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Grüner wird’s nicht

Über die Autorin

Kay Sexton entdeckte schon als Zweijährige beim Graben mit einem Esslöffel im Garten ihrer Eltern ihre Leidenschaft fürs Gärtnern. Es dauerte jedoch vier Jahrzehnte, in denen sie als Vorsitzende für umwelt-politische Organisationen um die Welt reiste, bevor sie sich ihren Traum vom eigenen Schrebergarten erfüllen konnte. Heute schreibt sie für zahlreiche Zeitschriften und lebt mit ihrem Mann in England.

Kay Sexton

Grüner wird’s nicht

Mein wunderbares Leben
als Schrebergärtnerin

Aus dem Englischen von
Britta Evert

Inhalt

SCHMETTERLING
  1. Eine kurze Vorbemerkung
  2. Mein Plan, mein Platz
  3. Es gibt keinen guten Tag, um einen Schrebergarten zu bekommen
  4. Kleine Naturgeschichte des Schrebergärtners
  5. Winterzwänge
  6. Wie macht sich mein Gärtchen?
  7. Geheimnisse des Melonenanbaus
  8. Frühlingspläne
  9. Für Feinschmecker
  10. Überangebot und Alleingang
  11. Für Süßschnäbel
  12. Sommerferien
  13. Wie viele Bohnen ergeben fünf?
  14. Kleines Gemüse
  15. Wo Mist ist …
  16. Wenn du pflanzt, kommen sie
  17. Herbstfreuden
  18. Besuch eines Inspektors
  19. Wie man Inspektionen übersteht und Kleingartenfunktionäre beeindruckt
  20. Wer es herb mag …
  21. Wann habt ihr euren Vater zum letzten Mal gesehen?
  22. Tröstliches Essen
  23. Ende und Neubeginn

Eine kurze Vorbemerkung

SCHMETTERLING

Als ich zwei Jahre alt war, fing ich an, mit einem Suppenlöffel in unserem Garten zu buddeln. Als wir ein Jahr später umzogen, hätte man in dem Loch, das ich ausgehoben hatte, bequem einen relativ großen Swimmingpool unterbringen können. Es war mein erster, aber bei Weitem nicht letzter Buddel-Marathon. Als Teenager und in den Zwanzigern bereiste ich die ganze Welt und arbeitete in allen möglichen Jobs, alle glamourös, viele faszinierend, aber keiner von so langer Dauer, als dass er mir erlaubt hätte, irgendwo Wurzeln zu schlagen. Ich beobachtete, wie meine Eltern einen Garten nach dem anderen anlegten, und hatte vor, dasselbe zu tun, aber irgendwie war ich nach einem Jahr schon wieder auf Achse. Meine bessere Hälfte hatte schon immer gegärtnert, und als wir heirateten und er meinen unsteten Lebensstil übernahm, gelang es ihm, wo wir auch wohnten, Platz für ein paar Tomaten oder Kräuter zu finden. Und für Zimmerpflanzen … Zimmerpflanzen hatten wir jede Menge.

Irgendwann ließen wir uns in England nieder. Ich hörte auf, glamouröse Jobs anzunehmen und machte einen Beruf daraus, die Welt zu retten. Das bedeutete, noch längere Arbeitszeiten und noch mehr Reisen zu Symposien in Kauf zu nehmen, wo ernsthaft über den drohenden Zusammenbruch von praktisch allem diskutiert wurde, vom Grundwasserspiegel bis zur Erdatmosphäre. Ich nahm überall in England an Kongressen und Tagungen teil, um mich für den Teil des Planeten einzusetzen, den ich gerade zu retten versuchte, und starrte auf der Heimfahrt durch das Zugfenster auf die Gärten anderer Leute. Wann immer ich konnte, bot ich mich als freiwillige Hilfskraft bei Gartenarbeiten an und sehnte mich dabei die ganze Zeit nach einem eigenen Stück Grund und Boden.

Als ich dreißig war, hatte ich ein Kleinkind im Schlepptau und eine geregelte Arbeit: die Leitung einer Ideenfabrik zur Untersuchung globaler Probleme. Wir bezogen in einem Vorort ein Haus mit Garten, den ich mit all der Leidenschaft, die sich in drei Jahrzehnten ohne gärtnerisches Betätigungsfeld angestaut hatte, bepflanzte. Mein Mann, der von jeher einen grünen Daumen hatte, entwickelte sein Talent als Gartengestalter, und gemeinsam schufen wir eine grüne Oase, die durchaus mit Gärten wetteifern konnte, wie man sie im Rahmen wohltätiger Spendenaktionen gegen Eintritt besichtigen darf. Tatsächlich leitete ich nach zehn Jahren eine gemeinnützige Einrichtung zum Pflanzen von Bäumen und machte sogar einmal im Jahr meinen Garten der Öffentlichkeit zugänglich, um Spenden zu sammeln. Aber irgendetwas fehlte …

Die Gartenarbeit war zu einer Art Wettkampf und noch dazu teuer geworden; sie kostete uns nicht nur Geld, sondern auch das bisschen Zeit, das uns Beruf und Familie ließen. Die Freude war dahin; unsere grüne Oase war zu einem zusätzlichen Raum geworden, der ständiger Reinigung und Betreuung, Erhaltung und Pflege bedurfte. In ein paar Ecken wuchsen noch einige Kräuter, aber eher der dekorativen Wirkung wegen. Ich konnte es nicht ertragen, mehr als ein paar Zentimeter Erde dem eintönigen Anbau von Gemüse zu opfern, und ich hatte absolut nicht mehr die Zeit oder den Enthusiasmus, in den Schrebergärten anderer Leute zu arbeiten.

Mit vierzig arbeitete ich als Schriftstellerin zu Hause, und mein Sohn brauchte kaum noch elterliche Aufsicht. Als mich ein Kunde bat, einen Artikel über Kleingärten zu schreiben, betrat ich zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Schrebergartenkolonie … und fühlte mich, als hätte ich den Suppenlöffel aus meiner Kindheit wiederbekommen!

Es dauerte Jahre, bis wir unseren eigenen Schrebergarten bekamen. Manchmal waren wir kurz davor, aufzugeben, aber wir durften die Mitglieder unserer örtlichen Schrebergartenkolonie kennenlernen und wurden von ihnen eingeladen, in ihren Gärten mit Hand anzulegen, und das alles machte das Warten nicht nur erträglich, sondern äußerst vergnüglich. Mein Buch ist all diesen Leuten gewidmet und handelt von ihnen, auch wenn Namen und Orte verändert wurden, um diejenigen zu schützen, die ebenso freigebig mit ihren Gartenprodukten waren, wie sie Stoff für Anekdoten lieferten. Ich habe dieses Buch aber auch für meinen Mann geschrieben, der all meine gärtnerischen Exzesse gelassen hinnimmt und mir hilft, meine grünen Träume zu verwirklichen. Und für meine Eltern, die mir den Suppenlöffel gegeben haben …

Es gibt keinen guten Tag, um einen Schrebergarten zu bekommen

SCHMETTERLING

Was ich damit meine? Ganz einfach: Egal, zu welcher Jahreszeit man einen Schrebergarten angeboten bekommt, der Zeitpunkt ist immer schlecht gewählt. Übernimmt man die Parzelle im Frühling, wuchert das Unkraut schneller, als man es jäten kann, und jedes Mal, wenn man kommt, ist unter dem Meer von Winden, Quecken und dornigen Ranken noch ein bisschen weniger vom eigentlichen Garten zu erkennen, während man auf den anderen Grundstücken gepflegte Reihen von Frühkartoffeln, zarte Erbsen und breite Bohnen, proper und robust wie Montessori-Kinder, zu sehen bekommt – und die mitleidigen Mienen der Nachbarn, die immer kritischer werden, je öfter man – vergeblich – versucht, des ständigen Unkrautproblems Herr zu werden.

Im Herbst hingegen stellt man fest, dass bei jedem Besuch eine neue herbe Wahrheit zutage tritt, die der Sommer gnädig verborgen hatte. Der hübsche Plattenweg entpuppt sich bei Regen als unsichere, schlüpfrige Fußfalle. Das Schuppendach ist undicht, und ständig scheint ein Rinnsal die Wand hinunterzulaufen, sodass die nach oben strebenden feuchten Flecken des Bodenbereichs der von oben kommenden Nässe genau dort begegnen, wo sich das Türschloss befindet. Was zur Folge hat, dass sich die ständig verzogene Tür beim Kommen nicht öffnen und beim Gehen nicht schließen lässt.

Bekommt man den Garten im Sommer, wiegt man sich gern in einem Gefühl trügerischer Sicherheit, und statt fast alles auszureißen oder zu beschneiden wie geplant, faulenzt man, erntet mehrjährige Pflanzen, die vom Vorgänger angebaut wurden, und fühlt sich in Einklang mit der Welt. Doch dann kommt der Herbst und mit ihm ein Mitglied des Kleingartenvorstands, um streng darauf hinzuweisen, dass der Garten nicht ordnungsgemäß instand gehalten wird und dass man noch einen Monat Zeit hat, um all das zu erledigen, was in den vergangenen drei Monaten hätte passieren sollen. Natürlich gibt es in manchen Anlagen keine Aufsichtsorgane, und man kann seinen Garten brachliegen lassen und sich in der Sonne aalen, aber immer mehr Kleingärtner und ihre Gärten werden von gewissenhaften Aufsehern und eifrigen Anwärtern auf eine Parzelle inspiziert, die jeden ins Visier nehmen, der den hohen gärtnerischen Ansprüchen nicht genügt.

Und im Winter … nun ja, ein Kleingarten in den Monaten der Pflanzruhe ist ein bisschen wie ein Zombie-Film – der Garten ist tot, niemand ist in der Nähe, um einem Ratschläge zu geben, und auf dem ansonsten kahlen Grundstück finden sich verdächtige Gewächse, bei denen es sich um Pflanzen, Unkraut oder die knotigen Finger eines extrem gruseligen, aber schlecht verbuddelten Leichnams handeln könnte. Diese Skelettfinger entpuppen sich wahrscheinlich irgendwann als Rhabarber; in diesem Fall gräbt man die nächsten fünf Jahre Rhabarberpflänzchen aus und wünscht sich, es wäre tatsächlich eine Leiche gewesen, weil einem dann die Kriminaltechniker das Graben abgenommen hätten.

Ist man an diesem Tiefpunkt seiner Karriere als Schrebergartenpächter angelangt, tauchen unheimliche Gestalten in der Anlage auf. Stumm und stoisch kommen sie in ihren grünen Gummistiefeln angetrottet, bis man sich fragt, ob man tatsächlich in einen Gruselfilm geraten ist. In Wirklichkeit nehmen alle Kleingärtner mit Freifahrtscheinen für Senioren denselben Bus, vor allem an Sonntagen: Es ist das Kontingent der über Sechzigjährigen, das hier en masse anrollt. Davon erzählt dem Neuling niemand etwas. In Büchern und Fernsehsendungen wird auch nie die tiefe Melancholie erwähnt, die einen von Zeit zu Zeit befällt, wenn man das Unkraut, die Schädlinge und die kläglichen Ernten betrachtet, oder die Tagträume, in denen man manchmal daran denkt, einfach aufzugeben und das Wochenende mit einem Packen DVDs auf der Couch zu verbringen und keinen Grund zu haben, bei Wind und Wetter rauszugehen und den Boden umzustechen oder Unkraut zu jäten.

Nirgendwo ist davon die Rede, dass eine Beziehung mit Obst und Gemüse genauso schwierig ist wie eine Ehe und genauso anfällig für Verzweiflungsattacken, selbst wenn sich die Mühe irgendwann lohnt. Und nie sind es die mühsam um Erfolg ringenden Kleingärtner, die sich bei der Radiosendung Gardeners’ Question Time zu Wort melden, sodass man leicht das Gefühl bekommen kann, der einzige Versager auf diesem Gebiet zu sein.

Und deshalb geben viele Leute auf, was wirklich schade ist, weil der Lohn im Allgemeinen gar nicht lange auf sich warten lässt: Die ersten Ernten kommen zum Tragen und munden köstlich; die mürrischen Typen, die einen bislang ignorierten, grüßen auf einmal freundlich; ein anderer Kleingärtner beglückwünscht einen zu seiner Arbeit – auf einmal hat man das Gefühl, dazuzugehören und seine Sache gut zu machen. Den Einstieg zu bewältigen, kann eine Weile dauern, aber es ist toll, wenn man sich endlich in seinem Garten heimisch fühlt.

Zu einem erfolgreichen Einstieg gehören zwei Dinge, die gleichzeitig passieren müssen: Zum einen muss man zeigen, dass man sich anständig um den Garten kümmert, zum anderen, dass man sich Zeit zum Beobachten und Lernen nimmt, um in Zukunft die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ersteres läuft am Anfang am besten nach der Devise »Tu so, als ob, bis es was wird«, während Letzteres bedeutet, dass man in allen Ecken des Gartens herumstöbert und herauszufinden versucht, was der Vorgänger eigentlich mit dem Bidet wollte, das neben dem Haus liegt, oder ob die Himbeersträucher zurückgestutzt werden können, bevor man sich bei der Ernte der Früchte an tausend Stacheln zu Tode pikst.

Das So-tun-als-ob kann am schnellsten zum Erfolg führen, vor allem bei einem vernachlässigten Garten. Aber aufgepasst! Man kann mit Trimmer und Rotorhacke arbeiten und den Anschein erwecken, einen perfekten Boden zu haben, aber die Erde wird trotzdem unter all den Mangelerscheinungen leiden, die sich während der Zeit der Vernachlässigung nun mal eingeschlichen haben. Was dazu führt, dass die Pflanzen, die mit so großen Erwartungen gesetzt wurden, vermutlich verkümmern, verderben, von Schädlingen vertilgt oder von Unkraut überwuchert werden. Man verliert den Mut und trauert wie eine Ophelia im Overall oder ein Hamlet mit der Hacke.

Als ich in meinem ersten Schrebergarten mit der Arbeit anfing, war der Boden getrimmt und vertikutiert. Die Erde sah aus wie der Plastikacker meines Spielzeugbauernhofs, den ich mit vier Jahren heiß geliebt hatte: Jede winzige Plastikfurche enthielt eine Reihe von Löchern, in die ich Kohlköpfe und Karotten aus Plastik oder runde, gemüseartige Teile stecken konnte, die wahlweise Miniaturkürbisse oder gigantische Stachelbeeren darstellen konnten. In meinem Optimismus stellte ich es mir in meinem Schrebergarten ähnlich vor: Loch in den Boden bohren, Samen hineinfallen lassen, und los geht’s! Ich würde mit perfekt geformten, wunderbar gleichmäßigen, leuchtenden Kohlköpfen, Karotten und prallem Mutantengemüse wie dem auf meinem Spielzeugbauernhof belohnt werden. Ich glaube, im Unterbewusstsein war ich außerdem überzeugt, dass es ein Beweis für eine gewisse Reife war, einen Kleingarten zu bekommen, und dass sich mit dem Einbringen meiner Superernte auch das Wissen auf mich herabsenken würde, um was es sich dabei handelte und wie man es verarbeiten könnte, als hätte eine gute Fee ihren Zauberstab geschwenkt und mich auch auf kulinarischem Gebiet erwachsen werden lassen.

Was ich im ersten Jahr tatsächlich bekam, waren fünf Sommerkohlköpfe, von denen zwei so stark von Raupen zerfressen waren, dass nur die Rippen blieben, null Karotten und ein grotesk geformter Kürbis, der am Blütenende zu faulen begann, bevor er richtig ausgewachsen war. Er konnte mit Fug und Recht als Mutant bezeichnet werden, aber nicht auf die Art, die ich erhofft hatte.

Im Jahr zwei schummelte ich. Das heißt, mein duldsamer Ehemann legte Hochbeete für mich an, Vertiefungen mit Holzeinfassungen, die circa fünfzehn Zentimeter aus der Erde ragten. Ich befreite diese Beete von Unkraut und füllte sie mit einer Mischung aus Kompost, Dünger und Humus, in die ich Karotten und eine Kürbispflanze setzte. Abgesehen von der räumlichen Nähe bestand keine echte Beziehung zwischen den meisten Pflanzen, die ich anbaute, und dem Boden, auf dem ich sie angeblich zog. Kohl baute ich direkt an, aber unter Vlies. Diesmal erntete ich Unmengen Kürbisse, alle meine Kohlköpfe – und null Karotten.

Im Jahr drei legte ich zum Schutz gegen Möhrenfliegen um ein Hochbeet einen fünfzehn Zentimeter dicken »Schutzwall« aus Vlies an und erntete, obwohl ich zweimal am Tag Karottentorte auftischte, mehr Karotten, als wir essen konnten, und dazu eine Unmenge an Kürbissen … und nur die Hälfte der Kohlköpfe, die ich gepflanzt hatte, weil die Schnecken entdeckt hatten, wie man unter das Vlies kam.

Im Jahr vier stellte ich fest, dass sämtliche Hochbeete den falschen Standort hatten. Außerdem lagen sie zu dicht beieinander und brauchten eine andere Form und Größe.

Die Hochbeete waren eine Lösung, aber nicht die beste. Tatsächlich hätte ich in diesen ersten Jahren wohl alle möglichen Behälter benutzen sollen: alte Eimer, beschädigte Blumentöpfe, vielleicht ein, zwei Tröge … alles mobile Container, die ich hätte umstellen können, um meine Pflanzen je nach Witterung, Sonne und Schatten, Wind und Regen zu platzieren, das heißt, einem Muster zu folgen, das sich erst im Wechsel der Jahreszeiten abzeichnete. Abgesehen von der Produktivität hätte ich mit den Containern auch Mobilität gewonnen – ich hätte mein eigenes Obst und Gemüse angebaut, ohne mich oder meine Pflanzen zu zwingen, irgendwo dauerhaft Wurzeln zu schlagen.

Containerpflanzen

Wenn man vor allem auf schnelle, problemlose Ernten Wert legt, ist die einfachste Lösung, verschiedene Container zu borgen, zu schnorren oder irgendwie zu improvisieren. Auf diese Weise kann man schon sechs Monate nach Übernahme der Parzelle Obst und Gemüse ernten, ohne erst einmal den Boden zu beackern, bis Rücken und Bankkonto streiken.

Bei der Art der Container sind dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt: Ich kenne einen Kleingärtner, der seinen Knoblauch in einer alten Dachbox fürs Auto zieht, mit aufgeklappten Deckeln und Bohrlöchern im Boden! Ich habe in einer gesprungenen Porzellanduschtasse, die ich im örtlichen Baumarkt für ein Pfund bekam, Brunnenkresse angepflanzt. Aber achten Sie darauf, die Satzungen Ihres Kleingartenvereins zu studieren – einige sind heikler als andere, wenn es darum geht, was im Garten stehen darf. So sind zum Beispiel in fast allen Anlagen Autoreifen verboten, weil sie biologisch nicht abbaubar und giftig sind.

Was man anpflanzen kann, hängt von der Tiefe des Containers ab. Achten Sie darauf, oben einige Zentimeter Luft zu lassen, um anständig gießen zu können und zu berücksichtigen, dass gerade Hackfrüchte »arbeiten« und den Boden rund um ihre Spitzen verschieben und deshalb die Gefahr besteht, dass sie aus der Erde ragen. Besser lässt man nach oben etwas Platz, damit man sie eventuell mit mehr Kompost oder Erde bedecken kann.

  • In zehn Zentimeter tiefe Erde: Salat, Senfkohl (Pak Choi), Radieschen, Schnittlauch, Winterzwiebeln, Basilikum, Koriander und Majoran
  • In fünfzehn Zentimeter tiefer Erde: Buschbohnen, Knoblauch, Kohlrabi, kleinere Zwiebelsorten und Schalotten, grüne Erbsen, Minze (am besten in einem eigenen Container, weil sie stark wuchert), Bohnenkraut, Thymian und Brunnenkresse
  • In dreißig Zentimeter tiefer Erde kann man schon richtig loslegen: Auberginen, Rote Bete, Stangenbohnen und Kohl, Karotten, Mangold, Peperoni, Zucchini, Gurken (wenn möglich lieber unter einer Abdeckung), Chicorée, Fenchel, Porree, Paprika, Zuckermais, Tomaten und Steckrüben – alles wird wachsen und gedeihen. In Containern von dieser Tiefe lassen sich sogar mehrjährige Früchte pflanzen. Sie haben die Wahl unter Melonen (die allerdings bestimmter Voraussetzungen bedürfen), schwarzen, roten und weißen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren (sie brauchen Stützstäbe), Rhabarber, Blaubeeren (möglicherweise wird Ihre Vorliebe für diese Früchte nicht erwidert; Blaubeeren können sehr witterungsempfindlich sein) und Erdbeeren. In dieser Tiefe können auch aufwändigere Kräuter gezogen werden: Lorbeer, Borretsch, Dill, Fenchel, Zitronenmelisse, Liebstöckel, Petersilie (keine Ahnung, warum Petersilie einen so tiefen Pflanztopf braucht, aber in flacheren Gefäßen gedeiht sie nicht), Rosmarin, Salbei und Estragon.
  • Obst- und Gemüsesorten, die man nicht in Containern ziehen kann – es sei denn, man hätte einen grünen Daumen der Superlative –, sind: Spargel, Saubohnen, Stangen- bzw. Knollensellerie, Pastinaken, Kartoffeln (in speziellen Kisten geht es problemlos, aber nicht unbedingt in Wannen oder Kübeln), Obstbäume und Weinreben, Brombeeren, Loganbeeren und Taybeeren.

Containeranbau ist eine Form von Mogelei, keine Frage, weil man dabei nichts über den Grund und Boden lernt, den man bearbeiten soll. Aber es verschafft einem Zeit, Erfahrungen zu sammeln, zu überlegen und zu planen. Und wenn man sich auf eine langfristige Beziehung zu seinem Garten einlassen will, ist es besser, Erfahrungen zu sammeln, zu überlegen und zu planen, bevor man sich auf kostspielige Investitionen einlässt, die sich später vielleicht nur schwer rückgängig machen lassen.

Der andere große Vorteil von Containerpflanzen besteht darin, dass man in seinem ersten Jahr als Schrebergärtner die äußeren Bedingungen besser kontrollieren kann. Mag sein, dass man mehr gießen muss, aber wenigstens ist die Fruchtbarkeit des Bodens gewährleistet, und auch wenn man sich vielleicht mit Schnecken, Blattläusen und Schmetterlingen herumschlagen muss, bleiben einem zumindest die hinterhältigen Überraschungsangriffe bodenbürtiger Monster wie Fadenwürmer und Breitmaulrüsselkäfer und die Große Kielnacktschnecke erspart, die durch ein Beet eine Spur der Verwüstung zieht wie Attila der Hunne durch ein schlafendes Dorf.

Ich kann mich noch an den Tag erinnern, an dem wir unser erstes selbst gezogenes Gemüse aßen. Als der Besitzer des Koh-i-Noor-Diamanten seiner Geliebten als Zeichen seiner Wertschätzung dieses Kleinod überreichte, hätte er nicht stolzer sein können, als ich es war, als ich meiner besseren Hälfte einen gewaschenen Bund Radieschen reichte.

Er beäugte ihn misstrauisch. »Was ist das?«

»Radieschen.«

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