Dulleck,

Thomas Brüsemeister (Hrsg.)

Grundlagen tiergestützter Dienstleistungen

Tiergestützte Therapie, Pädagogik und

Fördermaßnahmen als interdisziplinäres

Arbeitsfeld

Image

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Zukunftsfeld tiergestützter Dienstleistungen

Katharina Ameli, Anja S. Dulleck und Thomas Brüsemeister

2 Einblick in Begrifflichkeiten, Studien und Praxisfelder tiergestützter Dienstleistungen

Katharina Ameli

3 Einführung in die wissenschaftliche Arbeit und die qualitative Sozialforschung

Lisa Gromala

4 Zur Ethik der Mensch-Tier-Beziehung

Petra Mayr

5 Rechtliche Grundlagen tiergestützter Dienstleistungen

Barbara S. Felde

6 Kommunikation (in der Mensch-Tier-Beziehung)

Michael Schamel

7 Tiergestützte Pädagogik in (vor-)schulischen Bildungseinrichtungen

Inge A. Strunz

8 Heilpädagogisches Reiten

Theresa F. Braun

9 Der Einsatz von Hunden in der Schule

Mariam Gevorkyan

10 Der Einfluss tiergestützter Dienstleistungen auf das Wohlbefinden des Tieres

Jessica Hornung und Anja S. Dulleck

11 Reptilien im tiergestützten Einsatz

Daniela Zurr

12 Zoonosen als Problemlage tiergestützter Dienstleistungen

Jessica Hornung

13 Schweinehaltung im Kontext tiergestützter Dienstleistungen

Edina Hickl

14 Unterrichtsgestaltung mit Tieren in der Grundschule

Katharina Ameli und Christopher Hühn

Autor_inneninfo

Einleitung: Zukunftsfeld tiergestützte Dienstleistung

Katharina Ameli, Anja Dulleck, Thomas Brüsemeister

Seit Jahrhunderten werden Tiere in unterschiedlichen Berufsfeldern eingesetzt. Während Tiere zu Beginn vermehrt als Lasttier oder als Unterstützung zur Jagd dienten, zeigt sich gegenwärtig ein steigender Einsatz von Tieren in pflegerischen, medizinischen oder therapeutischen Berufsfeldern.

Die Zunahme an Angeboten im Sektor tiergestützter Dienstleistungsarbeit verdeutlicht die Bedeutsamkeit der Auseinandersetzung mit Professionalisierungsprozessen und den daraus resultierenden relevanten Kennzeichen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in der Aus- und Weiterbildung für angehende Mensch-Tier-Teams in tiergestützten Arbeitsbereichen benötigt werden.

Die Auswahl an Möglichkeiten, Tiere beruflich einzusetzen, erfordert von tiergestützt-tätigen Praktiker_innen, interdisziplinäre Tätigkeitsprofile. Diese müssen mittels theoretischer, methodischer und inhaltlicher Kompetenzen bearbeitet werden können. Damit tiergestützte Begegnungen professionell durchgeführt werden können, ist eine offene und reflektierte Herangehensweise erforderlich. Um die an der Interaktion beteiligten Akteure in ihren Bedürfnissen und Erwartungen einzubeziehen, muss der tiergestützte Einsatz so aufgearbeitet sein, dass er systematisch, vorbereitet und an ein Setting angepasst ist.

Eine besonders hervorzuhebende Aufgabe der tiergestützt-tätigen Fachkräfte ist die hochreflexive Betrachtung des Geschehens. Das bedeutet, dass das eigene Handeln hinterfragt und gleichzeitig innerhalb der Interaktionen flexibel agiert werden muss. Dabei ist eine Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen als Garant für gelingende Mensch-Tier-Interaktionen zu verstehen. Von Seiten der Wissenschaft und der Praxis bestehen Anforderungen an tiergestützte Dienstleistungsarbeiten in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und ethischen Hinsichten. Entsprechende Grundkenntnisse werden durch das Wissen der berufsspezifischen Tätigkeitsfelder, in denen tiergestützt-tätige Fachkräfte agieren, gestärkt. Zu den inhaltlichen Bereichen zählen Kenntnisse in Fachdisziplinen der Psychologie, (Sozial-)Pädagogik, Humanmedizin oder Pflegewissenschaft ebenso, wie biologische und veterinärmedizinische Grundkenntnisse zu tiergerechter Haltung, Eignung der Tierarten sowie Tierschutz.

Das vorliegende Werk soll (angehenden) tiergestützt-tätigen Praktikern einen Einblick in Kernbereiche der tiergestützten Dienstleistung als Beruf liefern. Es bietet einen Überblick, der relevante und allgemeine Kenntnisse im Bereich tiergestützter Dienstleistungsarbeit aufgreift. Es soll dazu anregen, das bereits vorhandene Wissen zu vertiefen, sich neues Wissen anzueignen und gleichzeitig hochreflexiv das Aufgabengebiet zu betrachten. Dafür dienen auch Übungsfragen, die sich an jeden Beitrag anschließen.

Insgesamt soll damit einerseits das eigene Handeln in Bezug auf Tiere und die Arbeit mit den Nutzer_innen (Klient_innen, Patient_innen, Schüler_innen) reflektiert werden. Andererseits soll gleichzeitig der Blick auf die eingesetzten Tiere geschärft werden, um deren Bedürfnisse im Einsatz zukünftig noch besser betrachten zu können.

Das Werk soll anhand seiner Beiträge die Möglichkeiten eröffnen, auch über das eigene Arbeitsgebiet hinaus mit anderen tiergestützt-tätigen Kolleg_innen ins Gespräch zu kommen sowie den offenen und konstruktiven Austausch fördern. Dabei legt es sein Augenmerk auf relevante Praxisgebiete tiergestützter Dienstleistungsarbeit, für deren Ausübung wesentliche Kenntnisse nötig sind. In den einzelnen Beiträgen wird auch der tierische „Part“ verstärkt in den Fokus gerückt. Dieser muss jedoch immer durch die tiergestützt-tätige Fachkraft mitgedacht werden.

Kapitel 2 von Katharina Ameli gibt einen allgemeinen Überblick über Begrifflichkeiten, Studien und Praxisfelder innerhalb der tiergestützten Interventionsformen. Dies ist wichtig, um die derzeit existierenden wissenschaftlichen Definitionen kennenzulernen und sich in seiner beruflichen Tätigkeit verorten zu können. Es soll ergänzend einen kleinen Überblick über die derzeitige Lage des Sektors schaffen. Der exemplarische Einblick in Studien soll dazu dienen, die Bedeutsamkeit von Studien und deren Ergebnissen zu erkennen und ihre Aussagekraft einschätzen zu können.

Kapitel 3 von Lisa Gromala liefert eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und die qualitative Sozialforschung. Dies soll dazu dienen, den tiergestützt-tätigen Praktiker_innen einen Überblick zu ermöglichen, wie Studien im Bereich der Mensch-Tier-Begegnungen umgesetzt werden und welche Hintergründe bei wissenschaftlichem Arbeiten zu berücksichtigen sind. Obwohl die qualitative Methodik für viele Praktiker_innen auf den ersten Blick unnötig erscheinen mag, sei hier darauf hingewiesen, dass gerade die Methodik der teilnehmenden oder nichtteilnehmenden Beobachtungen dazu dienen kann, das eigene Handeln innerhalb des Settings zu beobachten. Dabei ergibt sich beispielsweise die Möglichkeit, Beobachtungsnotizen anzufertigen, die für die gesamte Interaktion als interne Evaluation genutzt werden können.

Kapitel 4 von Petra Mayr soll das kritische Auge der tiergestützttätigen Praktiker_innen anregen, ethische Grundkonzepte auf die Beziehung zu den eigenen Tieren anzuwenden. Dieser Einstieg soll animieren, sich kritisch mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinanderzusetzen und für das eigene Handeln zu hinterfragen, welche Rollenzuweisungen an einen selbst und das Tier gestellt werden. Es spielt damit auch im Hinblick auf die eigene Beziehung zu Tieren eine entscheidende Rolle.

Kapitel 5 von Barbara Stefanie Felde beschäftigt sich mit den rechtlichen Grundlagen im tiergestützten Einsatz. Diese stellen eine wesentliche Komponente in gelingenden Interaktionen dar.

Kapitel 6 von Michael Schamel zum Thema der Kommunikation der Mensch-Tier-Beziehung ist die Grundlage der triadischen Professionalität zwischen Mensch, Tier und Nutzer_innen. Es dient dazu, die Bedeutsamkeit der Kommunikation in den einzelnen Settings zwischen den drei an der Interaktion Beteiligten (Dienstleister_in, Tier, Nutzer_in) aufzugreifen. Es soll darlegen, welche Möglichkeiten der Kommunikation es gibt und dazu anregen, diese stets zu beobachten.

Kapitel 7 von Inge A. Strunz konzentriert sich auf den Sektor der tiergestützten Pädagogik, der als ein Teilbereich der tiergestützten Dienstleitung zu verstehen ist. So bietet der Beitrag einen Einblick in die Zielsetzung von pädagogischen Mensch-Tier-Begegnungen mit der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen.

Kapitel 8 von Theresa F. Braun beschäftigt sich mit dem Teilbereich des heilpädagogischen Reitens und liefert einen Einblick in die Möglichkeiten dieser Interventionsform.

Kapitel 9 von Mariam Gevorkyan liefert einen Überblick über das Konzept von Hunden in der Schule. Dabei stehen besonders grundlegende Überlegungen und Möglichkeiten des Einsatzes im Fokus.

Kapitel 10 von Jessica Hornung und Anja S. Dulleck rückt die Tiersicht stärker in den Vordergrund. So werden die Wechselwirkungen zwischen dem tiergestützten Einsatz und dem Wohlergehen für die Tiere thematisiert. Dies ist zum einen dahingehend bedeutend, als das Wohlergehen der Tiere in allen Sektoren tiergestützter Dienstleistungsarbeit per se von hoher Bedeutung sein sollte. Zum anderen haben diese Wechselwirkungen aber auch direkten Einfluss auf die Sicherheit und Ungefährlichkeit des tiergestützten Einsatzes. Der Beitrag soll die kritische Auseinandersetzung mit der Thematik um das Tierwohl fördern und gleichzeitig dazu anregen, die eigene Tätigkeit im Sinne des Tieres zu reflektieren.

Kapitel 11 von Daniela Zurr ermöglicht einen Einblick in die tiergestützte Arbeit mit Reptilien. Der Einsatz dieser Tierklasse erfolgt zwar insgesamt seltener, wird dann aber häufiger „auf die leichte Schulter genommen“. Der Beitrag soll für Probleme und Tierschutzaspekte bei der tiergestützten Arbeit im Speziellen und bei der Haltung im Allgemeinen sensibilisieren und zur vertiefenden Beschäftigung mit dem eigenen Tier einladen.

Kapitel 12 von Jessica Hornung setzt sich mit infektionshygienischen Grundlagen auseinander. So werden Krankheiten thematisiert, die vom Tier auf den Mensch übertragen und damit innerhalb der tiergestützten Dienstleistungsarbeit relevant werden könnten. Diese sogenannten Zoonosen unterscheiden sich von Tierart zu Tierart und oft auch innerhalb geografischer Lagen. Das mehr als (nicht erschöpfende) Auflistung gehaltene Kapitel soll ein Bewusstsein für mögliche Risiken durch die tiergestützte Arbeit schaffen und Hinweise zu einigen möglichen Präventionsmaßnahmen geben.

Kapitel 13 von Edina Hickl beschäftigt sich mit den Besonderheiten der Schweinehaltung. Diese Tierart taucht sowohl in der Heimtierhaltung als auch in tiergestützten Settings in letzter Zeit häufiger auf. Da in diesen Bereichen die Erfahrungen und gesetzlichen Vorschriften aus der konventionellen Schweinehaltung oft entweder nicht übertragbar oder nicht akzeptabel sind, bedarf es einer neuen Auseinandersetzung mit dieser Tierart, ihrem natürlichen Verhalten und ihrer Haltung.

Kapitel 14 von Katharina Ameli und Christopher Hühn skizziert am Beispiel eines „Tag des Tieres“ an einer Grundschule die Möglichkeiten von Kooperation, um Kind-Tier-Begegnungen ermöglichen zu können. Gleichzeitig bietet der Beitrag einen kurzen Einstieg in die didaktische Ausgestaltung der Konzeption.

Die Erstellung der vorliegenden Beiträge ist in Teilen im Kontext des Projekts WM3, Weiterbildung Mittelhessen entstanden und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert worden.

(www.uni-giessen.de/tdw).

Einführung in die wissenschaftliche Arbeit und die qualitative Sozialforschung

Lisa Gromala

Nicht nur für Wissenschaftler_innen, sondern auch für Personen, die in der Praxis tiergestützter Dienstleistungen tätig sind, können Grundkenntnisse über wissenschaftliches Arbeiten und qualitative Sozialforschung hilfreiche Instrumente im Arbeitsalltag sein. So kann bei Dienstleister_innen das Einnehmen einer distanzierten wissenschaftlichen Perspektive dem besseren Verständnis der Patient_innen und der eigenen Arbeitsweise dienen. Dies gilt insbesondere für das Arbeiten mit der qualitativen Methode der teilnehmenden Beobachtung.

Ziel des wissenschaftlichen Arbeitens ist es, objektiv ermittelte und hergeleitete Erkenntnisse zu einem Phänomen zu erarbeiten, für das es bislang noch keine hinreichende Erklärung gibt. Die Darstellung dieser Ergebnisse erfolgt in einer analytischen Schriftform, deren Argumentation sich von der Alltagsschreibweise unterscheidet. Gelernt wird somit, sich einem Gegenstand (das kann z.B. die Praxis der tiergestützten Arbeit sein) aus einer distanzierteren und objektiveren Sicht heraus zu nähern, als das in einer Alltagssituation üblich wäre. Dies ist insbesondere dann hilfreich, wenn es sich bei dem Gegenstand um Themen handelt, die durch die eigene Arbeit berührt und somit meist aus einer subjektiven Betroffenenperspektive erlebt werden. Eine distanziertere wissenschaftliche Perspektive kann an dieser Stelle helfen, aus der eigenen Rolle eines direkt Beteiligten herauszuschlüpfen, gewissermaßen neben sich zu treten, und Aspekte der eigenen Arbeit als außenstehende Person zu beobachten und zu reflektieren.

Von besonderer Bedeutung können hier die qualitative Sozialforschung und insbesondere die teilnehmende Beobachtung sein. Sie ermöglichen eine objektive Beobachtung von Situationen und Sachverhalten sowie deren anschließende Interpretation, die unabhängig von gängigem Alltagswissen erfolgen sollte und an den protokollierten Beobachtungen orientiert ist. Beobachtet werden können dabei nicht nur zwischenmenschliche Interaktionen, sondern auch Interaktionen zwischen Mensch und Tier.

1 Was bedeutet wissenschaftliches Arbeiten?

„[S]ich seine eigenen Gedanken machen“ (Sesink 2007, S. 8) und die Aufforderung, Fragen zu stellen (z.B. Narr 2006, S. 22) werden in Ratgebern zum wissenschaftlichen Arbeiten als wichtige Grundlagen von Forschungsarbeiten genannt. Alles beginnt mit einer Forschungslücke, auf die Forscher_innen stoßen. In welchem Rahmen wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt werden, kann dabei ganz unterschiedlich sein. So kann eine wissenschaftliche Arbeit im Rahmen einer Hausarbeit, einer Abschlussarbeit im Studium, einer Dissertation, eines wissenschaftlichen Artikels etc. geschrieben werden. Unabhängig vom Format beginnt jedoch jede wissenschaftliche Arbeit mit einer Frage, die den Forschungsprozess leitet und im Verlauf der Arbeit beantwortet werden soll. Für diesen Prozess der wissenschaftlichen Arbeit gibt es einige Etappen, die alle Forscher_innen durchlaufen müssen sowie Aspekte, die zu beachten sind. Von wissenschaftlichem Arbeiten kann man gemäß Sesink (2007, S. 9, Herv. i. O.) dann sprechen, „wenn zum Beispiel eine Studentin in der Lage ist:

auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und des Standes der wissenschaftlichen Diskussion in ihrem Fachgebiet und

in Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Auffassungen anderer

sich ihre eigenen Gedanken zu machen und

diese Darstellung in einer für andere verständlichen Form darzustellen.“

Wie diese Punkte im Forschungsverlauf beachtet und eingehalten werden können, wird im Folgenden beschrieben. Geprägt ist die Darstellung von einer sozialwissenschaftlichen Perspektive und dem Forschungsprozess qualitativer Sozialforschung.

1.1 Forschungsfrage

Zu Beginn der Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit, ist der erste Schritt die Erarbeitung einer Forschungsfrage. Was soll durch die Forscher_innen untersucht werden? Die Forschungsfrage erwächst dem Interesse und der Neugier des_der Forscher_in, jedoch ist der Weg zu einer angemessenen Frage nicht immer einfach und kann ganz unterschiedlich verlaufen. So lässt sich beispielsweise eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur zu einem bestimmten Phänomen entdecken, die ausgearbeitet werden kann, oder Forscher_innen stoßen im Alltag, im Beruf oder beim Durcharbeiten empirischer (quantitativer oder qualitativer) Daten auf ein interessantes, bislang unerforschtes oder nur unzureichend erforschtes Phänomen.

Wichtig ist hierbei allerdings, dass zwar in der Praxis interessante Phänomene entdeckt werden können, die Impulse für wissenschaftliche Untersuchungen sein können, eine anschließende Untersuchung jedoch wissenschaftlich fundiert sein muss. Den Unterschied zwischen Alltagswissen und Wissenschaft beschreiben Karmasin und Ribing (2011, S. 79): „Während sich Alltagswissen auf erlebte und tradierte Routinen des Alltagslebens stützt, hat Wissenschaft den Anspruch, Erkenntnisse systematisch und methodisch hervorzubringen, die objektiv (…) formuliert, widerspruchsfrei und überprüfbar sind.“

Beispielhaft sind folgende Formulierungen für Forschungsfragen im Sektor tiergestützter Dienstleistungsarbeit denkbar: Auf welchen Ebenen (emotional, physisch etc.) kann therapeutisches Reiten auf die Patient_innen wirken? In welcher Weise kann therapeutisches Reiten auf die Patient_innen wirken? Welchen Einfluss hat das Verhalten von Therapeut_innen auf den Therapieverlauf?

Zu beachten ist, dass sich in einem Forschungsprozess, der mit qualitativen Methoden der Sozialforschung arbeitet, die zuvor formulierten Fragestellungen im Laufe des Forschungsprozesses noch einmal wandeln bzw. konkretisieren können. Häufig sind Fragestellungen zu Beginn einer Auseinandersetzung mit einem Thema noch recht breit und werden mit zunehmendem Wissen konkreter. Es kann zudem sein, dass im Forschungsverlauf Erkenntnisse hinzukommen, die die eigentliche Frage noch einmal in eine etwas andere Richtung lenken. Forschungsfragen sind somit flexibel und können im Forschungsverlauf angepasst werden, bzw. sich zuspitzen. Gemäß dem Prinzip der Offenheit sollten Fragestellungen sogar flexibel bleiben, um neuen Erkenntnissen gerecht zu werden (vgl. Flick 2010, S. 133).

Auch wenn die Forschungsfrage auf dem Interesse von Forscher_innen beruht, gibt es Faktoren, die bei der Erarbeitung der Forschungsfrage berücksichtigt werden sollten:

Eine Forschungsfrage sollte eine Forschungslücke bedienen. Sie muss also eine Frage beantworten, die in der bisherigen Literatur noch nicht untersucht wurde.

Die Forschungsfrage muss in ihrem Umfang an die Form der Publikation, die erstellt werden soll, angepasst sein. So wäre für eine Hausarbeit im Studium die Forschungsfrage „Wie wirkt sich die Globalisierung auf die einzelstaatlichen Schulsysteme aus?“ zu umfangreich, eine Eingrenzung ist notwendig.

Die Beantwortung der Forschungsfrage muss mit den verfügbaren Mitteln durchführbar sein. Wenn für eine Hausarbeit im Studium beispielsweise die Beobachtung südafrikanischer Therapieformen notwendig wäre, muss die Fragestellung angepasst werden, dass sie ohne eine größere Reise durchführbar ist. Dies ändert sich jedoch, wenn man z.B. aus Südafrika stammt und seine Verwandtschaft besuchen möchte.

1.2 Literaturrecherche

Parallel zu der Entwicklung der Forschungsfrage beginnt eine wissenschaftliche Arbeit mit der Literaturrecherche. Insbesondere bei der Beschäftigung mit einem Thema zu dem Forscher_innen über geringe eigene Vorkenntnisse verfügen, ist die Literaturrecherche notwendig. Sie dient der Formulierung einer Forschungsfrage, da Forscher_innen erst im Rechercheprozess die eigenen Interessen und aktuelle Forschungslücken erkennen.

Auch bei vorhandenen Vorkenntnissen ist die Literaturrecherche wichtig. Sie hilft zu ermitteln, welche Erkenntnisse zu einem Forschungsbereich existieren und möglicherweise in der letzten Zeit neu publiziert wurden. Zudem erkennen Forscher_innen welche aktuelle internationale Literatur relevant ist. Die Recherche wissenschaftlicher Literatur ist somit ein wichtiger Aspekt wissenschaftlicher Arbeit.

Ein großer Wert muss hierbei auf die Qualität der verwendeten Literatur gelegt werden. „Alltagsliteratur“ wie beispielsweise der Brockhaus oder Beiträge aus dem Internet (z.B. aus Wikipedia) sind als Quellen für eine wissenschaftliche Arbeit nicht geeignet (vgl. z.B. Kornmeier 2011, S. 73 f.).

Stattdessen sollte wissenschaftliche Literatur recherchiert werden, die eine Vielzahl unterschiedlicher Publikationsformen aufweisen kann. Zu den gängigsten Formen gehören u.a.:

Monografien: Monografien bezeichnen Fachbücher, die als durchgehendes Buch von einem_einer oder mehreren Autor_innen geschrieben wurden.

Sammelbände: Wissenschaftliche Sammelbände unterscheiden sich von Sammelbänden aus dem Alltag (wie z.B. der Brockhaus). Als Sammelband wird in der Wissenschaft eine buchförmige Publikation bezeichnet, die von einer oder mehreren Personen zu einem bestimmten Thema konzipiert wurde, jedoch Artikel unterschiedlicher Autor_innen zu dem Thema des Sammelbandes umfasst.

Fachzeitschriften: Es handelt sich hierbei um meist vier- bis fünfmal jährlich erscheinende Zeitschriften, die häufig ein Review-Verfahren aufweisen. D.h. dass alle eingereichten Artikel von Fachleuten auf deren wissenschaftlichen Gehalt geprüft wurden und anschließend über deren Annahme entschieden wurde.

Lexika: Die Verwendung von Lexikonbeiträgen ist in der wissenschaftlichen Arbeit durchaus möglich, jedoch werden hier andere Lexika als im Alltagsgebrauch verwendet. Wissenschaftliche Lexikonartikel zeichnen sich dadurch aus, dass jeder Beitrag durch eine_n oder mehrere Autor_innen gekennzeichnet ist, sodass der Beitrag eindeutig einer_einem Verfasser_in zuzuordnen ist und zitiert werden kann.

Bei der Verwendung solcher wissenschaftlicher Literatur unterscheidet man zudem in Primär- und Sekundärliteratur.

Verfasst man beispielsweise eine wissenschaftliche Arbeit, die zentrale theoretische Konzepte des Soziologen Pierre Bourdieu verwendet, stellen dessen Publikationen die Primärliteratur dar. Zudem finden sich in der Literaturrecherche zahlreiche Autoren, die Bücher über Pierre Bourdieu und dessen Theorien verfasst haben. Hierbei handelt es sich um Sekundärliteratur. Zu beachten ist bei der Verwendung von Sekundärliteratur, worauf u.a. auch Sesink (2007, S. 31) hinweist, dass in einer wissenschaftlichen Arbeit niemals ausschließlich mit Sekundärliteratur gearbeitet werden sollte.

Im Verlauf einer umfassenden Literaturrecherche stoßen Forschende auf vielfältige Quellen, die jeweils unterschiedliche Aspekte des interessierenden Forschungsgegenstandes beleuchten können. Hierbei werden sie meist jedoch auf keine Quelle stoßen, die für sämtliche Aspekte der eigenen Arbeit relevant ist. Dies ist auch gut so, da es in den meisten Fällen bedeuten würde, dass die eigene Forschungsfrage bereits untersucht wurde und somit keine Forschungslücke bedient. Wissenschaftliche Quellen können in unterschiedlicher Art und Weise für die eigene Arbeit relevant sein. So lassen sich u.a. folgende Inhalte von Quellen finden:

Literatur zum Kontext des Forschungsgegenstandes

Theoretische Grundlagen zur Forschungsfrage

Empirische Forschungsergebnisse zu Teilaspekten der eigenen Forschungsfrage

Literatur zu den verwendeten Erhebungs- und Auswertungsmethoden (bei empirischen Arbeiten)

Mit diesem Vorwissen kann die Recherche begonnen werden. Tipps zum Vorgehen bei der Literaturrecherche gibt beispielsweise Kornmeier (2011, S. 80 ff.), der drei zentrale Strategien unterscheidet, die für die Suche auf unterschiedliche Art und Weise hilfreich sind:

Methode der konzentrischen Kreise (oder auch rückwärts gerichtete Suche): Beginnend mit einigen wenigen Grundlagenwerken zu der eigenen Forschungsfrage durchsuchen Forscher_innen deren Literaturverzeichnisse nach weiterer passender Literatur, deren Verzeichnisse ebenfalls wieder durchsucht werden. Vorteil dieser Methode ist es, in relativ kurzer Zeit einen guten Überblick über die wichtigsten Quellen zu erhalten. Jedoch wird nicht zitierte Literatur nicht gefunden, sodass man Gefahr läuft, bestimmte „Denkströme“ oder Nachbardisziplinen auszuschließen. Zudem kann nur Literatur gefunden werden, die älter als die jeweiligen Beiträge ist.

Systematische Suche: Sie bezeichnet das Durchsuchen von wissenschaftlichen Zeitschriften und Literaturdatenbanken, indem Zeitschriften der letzten fünf bis zehn Jahrgänge nach passenden Artikeln und verschiedene Literaturdatenbanken nach hilfreichen Quellen durchsucht werden.

Vorwärts gerichtete Suche: Wie bei der rückwärtsgerichteten Suche suchen die Forscher_innen zunächst einen oder mehrere geeignete Artikel; anschließend suchen sie jedoch nach Autoren, die später mit dem jeweiligen Artikel gearbeitet haben, sodass auch Artikel gefunden werden können, die später erschienen sind.

1.3 Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit

Nach der Wahl des Themas und einer Forschungsfrage sowie einer ersten Literaturrecherche müssen sich Forschende überlegen, wie sie die gewählte Forschungsfrage beantworten möchten (soll es beispielsweise eine theoretische oder eine empirische Arbeit werden) und wie die Arbeit inhaltlich aufgebaut sein soll. Unabhängig davon, ob es eine theoretische oder empirische Arbeit wird, gliedert sich eine wissenschaftliche Arbeit in Einleitung, Hauptteil und Schluss. Sollte es sich um eine empirische Arbeit handeln (führt man also eine eigene quantitative oder qualitative Studie durch) unterteilt sich der Hauptteil der Arbeit zudem klassischerweise in einen theoretischen und einen empirischen Teil.

Eine Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die durchaus das Interesse der Leser wecken darf. Auch wenn eine Arbeit den Ansprüchen wissenschaftlicher Argumentation (die im folgenden Kapitel beschrieben werden) genügen muss, dürfen und sollten Sie als Autor_in bei den Leser_innen Interesse für ihr Thema wecken (vgl. z.B. Franck 2006, S. 142 ff.). Der Einstieg in eine Arbeit ist somit wichtig, jedoch nicht immer leicht zu finden. Franck (2006, S. 146 f., Herv. i. O.) empfiehlt beispielhaft auf folgende Wege seine Einleitungen zu beginnen:

„• mit einer (provozierenden) Behauptung (…)

mit Fragen (…)

mit einem Erfahrungsbericht, der zum Thema führt (…)

mit einer Beschreibung, die zum Problem führt (…)

mit einem treffenden Zitat“.

Ferner umfasst eine gute Einleitung gemäß Karmasin und Ribing (2011, S. 27, Herv. i. O.) folgende Aspekte:

„• 1. Relevanz (warum ist das Thema überhaupt wichtig?)

2. Forschungsfrage (welche Frage[n] will die Arbeit beantworten?)

3. Vorgangsweise (wie gehe ich beim Bearbeiten und Beantworten der Frage[n] vor?)

4. Sinnstiftung (für welchen Zweck sollen die Ergebnisse verwendet werden?)“.

Hierbei wird deutlich, dass für das Formulieren der Einleitung der Großteil der Vorgehensweise, also der Hauptteil der Arbeit, bereits bekannt sein muss, damit sie kohärent (inhaltlich logisch zusammenhängend) dargestellt werden kann. Zudem sollte im Schluss der Arbeit auf die in der Einleitung aufgeworfenen Fragen eingegangen werden. Empfehlenswert kann es daher sein, die Einleitung, gemeinsam mit dem Schluss, zum Ende des Arbeitsprozesses zu schreiben. Am arbeitsintensivsten ist der Hauptteil der Arbeit, dessen Aufgabe es ist, die in der Einleitung umrissenen Problemstellung und hergeleiteten Forschungsfrage zu beantworten. Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich der Hauptteil einer Arbeit danach, ob eine theoretische oder empirische Arbeit geschrieben wird.

In beiden Fällen ist es wichtig, zunächst den aktuellen Stand der Forschung darzustellen. Man arbeitet heraus, welche Erkenntnisse es zu dem eigenen Forschungsgegenstand bereits gibt. Das können sowohl Theorien sein, die dazu bereits entwickelt wurden, als auch empirische Forschungsergebnisse, die einzelne Aspekte des eigenen Forschungsgegenstandes untersucht haben. Wichtig ist hierbei nicht nur aufzuzeigen, was bereits erforscht wurde, sondern auch, wozu es noch keine Literatur gibt. Innerhalb dieses Forschungsstandes arbeiten Forscher_innen die Forschungslücken heraus und verorten so das eigene Thema in der Forschungslandschaft.

Bei einer empirischen Arbeit, die beispielsweise mit teilnehmenden Beobachtungen arbeitet, muss ein zusätzlicher empirischer Teil folgen, in dem aufgeschrieben wird, mit welchen Methoden gearbeitet wurde, wie die Untersuchung durchgeführt wurde und was dabei herausgekommen ist. Im Hauptteil der Arbeit werden ausführlich die Ergebnisse der Studie protokolliert, kritisch beleuchtet und diskutiert. Wichtig ist hierbei einem roten Faden zu folgen, d.h. die Ergebnisse sollten einen für die Leserschaft erkennbaren Bezug zur Forschungsfrage haben. Zudem sollte auch die Gliederung zum Stand der Forschung, der Methodenbeschreibung sowie der Ergebnisdarstellung in sich schlüssig sein.

Nachdem der Hauptteil die Forschungsfrage ausführlich bearbeitet hat, gilt es im Schluss die Arbeit noch einmal zu reflektieren und einen runden Abschluss zu finden. Kornmeier (2011, S. 154, Herv. i. O.) empfiehlt, sich folgende Fragen zu stellen:

„• Wie lassen sich die wesentlichen Aussagen meiner Arbeit auf einen Nenner bringen?

• Welche Fragen konnte ich in meiner Arbeit beantworten? Welche konnte ich nicht beantworten?

• Welche Schwächen (!) hat meine Arbeit?

• Welche Bedeutung wird das von mir bearbeitete Thema in Zukunft haben?

• Welche Fragen/Probleme, die sich im Zusammenhang mit meinem Thema ergeben, werden meines Erachtens künftig an Bedeutung gewinnen?

• Welche Verbesserungsvorschläge unterbreite ich jenen, die sich in Zukunft mit meinem oder einem ähnlichen Thema beschäftigen?“

1.4 Wissenschaftlich Argumentieren

Nach einiger Zeit des Recherchierens, Konzipierens und Notierens von Ideen und Erkenntnissen ist es soweit: Es können erste Abschnitte verschriftlicht werden. Zu beachten ist hierbei, dass sich Fachtexte, die im wissenschaftlichen Kontext geschrieben werden, in einigen Punkten deutlich von anderen Textarten, wie z.B. journalistischen Texten, unterscheiden.

Karmasin und Ribing (2011, S. 95 ff.) führen einige wichtige Eigenschaften wissenschaftlicher Argumentation auf, die sich von Argumentationen in Textarten die der Meinungsbeeinflussung dienen, bzw. rhetorischer Argumentation unterscheiden. Hierzu zählt unter anderem:

Vermeidung von Polemik und häufigen Wiederholungen eines Argumentes:

Polemik (unsachliche, überspitzte, oft feindselige Argumentation) und häufige Wiederholungen sollen vermieden werden, da „eine Aussage durch Wiederholung nicht richtiger“ (a.a.O., S. 95) wird. Wichtig ist vielmehr, präzise zu argumentieren.

Verständliche und glaubwürdige Argumentation, ohne manipulative Elemente:

Es sollen z.B. keine „(…) Erfahrungen oder Erwartungen des Gesprächspartners bewusst mit einbezogen werden. Dies mit dem Ziel, (…) eine Meinungsänderung herbeizuführen“ (ebd.). Der Text soll kein „Verkaufsgespräch“ (ebd.) darstellen. Trotzdem soll er für die Leserschaft verständlich sein.

Einhalten einer konsistenten Argumentationskette:

Es ist wichtig, dass vom Beginn der Arbeit und der Forschungsfrage, bis zu deren Beantwortung, alle Argumente in einer logischen Reihenfolge aneinandergeknüpft werden (vgl. a.a.O., S. 96), sodass deren Relevanz für die Fragestellung, der Bezug der Argumente untereinander und deren Funktion im Text erkennbar ist.

Belegen von Aussagen (Entweder durch „Berufung auf eine Autorität“ (ebd.) in Form eines Zitates oder in Form eigener wissenschaftlicher Untersuchungen):

In einer wissenschaftlichen Arbeit können nicht einfach Behauptungen aufgestellt werden. Das Belegen von Aussagen fremder Autor_innen (z.B. im Stand der Forschung) erfolgt, indem deren Erkenntnisse zitiert werden. Eigene Aussagen müssen ebenfalls belegt werden, z.B. durch eigene empirische Ergebnisse, die die Argumentation stützen (vgl. ebd.).

Sichtbarmachung eigener Wertannahmen:

Autor_innen müssen es sprachlich im Text deutlich machen, wenn es sich bei einer Aussage im Text um eigene Wertannahmen handelt (vgl. ebd.).

Einbezug von Argumentationen und Forschungsergebnissen, die der eigenen Argumentation widersprechen:

Gegenargumente gehören zum Stand der Forschung und es gilt, sich ihnen gegenüber zu verhalten. “Dann werden Pro und Kontra einer Argumentation bzw. einer Aussage abgewogen und diskutiert“ (a.a.O., S. 97).

Vermeidung von Trugschlüssen:

Im Arbeitsprozess kann es passieren, dass etwas als richtig angenommen wird, weil es der Meinung der Mehrheit entspricht oder es wird bei dem Abwägen zweier Alternativen eine dritte übersehen (vgl. a.a.O., S. 96). Solche Fehler gilt es zu vermeiden.

Gegenstand wissenschaftlicher Argumentation ist es somit, den Leser_innen die unterschiedlichen (z.T. auch gegenläufigen) Argumente und Positionen zu der eigenen Forschungsfrage objektiv darzustellen und anschließend, anhand einer nachvollziehbaren Argumentation, seine eigene Deutung zu entwickeln, die als solche erkennbar sein muss. Die Leser_innen sollen dabei durch keine polemischen Mittel von der eigenen Position überzeugt werden, sondern durch eine konsistente und logische Argumentationskette. Hinsichtlich des sprachlichen Stils weist Boeglin (2007, S. 148 f.) darauf hin, den Text klar, inhaltlich logisch zusammenhängend, genau und mit einem kritischen Blick zu verfassen. So müssen z.B. Fachbegriffe sinnvoll und richtig verwendet werden und der Text für den Leser nachvollziehbar formuliert sein.

Auch wenn viele Fachtexte noch in einer komplexen Sprache verfasst sind, sollte man sich darin üben, den eigenen Text in einer möglichst verständlichen Sprache zu verfassen, was jedoch die Verwendung von Fachwörtern nicht ausschließt, sondern eher deren Einbindung in den Text betrifft.

1.5 Zitieren

Wie im oberen Abschnitt zur wissenschaftlichen Argumentation beschrieben, ist es notwendig, dass die Aussagen und Ergebnisse fremder Autor_innen, die in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit verwendet werden, immer kenntlich gemacht werden. Häufig gibt es Unsicherheiten, wie exakt zitiert werden muss.

Es gibt jedoch einige wenige Fälle in denen nicht zitiert werden muss. Gemäß Franck (2007, S. 296) gehört hierzu:

„• was Teil der Allgemeinbildung ist;

• was in der Psychologie, der Betriebswirtschaft oder einer anderen Wissenschaftsdisziplin als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann;

• was in Lexika steht: wann Adorno geboren wurde, wann Freud starb, wieviel Einwohner Belgien hat und wann Rom gegründet wurde (es sei denn, über das Gründungsjahr einer Stadt oder Institution gibt es eine Kontroverse)

• was trivial ist: Alle Menschen müssen sterben“

Zitieren Autor_innen in einer Arbeit Gedanken oder Ergebnisse fremder Autor_innen, gibt es zwei gängige Varianten diese in den eigenen Text einzuarbeiten. Hier wird zwischen direktem und indirektem Zitat unterschieden.

Direktes Zitat: Übernimmt ein_e Autor_in eine Textpassage von fremden Autor_innen wortwörtlich, wird von einem direkten Zitat gesprochen. Dieses muss immer in Anführungszeichen gesetzt werden. Anschließend folgt in einer Klammer die Quellenangabe (inkl. Seitenzahl). Beispiel:

„Die Verwendung von wissenschaftlichen Quellen wie Literatur und Empirie ist wesentliches Merkmal der Qualität der eigenen Argumentation“ (Karmasin/Ribing 2011, S. 98).

Indirektes Zitat: Bei einem indirekten Zitat wird das fremde Gedankengut von Autor_innen nicht wortwörtlich, aber sinngemäß wiedergegeben. Auch in diesem Fall ist es notwendig, den entsprechenden Textabschnitt mit einer Quellenangabe zu versehen.

Beispiel:

Wichtiges Merkmal guter wissenschaftlicher Argumentation ist die Verwendung wissenschaftlicher Quellen in Form von Literatur oder empirischen Daten (vgl. Karmasin/Ribing 2011, S. 98).

Wird im Text zweimal hintereinander dieselbe Quelle mit gleicher Seitenangabe verwendet, kann der Autor_innenname, das Erscheinungsjahr und die Seitenangabe bei der zweiten Quellenangabe durch (ebd.) ersetzt werden. Umfasst ein Zitat zwei Seiten, wird die Seitenzahl um ein f. ergänzt (z.B.: Autor_in 2011, S. 98 f.) Wird auf einen längeren Abschnitt verwiesen, der mehr als zwei Seiten umfassen kann, ergänzt man die Seitenzahl um ff. (z.B.: Autor_in 2011, S. 98 ff.). Sind im zitierten Text Hervorhebungen wie fettgedruckte Wörter enthalten, wird dies in der Zitation durch ein Herv. i. O. kenntlich gemacht.

Sämtliche im Text zitierten Quellen werden am Ende der Arbeit ausführlich in einem Literaturverzeichnis aufgelistet. Dieses ist alphabetisch sortiert, bei Mehrfachnennungen eines Autors werden dessen Publikationen nach Erscheinungsjahr sortiert.

Beispiel:

Karmasin, M. & Ribing, R. (2011). Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen. Wien: facultas. wuv.

Hinsichtlich der Form der Quellenangabe gibt es unterschiedliche sog. Zitationsstile. Je nach Fachdisziplin und Herkunftsland der Publikation haben sich unterschiedliche Formen der Zitation durchgesetzt. Die wichtigste Unterscheidung die sich hier treffen lässt, ist jene zwischen der deutschen und amerikanischen Zitierweise (auch Harvard-Zitierweise genannt). Bei der deutschen Zitierweise erfolgen die Quellenangaben als Fußnote, während sie bei der amerikanischen Zitierweise in Kurzform in einer Klammer direkt im Text stehen. In diesem Artikel wurde beispielsweise eine amerikanische Zitierweise verwendet.

Starke Unterschiede gibt es jedoch hinsichtlich der Zitierstile der amerikanischen Zitierweise. So folgt im Literaturverzeichnis nach der Jahresangabe in manchen Formen ein Punkt, in anderen ein Doppelpunkt. Je nach Fachgebiet, mitunter sogar je nach Zeitschrift, variieren diese Zitierstile. Aus diesem Grund sollte man, je nach Form der wissenschaftlichen Arbeit, den_die Betreuer_in fragen, bzw. bei den jeweiligen Verlagen nachsehen, welcher Zitierstil gefordert ist.

2 Was ist qualitative Sozialforschung?

Die empirische Sozialforschung untergliedert sich in zwei Formen, die sich sowohl hinsichtlich der Art der zu erhebenden Daten, als auch in ihren Vorannahmen, ihrer Durchführung und Auswertung unterscheiden: die qualitative und quantitative ...

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