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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Prolog
Gelsenkirchen, Veltins-Arena 2018: „Fast“-Gegenwart

Kapitel eins
Ein Schwein und ein Mann ohne Geschichte sind das Gleiche (Irisches Sprichwort)

Kapitel zwei
You canʼt arrest me, Iʼm a rock star (Sid Vicious)

Kapitel drei
Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen (Johann Wolfgang von Goethe)

Kapitel vier
Denn das Ka ist ein Rad, und solange es nicht zerbrochen ist, wird es sich immer weiterdrehen (Stephen King)

Kapitel fünf
Übergang

Kapitel sechs
Oi! Oi! Skinhead – Get your hair cut! (The Last Resort)

Kapitel sieben
Alles ändert sich (Ovid)

Kapitel acht
Du musst schnell leben, der Tod kommt früh (James Dean)

Kapitel neun
Für Wunder muss man beten, für Veränderungen arbeiten (Thomas von Aquin)

Bilderstrecke

Kapitel zehn
Erfolg ist die beste Rache (Michael Douglas)

Kapitel elf
Ewiger Sonnenschein schafft eine Wüste (Arabisches Sprichwort)

Kapitel zwölf
Manche Sendungen sind an sich schon Bildstörungen (Peter E. Schumacher)

Kapitel dreizehn
Mich regiert die Sonne, dich der Schatten (Lateinisches Sprichwort)

Kapitel vierzehn
Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende (Woody Allen)

Kapitel fünfzehn
In einer Familie, die nicht nur aus Mumien besteht, gehören Konflikte dazu (Reinhard Mey)

Kapitel sechzehn
Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Franz Kafka)

Kapitel siebzehn
Wenn ein Mann sich nicht auf seine Chance vorbereitet hat, macht sie ihn nur lächerlich (Pablo Picasso)

Kapitel achtzehn
Oft trifft man sein Schicksal auf Wegen, die man eingeschlagen hatte, um ihm zu entgehen (Jean de La Fontaine)

Danksagungen

Die Autoren

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Vorwort

Tja, hier liegt sie nun vor, meine Biografie.

Ein Leben wird betrachtet, die Stationen werden recherchiert und inspiziert, dann niedergeschrieben. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mit so einem Projekt selbst mal beschäftigen „müsste“. Ich lese gern und viel – auch Biografien –, aber eine über mich? Ist es wirklich schon an der Zeit? Gibt es genug zu erzählen?

Am Anfang war ich skeptisch.

Als Musiker lebe ich immer ein Stück weit in der Zukunft. Das ist eine Berufskrankheit. Über viele Jahrzehnte gab es nur den Drang, besser zu werden, das nächste „beste Album“ aufzunehmen, den nächsten „Hammer-Song“ zu schreiben, die nächste Tour zu spielen. Viele Gefühle in Musik zu verwandeln. Immer das Beste zu geben und nie zu versagen.

Man sagt, ein Hit-Album oder einen Hit-Song zu schreiben, könne (fast) jeder. Das Glück, einen Hit zu landen, haben allerdings nicht viele.

Und noch weniger schaffen es, über so einen langen Zeitraum mit jedem Album noch einen draufzusetzen, sich immer wieder neu zu erfinden. Das meine ich ohne jede Arroganz, weil ich selbst erlebt habe, wie schwer es ist: Das gelingt wirklich nur wenigen.

Ich weiß, die Geschmäcker sind verschieden, und nicht alles, was ich gut finde, finden andere auch gut. Jeder hat andere Vorlieben. Bei den Onkelz war und ist genau DIES ein ewiges Ringen, und da bringt es nichts, ein Hardliner zu sein (auch wenn ich oft genug einer war): Du musst vielmehr immer offen für die Ideen der anderen und für deren Herangehensweise sein.

Bei meinen Solo-Aktivitäten lief das anders. Hier hatte ich immer das letzte Wort – auch wenn so manch diplomatisch begabter Mit-Musiker mich dann doch des Öfteren auch von seiner Meinung überzeugen konnte. Nun ja, die Details gibt es im vorliegenden Buch. Ich traue es mich immer noch kaum zu sagen: meiner Biografie.

Es ist viel passiert in den Jahrzehnten, seit ich als 13-Jähriger, Mitte der 1970er Jahre, zur Gitarre griff und mir in den Kopf setzte, das Instrument zu beherrschen. Und zwar sofort und auf der Stelle! Ich habe mir die Finger wund geübt, alte Röhrenradios zu Gitarrenverstärkern umgebaut, im Keller meines Elternhauses aus alten Möbeln Lautsprecherboxen gezimmert und meine Freunde und Klassenkameraden mit meinem Enthusiasmus angesteckt.

Heute weiß ich, dass das Lernen niemals aufhören wird. Ich freue mich über jede Note, die mir über das Hirn und die Finger aus dem kosmischen Resonanzfeld zufließt. Feeling und Passion sind das Allerwichtigste – und das Besondere. Im Leben wie in der Musik.

Ich hatte das riesige Glück, in meinem Leben einigen außergewöhnlichen und liebenswerten Menschen zu begegnen. Es ist unglaublich, wie lange ich schon mit meinen drei Freunden bei den Onkelz zusammen Musik mache. Ich habe sie doch tatsächlich noch vor der größten Liebe meines Lebens, meiner Frau Verena, kennengelernt.

Während unserer gemeinsamen Karriere wurden unsere Kinder geboren (ich meine die aller Onkelz), sie wuchsen auf, brachten die Schulzeit hinter sich und sind jetzt erwachsene Menschen mit ihren eigenen Zielen.

Die Zeit vergeht.

Ich habe auf unserer Reise durch die Jahrzehnte immer wieder neue Bekanntschaften gemacht. Die meisten sind irgendwann wieder aus meinem Blickfeld verschwunden, andere sind geblieben – Menschen, die noch heute unsere Weggefährten sind.

Geblieben ist aber vor allem eins: meine Familie.

Durch sie habe ich in all den Jahren immer wieder Kraft getankt, so viel geschenkt bekommen. Wir sind gemeinsam durch schöne und schwierige Zeiten gegangen. Immer mit der Gewissheit, dass wir uns selbst haben, egal was kommt.

Mein größter Dank und meine ganze Liebe gilt meiner Frau Verena und meinen Söhnen Vincent und Melvin. Ihr wisst, dies ist nicht nur mein Buch, sondern auch Eures.

Und dann, natürlich, meine zweite Familie: Stephan, Kevin und Pe. Dass mein Leben wie in diesem Buch beschrieben verlief, ist ganz klar auch Eure Schuld! Und ich danke Euch dafür.

Nun, jeden einzeln aufzuzählen, der mir etwas bedeutet, würde den Rahmen hier sprengen, besonders erwähnen möchte ich aber noch einen meiner Jugendfreunde, mit dem ich angefangen habe, in Bands zu spielen: Norbert Nebenführ. Seine Eltern haben uns in den frühen 1970er Jahren den Start ermöglicht und unsere ersten musikalischen Gehversuche ertragen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie ließen uns im Keller ihres Einfamilienhauses proben. Leise waren wir damals schon nicht.

Danke an Dennis Diel und Marco Matthes, die über hundert Stunden Skype-­Interviews mit mir geführt und sehr gewissenhaft, stoisch und sachlich alle wichtigen Details aus meinem Leben zusammengetragen haben.

Danke an meinen Bruder Martin und seine Frau Anna, Sonja und Bobby Rüppel, Olli und Ossy Hoppe, Filz Erman, Norbert Nebenführ und Candy Back, die einen großen Beitrag zum Buch geleistet haben.

Genauso an alle anderen, die ihren Teil beigetragen haben und so freundlich waren, ihre Geschichten mit Euch zu teilen.

Danke an meine Mit-Musiker in meinen Solo-Bands, mit denen ich so viele schöne Zeiten erlebt habe: Ferdy Doernberg, Mike Mandel, Alex Wenn, Michael Ehré, Stephan Weiler, Glaucio Ayala, Marcelo Linhares, Charlie Huhn, Armando Marçao und Cesinha und an Otto DʼAgnolo, Michael Mainx und Mario Burkhard.

Danke an Gertrud Erman für Deine Liebe und Gebete.

So, und jetzt muss ich los, denn ich habe schon wieder eine Gitarre in der Hand. Die Zukunft ruft.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen. Wir sehen uns bestimmt irgendwann irgendwo da draußen.

Dublin, im August 2019

Matthias „Gonzo“ Röhr

Prolog: Gelsenkirchen, Veltins-Arena 2018: „Fast“-Gegenwart

Blendendes, grelles Scheinwerferlicht. Es ist heiß, und es scheint von oben herab. Unerbittlich. Gnadenlos. Es gibt kein Entkommen vor dieser Helligkeit. Man kann sich nicht verstecken. Bewegungen werden gescannt und eingefangen. Jede einzelne.

Während dieser wenigen Augenblicke, kurz vor dem Song, der gleich durch die ersten Töne der Telecaster gestartet wird, fühlt es sich für Matthias „Gonzo“ Röhr so an, als wären 60.000 Augenpaare nur auf ihn gerichtet. Wahrscheinlich ist es auch so. Ein unbeschreibliches Gefühl, auch wenn er eben, als ich diese Zeilen bei ihm daheim in Dublin verfasse (die Sonne geht gerade auf, vor mir steht ein heißer, dampfender Becher frischer Kaffee, und ich bin guter Dinge, dass es ein guter irischer Tag wird), ein bisschen in sich hineingrinsen muss, denn genau das tue ich ja hier: Ich versuche, das Unmögliche zu beschreiben. Dem Moment Ausdruck und Prägnanz zu verleihen, auch wenn man eigentlich an seiner Stelle gewesen sein muss, um die Emotionen nachvollziehen zu können, die während des Anfangs von „Auf gute Freunde“ in ihm losgetreten wurden …

Es gibt keine Person, die an diesem Abend in der Veltins-Arena auf Schalke steht und nicht schon bei den allerersten Tönen weiß, welcher Track als Nächstes kommt. Zu einprägsam sind bereits die ersten Akkorde. Es braucht nur wenige Anschläge seines Plektrums – und schon taucht die dank zweier unglaublich krasser vorangegangener Stunden ohnehin schwer euphorisierte Masse vor ihm in eine einzige Freudenwelle ab.

„Auf gute Freunde“!

Gibt es einen Song seiner Karriere, der stellvertretend besser beschreiben könnte, was der heutige Status quo der Onkelz ist? Ich glaube, nein. Dieses Lied, 1996 geschrieben und auf dem Album E.I.N.S. im selben Jahr veröffentlicht, hat sich zu einem todsicheren Hit entwickelt und auch viel mit dem Autor dieser Zeilen zu tun.

Matthias erinnert sich noch gut und gern an die vielen Jahre vor der Trennung, dem Split von Deutschlands kontrovers diskutierter erfolgreichster Rockband. Schon damals rasteten ihre Fans aus, sobald Stephan Weidner den Track ankündigte. Aber erst seit der Reunion fühlt Matthias noch mehr, wenn er ihn spielt und den Refrain, zusammen mit uns, so laut mitsingt, dass er danach getrost auf den kläglichen Rest an Stimme, der ihm noch bleibt, verzichten kann. Heimlich, aber ganz bestimmt nicht still und leise, hat sich „Auf gute Freunde“ in den Jahren 2005 bis 2017 zu einem Megahit entwickelt, den selbst Onkelz-Unkundige mitsingen und abfeiern, wann und wo auch immer er gespielt wird. Nachts um drei in einer ganz mutigen Disco, auf einem Rockfest, in einer Kneipe, einem Pub, einer Strandbar. Mit fünfzig Leuten, betrunken oder nüchtern, oder mit zigtausend Gleichgesinnten auf dem legendären Hockenheimring. Scheißegal.

Sogar auf den Balearen soll der Song zu den ganz großen Hits während der Saison zählen.

So oder so hat sich das Lied einen der vordersten Plätze in den ewig langen Ranglisten der Lieblingslieder der Fans gesichert.

Diese vielen unterschiedlichen Menschen. Sie alle liegen sich in den Armen, feiern zusammen. Oder sie tanzen und pogen miteinander. Aggressionen? Fehlanzeige. Wer hier, nach dieser Abfahrt, noch Lust verspürt, anderen auf die Fresse zu hauen, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Der ist bei den Böhsen Onkelz an der falschen Adresse.

Dopamin wird freigesetzt. Und das in rauen Mengen. Wo wären diese Menschen heute alle, gäbe es die Böhsen Onkelz nicht? Und wo wäre ich?

Heute 37 Jahre alt, habe ich diese Band vor über 23 Jahren für mich entdeckt. Als Teenager. Als linker Querdenker, dessen musikalische Sozialisation Die Toten Hosen, Die Ärzte und, Achtung, PUR übernommen hatten. Und immer wieder stand ich vor dem CD-Regal mit dem „O“ im Laden meines lokalen Plattendealers in Kamp-Lintfort. Und dort sah ich jedes Mal vier Menschen auf dem Cover der Heilige Lieder, die nach allem aussahen, aber ganz sicher nicht nach Nazis. Dennoch, ich durfte die Onkelz nicht gut finden. Das gehörte sich nicht. Die Bands aus Düsseldorf und Berlin pflanzten ein Bild der Abscheu in mein Gehirn; aber dieses Coverfoto … Es ließ mich nicht los.

An anderen Tagen las ich mir nur die Tracklistings auf den Rückseiten der Alben durch, und meine Neugier wuchs. Von Tag zu Tag.

Irgendwann im ausgehenden Jahr 1996 kaufte ich mir die E.I.N.S. Zu diesem Zeitpunkt war ich vierzehn Jahre jung, und vierzehn ist ein mächtiges Alter. Eines der Jahre, die Eltern vermutlich gern schnell wieder vergessen würden. Und als ich daheim die CD einlegte, der Bass und die Gitarre von „Danket dem Herrn“ einsetzten, spürte ich diese ungeheure Kraft. Aber erst mit Kevins ersten Worten, mit: „Danket dem Herrn, euer Elend geht zu Ende. Das Warten ist vorbei, jetzt wackeln die Wände“, verliebte ich mich, ohne Scheiß, vom Fleck weg. Und so wie mir geht es vermutlich Tausenden anderen Fans.

Vielleicht ja auch Dir?

Aber wo waren wir?

Beim Scheinwerferlicht. Schweiß rinnt an Matthiasʼ Stirn herunter. Das Konzert läuft, und er ist jetzt ganz und gar in seinem Element. Erde, Wasser, Feuer, Luft – und die Energie einer Onkelz-Show. Die Kulisse ist unvergleichlich. Und das, obwohl die Onkelz schon so viel gesehen haben. Der Ruhrpott, meine Heimat, kann es einfach!

2018 hatte, neben einem großen Festival in Leipzig, zwei gigantische Shows in zwei wunderschönen Stadien zu bieten. Frankfurt – Matthiasʼ Heimat. Gelsenkirchen, stellvertretend für das Ruhrgebiet – meine Heimat.

Die letzten Minuten einer jeden Show gehören zwar uns allen, die dort vereint, singend und tanzend, das Leben zelebrieren, aber sie fühlen sich für Matthias „Gonzo“ Röhr anders an als die vorherigen. Intimer.

Als wäre der Architekt der Zeit vorbeigeflogen. Als hätte dieser Typ gegrüßt und schelmisch gelacht, um dann von seiner Zeitmaschine abzusteigen und ganz kurz an den Reglern der Realität und Relativität zu schrauben. So lange, bis das große, eigentlich stabile Kartenhaus, das unser Gehirn als die Gegenwart identifiziert, fragmentiert ist. Nur, um dann einfach wieder abzuhauen.

Matthias schließt die Augen. Er öffnet sie wieder. „Auf gute Freunde“ ist vorbei und damit schon Vergangenheit, obwohl die Zukunft gerade noch vor uns lag.

Nichts ist relativer als die Zeit auf einem Onkelz-Konzert. Am Ende dauerte der Song gerade mal einen gefühlten Wimpernschlag lang. Und das ganze fast dreistündige Spektakel dieses Abends verflog mit der Geschwindigkeit eines Warp-Antriebs.

Das, was ihn am meisten beindruckt, ist die Symbiose, deren Zustandekommen bei jeder Show gelingen will, die die Böhsen Onkelz spielen. Und im Kern dieser symbiotischen Vereinigung pulsiert mit tausendfachem Herzschlag das Leben von unzähligen Menschen.

So viele Seelen. So viele einzelne Schicksale, Beweggründe und Abzweigungen, die jeden Einzelnen von uns zu der Person gemacht haben, die er heute ist. Dich und mich und uns. Ein Konglomerat aus Gutem und Schlechtem. Aus Ausgehaltenem und Durchgemachtem. Aus Freude, Liebe, Hass, Wut, Leidenschaft und Energie. Herumgeschleppt in unseren Körpern, verwurzelt im Herzen, verankert in den Seelen.

„Was wir sind, sind wir zusammen.“

Wie oft gab es diese dummen, selbstverliebten Schlaumeier, die der Band – und damit auch uns – sagen wollten, wie wir sein sollten. Pausenlos scheppern die Stimmen derjenigen aus den Boxen des Lebens, die uns den Weg in ein völlig individuell gestaltetes Leben mit eigenen Gedanken und einem eigenen Wertesystem verwehren wollen.

Benimm dich! Pass dich an! Abitur? Haben wir heute im Angebot. Gern auch schon nach zwölf Jahren. Lerne etwas Ordentliches! Wähle die richtige Partei! Guck Fernsehen, und – ach, wo du schon mal da bist – bitte auch die Werbung. Und schau mal hier: Es gibt neue Angebote im Media Markt. Eine „0 Prozent Finanzierung“ des neuesten Smartphones! Probleme? Ach, du hast gar keine Ausbildung, keinen Schulabschluss, keine Arbeit? Hier, ein neues Auto, gern zu einem niedrigen Zinssatz, darf es aber schon sein, oder? Und wenn du zu fett bist, mach ich dich krasser. Und wenn du hässlich bist, mach ich dich sexy. Und dann klappt es – mit ein bisschen Hungern und zum Leidwesen deiner Gesundheit – vielleicht auch mit Heidi Klums Suche nach dem nächsten Topmodel. Oder Bohlens Suche nach dem nächsten Superstar. Das könntest alles du sein!

Ehrlich, ich empfinde aufrichtiges Beileid für die Menschen, die sich derart vom System, von der Industrie und ihren arschleckenden, anzugtragenden Helfern verdummen lassen. Und ich hoffe, nein, eigentlich weiß ich, dass der Spirit der Onkelz genau den Kontrapunkt im Leben der Fans gesetzt hat, den sie benötigten, um sich von all den Zwängen, Konformitäten und Absurditäten loslösen zu können.

Entscheidend ist, dass du nicht vorhast, dumm und angepasst zu bleiben. Dumme Menschen werden irgendwann im Laufe ihres langen, vor Selbstmitleid, Schuldzuweisungen und Kummer armen Lebens dumme Dinge tun. Auch das ist ein Gesetz.

Matthias „Gonzo“ Röhr, das wird das Buch zeigen, konnte nicht immer seine eigene innere Stimme gegen die Dummheit erheben. Auch er musste lernen, lieben, leiden, leben. Aber das, was er an Erfahrungen im Laufe seiner 57 Jahre machen konnte, hat ihn empathischer und intelligenter werden lassen. Und gab ihm irgendwann Macht über die Dummheit.

Bei beiden Bands, zu denen er gehört, gibt es zwei Stimmen, die doch irgendwie eine sind. Keine parteipolitische Stimme, nein, eher eine mit gesellschaftlichem Gewicht. Die Stimme, die den Teufeln, die sich auf deine breiten Schultern gesetzt haben, auf die kleinen roten Finger haut. Die das Gegengewicht zu den Einflüsterungen ist, die wir jeden Tag ertragen müssen. Von oben und unten. Von rechts und links. Die Onkelz sind für viele Menschen diese Stimme. Für mich ebenso.

Schlagen wir der schizophrenen Gesellschaft ins Gesicht, und bekämpfen wir sie mit dem Mittel, das schon vor Hunderten von Jahren ganze Länder und Kontinente umgekrempelt hat: mit der Kunst. Und im Fall der Onkelz und der Matt „Gonzo“ Roehr Band mit der Musik. Du hast dich, per Definition und Selbstverständnis beider Bands, dazu entschieden, ein Teil des großen Ganzen zu sein. Herzlich willkommen. Nichts wird dir das jemals wegnehmen können.

Es gehört zu dir. Und damit gehören auch die Musiker zu dir – und du zu ihnen. Und daraus resultiert ebenfalls ein ganz wichtiger Punkt, den ich so unglaublich finde. Nimmt man das große, fette Onkelz-Monster und legt es unter ein Mikroskop, dann wird klar, was ich meine. Seziert man das Biest und schaut sich dessen Bestandteile an, versteht man das, was Unwissende und Oberschlaue nur gedanken- und planlos als „Phänomen“ abhandeln.

Unter der Lupe wird klar, dass sich Fans und Band zwar nicht kennen, aber durch die von den Onkelz gewählte Sprache, deren Texte und Kompositionen, zu Vertrauten werden. Zu Seelenverwandten. Deren Sprache wird zu unserer Sprache. Und damit zur Sprache gegen die Dummheit. Gegen das Anpassen aus Bequemlichkeit. Der ausgetreckte Mittelfinger, tief im Rektum der verblendeten Wohlstandsgesellschaft und aller Mitläufer, die viel zu faul und feige sind, um etwas an ihrem Leben zu ändern.

Sollen sie doch weiterhin den Massenmedien folgen, sich von zahnlosen Göttern und eierlosen Politikern instrumentalisieren lassen, sich wie Zombies in Romeros Dawn of the Dead im nächsten Apple-Store um das nächste iPhone streiten. Wir wissen es besser. Denn wir reden mit einer Zunge und leben mit dem Herzen, hängen genau jenes höher als den Verstand. Die Ratio bleibt ausgeschaltet, solange der Bauch und das Herz entscheiden. Das ist auch das, was Matthias und Stephan beim Schreiben von „Wo auch immer wir stehen“ gefühlt haben müssen.

Matthias, Stephan, Kevin und Pe vertreten bis heute ein Wertesystem, das es jedem Einzelnen möglich macht, seine Fesseln abzulegen, seine Ketten zu sprengen und frei zu leben. Vor allem angstfrei. Sie öffnen eine Tür, die man durchschreiten kann, wenn man will. Oder man lässt es. Es ist ein bisschen wie die Wahl zwischen der roten und blauen Pille in Matrix. Hörst du genau zu und gibst dich der Musik und den Kompositionen von Weidner/Röhr ganz hin, wirst du sehr tief in den Kanickelbau abtauchen können.

Dort hast du die Chance, eine Menge über dich und deine Umwelt zu erfahren. Fern von dem üblichen Pathos, das die Kritiker der Band seit vielen Jahren vorwerfen. Und fehlt dir der Zugang, bleibt dir immer noch der oberflächliche Spaß.

Viele von uns leben ein Leben, das größtenteils von unserem Bauch bestimmt wird. Knurrt der, wissen wir, dass wir handeln müssen. Da ist kein Plan, kein Ziel vor Augen. Mit uns und der Band ist nur das stete Gefühl verbunden, dass wir uns weiterbewegen müssen.

Es heißt, Stillstand sei der Tod jeder Kunst. Und niemand kann ernsthaft behaupten, dass sich auf einem Onkelz-Konzert nichts bewegt. Im Gegenteil. Durch meine eigenen Erlebnisse und durch viele Gespräche mit Freunden, anderen Musikern und Euch weiß ich, dass diese Shows ein überbordender Quell an Energie sind. In den großen, fetten Arenen genauso wie in den kleinen Clubs. Bei Euch daheim vor dem Fernseher, im Vereinsraum, wo auch immer.

Und natürlich gibt es auch Reibung. Innerhalb der Onkelz, außerhalb der Onkelz. Durch Reibung entsteht Wärme. Und es gibt niemanden, der auf einem Onkelz-Konzert friert …

Auch wenn nichts jemals ein Ende nimmt, weil wir auf einer bestimmten Ebene alle eins und miteinander verbunden sind, wie Pe einmal so schön sagte, möchte ich den jetzigen, bereits weiter oben angerissenen Status quo der Böhsen Onkelz nicht mehr missen. Die Band hat sich freigeschwommen, nachdem es ganz so aussah, als wäre sie ertrunken. Die Musiker haben wortwörtlich so viel gefeiert, gelitten und geliebt, dass auch Matthias das „Jetzt“ am liebsten konservieren würde.

So, wie die Band in den letzten fünfeinhalb Jahren zusammengehalten hat, kann es gern noch weitergehen. Matthias fühlt sich wohl. Sehr sogar. Musik bestimmte Zeit seines Lebens seinen Tagesablauf und hat ihn zu einem Menschen reifen lassen, der gewisse Ideale behalten und manche Prinzipien bewahren möchte.

Ideale, die auch bis heute gern missverstanden und falsch kolportiert werden. Was er ist, und wichtiger, was er nicht ist, haben er und die anderen Onkelz schon hundertfach erklärt. Diese Geschichte ist immer weitererzählt worden. So lange, bis davon nur noch Gemurmel übrig war. Und aus diesem Gemurmel wurde die Legende der Böhsen Onkelz.

In diesem Buch wird es aber nicht um Legendenbildung gehen. Ich schiebe den Nebel beiseite, er stört doch nur. Ich will, dass wir gemeinsam hinter den Vorhang von Matthiasʼ Leben gucken. Ein Leben, das nicht zuletzt auch das eines „böhsen Onkel“ ist.

Und trotzdem werden die nächsten Seiten kein Onkelz-Biografie-Ersatz oder die Fortführung einer solchen. Die Perspektive ist eine andere, aber das heißt nicht, dass es keine Überschneidungen geben wird.

Matthiasʼ Geschichte erzählt von Widerstand und Aufbegehren. Von einer Kindheit in Hessen, mitten in den Sechzigern, während der Bonner Republik. Sie erzählt von jugendlichem Leicht- und erwachsenem Wahnsinn. Von einer Liebe zur Musik und einem Bestreben, dieser durch sein Gitarrenspiel Ausdruck zu verleihen.

Matthias, Marco Matthes und ich zeichnen den Weg nach, den die Onkelz gemeinsam gegangen sind, und auch jenen, den er mit seiner Matt „Gonzo“ Roehr Band seit 2005 allein beschreitet. Und so vieles dazwischen. Liebe, Verlust. Familiäres.

Beginnen wollen wir bei einem Missverständnis, das dringend korrigiert werden muss. Ich will den dichten Nebel rund um die Entstehung seines Spitznamens durchschreiten, um dort, tief im Wust der Erinnerung, für Klarheit zu sorgen. Denn eigentlich war alles ganz anders, als bislang angenommen …

Gonzo“. Die Genese seines Künstlernamens ist, im Kosmos der Böhsen Onkelz und aus der Perspektive der Fans, eine dieser nebulösen Legenden. Und Legendenbildung bedeutet auch ein Stück weit immer das Herbeidichten von Informationen. „Smoke and mirrors“ nennen es die Amerikaner. Die eigentlichen Fakten werden durch das geschickte Hinzufügen von Dingen, die der Phantasie des Autors entspringen, ausgeschmückt. So poliert man auf.

Es funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Man hobelt ab. Möglich ist auch, eine Legende zu kreieren, indem man die Variante einer Geschichte für wahr erklärt, die größere Strahlkraft besitzt. Und so hat man sich landauf und landab die Version erzählt, Matthias „Gonzo“ Röhr verdanke seinen Künstlernamen Theodore Anthony „Ted“ Nugent. Falsch.

Zeit, die Wahrheit zu erzählen. Zeit, zurückzublicken und auszuholen. Rufen wir den Architekten der Zeit, steigen wir in seine Maschine, und reisen wir zuerst einmal in die ausklingenden Siebzigerjahre.

Zusammen.

Dennis Diel, im August 2019

Ein Schwein und
ein Mann ohne Geschichte
sind das Gleiche

(Irisches Sprichwort)

Die Sonne sank langsam über die grünbewachsenen Hügel Irlands. Es war ein Anblick, den ich, der noch nie zuvor in Dublin war, das erste Mal zu sehen bekam und der mich nachhaltig beeindruckte. Man kam sich vor wie in einer dieser modernen Fantasy-Serien. George R. R. Martin oder Tolkien, wenn es beliebt. Wanderte man auf einen Hügel (davon gab es dort zahlreiche) und die Sonne stand günstig, hatte man das Gefühl, man könne über das ganze Meer sehen. Unendliche Weite. Regnete es und hingen die Wolken wieder einmal grau, voller Wasser und so tief, dass man förmlich nur die Hand ausstrecken brauchte, um sie zu berühren, gaben sie der Szenerie einen beinahe phantastischen Anstrich. Mich wunderte es nicht, dass man Kindern dort gern von Feen und Kobolden, von wilden Kreaturen und allerlei Sonderbarem erzählte.

Dieses Land atmet. Es sind Geschichten von alten Frauen und alten Männern. Geschichten vom Saufen und Jagen. Vom Fressen und Gefressen werden. Weitererzählt – immer wieder – von Generation zu Generation. Pure Magie. Kein Harry-Potter-Hokuspokus. Keine Aleister-Crowley-Schwarzzauberei, sondern der Zauber der Wälder, der Hügel und der Wiesen und Weiden, auf denen Tiere und Menschen leben.

Man konnte einen ganzen Abend und eine halbe Nacht lang Bücher über die Mysterien und Geheimnisse Irlands wälzen, und wenn der neue Tag anbrach, hatte man das Gefühl, nur einen klitzekleinen Bruchteil der Wunder und Sagen dieses Landes entdeckt zu haben.

Man erzählt über Irlands Natur, dass sie Kranke heilen und Gesunde inspirieren könne. Sie versöhne einen Städter wieder mit seinen Wurzeln, erde die Menschen, die dort lebten, und hole einen erfolgsverwöhnten, ehrgeizigen Musiker auf den Boden der Tatsachen zurück.

Wie viele hippe Menschen schreiben noch im Jahr 2019 über die großen Themen der noch hipperen Gesellschaften, in denen sie sich verlustieren. In Berlin, Düsseldorf, Köln, München und anderen Metropolen hocken sie über ihren MacBooks und geben Tipps zur besseren Lebensgestaltung in Blogs und Netzwerken.

Entschleunigung. Zeitmanagement.

Wer sich in Dublin länger aufhält als einen Augenblick lang, der entschleunigt von allein. Der braucht keinerlei Experten, die einem dazu raten. Die einem zeigen, wie man sich ausruht.

Zeitmanagement spielte hier überhaupt keine Rolle, weil die Zeit vermutlich auf keinem Flecken der Erde weniger Bedeutung besaß als in Irland. Hier lebte jeder nach seiner eigenen Uhr. Kühe und Schafe weideten auf schier unendlich großen Wiesen, und irgendwo, ganz weit weg, hörte man Autos fahren. Allerdings nur dann, wenn man sich auf sie konzentrierte.

Mir schoss beim Anblick unseres Hotels, das den ganz wunderbaren Charme eines mittelalterlichen Schlosses besaß, unmittelbar durch den Kopf, dass wir uns an einem Ort befanden, an dem man sowohl das Leben in jungen Jahren genießen als auch sich ganz hervorragend im Alter zur Ruhe setzen konnte. Ich kannte ähnlich prächtige Bilder nur von meinem privaten Schottland-Urlaub, der aber zu diesem Zeitpunkt schon ganze einundzwanzig Jahre zurücklag. Hier war das Leben so leicht und schwerelos wie eine Feder im Wind.

Dublin bot im Spätsommer gemäßigtere Temperaturen als zu anderen Jahreszeiten. Die Schwere des industriellen, die Leichtigkeit des urbanen und die Zeitlosigkeit des maritimen Charakters der Stadt goutieren Touristen besonders gern im September und Oktober. Dann neigt sich die Hochsaison gerade ihrem Ende entgegen, die Pubs leeren sich, und die Chance, einen Mietwagen zu bekommen, ist weitaus größer als im Sommer.

Zu viert saßen wir auf einer großen, steinernen Terrasse bei Familie Röhr. Matthias und seine langjährige Frau Verena, liebevoll Vreni genannt, hatten eingeladen, und gemeinsam redeten wir über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Es duftete ganz vorzüglich nach gutem Essen. Der Geschmack eines süffigen Weins lag mir noch auf der Zunge. Es war der Abend unseres ersten Tages, und ich überlegte, wie das, was wir in den vielen zurückliegenden Stunden besprochen hatten, adäquat zu Papier gebracht werden könnte. Jedes der zahlreichen Gespräche zu diesem Buch galt es, gewissenhaft aufzuzeichnen. Die essentiellsten der unzähligen Informationen, Anekdoten und kleinen, aber feinen Erinnerungen wurden verarbeitet und ergeben das große Ganze.

Ich erinnere mich noch sehr gut an eines der ersten Gespräche, die wir mit Matthias führten. Natürlich ging es irgendwann auch um den Hintergrund seines Spitznamens, der ihn schon seine komplette Karriere über begleitet. Der an ihm hängt und immer mit ihm verbunden sein wird. Ob er will oder nicht.

Kein Matthias und auch kein Röhr ohne „Gonzo“. Nach ein paar Gläsern Rotwein und dem üppigen Essen Vrenis lockerte sich die Stimmung. Es brauchte immer ein paar Anläufe, um in einen Redefluss zu kommen, der ermöglichte, frei und ungezwungen zu erzählen. Und meistens funktionierte das besser, wenn man sich dabei sah. Wenn man Auge in Auge beieinandersaß. Der eine redete, die anderen hörten zu.

Es war schon spät. Müdigkeit hatte sich breitgemacht. Marco und ich waren, nach einer langen Wanderung, dem Besuch einer ganz außergewöhnlichen Kirche inmitten Dublins und vielen Anekdoten – eine besser als die andere –, müde. Dass Rotwein und herzhafte Speisen noch zur leichten Dösigkeit beitrugen, konnte ebenfalls nicht geleugnet werden. Es war dennoch nicht die Zeit, um schlafen zu gehen. Nicht nach Matthiasʼ Ansicht.

„Hier geht niemand ins Bett. Ich habe euch doch noch gar nicht erzählt, wie ich an meinen Spitznamen gekommen bin“, sagte er und lachte dabei. Es war die Sorte von Versprechen, bei dem man wusste, dass es da jemandem sehr wichtig war, was er mitteilen wollte. Ein schelmisches – „Ihr habt das Beste doch noch gar nicht gehört!“ Grinsen. Man erwartete von seinem Gegenüber, dass es die Ohren spitzte. Na gut, dachte ich mir, erschöpft und eher wenig gespannt, erzähl uns die Geschichte, die eigentlich jeder schon kennt. Die man schon Hunderte Male gelesen hat. Nur zu. Leg los. Matthias musste mein Gesichtsausdruck aufgefallen sein, denn noch bevor sich mein Mund öffnen konnte, sagte er: „Es ist eben nicht so gewesen, wie ihr vielleicht bislang immer geglaubt habt. In Wirklichkeit, und ihr seid tatsächlich die Ersten, die das erfahren werden, war es ganz anders.“

Damit triggerte er mein Interesse. Mit „die Ersten, die es erfahren werden“ und „in Wirklichkeit war es ganz anders“ hatte er mich beim Schopfe gepackt. Jetzt war von Müdigkeit keine Spur mehr. Marco erging es ähnlich, das sah ich ihm sofort an.

Wir wollten mehr wissen!

1976 wurde ein Schlüsseljahr für Matthias Röhr. Mao Zedong starb im September, und mit ihm verreckte eine lang andauernde chinesische Kommunisten-Diktatur, die zwar keinen Fortschritt, dafür aber den Tod Hunderttausender Menschen brachte.

Im Westen hingegen nichts Neues. Helmut Schmidt blieb, mit einem Siegeslächeln auf und einer Kippe zwischen den Lippen, Bundeskanzler der Bundesrepublik.

Jimmy Carter wurde zum Ende des Jahres zum neuen US-Präsidenten gewählt, und nur Monate vorher, im Sommer 1976, suchte man in Jugoslawien den Fußball-Europameister. Der Traum der Titelverteidigung, er war für die Elf von Helmut Schön zum Greifen nah. Man kämpfte sich bis ins Finale und dort bis ins Elfmeterschießen vor, das man – unter anderem aufgrund eines Unglücksschusses von Uli Hoeneß – schlussendlich 5:3 gegen die Tschechoslowakei verlor. Randnotizen. Mehr nicht.

Das alles spielte seinerzeit in der hessischen Provinz kaum eine Rolle. Matthias fieberte natürlich mit der deutschen Mannschaft mit, das Interesse an Politik generell und China im Besonderen hätte allerdings kaum geringer sein können.

Entsprechend des Alters, er war jetzt vierzehn (die mächtigen Jahre hatten begonnen), fingen auch die schulischen Leistungen an, abzusacken. Oder besser noch: Sie befanden sich im freien Fall. Physik, Chemie (das von einem Ausbilder der Höchst AG unterrichtet wurde, der ihm dabei half, dieses Fach fast noch schlimmer zu finden als jedes andere) und Mathematik waren ihm ein absoluter Graus.

Wofür werde ich den ganzen Scheiß jemals brauchen, fragte er sich unentwegt, währenddessen sein Kopf, bleischwer und unter Schmerzen, über kryptischen Formeln und bizarren geometrischen Figuren brütete, die sich ihm partout nicht erschließen wollten.

Niemals und für gar nichts werde ich diesen Quatsch brauchen, war die einzig richtige Antwort. Das wusste Matthias sicher. Und ebenfalls, dass er unbedingt – besser heute noch als morgen – Kontakt zu Gleichgesinnten aufnehmen musste, deren Interessen sich mit seinen deckten: Gitarren, Amps, lauter Rock.

Matthias wollte spielen. Musik machen. Ein bisschen die Luft der großen weiten Welt schnuppern. Aber zum Teufel, er gab einen Scheiß auf binomische Formeln. Der Satz des Pythagoras durfte ihn am Arsch lecken. Gravitation kannte er von alten Frauen, deren Brüste so tief hingen, dass sie den Erdboden berührten. Und das Periodensystem? Konnte das bluten?

Der Realschulzweig, für den sich seine Eltern entschieden hatten, erwies sich spätestens ab der neunten Klasse als fieses, autoritäres Monster mit scharfen Zähnen, das immer dann zubeißen wollte, wenn jugendliche Unbeschwertheit, Rebellion und Liebe zur Musik die Oberhand gewannen.

Dann wurde seitens des Lehrpersonals gedroht, getadelt und gemaßregelt. Einschüchterungsversuche erwachsener Personen, deren Auffassung von Päda­gogik eine ganz andere war als heute. Anstrengend und enervierend. Leistung wurde verlangt und abgerufen. Man bekam keine einzige gute Note geschenkt. Lernen und Erfolg waren Kopf- und Konzentrationssache, außerdem musste man sich zusätzlich gut (durch-)quälen können.

Ferner gab es keine Ausreden für Faulheit.

Doch trotz aller schulischen Probleme und Matthiasʼ zweitgrößtem Talent, dem Hinterfragen und Provozieren von Autoritäten, gab es auch coole Pauker. Schon damals.

Herr Ullrich, Matthiasʼ Musiklehrer, war von diesem ganz neuen, progressiven Schlag. Er weckte Interesse, er erkannte und förderte bestehendes Talent. Ein Mann, so ganz anders als das damalige Kollegium.

Jung, aufgeschlossen, fast einer von ihnen. Er sprach die Sprache der Schüler. Mit viel Verständnis und Geduld. Elvis Presley, die Beatles und selbst die, zur damaligen Zeit, höchst anrüchigen Rolling Stones wurden durchexerziert. Im Unterricht sezierte Ullrich alles. Die Songs, die Texte, ja selbst die Bandmitglieder.

Unter der Lupe ergab alles nur noch mehr Sinn. RockʼnʼRoll hieß ab sofort der Heilsbringer – und zu jenem, das war die nächste große Erleuchtung im Leben des noch ganz jungen Matthias Röhr aus Liederbach am Taunus, würde er sich in Windeseile hinbewegen. Und wenn das nicht passieren sollte, aus welch bescheuerten Gründen auch immer, dann hatte der RockʼnʼRoll gefälligst zu ihm zu kommen.

Amen.

Außerdem: Der gerade flügge werdende junge Matthias Röhr hörte zu jener Zeit immer öfter auch das American Forces Network (AFN). Die Amerikaner hatten den deutschen Kids ein gutes und großes Stück ihrer Kultur auch als Radiosender mitgebracht.

Die vielen in und um Frankfurt stationierten GIs mit ihren fetten Fliegerjacken, ihren Kurzhaarfrisuren, den coolen US Cars und ihrem Way of life übten eine große Faszination auf die Jugend aus. Und die Musik der „Amis“ erst recht.

„Hey Dude. Whatʼs up?“, fragten die großen, breitschultrigen Guys freundlich die Kids, sobald sie welche sahen. Und sie sprachen viel schneller, als dass man sie hätte verstehen können. Im Laufe der Jahre mischte sich zum amerikanischen Englisch noch ein weicher hessischer Akzent. Das klang nicht nur cool, das war es auch.

Hier, auf AFN, gab es neben Ted Nugent, Aerosmith und Boston alle angesagten Bands zu hören. Geile Übersee-Mucker, die damals auf dem Weg nach ganz oben waren, oder solche, die den Gipfel bereits erklommen hatten. Als Matthias checkte, dass sich das Radioprogramm von Tag zu Tag nur noch verbesserte, statt an Qualität zu verlieren, gehörte das AFN zum tagtäglichen Pflichtprogramm – oft bis spät nachts. Sogar sonntagmorgens, denn dann gab noch diese unfassbar guten Gospelgottesdienste, die live – irgendwo aus dem Delta kommend –, auf diesem feinen Sender übertragen wurden.

Hier taten sich plötzlich noch einmal ganz neue Welten auf. Es war, als putze jemand ein großes, aber sehr dreckiges Fenster. Plötzlich wurde der Blick auf immer mehr Musik in der großen weiten Welt klar. Und sie erfüllte jeden Raum, in dem sich Matthias gerade aufhielt.

Wolfman Jack war extrem beliebt. Dieser eigenartig aussehende, immer gut gelaunte Discjockey, dessen Sendungen vom American Forces Network übernommen und gesendet wurden, hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, zwischen seinen Songs Wolfsgeheul einzubauen.

Und er spielte sie. Alle. Die fetten, neuen Sounds. So andersartig, aber wunderschön. Es gab keine Genre-Grenzen. Blues, der direkt aus der berühmten Beal Streat in Memphis, Tennessee, kam und vom „King of Blues“, von B.B. King, gespielt wurde. Musik, die tief unter die Haut ging. Außerdem schürender Chicago Blues von Muddy Waters, Willie Dixon und Buddy Guy. John Lee Hooker. Auch den Blues Rock von Johnny Winter, diesem legendären Gitarristen aus Texas, der, neben dem irischen Gitarristen Rory Gallagher, noch in den wilden Siebzigern zu Matthiasʼ größtem Idol an der Gitarre avancierte. Die Musikszene der amerikanischen Südstaaten kannte er bald aus dem Effeff.

Aber ebenso die größten Hits von Neil Young, Crosby, Stills, Nash and Young, den Byrds, Jimi Hendrix und vom geilen Rockabilly der Marke Link Wray. Grandioses, süchtig machendes Zeug wurde auf diesem Radiosender gespielt. Keine deutsche Provinzscheiße. Echte Weltmusik.

Schloss man die Augen, während im Hintergrund die heisere Stimme von Johnny Cash zu hören war, konnte man sicher sein, dass es keinen besseren Ort auf der Welt gab als jenen, auf dem diese Musik produziert wurde.

Das Live-Album One More From The Road der epischen Lynyrd Skynyrd rotierte während dieser unbeschwerten Jahre Hunderte Male auf dem Plattenteller Röhrs. Viele große Interpreten lernte Matthias – ausschließlich aufgrund dieses Senders – bereits zu so früher Zeit kennen.

Sie zogen ihn in ihren Bann. Die Jeff Beck Group, Jimmie und Stevie Vaughan und – natürlich – Mister Eric Clapton, der noch heute von ihm verehrt wird. Durch seine Liebe zum Rockabilly eignete er sich schon in den ganz jungen Jahren seines Gitarrespielens Licks an, deren Grundessenz man noch viele Jahre später in einigen Onkelz-Songs („Gehasst, verdammt, vergöttert“, „Finde die Wahrheit“, „Terpentin“ und anderen) wiederentdecken konnte.

Herr Ullrich vermochte die Musikbesessenheit seines jungen Schülers förmlich in dessen Augen zu sehen. Da bemerkte er immer stärker dieses Lodern, das er selbst sehr gut kannte. Weil er es einst selbst besaß. Ein Funkeln, das nur Menschen hatten, deren wahre Bestimmung die Kunst und nichts anderes ist. Das Flackern der Entschlossenheit derjenigen, die wollten, aber noch nicht konnten, weil sie noch an der Leine der Gesellschaft hingen. Irgendwo auf offener See, während der ach so wichtigen Lebensmissionen.

Geh deinen Weg, Sohn. Pass ja gut in der Schule auf, finde eine Ausbildung, eine Arbeit, und gründe eine Familie. Baue ein Haus.

Meistens kenterte genau dort das Schiff. Orientierungslos schwammen schon damals unzählige Teens und Twens um ihr Leben, auf der Suche nach einem Strohhalm. Nach einem kleinen Funken Hoffnung.

Ullrich nutzte die Gunst der Stunde, auch weil er wusste, dass ungenutztes Talent, das zu lange brachliegt, irgendwann zu faulen beginnt, und schubste Matthias in die Schulband der Realschule Kelkheim.

Fortan wurden Mini-Konzerte in der Aula oder der Kirche gegeben. Es fanden sogar kleinere Band-Casting-Wettbewerbe in den Vorräumen der Schule oder in Pfarrhäusern statt.

Und während einer dieser Auditions tauchte René auf. Ein Klassenkamerad von Matthias, der seiner Zeit eine ganze Armlänge voraus war. Oberlippenbart mit fünfzehn und einer der ersten Halbstarken mit einer echten Bomberjacke, frisch aus London importiert, von wo aus gerade die Subkultur der Punks ihre Finger nach der Jugend ausstreckte.

René war im Allgemeinen ein etwas zu alt aussehender Typ, dessen Aura Ernsthaftigkeit und Wahnsinn ausstrahlte. Er besaß zwar Gitarre und Verstärker, jedoch scheinbar kein großes Interesse, Teil der Schulband zu werden. Dennoch folgte er dem Lockruf des Castings. Und dort, in der großen, halligen Aula der Eichendorffschule angekommen, stellte er seinen Amp auf, schloss seine Gitarre an, und brachte – wortwörtlich aus dem Stand – viele der Anwesenden zum Staunen und Grübeln. Der Junge war ein Naturtalent.

Das damals noch gar nicht geläufige „Downbending“ der Gitarre, also die abrupte Höhenänderung des Tons mit Hilfe eines Vibratos während eines laufenden Songs, das auch, viel später, gern von Eddie Van Halen als Stilmittel eingesetzt wurde, gelang René – diesem verrückten Hund – völlig mühelos. Und das ganz ohne Vibrato, sondern ausschließlich durch die Verwendung der Stimmmechaniken an der Kopfplatte der Gitarre.

Und so setzte dieser Teufelskerl zum Solo an, wechselte auf die E-Saite, kurzer Kniff an der Mechanik, und schon klang der Ton aus heiterem Himmel völlig anders. Und wieder ein kurzer Dreher, schon ging es rauf mit dem Laut. Und dann tiefer. Und wieder höher. Technisch einwandfrei, ohne Störgeräusche oder Irritationen. Während Matthias dasaß und perplex war, gaben sich die „wahren“ Musik-Virtuosen aus dem Lehrerkollegium und der streberhaft-besserwissenden Mitschülerschaft ob der „Schändung der musikalischen Ästhetik“, die René dort „frivol zum Besten gab“, entsetzt.

Ne Kleiner, komm jetzt. Das war ja ganz nett, aber geh besser wieder heim.

So schickte man dieses Genie wieder nach Hause, hat ihn eiskalt abblitzen lassen. Mindestens ein Jahrzehnt war dieser Typ mit dem Oberlippenbart und der viel zu großen Bomberjacke den großen Gitarristen voraus. Modisch war er eh längst in den Achtzigerjahren angekommen, obwohl diese Dekade noch gar nicht begonnen hatte.

Der Moment, viele Jahre später, in dem das damals anwesende Kollegium und die Mitschüler angesichts der aufstrebenden Glam-Rock-Bands gemerkt haben dürften, was für ein Talent sie dort, an jenem Nachmittag, in der Schulaula mit Nichtbeachtung gestraft hatten, muss umwerfend komisch gewesen sein …

Das alles war für Matthias Motivation genug, noch tiefer einzusteigen. Eine eigene Band zu gründen. Und auch endlich den Plan, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Musikszene in Kelkheim abzuchecken, in die Tat umzusetzen. Raus aus der Taunus-Liederbach-Reihenhaus-Idylle, rein in die „echte Welt“, die in seiner Vorstellung von Menschen bevölkert wurde, die so drauf waren wie er selbst. Deren Lust und Treiben in der Musik einen großen, gemeinsamen Nenner fand.

Und die zum heiligen Geist des RockʼnʼRoll beteten. Vor seinem Altar der Riffs, Licks, Soli und tretenden Bässe niederknieten und seine Bibel, die Songtexte, verinnerlichten. In allen Facetten. Das war keine langweilige Fachsimpelei über Akkorde oder Noten, die eh kaum jemand lesen konnte, sondern echtes Herzblut und Engagement. Autodidaktischer Erwerb verschiedenster Spielarten. Tonleiter rauf und Tonleiter runter.

Doch die ersten Begegnungen verliefen anders, als Matthias gedacht hatte. Hier, im Herzen einer jungen, dynamischen Künstlerszene, interessierte man sich nicht sehr für den jungen Röhr. Die älteren und erfahreneren Musiker, Aficionados allesamt, orientierten sich an Bands und Musikern wie Black Sabbath, Deep Purple, ELP, Focus, Johnny Winter, UFO, Fleetwood Mac, Bob Dylan, David Bowie oder Led Zeppelin. Die Stones gingen schon auch klar – von allen geliebt wurden sie deshalb noch lange nicht.

Jagger und Richards spalteten die Gemeinde und wurden kontrovers diskutiert. Manche mochten sie aufgrund ihres Erfolges und des damit verbundenen Arschtritts in das Hinterteil der englischen Upper-Class, andere wiederum lehnten sie genau deshalb ab. An Glaubwürdigkeit mangelte es ihnen aber keineswegs.

Generell konnte man der Kelkheimer Szene eine große Offenheit bescheinigen. Es gab keinerlei Einschränkungen. Jeder hörte das, was er hören wollte.

Und jeder gab Plattentipps. Auf modernen Schallplattenspielern wurde das neue Zeug aufgelegt. Es wurde analysiert und verglichen. Was spielte der Gitarrist von Chicago? Was spielte Tony Iommi von Black Sabbath. Und, wichtiger, wie spielten die?

Nach der kurzen, aber durchaus intensiven Phase des gemeinsamen Abtastens mit den neuen Bekanntschaften in Kelkheim fing Matthias schnell an, Konzerte zu besuchen. Die Pubertät brachte natürlichen Freigeist mit, der durch die steten Erzählungen von Musiklehrer Ullrich, seiner Klassenkameraden und der älteren Teenager in Kelkheim nur noch genährt wurde.

Die Haare wuchsen. Sie wurden immer länger, und Matthias weigerte sich vehement, einer Friseurschere zu nahe zu kommen. Schon nach wenigen Wochen trug er eine schulterlange Matte. Weniger zur Freude der Eltern, die nicht nur seine haarige Entwicklung jeden Tag mitbekamen, sondern auch den Leistungsabfall in der Realschule höchst sorgenvoll zur Kenntnis nahmen.

Die Hoffnung, dass sich Matthias irgendwann für ein geregeltes Leben entscheiden und diese ganze Taugenichts-Ästhetik hinter sich lassen würde, wurde immer geringer.

Und was war, wenn ihr Sohn auch noch anfangen sollte, Drogen zu nehmen? Haschisch und Marihuana gehörten zum guten Ton und zur Grundausstattung vieler neuer Freunde von Matthias, der es – nach einigem Probieren – jedoch vorzog, beim Alkohol zu bleiben. Weed, Dope, Spliffs und Bongs interessierten ihn nicht.

Dennoch, ein undurchdringlicher Hanfnebel, der schon meterweit vom Ort des Kiffens entfernt gerochen werden konnte, hing fortan über allem und fast jedem. In den Pfarrhäusern roch es wie auf einer Grasplantage. Hier probten die ersten Studentenbands, deren Mitglieder wiederum der ersten Hippie-Bewegung in Deutschland zugerechnet werden konnten. Die Proberäume in den Gotteshäusern waren schnell Umschlagplätze für bestes Dope. Und Walt- und Schaltzentrale der Kreativität. Was sich nach einem furchtbaren Siebziger-Klischee anhörte, war allerdings ziemlich exakt das, was sich dort abspielte.

Im Sommer 1976 lernte Matthias Röhr, quasi im „Vorbeigehen“, den ebenfalls musikbegeisterten Norbert Nebenführ kennen. Matthias war gerade dabei, den Hund der Familie Gassi zu führen, als er Nebenführ auf einer Parkbank in Liederbach sitzen sah. Das Treffen war von Thomas G. arrangiert worden, der – zusammen mit Nebenführ – eine Band gründen wollte, dringend einen Bassisten benötigte und den langhaarigen Matthias kannte. Röhr kam ihnen gerade recht. Dessen musikalisches Know-how war bekannt und ebenso, dass er gut Bass spielen konnte.

Es vergingen keine zwei Tage, bis Matthias der Gruppe beitrat.

Norbert Nebenführ erinnert sich: „Ich war, genau wie fast jeder andere Teenager zu jener Zeit, total der Gitarrenmusik verfallen. Perfekt war auch, dass sich gerade die lokale Musikszene in Hofheim, Liederbach und Kelkheim herausbildete, die wirklich großartig war. Thomas G. war damals sehr umtriebig, hatte Verstärker und eine E-Gitarre und spielte mir in der Garage seiner Eltern etwas vor. Es dauerte keine zehn Minuten, bis ein schwarzer G.I. hinzustieß, der im Nachbarhaus wohnte, und uns fragte, ob er sich an der kleinen Jam-Session beteiligen dürfe. Als er ‚Voodoo Chile‘ von Hendrix coverte, war es um mich geschehen. Ab diesem Tag bekniete ich meine Eltern, dass sie mir auch eine Gitarre kauften. Es wurde dann die ‚Les Hertie‘ aus dem Main-Taunus-Zentrum.“

Matthias, Thomas und Norbert probten fortan pausenlos im Keller von Thomasʼ Familie. Nach ein paar Wochen standen vier, fünf brauchbare Songs. Genug Material, um es auf Schulfeiern und privaten Feten aufzuführen. Material, das allerdings auch relativ schnell offenlegte, wer etwas an seinem Instrument konnte und wer nicht.

Thomas, das stellte sich schnell heraus, war kein begnadeter Gitarrist. Einer, der gut reden konnte und noch besser darin war, Kontakte zu knüpfen, aber kein Vollblutmusiker. Es dauerte nicht mal ein Vierteljahr, da verließ er die Band und ging seines Weges.

Norbert Nebenführ und Matthias Röhr freundeten sich in Folge dessen noch stärker an, und schon bald waren sie beste Kumpels, die das ehrgeizige Hobby verband, Musik zu machen. Röhr wechselte vom Bass zur Gitarre, und ab da merkte Nebenführ, wie krass sein Kumpel unterwegs war und wie gut er die Saiten bespielen konnte. Er war ein Naturtalent und endlich ein Partner, der kreativ genauso tickte, wie er selbst. Sie kümmerten sich nicht mehr um Mädels oder Partys (auch wenn sie kaum eine ausließen, wenn sie eingeladen waren), sondern übten, bis ihnen die Finger bluteten. Oft fuhr Norbert zu den Röhrs, und gemeinsam rockten die beiden den Keller, in dem der langhaarige Matthias sein Zimmer hatte.

Norbert aus der Erinnerung: „Ich weiß noch gut, wie das Zimmer aussah: Tür rein, links Schrankwand, davor Sofa, und wenn der Zug vorbeifuhr, rumpelte es immer.“

Gemeinsam nahmen sie Gitarrenunterricht bei einer Frau, die bei Röhrs in der Reihenhaussiedlung wohnte. Zwei, maximal drei Tage hielten sie es aus, dann beendeten sie die Stunden. Weder Matthias noch Norbert hatten länger darauf Lust, „Im Frühtau zu Berge“ nach Noten einzustudieren. Noch während der ersten Übungen und spätestens beim „… fallera“ brachen beide in schallendes Gelächter aus.

KISS waren Matthiasʼ Lieblingsband, und auch, wenn die hiesige Musikszene die Band nicht mochte, so liebt er Gene Simmons, die Schminke, das Outfit und – vor allem – die Songs dieser Gruppe noch immer heißblütig. Und hin und wieder malte er sich auch seine Stiefel golden an, genauso, wie es diese Rocker, die sich augenzwinkernd „Knights in Satanʼs Service“ nannten, auch taten. Norbert wurde ebenfalls zum KISS-Fan. Er konnte gar nicht anders. Die Band lief praktisch rauf und runter.

Manchmal passieren die komischsten Dinge zur merkwürdigsten Zeit. Zwei einschneidende Geschehnisse brachten Matthias Röhr und den Rock zusammen. Die Sterne standen günstig. Durch die Schule (endlich, sie war doch für etwas gut) lernte Matthias den zukünftigen Bassisten ihrer Band kennen. Ralf Jaklin war mindestens genauso besessen von den großen Bands jener Zeit wie Röhr und Nebenführ und passte menschlich perfekt. Und deshalb bewegte sich tatsächlich schon bald der RockʼnʼRoll hin zu dem jungen Mann mit den vielen Flausen im Kopf wie der sprichwörtliche Berg zum Propheten.

Jaklin war ein Klassenfreund und musikbegeistert. Einer, der eher etwas introvertiert war. Coole Jeans, T-Shirt, keine gebügelten Hosen. Schulterlanges Haar. Kein Streber, dafür sagte er zu wenig, aber jemand, der schlauer war als viele Gleichaltrige. Seine große Liebe war das Bassspiel. Und irgendwie fanden sich Röhr und Jaklin sympathisch. Sie trafen sich immer öfter, um bei Ralf daheim abzuhängen und über Musik zu diskutieren.

Matthias erinnert sich noch gut an diese Momente: „Ralf hatte einen älteren Bruder. Wahrscheinlich war er damals schon Student. Und der hatte eine unfassbar große Plattensammlung, an der wir uns immer zu schaffen gemacht haben. Neben Johnny Winter, den ich für mich entdeckte, lag auch ein Album von Ted Nugent rum. Als ich das erste Mal ‚Stranglehold‘ gehört habe, wusste ich, das rockt! Das ist es. So geht’s, so muss es sein!“

Was jetzt noch fehlte, war ein Schlagzeuger. Den Part übernahm tatsächlich Thomas G., der kurze Zeit vorher noch leidlich versuchte, durch seine Gitarrenkünste zu überzeugen. Das Schlagzeugspielen lag ihm mehr. So sehr, dass Matthias, Norbert und Ralf begeistert waren, nachdem sich Tommy einfach während der Musik-AG, an der sie alle vier teilnahmen, an die Schießbude setzte und loslegte.

Es war nicht zu fassen. Der Typ, der kaum einen Song seiner Lieblingsbands auf der Gitarre fehlerfrei nachspielen konnte, war der geborene Drummer.

Headliner. Der Name der frisch gegründeten und komplettierten Band stammte von Matthias. Und gemeinsam fühlte man sich schon jetzt unsterblich. Der Keller der Nebenführs war fortan an der Reihe. Dort wurde geprobt und geschnackt, lamentiert, palavert und komponiert. Norberts Vater richtete ihn sogar noch ein bisschen her, sodass die Jungs Platz zum Musizieren hatten. Neben Einmachgläsern und einer Kühltruhe wurde ab sofort hessische Musikgeschichte geschrieben.

Norbert Nebenführ erinnert sich: „Meine Eltern hatten das Haus aus eigener Kraft gebaut. Mein Vater war Fabrikarbeiter und hätte samstags, wenn wir immer probten, ganz sicher auch ein bisschen Ruhe gebraucht. Nie hat er gemeckert. Im Gegenteil: Er hat uns immer unterstützt. Er ist 2008 gestorben, und ich verdanke ihm vieles. Dafür aber, dass wir immer unserem geliebten Hobby nachgehen konnten, werde ich ihm auf ewig dankbar sein.“

Man kann es Herrn Nebenführ nicht hoch genug anrechnen, dass er die Leidenschaft seines Sohnes (und die seiner Freunde) mit aller Kraft unterstützte, dabei sogar auf seine eigenen Ruhezeiten verzichtete und merkwürdige, teilweise verächtliche Blicke der Nachbarschaft in Kauf nahm.

Harter Rock war zu jener Zeit nicht Teil der Gesellschaft. Die großen Bands, die ihn spielten, waren Außenseiter – wenn auch extrem erfolgreiche. Die kleinen Bands, die dem RockʼnʼRoll nacheiferten, waren hingegen der öffentlichen Kritik ausgesetzt. Dem Getratsche und Geläster von Nachbarin Schmidt, Herrn Bauer oder Fräulein Baumann. Im gutbürgerlichen Liederbach trat man der freiwilligen Feuerwehr bei, oder man spielte im Verein Fußball, Tischtennis und Handball, aber man gründete sicher keine Bands, die infernalischen Krach mit gotteslästernden Texten am Fließband produzierten. Und man hörte auch keine Musikgruppen, die sich selbst „Ritter im Dienste Satans“ nannten. Und das zur Mittagszeit am heiligen Wochenende. Maria hilf!

Headliner bestanden aus Matthias Röhr, der sang und die Leadgitarre spielte, Ralf Jaklin zupfte den Bass, Tommy G. saß am Schlagzeug, und Norbert Nebenführ zockte die Rhythmusgitarre. Zunächst wurden Songs der Stones und von Chuck Berry („Johnny B. Goode“) gecovert, doch schon nach kurzer Zeit schrieben die Jungs eigene Stücke. Alle auf Englisch und alle den großen Bands der Endsiebziger huldigend. Ein bisschen AC/DC und KISS, eine Prise Rolling Stones und ein Schuss Deep Purple.

Der örtliche Handballverein überließ Headliner die Halle, um eine erste eigene Show zu spielen. Tommy ließ DIN-A4-Plakate über seinen Vater drucken, die anschließend wild um Liederbach und Kelkheim herum aufgehängt wurden. Der Eintrittspreis betrug neunundneunzig Pfennig. Irgendjemand hatte Norbert im Vorfeld gesagt, dass ab einer Mark Eintritt die GEMA auf der Matte stehe, und das wollte nun wirklich niemand riskieren.

Die Halle hatte eine kleine Bühne, und es wurde sogar noch ein „Support Act“ aus dem Umkreis an den Start gebracht. Fast zweihundert musikinteressierte Menschen wohnten dem ersten Gig von Headliner bei. Ein Erfolg, der Matthias, Ralf, Tommy und Norbert stolz machte. Damit hatte niemand gerechnet. Nebenführs Vater, der an jenem Abend auch anwesend war, fiel direkt Matthiasʼ Art und Weise auf, mit dem Publikum zu interagieren. Dass der sich außerdem als Gitarrist pudelwohl fühlte, war offensichtlich.

Wenig später stieß Andreas B. als neuer Sänger hinzu. Man lernte ihn auf einer der unzähligen Partys kennen. B. sang damals Songs von Pink Floyd rauf und runter. Seine hohe Stimme begeisterte. Das war der perfekte Mann, um die Gallionsfigur von Headliner abzugeben.

Nun konnte sich Matthias voll und ganz darauf konzentrieren, ein waschechter Gitarrist zu sein. Er konnte von links nach rechts laufen, grinsen, seine Axt in den Händen halten und die Gitarre wie ein richtiger Rockstar hochreißen. Soli spielen, die Crowd anfeuern und lauthals mitgrölen. Aber ohne Mikrofon. Singen war seine Sache nicht.

B. konnte das besser und hatte obendrein noch echte Entertainer-Qualitäten, die das Publikum mitreißen sollten.

Norbert erinnert sich gut an die Monate, in denen Headliner richtig anfingen zu wachsen: „Im Proberaum ging es teilweise gut ab. Matthias hatte einen Song für seine damalige Freundin geschrieben, dessen Text er aber irgendwie nicht mochte. Also hat er einfach den Zettel samt Ketchup gefressen und wenig später ausgekotzt. Wir haben immer zusammengesessen, Bier getrunken, geraucht und Pommes gegessen. Langsam wurde auch das Equipment besser. Matthias und ich haben uns dann Stratocaster-Nachbauten von Ibanez gekauft. Die klangen deutlich geiler.“

Andreas B. hatte eine Connection zu einem Aufnahmestudio klargemacht, in dem die Jungs ein bisschen die Luft professioneller Bands einatmen sollten. Die Besitzer waren schmierige Typen, die eher mit Schlager oder Discomusik gerechnet hatten, weniger mit Hard Rock. Und als die Matthias und dessen Aussehen sahen, witterten sie die Chance, aus ihm einen Schlaghosen tragenden Discotypen zu machen, den sie managen wollten.

„Vergesst es, ihr spinnt wohl“, sagte der. Damit hatte sich das Thema der Studioaufnahmen erledigt.

Der große Traum, Headliner würde es irgendwann aus der hessischen Provinz rausschaffen, wurde im Laufe des Jahres zerschlagen. Es gab noch einen Gig während des Schulfests in Kelkheim-Fischbach, und man hing zusammen viel ab, schaute gemeinsam die ersten Rocknächte im Fernsehen, während derer man schwer von Motherʼs Finest und Rory Gallagher begeistert war, aber langsam ging es bergab.

Erledigt hatte sich bald auch die Schulzeit. Zumindest für Norbert, der unmittelbar nach der Schule eine Lehre begann.

Matthias durfte noch eine „Ehrenrunde“ drehen.

Es half alles nichts, und als auch noch Tommy die Band verließ und man auf die Schnelle keinen Schlagzeuger finden konnte, sahen sich Headliner mit dem Beinahe-Ende konfrontiert.

Norbert: „Matthias war schon damals ein Typ, der seine Freunde brauchte und schätzte. Er war ein prima Kumpel, auf den man sich immer verlassen konnte, der aber auch den unbedingten Willen hatte, sich musikalisch weiterzuentwickeln. Er kam auch mit unserem neuen Schlagzeuger nicht zurecht, es entstanden Spannungen. Matthias hat Headliner dann 1979 verlassen. Wenig später ist er nach Frankfurt gezogen. Ab da hat man sich dann leider komplett aus den Augen verloren. Dennoch: Ich erinnere mich mit Genuss an die gemeinsame Zeit mit dem späteren ‚bösen Onkel‘.“

Spätestens ab Ende des Jahres 1979 war Matthias oft Gast in der Offenbacher Stadt- oder der Frankfurter Jahrhunderthalle. AC/DC wurden besucht, damals noch Vorgruppe von Rainbow, deren Musik Kultstatus besaß. Später, noch ehe Bon Scott viel zu früh das Zeitliche segnete, kam es sogar zu einem kurzen Treffen mit Bon, Malcom und Angus während ihres Gastspiels in Offenbach.

Led Zeppelin, Rush und unzählige weitere Bands wurden auf deren Shows abgefeiert und angefeuert. Vor allem aber wurden sie beobachtet. Matthias stand selten mitten im Publikum, noch viel seltener oben auf den Rängen, sondern nahezu immer direkt vor der Bühne und betrieb fleißig „Augenklau“. Fasziniert wanderten dann seine Blicke von links nach rechts. Vom Bassisten zum Gitarristen, und dann, wenn es richtig im Magen kribbelte, weil die Bassdrum drückte, schaute er ganz genau auf den Drummer.

Im Geiste speicherte er alles ab, was er hörte und ihm eine krasse Gänsehaut bescherte, um es anschließend zuhause nachzuspielen. Darin konnte der junge Röhr eine fast schon pedantische Geduld und Genauigkeit an den Tag legen. Erst, wenn das Solo oder das Lick einwandfrei reproduziert werden konnten, wurden sie für Zuhörer adaptiert. Die Kunst lag allerdings darin, sie nicht bloß eins zu eins zu kopieren. Die Gefahr, die im reinen Covern der Lieblingskünstler lag, erkannte er schon damals. Das katastrophale Ergebnis der Bands, die ausschließlich so agierten, konnte man auf vielen Dorffesten, bei Scheunenfeten und in diversen Jugendzentren hören. Null Prozent eigene Kreation, hundert Prozent Kopie.

Das war nicht das, was Matthias wollte. Sein Bestreben lag nicht im Kopieren. Nicht 1979, nicht 1999 und auch nicht 2019. Unselbstständigkeit und Stillstand waren ihm schon als Jugendlicher verhasst. Der Kelch des Nachspielens und der damit verbundenen schleichenden Mutation zum Cover-Gitarristen ging glücklicherweise an ihm vorüber. Und das hatte einen einfachen Grund. Beherrschte man die Songs einmal gründlich, legte man sie einfach erneut auf und improvisierte selbst, während im Hintergrund der Original-Track auf dem Plattenteller seine Runden drehte. Matthias spielte dann seine ureigenen Interpretationen der glorreichen Mid-Seventies-Rockbands. Die schon erwähnten Black Sabbath und Stones waren genauso dabei wie Sweet, Slade, Lynyrd Skynyrd oder die Faces. Und er war schnell darin, zu lernen und zu improvisieren.

Irgendwann zu Beginn des Jahres 1979 spielte er in der Band Sinner. Zu jener Zeit warf der Punk schon seine Schatten voraus. Lange schwarze Haare, Lederjacken, Wrangler-Jeans mit 45er-Schlag, Sonnenbrille und ein dahinter lauernder „Leckt mich alle am Arsch“-Blick.

Herr und Frau Röhr entzündeten kein Tischfeuerwerk, als sie ihren Sohn das erste Mal so nach Hause kommen sahen. Seine Bandkollegen sahen ähnlich wie er, aber doch anders aus. Grauer Parker, Kiffer-Scheitel, rote Jeans, Adidas-Sneakers.

Oliver, Schulkamerad und Drummer von Sinner, schminkte sich das Gesicht weiß, zog die Mundwinkel mit schwarzem Kajalstift nach unten und gab den desillusionierten, traurigen Clown zum Besten. Zwei Jahrzehnte, bevor Brandon Lee als „The Crow“ mit einem ähnlichen Outfit zur Kultfigur wurde.

Martin Röhr, heute Schlossermeister und seit vielen Jahren verheiratet, wurde 1965 geboren und ist Matthiasʼ kleiner Bruder. Einer von drei „kleinen Brüdern“. Bis zum großen Durchbruch der Onkelz 1991 arbeiteten die beiden Röhrs bei derselben Firma in Frankfurt. Heute wohnen er und seine Frau Anna in einem kleinen, beschaulichen Vorort von Frankfurt am Main. Martin erinnert sich heute gern an diese Zeit zurück, in der alles möglich war. Die mittleren Siebzigerjahre tauchten während unserer Gespräche immer wieder sonnenwarm vor seinem inneren Auge auf. Sprach man mit ihm, veränderte sich leicht, aber hörbar, seine Stimmlage. Er erzählte frei über seinen Bruder Matthias, den Rockstar.

„Für mich war Familie immer das Wichtigste. Und ich habe eigentlich immer versucht, die Familie zusammenzuhalten“, sagt er. „Die wilden Jahre und die langen Haare. Das hat oft für wenig Gelächter bei uns zuhause gesorgt. In Liederbach gab es sonntags beim Mittagessen eigentlich immer die Gespräche mit Matthias. Unser Vater konnte da schon sehr penibel sein, wenn ihm was nicht gepasst hat. Das lief dann so ab, dass wir uns, nachdem mein Vater von der Arbeit zurück war (sonntags war die Gaststätte des Vaters immer von morgens bis mittags für den Frühschoppen geöffnet), zum Mittagessen zusammensetzten und nach kurzer Zeit die ‚Moralpredigt‘ losging: ‚Junge, die Haare müssen ab‘, sagte er immer. Und mein Bruder hat dann immer genickt und so getan, als höre er ihm zu. Tat er natürlich nicht. Wenn man Matthias kannte und wusste, was ihn interessierte, dann sah man auch schnell, dass bei ihm die Standpauken und Belehrungen unseres Vaters eher weniger taugten. Das ging sogar so weit, dass unser alter Herr bei ihm selbst Hand anlegen und die Haare schneiden wollte. Im Grunde genommen war es Joachim ein Graus, seinen ältesten Sohn so zu sehen. Und da war natürlich auch diese beständige Angst mit im Spiel, dass Matthias jetzt oder irgendwann Drogen nehmen könnte. Unsere Eltern waren ja nun vom Fernsehen und den Zeitungen vorgewarnt. Die wussten, dass eine lange Mähne und amerikanische Rockmusik dazu geeignet waren, die damalige Jugend zu verderben …“

Martin erinnerte sich auch an die Versuche seiner Eltern, das Bild der heilen Familienwelt nach außen hin zu wahren: „Wir waren eine klassische deutsche Familie, in der alle Kinder so einen Topfschnitt hatten. Gerader Pony, Topf auf den Kopf, rundherum abschneiden. Und Matthias war derjenige, der irgendwann niemanden mehr an seine Haare ranließ. Er war da auch eigentlich Vorreiter bei uns im Dorf, denn jeder der Gleichaltrigen hatte noch diese 0815-Frisur. Auf jeden Fall war das Phase eins in der Rebellion meines Bruders, zu der sich noch – wie wir alle wissen – jede Menge weiterer Phasen dazugesellen sollten. Für meine Eltern war immer total wichtig, was andere Leute über uns dachten. Dieses typische Nachkriegsding eben: Man wollte um jeden Preis vermeiden, dass schlecht über die Familie geredet wurde. Sauberer Vorhang. Das war extrem wichtig. ‚Mach dies nicht, tu jenes nicht. Was sollen Oma und Opa dazu sagen? Dreh die Anlage leiser, und überhaupt, was sind das denn für primitive Typen, denen du da zuhörst?‘ Das war Matthias aber, der zu der Zeit ja schon mächtig am Pubertieren war, schnell scheißegal. Da wurden dann auch gern mal mit Absicht die Zimmertüren zugeknallt oder vor der Haustür, damit es alle Nachbarn deutlich mitbekamen, Widerworte gegeben.“

Auf die Frage, wie er das Verhalten seines Bruders zu dieser Zeit bewerte, sagte Martin: „Schwierig. Matthias hatte ja bei uns im Haus im Keller sein Zimmer. Und man hat ihn innerhalb des Hauses verhältnismäßig wenig gesehen. Im Grunde genommen gab es für ihn schon zu dem Zeitpunkt nichts Wichtigeres als Musik. Da waren schon die Jeans angemalt, da stand auch schon AC/DC auf seinem Rucksack. Als ich dann älter wurde, bin ich auch gern mal mit in den Proberaum von Headliner und Sinner gefahren und habe mir dort angeguckt, was die Jungs so treiben. Das hat Matthias auch schon so ein bisschen Spaß gemacht, das hat man gemerkt. Es gab Phasen, da haben wir viel zusammengesessen und in seinem Zimmer abgehangen, und dann gab es wieder Momente, wo wir uns fast gar nicht gesehen haben. Aber ich wusste eigentlich immer, dass ich mich auf meinen großen Bruder verlassen konnte. Das hat sich bis heute nicht geändert.“

Matthias blühte auf. Seine ganze Galaxie verschob sich, dehnte sich aus, und plötzlich, so schien es ihm, gab es keine Grenzen des Vorstellbaren mehr. Der Horizont des Musikalischen, er war noch lange nicht in Sicht- und ebenfalls nicht in Hörweite. Er expandierte. Und mit ihm sein Umfeld.

Kelkheim wurde ab 1979 immer wichtiger – falls das überhaupt noch möglich war. Hier wurde getanzt, hier wurde getrunken und gesoffen, hier wurde gekifft und gebumst. Erste Freundinnen kamen und gingen, kurze Bekanntschaften wurden geschlossen und wieder verworfen.

Immer, wenn der inzwischen siebzehnjährige Matthias Röhr das Haus in Lieder­bach verließ, um sich auf den Weg nach Kelkheim zu machen, hatte er einen Stapel Platten unter seinen Arm geklemmt. Nach ein paar Monaten, die Anzahl der Platten, die er mitnehmen wollte, wuchs beständig, steckte er das Vinyl in Einkaufstüten. Und immer wieder trug er auch Double Live Gonzo! von Ted Nugent spazieren.

Das Album wurde rauf- und runtergehört. Beinharter Rock, tiefer gestimmte Gitarren (gern eine untypische Gibson Byrdland, die zu Teds Markenzeichen avancierte), wilde und absolut unangepasst aussehende Typen, die ziemlich ernst nahmen, was sie sangen. Lange Haare, Bärte, Lederjacken. Und dazu auch noch live. Den Begriff des Stoner Rock gab es seinerzeit noch nicht, aber eigentlich passte er zu der Musik wie die Faust aufs Auge.

Nur war Nugent nie „stoned“. Drogen verabscheute der Detroiter Rocker schon von Beginn an. Waffen (viele, viele Waffen), die Jagd und frische Pelze hingegen, die mochte er. Dennoch war Theodore Anthony Nugent 1979 noch viele Jahre von den skandalösen und antisemitischen Aussagen entfernt, die er über zwei Dekaden später tätigen sollte.

Der „Motor City Mad Man“ hatte zur Mitte der ausgehenden Siebzigerjahre seine Solokarriere gestartet und sich direkt mit großem Erfolg in den USA etabliert. „Stranglehold“, einer der bekanntesten Songs von Nugent, stammt gar von seinem Debütalbum. Von 1975 bis 1980 wurden insgesamt fünf Studio- und ein Live-Album veröffentlicht, von denen sich alle in den Top 30 und vier in den Top 20 der Billboard Charts einreihen konnten, ehe Nugents Solokarriere ab 1982 zu stagnieren begann.

Double Live Gonzo! war eines dieser Alben, das Matthias faszinierte. Schnell breitete sich das Nugent-Virus in Kelkheim aus, und noch schneller wurden sich die größten Hits des Detroiters draufgeschafft.

Und während 1978 der 1. FC Köln deutscher Meister, Argentinien Fußball-Weltmeister und der Mount Everest von Messner bezwungen wurde, mutierte Matthias Röhr langsam, aber stetig zu „Gonzo“. Auch, aber eben nicht nur, weil „The Nuge“ omnipräsent war, denn eigentlich war das nur ein Drittel der Wahrheit.

Privatpartys waren ein essentieller Bestandteil der Jugend zur damaligen Zeit. Noch viel mehr als in den Neunzigern, und erst recht als in den Zweitausendern, wurde oft und gern dort gefeiert, wo man sich am besten auskannte: daheim.

Zehn, maximal fünfzehn Jungs und Mädels, die man mochte und mit denen man eh schon die ganze Zeit abhing, rauchte und trank, wurden eingeladen, und die meisten brachten ihre Lieblingsplatten mit. Jedes Wochenende bei jemand anderem. Die Aussage „Bei mir ist am Freitag sturmfrei“ reichte, um die Synapsen vor lauter Vorfreude zum Durchbrennen zu bringen.

Im Partykeller, oft (aber längst nicht immer) unter der Aufsicht einer erziehungsberechtigten Person, wenn sich das versprochene „sturmfrei“ doch als Ente entpuppt hatte, wurde dann das Teenager-Dasein in vollen Zügen genossen. Unter der wärmenden dreilampigen Lichtorgel, nach dem Genuss einiger alkoholischer Getränke oder von Cannabis, wurden die Mädels, wenn man Glück hatte, schmusig. Discofox, Nazareth („Love Hurts“), die Beatles („Hey Jude“) oder Schnulzenmusik aus Italien („Ti Amo“ von Umberto Tozzi war die musikalisch vollstreckte Kastration eines jeden jungen Mannes) wurden aufgelegt, um eng aneinandergeschmiegt miteinander zu tanzen.

Und wenn der Pflichtteil vorbei war, die Mädchen glücklich und die Kerle genügend angeheitert waren, wurden die härteren Geschosse auf die Turntables gelegt. Dann hieß es: Kein Halten mehr bei KISS, Banging bis zur Nackenstarre bei Black Sabbath, Luftgitarre bei Deep Purple, Led Zeppelin und – natürlich – andächtige Bewunderung des Könnens von Ted Nugent. Das war das zweite Drittel.

Auf einer dieser Partys lernte Matthias dann auch den erweiterten Freundeskreis seines damaligen Klassenkameraden und Bandkollegen Oliver kennen. Der hatte schon 1978 seinen Führerschein gemacht. Mit seinem orangefarbenen VW Käfer fuhren also er und Matthias Röhr, so oft es eben ging, von Liederbach und Kelkheim nach Hofheim am Taunus, direkt zum Proberaum ihrer Band.

Öfter mit an Bord: Sabine, Matthiasʼ damalige Freundin, Ute, die beste Freundin von Sabine, und der weibliche Dunstkreis von Oliver, der immer aus mindestens zwei Damen bestand. Eben jene Mädels waren, das konnte man ihnen deutlich ansehen, sehr froh darüber, mit derart harten Jungs unterwegs zu sein. Und wenn dann mal, nach vielen Kippen und noch mehr Dosenbier, angefangen wurde zu proben, waren Sabine, Ute und die anderen immer am Start. Die erste Reihe, direkt vor Sinner aufgebaut.

Eines dieser Mädchen hieß Tanja. Siebzehn Jahre. Langes blondes Haar. Vollbusig. Ultra-heiß. Enge Schlagjeans, Lederjacke, stets einen frechen Spruch auf den Lippen und immer mit dabei.

An besagtem Abend hatte sie einen echten Geistesblitz. Einen, der so naheliegend war, dass es schon beinahe albern wirkte.

Die Muppet Show erfreute sich 1978 nicht nur größter Beliebtheit, sondern war regelrecht der „heiße Scheiß“. Brandneu und urkomisch. Und weil es bei vielen Bands gerade trendy war, der Besatzung Spitznamen zu verpassen, zeigte Tanja mit dem Zeigefinger auf die spielenden Sinner. Zuerst auf Oliver. Natürlich. Das wird Fozzie Bär.

Dann auf den Sänger. Der wurde zu Scooter. Der sah auch ein bisschen so aus. Wild, leicht durchgedreht. Ein zappeliger Typ.

Matthias bekam den populärsten Namen verpasst.

„Ok, gut. Naja, dann bin ich ab jetzt eben Gonzo“, hatte er schulterzuckend gesagt, und dabei mussten alle anfangen, lauthals zu lachen.

Das war das letzte Drittel. Fortan gab es nur noch Matthias „Gonzo“ Röhr.

You can’t arrest me,
I’m a rock star

(Sid Vicious)

Irgendwann kam jeder Mann an den einen, entscheidenden Punkt in seinem Leben, der ihn unweigerlich dazu zwang, alles zu hinterfragen, was bislang als feststehendes Gesetz (moralischer oder ethischer Natur) in ihm schlummerte.

Veränderungen, die ihn dazu nötigten, seine bisherige Vita komplett zu hinterfragen.

War ich bislang wirklich frei? Mache ich mir eigentlich irgendetwas vor, indem ich mir kontinuierlich einredete, ich sei glücklich? Was wäre wohl aus mir geworden, wenn ich diese oder jene Abzweigung nicht gewählt hätte?

Diese Fragen mochten für manche von geringerer, für andere von größerer Bedeutung sein, aber keiner konnte sich wirklich vor ihnen verstecken: Sie führten dich auf die Straße der Selbsterkenntnis, übernahmen dein Lebenssteuer, und wenn du es zuließt, brachten sie dich ein Stück näher ans Ziel. Egal, welches das auch immer war oder wo dieses auch immer liegen mochte.

Und was ebenfalls stimmte: Die Fragen nach den essentiellen Bausteinen des eigenen Lebens tauchten bei manchen später, bei wenigen zu spät, bei anderen hingegen sehr früh auf.

Matthias stellte sich diese Fragen schon zu einer Zeit, als Gleichaltrige noch auf der Suche nach sich selbst im Treibsand der Pubertät stecken blieben. Und er beobachtete genau, wie manche dieser Mitschüler sich erst mit ausgetreckten Armen und wild um sich schlagend aus dem Klammergriff der Schule befreien konnten. Oder aus dem Würgegriff der Eltern.

Junge, es wird langsam sehr ernst. Du musst dringend eine Ausbildung finden. Aber wie willst du das ohne Abschluss schaffen? Meinst du, dafür haben wir dich auf die Realschule geschickt? Dass du keinen Abschluss bekommst?

Nachdem dieser Junge in den Jahren 1976, 1977 und 1978 alles an Gitarrenmusik konsumierte, was nicht schnell genug vor ihm davonlaufen konnte, und nachdem er eifrig und mit unstillbarem Durst den Texten der großen amerikanischen Rockkünstler gelauscht hatte, verspürte er den Drang, sich weiterzuentwickeln.

Dazu passte, dass diese Welt der Erwachsenen, die sich vor ihm auftat und in die er jetzt eigentlich hineingleiten sollte, irgendwie nach Fäulnis roch. Erst war es ein leichter, süßlicher Geruch, den man nur mit jeder Menge Konzentration wahrnehmen konnte. Doch mit der Zeit wurde er präsenter. So lange, bis sich dieser Mief nicht mehr ignorieren ließ. Kein Sagrotan konnte übersprühen, was derart stark verrottete. Ein Gestank, der von nun an immer über den Dingen hing, die ihm eine Lehr- oder anderweitige „Respektsperson“ erklären wollte.

Waren die Schuljahre zuvor schon kaum auszuhalten, glichen sie jetzt, so kurz vor dem Ende der zehnten Klasse, purer, menschenverachtender Folter. Matthias kam alles, das Autorität und Obrigkeitsgehorsam ausstrahlte, komisch vor.

Er mochte keine Lehrer, keine Staatsgewalt, keine Parteipolitik, aber noch viel weniger hatte er Verständnis für diejenigen, die sich all diesen Irrungen und Wirrungen unterwarfen, ohne sie zu hinterfragen.

Von acht Uhr morgens bis dreizehn Uhr fünfzehn war krassestes Aus-dem-Fenster-gucken-und-Träumen angesagt. Auch der Musikunterricht konnte ihn nicht mehr retten, so gern er auch Herrn Ullrichs Ausführungen zuhörte. Ihm würde Matthias auf ewig dankbar sein. Dafür, dass dieser eine coole Lehrer ihn an die progressiven Rockbands herangeführt hatte, unter denen Deep Purple noch die zu ihrer Zeit harmloseste war.

Die neunte Klasse musste er schon zwei Jahre zuvor wiederholen, und die Mittlere Reife stand im Sommer ʼ79 mehr als nur auf der Kippe. Es gab gutes, kaltes Dosenbier in den Pausen, auf die er immer so sehnsüchtig wartete wie der Häftling auf den Besuch seiner Liebsten. Diese kurzen zwanzigminütigen Momente der Freiheit rochen zwar noch immer grauenhaft-übel, besonders dann, wenn man den Jungentoiletten zu nahe kam, aber diese Momente gaben Matthias auch die Möglichkeit, seine ganze Ablehnung dem System gegenüber zur Schau zu stellen.

Und wie er das genoss.

Direkt angrenzend an das Schulgelände lag der Sportplatz mit seiner angeschlossenen Vereinsgaststätte. Hier trafen sich dreimal wöchentlich die Ingos, Kalles, Günters, Haralds und Dietmars des Ortes, um ordentlich abzupumpen und um zwischen zwei Schoppen die Ballkünste der eigenen Söhne zu kommentieren.

„Nimm ihn nisch mit de Pick, verdomm nochmoar!“

„Bub, jetzt schieß endlisch!“

„Eieiei … aus deinem Jung wird nie ei gescheider Fussballeeer, gloob mir.“

Der Wirt hieß Klaus W. und war eigentlich ein ganz guter Typ. Nach ein paar Wochen des Abtastens dauerte es nicht mehr lange, da hatte W. – pünktlich zum Große-Pause-Klingeln –, das Bier für Matthias und seine Kumpels auf der Theke stehen. Und dann wurde der Kopf in den Nacken gelegt, das Maul weit geöffnet und das Bier geext.

Nachdem man festgestellt hatte, dass man auch in weniger als zwanzig Minuten mehr als einen Liter Gerstensaft trinken konnte, hatte sogar die Lehranstalt etwas Gutes.

Die Realschule hörte unwiderruflich nach der zehnten Klasse auf, doch blieb man als Schüler in den Vorjahren mindestens einmal „kleben“, so war man automatisch immer ein Stückchen älter, stärker und größer als der Rest. Und man gab den Ton an.

Zusammen mit Oliver, der schon immer als der Klassenstärkste galt, und einigen anderen „Null-Bock-Typen“ wurde geraucht, gepöbelt und gesoffen. Pünktlichkeit? Das Einzige, was Matthias zu dieser Zeit pünktlich wahrnahm, war das Klingeln zum Schulschluss.

Und weil das begierige Warten auf den Nachmittag auch unweigerlich dazu führen musste, dass man sich kaum noch mit zu machenden Hausaufgaben beschäftigen wollte, war die logische Konsequenz klar. Und sie bedeutete eben nicht nur, dass man ihm den Realschulabschluss im Sommer 1979 verweigerte, sondern auch, dass man diesen ungehobelten, immer nach Nikotin und Alkohol riechenden, in Jeans und US-Army-Hemden gekleideten, langhaarigen, unerziehbaren Halbstarken zusammen mit fünf weiteren Krawallmachern von der Eichendorffschule schmiss.

Das hatte gesessen.

Damit sah es für das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland nach einem Sieg innerhalb von nur wenigen Runden und für Matthias „Gonzo“ Röhr nach einem Knock-out aus. Das Land verpasste dem rebellischen Teenager hier, der partout weder hören, geschweige denn zuhören wollte, einen ersten harten Schwinger, der ins Schwarze traf. Das war schon kein Warnschuss mehr. Die Faust traf direkt auf den Solarplexus.

Daheim gab es eine Standpauke vom Allerfeinsten.

„Ist das dein Ernst, Sohn? Wie soll es jetzt weitergehen?“

Eigentlich war Matthiasʼ Rausschmiss aus dem Schulsystem nur folgerichtig. Besonders, wenn man die Entwicklung berücksichtigte, die er bis hierhin genommen hatte. Weniger als Trost, sondern vielmehr aus der Not heraus überreichte man ihm zähneknirschend einen Hauptschulabschluss, mit der Bedingung, sich in den letzten Wochen nicht mehr in der Schule sehen zu lassen.

Das Zeugnis fiel genau so aus, wie man es erwartete. Und schon damals war der Abschluss der Hauptschule nicht unbedingt der Garant für einen Ausbildungsplatz. Joachim Röhr war nicht amüsiert. Ganz und gar nicht.

Die letzten Schulwochen über ließ Matthias, der sich von nun an immer häufiger einfach Gonzo nannte, seine Tarnung fallen. Er gab einen Scheiß auf den Abschluss, den man ihm nicht geben wollte. Ihn kümmerten jetzt überhaupt keine Noten mehr, keine Klausuren, keine Hausaufgaben. Der gezielte Treffer der Eichendorff-Realschule in Kelkheim wurde von Matthias zwar registriert, aber danach konsequent ignoriert.

Was andere Schüler schon bereut hätten, nachdem ihre Eltern ihnen die Hölle heißgemacht hatten, löste bei ihm nur ein desinteressiertes Schulterzucken aus. Ein kurzes „Abbutze und weidermache“, das warʼs.

So was kam zuhause nicht gut an. Das konnte nicht sein Ernst sein, nicht als ältester Sohn der Familie. Nicht als der, der seinen drei Brüdern als Vorbild dienen und mit ihnen in die Zukunft schreiten sollte. Der Unfrieden kehrte in die eigenen vier Wänden ein – und Matthias? Der nahm das Gezeter und die Ermahnungen seines alten Herrn nur als weißes Rauschen von ganz weit weg wahr.

Es war zum Haare raufen. So hatte sich das Familienoberhaupt der Röhrs die Pubertät des ersten eigenen Sprösslings ganz bestimmt nicht vorgestellt. In ihm keimte zwar noch Hoffnung, dass es Karsten, Martin und Stephan Matthias nicht gleichtäten, aber eigentlich reichte das schon. Ein langhaariger, vermutlich Drogen nehmender Unterrichts- und Leistungsverweigerer, der zu allem Überfluss noch von der ...

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